UNAUSFÜHRBARKEIT DER REFORMVORSCHLÄGE -47
zurückschrecken, die Konventualen durch Unterbindung derGelübdeleistungen vollständig zu unterdrücken. Mit zahllosenZeitgenossen setzten sie die höchsten Hoffnungen auf die all-gemeinen Konzilien, die doch das Elend nur noch vermehrt, stattverringert hätten, ganz abgesehen von der ungeheueren Schwierig-keit, sie in dem von der Denkschrift vorgesehenen Umfange zuversammeln. Im ganzen betrachtet, waren die einsiedlerischenReformentwürfe ganz unausführbar; da sie Unmögliches forder-ten, so erlangten sie nichts. Die Juden, Ketzer und Ungläubigenbekehren, die Türken mit Krieg überziehen, alle fünf Jahre einallgemeines Konzil abhalten, das Ordenswesen von Grund ausumgestalten, die Kurie säubern, den Weltklerus verjüngen und dieLaien bessern — das waren Aufgaben so riesiger Art, daß sieselbst von einer Persönlichkeit mit übermenschlicher Kraft,heldenmütiger Entschlossenheit und himmlischer Einsicht nichtzu lösen waren, geschweige von einem genußsüchtigen Schwäch-ling wie Leo X., welcher für lustige Possen, schlüpfrige Schau-spiele und vergnügliche Tierhatzen schwärmte, der Kirchenreformaber verständnislos und gleichgültig gegenüberstand, seinem Vor-satze getreu, das Papsttum froh zu genießen, nachdem Gott es ihmgeschenkt habe 21 . Ebensowenig wäre in den Augen der EinsiedlerJulius II. der Mann gewesen, das ihnen vorschwebende un-geheuere Werk zu vollbringen. Sie haßten diesen Papst. Siehaßten in ihm als gute Venezianer den Urheber des furchtbarenKrieges gegen ihre Vaterstadt. Sie bekämpften ihn aber auchgrundsätzlich vom rein kirchlich-religiösen Standpunkte aus, dasie das Papsttum als religiöse Einrichtung mit religiösen Maß-stäben gemessen wissen wollten und es als Wahnwitz erachteten,als großen Papst einen Kirchenfürsten zu feiern 22 , der seineHauptpflicht, die Sorge um das Seelenheil seiner die ganzeMenschheit umfassenden Herde, um ein paar elender Festungenoder Landstriche willen gröblich vernachlässigte. Sie dachtengar nicht daran, daß etwa ein Ersatz hierfür in den künstlerischenVerdiensten des Papstes gelegen sein könnte, wie sie auch in ihrenan Leo X. gerichteten Mahnungen künstlerische Bestrebungen mitkeiner Silbe erwähnten, sondern immer nur die höchsten reli-giösen Aufgaben im Auge hatten, deren Erfüllung sie in maß-loser Überschätzung seiner Begabung ihm und nur ihm zutrauten.Einen Mann wie Johannes Medici mit Alexander