Druckschrift 
2 (1923)
Entstehung
Seite
234
Einzelbild herunterladen
 

I^MflflpHHnHHHHBHH

234 Zehntes und elftes Buch. Ende der Gesellschaft. Ihre Bedeutung. § 122.123

nsL_

I

|

'SMMI

mm

. \ .-'' !

I

kaufen. Die Bavensburger Gesellschaft hatte wohl immer Zapplerund äußerst konservative, am sichersten Geschäfte festhaltendeGesellen.

So wuchsen von 1460, 1470 andere Gesellschaften mit ausgeprägtkapitalistischem Charakter heran und bald über sie hinaus, selbstandere, deren Wirtschaftsgedanken ähnliche waren, wie sie dieBavensburger besaßen, so vor allem Nürnberger Firmen.

Wenn Bauer als Erfordernis zur Bezeichnung einer kapitalisti-schen Wirtschaft den Aufbau einer neuen Wirtschaftsorganisationbezeichnet und für jene Tage sie in dem Aufbau des Geschäftes vonoben findet, wo die Herbeischaffung von Massenartikeln aus derNeuen Welt vielfach die Anregung gab, nicht der heimische Bedarf,wo man nicht mehr auf Konsum- und Kleinabsatz aufbaute, sondernvon oben her monopolistisch die Waren an Unterverkäufer gab,so gehörte die Gesellschaft nicht recht in den Kreis dieser Firmen.Sicherlich hat sie den Konsum von Zucker und Safran in Deutsch-land gesteigert, bei den Metallen war sie ausgesprochen Unter-verkäufer der Fugger, in Lissabon trat sie nicht auf. Sie ging auchin der Produktionsbeherrschung behutsam vor. In der Leinwand-produktion hielt sie sich an Aufkäufer, ging nicht zum Verlage über.Das taten erst später in Oberschwaben die Großhändler der Beichs-städte und St. Gallens, bis im 18. Jahrhunderte die Baumwolle derLeinwand den Markt nahm. 1 In Spanien gab sie beizeiten die eigeneZuckerraffinerie auf und erneute sie nicht, als auf Madeira durchWaldbrände und Wurmfraß dieselbe Holznot eintrat, derselbeMangel an Brennstoffen, der in Beal de Gandia geherrscht habenmuß. 2 So war die Gesellschaft eine moderne Organisation in denersten hundert Jahren ihres Bestehens, aber sie machte, wie soviele andere Firmen, den Übergang zum schroffen Kapitalismusnicht mit. So tritt sie in dem letzten halben Jahrhundert zurück underliegt endlich, während andere Nürnberger, St. Galler Ge-schäfte gleichen Schlages ruhig weiter blühten, die dann auchweniger von den Bückschlägen getroffen wurden als die Fugger undWelser. Der kapitalistische Zug im deutschen Wirtschaftslebenward durch den Dreißigjährigen Krieg in enge Zeilen zurück-getrieben, hatte aber schon längst vorher die Bergeshöhe über-schritten.

Der Begriff des Kapitalismus ist fast so umstritten wie der des

Kapitals. 3 Es ist meines Erachtens auch nicht notwendig, beide

miteinander für fest verbunden zu erachten. Die Definition des

, Kapitals, die ich für richtig halte, ist die Dietzelsche: Kapital be-

, deutet das Ganze der sachlichen Mittel, welche als Ergebnisse

(früherer (oder vorgetaner) Arbeit irgendwie die Wirtschaft der

/Gegenwart fördern. Der Begriff des Kapitalismus wird aber das

1 Baumann 3, 570 ff.E., Kapitalismus, 1915.

König, Peutingerstudien, S. 132. 3 Vgl. Passow,

H

B

j

: .- h' HSwKSsel

>