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232 Zehntes und elftes Buch. Ende der Gesellschaft. Ihre Bedeutung. § 122
die Gesellschaft erst einige Elemente aus ihr entnahm. Es klapptauch nicht immer die Bechnung. Jedenfalls hat das Bild, das sichergab, mich überrascht.
Aber wie steht es mit dem Aufbau einer neuen Wirtschafts-organisation, die ein neuerer Forscher neben den eben besprochenenMerkmalen für eine kapitalistische Organisation fordert? 1 Hier mußich, um den Abstand der Bavensburger von den anderen Kaufleutenklarzulegen, einen Umweg machen und auf die allgemeinere Ent-wicklung greifen.
In der Theorie standen um 1200 Kirche und Staat auf dem Bodender damaligen kanonistischen Geldlehre. Aber stärker als Theoriensind Umstände, dringende, unabweisbare Bedürfnisse. Die Päpstehaben ein über den gesamten Kreis der katholischen Christenheitsich erstreckendes Gebührensystem eingerichtet, von dem derBiesenapparat der Kurie lebt, der Transport dieser oft widerwilligbezahlten Gebühren wäre unsicher, wenn sich die päpstlichenKollektoren nicht der Bankiers bedienten. Die Kurie hat ihreGeldnöte und hat Tage des Geldüberflusses, sie sucht bei denselbenBankiers Anlehen und Depositen. Das sollten die Kaufleute um-sonst tun? Die Kurie war gezwungen, Zins zu zahlen und dereigenen Lehre entgegen zu handeln. Aber auch die Staaten kamenin denselben Gegensatz. Vorwiegend naturalwirtschaftliche Ein-nahmen auf der einen Seite, auf der anderen steigende Bedürfnissenach barem Gelde, hervorgerufen durch die modernen Mittel derPolitik: Söldner, Diplomaten, Bestechungsgelder usw., das ist einDilemma, aus dem nur der geldkräftige, zinsennehmende Manneinen Ausweg darbietet. Für die deutschen Fürsten und Herren sinddas zunächst Juden und Kawerschen (meist Lombarden, vorwiegendAstigianen). Auch findet sich schon ein am Zinsverbote festhaltenderKaufmann, der gegen Verpfändung von Bechten sich zur Hergabevon barem Gelde entschließt. So hat der Straßburger Heinrich vonMülnheim schon Friedrich dem Schönen im Thronstreite erheblicheMittel geliefert. Ich vermag nicht zu sagen, wann geradezu einedeutche Kaufmannsgesellschaft dazu überging, einen Teil ihrer demHandel bestimmten Mittel diesem Zwecke entzog und auf ver-pfändete Herrschaftsrechte auslieh. Bei unserer Gesellschaft, beider der Mötteli, bei den Diesbach und Watt haben wohl einzelneTeilhaber auf Pfand erhebliche Summen den Territorialfürsten vor-gestreckt, nicht aber die Gesellschaft selbst tat das.
Aber es gab auch Territorien, denen erhebliche Einkünfte zu-standen, die im Handel verwertbar waren. Das waren in erster Liniesolche, denen der Bergsegen als Begalherren erhebliche, zum Teilaußerordentlich hohe Werte lieferte. Deutschland — Böhmen ein-geschlossen — war damals die größte Produzentin in den wert-
1 Theodor Mayer, Wesen und Entstehung des Kapitalismus in Zeitsehrit fürVolkswirtschaft und Sozialpolitik, N. F., Bd. 1.
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