i
PK
Es war die letzte Konferenz, auf der Damen eine erheb-liche Rolle spielten, und ihre Briefe sind uns eine wichtigeQuelle. Das gilt zwar nicht von Gabriele von Bülow, dergemütsreichen Tochter Wilhelms von Humboldt; die FürstinLieven hingegen vereinte die Vorzüge einer erfahrenen Diplo-matin, die in ihrer leidenschaftlichen Neugierde die gründlichsteKennerin aller Geheimnisse geworden war, mit den Künstenihres Herzens. Sie hatte einst Metternich ihre Liebe ge-schenkt, nun genoß der englische Ministerpräsident Lord Greyihre Freundschaft und später folgte der französische Minister-präsident Guizot. Frei von den sehr bedenklichen Zügen ihresLebens war die Dame, die Talleyrands Haus vertrat, die Her-zogin von Dino, ein Muster von Feinheit und Grazie, von Ur-teil und Geschmack, obzwar auch sie Herzensromane er-lebt hat.
Die belgische Frage wurde etappenweise gelöst, unterdem Drucke gegeneinander wirkender Kräfte kommen fastplötzlich die beiden großen Entscheidungen, die Belgien erstdie Unabhängigkeit, dann die Neutralität schenkten, nachdemzuerst der Ausschluß des Hauses Oranien die Kriegsgefahrschwer gesteigert hatte.
Die Neutralität wird plötzlich hervorspringen, sie waraber schon in dem Augenblick, als die Konferenz zusammen-trat, von einem ihrer Glieder ausgesprochen worden. GrafMatucziewicz hat am 15. Nov. dem Vizekanzler Graf Nessel-rode folgenden Vorschlag gemacht:
„Das Mittel, Belgien vor Frankreich und Holland vor Bel-gien zu behüten, wäre folgendes: Die fünf Mächte garantiertengemeinsam durch ein Protokoll oder einen Vertrag das Be-stehen des Königreich Belgiens und erklärten, daß keine von
m:
36
mmmmm