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2 (1923)
Entstehung
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Neuntes Buch

Die Waren

I. Die Webwaren und ihre Rohstoffe

Erstes Kapitel

Leinwand

§ 95. Arten der Leinwand. Leinwand von Konstanz, St. Gallen und Ravensburg.Sorten, ihr Einkauf und Absatz. Ordnungen der Weber.

Die Behandlung der einzelnen von der Gesellschaft geführtenWaren ist sachlich nach den Warengattnngen angeordnet. Sie er-strebt nicht immer ganz tief in deren Geschichte einzugehen, beieinzelnen war es allerdings erwünscht und mitunter auch möglich.Dieses Gebiet ist bisher wenig angebaut, und Irrtümer sind dahernicht völlig zu vermeiden.

Am meisten hat sich das Interesse den Webstoffen zugewendet,mit denen ich schon deshalb beginne, weil äie Gesellschaft von derAusfuhr von Leinwand ausgegangen war.

Die Leinwand (im franz. toile, im katal. u. ital. tela) ist im Mittel-alter aus Flachsgarn meist in der einfachsten Bindung (Leinwand-bindung) hergestellt worden. Je feiner das Flachsgarn war, um somehr Kettenfäden gingen auf eine Tuchbreite. Bei 1600 Kettenfädenredete man von 16er, bei 1200 von 12er oder sagte, es sei das Stückaus dem 16er oder 12er Geschirr gewirkt. Tücher, die breiter waren,nannte man nach dem Quart (= Viertel), also fünfkärtige wareniy 4 Elle breit. Es war durchaus die Kegel, daß die Tücher einerZunft dasselbe, interlokal nicht gleiche Längenmaß hatten.

Grobe Leinwand, die aus dem 12er Geschirr gewirkt war, nannteman in Oberschwaben Golschen, die öfters irrig zum Barchentgestellt werden. 1 Feine Leinwand ging in der Zahl der Kettenfädenoft hoch hinauf. Blau gefärbte Leinwand hieß in BavensburgGugler. Zwillich wurde auf einem Webstuhle mit vielen Schäftenin Köperbindung hergestellt und gewährte die Möglichkeit, Muster

1 Für Memmingen beweisend Westermann 2, S. 570.