VORZÜGE UND MÄNGEL DER DENKSCHRIFT
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und pflege die Tugenden und laß Dich, wie auch schon bisher,durch kein Mißgeschick entmutigen, da Du ja weißt, daß alle,welche ein frommes Leben führen wollen, Verfolgung erleiden(2 Tim. 3, 12) und des Menschen Erdenleben ein Kriegsdienst ist(Job. 6, 1). Der letzte Akt der Komödie muß aber der sein, daßDu über der Sorge um Kirche und Welt Dein eigenes Seelenheilnicht aus den Augen verlierst und die Größe Deiner Kraft Dirnicht zum Verderben gereiche.
Q u i r i n und Justinian verkörperten in ihrer freund-schaftlichen Zusammenarbeit eine achtenswerte Welterfahrungund Menschenkenntnis. Ihr Blick blieb nicht auf die Schatten-länge ihrer Kirchtürme beschränkt, der eine hatte den Westen,der andere das Heilige Land bereist, vieler Herren Länder undStädte hatten sie mit offenen Augen und brennender Wißbegierdurchwandert. Und so bekundete denn auch ihre Denkschrift eineWeite des Gesichtsfeldes, wie sie von vornehmen venezianischenEdelleuten nicht anders zu erwarten war. Erst seit kurzem hattensie das Mönchsgewand angelegt und bis in ihr reifes Alter alsLaien gelebt; so hatten sie sich bei aller Neigung zur Frömmig-keit eine Unbefangenheit des Urteils bewahrt, die sich immerwieder bemerkbar machte und besonders in der rücksichtslosenBloßstellung der schmählichen Unwissenheit und Verkommenheitder Ordensleute offenbarte. Sie kannten das Volksleben und ent-warfen namentlich von einer seiner dunkelsten Seiten, dem Aber-glauben, ein düsteres, auch die Aufmerksamkeit des Kulturhisto-rikers fesselndes Bild. Deutlich genug sind auch die Venezianerin der Denkschrift erkenntlich. Sie verraten sich nicht nur inihren scharfen Anspielungen auf Julius IL, sondern auch in ihrernachdrücklichen Empfehlung des türkischen Krieges und dermorgenländischen Eroberungen, besonders aber im Wunscheeiner Reinigung der nordafrikanischen Küste von den dortigenSeeräubernestern. Daß jedoch ein dreimonatlicher Aufenthalt inPalästina nicht genügte, um sich einen zuverlässigen Einblick indie Lage der sämtlichen morgenländischen Kirchen zu ver-schaffen, das lehrte Justinian mit seiner vielfach ebenso unklarenwie übertriebenen Darstellung der christlichen Nationen desOstens, während er sich besser über die Griechen unterrichtetzeigte, mit welchen seine Landsleute in unaufhörlichem lebendigenVerkehre standen. Aus der Denkschrift ist ferner zu entnehmen.