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ZUM LEBEN UND STERBEN ALEXANDERS VI.
rend der Generalvikar unter Strafe des Kirchenbannes alle eigen-mächtige Predigt wie alles Prophezeien verbot 6 . Schon unterAlexander VI. lautete eine Hauptanklage gegen den Frate, er ver-künde ein neues, verkehrtes und verderbliches Dogma, womitdie Predigt von der Notwendigkeit einer Erneuerung der Kirchenach vorausgegangener schwerer Züchtigung gemeint war. Kaumhatte nun Leo X. den Stuhl Petri bestiegen, so schickte sichder Vikar des Erzbischofs von Florenz samt dem Domkapitelan, diese Lehre als förmliche Ketzerei zu brandmarken undzu verdammen (1514) 7 ! Natürlich mangelte es anläßlich derAnwesenheit Leos X. in Florenz 1516 erst recht nicht an Be-mühungen, den Papst zu neuer Prüfung, und das hieß unter denobwaltenden Verhältnissen zu strenger Verurteilung der Predigtenund Schriften des Frate, zu bewegen, und da diese Bestrebungendamals ihr Ziel nicht erreichten, so gedachte man das Versäumteauf der für das Frühjahr 1517 anberaumten Provinzialsynodenachzuholen. Um ihr die Verdammung zu erleichtern, schriebJustinian nicht nur selbst viel gegen Savonarola und einige Ketzer 8 ,sondern war auch darauf bedacht, den Vätern entsprechende Gut-achten angesehener Männer zu unterbreiten. So bat er Delfin umÜberlassung seiner Zwiegespräche gegen den Frate, von welchener sich einen starken Eindruck auf die Synodalteilnehmer ver-sprach. Der General sandte sie ihm mit der Bitte, ja dafür zusorgen, daß sie nicht verlorengingen oder in die Hände von Pi-agnonen fielen, die sich leicht daran stoßen könnten 9 . Einen wei-teren, seinen Absichten dienstbaren Sachverständigen glaubteJustinian in einem anderen Landsmanne, dem geschätzten Kano-nisten Gasparre, gefunden zu haben, welchen er daher eben-falls um seine schriftliche Äußerung über die Verdammungs-würdigkeit der Haltung Savonarolas gegenüber dem Papste wieseines prophetischen Anspruches ersuchte. Zu seinem nicht ge-ringen Erstaunen trat jedoch Gasparre in beiden Fragen offen undrückhaltlos auf die Seite des Frate, mit der Begründung, eineungültige und als solche öffentlich erwiesene Exkommunikationbrauche man der Lehre gefeierter Meister zufolge auch nicht zufürchten, wie man es niemandem wehren könne, an die Möglich-keit prophetischer Sendung noch in der Gegenwart zu glauben;die Prophetie des Frate selbst aber stehe mit der kirchlichenLehre sicher in keinerlei Widerspruch 10 .