Druckschrift 
Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
Entstehung
Seite
241
Einzelbild herunterladen
 

DAS RÖMISCHE DIRNENWESEN

241

zellen von Savoyen und Piemont", sodann alle jene, welche bar-füßig und barköpfig, in einen Sack gehüllt, von Haus zu Hausgehen, und endlich die Konventualen aller Regeln, die am ein-fachsten in der Weise aus der Welt geschafft werden, daß mansie der Befugnis zur Gelübdeleistung entkleidet. Den Bischöfenist das Visitationsrecht über alle Klöster ihrer Sprengel einzu-räumen, vorausgesetzt, daß sie auch selbst mit gutem Beispielevorangehen, denn die Exemtionen hatten lediglich im Verfalle derbischöflichen Autorität ihren Grund und sind noch gegenwärtigunentbehrlich, solange wir nicht kirchliche Oberhirten, sondernreißende Wölfe vor uns haben.

Um den Laien die Gelegenheit zur Sünde abzuschneiden, solltedas überflüssige Eidschwören vor wie außer Gericht abgeschafftwerden, und das gleiche gilt von den Karten- und Würfelspielen,die Gewinnsucht und Betrug fördern, zu Jähzorn und Gottes-lästerung verleiten und so reichen Anlaß zur Sünde geben. DieEnthaltung von Fleischspeisen und das Fasten während derAdvent- und Fastenzeit sollte nicht unter schwerer Sünde ge-boten, sondern durch vollkommenen Ablaß belohnt werden, umnicht mehr Gelegenheit zur Verdammnis zu geben. Den Män-nern gereichen die üppigen Weiber zum Ärgernisse, welche sichschminken, bei der hl. Messe und Predigt mitten unter die Männerstellen und mit aufgelösten Haaren auf den Straßen zeigen;ihnen sollte das Schminken untersagt und geboten werden, nurmit bedecktem Haupte auszugehen, während in der KircheFrauen und Männer, wie es bei den Juden gebräuchlich ist,strenge voneinander zu sondern und die ersteren vorne, dieletzteren rückwärts aufzustellen sind. Der abscheulichste Greuelaber ist es, daß die Dirnen, welche ehedem in abgelegene Stadt-teile verwiesen waren, nunmehr in allen Straßen und Plätzenunbehelligt wohnen dürfen, ein Übel, welches ganz besonders inRom selbst herrscht und überall den größten Schaden anrichtet,da nicht nur den Männern auf Schritt und Tritt Anreiz zur Sündegeboten, sondern auch den jungen Mädchen durch den Anblickdieser verworfenen Weiber das schlechteste Beispiel gegebenwird. Der Papst, der sich nicht nur um gewichtige, sondernauch um ganz geringfügige Dinge kümmern muß, sollte sie ineinen Winkel der Stadt verbannen und das Vermieten von Woh-nungen in anderen Stadtteilen an sie mit strengen Strafen be-

16 Schnitzer, Peter Delfin