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50 Achtes Buch. Handelswege. Transportwesen. Versicherung. 2. Kapitel. §91
französischen Büchern kaum genannt wird 1 — hätte den Vorzugvor Marseille, dem altgriechischen Emporium, wenn nicht seineVerbindung mit dem Rhonetal noch übler wäre als die Marseilles.Der Etang de Berre gewährt nach keiner Seite einen bequemen Weglandeinwärts; in den Zeiten als auch nördlich noch Sümpfe waren,die durch Wasserläufe verbunden waren, war die Verbindung nochmehr erschwert. So haben auch die straßenbauenden Eömer keinenNutzen aus dem Golfe gezogen.
Wer den durch die dahinterliegende Höhe einigermaßen ge-schützten Hafen von Bouc in nordwestlicher Richtung verläßt,muß die gewaltige unwirtliche Geröllebene der Landschaft la Crau— der Sahara Frankreichs — durchqueren, die den heftigen undhäufigen Winden schutzlos preisgegeben ist, 2 oder wer auf einemFlußschiffe rhoneaufwärts will, muß zu den Gefahren der Stürmenoch die der Sandbänke eines damals völlig ungeregelten Alpen-stromes auf sich nehmen; der alte Graben, den einst Marius hatteherstellen lassen — mit dem Hafen Fossäe Marianae —, war längstverschwunden. Erst wenn die Waren in Avignon abgeladen worden,waren sie den größten Fährnissen entzogen. Gelegentlich muß vonder Gesellschaft auch der Hafen des am linken Rhoneufer gelegenenArles benutzt worden sein. 3
Bouc und Martigue bedeuteten in der Geschichte des Altertumsund Frühmittelalters nichts, es waren gute Schutzhäfen ohne Ver-bindungen, Fischerorte — mehr nicht —, erst vom 13. Jahrhundertan scheint Leben in diese Plätze zu kommen. 4 Und da mag dieBrücke von Bompas über die Durance Wandel geschaffen haben,wie das Verlanden der Lagunen, nun konnte das Maultier von Avi-gnon nach Bouc gelangen.
Die Gesellschaft bevorzugte Bouc vor Marseille und hatte ihreGeschäfte so eingerichtet, daß ihr Faktor in Avignon seinen Wohn-sitz hatte, in Martigue aber der provenzalische Korrespondent, derdie Waren nach Bouc legte. In diesen den Winden ausgesetztenHafenplatz sandte man auch wohl einen jüngeren Gesellen zur Be-aufsichtigung der Ladung und Löschung und der Geschäfte desKorrespondenten.
Marseille wie Bouc gehörten dem alten Reiche Burgund an undbeide unterstanden der Graf schaft Provence. Im Jahre 1481 ging diesean den König von Frankreich über, die Reste des alten ArelatischenReiches hatten jetzt jeden Zugang zum Meere verloren und Frank-reich nunmehr beiderseits der Rhonemündung die Küste und damit
1 Fehlt es doch auf dem Atlas historique de France von Longnon. Eben-sowenig nennt esLavisse, Histoire de France. 2 Vgl. Brendt, Die Plaine dela Crau. Wiss. Beil. z. Progr. Oberrealschule Breslau 1886f. 3 Lentheric, Lesvilles mortes du golf de Lyon, S. 328. 4 Wenigstens wird es in dem Prozesse,den die Gesellschaft wegen des Durchzugs durch den Dauphine führte, genannt.Württ. Vierteljahrsh., N. F., 11, 403.
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