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Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
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259
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DIE PROPHETIE

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aber Stadtverweis erhalten, ohne seine Predigten beenden zudürfen 41 . Delfins Schreiben lehrt endlich, daß er gleich seinenZeitgenossen an der göttlichen Sendung prophetischer Männerund Prediger zur Bekehrung der Völker nicht im geringstenzweifelt und auch die Savonarolas nicht grundsätzlich leugnet;hätte dieser die Geschäfte Venedigs besorgt, so hätten ihn Barozziund Delfin in den Himmel erhoben. Der General nimmt auchzwei Schriftchen prophetischen Inhaltes entgegen, welche ihm derAugustiner Andreas zuschickt, und unterscheidet im Zu-sammenhange damit zwischen wahren und falschen Propheten,welche freilich sehr schwer auseinanderzuhalten seien; dochverrate sich der falsche Prophet durch Nichterfüllung seinerProphetie, es bleibe also nichts übrig, als geduldig zu warten".Ein solcher Bescheid kam nun aber wenigstens in den Augen derFrateschen einer Anerkennung der göttlichen Sendung des Frategleich, dessen Voraussage der Ankunft des neuen Cyrus sich in soauffälliger Weise bewährt hatte; und nach derselben Richtungwies Delfins Bewunderung für den unverkennbaren sittlichen Um-schwung, welcher sich in Florenz auf die Bußpredigt eines neuenJonas hin vollzogen habe. Er ließ auch keinen Zweifel daranübrig, daß dieser neue Jonas eben niemand anderer als der FrateHieronymus sei trotz der Bedenken seines Onkels, welcher eineso merkwürdige Bekehrung viel lieber auf Rechnung der Pro-phetie des sizilianischen Dominikaners Innozenz gesetzt hätte,als sie dem Verdienste des ihm als Ligagegners widerwärtigenferraresischen Predigers zuzuschreiben. Angesichts der politischenund kirchlichen Einstellung des Generals war es ohnehin schonsehr viel, daß er mit seinem Urteile über den Charakter der Pro-phetie des Frate überhaupt noch zurückhielt und diesen nicht vonvornherein als Schwindelpropheten brandmarkte, schon um damitauch seine Anhänger im Engelkloster zu treffen, welche sich zurAbtretung dieses Klosters an die Dominikaner von S. Marco er-boten hatten 43 . Wir erinnern uns, daß dieses sehr ernst gemeinteAngebot lediglich am Frate selbst scheiterte, welcher sich kluger-weise nicht darauf einließ, obschon er seinem eigenen Geständ-nisse zufolge am Engelkloster solches Gefallen hatte, daß er es, soviel an ihm lag, gerne gegen S. Marco und Fiesole zusammen ein-getauscht hätte 44 . Die Sache hatte noch ein Nachspiel im Palasteder Signorie, wo der unvermeidliche Abt B a s i 1 i u s das Kloster