geben, nachdem zuvor ihre Untaten laut verlesen worden waren.Inmitten des Platzes vor dem Palaste der Signorie wurde einhoher Balken aufgerichtet, um welchen ein ungeheuerer Holz-stoß gelagert war. Dahin wurden sie auf einem Brettergerüstegeführt, die Hände über dem Rücken gefesselt, nur mit einemkurzen Unterkleide auf dem bloßen Leibe bekleidet; dann wur-den sie aufgehängt und mit dem Stricke aus dem Leben befördert.Sofort legte ihnen der Henker die am Balken befestigten Kettenum den Hals, worauf das Feuer angezündet wurde, in welchemsie, zum großen Entsetzen der Zuschauer, gänzlich verbrannten;denn auch nicht ein Haar blieb von ihnen übrig. Die in Ascheverwandelten Leichen wurden auf Anordnung der Signorie sorg-fältigst in den Arno gestreut, da sich einige Weiblein dem Schei-terhaufen zu nähern begonnen hatten, um die Asche der Totenmit sich zu nehmen. Viele erwarteten, er werde zum Volkesprechen, als er zuletzt am Galgen emporgezogen wurde; aber(wie von Sinnen und außer sich 103 ) wagte er weder seine Augenaufzuschlagen, noch den Mund zu öffnen, er, der einst mit solcherKühnheit gepredigt hatte. Doch soll dem Vernehmen nach seinletztes Wort dieses gewesen sein: Als er nämlich hörte, wie derdegradierende Bischof sprach, er sei von der Kirche getrennt, daunterbrach er ihn sofort mit der Bemerkung: „von der streiten-den 104 ", (meines Erachtens 105 ) eine hochmütige Antwort. Auchdas will ich nicht verschweigen, daß er am Galgen von einerKnabenschar, welche ihn ehedem vor der Predigt mit Hymnenund Gesängen begrüßt hatte, mit Steinen beworfen wurde 106 .Es fiel auch auf, daß niemand von den Anwesenden, während erunter den Händen des Henkers seinen Geist aufgab, Gottes Barm-herzigkeit anrief, während man doch sonst in diesem Augen-blicke selbst für die größten Verbrecher die Hilfe des Himmelsmit lauten Zurufen anzuflehen pflegt 107 . Dies war das Ende des(Aufrührers und Ketzers) 108 , [der in seiner Aufgeblasenheit in derMitte auseinanderbarst, und alle seine Eingeweide quollen her-aus 100 . Er verdiente keines ehrenhaften Todes zu sterben, derso viele ins Verderben stürzte. Sein Andenken entschwand wieein Schall (Ps. 9, 7), und mit Recht kann man von ihm sagen:..Ich sah den Gottlosen, hoch erhoben, aufgeschossen wie dieZedern des Libanon, und ich ging vorbei, und siehe, er war nichtmehr, ich suchte ihn, und seine Stätte ward nicht mehr gefunden"
Druckschrift
Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
Seite
269
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