Druckschrift 
1 (1923)
Entstehung
Seite
517
Einzelbild herunterladen
 

Eidgenossen beschützen die Gesellschaft im Auslände

511

worden, zu empfehlen. 1 Die Wegnahme war wohl deshalb vor sichgegangen, weil der französische König wegen der burgundischenErbschaft noch mit Maximilian von Österreich, nicht etwa mit demdeutschen Reiche in Krieg lag.

Über den Versuch, die Eidgenossenschaft 1492 zum Schutze derdeutschen Privilegien in Genua zu gewinnen, ist schon oben gehandelt. -

Ein zweiter Fall von 1492 zeigt Luzern als Pürsprecherin bei derHerzoginmutter Bianca von Savoyen. In der Fahrtrichtung nachGenua fuhr ein genuesisches Schiff an dem Hafen von Nizza vor-über. Da folgte ein savoyischer Untertan, der mit Genueseneinen Streit hatte, dem Schiffe nach, nahm es und beschagnahmtedie "Waren, darunter auch die des Onofrius Humpis und KonradAnkenreutes und ihrer Gesellschaft. Die beiden in Ravensburgnebeneinander bestehenden Gesellschaften machte der Briefschreiberirrig zu einer. 3

In der schon behandelten Mailänder Silberschmuggelsache tratdie Eidgenossenschaft wirksam ein und beendete auf der BernerTagsatzung März 1498, wo der herzogliche Kanzler Francesco Littapersönhch mit den vier schweizerischen Mitgliedern Ulrich Munt-prat, Jakob von Hertenstein, Dominikus Frauenfeld und MoritzHürus verhandelte, die Angelegenheit. Ein Sieg, der offenbar bloßdem mächtigen Einfluß der Eidgenossenschaft zuzuschreiben war.

Jakob von Hertenstein bewog wieder die in seiner VaterstadtMärz 1517 zusammengetretene Tagsatzung dazu, bei dem Gouver-neur der Provence dafür einzutreten, 42 Sack Wolle, die 1515 inTortosa waren verschifft und dann auf dem Meere weggenommenworden waren, "freizubekommen. 4

Derselbe der französischen Partei angehörige Luzerner Staats-mann übernahm in der politischen Krise von 1518 die Ausständeder Gesellschaft und trat 1520 für den Faktor der Gesellschaft inMailand bei den Franzosen ein. 5

Als die Gesellschaft begründet wurde, war der Gegensatz, der dieheutigen Gebiete der Schweiz bewegte, da: der Widerstreit der auf-blühenden Eidgenossenschaft und des Hauses Habsburg. An diesenimmer wieder sich bekämpfenden Parteien hatte die Gesellschaftkeinen oder nur geringen Anteil. Einen Bürger einer österreichischenStadt nahm man so wenig auf als einen aus Städten, die den Grafenvon Württemberg oder Werdenberg oder sonst einem Herren ge-hörte. Dann wäre man in die schwersten Konflikte vielleicht hinein-gezogen worden. Es war eine gesunde Politik und nicht nur reichs-städtischer Stolz. 2sür bei St. Gallen, Zürich, Freiburg i. Ü., Bernund Stein a. Rh. machte man eine Ausnahme. Zürich hatte sich1351 dem Bunde angeschlossen, Bern 1353, Freiburg tat es 1481.Aber diese Verbindung mit der Eidgenossenschaft löste erst lang-

1 Unten 3, 500. a S. 268. 3 Heyd, S. 73, ans einem Luzemer Formelbuche.4 Heyd, 8. 81. 6 Oben S. 246f.