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Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
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QÜIRIN UND DIE KIRCHENREFORM

daß man im nüchtern rechnenden Venedig die Aussichten einesabendländischen Krieges gegen die Türken gar nicht für aus-sichtslos hielt, daß also das von Karl VIII. als Endziel seinesitalienischen Zuges bezeichnete türkisch-palästinische Unter-nehmen in den Augen der Zeitgenossen keineswegs als so aben-teuerlich und phantastisch erschien, wie es den Spätem vorkam.Über die Maßregeln, welche die Verfasser zur Bekehrung derIrr- und Ungläubigen vorschlagen, ein Gemisch gemeiner Pfiffig-keit und roher Gewalttätigkeit, ist kein Wort zu verlieren; sieatmen noch keinen Hauch neuzeitlichen Geisteswesens und sindder getreue Niederschlag augustinisch-mittelalterlicher Gewissens-knechtung. Von den Mitteln, welche zur Besserung des kirchlichenLebens empfohlen werden, sehen wir manche, wie die Hebungder Vorbildung des Klerus, die sonntägliche Predigt über dieEvangelien, Gebote und Glaubenslehren vom Konzile von Trient,andere, wie die Herstellung eines alles Veraltete ausmerzenden,nur das geltende Recht enthaltenden kirchlichen Gesetzbucheserst in den jüngsten Jahren durch den Codex Juris Canonici ver-wirklicht. Ganz neuzeitlich klingen die Forderungen nach Lesungder biblischen Abschnitte der Liturgie in der Volkssprache, diegegenseitige Erschließung und Benützung der Bibliotheken zu-nächst wenigstens durch die Orden und das Ausleihen der Büchergegen Empfangsschein. Durch die auf Grund eigener Wahr-nehmung der Einsiedler entworfene grauenhafte Schilderung derAusdehnung des römischen Dirnenwesens werden die so gern alsboshafte Übertreibungen verdächtigten Angaben I n f e s s u r a s"und Savonarolas 18 nur zu sehr bestätigt und die beliebtenAusflüchte abgeschnitten, als seien die bösen Fremden die Haupt-vertreter der Sittenlosigkeit 19 und andere Städte, wie Genua,Venedig, Paris, auch nicht besser gewesen 20 . Daß sich solche un-glaublichen Zustände unmittelbar unter den Augen der Päpste ent-wickeln und so lange behaupten konnten, bildet für diese eineewige Schmach. Über die sonstigen schweren Schäden der römi-schen Kurie wie der höheren und niedrigen Geistlichkeit gleitendie Verfasser rasch hinweg; nicht, wie es meist geschah, von Romund der Entartung des Weltklerus, sondern von der Verrottungdes Ordenswesens leiten sie das Verderben der Kirche ab, wie siesich von seiner Erneuerung auch eine Erneuerung des kirchlichenLebens versprechen, wobei sie sogar vor dem Antrage nicht