CESARE DER MÖRDER SEINES BRUDERS
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schaute er sein Geschick; wollte er Cäsar nicht nur heißen, son-dern auch sein, so war ein Mann zuviel auf der Welt und mußteverschwinden; es fiel in Rom sofort auf, daß die Oktav der Be-lehnung des Herzogs von Gandia mit Benevent sein Todestagwar" 0 . Als er dann zwei Tage nachher mit durchschnittenerKehle und neun schweren Wunden aus dem Tiber gefischtwurde" d , wagte man an das Schrecklichste, an einen Brudermord,nicht gleich zu denken. Cesare hatte sich bisher noch nicht un-angenehm auffällig gemacht und noch keine öffentliche Probe vonder Schrankenlosigkeit seiner angeborenen Verbrechernatur ge-geben; so erkannte man seinen Stil nicht sofort 44e , sondern hattezunächst andere im Verdacht, wie die Sforza und die Orsini. DerPapst, vor Schmerz außer sich, fahndete mit fieberhaftem Eifernach dem Mörder; daß nur eine sehr hohe Persönlichkeit mitVerstand und Verwegenheit in Betracht kommen könne, war ohneweiteres klar llf . Sehr bald stellte er jedoch seine Nachforschungenvollständig ein; eine furchtbare Ahnung stieg in ihm auf, erkannte den unbändigen Zorn und die maßlose Eifersucht Cesaresauf seinen jüngeren, von ihm, dem Papste, bisher so auffälligbevorzugten Bruder. „Ich weiß wohl, wer ihn ermordet hat", riefer aus***. Er dachte nun eine Zeitlang daran, an Stelle Cesares,der sich seit dem Morde in seinem Palaste im Borgo St. Angeloeinschloß, einen anderen Kardinal zur Krönung nach Neapel zusenden, tat es dann aber doch nicht, wohl um kein unnötiges Auf-sehen zu erregen 1111 . Als dann Cesare, von seiner Legation nachRom zurückgekehrt, anfangs September das erstemal seit dem Todedes Herzogs von Gandia vor seinem Vater stand, fiel das eisigeBenehmen auf, welches dieser gegen ihn an den Tag legte 11 '.So maßlos aber des Papstes Schmerz über den Verlust seinesLieblingssohnes gewesen war, so rasch erlosch er; bald hatteAlexander seine Zähren getrocknet und sich mit den Tatsachenabgefunden. Schon im August 1497, also wenige Wochen nachder Katastrophe des Herzogs von Gandia, hieß es in Rom, Cesare,welcher damals in Unteritalien weilte, wolle die Kardinalswürdeablegen und — trotz seiner Subdiakonatsweihe — heiraten, eineNachricht, die nur vom Papste selbst ausgehen konnte llk . Schondamals galt Cesare in eingeweihten römischen Kreisen als Bruder-mörder, welcher die Tat aus Ehrgeiz und in der Begierde verübthabe, das Herzogtum Gandia an sich zu bringen, das, wie er
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