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Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
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DER SCHWINDLER THEODOR

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Delfin, zur Zeit seiner Ergreifung in Florenz anwesend, übersandteseinem Freunde, dem Prior Jakob von Oderzo, den Pro-zeß Theodors mit einem Begleitschreiben 2 , worin er ein anschau-liches Bild von dem Leben und Treiben des seltsamen Mannesentwarf. Danach war Theodor, der Sohn griechischer Eltern,in seiner Jugend eine Zeitlang Novize im Engelkloster gewesen,dann aber zu den Olivetanern von S. Miniato übergetreten, wo erdie Gelübde ablegte. Aber auch hier litt es ihn nicht. Er warf dieKutte ab und trieb sich nun, einem ausschweifenden Leben frö-nend, in den größeren Städten Italiens umher, diente auch alsSoldat eine Zeitlang. Vom Heimweh nach den FleischtöpfenÄgyptens ergriffen, zog er dann aber das Gewand des hl. Romualdwieder an und fand Aufnahme in der Abtei S. Felix zu Florenz 3 , woer trotz gänzlicher Unwissenheit das Wort Gottes zu predigen anfing.Allmählich gelang es ihm, fromme Weiblein an sich zu locken,unter dem Vorgeben, er habe mehrmals Erscheinungen des Frategehabt und verkündige seine Lehre. Schließlich gab er sich fürden Engelspapst aus, dessen baldige Ankunft der Frate verheißenhatte, und ließ durch ein von ihm verführtes Mädchen das Gerüchtausstreuen, er sei der künftige Erneuerer der Kirche. Schon hattesich eine ansehnliche Menge Volkes um ihn als ihren Prophetengesammelt, als er verhaftet und seines üblen Wandels überführtwurde. Er gestand vor dem erzbischöflichen Generalvikare, ledig-lich aus Herrschsucht und Liebe zur Schlemmerei den Heiligengespielt zu haben. Zur Strafe wurde er zu zehnjähriger Klosterhaftbei den Olivetanern verurteilt, mußte aber zuvor im FlorenzerDome angesichts einer ungeheuren Menschenmasse ein offenesBekenntnis seiner Missetaten ablegen.

Theodor war zwar niemals Schüler Savonarolas gewesen 1 , ob-schon er seine Prophezeiungen wiederholte und Erscheinungenvon ihm vorgab. Allein gerade der Umstand, daß das Auftretendes nächsten Besten genügte, um das trotz härtester Verfolgungniemals ausgerottete Andenken des Frate zum mächtigen Feuerzu entfachen, führte den Medici die ständige Gefahr, welche ihnenvon dieser Seite her immer noch drohte, lebendig vor Augen. Am2. Februar 1515, zur selben Zeit, als das Verfahren gegen Theodorschwebte, ging daher der florentinische Inquisitor im Auftrage desErzbischofs auch gegen das Andenken Savonarolas vor und gebotdie Auslieferung seiner Reliquien, Schriften und Bildnisse 5 , wäh-