DIE EINSIEDELEI BEI S. MICHAEL
Zelle sein rauhes Einsiedlerleben fort, und das gleiche tat Marin,der sich nunmehr, vom Lehrer zum Schüler geworden, seiner Lei-tung willig überließ. Ja es währte nicht lange, so kamen auchOrseolo und Gradenigo zu ihm in die Einsiedelei und ordnetensich ihm demutsvoll unter, während Morosini nach Venedig heim-kehrte, wo er das Kloster S. Georg auf der gleichnamigen Inselerbaute, dessen erster Abt er dann wurde 20 . Voll namenloser Ver-wunderung blickten die Gläubigen der Umgebung Cusans aufRomuald und Gradenigo, die mit dem Spaten das Erdreich locker-ten und Weizen bauten, in härtestem Fasten von der Arbeit ihrerHände lebend, mit einer Handvoll gekochter Erbsen zufrieden 21 ;und gerade der Hintergrund des reichen Klosters mit seinen wohl-gepflegten Bewohnern ließ die entsagungsvolle Armut der schlich-ten Büßer in ihren elenden Klausen im hellsten Lichte erstrahlen.So groß war Romualds Ansehen, daß eines Tages sogar der mäch-tige Graf O 1 ib a , in dessen Herrschaftsbereich S. Michael lag, inseiner Zelle erschien und die Missetaten bekannte, welche sein Ge-wissen bedrückten. Unerschrocken erklärte der Einsiedler, für ihngebe es, wenn er sein Heil nicht verscherzen wolle, keinen anderenAusweg, als die Flucht aus der Welt. Der Graf erhob zwar leb-hafte Einwendungen, noch niemals habe jemand eine so harteZumutung an ihn gerichtet. Die Bischöfe und Äbte seines Gefol-ges stimmten aber dem Büßer mit der Entschuldigung bei, nur dieFurcht habe sie bisher zurückgehalten, dem Grafen denselben Ratzu erteilen. So pilgerte dieser 988 samt dem Abte Guarin, Grade-nigo und Marin — der Doge Orseolo hatte das Zeitliche 987 be-reits gesegnet — nach Montecasino, wo er sein Leben als Mönchbeschloß 22 ; Gradenigo ließ sich in der Nähe als Einsiedler nieder,während Marin seine Klause weiter nach Süden verlegte, aberschon bald von den Sarazenen ermordet wurde 23 .
Aber auch für Romuald hatte die Stunde des Abschieds von S.Michael geschlagen. Er hatte die Nachricht erhalten, sein VaterSergius sei als Büßer ins Kloster S. Severo bei Ravenna eingetre-ten, nun aber wieder rückfällig geworden und gesonnen, zu denFleischtöpfen Ägyptens zurückzukehren. Um dies zu verhindern,hatte sein Sohn in die Heimat zu eilen beschlossen. Kaum hattejedoch das Volk der Umgegend von Cusan vernommen, der Got-tesmann wolle sie verlassen, als sie dies um jeden Preis zu ver-eiteln trachteten und selbst vor dem Entschlüsse, ihn nötigenfalls
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