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58 Achtes Buoli. Handelswege. Transportwesen. Versicherung. 2. Kapitel. § 92
Das wichtigste Euderschiff war die galea, das echte Schiff derHandelsstädte des Mittelmeers. Es war zugleich Kriegsschiff undHandelsschiff. Wenn es auch seine Hauptkraft von den oft 25 Euder-bänken erhielt, auf denen je drei Euderer ihren eigenen Riemenführten, so hatten sie doch auf dem als Gang und Kommandobrückedienenden Mittschiffsgange einen oder zwei Mäste, die an ihrer Eahedas malerische mächtige lateinische Segel trugen. Sie erforderteneine sehr erhebliche Besatzung. Mit ihnen in den Ozean hinaus-zufahren war immer ein gefährlich Ding. Das Schiff wurde mitZunahme der Größe segelfähiger, und so entstanden in steterSteigerung der Größe, in einer Verbreiterung der Form die Galeere,die galea grossa, und endlich die galeazza, der Stolz venezianischerSchiffsbaukunst, die noch bei Lepanto siegte; sie hatte die Kraftder Eiemen zur höchsten Steigerung gebracht. In den Zollregisternerscheinen die Galeeren immer stärker benutzt. Auf diese regel-mäßigen Fahrten ist bald einzugehen. Nur Weniges über ihr Auf-kommen.
Seit dem Anfang des 14. Jahrhunderts gingen unter staatlicherLeitung und staatlicher Ausrüstung die Schiffskonvois der Vene-zianer, die regelmäßig vom Staate verpachtet wurden, durch dieStraße von Gibraltar nach Brügge und auch nach England. Damiterhielten die Champagner Messen — die nur auf dem Landwegeerreicht werden konnten — einen weiteren Stoß, und schloß sichjetzt der Eing um Europa, und ward Flandern der führende Handels-platz auch Südeuropas. Was Venedig begonnen, ahmte Florenz,dann König Ferrante von Neapel, und durch Jacques Coeur veran-laßt auch Frankreich nach. Doch davon später. Bleiben wir zu-nächst bei den Schiffstypen.
In dem Jahre 1478 wurde zum ersten Male von der Gesellschaft,soweit sich das ersehen läßt, eine Caravela benutzt, und diese neueSchiffsart, die in den Gang der Weltgeschichte eingreifen sollte,wurde in ihrer Bedeutung auch von einzelnen aus der Gesellschafterkannt, die die Frachtersparnis der großen Schiffe übertroffensahen durch den Zeitgewinn der neuen kleinen.
Der junge Hans Hinderofen schrieb aus Valencia: ,,Es hat nichtmehr die Gestalt, als da Ihr einst damit umginget, da fand mannur große Carracas oder Saus, die kamen eben so oft nach Osternin Flandern an als vor der Fastnacht, während man jetzt gutespanische Karavelen hat, tuen eine kurze Eeise und gehen raschzu." 1 Und aus Brügge erschallt von dem alten Andreas Sattler diegleiche Meinung: „Aber als jetzt die Sachen auf dem Meere stehenund man auf so kleinen Schiffen navigiert von 100 bis 200 Faß, soist es sicher sorglich, nicht der Fahrt halber, denn die kleinen Schiffebehelfen sich beim Landen im Port und sonst können ihnen diegroßen nicht beikommen, aber wahrlich der Corsaren halb, da muß
1 3, 102 (1479).