Druckschrift 
Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
Entstehung
Seite
276
Einzelbild herunterladen
 

276

DAS ZWIEGESPRÄCH

y&l

H

fassung nach Vertreibung der Medici nur hineinziehen ließ, weileben das unheimliche Gespenst eines blutigen Bürgerkriegesumging, welcher, wie damals Freund und Feind offen bekannte,nur durch seine tatkräftige Dazwischenkunft verhütet wurde 11 .Wenn Delfin behauptete, vom Morgen bis zum Abende sei derFrate mit weltlichen Händeln beschäftigt gewesen, schon seitJahren sei in Florenz nichts ohne seinen Willen geschehen, sosind dies handgreifliche Übertreibungen 12 , da längst feststeht, daßsich Savonarola nur um die großen Verfassungsrichtlinien, nichtaber um die Einzelheiten der Verwaltung annahm und von demihm so oft angedichteten allmächtigen Einflüsse schon aus demGrunde weit entfernt war, weil ihm ja doch in den Arrabbiateneine fest geschlossene mächtige Partei gegenüberstand, die ihmin der Signorie wiederholt den heftigsten Widerstand entgegen-setzte und ja schließlich auch den Untergang bereitete. Niemalswar er wirklicher Herr der Stadt, nicht einmal auf dem Gipfelseiner Macht und seines Einflusses hatte er das ganze Volkhinter sich 13 . Delfin schlug der Wahrheit ins Antlitz, wenn erdie Schuld an der in Florenz herrschenden Uneinigkeit immernur dem Frate in die Schuhe schob. Daß seine Predigt eineScheidung der Geister herbeiführte, welche sich bis in den Schoßder Familie hinein erstreckte, war unvermeidlich; alle tiefenreligiösen Bewegungen haben diese Wirkung und müssen siehaben, wie das Beispiel des Christentums, der Reformation undGegenreformation lehrt. Im übrigen waren aber Zwist undHader das Erbe der Stadt schon zur Zeit Dantes und fortandurch alle Jahrhunderte, und auch nach dem Tode des Ferra-resen wollten die lauten Klagen über die ewigen Streitigkeitenund Parteigehässigkeiten nicht verstummen 13 '.Wahrlich,"schrieb ein Arrabbiate,die Stadt schien im Zeichen der Ruhe-losigkeit geboren, um der Ämtergier und Habsucht ihrer Bürgerwillen 13b ." Den Frateschen selbst aber kam ihre Stadt zu Leb-zeiten ihres Frate geradezu wie ein irdisches Paradies vor 13c .

Einen breiten Raum nimmt in den Zwiegesprächen natürlichdie Frage des Gehorsams sowie der Gültigkeit und Verbindlich-keit des Kirchenbannes ein. Wie schon in seinen Briefen, so gehtDelfin auch jetzt wieder von der irrigen Annahme aus 13d , der Bannsei über den Frate nur verhängt worden, weil dieser der römischenVorladung nicht nachkam, während doch der Papst selbst, als der