Staatsmänner erst aneignen. Monatelang rangen die Belgiermit der Konferenz. Monatelang bildeten sich die belgischenVolksvertreter ein, von sich aus Dinge lösen zu können, dieeinen durchaus europäischen Charakter trugen. Die Bedürf-nisse Europas und die Wünsche Belgiens auszugleichen, wardie Aufgabe der Londoner Konferenz. Wie konnte man dieeuropäische Aufgabe und die europäischen Pflichten, die dasKönigreich der Niederlande getragen hatte, auf den neuentstan-denen Staat übertragen? Dieser wird sein Selbstbestimmungs-recht erstreben, die Konferenz muß suchen, ihn mit den euro-päischen Forderungen verträglich zu gestalten.
Das Bild der Londoner Konferenz, die am 4. Novemberihre erste Sitzung in der belgischen Angelegenheit hielt, istnicht ohne Reize: Es war eine Beratung der in London be-glaubigten Vertreter der Großmächte mit den leitenden eng-lischen Ministern, was diesen von Vorteil war. Da war dervornehmste unter allen der Fürst Esterhazy, der jahrzehnte-lang Österreich vertrat; ihm war als Fachkenner der arbeits-lustige Freiherr von Wessenberg beigegeben. Rußland hattezwei Vertreter, den Grafen Lieven und den Polen GrafMatusziewicz, der nach dem Ausbruch der polnischen Revo-lution recht unpolnisch auftrat. Beide haben wider oder dochohne Instruktion die Entscheidung treffen müssen. Preußenvertrat der feinsinnige Heinrich von Bülow, dessen zarte Ge-sundheit ihn mehrfach behinderte 17 ).
17 ) Talleyrand schreibt über ihn an Mademoiselle (PrinzessinAdelaide): „C'est un homme d'esprit et qui comprend tres bien laPosition de son pays: les idees du temps actuel ne lui sont pasetrangeres" 7. Dez. 1830. Nouvelle revue retrospective 4, 232.
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