einigung Belgiens mit Frankreich verhindern 1B ). Nur der rus-sische Vertreter Lieven hatte die Weisung, unbedingt zuwidersprechen. Aber alles stürmte auf ihn ein und für ihnwar kein Zweifel mehr, daß seit dem Ausbruch der polnischenRevolution der Widerspruch des Zaren seine alte Kraft ein-gebüßt hatte, am dritten Tage setzte er, um die IsolierungRußlands, den Bruch mit England und den Anschluß Belgiensan Frankreich zu vermeiden, seinen Namen unter das Proto-koll, das die Unabhängigkeit Belgiens einer Welt verkündete,die nicht daran gewöhnt war, daß ein aufständisches Landeinen neuen Staat begründe und die Anerkennung der Groß-mächte finde 20 ).
Zugleich erklärten alle Großmächte, daß sie unter keinenUmständen einen Nutzen aus der Neuregelung Belgiens ziehenwollten. Die vier Mächte hatten sich auf den Boden gestellt,Frankreich möglichst wenige Vorteile, sich selbst aber mög-lichst wenige Nachteile bei der Anerkennung des revolutio-nären Staates aufzulegen.
Die Unabhängigkeit des neuen Staates ward an dieBedingung geknüpft, daß die internationalen Lasten auf ihmebenso beruhen sollten wie früher auf dem Ganzen, Belgiensollte mit seinen Grenzbefestigungen das Bollwerk Europasgegen Frankreich bleiben 21 ). Damit waren die Interessen der
19 ) A r n e t h, Wessenberg 2, 103. Die Österreicher hatten ohneInstruktion abstimmen müssen.
20 ) Vgl. das Nähere bei d e L a n n o y, S. 98 ff. und derselbe, Unepage d'histoire diplomatique. La Russie et la revolution beige de1830 in La Revue generale t. 81, 82. Bruxelles 1905.
21 ) „Sa Separation d'avec la Hollande ne saurait la liberer de sesdevoirs et de ses obligations" heißt es in dem Protokolle der Konferenz.
39