Politische Lage. Mangel an Führern. Keformation. Bauernkrieg 227
fang 1527 ihre kostbaren Waren aus beiden Städten nach Deutsch-land verbringen konnten. Sicherlich haben die Gelieger in Mailandund Genua ihre Tätigkeit mitunter unterbrechen, mindestens ein-schränken müssen. Der Kaufmann hofft, er verwendet alle Klug-heit, aber hatten die Eavensburger noch den alten Mut, nachdemSpanien verloren war, wenigstens in Italien sich zu behaupten?
Mit Hans Hinderofen war der dahingeschieden, der die Über-lieferung trug. Nächst ihm bezog 1525 Konrad Täschler die höchsteEhrung, 300 fl, 270 Alexius Hilleson, je 250 Jörg Stebenhaber, PeterWaldmann, Paul und Onofrius Hinderofen, 120 der später alleinals bedeutender Kaufmann hervortretende Joachim Wigermann,ein noch junger Mann. Es fand wohl keiner von ihnen das Vertrauender Gesellschaft. In solcher Lage war eine hinreißende Persönlich-keit erforderlich. Allem Anscheine nach wurde eine solche Dichtgefunden.
Haben Eeformation und Bauernkrieg eingewirkt? In Bavens-burg selbst war die Eeformation noch nicht recht in Fluß gekommen,aber in Isny, Kempten, Konstanz, Lindau, Memmingen siegte sievor 1528 oder in diesem Jahre. Wir wissen, daß Hans Hinderofenund Alexius Hilleson, auch die in der Gesellschaft nicht mehr vielbedeutenden Humpis an der alten Kirche festhielten, währendDr. Uelin, Oswald Kröll, die Konstanzer Wolf Apenteger, 1 Jörgvon Hoff, Euland Muntprat, Kaspar von Ulm und Konrad Zwickder neuen Lehre folgten. Von anderen fand ich bis 1530 keine Be-lege. 2 Im allgemeinen hielten, mit Ausnahme von Konstanz, dieAngehörigen der Geschlechter (auch in Memmingen) mehr am altenfest. 3 Es ist doch wohl kein Zweifel, daß in den Geliegern wie in denHeimatstädten die volle Einigkeit in der religiösen Auffassung auf-gehört hatte zu herrschen. Ein so großer Bund stand zweifellosunter sich widersprechenden Einflüssen. Wir haben gesehen, daßschon 1525 die Spenden „durch Gott" für Klöster wesentlich herab-gesetzt wurden, man spürt doch in etwa die Abneigung gegenMönche und Nonnen! Das ist doch auch bezeichnend.
Der Bauernkrieg störte wohl weniger als die religiöse Unsicher-heit die Zirkel, aber im Einkauf von Leinwand war man doch auf die
1 Dieser alte Verleger wurde mit Gabriel A. dazu vom Kate bestimmt, dar-über zu wachen, daß die Bücher mit der Heiligen Schrift übereinstimmten.2 Daß Joachim Wigermann 1523 dem Abte Gerwig Blarer von Weingarten120 fl auf das Türkengeld in Regensburg vorstrecken wollte, fällt wohl nichtins Gewicht, liegt auch sehr früh. Günter, Gerwig Blarers Briefwechsel (Würt-tembergische Geschichtsquellen, Bd. 16), Nr. 32. 3 Gordian Suter war der Hüterder katholischen Interessen in Kempten, Peter Büffler der der protestan-tischen in Isny. Karl V. gestattete Ende 1546 Paule Hinderofen von Wangenund seiner Gesellschaft den damals den protestantischen Reichsstädten unter-sagten Handel im Herzogtum Mailand, „weil ihre Stadt sich in keiner Weisegegen ihn ungehorsam benommen habe". Baumann 3, 400. Polai Hinderofenmuß also wohl zu den Protestanten mindestens zeitweise sich gehalten haben.Vgl. Hafner 499.