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2 (1923)
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■^Wisal

Häfen. Bouc. Aigues-Mortes

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die Schiffahrtsherrschaft gewonnen. Wenn bis dahin die Galeeren vonVenedig und Florenz den Hafen von Bouc angelaufen waren, hattensie noch nicht das Lilienbanner begrüßen müssen, jetzt mußten sie es.

Westlich der Ehonemündung liegt an der immer stärker versanden-den Küste eine Stadt mit dem bezeichnenden IST amen Aigues-Mortes.Inmitten einer toten Lagune liegend hatte sie Ludwig der Heilige be-gründet, ihr Hafen, Mauern und reiche Handelsprivilegien gegeben.Aquae mortuae trat als Hafen an die Stelle der dem Meere entrücktendamals noch zu Aragonien gehörenden Städte Montpellier und Nar-bonne, es war der erste Hafen des Eeiches Frankreich am Mittelmeer.Doch der kurzen Blüte folgte ein tiefer Niedergang, wie es dasPrivileg König Karls von 1434 bezeugt, der hundertjährige Krieghatte die Verbindungen Frankreichs mit dem Orient durchschnitten,Genuesen und Katalanen waren feindlich im Hafen erschienen undfremde Kaufleute hatten sich angesiedelt, der Meereszugang vonNarbonne war versandet. Neues Leben gab dem Hafen von Aigues-Mortes ein genialer Kaufmann, der Frankreich wieder eine wirt-schaftliche Stellung am Mittelmeere gewann: Jacques Coeur. Wieer selbst sein Handelshaus auf den überseeischen Handel mit derLevante und auf die Schiffahrt im Mittelmeere einstellte, so leiteteer die königliche Politik dahin, daß Frankreich den Fluß- undMeereshandel zurückgewann. 1445 erließ König Karl VII. auf Be-treiben seines Prokureurs das Dekret, daß Gewürze und Drogen,die nicht über Aigues-Mortes, la Bochelle oder Flandern in dasKönigreich eingeführt würden, einen Wertzoll von 10 Prozentbezahlen sollten. 1 So sollten dem Hafen Schiffe, Waren, Kaufleuteund Geldmittel zugeführt werden. Für den Safran galt dieses Ein-fuhrmonopol nicht.

Der plänereiche Argentier du Boi erreichte es auch, daß der Königden Bau von Galeeren in Aigues-Mortes anordnete und damit schufJacques Coeur die „Galeen deFrantza", von denen bei den Schiffs-gattungen näher zu reden ist. Sie gehörten Jaques selbst und gingenhauptsächlich in den Orient, aber auch an die spanische Ostküste. 2Ihre Kosten wurden dadurch erleichtert, daß Jacques die Einrich-tung eines Bagnos durchsetzte, er führte die Galeerensklaverei inFrankreich ein, auch trugen die Stände von Languedoc wie derKönig zu dem Unternehmen bei. Mit beträchtlichen Geldmittelnwurde der Hafen und seine Zufahrt instand gesetzt, wie die vonAgde und Vias, und ein Kanal sollte zum Bhone die Schiffahrt er-möglichen. Fremden Schiffen wurde der Zugang zu den Häfen er-schwert, 3 alles sollte den Schiffen Jacques' vorbehalten bleiben, ihrLeiter saß in Marseille, während das Geschäftszentrum Montpellier

1 Das Aktenstück ist veröffentlicht in den Annales du Midi 8, 428—431.2 de la Ronciere 2, 281. 3 Clement, Jacques Coeur et Charles VII., S. 264,nach den Akten der Anklage gegen Jacques. De la Ronciere 2, 277, nachGenueser Archivalien.