ALLGEMEINE KONZILIEN
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warum nicht auch die Griechen, welche der Reform am meistenbedürfen, wie auch die sechs anderen morgenländischen Völkerdazu eingeladen werden. Denn wenn sich in alter Zeit allge-meine Konzilien versammelten, so wurden die Väter nicht bloßaus Italien oder Europa, sondern aus der ganzen Welt zusammen-gerufen; eben deshalb hieß man sie ja auch die ökumenischen.Wären sie nicht vernachlässigt worden, so wäre die römischeKirche jetzt nicht ihrer edelsten Glieder beraubt, noch wären soberühmte und vortreffliche Kirchen wie die afrikanische und dieasiatischen von ihrer römischen Mutter getrennt. Die Haupt-angelegenheit des gegenwärtigen, schon von Julius II. be-rufenen Konzils muß die Wiederherstellung der kirchlichen Ein-heit und die Beseitigung des (pisanischen) Schismas bilden. DerPapst soll die Reuigen gütig aufnehmen und nicht erst langeUntersuchungen über ihre Fehltritte anstellen, wie ja auch derVater den verlorenen Sohn ohne vorherige Erörterung seiner Ver-fehlungen ohne weiteres freudig in seine Arme schloß. In derAngelegenheit des Schismas, welches Julius II. soviel zu schaffenmachte, hat Leo ohnehin schon gewonnenes Spiel, da ihm Gott,der in seinem Pontifikate alles wunderbar fügte, die beidenUrheber des Schismas 16 in diesen letzten Tagen ganz unverhofftin die Hände gab und in einer Weise für ihn gewann, daß sienicht so fast von der Kirche als vielmehr nur von der PersonJulius II. abgefallen zu sein schienen. Und erfreulicherweisenahm Leo sie aufs liebevollste auf, ganz wie der gute Hirt dasverlorene Schaf auf seinen Schultern heimtrug. Ist nun die Ein-heit der Kirche wieder gewonnen, so muß alles Augenmerk aufdie Reform der römischen Kurie gerichtet sein, das ist das weit-aus Wichtigste und Vordringlichste. Zu diesem Behufe muß sichder Papst vor allem von der unaufschiebbaren Notwendigkeiteiner kirchlichen Erneuerung selbst überzeugen, sodann mit dendazu geeigneten Männern umgeben und endlich mit eisernerFestigkeit rüsten, um das einmal für Recht Erkannte und Be-schlossene mit unbeugsamer Entschiedenheit durchzuführen. Nurso wird er imstande sein, das Haus des hl. Petrus, welches er inzerstörtem, verwahrlostem und beinahe gänzlich zerfallenem Zu-stande übernahm, wieder herzustellen und aufzurichten. Dassind die Werke eines großen Geistes, einer großen Klugheit undgroßen Heiligkeit; wer dagegen wähnt, die Aufgabe eines großen
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