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Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
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AM STERBELAGER DER MUTTER

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und bemerkenswerten Tat, von welcher ich las oder hörte, wie voneinem tödlichen Gifte abkehrte. Kamen doch auf der hohen Schuledie leuchtenden Beispiele der alten Philosophen häufig zur Sprache,die sich aller Habe entblößten und aus Liebe zur Tugend einLeben in der Einsamkeit führten, uns zum lebendigen Muster derWeltverachtung. Und doch ließ ich mich wie ein harter und un-beweglicher Block durch ihr Vorbild nicht zum süßen Verlangennach den ewigen Freuden erweichen und verlachte ihr ruhiges,weltabgekehrtes Leben, statt es zu preisen."

Da das Kloster S. Michael durch seinen trefflichen A b t P a u 1V e n i e r zu einer gemäßigten Observanz bekehrt worden war,so wuchs Delfin hier in einer ernsten Auffassung und gewissen-haften Übung der klösterlichen Pflichten heran. Er ward, wie erselbst bekannte 21 , daran gewöhnt, seinen Leib in strenger Zuchtzu halten, allem Fleischgenusse, von etwaiger Krankheit abge-sehen, für immer zu entsagen, sich mitten in der Nacht zum Chor-dienste vom Lager zu erheben, zur bestimmten Zeit strengstesStillschweigen zu beobachten und das Kloster nie zu verlassen, essei denn mit Erlaubnis des Abtes. Delfin erhielt das Lob, daß erseinen klösterlichen Verpflichtungen von allem Anfange an mitder größten Gewissenhaftigkeit nachgekommen sei; es wurde sogarerzählt 22 , er habe sich, als seine Mutter auf dem Sterbebette densehnsüchtigen Wunsch aussprach, ihn, ihren Lieblingssohn, nochein letztes Mal zu sehen, entschieden geweigert, der Kranken dieseFreude zu bereiten, obschon er von seinem Abte die Erlaubnisdazu erhalten hatte. Eingedenk des Wortes des Erlösers:WerVater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert"(Matth. 10, 37), habe er lieber auf den letzten Abschied von seinerMutter verzichtet und den Anschein unkindlicher Gefühllosigkeitauf sich geladen, als in einem so wichtigen Stücke gegen dieOrdensregel zu verstoßen. Diese rührende Erzählung leidet nur andem Fehler, daß sie erdichtet ist. Delfin berichtete später selbst,daß er der brüderlichen Einladung wirklich entsprochen und dieschwerkranke, bereits in den letzten Zügen liegende Mutter besuchtund bei dieser Gelegenheit mit seinem Bruder und seiner Groß-mutter zu Mittag gespeist habe, obschon er nicht in dieser Absichthingegangen sei 23 . Gemütsmensch war Peter Delfin offenbar nicht;seine Trauer um die verstorbene Mutter ging nicht sehr tief undwährte nicht lange.Der Trostworte ob des Todes Deiner Mut-