der Neutralitätsvertrag nicht aus. Der ehemalige Ministerdes Äußern schließt daraus, daß die Großmächte die Un-abhängigkeit Belgiens mit ihrer Heeresmacht nur dann ver-teidigen werden, wenn sie ein Interesse daran haben. ImJahre 1870, so fährt Herr de Favereau fort, hätte Englandganz gewiß das Eindringen französischer Truppen in Belgienverhindert, weil es sein Interesse so erforderte und weil da-mals zwischen Frankreich und England kein Bündnisverhältnisbestand. Dies hat sich jetzt geändert. Frankreich und Eng-land haben die Entente geschlossen, und sollte sich ein deutsch-französischer Krieg wiederholen, so wäre es mehr als zweifel-haft, ob England sich entschließen würde, dem, wenn nichtförmlich verbündeten, so doch eng befreundeten Frankreichin die Arme zu fallen, falls dieses es für ersprießlich haltensollte, seine Truppen durch belgisches Gebiet marschieren zulassen. Daß in einem derartigen Falle Belgien aber von eineranderen Seite als England Hilfe gebracht werden könnte, wirdselbst der größte Optimist nicht behaupten können. Der ehe-malige Minister des Äußern machte die weitere Enthüllung,daß ihm während seiner Amtsführung Dokumente zu Gesichtkamen, die in zweifelloser Weise beweisen, daß Belgien imFalle eines deutsch-französischen, Krieges diesmal nicht auf dieHilfe Englands, sondern ausschließlich auf die eigene Kraftrechnen könne, und deshalb bilden die militärischen RüstungenBelgiens, das neue Militärgesetz und die Befestigung der wich-tigsten Positionen eine absolute Notwendigkeit für den bel-gischen Staat. Herr de Favereau fügte hinzu, daß selbst dieeingefleischten Antimilitaristen sich zu seinen Theorien be-kennen müßten, falls es ihm gestattet wäre, jene Dokumentezu verlesen, die zufolge ihrer Natur als diplomatische Akten-
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