Druckschrift 
1 (1923)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Sechstes Buch

Der Handel nach Landschaften

I. Italien

Erstes Kapitel

Venedig

§ 33. Venedig nie stark von der Gesellschaft gepflegt. Gründe dafür. Seeverbindung.Ulrich Imholz. 1448 ein Gelieger. Von 1474 an keine dauernde Vertretung. EinzelneZeugnisse. Weitere Gründe für die Vernachlässigung. Parenzo. Ragusa.

Die Betrachtung des Handels nach Landschaften hebt mit Italienan, dann folgen Spanien, die Ehonelandschaft, Niederlande, Eng-land, Deutschland mit Polen, der Schweiz und Österreich-Ungarn.

In Italien wird der Leser eine starke Vertretung der Gesellschaftin Venedig vermuten, aber die Quellen enttäuschen und legen fürdie spätere Zeit das Gegenteil dar. Und das wird vielleicht baldverständlich. Der Export von Leinwand dorthin und der Importvon Baumwolle und Gewürzen erseheinen für die Bavensburgernatürliche Interessen. Aber die ältere Leinwandausfuhr muß nichtdauernd lohnend gewesen sein, in der zweiten Hälfte des 15. Jahr-hunderts führten Frankfurter Kaufleute, wie ich aus FrankfurterArchivalien ersehe, viele Ballen westfälischer Leinwand nach Venedigaus. Baumwolle hat die Gesellschaft sehr wenig interessiert und,wie wir sehen werden, wandten sie sich wegen der Gewürze nachGenua, und auch dafür schlug das Interesse der Gesellschaft nichtzu allen Zeiten gleich stark. Den Städten am Bodensee lag Genuanäher als Venedig, was für Augsburg und Nürnberg nicht zutrifft.So hat denn auch Simonsfeld in seinem Werke über den Fondacodei Tedeschi wohl Bodenseestädtler feststellen können, aber inVenedig kamen sie wohl nie entfernt den Augsburgern und Nürn-bergern an Zahl gleich. 1

Für den in Spanien fest wurzelnden Bavensburger hätte es viel-leicht nahe gelegen, von dort aus zu Schiff Venedig aufzusuchen

1 Simonsfeld, Der Pondaco dei Tedeschi (1887), 2, 64ff.