Transportkosten zu Lande. Italienische und französische Mittelmeerhäfen 49
gefördert hat, als die Bavensburger; sicherlich war das Meer diesenoberschwäbischen Kaufleuten ebenso vertraut wie den Augsburgernund Nürnbergern, die sie dann schnell überholten.
Der herrliche Hafen von Genua, dessen Bedeutung in anderemZusammenhange schon erörtert worden ist, 1 war mitunter gesperrt,so wenn ansteckende Krankheiten herrschten oder die stürmischenKämpfe im Innern der Bepublik oder eine Blokade durch eine feind-liche Flotte wieder einmal den Hafen verschloß. Dann fuhren dieSchiffer wohl jenseits des Leuchtturms in San Pier d'Arena anLand, oder der Schiffsverkehr verlegte sich nach Savona, woimmer wieder schüchterne Versuche einer eigenen Handelspolitikgemacht wurden.
Villefranche war der erste Hafenplatz, den das Haus der Grafenvon Savoyen 1388 gewann. Herzog Amadeus schloß mit Philippvon Burgund 1435 einen Vertrag, der dort eine gut besetzte Schiff-station vorsah. 2
Schiffer des gleichfalls savoyischen Nizza werden von der Ge-sellschaft genannt, aber es ist kein Beleg für die Benutzung desHafens bisher gefunden worden.
1476 sollte Friedrich Grünenberg, wenn er die Waren in Genuanicht löschen könne, es in Byssa tun. 1463 wird Pysir auch inNürnberger Papieren genannt, Stephan Vischer wurden dort imMachtbereiche König Ludwigs XL Waren in Beschlag genommen. 3Einen solchen Ort habe ich an der Küste von Toulon bis Nizza,wo er doch wohl liegen müßte, vergebens gesucht.
Der Name des Hafens von Bouc ist heute völlig vergessen unddoch gab es eine Zeit, da er von nicht geringer Bedeutung, für dieGesellschaft geradezu ein wesentlicher Hafen war.
Die Geographie lehrt, daß vor allem solche Häfen emporblühen,die die Nähe eines tief in den Kontinent eingreifenden Stromgebietesausnützen können und doch nicht den Gefahren der Versandungausgesetzt sind, die jedes Delta der Nachbarschaft bereitet. Derwestlichste Golf an der an vortrefflichen Häfen reichen Küste derProvence ist der fast ganz von steilen, meist felsigen Hängen um-gebene Etang de Berre, in diesem Golfe könnten riesige Flottensicher ankern; auch stellt der Etang de Caroute, ein Fjord, einevöllig einwandfreie Verbindung mit dem Meere her, und an dessenMunde liegt Port de Bouc, von dem manche mittelalterliche Porto-lanen sagen: „Bocholi e bon porto." „buon porto per navili picciolie puoi stare.a ancora". 4 An der Innenseite des Kanals Hegt dasprovenzalische Venedig, die aus drei durch die Wasserläufe voneinander getrennten Teüen zusammengewachsene Stadt Martigue,eine Brückenstadt dicht hinter der Meeresküste. Bouc — das in den
1 Oben 1, 259f. 2 de laRonciöre, Histoire de la marine francaise, 2, 274.3 Müller in Viertel], f. Soz. u. Wirtschaftsg. 6, 7. 4 Portolan Palma-Maglia-beochi (Kretschmer/ Die Portolanen, S. 288) und P. Eizo (S. 479).
Schulte, Oesch. d. Ravensburger Haudelsges. II. 4