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228 Zehntes und elftes Buch. Ende der Gesellschaft. Ihre Bedeutung. § 121
Bauern angewiesen. Der Sieger, der Bauernjörg, saß nahe genugauf der Waldburg.
Die allgemeine Stimmung war seit längerer Zeit den Monopol-gesellschaften äußerst aufsässig. Sie wendete sich gegen alle großeHandelsgesellschaften. Und die Meinung des Bavensburger Eateskennen wir, er beschloß auf den Städtetagen dafür einzutreten, daßden Handelsgesellschaften zu verbieten sei, ein größeres Hauptgutzu haben als 100 000 fl. Wir wissen freilich nicht, ob diese Grenzevon der Bavensburger Gesellschaft noch überschritten wurde. Dieuns überlieferten Verzeichnisse von 1525 stehen meist dem Mini-mum näher oder bieten es selbst. 1 Ich habe den Eindruck, daß seit1514 ein Bückgang der Mittel der Gesellschaft eingetreten war,während die der Bugger, Welser und anderer Häuser immer mehranschwollen. Der Bavensburger Bat kann also sehr wohl die eigeneGesellschaft gegen diese reicheren Konkurrenten haben schützenwollen. 2
Aber viel wesentlicher als alle diese geistigen Einflüsse war dochwohl der Niedergang von Gewissenhaftigkeit, Entsagung und Be-scheidenheit. Die übelsten Beispiele gaben die Konstanzer Batrizier-söhne, die allen Verboten von Kleiderluxus zum Trotz auf Kostender Gesellschaft sich teure Kleider kauften. Aber es waren nichtKonstanzer und Batrizier allein, die das taten. Abgänge in der Kassemehrten sich: ein Ulrich Ehinger und Hans Ernlin standen an derSpitze unter diesen sorglosen Gesellen. Es war der alte solide Geistaus manchem der Gesellen verschwunden. Das verträgt auf die Dauerkeine Handelsgesellschaft mit genossenschaftlichem Charakter.
Aber der tiefste Grund war doch wohl der, der rechtüche Charakterder Geseilschaft war nicht mehr der Zeit gemäß. Der Handel warviel spekulativer, viel rascher, viel mehr von schnellen Entschlüssenabhängig geworden. Ein alter Manu wie Hans Hinderofen, der inden gewiesenen Bahnen blieb und bleiben wollte, war zuletzt wohlkaum solcher Konkurrenz gewachsen, wie sie die Geschäfte derFugger, Baumgartner, Welser, Gossembrot usw. darboten, die inder Hauptsache mit durchaus abhängigen Faktoren arbeiteten,denen sie nicht die Geheimbücher vorlegten, die Herren sorgten fürihre eigene Kasse. Sie hatten geniale Kaufieute an ihrer Spitze.
Das war in der Zeit bis etwa 1460 auch bei den Bavens-burgern der Fall gewesen, nachher finden sich wohl trefflicheMänner, wie Andreas Sattler, Hans Hinderofen, Kloter, Hüleson,aber genialisch war keiner von ihnen. Wir sehen die Gesellschaft,die einst die erste oder vielleicht zeitweise nach den Diesbach-Wattdie zweite an Bedeutung gewesen war, zurücksinken, andere sieüberholen, weit überholen. Der Wagemut fehlte, die großen Ver-träge mit Fürsten und Bergwerksbesitzern fehlen und die Lust,Großes zu wagen. Es waren viele Köche am Herde und kein über-
1 Unten 3, 51. 2 Vgl. unten S. 229.
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