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Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
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QUIRIN UND DIE KIRCHENREFORM

dem Großen oder auch nur mit U r b a n II. zu vergleichenund seinen kränklichen Bruder Julian mit Gottfried vonBouillon, das war in der Tat die schlimmste Entgleisung,welche den Einsiedlern je widerfahren konnte. Die überschweng-lichen Lobsprüche, mit welchen sie einen Papst überhäuften, derihre wohlgemeinte lange Denkschrift ohne Zweifel niemals zuEnde las, lassen sich, will man in ihnen nicht den Ausdruckwiderlicher Lobhudelei erblicken, nur mit Rücksicht auf denUmstand einigermaßen verstehen und entschuldigen, daß sie inSachen der Reform von Camaldoli ein Entgegenkommen bei ihmgefunden hatten, von welchem sie nun kühne Schlüsse auf seinenReformeifer überhaupt zogen. Und ihre Schrift ward überdiesschon in den ersten Wochen nach seiner Thronbesteigung aus-gearbeitet, zu einer Zeit also, in welcher die hochgespannten Er-wartungen, welche man in all den Kreisen, die den Neugewähltennicht näher kannten, auf ihn baute, durch die rauhe Wirklichkeitnoch nicht zuschanden gemacht waren. Als Quirin bald nachhernach Rom kam und im Vatikan unter einem Dache mit Leo X.wohnte, da mochte er sehr bald erkennen, daß dieser der Mannleider nicht war, für welchen er selbst und so viele andere ihn ge-halten hatten. Da mochte er seine auf ihn gesetzten Reformhoffnungen bedeutend zurückschrauben, wenn nicht für immer begra-ben. Mit Denkschriften, wie sie auch Johann Franz Pico vonMirandula 23 und zuvor schon der Einsiedler Angelus vonVallumbrosa" einreichten, war so wenig auszurichten wiemit billigen Konzilsbeschlüssen; hätten weise Verordnungen dasHeil der Kirche geschaffen, so hätte diese allzeit als irdischesParadies geblüht. So wie die Dinge lagen, war der einzige Wegzu wirklicher Besserung doch eben nur der, welchen zuvor schonSavonarola beschritten hatte und nach dem allzu frühenTode Quirins auch Justinian selbst einschlug: Die praktischeReform, welche vom kleinsten Kreise ausging und sich langsamzwar, aber unaufhaltsam, weiter ausbreitete, mit der eigenenPerson und mit einer zunächst geringen, aber immer mehr an-wachsenden Schar getreuer Jünger in einem Kloster, in einerStadt, in einer Landschaft begann, und dann wie ein Sauerteigdie ganze Masse der Kirche durchdrang. Zur Ausbildung einerden großen Umschwung mit unwiderstehlicher Macht nach sichziehenden Reformstimmung hatte schon Savonarola mit der hin-