4o
DELFINS ANFÄNGE
■;
ter", schrieb er an einen befreundeten Einsiedler 24 , „wirst Du wohlkeineswegs bedürfen. Sie ging Dir im Tode voraus, wie es dieOrdnung der Natur mit sich brachte, und wie es wohl auch ihreigener Wunsch war, auf daß sie der Gebete ihres Sohnes zurTilgung ihrer irdischen Makel nicht entbehre. Gib Dich alsonicht länger mehr dem Schmerze um sie hin. Es genügt, wennDu einen oder zwei Tage trauerst 25 ."
Da Maffeo Gerardi 1466 zum Patriarchen seiner Vaterstadt er-wählt wurde, so ging der Abtsstab in die Hände Peter Dona-tos über. Er hatte den Mut, sich einer Aufgabe zu unterziehen,vor welcher selbst ein Mann wie Paul Venier zurück-geschreckt war, dem Baue einer neuen Klosterkirche. Als derOrden 1212 in den Besitz S. Michaels kam, fand er hier einKirchlein vor, welches den bescheidensten Ansprüchen nicht ge-nügte und sofort erweitert werden mußte 26 . Seitdem waren Jahr-hunderte verstrichen; das Gotteshaus war inzwischen so bau-fällig geworden, daß sich ein Neubau nicht mehr umgehen ließ,der freilich so viele Auslagen und Mühen verursachte, daß sichniemand recht an ihn heranwagte. Am wenigsten wollten dieMönche von S. Michael selbst von ihm wissen. Sie fürchteten,der Bau geschehe auf Unkosten ihres eigenen Unterhalts undwerde die klösterlichen Einkünfte in einer Weise beanspruchen,daß die Ausgaben für ihre Ernährung und Kleidung sowienamentlich für die Ausbildung des klösterlichen Nachwuchses inempfindlicher Weise eingeschränkt werden müßten. Delfin gabder allgemeinen Mißstimmung in einem Schreiben an den AbtAusdruck 27 , welchem er sogar übertriebene Sparsamkeit undKnauserigkeit vorwarf. Donato ließ sich jedoch von seinemVorhaben nicht abbringen und nahm den Bau ungesäumt in An-griff, ohne seinen Pflegebefohlenen oder ihrem Wortführer obihrer freimütigen Vorstellungen zu zürnen. Er hatte seinen Lieb-lingsschüler Delfin ganz besonders ins Herz geschlossen, über-zeugt, daß er noch zu hohen Dingen im Orden berufen sei; sonahm er ihn denn auch zum Generalkapitel mit sich, welches 1474zu Fontebuona stattfand. In Gegenwart des KardinalprotektorsBerard von St. Sabina, des Generals M a r i o 11 o undder anderen Väter hielt Delfin eine Rede 28 , worin er den Camal-dulenserorden mit starker Übertreibung als den nicht bloß derZahl seiner Klöster und Mönche, sondern auch seiner Strenge und