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Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
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Seite
270
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DELFIN UND SAVONAROLA

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(Ps. 36, 35). Am Abende vorher zur Vorbereitung auf den Todam folgenden Tage ermahnt, soll er die Kunde unwirsch auf-genommen und während der ganzen Nacht die Mahner von sichgewiesen haben 110 . Ob er daher sicher von hinnen ging, das istmir ungewiß. Möge Gott ihm gnädig gewesen sein 111 !"]

Delfins Bericht über den Fall des Frate bedarf keines weiterenWortes. Aus ihm spricht eine Leidenschaftlichkeit, ein Haß, eineGemütsroheit, wie man sie bei einem Priester und Ordensmann,welcher bei jeder Gelegenheit mit salbungsvollen Bibelsprüchenum sich warf, am wenigsten suchen würde. Gleichwohl sindseine Briefe von nicht zu unterschätzender Bedeutung für dieGeschichte des Frate. Zwar bringen sie nichts wesentlich Neues;sie sind beredter in dem, was sie verschweigen, als in dem, wassie sagen. Es ist außerordentlich bemerkenswert, daß sie vondem peinlichen Ärgernisse, welches derFerrarese mit seinemmaßlosen Toben gegen die Laster der römischen Kurie, mit seinerallzu deutlichen Schilderung der dort herrschenden Unsittlichkeit,mit seiner kecken Übertretung des Predigtverbotes, mit seinerunerträglichen Kindertyrannei, mit seiner engherzigen Kirchen-und Sittenzucht und allen sonstigenTorheiten" erregt habensoll, entfernt nicht das Aufheben machen, auf welches man doch,bestünden die abstoßenden Schilderungen neuerer Schriftsteller 112zu Recht, notwendig gefaßt sein müßte. Wenn nun Delfin denFrate schmähte, um sich bei der arrabbiaten Signorie in Gunstzu setzen und ihren tatkräftigen Schutz für das bedrängte Engel-kloster und seinen schwer gefährdeten Prior zu gewinnen, sohandelte er ebenso eigennützig und stand auf keiner wesentlichhöheren Stufe als jener florentinische Flickschneider Johan-nes, welcher in denselben Tagen, in welchen Delfin Zungeund Feder wider den Frate spitzte, ein Schmähgedicht mit ge-meinen Beschimpfungen des letzteren verfaßte und der Signorievorlegte 113 , in den Schlußstrophen aber de- und wehmütig umeine Anstellung bat. So sang der Schneider:

Ihr hohen Herr'n, euch nahet er mit Zagen,

Der dieses sang, empfiehlt sich euren Gnaden,

Er schaffte bisher nur mit Zwirn und Faden,

Nun darf das Schneidern er nicht länger wagen.