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DELFIN UND DIE KIRCHENREFORM
Zu den wärmsten Verehrern des Augustiners rechnete sich nunauch Delfin selbst 13 . Er nannte ihn einen zweiten Paulus, einenneuen Amphion, der mit dem unwiderstehlichen Zauber seinerLeier und seines Sanges sogar Felsblöcke erweicht habe 14 . Erschickte ihm, um sich bei ihm einzuschmeicheln, das eine MalHennen", das andere Mal Fische 18 und fand nicht Worte genug,um seiner Ergebenheit und Bewunderung für ihn und seine Be-redsamkeit Ausdruck zu verleihen 17 . In einem Schreiben an denKardinal Piccolomini rühmte er ihn als den ersten Predigerseiner Zeit und zweifelte nicht, wenn Marfan zur Verkündigungdes Wortes Gottes nach Rom komme, dann werde es mit derKirchenreform Ernst. In Florenz sei ein Kanzelredner — Sa-vonarola —, welcher sich beim Volke großen Ansehens erfreueund öffentlich erkläre, der Stadt Rom stehe baldige Erneuerungdurch das Schwert bevor. Er selbst, Delfin, möchte nicht so weitgehen, sondern nur annehmen, Rom bedürfe allerdings der Er-neuerung durch das Schwert, aber durch das Schwert des gött-lichen Wortes; wenn Marian es zücke, dann werde sich dieKirche ohne Blutvergießen verjüngen 18 . Da Marian am 13. Mai1497 zum Generale des Augustinerordens gewählt wurde, so hatteer als einflußreiches Mitglied der Kurie reichliche Gelegenheit,Hand mitanzulegen zur Linderung der zum Himmel schreiendenNot der Kirche. Doch ließ diese ihn kalt. Nicht ihr weihte er seineDienste, sondern dem Papste, von welchem er sich als Unter-händler in der schmutzigen Ehesache seiner Tochter Lukreziamit Johann Sforza, dem Herrn von Pesaro, gebrauchenließ 18 ; er starb am 4. November 1498.
Als Porphyrsäule der Reform bezeichnete Delfin gelegentlichden Kardinal S o d e r i n i 20 , seinen damaligen Ordensprotektor;doch das war eine speichelleckerische Phrase, welche nicht ernstgenommen sein wollte. Mit besserem Rechte baute er auf denKardinal Piccolomini, der nicht nur von ihm den würdigstenGliedern des Heiligen Kollegiums beigezählt wurde. Durch diefrevelhafte Ermordung seines Sohnes, des Herzogs von Gandia(Juni 1497), aufs tiefste erschüttert, hatte Alexander VI. einenAusschuß von Kardinälen zur Reform der Kirche eingesetzt, wel-chem auch Piccolomini angehörte 21 . Hierüber höchlichst erfreut,brachte ihm Delfin seine Glückwünsche zu dieser Auszeich-nung dar. Die Einsetzung eines solchen Ausschusses, erklärte er