DER ZWEITE JONAS
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Heuchler, so wäre er jetzt, auf die schlimmen Nachrichten ausPisa hin, gesteinigt worden 19 . Tatsächlich wird er ja auch vonvielen bitter getadelt, aber weitaus die Mehrheit der Bürgerschaft,und zwar gerade die Vornehmen, welche an der Spitze der Regie-rung stehen, treten für ihn ein und schenken seinen Voraus-sagungen Glauben, überzeugt, daß es so kommen werde, da dieErfüllung der früheren die beste Gewähr für die späteren sei. Erselbst predigt gegenwärtig nicht, sondern bleibt nun schon seitzwei Monaten, auf Grund eines päpstlichen Verbotes, der Kanzelferne 20 . Statt seiner läßt er einen Ordensgenossen 21 auftreten,welchen man für einen zweiten Frate hält; auch er verkündetdem Volke Erfreuliches und mahnt es, nicht zu verzagen; denndie Voraussagung Savonarolas werde sich aufs genaueste bewahr-heiten. Hältst Du aber den Dir von glaubwürdiger Seite zu-gegangenen Bericht für wahr, so mag er — der Frate — wohlauf der Hut sein, daß er nicht auf unrechtem Wege emporsteigtund in sein Verderben rennt. Ob sich nun das florentinische Volkaus Angst vor den schwebenden Gefahren oder aber auf seinePredigt hin bekehrt habe, das zu entscheiden, ist nicht meineSache. Nur das eine weiß ich, daß sich Florenz gegen früherbedeutend gewandelt hat. Jonas hatte vorausgesagt: „Noch vierzigTage, und Ninive wird zerstört" (Jon. 3, 4). Ob nun die Predigtdes Propheten oder die Furcht vor der Zerstörung die Schuld ander Bekehrung der Niniviten trug — gewiß ist, daß sie sich be-kehrten, Buße taten und Gnade fanden vor Gott.
Wie den Vorwurf ehrgeizigen Strebertums, so hielt Delfin aucheine weitere, von derselben Seite verbreitete Anschuldigung gegenden Frate für unbegründet. „Du sagst," schrieb er an B a r o z z i 2s ,„Du habest aus glaubwürdiger Quelle vernommen, der Frate habeeinen Genossen, welcher im vertrauten Verkehre mit einem un-reinen Geiste stehe, was man mir nicht vom Genossen, sondernvielmehr von ihm selbst berichtet. Ich halte dies nicht für wahr.Er sehe selbst zu, von welchem Geiste er besessen ist . . . Wenner so verblendet ist — was mir nicht wahrscheinlich scheint —bei Verkündigung des göttlichen Wortes der Eingebung des bösenGeistes, des Vaters der Lüge, zu folgen, so wird ihn das göttlicheStrafgericht bald ereilen, das Du ihm in Aussicht stellst." Diesesgewiß unverdächtige Zeugnis Delfins ist von höchstem Werte undfällt angesichts der noch in neuester Zeit wiederholten Beschuld i-