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Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
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DELFIN UND DIE KIRCHENREFORM

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und Zwietracht anstiften. Den heftigsten Unwillen Delfins aberforderte die allenthalben üppig ins Kraut geschossene, besondersaber in Rom heimische Simonie und Habgier heraus.'Heutzu-tage", schrieb er an seinen römischen Prokurator C u c c i n i 4 ,gehorcht alles dem Gelde, und wohl noch niemals waren kirch-liche Güter so feil wie gegenwärtig, da Simon, der Magier, Tagund Nacht auf der Lauer steht und kirchliche Ämter versteigert.Es gibt niemanden oder doch nur ganz wenige mehr, die sichvor der Geißel des Herrn, der die Käufer und Verkäufer aus demTempel jagte, oder vor dem Stricke des Judas fürchten. Dieheilige Stätte sank zum Kaufladen herab, und niemand getrautsich, vom Eifer für das Haus Gottes ergriffen, die Tische derWechsler und die Stühle der Taubenhändler umzuwerfen."Sinddenn", klagte er 5 ,ihre Rachen niemals zu sättigen? Ich möchtesie mit dem Meere vergleichen, welches alle Flüsse verschlingtund doch nicht überläuft. Das sind die Sorgen der Leute, aufwelchen die Kirche ruht; in solcher Weise betreiben sie die künf-tige Kirchenreform! Doch schweigen wir darüber!"Ein greiserrömischer Würdenträger, ein rechtschaffener, ernster Mann,äußerte gelegentlich mir und meinen Begleitern gegenüber: ,Ihrwerdet hier in Rom viel schöne Worte finden, denn die römischeLuft ist voll schöner Worte.' So lautete sein Zeugnis. Ob es ihnenwirklich um Pflege der Wahrheit und Bekämpfung des Trugeszu tun ist, oder ob sie, wenn sie am meisten auf Betrug ausgehen,am meisten darauf bedacht sind, den Schein des Guten zu wahren,das bleibe dahingestellt 6 ." Als ihm der Kardinal M e d i c i einekleine Ordenspfründe wegschnappte, gab Delfin seinem Unmutemit den Worten Ausdruck 7 :Um schlechter wie um einträglicherPfründen willen werden wir gleicherweise belästigt, einen solchenGrad hat die Habsucht und Ämtergier der Priester erreicht. Dieletzten Trümmer des Ordens des hl. Romuald trachten sie an sichzu reißen und sein Erbe mit Hilfe der Großen zu überfallen. AlleGottesfurcht, alle Gewissenhaftigkeit ist geschwunden. Kaum istdie armseligste Pfründe erledigt, so ist sie auch schon von Be-waffneten besetzt. Nicht das Gesetz, nur die rohe Gewalt ent-scheidet, und es ist kein Wunder, daß wie das Volk, so derPriester ist." Mit diesen düsteren Schilderungen war nun freilichDelfins Versicherung 8 schwer in Einklang zu bringen, die römischeKurie wimmle von rechtschaffenen Männern, es gebe da viele