Druckschrift 
2 (1923)
Entstehung
Seite
233
Einzelbild herunterladen
 

Kapitalistische Elemente

233

vollsten Metallen, in Silber, Kupfer, Quecksilber und Bernstein,in dem Umkreise, der damals von den abendländischen Kaufleutendirekt erreicht werden konnte. Dazu kam außerhalb DeutschlandsAlaun und mit Deutschland Zinn. Seit den Fahrten Vasco da Gamastraten die aus Ostindien herbeigeholten Gewürze, soweit sie demKönige von Portugal zur Verfügung standen, hinzu. Die deutschenFürsten hatten ein Interesse daran, diese Werte möglichst in einerihrer Kasse nutzbaren Weise zu verwerten. Sie an kleine Händler zuvergeben, hieß auch ihnen Kredit gewähren, also Eisiko übernehmen.Aber bei den starken Erfordernissen der immer schneller wechselndenPolitik, bei der ewigen Ebbe in den Kassen der Eegierungen warenauch diese Fürsten auf Anlehen angewiesen, und bessere Pfandobjekteals diese Erträge bergbaulicher Einnahmen gab es nicht. Es warensohin die Interessen der geldbedürftigen Fürsten und die derjenigenGesellschaften, die Lust empfanden, sich an solchen Geschäftentrotz aller daraus sich ergebenden Konsequenzen zu beteiligen,identisch. Es kam zu einer engen Verbindung der Fürsten, die andem Bergsegen Anteil hatten, mit denjenigen Gesellschaften, dieden Metallhandel in erster Hand betrieben. Das waren in ersterLinie Augsburger Firmen, daneben auch andere. Die BavensburgerGesellschaft hielt sich davon fern, siebehielt also denselben Charakterwie die meisten Nürnberger.

Sie erhielt also nicht eine starke Anlehnung an ein mächtigesFürstenhaus, während die Fugger sich auf Gedeih und Verderbenmit den Habsburgern verbunden hatten. Alle jene Vorrechte, diedie Fugger von den Kronen der Habsburger in Deutschland,Flandern und Spanien gewannen, waren für die Eavensburger un-erreichbar. Bei ihrem Mißtrauen gegen die Krone Frankreich hattensie auch nicht die Vorteile, welche andere Augsburger Firmen ge-wannen, die vorwiegend in Lyon Handel trieben. Auch die Bück-sieht auf die eidgenössischen Gesellen, diese wahren JSTothelfer,hieit sie wohl davon ab, sich allzusehr mit der Pohtik der Habs-burger zu verbünden. Strieder 1 hat überzeugend nachgewiesen, daßKirche und Staat die Bildung von Konsortien, von Trusts undMonopolen gefördert haben. Ihre Geschichte ist nicht hier zuschreiben, auch später nur zu berühren.

Auch von diesen meist äußerst gewinnreichen Geschäften hieltensich die Eavensburger fern. Eine solche Teilnahme war auch wohlsehr viel schwerer bei einer fast genossenschaftlichen Gesellschaftzu erreichen als bei jenen, die eine kleine Anzahl von stimmberech-tigten Teilhabern hatten oder bei modernen Aktiengesellschaften,deren Aufsichtsrat aus wenigen Interessenten besteht, denen dieMinderzahl ewig wechselnder Aktionäre, je kühner die Firma ist,um so bereitwilliger folgt; denn sie nimmt Hoffnungen für Eealitätenoder stellt sich wenigstens so, um bei günstiger Stimmung zu ver-

1 Studien zur Geschichte kapitalistischer Organisationsformen.