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DELFIN UND DIE KIRCHENREFORM
hatte er Kunde von ihnen erhalten, worauf er auch B a r o z z iMitteilung gemacht hatte. Als nun dieser eine Trostschrift an denKardinal zu richten gedachte, in welcher unter Berufung aufDelfin von jenen Schandtaten die Rede war, da wehrte dieser mitHänden und Füßen ab. „Wie leicht", schrieb er an den Bischof 32 ,„könnte die Schrift Leuten in die Hände fallen, welche inihrem schlechten Gewissen alles auf sich beziehen, und dem Kar-dinale oder Späteren schaden! Entweder radiere also meinen Na-men am Anfange des Schriftchens aus, oder sprich von den Fre-veltaten der einstmals heiligen Stadt überhaupt nicht! Wird erdoch schwerlich damit einverstanden sein, daß diese Dinge durchuns, denen er sie im Vertrauen mitgeteilt hat, zur Kenntnis an-derer gelangen, denn so wenig man sich aus der Sünde gegen-wärtig auch macht, so empfindlich ist man doch gegen jedenTadel. Wie es ja auch in der Schrift heißt (Jes. Sir. 32, 6): ,Woman dir kein Gehör schenkt, da verschwende deine Rede nicht!' "Wie es unter solchen Umständen, wenn die berufenen Wächterder Kirche selbst den Worten des Propheten (Is. 56, 10) gemäß„zu stummen Hunden wurden, die nicht bellen können", jemalshätte besser werden sollen, das war freilich nicht abzusehen.
Delfin aber wollte gerade bei Piccolomini um so weniger an-stoßen, je größer die Hoffnungen waren, welche er auf ihn setzte.Mit Angst und Bangen vernahm er seine schwere Erkrankung imWinter 1502/03. Inbrünstig flehte er um seine Genesung zum Him-mel, „denn der Tod eines so ausgezeichneten Mannes wäre einunersetzlicher Verlust für die Kirche 33 ". Sehr auffällig ist es, daßer sich über das Ableben Alexanders VI. in geheimnisvollesSchweigen hüllt. Hatte auch er Kunde von den furchtbaren Ge-rüchten über die näheren Umstände seines Sterbens erlangt, überwelche er sich nicht zu sprechen getraute? Schon waren vierWochen verstrichen, und noch war kein Nachfolger gewählt. Undschon hieß es, auch diesmal wieder werde das Gold den Ausschlaggeben und die höchste Würde der Christenheit aufs neue ver-schachert werden. „Wenn das Los auf einen solchen fällt,"seufzte der General 33 ", „so werden viele großes Ärgernis darannehmen. Gott behüte uns!" Doch gab er das Vertrauen nicht auf,die Wahl werde auf eine makellose Persönlichkeit fallen 33b , undals er dann endlich durch einen Eilboten des florentinischen Ban-nerherrn Peter Soderini die Nachricht von der Erhebung