BETTINI
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Aber auch die Brüder von S. Marco selbst erschienen nun aufdem Plane. In der Tat war Gefahr auf Verzug. Führten doch dieGegner nichts Geringeres im Schilde, als die Lehre des Frate zu-nächst auf der ihnen voraussichtlich willfährigen Synode vonFlorenz verdammen und hierauf dieses Urteil von dem zugleichtagenden V. Laterankonzile bestätigen zu lassen 11 , so daß dannSavonarola von einer allgemeinen Kirchenversammlung unterZustimmung des Papstes als Ketzer gebrandmarkt und damitkirchlich unrettbar verworfen war — der furchtbarste Schlag,welcher ihn und seine Jünger überhaupt treffen konnte. Gereizt underbittert über die unaufhörlichen Angriffe der Gegner, ließen esdie Piagnonen an scharfen Antworten nicht fehlen. ZachariasvonLunigiana, Mönch in S. Marco, erwiderte auf die Erklä-rung der florentinischen Domherren, wer für eine Reform derKirche eintrete, der sei ein Ketzer, mit überlegenem Spotte, es seidoch sonderbar, daß der Glaube an eine kirchliche Erneuerung alsKetzerei zu einer Zeit angeschwärzt werden wolle, da J u 1 i u s II.das lateranische Konzil und der Generalvikar selbst die Provinzial-synode zu keinem anderen Zwecke als zur Reform der Kirche ein-berufen hätten 12 . Ähnliche Töne schlug Lorenz Maccia-gnini an 13 , ebenfalls Mönch in S. Marco; weitaus die schnei-digste Klinge schwang aber Lukas Bettini, der gelehrtestenund begeistertsten einer unter den treuen Söhnen des Frate. 1489zu Florenz von frateschen Eltern geboren, legte er am 23. Oktober1506 in S. Marco die feierlichen Gelübde ab 14 , ein Beispiel, wel-chem vier jüngere leibliche Brüder folgten; eine Schwesterwar die Gattin des biederen florentinischen GeschichtschreibersJakob Nardi. Dem Frate, welcher in dem aufgeweckten Kna-ben unvergeßliche Eindrücke hinterlassen hatte, mit Leib undSeele ergeben, stand Lukas stets in vorderster Reihe, wenn es galt,sein teures Andenken wider gegnerische Verunglimpfung in Schutzzu nehmen oder seine Lehre zu verbreiten. So gab er nicht nurdie Predigten über die Psalmen und über Ezechiel heraus", son-dern veranstaltete auch eine Sammlung der Aussprüche des Frateüber die Erneuerung der Kirche, die unter dem Titel „Orakelvon der Erneuer u n g der Kirche nach der LehreSavonarola s 16 " 1543 zu Venedig im Drucke erschien, aberschon bald der Liste der verbotenen Bücher verfiel 16 *. Ganz be-sonders aber ließ es sich Bettini angelegen sein, den gefährlichen
19 Schnitzer, Peter Delfin