DIE NACHLESE MABILLONS
tg5
Murano aufgestöbert hatte 22 . Alle diese Stücke, zweihundertzwei-undvierzig an Zahl 23 , wurden dann später von seinen Ordens-genossen Martene und Durand, durch eine dankenswerteEinführung in das Leben und Wirken sowie in das SchrifttumDelfins bereichert, der Gelehrtenwelt zugänglich gemacht 24 .
Delfins Briefen wird nicht nur Glanz und Schönheit, Anmutund Gefälligkeit der Sprache sowie eine Fülle biblischer unddichterischer Aussprüche, sondern ganz besonders auch Reich-haltigkeit des Inhalts an wertvollen Nachrichten über die kirchen-und weltgeschichtlichen Ereignisse seiner Zeit nachgerühmt 25 .Bedenkt man, daß er beinahe ein halbes Jahrhundert hindurch ander Spitze eines weitverzweigten Ordens stand; erwägt man ferner,daß er jahrzehntelang das volle Vertrauen des Kardinals Picco-1 o m i n i genoß, mit welchem er nicht bloß beständigen schrift-lichen, keineswegs nur amtlichen, sondern wiederholt auch per-sönlichen Verkehr pflog; berücksichtigt man überdies, daß erauch zu anderen einflußreichen Männern des römischen Hofes,besonders zu seinem Prokurator Mariano Cuccini, wel-cher sich des größten Ansehens an der Kurie erfreute 26 , lebhafteBeziehungen unterhielt; vergegenwärtigt man sich, daß er wieder-holt auch selbst längere oder kürzere Zeit in Rom weilte, einennicht geringen Teil des Jahres bald in Florenz, bald in Venedig,den Heimstätten kirchlichen und politischen Ränkespiels, zu-brachte, mit den venezianischen Botschaftern, seinen Landsleutenund Freunden, welche in die geheimsten Machenschaften derfürstlichen Höfe, an erster Stelle des römischen, eingeweihtwaren, auf vertrautestem Fuße lebte, endlich durch Boten aus denwichtigsten Stätten seines Ordens über alle nur einigermaßenwichtigen Vorfälle auf dem laufenden erhalten wurde, so läßtsich unschwer erkennen, welch unermeßlichen Stoff kostbarsterzeitgeschichtlicher Nachrichten er aufzuhäufen und der Nach-welt zu überliefern in der Lage war. Er reichte noch in dieZeiten der heißen Kämpfe S i x t u s' IV. mit den M e d i c i zu-rück, die Pontifikate Innozenz' VIII., Alexanders VI.,Julius' IL, Leos X., Hadrians VI. hatte er vollständigmiterlebt, die furchtbaren Jahrzehnte, welche über das Schicksalder abendländischen Christenheit auf Jahrhunderte hinein ent-schieden. Ein Mann der Feder durch Beruf und Neigung, der,wie wir sahen, nicht weniger als viertausend Briefe hinterließ 37 ,
13*