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QUIRIN UND DIE KIRCHENREFORM
legen. Solche Heilmittel sind in Rom ganz besonders am Platze,wo Ausschweifung und Zügellosigkeit am üppigsten wuchert.Gibt es hier doch keine noch so belebte Straße, in welcher nichtDirnen hausten; sogar der päpstliche Palast selbst ist vonschlechten Häusern in einer Weise umringt, daß weder derHeilige Vater sein Haus verlassen, noch irgend jemand zu ihmgelangen kann, ohne den Anblick von tausend Dirnen zu ge-nießen. Wer bewohnt sogar die Gasse, in welcher Du, HeiligerVater, Christi geheiligtsten Leib zu tragen pflegst, als solcheSchandweiber? So weit ist es sogar schon gekommen, daß dieKurialen offen am hellen Tage in den volkreichsten Straßen ihreDirnen zu Pferde mit sich führen, was wir nicht für möglichgehalten hätten, wenn wir nicht mit unseren eigenen Augen diesund noch Schändlicheres gesehen hätten, was sich gar nicht mit-teilen läßt. So ward Rom, ehedem die königliche und priester-liche Stadt, zum schmachvollsten und schmutzigsten Bordelle.Kein Priester oder höherer Würdenträger trägt Bedenken, nichtetwa nur eine, sondern eine Menge Kebsen zu halten und aus denEinkünften der Kirche aufs feinste zu füttern und zu kleiden.Wenn Du nicht siehst, was unter Deinen Augen vor sich geht, wiekannst Du das Amt eines Aufsehers bekleiden? Siehst Du es aberund drückst die Augen zu, so hüte Dich, daß es Dir nicht auchwie dem schwachen Heli geht! Säubere also die Stadt von diesemscheußlichen Unräte, der den Unwillen fast der ganzen Weltherausfordert, oder verbanne ihn doch wenigstens weit vonDeinem Palaste, denn solange solche Verhältnisse walten, ist eskein Wunder, wenn sich Rom bei den christlichen Völkern keinerbesonderen Verehrung erfreut!
Das kräftigste Heilmittel zur Beseitigung aller Schäden undWiederherstellung der alten Kraft und Schönheit der Kirchebesteht in der häufigen Veranstaltung von Konzilien, deren Unter-lassung an dem jetzigen traurigen Zustande der Kirche die Haupt-schuld trägt. Daher sollen die Orden ihre Kapitel, die BischöfeDiözesan-, die Metropoliten Provinzialkonzilien halten, die allge-meinen Konzilien aber sollen nicht erst alle zehn, sondern schonalle fünf Jahre fleißig zusammentreten, da die Kirche ohne sieerfahrungsgemäß nicht zu bestehen vermag. Da nun aber hierüber die Einheit der Gesamtkirche, wie über die Reform derEinzelkirchen, verhandelt werden soll, so ist nicht einzusehen,