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DELFIN UND DIE KIRCHENREFORM
Urheber der Wahl Leos angesehen wurde, seine besondere An-erkennung und seinen Dank dafür aus", daß er eine so göttlicheWahl zustande gebracht habe. Als er nach langem Harren 45 inRom endlich zum Papste vorgelassen wurde, da pries er in einerschwungvollen Anrede 46 den Medici als die Medizin für die Kirche,feierte in den höchsten Tönen seine Vorzüge und Tugenden, seineSanftmut, Güte, Frömmigkeit, Weisheit, Enthaltsamkeit undHeiligkeit, und gab der Erwartung Ausdruck, er werde nach denendlosen Kriegen den ersehnten Frieden bringen und dieSchwerter in Pflugscharen verwandeln, die Religion erneuern, dieSimonie nach dem Nordpole verscheuchen und Sorge tragen, daßdie kirchliche Freiheit nicht länger von den Laien durch gewalt-sam erpreßte Steuern und Abgaben verletzt werde. Er schloßseine Ansprache an den Papst mit der Versicherung seiner Ver-ehrung, Huldigung und Anbetung, die er ihm als dem unzweifel-haften und wahren Stellvertreter Christi und Schlüsselträger deshimmlischen Reiches bezeige 47 . Höher konnte die Speichel-leckerei selbst Delfin, der darin Meister war, nicht mehr treiben.Aber die Ernüchterung ließ nicht auf sich warten. Es gelangihm nicht, Quirin und Justinian aus der Gunst des Papstes zuverdrängen, und als er sich gar, was er niemals für möglichgehalten hatte, seinen ihm verhaßten Gegnern geopfert sah, dawar und blieb er auch gegen Leo tiefstens verstimmt, dessenunverhofften Tod er mit eisiger Kälte verzeichnete 48 .
So überraschend ihm, wie der ganzen Welt, die WahlH a d r i a n s VI. kam, so schlecht sie von der öffentlichenMeinung in Italien 49 im allgemeinen aufgenommen wurde, so be-geistert ließ sich Delfin über sie aus. Zwar wunderte auch er sich 50 ,daß man ihn, obschon man zuvor nie etwas von ihm gehörthabe, aus so weiter Ferne berief; doch gelte das Wort der Schrift(Sprichw. 31, 10) von ihm, was aus der Ferne und von denweitesten Grenzen herkomme, das stehe in besonderem Werte.Den Kardinälen Soderini, Medici und Johann Picco-1 o m i n i sprach er seine Befriedigung über die vom HeiligenSenate getroffene glückliche Wahl aus, welche allgemein Beifallfinde, da sie auf einen religiösen, gottesfürchtigen, durchFrömmigkeit und Sittenreinheit ausgezeichneten Mann gefallensei, welcher die hadernden christlichen Fürsten endlich mit-einander versöhnen und zum gemeinsamen Kriege wider den