MARIAN VON GENNAZANO
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Bischöfe von höchster Lauterkeit, die ihre Hand nach fremdemGute nicht ausstreckten und alle Geschenke verschmähten, ja ihreeigene Habe unter die Armen verteilten; zu ihnen gehöre der Prä-lat, an welchen auch er selbst der Gewohnheit gemäß ein kleinesGeschenk übersandt habe. Was den General von einer zu schrof-fen Verdammung der simonistischen Machenschaften und Um-triebe abhielt, war die Wahrnehmung, daß sie unter den Augendes Papstes selbst und unter seiner Zustimmung und Mitwirkungstattfanden. Leise Zweifel allerdings konnte er nicht unterdrücken.Ob es zulässig sei oder nicht, Pfründen gegen Bezug einer Pen-sion niederzulegen, das, meinte er", zu entscheiden sei Sache desPapstes, welcher allerdings auf Grund der Fülle seiner GewaltTag für Tag eine Menge solcher Pensionen genehmige. „Aber dasist nun einmal der Lauf der Welt, daß wir ein vermessenes Ver-trauen auf die göttliche Langmut setzen und die verrotteten Sittender Kurie für Gesetze ansehen. ,Wäre es nicht erlaubt,' sagtman, ,so würde es nicht allenthalben geschehen.' Man glaubt dieseSünde mit Weihwasser abwaschen zu können, für so leicht hältman sie im Vergleiche zu den viel größeren, welche heutzutagebegangen werden." Daß der Papst der Herr aller Kirchenämtersei und sie, wenn er wolle, auch verkaufen könne, beteuerte derGeneral ausdrücklich 10 ; fraglich sei nur, ob der Käufer sie auchmit demselben Rechte erwerben dürfe. Jedenfalls war unter sol-chen Verhältnissen eine kirchliche Erneuerung, das verkannteDelfin keineswegs, außerordentlich schwierig, und mit dem Kar-dinale Piccolomini und dem Bischöfe B a r o z z i war er derAnsicht, daß erst ein großes Ausreißen und Einreißen stattfindenmüsse, ehe man an das Pflanzen und Aufbauen denken könne 11 .Der Mann, auf welchen Delfin vor allen anderen seine Augenrichtete, wenn es die Verwirklichung der allgemeinen heißen Re-formsehnsucht galt, war der Augustiner Marian von Genna-z a n o 12 . Humanistisch glänzend geschult, mit einer herrlichen,klangvollen Stimme und seltenen Vortragskunst begabt, zählteMarian zu den gefeiertsten Kanzelrednern seiner Zeit. A n g e 1 oPoliziano schwärmte für ihn, Lorenzo de' Medici er-baute ihm, um ihn an sich zu fesseln, ein prächtiges Kloster, Her-zog Herkules von Ferrara hegte ein „grenzenloses Ver-langen", ihn zu hören, die Stadtväter von Norcia, der Heimat deshl. Benedikt, priesen ihn als den „Engel Gottes auf Erden".