■ . ■ ran i |Hmii v 'B r Pili Olli i ■■ m mm ■■: \ ■ ■■ m , , . <. . i .... j BSQ BMHB MgPI fMnfMrnnfOtl i"■ '' ' m "V I ü i HR ■ : ü ULB Düsseldorf +4066 370 01 ^H ■ ■BHH1 '■■'■■■".■■■.:■■.?■ ,':"■":''"'- '':'"'.V". 8§ ISIS | '*■■'. sät* 1 '■' ESM :'."/"'::-.!':: I Slslsr'' ■ i Hl ■" . t; . ..- : ,■'■.■ ■ H ■'...,■ BS» 1B ■ m meSSST m m mm ■■:. B wm Wm ■MflVNflnMBHfOTnRI .H - j.t ■ -.■ I UMlDtiS.- ■:;;'.; S'i AD"-! ttslil i >TWEK l DÜSSELDORF %ii; iSü»! U40\ &I MW I jV.'-'t ■ ."'■ V U^HB « ^^^^ ^Sk^L^ -y: . ., ■iii^j^iisä^t^^&Üee m ■BUH SU '■■." ■■'■■■■ .■-. ■■.;.'. H , BT SS$|lPx 1ÄI ■ UWE gl . ■■■ E E DEUTSCHE HANDELSARTEN DES MITTELALTERS UND DER NEUZEIT Herausgegeben durch die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Band I: ALOYS SCHULTE GESCHICHTE DER GROSSEN RAVENSBURGER HANDELSGESELLSCHAFT 1380- 1530 Erster Band DEUTSCHE VERLAGS-ANSTALT STUTTGART UND BERLIN 1923 nfgCS GESCHICHTE DER GROSSEN RAVENSBURGER HANDELSGESELLSCHAFT 1380- 1530 VON HB ALOYS SCHULTE ERSTER BAND ■HSV DEUTSCHE VERLAGS-ANSTALT STUTTGART UND BERLIN 1923 ■njlHBJB ■HBB9JH I EnSKHfiBi HBBBB1 wwmM ■ ; Hfl 19 ! ü • i ■; I 1 jSSMa Du 3© pBBffiMw»ffii™ <#^. 7. ) LANDES- ; ! U14D STAü:-; ' bWÜOTHEK ] DÜSSELDORF! Das Werk erscheint mit Unterstützung der Rheinischen Gesellschaft für wissenschaftliche Forschung, anderer Gesellschaften und Privater, sowie der Länder Baden, Bayern und Württemberg SB 9E 9a 18.g(% Alle Rechte vorbehalten Druck der Deutschen Verlags-Anstalt, Stuttgart Inhaltsverzeichnis Seite Vorwort zu der Sammlung.................... XV Vorwort zu vorliegendem Werke................. XVII Einleitung............................ 1 Erstes Buch. Entstehung der Gesellschaft Erstes Kapitel. Die Stadt Ravensburg § 1. Lage. Weifen, Staufer und Reichsvogtei. Stadterweiterungen. Kirchen, Klöster, Armenanstalten. Verwaltung und Gericht. Gesellschaften und Zünfte. Regiment. Privilegien. Gewerbe. Bündnisse. Beziehungen zum Reiche ........................... 9 Zweites Kapitel. Die Begründung der Gesellschaft § 2. Der Zusammenschluß der Gesellschaft durch die Mötteli, Humpis und Muntprat. Zeugnisse des Mittelalters, der Gesellschaft, Sunt- heims. Sitz in Ravensburg. Die Mötteli. Die Humpis. Henggi Humpis. Die Muntprat von Konstanz. Wie und wann erfolgte die Vereinigung? Unsicheres Ergebnis. Irrige Meinung Jägers........... 16 § 3. Der Handel der getrennten oder vereinten Gesellschaften. Der Wohlstand der Humpis, Mötteli und Muntprat. Lütfrid Muntprat (II) der reiche. Handel der Muntprat, Mötteli und Humpis. Vergleiche. Nutzen der Vereinigung. Die Ausdehnung des sonstigen Handels von Ravensburg, Konstanz und Wangen................. 24 § 4. Die Leineweberei der heimische Boden der Gesellschaft. Lage und Bedeutung von Konstanz. Leineweberei in Schwaben. Ältere Zeiten. Barchent- und Wollweberei. Weberei in Ravensburg, in Konstanz. Handelsvormundschaft. Kampf zwischen Leinewebern und Geschlechtern. Verbot der Gesellschaften 1425. Lütfrid Muntprat. Die Revolution von 1429. Eingreifen des Königs. Aufhebung der Leineweberzunft. Die anderen oberschwäbischen Städte. Bund. Grundlage der Gesellschaft....................... 32 ^^^H : ^H - I ^m ÜK ■ I Zweites Buch. Bechtliche und "wirtschaftliche Organisation der Gesellschaft Erstes Kapitel. Die Einrichtungen der Zentrale § 5. Buch der Ordnungen. Kein Gesellschaftsvertrag erhalten. Firma. Zeichen. Wohnsitz. Haus der Gesellschaft. Dauer. Erneuerungen. Zweck ........................... 42 § 6. Beamte der Zentralleitung. Regierer. Erster. Zweiter. Buch- und Rechnungsführer. Ausschuß der neun Männer. Ein Aufsichtsrat oder Direktorium? Gesellen, sohusasind............... 49 § 7. Rechnungsperioden. Rechnungstage. Gemeinsame Mahlzeiten. Zahl der Anwesenden. Stimmberechtigung. Hauptgut. Höhe. Bilanz. Vergleich mit anderen Firmen. Höhe des Gewinns. Vergleiche ... 56 0! ■• I . : wMGHKSbnOflB '■...■■ '■> ' i 1 i ..... üüf Kral mS£M Wßmxm .■■■ " i S ätBffi H I 1 ' ■ M ■ ■' ■■ m 11 I VI Inhaltsverzeichnis Seite Zweites Kapitel. Die Stellung der Gesellen § 8. Privatvermögen und Gesellschaftsvermögen getrennt. Irrige Angaben über Anteile. Wertbuch. Einlage von Gütern und Schulden. Fürlegung. Stehendes und umlaufendes Kapital. Abhübe auf Geldeinlagen. Ganze und halbe Gewinnung. Einlagen von tätigen Gesellen, Witwen, Erbschaftsmassen, untätigen Gesellen. Höhe der Einlagen. Gesellen ohne Einlagen. Zahl der Gesellen........... 61 § 9. Alle Gesellen Eeichsstädter. Aufnahme von Lehrlingen. Bezahlung. Verpflichtung der Gesellen zu Treue und Fleiß, zu Schadenersatz, zu Gehorsam. Obmänner. Prokuristen. Konkurrenzverbot. Nachschußpflicht. Pflicht zur Geheimhaltung. Schiedsrichter. Austritt. Keine Übertragung der Rechte an einen Dritten. Rechte bei der Auflösung ...........................70 § 10. Versorgung der Gesellen seitens der Gesellschaft. Beispiele Lutz Geßler, Heinz Wyer. Wohnung und Verpflegung. Hadergeld. Schergeld. Kleidung. Andere Bedürfnisse. Waffen. Arzt und Apotheker. Sonstiges. Pferdegezäum. Beistellung von Bossen. Inventar der Ge- lieger. Loskauf von Gefangenen................74 § 11. Ehrungen der Gesellen, Abgänge und Abzüge. Gute und zweifelhafte Schuldner, Gläubiger der Zentrale, Spenden für religiöse und wohltätige Anstalten. Kein Streben nach ungemessener Erhöhung des Kapitals.......................... 80 Drittes Kapitel. Charakter der Gesellschaft § 12. Wirtschaftlicher Charakter der Gesellschaft. Bechtlicher. Schwierigkeiten in dem Mangel an Quellen. Was sie nicht war. J Offene Handelsgesellschaft? Solidarhaft oder nicht? Keine Händlergenossenschaft. Elemente späterer Rechtsbildungen. Großhändler, nur beiläufig auch Kleinhandel. Moralische Grundprinzipien: Rationalismus, Redlichkeit, Religion........;............... 86 Drittes Buch, Organisation und Technik des Handels Erstes Kapitel. Einrichtungen der Zentrale und der Gelieger § 13. Zentrale und Gelieger. Deren Verbreitung. Obmann und Rechnungsführer. Tabelle über diese. Prokura. Buchführung. Die in der Zentrale. Wertbuch. Schuldbuch (Hauptbuch). Manuale. Frachtbüchlein. Inventur, ihre Vorbereitung in den Geliegern.............. 97 § 14. Rechnung des Nürnberger Geliegers 1479/1480. Einrichtung. Andere Bücher der Gelieger. Buchführung in Valencia, Saragossa. Umsätze in den Geliegern. Berechnungen. Das Kapital wird zweimal im Jahre umgeschlagen. Schwierigkeiten der Rechnungsführung...... 103 § 15. Münzrechnung in den Geliegern. Währungszettel. Schuldzettel. Verkaufzettel. Balancen. Meßzettel. Reiserechnungen. Persönliche, sachliche Rechnungen. Die alte einfache Buchführung. Neuerungen. Keine handwerksmäßige Buchführung, sondern eine rationalistische. Ermahnungen. Schlechte Handschriften. Römische und arabische Ziffern........................... 108 § 16. Notizbücher der Zentrale. Rekordanzen. Memorias. Briefbüchlein von Brügge. Beförderer und Portokosten. Transportdauer von Briefen. Häufigkeit der Briefe. Eigene Boten. Frühe Benutzung der Post..........................112 Inhaltsverzeichnis VII Seite Zweites Kapitel. Vom Einkauf bis zum Verkauf der Waren § 17. Wareneinkauf. Grundsätze. Kauf aus erster Hand. Auswahl der Waren. Sorgfalt beim Einkauf. Kezepte. Eecapta. Preisregeln. Muster. Maße. Lehre vom justum pretium. Einkauf durch Gelieger. Zeitiger Einkauf. Entschlußfreudigkeit. Einkauf meist gegen bar . . 118 § 18. Behandlung der Waren. Lagern. Verpacken. Zeichnen der Ballen. Beigabe von Eezepten. Zeitliche Bedingungen für den Versand. Wahl der Verkaufsorte. Einfluß von Geheger und Zentrale auf die Bestellung. Frühzeitiger Verkauf. Gute Sortierung. Schlechte, unverkäufliche Ware. Stichgeschäfte. Konjunkturen.........123 Drittes Kapitel. Die übrigen Geschäftseinrichtungen und Handelsgrundsätze § 19. Kunden und ihre Behandlung. Preisbestimmung. Furcht vor bösen Schuldnern. Eintreiben der Schulden. Kredite. Verhältnis von aktiven und passiven Schulden. Schuldverträge. Keine Schuldzinsen. Wille zum Gewinn. Klein verkauf.................. 127 § 20. Keine Geld- oder Kreditgeschäfte. Gründe dafür. Geldvermittlung für Geschäftsfreunde. Andere Mittel Geldtransporte zu ersparen. Ausfuhr von Edelmetall vielfach verboten. Wechsel in verschiedenartiger Verwendung. Wechselpraxis. Gefahren. Kommissionsgeschäfte. Kurszettel für Waren. Besuch von Messen........... 131 § 21. Unterbringung von Lehrlingen in fremden Landen. Vorschriften über ihre Behandlung. Ermahnungen. An junge Muntprats, anHans Wiger- mann, Felix Humpis, Homps, den jungen Lamparter, Claus Bützel. Mangel an alten Gesellen, Ermahnungen, Bücksicht auf Konkurrenz 140 ^H Viertes Buch. Das Personal der Gesellschaft § 22. Einleitende Bemerkungen. Zweck. Quellen. Steuerlisten. Genealogische Werke. Wie weit Vollständigkeit erreicht. Anordnung ... 148 § 23. Die Familien Albrecht bis Hübschlin............. 149 § 24. Die Familie der Humpis................... 172 § 25. Die Familien Hünlin bis Mörlin................ 182 § 26. Die Familien Mötteli und Muntprat.............. 187 § 27. Die Familien Nater bis Spädeli................ 193 § 28. Die Familien Sporer bis Zwick................ 200 Fünftes Buch. Soziale Bedeutung der Gesellschaft und ihrer Mitglieder. Beziehungen zur Kultur § 29. Verteilung der Gesellen auf die Reichsstädte und ihre Stände, Ravensburg, Konstanz, die oberschwäbischen, eidgenössischen, auf sonstige Reichsstädte,landesherrliche (Markdorf und Freiburg i. Br.) .... 209 § 30. Anteil an der städtischen Verwaltung. Verachtung der Kaufmannschaft. Streben zum Adel. Jos Humpis von Ratzenried. Die schriftliche Fehde Reischach-Besserer. Ehen mit dem Adel. Erwerb von Lehen. Wappenbriefe. Ritterschlag. Erwerb von Herrschaften. Sehr wenige im geistlichen Stande. Gründe. Anteil am Reichsdienste, an gelehrten Ständen. Aussterben der Geschlechter.........214 § 31. Die Gesellschaft, Kirche und Karitas. Kapelle bei den Karmelitern. Altar. Ähnliche Stiftungen anderer Handelsgesellschaften. St.Michaels- kloster. Kloster Val de Jesus bei Valencia. Spenden an andere Klöster, an Pfarrkirchen, für Brüderschaften, Kirchengeräte, an Spitäler und Hausarme, an Bauten ihrer Gesellen. Motive der Spenden .... 221 Hl BJäMSwlMSwia ■■■■■■■■I " ' - ' . • | 5 3 SM ■ ; ',H '" gl gl ' : fHflki M BMI mm*M 11111 1 : Hü - ü i £■ VIII Inhaltsverzeichnis Hl Seite § 32. Beziehungen zur Kunst. Grabsteine für Henggi Humpis und drei Muntprats. Das Porträt Oswald Krölls von Albrecht Dürer. Das Heinrich Blarers. Die Ausmalung des Hertensteinschen Hauses durch Hans Holbein den jüngeren. Hertensteinsche Porträts. Liste der Tafelbilder mit Porträts bis 1499. Anteil der Kaufleute. Ihre Bedeutung für die Anfänge der Porträtkunst............... 229 Sechstes Buch. Der Handel nach Landschaften I. Italien Erstes Kapitel. Venedig § 33. Venedig nie stark von der Gesellschaft gepflegt. Gründe dafür. 'Seeverbindung. Ulrich Imholz. 1448 ein Gelieger. Von 1474 an keine dauernde Vertretung. Einzelne Zeugnisse. Weitere Gründe für die Vernachlässigung. Parenzo. Ragusa............. 236 Zweites Kapitel. Mailand § 34. Alter des Geliegers. Privilegien für Gesellen, für die Gesellschaft. Bechte der deutschen Kaufleute. Plan eines Fondaco........ 239 § 35. Krisen politischer Art. 1505 unter französischer Herrschaft. 1486/87 wegen der Graubündner. 1479 Lodovico il Moro. 1507 Maximilianische Politik. Auflösung des Geliegers. 1518 vor der Kaiserwahl. 1520. Der Silberschmuggel von 1497. Weitere Fälle eines solchen....... 242 § 36. Älteste Nachrichten über den Handel des Geliegers. Einkauf und Verkauf von Waren. Textilwaren: Leinwand, Barchent, Hosenstoffe, Wolltuche, Stamete, Seidenwaren, Brokate usw. Rohstoffe, Goldschlägerwaren. Perlen. Edelsteine. Metallwaren und Rohstoffe. Felle. Lebensmittel. Wachs, Papier und anderes. Bedeutung der Mailänder Waren. Schuldner und Gläubiger. Wert und Umsatz. Die Tätigkeit in der Nachbarschaft. Unterbringung des Geliegers....... 249 Drittes Kapitel. Die übrige Lombardei und Halbinselitalien § 37. Como. Tuche und Stamete. Gelegentlicher Aufenthalt. Verkauf von Wolle u. a. Gallo. Fondaco. — Lucca. Einkauf von Damasten. — Florenz gelegentlich besucht. Beziehungen dort und zu Pisa und Siena. — Rom. Geldgeschäfte mit der Kurie. — Aquila. Safrananlegung. Das Leben dort. — Foligno. Safran........ 255 Viertes Kapitel. Genua und Savona § 38. Lage von Genua. Erstes Auftreten von Deutschen. Ihre rechtliche Stellung. Verhandlungen von 1398. König Siegmund und die Handelssperre gegen Venedig. Privilegien von 1421, Verhandlungen 1422, 1424/1425. Fondaco. Privilegien von 1424, 1431, 1447, 1466. Anteil der Ravensburger Gesellschaft. Stellung der verschiedenen Regierungen. Bruch der Privilegien 1492/1493. Die rechtliche Lage nachher. Handelsblüte . . 259 § 39. Das politische Leben. Krankheiten. Das Gelieger in solchen Krisen: 1504, 1506/07. Wert des Geliegers in diesen Jahren. Verkehr mit den Banken. Auflösung des Geliegers 1507. Umsätze. Kommissarische Zwischenversorgung. Konsul der Deutschen. Unterkunft. Hausrat 271 § 40. Gewerbe und Handel in Textilwaren. Seidenstoffe, Schamlot. Einfuhr von Wolle und Seide. Der Spezereihandel seit 1497 in Verbindung Inhaltsverzeichnis IX Seite mit den ersten Fahrten nach Ostindien. Die Stimmung der Kaufleute nach der Entdeckung des Seeweges. Auswertung. Neue Nachrichten über Gewürzschiffe. Der Anteil der Deutschen, der Eavensburger. Die Gesellschaft verpaßt die Gelegenheiten...........275 § 41. Metalle und Metallwaren. Korallen usw. Südfrüchte usw. Felle. Sonstige Waren. Letzte Zeiten des Geliegers. Seine Bedeutung. Der Maler Meister Jos von Eavensburg. •— Savona........282 II. Spanien mit Eoussillon Erstes Kapitel. Valencia. Alicante. Mallorca § 42. Die Gesellschaft im wesentlichen nur innerhalb der aragonesischen Eeiche tätig. Lage von Valencia, Bedeutung. Die Lonja. Handelsgericht. Älteste Nachrichten über Deutsche dort. Privilegien von 1420. Dret real. Abgaben. Ihre Verpachtung. Höhe der Pacht. Luis de Sant Angel und die Fahrt des Kolumbus. Geleitsbriefe für die Gesellschaft 285 § 43. Warenbestellungen 1472. Warensummen 1479 und 1480. Offener Laden für den Kleinhandel. Niedergang der Bodega. Klagen über Valencia. Das Zeugnis Münzers. Geldhilfe nach Saragossa.....292 § 44. Warenausfuhr und -einfuhr'. Ausfuhr: Zucker. Eigene Eafflnerie. Konkurrenz von Madeira. Seide. Grana. Eeis. Datteln. Mandeln. Feigen. Anis. Kümmel. Weinbeeren. Saflor. Pomeranzenöl. Wachs. Felle. Tuche. Esparto. Töpferei. Anderes. Süßigkeiten. Einfuhr: Leinen, Barchent. Metalle und Metallwaren. Anderes. Keine Geldgeschäfte. Schuldner. Kundschaft. Verwendung des Überschusses. — Alicante. Kommissionär. Bericht Münzers. — Almeria, Granada. Nur die Mötteli.—Mallorca. Procurador...........296 Zweites Kapitel. Saragossa. Tortosa. Bilbao. Fuenterrabia. Bayonne § 45. Natürliche Bedingungen von Saragossa und dem Lande. Safran. Rechnung des Dret real von 1430. Anteil der Gesellschaft.....303 § 46. Spätere Zeiten. Ausfuhr: Safran. Wolle. Sonstiges. Einfuhr: Leinwand. Andere Textilwaren. Metalle und anderes. Das Gelieger öfter eingegangen. Schuldner. Verkauf 1506. Geschäftsfreunde. Mauren, Juden und Marranen. Geld Versorgung. Gesellen dort und im Lande. Unterbringung des Geliegers. Hausrat. Geleit.........308 § 47. Die letzten Zeiten. Ulrich Ehingers und seiner Nachfolger Wirtschaft. Elender Zustand 1523. Die Auflösung des Geliegers. ■—■ Tortosa. Wollausfuhr. — Bilbao. — Fuenterrabia. — Bayonne .... 314 Sfflv Drittes Kapitel. Barcelona § 48. Bedeutung von Land und Stadt. Älteste Zeugnisse für deutschen Handel, für Konstanzer. Weg durch Savoyen. Gemeinsame Interessen der Savoyarden und Deutschen. Das königliche Privileg für sie von 1420. Das Donativum von 1424. Politische Zustände. Safrankartell zwischen Barcelonesen und Baselern. Zusammenhang mit dem Erlaß des Privilegs. Kein Anteil der Gesellschaft...........317 § 49. Der libro del dret. Erhaltene Teile. Tabellen über den deutschen und savoyischen Handel: 1425—1440, 1443, 1467—1480. Tabellen über den Anteil der Gesellschaft. Einzelbehandlung des Anteils 1443. Unruhige Zeiten. Einschrumpfen des Handels. Die Waren dieser Zeit. Übersicht über die ein- und ausgeführten Waren und die Gewerbe Barcelonas.........................324 &&BBJggBBSmäSmSBB fitä : ^ M Mm mim n ''■;U ■ ■■-.. SRI XII § 68. § 69. Inhaltsverzeichnis Seite Meßprivilegien. Günstige Lage der Stadt. Anteil an Handel und Gewerbe. Ansehen der Messen. Älteste Zeugnisse für Schwaben, für die Gesellschaft.......................434 Meßzeiten. Die einzelnen Messen von 1478, 1479, 1497, 1500, 1503, 1507, 1527. Kein Geldhandel. Waren nach ihrer Herkunft. Änderung in der Auswahl. Kein Einkauf. Ankäufe für Gesellen und Freunde. Wichtige Teile des Meßlebens von der Gesellschaft nicht gepflegt. Beziehungen zu Frankfurtern. Unterbringung.....438 Zweites Kapitel. Nürnberg und der Nordosten § 70. Lage von Nürnberg. Das Wesen der Stadt. Königliche Privilegien. Wirtschaftspolitik der Stadt. Gewerbe. Umkreis des Handels. Anteil der Geschlechter. Warenkontrolle. Eavensburg nicht zollfrei. Nürnberger in der Gesellschaft. Älteste Nachrichten. Beraubungen in Niederschlesien. Perpignan-Breslau. Besuch der Märkte in Posen. Lübecker Schuldner. Bern. Geldvorschüsse an den Hochmeister des deutschen Ordens. Prozeß Mühlfeld............447 § 71. Warenbestände. Abgang. Berichte über einzelne Jahre. Anleihen bei Nürnbergern in Lyon und anderswo. Kunden. Schuldner. Schulden an fremden Orten. Der Fall Starzedel-Eußwurm. Goldbergwerk in Beichenstein. Der Bildhauer Veit Stoß......456 § 72. Einkauf bei Produzenten. Die eingekauften Waren. Einkäufe für Gesellen. Verkauf. Anteil der Ursprungsländer. Streit mit einem Gesellen. Unterbringung bei Ulrich Stark. Seine Söhne.....462 Drittes Kapitel. Nördlinger Messen § 73. Lage. Messen. Ihre Bedeutung. Die Gesellschaft auf ihnen. Kein Einkauf. Kaufzoll......................466 Viertes Kapitel. Wien und der Südosten § 74. Wien. Ofen. Schwaben schon im 12. Jahrhundert in Österreich. Passauer Mautbücher. Leinwand in Böhmen. Ältestes Zeugnis für die Gesellschaft 1440. Andere Nachrichten. Das Gelieger aufgelassen. 1607 erneut. Bericht von 1511. Waren. Schuldner. Wenig Einkauf. Personal. Spätere Zeiten. Linz...............469 § 75. Wien. Ofen. Linz. Breslau. Die allgemeine Entwicklung des österreichischen Handels. Donauhandel. Wiener Stapelrecht. Passivität der Wiener. Die Oberdeutschen. Ihre Interessen. Preßburg. Linzer Märkte. Bedrohung des Stapelrechtes. König Matthias. Maximilian. Neue Ansiedlung der Gesellschaft. Stapelkämpfe. Motive der Ansiedlung. Baumgartner über Ofen und Ungarn. — Gelieger zu Breslau?.....................473 VI. Oberschwaben und die Eidgenossenschaft Erstes Kapitel. Oberschwaben § 76. Allgemeines. Finanzieller Vergleich der Beichsstädte. Bündnis der Weberzünfte. Verteilung der Aufkaufsgebiete. Verlagsytem. — Jos von Eatzenried will Werbegelder von der Gesellschaft 1511. Der König eine Beisteuer von den Gesellschaften 1507. Schließlich freiwilliges Darlehen. Anleihen bei der Stadt Eavensburg.....478 § 77. Eavensburg. Eegiment. Einwanderung vermindert. Ebenso die Weberei. Städtischer Barchenthandel. Abrechnung der Steuer wegen. Inhaltsverzeichnis XIII Seite Besorgungen für die Stadt. Geschenke der Stadt. Wahrscheinlich kein Kleinverkauf, auch kein Konsumverein. Beziehungen zu den Kleinhändlern. Humelberg.................. 484 § 78. Ulm. Lage. Bedeutung. Ulmer in der Gesellschaft. Die große , Bechberger Fehde. Die Untaten Peter Mörlins und ihre Folgen. Der Straßenraub von Konrad Kuß und Wolf von Stein. Gegensatz zu Kavensburg. Ulm gegen fremde Kaufleute. Kommissionäre . . 487 § 79. Memmingen. Bedeutung. Anteil an der Gesellschaft. Übernahme des Geßlerschen Geschäftes. Eechnung von 1516. Ankauf und Vertrieb von Barchent und Golschen. Transporte, vor allem nach Wien. München......................... 495 § 80. Konstanz. Die späteren Zeiten. Reichisch oder eidgenössisch? Schwabenkrieg. Die Krisis von 1510. Die Geschlechter gesättigt. Niedergang des Warenhandels, der Leineweberei. St. Gallen siegreich. Versuche der Stadt, sie zu retten. Wilhelm Eichenbach. Neue Geschäfte der Gesellschaft. Ende............ 498 § 81. Die übrigen oberschwäbischen Eeichs- und Landstädte. Biberach. Buchhorn. Lindau. Transportbehandlung. Der Lindauer Bote eine Paketpost. Vielleicht die älteste. Isny. Wangen. Leut- kirch. Waldsee. Pfullendorf. Überlingen. ■—■ Immenstadt. Kempten. Gordian Seuter. Tettnang. Markdorf. Sonstige oberschwäbische Gläubiger und Schuldner........... 503 Zweites Kapitel. Oberrhein und Eidgenossenschaft § 82. Straßburg. Basel. Hilfe bei Transporten. — Straßburg nur Verkehr auf Frankfurter Messen. •— -Basel. Halbisen. Humpis. Prozeß gegen Kölbiner und Wyler. Heinrich Wiß gegen Gesellen zu Barcelona. Konrad Muntprat bürgt in Barcelona für den gefangenen Hans Wiß. Die daraus hervorgehenden Prozesse. Prozeß Mannen- bach-Wiß. Prozeß Schmid-Wiß über Wechsel der Gesellschaft. Basler nicht weiter in Barcelona. Freiburg im Breisgau. Bernhard Eichenbach...................... 506 § 83. Eidgenossenschaft. St. Gallen. Bedeutung. Leinwandhandel. Muntprat. Vertreter dort. Bern. Bedeutung. Hans Fränkli. Beziehungen zur Stadt und Bürgern. Politische Dienste. Freiburg im Üchtland. Strohsack. Gesellschafter in Zürich, Luzern. Stein. Eintreten der Eidgenossenschaft für die Gesellschaft. Sie verliert mehr und mehr dort ihren Boden. Gründe ...... 512 Kartenskizzen 1. Oberschwaben und Bodenseegebiet bis Aarburg—Basel....... 8 2. Überblick über das Hanf Stoffgebiet um Lyon........... 384 Abbildungen 1. Grabstein Henggi Humpis, gest. 1429.............. 19 2. Handelszeichen der Gesellschaft................. 45 3. Handelszeichen der Humpis................... 45 4. Handelszeichen der Hürus von Konstanz............. 45 5. Siegelstempel der Gesellschaft (geführt von einem Gelieger) .... 45 6. Haus der Gesellschaft in Eavensburg, erbaut 1446. Vorderansicht des Hauptgebäudes (jetzt Marktstraße Nr. 59)............ 46 1 1 j; I ' ■■ i m m 1 ff I ■ P mmm ■ , ■' ■■ ■ \ ■ I j ' I §s ..... mm 81 XIV Inhaltsverzeichnis Seite 7. Haus der Gesellschaft in Kavensburg, erbaut 1446. Grundriß vom Erdgeschoß ............................ 47 8. Haus der Gesellschaft, Gartenseite des Bückgebäudes, erbaut 1446 . 47 9.. Epitaph des Hans Hinderofen, gest. 1527, am Chorbogen der ehemaligen Karmeliter (jetzt evangelischen) Kirche in Kavensburg...... 53 10. Schriftprobe aus einer Bekordanz von Hans Kloter dem Jüngeren über das Gelieger zu Genua. 1504 Juni 26............... 111 11. Bild des Oswald Kröll von Albrecht Dürer. 1497......... 230 Übersicht über Band II und III Band II. 7. Buch. Krisen. Gesellschaften Ausgeschiedener. Konkurrenten ... 1 8. Buch. Handelswege. Transportwesen. Versicherung........ 21 9. Buch. Die Waren....................... 73 10. und 11. Buch. Ende der Gesellschaft. Ihre Bedeutung ....... 224 12. Buch. Münzen, Maße und Gewichte............... 243 Nachträge............................ 257 Orts- und Personenverzeichnis zu Band I- — III ............ 260 Sach- und Wortverzeichnis zu Band I — III ............. 293 Band III. Quellen ........................... 1—532 ü. 1 - WÖHsKfÄ ! ■: HOB I B ' ■ i H ■■■■■■^■■^■BHIHI ■■" Vorwort zu der Sammlung Eine Erweiterung der Aufgaben der Historischen Kommission bei der bayerischen Akademie der Wissenschaften nach der rechts- und wirtschaftsgeschichtlichen Seite hin ist ein sehr alter und wiederholt hervorgetretener Wunsch. Wie Pertz schon bei ihrer Begründung einen derartigen Antrag gestellt hat (vgl. Histor. Zeitschrift, Bd. 1, S. 37), so ist der an erster Stelle Unterzeichnete in seinem Gutachten vom 26. März 1904 über die Frage der Fortführung der Städtechroniken von neuem auf einen solchen Gedanken zurückgekommen. Doch mußten einstweilen diese Pläne gegenüber der Größe der anderen Aufgaben zurücktreten. Als aber die älteren unter diesen (so die Edition der Städtechroniken) zum beträchtlichen Teil ihrem Abschlüsse nahe gekommen waren, ferner die Probleme der Bechts- und Wirtschaftsgeschichte immer mehr in den Vordergrund der historischen Forschung rückten, gewannen die alten Pläne unter Anregungen, die zugleich von auswärts kamen, bestimmtere und erweiterte Gestalt. Aus dem innerhalb der Historischen Kommission erwogenen Gedanken einer deutschen Zollgeschichte gestaltete sich im Anschluß an ein Gutachten des jetzigen Baseler Prof. Hermann Bächtold (vgl.Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Bd. 11, S. 515—532) der Plan einer Edition der deutschen Zolltarife des Mittelalters. Dazu gesellte sich im Anschluß an ein von dem jetzigen Münchener Prof. Strieder (damals Privatdozenten in Leipzig) erstattetes Gutachten der Plan einer nach gleichmäßigen Grundsätzen geregelten Ausgabe bzw. der Benutzung der Handelspapiere (Handelsbücher, Handelskorrespondenzen, Gesellschaftsverträge, tagebuchartiger Aufzeichnungen usw.) des Mittelalters und des 16. Jahrhunderts. Die entsprechenden Beschlüsse wurden 1913 gefaßt. In dessen Ausführung wurden durch Herrn Strieder auf mehreren Beisen, denen ein Aufruf zum Nachweise solcher Handelspapiere vorgearbeitet hatte, in Süddeutschland umfangreiche Feststellungen gemacht, während Herr Bächtold die Herausgabe der südwestdeutschen Zolltarife, Herr Stolz in Innsbruck die der südostdeutschen übernahm. M h ?«■ ■ •'•'<#; ' j,f~v4 m ■ 111111 Kg» - ■^■;- •'■■ -.v- . ' BS ■ ' HM XVI Vorwort zu der Sammlung Im weiteren Verlaufe wurde Herrn Dr. Bastian in München die Edition bzw. Bearbeitung der Tiroler Baitbücher des ausgebenden 13. und des 14. Jahrhunderts (mit ihrem einzigartigen Material zur Geschichte der deutschen, insbesondere oberdeutschen Handelsfirmen) und des Handlungsbuches der Buntinger von Begensburg, das noch dem 14. Jahrhundert angehört, übertragen. Herr Budolf Häpke, jetzt Professor in Marburg, übernahm die Neuausgabe des wichtigen Tagebuches des Augsburgers Lukas Bern. Hans Wieden- mann in Augsburg ging an die Bearbeitung des dortigen Sprenger - schen Notariatsarchivs. Die Arbeiten sind durch die politischen Ereignisse schwer gestört und aufgehalten worden. Immerhin stehen die Ausgaben des Bemschen Tagebuchs und des Buntingerbuchs ihrem Abschluß nahe. Druckfertig aber Hegt ein Werk vor, das während des Krieges entstand. Es ist die von Herrn Strieder geschaffene Sammlung der in Antwerpen erhaltenen, während der ersten Hochblüte dieser Stadt entstandenen Nachrichten über den deutschen Anteil an dem Welthandel der Scheidestadt. 1919 bzw. 1920 trat in den Bahmen dieser Serie auch das vorliegende Werk ein, das der als zweiter unterzeichnete Verfasser schon damals sehr weit gefördert hatte. Das Nähere gibt das zweite Vorwort an. Die Historische Kommission schätzt sich glücklich, hiermit der Forschung einen Quellenstoff von unvergleichlichem Werte, von einem sachlichen Beichtum vorzulegen, wie ihn niemand geahnt hätte, von dem niemand zu hoffen gewagt hätte, daß er in solcher Fülle die Verhältnisse der Übergangszeit vom Mittelalter zur Neuzeit aufklären könnte. Der Verfasser hat sich bemüht, den Stoff möglichst tief auszuschöpfen und ihn nach allen Seiten mit den sonst erhaltenen Nachrichten in Verbindung zu setzen. Er trat dem zuerst Unterzeichneten auch als zweiter Herausgeber der Serie an die Seite. Die beiden Unterzeichneten möchten das Vorwort zu der Samm- nicht ohne eine Bitte schließen. Vorliegendes Werk konnte durch die Hochherzigkeit einer großen Zahl von Spendern noch gedruckt werden. Die Herausgabe des sehr wertvollen Striederschen Werkes ist ohne eine noch umfangreichere Freigebigkeit nicht denkbar. Wir richten die Bitte an die Kreise, die es vermögen, dem Beispiele, das bei vorliegendem Werke gegeben wurde, nacheifern zu wollen. Freiburg i. Br., Bonn, den 19. Mai 1923. Georg v. Below. Aloys Schulte. Vorwort zu vorliegendem Werke In der Einleitung ist die Entstehung und die Bedeutung der vorliegenden Veröffentlichung erörtert worden. So kann sich dieses nachträgliche Vorwort auf einige wenige Angaben beschränken. Der I. und IL Band bieten die Darstellung und die Untersuchungen, über deren Anordnung die Einleitung unterrichtet. In Band III folgen auf die dem eigenen Bestände der Gesellschaft an- gehörigen Papiere (Nr. 1—101) und einige sich daran anschließende Anhänge (Nr. 102—119), fremde Archivalien über die Gesellschaft aus deutschen, schweizerischen und spanischen Archiven (Nr. 120 bis 162). Diese sind innerhalb der Heimatländer zeitlich angeordnet, bei den eigenen Papieren wurde jedoch eine sachliche Anordnung durchgeführt. Da dieser Band einen erheblichen Umfang erreichte, sind Orts- und Personenverzeichnis, Sachregister und Glossar dem kleinsten, dem zweiten Bande angehängt worden. Bei der Namenfülle und der Menge sachlicher Beziehungen ist eine Einschränkung nötig gewesen. Sie war auch erlaubt, weil schon der Text die Verweisungen auf Band und Seite fast überall durchführen konnte, da die Druckerei zuerst den Textband in die Presse legte, die übrigen Bogen aber so lange stehen ließ, daß die Verweisungen angebracht werden konnten. Auch sind die Inhaltsverzeichnisse zu den Bänden und die lebenden Seitentitel Hilfen, um sich in dem umfangreichen Werke zurechtzufinden. In den Begistern wurden die jeweils wichtigsten Stellen durch Fettdruck hervorgehoben. Doch nun kann ich mich dem Danke, den ich nach vielen Seiten hin abzustatten habe, zuwenden. Im Jahre 1909 hat der Direktor des badischen Generallandes- archives Geheimrat Dr. Karl Obser die Beste der Papiere der Ravensburger Gesellschaft auf Schloß Salem gefunden und dann mit Genehmigung des Prinzen Max von Baden nach Karlsruhe verbracht. Im Sommer 1910 habe ich die Bearbeitung begonnen, sie ist öfter unterbrochen worden: durch das Bektoratsjahr, durch wissenschaftliche Arbeiten, auch der Krieg und die schweren seitdem andauernden Zeitumstände haben den Abschluß verzögert. Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. II ff0 ■ ^SäBKi ,,: *™ : iftääsK XVIII Vorwort zu vorliegendem Werke 7 '''■•'■ ;i "■' . ..... ■ ... ■. .■ ■ . - "tu IIP 5- : Sl | g ' ?£55W TOHffiMHHllllfl""™ B a k ;: s ... «f K ■' | " ms n m Die Bearbeitung und Drucklegung wäre ohne Zuschüsse unmöglich gewesen. Da trat fast sofort die eben begründete rheinische Gesellschaft für wissenschaftliche Forschung ein, die einen später noch um 1000 Mark erhöhten Kredit von 9000 Mark eröffnete und außerdem die Kosten einer archivalischen Eeise in Oberschwaben und einer in Spanien (beide 1912) bestritt. Mit ihrer Genehmigung ging die Veröffentlichung im Jahre 1920 in die Eeihe der von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften herauszugebenden „Deutschen Handelsakten des Mittelalters" über. Der Bückhalt an der rheinischen Gesellschaft gab mir den Mut, Zeit und Kraft an dieses Werk zu wenden. Der immer tiefer sinkende Stand der deutschen Mark lockerte aber die Aussicht auf den Druck. Im September 1920 wandte sich darauf gütigst Herr Minister Dr. Am Zehnhoff zu Berlin, der erprobte Freund der Geschichtsforschung, an einige Herren, um die Drucklegung zu ermöglichen. Bereitwillig spendete Seine Durchlaucht der Herzog Engelbert von Arenberg, jetzt in Bonn, 10000 Mark und Herr August Thyssen zu Schloß Landsberg 5000 Mark, gleichzeitig die Herren Peter Werhahn (f) in ISTeuß 1000, Dr. Louis Hagen in Köln 10000, Otto Wolff in Köln 20000 und die wissenschaftliche Gesellschaft in Freiburg i. Br. 1000 Mark. Im folgenden Frühling stifteten die Köln-Eottweiler Pulverfabriken in Berlin 10000 Mark und die Dynamit-Aktien-Gesellschaft vormals Nobel & Co. in Hamburg 8000, die Herren Generaldirektor Dr. Max Duttenhofer in Berlin und Generaldirektor Prof. Dr. Flechtheim in Berlin je 1000 Mark. Später traten noch hinzu der badische Staat mit 10000 Mark und der württembergische mit 20000 Mark. Zusammen wurden 107000 Mark aufgebracht. Der tief bedauerliche Eückgang der Mark hat freüich den ursprünglichen Wert dieser Spenden vermindert, doch konnte rechtzeitig ein erheblicher Teil für die Druckkosten verwendet werden. Die Historische Kommission wird noch einen weiteren Betrag aufzubringen suchen. Der Druck begann März 1921, mußte aber öfter unterbrochen werden. Die Deutsche Verlags-Anstalt hat nicht nur die Bedingungen des damals abgeschlossenen Vertrages pemlich eingehalten, sie hat auch allen meinen Wünschen restlos entsprochen. Ich kann den Dank nur in Worte kleiden. An den Freunden der Geschichte von Handel und Gewerbe liegt es, das Wagnis der Verlagsbuchhandlung glücklich zu beenden. Ohne jene hochherzigen Spenden wäre die Vollendung des Buches trotz der Opferwilligkeit des Verlages unmöglich gewesen. Mein Dank wird von den Lesern und Benutzern aufs wärmste geteilt werden. '■■ ü Vorwort zu vorliegendem Werke XIX Die archivalischen Eeisen führten mich nach Barcelona in das Archivo del Patrimonio Eeal und das Archivo del la Corona de Aragon, wo der Vorstand beider, Ednardo Gonsälez de Hurtebise (f), sowie Jose Pallejä mir äußerst liebenswürdig entgegenkamen, ebenso war es im Archivo general de la Corona von Valencia, wo ich die gleiche Gastlichkeit bei Manuel Ferrandis Irles fand, und auf dem Archivo de la Deputacion provincial in Saragossa, wo Herr Pascual Galbe und Professor Andres Gimenez y Soler mir zur Seite standen. Voll der freudigen Eindrücke verließ ich Spanien in der Hoffnung, später die Barceloneser Funde auszubeuten, was nur zum Teil und indirekt möglich war. In Oberschwaben war ich zum Teil schon früher Archivbenutzer gewesen. So von Karlsruhe und Stuttgart zu schweigen in den Stadtarchiven von Konstanz, Lindau, Eavensburg, Ulm, wo ich überall die alte freundliche Aufnahme fand. Ich war 1912 oder 1921 zum ersten Male Gast in den Stadtarchiven von Isny, Leut- kirch, Memmingen (Prof. Dr. Miedel) und JSTördlingen (Prof. Dr. Mußgnug), dann im gräflich Waldburg-Zeüschen Archive von Eatzenried, wo ich gemeinsam mit Herrn Grafen Anton von Waldburg-Zeil in dem alten Humpisschen Archive fast acht Tage arbeitete, und auf Schloß Zeil. Gelegentbch arbeitete ich auch im Frankfurter Stadtarchiv. Diese Tage waren immer genußreich. Aus diesen Quellen kamen manche neue Nachrichten und das Bächlein wurde durch manche Einnsale, die mir zugeleitet wurden, verstärkt. Es seien an erster Stelle zwei Schweizer Herren genannt, die für eigene handelsgeschichtliche Forschungen und Veröffentlichungen große Archivreisen unternahmen und mir ihre Funde zugänglich machten: Dr. Hektor Ammann in Aarau und Dr. Alfred Schelling in St. Gallen. Andere Herren gaben mir einzelne zum Teil sehr wertvolle Funde, so aus Spanien Prof. Dr. Leopold Pereis in Heidelberg und Schulrat Karl Strohecker in Stuttgart. Andere Funde, Ergänzungen oder doch Mitteüungen verdanke ich für die Schweiz Herrn Staatsarchivar Dr. August Huber und Dr. med. Lotz in Basel, Stadtbibliothekar Dr. Schieß in St. Gallen und Staatsarchivar F. X. Weber in Luzern, für Italien Prof. Dr. Heinrich Sieve- king in Hamburg, für Österreich Archivdirektor Prof. Dr. Theodor Mayer in Wien, für Belgien Prof. Dr. Jakob Strieder in München und Prof. Dr. Walther Stein (f) in Göttingen. Aus deutschen Archiven verdanke ich Mitteüungen oder Auskünfte den Herren Dr. Bastian in München, Geheimrat Prof. Dr. Konrad Beyerle in München, Stadtbibliothekar und Archivar Dr. Greiner in Ulm, Direktor Dr. Hampe und Dr. Eeinhard Schaffer in Nürnberg, i »ft* *.;^Fi XX Vorwort zu vorliegendem Werke 1 HB m ■ ■■ m $ ; ■ .- KB Archivdirektor Dr. Jung (f) in Frankfurt, Prof. Dr. Kuske in Köln, Dr. Eugen Mack in Wolfegg, Stadtarchivar Dr. Maurer in Konstanz, dem ehemaligen Stadtarchivar Merk in Eavensburg, dem Stadtpfarrer Dr. Eieber in Ulm, dem fürstlichen Archivar Schwanzer in Zeil, Dr. Joseph Spieß in München. Das Interesse anderer Forscher und Gelehrter ist dem darstellenden Teile zustatten gekommen. Da möchte ich zwei Schwaben voranstellen: Eeichsarchivdirektor Dr. Franz Ludwig v.Baumann (f), der mich vor bald 40 Jahren in die Geschichte Oberschwabens einführte, und der Leiter des Ludwigsburger Staatsarchivs Begierungs- rat Dr. Karl Otto Müller, mit dem ich mehrere Tage in seiner Vaterstadt Eavensburg zubrachte, wobei wir auf Grund der Steuerlisten das alte Heim der Gesellschaft feststellten. Seine Förderung hat mich dann weiter begleitet. Ständiges warmes Interesse zeigten auch meine Freunde Prof. Dr. Wilhelm Levison in Bonn und Geheimrat Prof. D. Dr. Ulrich Stutz in Berlin. Dann habe ich vor allem auf drei Gebieten den Eat von Sachkennern dankbar genießen dürfen. Die schwierige Frage des rechtlichen Charakters der Gesellschaft ließ mich an die Bonner Juristen Ernst Paul Gieseke (jetzt in Eostock), Ernst Landsberg, Heinrich LehmanD (jetzt in Köm) und Martin Wolff (jetzt in Berlin) keineswegs nutzlos herantreten. Geographische Schwierigkeiten und solche der Warenkunde besprach ich mit den Bonner Kollegen Alfred Philippson und Otto Quelle, mit dem Mineralogen Eeinhard Brauns, den Geologen Gustav Steinmann und Otto Wilckens, dem Chemiker Eichard An- sohütz, auch mit dem ]STumismatiker Dr. Julius Cahn in Frankfurt, dem Kunsthistoriker Prof. Dr. Ganz in Basel und anderen Herren. Die sehr erheblichen sprachlichen Schwierigkeiten veranlaßten mich, als Eatgeber anzugehen aus Spanien die Herren Prof. Dr. Antoni Griera in Barcelona und Don Antonio Tobella y Guixä vom Montserrat, die Bonner Eomanisten Wilhelm Meyer-Lübke und Leo Spitzer, den Gymnasialdirektor Dr. Feit in Breslau, Prof. Dr. Eudolf Häpke in Marburg und den Bonner, jetzt Tübinger OrientaUsten Enno Littmann. Bei den Anfängen des spanischen Buchdrucks war mir Geheimrat Prof. Dr. Konrad Häbler in Berlin Wegweiser. Es zeigte sich, welch ein Vorteil für den Forscher es ist, wenn er an seine Amtsgenossen in einer Universitas litterarum sich wenden kann und dazu den Eat anderer ausgezeichneter Sachkenner einholen darf. Allen genannten Herren und Behörden spreche ich meinen wärmsten Dank aus, auch Herrn Dr. Max Braubach, der mir bei der Drucklegung manche Hilfe leistete. Die Zeichnungen zu den Abbildungen 2—5 verdankt das Werk dem Generallandes- wms I ^1 1 Vorwort zu vorliegendem Werke XXI archive, die Vorlagen zu den Abbildungen 1, 6—9 der Stadt Ravensburg bzw. Herrn Stadtbaumeister Beck. Die vier Kartenskizzen habe ich selbst entworfen. Zum Schlüsse muß ich aber noch einmal die Verdienste des badischen Generallandesar chives und seines Leiters Geheimrat Obser hervorheben, die mir die kostbaren Bände viele Jahre hindurch zur Benutzung in Bonn überließen. Möge der Wert der Veröffentlichung den Erwartungen der Helfer entsprechen. Ich habe in guten und bösen Tagen in der Arbeit Erholung gefunden. So kleinlich die einzelnen Forschungen auch mir erschienen, so hob mich doch immer wieder das Gefühl, nur durch diese Kleinarbeit lasse sich der Inhalt der einzigartigen Quelle zur Geschichte des Handels und der Gewerbe ausschöpfen. Mir standen die Personen und Zustände nicht nur in ihrer Vereinzelung vor der Seele, ich sah in ihnen allgemeiner den deutschen und welschen Kaufmann und Handwerker und das wirtschaftliche Leben weiter Lande des abendländischen Kulturkreises. Die Erkenntnisse, die diese Quelle erschließt, werden langsam in weitere Kreise dringen und so wird das Buch hoffentlich wirken: nicht nur der Wissenschaft zu Nutzen, auch der alten deutschen Kaufmannschaft zur Ehre wie der jetzigen zur Lehre. Bonn, 9. Mai 1923. Aloys Schulte. UM H...... m rc ■ KP ■ mm ,'.•'■■. :■■..:'.■ -'.:?;=, •-:.:.■';::-'"' BM» I '.-X ; ."'' :; '^ iiMpi ! I. 1 Einleitung Die Darstellung der Geschichte der menschlichen Kultur baut sich auf kärglichen, ja äußerst bescheidenen Bausteinen von sehr verschiedener, oft recht fragwürdiger Tragfähigkeit auf. So hoch auch die Kunst entwickelt ward, dieses Material zu verwerten, so haftet doch der Kulturgeschichte noch immer der Durst nach intimen Quellen an, der Hunger nach Zeugnissen für das innere Leben einzelner Menschen. Da war die Bürgerschaft zwar besser daran als der Bauer, von dessen Hand keine Briefe geschrieben wurden, aber für die Zeiten des Mittelalters wissen wir Intimeres nur vom Klerus, den Fürsten und dem Adel, deren Archive ja am besten erhalten sind und doch wenigstens dann und wann einen Einblick in die Denkweise bieten. Die städtischen Archive behielten Akten von Behörden auf; gewiß kennen wir einzelne Bürger aus Prozeßakten genauer; aber wer möchte nur nach einer solchen Quelle beurteilt sein? Für den Kaufmannsstand, für die Geschichte des Handels ist das Material der früheren Jahrhunderte äußerst dürftig, es sind gelegentliche Erwähnungen, bestenfalls ein Zolltarif. Aber wer kann sagen, woher die Ware kam, wohin sie ging, ob sie dem Zöllner oft unter die Augen kam oder fast nie? Es heißt da die Kombinationsgabe aufs Äußerste anspannen, und doch bleibt ein ernster Geschichtschreiber des Handels sich der Zweifel bewußt, und einer einzelnen Persönlichkeit in die Seele zu schauen ist ihm nie oder höchst selten vergönnt gewesen. Alle Zeugnisse, die er benutzte, reden über den Kaufmann, dessen eigene Worte kommen aus jenen Zeiten nicht an unser Ohr. Das wird für das Spätmittelalter durch die städtischen Archive besser. Die urkundlichen Zeugnisse mehren sich, und wenigstens hier und da ist ein Geschäftsbuch oder ein Brief der Stadt in kaufmännischen Angelegenheiten erhalten oder birgt gar ein Archiv Brief e eines Kaufmanns. In diesen Zeugnissen entschleiert sich in etwa die Persönlichkeit. Aber die Geschäftsbücher sind vereinzelt, sie haben entweder in einer schweren Anklage dem Gerichte vorgelegen, wie das Geschäftsbuch Wittenborgs, dieses Bürgermeisters von Lübeck, der seine Schuld mit dem Tode büßte —er wurde überführt, während eines Krieges mit dem Feinde Geschäfte getrieben zu haben — oder an anderem Orte hob die Familie sie auf, um, wie es die Peruzzi von Florenz noch nach sechs Jahrhunderten taten, die Beweismittel Schulte, Oesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 1 i sa, t So .'-■-■ . ; MaMm .- ■ - , •■:." - : ■ ■: ■ ■■■■ ';■■■■■•'■■,■>■■■■ Einleitung ■ ■■'.■ ...■ ■ .'■■■ -, 1 1 I 1 1 ' 1 1 w 1888 I Kl gegen einen Schuldner bereit zu behalten. Die best durchgearbeitete Geschichte eines Handelsgebietes, des der Hansa, lieferte schließlich so viel Stoff, daß von so hervorragenden Forschern wie Goswin Freiherrn von derRopp und Rudolf Häpke der hansische Kauf mann in seinem Leben und Treiben anschaulich geschildert werden konnte. Aber auch ihnen gelang es nicht, einzelne Porträts zu entwerfen. Der hansischen Geschichte fehlt ein größerer Stock von Papieren einer einzelnen Gesellschaft, nur bei den Veckinghausen wurde es unter Wilhelm Stiedas Händen ein lebensvolleres Bild. Der Durst nach Briefen, der Hunger nach Geschäftsbüchern beherrschte auch die Geschichte des oberdeutschen Handels. Lebensvoll stehen dann erst vor uns Jakob Fugger, Hans Kleeberger und die Buchdrucker Anton Koberger und Bonifazius Amerbach. Zu den Briefen und Akten tritt auch das Porträt. Da ist nun durch einen völlig überraschenden Fund ein Wandel eingetreten, und da kamen nicht Papiere eines unbedeutenden Kaufmanns zum Vorschein, sondern Beste von Akten und Briefschaften der größten deutschen Handelsgesellschaft, die es vor dem Zeitalter der Fugger gegeben hat, in das sie ja auch mit dem letzten Drittel ihrer anderthalbhundertjährigen Dauer hineinragt. An einem Orte wurden diese Akten der großen Bavensburger Handelsgesellschaft gefunden, wo niemand sie gesucht hätte. Sie hatten eine fast märchenhafte Geschichte hinter sich, ehe sie in das badische Generallandesarchiv zu Karlsruhe gelangten. Als die Bavensburger Gesellschaft sich um 1530 auflöste, hob ihr Rechnungsführer, der schon bejahrte Alexius Hüleson, einen Teil der Papiere bei sich auf; kaum aus persönlichem Interesse, um sich etwa gegen Beschwerden zu decken, viel eher um die Erinnerung an vergangene Zeiten zu erhalten, am wahrscheinlichsten jedoch, um Nachkommen Lehrmittel zu hinterlassen. Wie immer, dieser getreue Diener der Gesellschaft rettete die Geschäftspapiere über die ernsteste Gefahr, die solchen zu allen Zeiten drohten und drohen werden, über die ersten fünfzig Jahre, wo sie praktische Bedeutung nicht haben und geschichtliche ihnen noch nicht beigemessen wird. In der Hast der Arbeit wandern Bücher und Briefe in einen Winkel und werden dann, weü sie Raum stehlen, beseitigt. Man lebt ja der Gegenwart und der Zukunft. Ein Enkel Hülesons ward Mönch im Zisterzienserkloster Salem und brachte sie in dessen Archiv, das auch sonst geduldig vielerlei dort hin gebrachte Archivalien durch lange Zeiten barg, bis mit der Säkularisation (1803) das Kloster aufgehoben wurde und Kloster und Archiv in den Besitz der Großherzoge von Baden übergingen, von denen die jüngere Linie, die Sekundogenitur mit Salem, diesem herrlichen Besitze ob dem Bodensee, ausgestattet wurde. Die reichen urkundlichen Schätze des Archivs wanderten bald unter Vorbehalt des Eigentümers in das Generallandesarchiv nach Karlsruhe, später folgten die Akten. i I Einleitung Ein Best blieb in Salem zurück, darunter auch diese „unnütz- lichen Handelssachen", wie eine alte Aufschrift lautete. Doch der Schlaf in der Schublade dauerte noch einige Zeit. Die Lade stand offen und ein nahe befindliches Fenster auch, so daß ein Vogelpaar darin nistete. Allerdings ein Freund der Ordnung schob die Lade einmal zu und legte den ausgebrüteten Jungen die Todesstrafe auf. Bei einer letzten Bevision fand im Jahre 1911 der Direktor des Karlsruher Generallandesarchives, Herr Geheimer Bat Archivdirektor Dr. KarlObser, die Akten und verbrachte sie, ihren hohen Wert wohl erkennend, nach Karlsruhe; er bot im Einverständnisse mit dem Prinzen Max von Baden mir, dem alten Kollegen, der einst in Karlsruhe sein Werk: Geschichte des mittelalterlichen Handels und Verkehrs zwischen Westdeutschland und Italien mit Ausschluß von Venedig (2 Bände, 1900), begonnen hatte, Veröffentlichung und Bearbeitung des Stoffes an. Fast zwölf Jahre sind es nun, daß ich an diesem Werk arbeite, wenn mich auch Amt und andere Studien öfters und länger abgezogen haben. Als alter Arbeiter auf diesem Felde ersah ich sofort die Ertragfähigkeit dieses neuen Ackers, zu dem ich immer mit Freude und Liebe zurückgekehrt bin, so sauer die Arbeit auch war. Schon im Jahre 1890 hat der Altmeister der Handelsgeschichte Wilhelm Heyd den Landsleuten der oberschwäbischen Gesellschaft ein viel Neues bringendes Denkmal in dem Büchlein: „Die große Bavensburger Gesellschaft" (Stuttgart, Cotta), gesetzt und in meinem oben genannten Buche konnte ich mancherlei in Heyds Schrift ergänzen und die Kenntnis erweitern. Seit jener Zeit stand es fest, daß diese Gesellschaft wohl sicher die größte und originellste deutsche Handelsgesellschaft während des Mittelalters gewesen seL Die neugefundenen Papiere gehen nun nicht in die Anfänge der Gesellschaft zurück, beginnen vielmehr mit einem versprengten Stücke von 1427, werden dichter von 1472 bis 1480 und setzen dann mit 1497 wieder ein, um — nicht ohne Lücken — bis 1527 zu führen. Sicherlich möchte man sich gerade für die ältesten Zeiten mehr Nachrichten wünschen, aber man soll sich im Glücke über das Glück nicht beschweren. Der Dichtigkeit des Materials für die Zeit von 1472 bis 1480 verdanken wir ein leidlich klares Bild von Personen und Arbeit der ganzen Gesellschaft. Für die Zeit nach 1497 liegen sehr erhebliche Beste der Papiere der Zentralleitung vor neben meist für sich stehenden Einzelquellen. In Deutschland und Spanien habe ich auf den Archiven meist mit Erfolg weiteres Material aufgesucht, fast noch mehr ist mir aber von verschiedenen Seiten zur Verfügung gestellt worden. Dem Leser wird es nicht immer angenehm sein, in örtliche Dinge herabsteigen zu müssen und dem Verfasser wäre es noch lieber gewesen, wenn er dieses hätte vermeiden können. Aber die Aufgabe zwang ihn dazu sowohl in Bavensburg, in Konstanz und den ja ^■■^■■^H ; ■ i » Bffi ssäHäfe I 4 Einleitung anderen oberschwäbischen Heimatstädten der Gesellen, als auch an den Stätten ihrer Tätigkeit in Italien, Spanien, am Ehone, in den Niederlanden, in Deutschland und bis nach Posen und Ofen hin. Es galt, die Bürger in ihrem heimatlichen Leben zu verfolgen, im fünften Buche bin ich ihrer sozialen Stellung, ihren sozialen Anschauungen, ihren Beziehungen zur Kirche, ihren städtischen Ämtern, ihrer Stellung zur Kunst und Wissenschaft nachgegangen. Was dabei herauskommt, ist noch lebensvoller, als was wir bisher von Nürnberg und Augsburg, von Prankfurt und Ulm wußten. Und dies baut sich auf das vierte Buch auf, in dem ich eine knappe Biographie eines jeden Gesellen zu geben versuchte. Für eine jede andere Stadt wäre das eine bare Unmöglichkeit aus Mangel an Nachrichten. Im sechsten Buche, das den Handel nach Landschaften darbietet, galt es die Eigenart von Valencia, Saragossa und all der anderen Handelsplätze zu erfassen und dann dem dortigen deutschen Handel überhaupt und näherhin dem der Gesellschaft nachzugehen. Es ist sicher eine Notwendigkeit, daß die Handelsgeschichte die Eigenart aller Handels- und Gewerbestädte bis auf ihre tiefsten Wurzeln erforscht. Und ich hoffe, daß es mit Erfolg geschehen ist. Damit hängt das neunte Buch zusammen. Die Zollisten geben Warennamen, ganz selten die Herkunft an; aus den Rechnungen von Fürstlichkeiten, Kirchen und Klöstern holte die Geschichte des Kunstgewerbes manche wertvolle Nachricht, über die gewöhnliche Handelswaren wußte man aber so gut wie nichts und verließ sich auf Angaben, die die Qualität nicht angeben. Noch viel weniger wußte man von den Sorten selbst. Unsere Papiere, zu denen die spanischen Zollrechnungen, namentlich die jüngeren, hinzutreten, geben nun für eine erdrückende Fülle von gewöhnlichen Handelswaren Sorten, Preise, Herkunft, Transport- und andere Kosten an, so daß nunmehr ein Überblick über sehr viele Handelsartikel möglich ist. Denn die Gesellschaft handelte mit fast allen Waren, von denen sie sich Nutzen versprach und mit denen zu handeln die Obrigkeit gestattete. Bei dieser Lage war gerade dieses Buch außerordentlich schwer zu schreiben, die Feststellung der katalanischen Warennamen machte große sprachliche Schwierigkeiten. So zwang der Eeichtum des Stoffes zu umfangreichen Untersuchungen, die nicht immer sichere Ergebnisse herbeiführten. Aber gerade für die Warenkunde hatte bisher die Forschung nie ein so gutes Quellenmaterial. Freilich, wie es dem Historiker geht, so war es auch hier. Er glaubt einige Fragen gelöst zu haben, um neue zu stellen. Es lag die Versuchung nahe, noch weiter zu gehen und aus diesem fraglos besten Quellenmateriale zur Preisgeschichte, das wir bisher für Deutschland gewannen, den denkbar größten Nutzen zu ziehen und die Preise in eine damalige Handelsmünze, den rheinischen Gulden, und sie danach in Feingold umzurechnen. Allein die Einleitung Meinung zweier der besten deutschen Kenner der Münz- und Geldgeschichte, Dr. Julius Cahn und Professor Dr. Alfred Noß, haben mich davon abgebracht. Selbst wenn die Werte des rheinischen Guldens in der von Cahn berechneten Tabelle absolut richtig sind, selbst wenn auch zahlreiche Eelationen des Wertes lokaler Münzen zum rheinischen Gulden sich finden, so bleiben doch Zweifel genug. Steckt in jeder dieser Eelationen wirklich keinerlei Aufschlag oder Abschlag, kein Wechseldiskont? Und wenn das alles sauber und reinlich gemacht wäre, dann hätte ich Maße und Gewichte völlig exakt in unsere heutigen umrechnen müssen. Bei der riesenhaften Ausdehnung des Geschäftes hätte ich mich der verstecktesten Literatur bedienen müssen, um z. B. genau das Safrangewicht von Casalmaggiore feststellen zu können. Ich will nicht sagen, daß das technisch unmögHch sei. Aber das hätte eine weitere außerordentliche Arbeitslast ergeben, und schließlich war es doch nicht meine Aufgabe, in diesem Buche den berühmten Werken des Engländers Bogers und des Franzosen Marquis d'Avenel ein deutsches Gegenstück an die Seite zu stellen, das ihre Fehler noch dazu vermeiden mußte. Einen Schritt kommen diesen Bedürfnissen der geldlichen Erfassung die Abschnitte des zwölften Buches entgegen, das über die vorkommenden Münz-, Maß- und Gewichtssysteme Auskunft gibt und dem auch die Cahnsche Tabelle des Goldgehaltes des rheinischen Gulden beigegeben ist. Uns bieten die Quellen in vielen Punkten ein völlig klares Büd der Organisation einer großen, über viele Gelieger gebietenden Handelsgesellschaft. Leider sind die Züge fast überall aus der Praxis zu schließen, da das Statutenbuch der Gesellschaft verloren ist. Leider. So mußte eine Frage — und es ist gerade diejenige, die der Handelsrechtshistoriker zuerst stellt: die nach den Grenzen der Haftpflicht oder, was dasselbe ist, nach der rechtlichen Qualität der Gesellschaft — ohne eine völlig gesicherte Antwort bleiben. Und doch gewinnen wir tiefe Einblicke in die rechtliche und wirtschaftliche Organisation einer Handelsgesellschaft von 50 und mehr Kaufleuten, die trotz aller Krisen, allen Ausscheidens von erprobten, aber unzufriedenen Gesellschaftern, trotz dieser Dinge, die im siebenten Buche dargestellt sind, 150 Jahre zusammenhielt, somit älter wurde, als die allermeisten Gesellschaften von heute es sind. Für das dritte Buch: Handelstechnik, lag ein Quellenstoff bereit, wie wir ihn auch für das 16. Jahrhundert für kaum eine deutsche Firma besitzen. Ganze Gruppen von Handels quellen werden uns hier zum ersten Male bekannt. So war sogar das Wort Bekordanz verloren gegangen, und nun liegen solche Briefe, die der überbringende Geselle nach und nach auf seiner Fahrt in den Geliegern, die er aufzusuchen hatte, mündlich erläutern sollte, vor, mit einem Inhalt, der vertraulich redet und reden darf; denn die Bekordanz itiS ■■■■■■■■■■■■■■ Sgl ■ " : *■''-■■" m& «■• Einleitung ■ ■■■ ! . . wird ja nicht einem fremden Boten übergeben, sondern ruhte sicher in der Brieftasche eines erprobten Gesellen. Die eine umfaßt nicht weniger als 69 Seiten; aber auch andere sind nicht viel kürzer. Und da reden nun die Herren in Ravensburg oder die Gesellen in den Geliegern über alle und jede ihrer Sorgen, nur selten verlassen sie sich ganz und gar auf das mündliche Wort des Überbringers. Jede Ware, jeder zweifelhafte Kunde, Erfolg und Verlust, Absichten und Bedenken, Beschwerden, aber auch Lob und Anerkennung, Ermahnungen und Tadel werden besprochen oder vorgebracht. Die Handelsgrundsätze predigen die Regierer und das Echo kommt aus den Geliegern zurück. Und das alles wird in der herrlichen Sprache vorgebracht, deren Satzbau noch nicht vom Latein verunziert ward, in dem Büderreichtum einer noch nicht verkünstelten Gesellschaft. Wohl ist die Sprache mit Fremdwörtern durchsetzt, und nicht gering ist unser Erstaunen über den meines Wissens nie beobachteten Einfluß der katalanischen Sprache. Dem näher nachzugehen fehlt mir die sprachliche Schulung. Aber ich bin überzeugt, daß die Sprachforscher an diesen Quellen nicht vorübergehen werden. Ja, ich würde mich nicht wundern, den Brief von Alexius Hilleson an seine jung vermählte Gattin aus Mailand in einem württembergischen Lesebuche für das Volk wiederzufinden. Oberschwaben hatte das Glück, in der Zimmernschen Chronik eine Quelle zu haben, die Leben und Treiben, Sinnen und Trachten des oberschwäbischen Adels kristallklar zeigt, nun hat es eine zweite, die den oberschwäbischen Kaufmann so deutlich erkennen läßt wie den Kiesel im klaren Bache. Wo sind uns Meßzettel, Verkaufszettel, Meßinstruktionen überliefert? In der Rechnung des Nürnberger Geliegers und der von dort versorgten Messen von Frankfurt und Nördlingen haben wir das beste oberdeutsche Geschäftsbuch des ausgehenden Mittelalters. Aus all diesen Quellen wird fast alles klar, was wir von der Handels- technik wissen möchten, doch auch da bleiben Fragen übrig. Im achten Buche sind Beiträge zur Geschichte der Handelswege vereinigt, soweit sie nicht schon im sechsten zu behandeln waren. Und das Material reicht sogar aus, um wesentliche Aufklärungen für die Geschichte der Mittelmeerfahrten und der im Atlantischen Ozean bieten zu können. In zwei weiteren Büchern ziehe ich Schlüsse auf die Vorgeschichte des oberschwäbischen Handels und behandle das Ende der Gesellschaft, um mit einer Erörterung der großen Fragen der Wirtschaftsgeschichte jener Zeiten zu schließen. Wie ich das Geschriebene überlese, habe ich das Gefühl, etwas ruhmredig gewesen zu sein. Meine Absicht war, die Bedeutung der neuen Quellen zu zeigen und den Leser auf seinen mühseligen Weg vorzubereiten, ihn auf die Hauptpunkte aufmerksam zu machen. Es ist mir bei der Bearbeitung des Fundes oft der Vergleich mit der Bedeutung der Papyri gekommen. Sicherlich die Welt, die sich in ^»■P|WM« [ MU I MiU^ . ■ ■ 1 /\ I KU--;*-'- Einleitung ihnen auftat, war noch unbekannter als die, in die wir nun schauen. Aber dort handelt es sich nicht wie hier um unsere Vorfahren, um die deutschen Kaufleute, die, wagemutig wie sie waren, in den Handel der Mittelmeerländer, der Niederlande und Osteuropas eindrangen und in ihm eine sehr bedeutende Stellung gewannen. Die Frühzeit der Hochblüte des oberdeutschen Handels ist durch den Fund Karl Obsers nunmehr hell beleuchtet. In dieser Gesellschaft spiegelt sich nun hell die deutsche Kaufmannschaft jener Zeit ab. So wird der Leser in den örtlichen und persönlichen Dingen nicht nur Eavensburg zu sehen haben, sondern weiter gehen dürfen und freilich nicht allzu kühn in den Oberschwaben die deutschen Kaufleute sehen dürfen. Das ist die allgemeine Bedeutung des Buches. Es besteht wohl keine Hoffnung, daß wir in einer anderen Stadt so tiefe Einblicke gewinnen können, als es hier möglich war. Am ehesten könnte man an Lübeck denken. Doch Hildebrand Veckinghusen wurzelte nicht in seiner westfälischen Heimat und nicht in seiner Adoptivstadt Lübeck, sondern in der Ferne in Brügge, wo er vier Jahre im Gefängnisse schmachtete. Sein in Beval erhaltener Nachlaß, enthält weit mehr Briefe (für die Zeit von 1406—1426), als ich sie vorlegen kann, auch Akten und Bechnungen sind erhalten. Aber so tief führen die Quellen in das Handelsleben doch nicht ein, als unser Material. Das kann und soll die hohen Verdienste Wilhelm Stieda's nicht schmälern, der in dem Buche: Hüdebrand Vechinchusen, Briefwechsel eines deutschen Kaufmanns im 15. Jahrhundert (Leipzig 1921) wenigstens die Briefe veröffentlicht hat. Forschung und Darstellung waren nicht zu trennen, und mancher kaufmännische Leser wird sich daran stoßen. Aber ich habe mich wenigstens bemüht, ihm in den Steppen der Forschung dann und wann Oasen darzubieten. Die Forschung der Handelsgeschichte ist kein Wandeln in lachendem Garten in Blütenpracht oder in Zeiten, wo rotwangige Früchte an den Bäumen grüßen. Sie ist saure, harte Arbeit. jw3 -TV* %lsm s&g mm ,T$E WS lf Ä Ä «Ms Erstes Buch Entstehung der Gesellschaft Erstes Kapitel Die Stadt Ravensburg § 1. Lage. Weifen, Staufer und Reichsvogtei. Stadterweiterungen, Kirchen, Klöster, ArmenanstaUen. Verwaltung und Gericht. Gesellschaften und Zünfte. Regiment. Privilegien. Gewerbe. Bündnisse. Beziehungen zum Reiche. Viele der Leser werden die Frage stellen, wie kann eine so unbedeutende Stadt wie Eavensburg die Heimat nicht nur eines großen Handelsgeschäftes gewesen sein, sondern geradezu der Sitz des vor dem Auftreten der Fugger am weitesten ausgedehnten kaufmännischen Unternehmens, das in jenen Zeiten in Deutschland bestand ? 1 Altertum und Neuzeit ballten den Fernhandel großen Stiles vorwiegend in die großen Städte zusammen, so daß man nicht glauben mag, daß im Mittelalter wie in Italien Siena, so in Deutschland Eavensburg eine solche Stellung im Handelsleben gewinnen konnte. Siena aber war eine Stadt der Bankiers, Eavensburg aber betrieb, wie wir sehen werden, nur Warenhandel. Wie konnte es eine solche' Bedeutung gewinnen? Die heutigen Verhältnisse, die Eavensburg an den Eand des Deutschen Eeiches gebracht zeigen, würden das auch wohl ausschließen, aber damals lag Eavensburg fast zentral in dem fruchtbaren und wirtschaftlich bedeutenden Kerngebiete Schwabens. 1 Eine für seine Zeit sehr verdienstliche Arbeit ist Eben, Joh. Georg, Versuch einer Geschichte der Stadt Ravensburg (1835, 2 Bde.). Minder gewissenhaft ist das auf ihm beruhende Buch von T. Hafner, Geschichte der Stadt Ravensburg (1887). Ausgezeichnet Karl Otto Müller, Die oberschwäbischen Reichsstädte. Ihre Entstehung und ältere Verfassung (Darstellungen aus der württembergischen Geschichte, Bd. 8), 1912, leider reicht es bis in unsere Zeit nur stellenweise hinein. Mit der Lage von Ravensburg haben sich auch beschäftigt: Schöttle, Ravensburgs Handel und Verkehr im Mittelalter (Schriften d. Ver. f. Gesch. des Bodensees 38, 42 ff.), und Robert Gradmann, Die städtischen Siedelungen des Königreichs Württemberg (Forschungen zur deutschen Landesund Volkskunde, Bd. 21), und Schwäbische Städte (Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, 1916). •■Mx:m. BH^HI^H 10 Erstes Buch. Entstehung der Gesellschaft. 1. Kapitel. § 1 mg : 1 1 \ l ."1 Dieselben Vorteile hatten übrigens auch die alte Bischofsstadt Konstanz und Ulm an der Donau. In dem Viereck Konstanz— Mengen—Ulm—Bavensburg würde man den Mittelpunkt des alten Herzogtums zu verlegen haben. Ulm hat den weithin bequemsten Übergang über die sonst recht ungangbare Bauhe Alb und den obersten Hafen an der Donau, Konstanz war die Brückenstadt am Bodensee. Mit ihrer Lage konnte Bavensburg nicht wetteifern. Das Land Oberschwaben besteht aus dem Gebiete längs der Donau, die hart an den Büß der Bauhen Alb gedrängt ist, und dem weiten Gebiete der Moränenlandschaft, die einst der Bheintalgletscher riesigsten Umfangs geschaffen hat und die sich nach innen hin zu dem größten Erosionsee des Alpengebietes, dem Bodensee, dem Schwäbischen Meere, entwässert. Moränenlandschaften haben selten ein einfaches Flußsystem, die Bäche müssen sich zwischen den Moränenanschüttungen ihre Wege suchen, und die wasserreiche Argen hat noch heute nicht überall einen Begleiter. Doch das Schussental bietet im Unterlaufe eine bequeme Landstraße dar, die auch zu Bömerzeiten schon bestanden hat, am untersten versumpften Laufe war es leicht, westlich den sicheren Hafenplatz Buchhorn zu erreichen. Verlockend nahe liegt der Bodensee. Doch war Buchhorn immer nur ein kleines Hafenstädtchen, das mit Konstanz, Überlingen und Lindau nicht wetteifern konnte. Erst die Erfindungsgabe des Grafen Zeppelin, der für die Erprobung seiner Luftschiffe die weite Fläche des Bodensees brauchte, gab dem in Friedrichshafen umgetauften Städtchen einen in der Welt bekannten Namen. Bavensburg biegt 20 Kilometer aufwärts. Damit war es dem Bodensee entrückt. Das hatte den Vorteil, daß die Kaufleute der Stadt in ihrem Fernverkehr nicht nur von Buchhorn abhängig waren, sondern auch die Möglichkeit hatten, südöstlich ► über Tettnang, Lindau oder südwestlich über Markdorf, Meersburg Konstanz und Überhingen zu erreichen oder gar westlich den ganzen Bodensee zu umgehen. Auch nach Norden gab es ziemlich brauchbare Verbindungen über Waldsee, Biberach nach Ulm. Die westöstliche Bichtung nach Basel und nach Augsburg hatte für die Stadt auch einigen Wert, und namentlich die letztere wurde oft eingeschlagen. Bavensburg faßte einmal den kühnen Plan, die Schüssen schiffbar zu machen, um auch beladene Schiffe auf den Bodensee zu bringen. König Wenzel gewährte 1400 das nötige Privileg: Leinpfade anzulegen, den Fluß zu bauen und womöglich andere Wässer in ihn zu leiten. Eine Entschädigung sollte im Streitfalle durch ein Schiedsgericht festgesetzt werden. Man begann den Bau, verengte das Bett, um die notwendige Tiefe zu erreichen. Aber man hatte es mit Anstößern zu tun, die selbst am Bodensee Anlegeplätze besaßen, und so entschied 1415 ein vom Könige eingesetztes Schiedsgericht, daß der Bau unterbleibe. Auf einen solchen Plan konnten nur ^^1 Die Stadt Kavensburg 11 Männer kommen, die in Italien oder den Niederlanden Kanäle und Schleusen gesehen hatten, und Bürgermeister war 1400 Konrad Wirt, 1402/03 Henggi Humpis, 1404 Johann Segelbach, die wir alle im Fernhandel wiederfinden werden. 1 Eavensburg gehört zu den subalpinen Städten, so wenig auch Alpenluft in der obstreichen, einst auch den Weinbau pflegenden Gegend weht. Es öffneten sich ihm die bequemen Zugänge zu den Graubündener Alpen und ihren Pässen, die nach Mailand führen, es schließen sich ihm auf die Pfade, die über die schweizerische Hochebene nach Genf, Lyon an die Ehonemündung und nach Spanien dem Wanderer dienen. Für die Benutzung des Gotthardes lag kein Zwang, aber die Möglichkeit vor. Augsburgs Lage war für den Verkehr mit Venedig günstiger, aber schließlich war die Straße über Mailand kein großer Umweg, und über den Arlberg konnte man zum oberen Etschtale sich wenden oder auch über Beutte oder Mittenwald den Brenner und in allen Fällen Venedig erreichen. Der Vorsprung Augsburgs ist jedoch nicht zu leugnen. Nicht weil die Waren fremder Kaufleute durch die Tore Bavens- burgs gingen, 2 auch nicht deshalb, weil, wie noch heute, aus weitem Umkreise eine wohlhabende bäuerliche Bevölkerung dort Vieh und Getreide zum Verkauf brachte und seine eigenen Bedürfnisse eindeckte, wurde aus Eavensburg eine Stadt des Fernhandels; diese Gründe hätten aus ihr eine behäbige Eeichsstadt gemacht, wie sie es nach dem Erliegen des Fernhandels auch in traurigsten Zeiten blieb. Was ihr eine Bedeutung weithin gab, war ein Exportgewerbe innerhalb der Stadtmauern und ringsum bei der Bauernschaft. Herrschaftszentren sind vielfach künstlichen Ursprungs. Aber Eavensburg behielt eine Vorrangstellung viele Jahrhunderte hindurch. Von dem nahen Altorf, dem Stammsitze der Weifen, die dort im Kloster Weingarten eine ihrer Grablegen hatten, zogen sie nach Eavensburg auf die Feste, die über der Stadt auf dem Berge thront. Das mächtige Geschlecht nannte sich nach Eavensburg {zuerst 1126), und als dann die keimende Stadt 1191 als Privateigentum an die Staufer kam, blieb ihr eine bedeutendere Stellung gewahrt, Friedrich II. und seine Söhne weilten öfter auf der Burg, Phüipp hielt dort einen Hof tag ab, und nach den Wirren des Interregnums wohnte der vom Könige ernannte Landvogt von Oberschwaben auf der Veitsburg, jener alten Burg der Weifen ob der Stadt. Auch als die Kanzlei nach Altorf verlegt wurde, blieb die Landvogtei im Schatten der Stadt. Die Verwaltung des ausgedehnten Eeichsgutes, das ja allerdings sich immer mehr in Oberschwaben 1 Vgl. Schöttle, a. a. O., S. 44 £E. 2 Schöttle, S. 43. Vgl. den ältesten Zolltarif von 1369, der zwar manche Fernwaren nennt, aber doch keineswegs einen großen Durchtransport wahrscheinlich macht. Vgl. K. Otto Müller, Der älteste Eavensburger Zolltarif, Württ. Vierteljahrshefte, N. F., Bd. 21. tÄi£ mm ■■■■■■■■■■■ «BW ■:v : \>:: : v S3ÄSwil 12 Erstes Buch. Entstehung der Gesellschaft. 1. Kapitel. § 1 M wie überall sonst auflöste, blieb auch dann vor den Toren Bavens- burgs. Maximilian I. hat die Burg erneuert. Die Stadt hatte ihren Keim dicht an dem Hange der Eeichsburg und ihre erste Erweiterung verlängerte talwärts die breite Marktstätte, zu der nur, wenige Gassen gehört hatten, um die älteste Stadt zu bilden. Dann ergriff man den Lauf des nördlich vorüberfließenden Eoßbaches, der mit seinem Gefälle schon oberhalb der Stadt in dem ölschwang eine Eeihe von Eädern trieb. Dieses alte Eavensburg blieb die Heimstätte der Geschlechter und der Kaufleute. Von 1270 an ging die Ausdehnung über die ältere Stadtmauer auch westlich hinaus und baute umfangreiche Quartiere für die immer anwachsende Zahl von Handwerkern, die immer dichter die Gärten bebauten. Um 1350 wurde auch begonnen, diese Neustadt in die Befestigungen ein zubeziehen. Schon 1353 gibt eine glaubwürdige kirchliche Quelle die Zahl der Häuser auf 600 an. In dem Umfange von 1400 verharrte Eavensburg bis in das 19. Jahrhundert, eine wehrhafte Stadt, der sich bachabwärts die Vorstadt Pfannenstiel wie aufwärts in die Berge hinein ölschwang anschlössen, dem Feinde preisgegeben. Gegen die Burg baute man einen riesigen schlanken Turm, den Mehlsack, noch heute das Wahrzeichen der Stadt. Das Büd von Eavensburgs Lage würde aber unvollständig sein, wenn ich des Altorfer Waldes nicht gedächte, der in einer Ausdehnung von neun Stunden sich von der Waldburg an bis an das Quertal von Aulendorf-Waldsee erstreckt, einst war er das Jagdgebiet der Weifen, dann auch ihrer Erben und einstigen Dienstmannen der Truchsessen von Waldburg, deren Nachkommen noch heute dort auf die Pirsche gehen. In kirchlicher Hinsicht gehörte einst die Stadt zur Mutterpfarrei Altorf, sie selbst hatte nur die Michaelskapelle, bis spätestens um 1250 die Kirche Unserer Lieben Frau erstand, die um 1299 von Altorf als Pfarrei abgezweigt wurde. Und wiederum wurde von ihr abgelöst die auf Betreiben der Stadtverwaltung in der Handwerkerstadt 1385 errichtete Kirche zum heiligen Jodocus, dessen Name uns oft bei Eavensburger Bürgern begegnen wird, wie andere den Namen des Diözesanpatrons Pelagius (Polai, Palle, Palinus, Pauls) oder den des heiligen Bischofs von Konstanz Konrad trugen. Bei St. Michael wurde um 1335 ein Frauenkloster von Franziskanerinnen nach der dritten Eegel errichtet, in das wohl Bürgerstöchter eintraten, Fräulein aus den vornehmsten Geschlechtern der Stadt fand ich darin jedoch nicht. Im Jahre 1349 zogen Karmeliter ein, damit wurde ein Orden heimisch, der vielfach mit den Kaufleuten nahe Beziehungen unterhielt, und das war auch in Eavensburg der Fall. Auch hier kamen die meisten Mönche der heiligen Maria vom Berge Karmel von auswärts. Franziskaner und Prediger wurden nach Eavensburg nicht berufen, dafür hatte man in unmittelbarer Nähe das reiche Benediktinerkloster Weingarten, das 3'1 Die Stadt Ravensburg 13 Prämonstratenserkloster Weißenau und das der Zistersienzerinnen in Baindt. Dort suchte manches Kind auch der Geschlechter Frieden und Heimstätte. An wohltätigen Anstalten war das Hospital von hohem Alter, Frick Holbein stiftete 1408 das Seelhaus, eine Stätte für alte, verlebte, bresthafte, auch andere arme Leute, bald wandelte es sich in ein Armenhaus um. Ein Herr Heinrich hatte eine Schule gestiftet, die von der Stadt unterstützt wurde. Verwaltung und Gericht, soweit dieses anfangs nicht zum Landgerichte gehörte, lag zunächst wie in den zahlreichen anderen oberschwäbischen Eeichsstädten in der Hand eines stadtherrlichen Beamten, des Ammanns. Aber wie überall verlor er den größten Teil seiner Befugnisse. Bis 1383 finde ich sie längere Zeit im Amte, und da dürften sie wohl vom Stadtherrn, dem Könige, ernannt worden sein, obwohl die Verleihung des TJlmer Stadtrechtes 1293 die Wahl vorsah. 1 Und lange Zeit waren es fast immer Humpis, die das Amt führten, jenes Geschlecht, nach dem die Gesellschaft sich nannte. Von 1383 an wechselten sie jährlich und erhielten sicher ihr Amt durch Wahl. Die Gerichtsbarkeit über Eigen und Erbe wie über das Blut verblieb ihm, im übrigen entwickelte sich vom Ende des 14. Jahrhunderts an ein Batsgericht. Der Ammann trat mehr und mehr hinter dem Bürgermeister zurück. Sehr früh (um 1220) erscheint ein Bat, und 1347/48 kam es auch auf, einen Bürgermeister zu wählen. Dieses Becht stand wohl der gleich zu nennenden Geschlechterzunft zu. Der Bürgermeister verdrängte um 1380 den Ammann von der leitenden Stellung in der Stadt. Zugleich mit dem Bürgermeisteramte wurden die Zünfte organisiert, ein jeder Bürger mußte einer Zunft angehören. Die vornehmste war die der Geschlechter, ihr Zunftmeister war zugleich der Bürgermeister. Als Zunftstube diente das Gesellschaftshaus, dem man den grotesken Namen zum Esel gab, wie in dem benachbarten Wangen es zum Narren hieß. Dann kam die Gesellschaft zum Ballen, die Handwerksleute ausschloß, aber auch die Gesellen der Geschlechterzunft zum Esel. Diese umschloß wohl niemand, der nach der Elle oder nach Pfund und Lot verkaufte, die Detailhändler fanden sich im „Ballen" mit denjenigen Großhändlern zusammen, die nicht zu den vornehmen Geschlechtern zählten. Die Leute der Ballengesellschaft unterstanden nicht einem eigenen Zunftmeister, sondern dem Bürgermeister. Den fremden Kaufleuten diente das seit 1382 nachweisbare „Kramhaus" oder „Gred". Die acht Handwerkerzünfte hatten ihre Zunftmeister im Bäte. Doch war die politische Macht gering. Das sehen wir am besten aus den Ergebnissen der Wahlen zum Bürgermeister und Ammann. 1 Müller hält die jährliche Wahl schon von 1296 an für durchgeführt, meint aber, sie sei meist nur Formsache gewesen. Es ist schwer, einem so gründlichen Forscher zu widersprechen*. 1359 wurde der ehemalige Ammann Frick Holbein aus der Stadt vertrieben. Eben 1, 363. ■■■■BF Im ■ ■. 9*1 «i n vx,v >■-:.■ fl« " n| ffiffäSS» I B Kl ■ H 1KH 1 -■ : |: .,■'■' |ffl ItÄ m 14 Erstes Buch. Entstehung der Gesellschaft. I. Kapitel. § 1 Ich habe mir die Listen bis 1520 ziemlich zusammengestellt, ich finde unter ihnen keinen, der nicht zum Esel oder doch zum Ballen gehört haben könnte. Ein weiteres demokratisches Element war die Gemeinde, welche, an Sonntagen berufen, über manche Dinge entschied. Die Stadt stand also unter der Verwaltung aristokratischer Elemente und erlebte keine Zunftrevolutionen, wenigstens wissen wir von solchen nichts. Die bewegtesten Zeiten waren die des starken Zuganges, der Ausdehnung der Stadt von 1347 bis zum Ende des Jahrhunderts. Es waren die fruchtbaren Jahre, aus denen die Aufzeichnung des Stadtrechtes stammt, wie jene Organisation der Stadt, die im wesentlichen standhielt und Geschlechter und Handwerker aussöhnte. Ganz im Gegensatz zu Konstanz, wo die Eevolutionen den Fernhandel und allem, was ihm diente, schweren Schaden taten, steht Eavensburg da. Die Geschlechterherrschaft war ja auch in anderen Städten für den Pernhandel die beste Verwaltungsform. Eavensburg war ein ruhiges Gemeinwesen, und damit war es zum Sitze eines kaufmännischen Großunternehmens wie geschaffen. Der Stadt gelang es, von den Königen und Kaisern große Privilegien zu gewinnen, doch nicht im gleichen Ausmaße wie Nürnberg. Die Freiheit von fremden Gerichten drängte schließlich auch den Landvogt aus dem Vollzug der peinlichen Strafen, von Friedrich IV. erreichte man, daß die Appellation nur zulässig blieb, wenn der Appellant einen Eid leistete, daß er keine Verzögerung erstrebe; bei Geldschulden, die klar erwiesen, ward jede Berufung ausgeschlossen. 1 Von den königlichen Eechten gingen der Eeif (das Eichrecht für Textilwaren) und das Eichamt sehr früh an den Bürgermeister bzw. die 1 Stadt über, den Zoll gewann sie 1370, die Münze um 1400 und auch die Wage, dazu kam am Ende des 14. Jahrhunderts das oberste Forstamt im Altorfer Walde. Auch der Jahrmarkt wurde 1400 auf 14 Tage erstreckt und hätte eine Messe werden sollen. Den Wettbewerb Altorfs verhinderte die Stadt, die dortigen zwei Wochen- und Jahrmärkte hob Friedrich III. 1464 wieder auf. Man gewann viel. Aber Zollbefreiungen, wie sie Nürnberg im reichsten Maße erhielt, errang die Stadt nicht. Auch nach der kirchenrechtlichen Seite deckte sie sich. Bei dem großen Verkehre kamen manche Exkommunizierte nach Eavensburg, dann mußten die Kirchen geschlossen werden. Im Schisma erreichte man die Befreiung davon. 2 Auch im weltlichen Eechte ward das Heimen von Leuten, die der Acht verfallen waren, 1396 erreicht. Die Exkommunikation in Gerichtssachen wurde eingeschränkt auf Eherecht, Zehntrecht, Meineid; nicht jedoch wurde gewährt, daß über Zinsen nur dann vom geistlichen Gerichte 1 Chmel, Eegesten Friedrichs IV., 7239, 7512. ' 2 Eegesten der Bischöfe von Konstanz (Bieder), Nr. 7677. HJjjW-Mg l üf 11 mm KSSBSVäHBifi Die Stadt Ravensburg 15 geurteilt werden dürfe, wenn das Batsgericht das Zinsennehmen als bewiesen ansah. 1 Die Stadt besaß ein bedeutendes Gewerbe. Die erste Bolle spielte die in Oberschwaben sehr stark entwickelte Leineweberei, dann die Hanfweberei (welsche Leinwand) und die Barchentweberei. Gerade sie trieben die Kaufleute in die Ferne, worüber später zu handeln ist. Daneben fand ziemlich früh die Papierfabrikation ihren Eingang in Bavensburg, wo das Papier mit dem Wasserzeichen eines Ochsenkopfes ohne Augen hergestellt wurde. Zwar nicht so früh, wie man früher meinte, aber doch immerhin recht zeitig. 2 Die Wasserkräfte des Boßbaches und die Abfälle von Leinen gaben vielleicht einem Bavensburger Kaufmann, der in Spanien oder Italien die neue Kunst gesehen hatte, Anlaß, sie in der Vaterstadt heimisch zu machen. Wenn auch die Gesellschaft sich der Fabrikation wie dem Papierhandel fern hielt, so besaß doch mindestens ein Geselle Papierhäuser. Im übrigen waren die Arbeiter, die Papierer, meist wenig wohlhabend. Die Beichsunmittelbarkeit der oberschwäbischen Beichsstädte war durch die Geldnot der Herrscher oft ernstlich bedroht, der ärmste und geldhungrigste König konnte jedoch nicht wohl daran denken, gerade die unter den Augen des Landvogtes biegende Stadt zu verpfänden, wohl aber wurde die verhältnismäßig niedrige Beichssteuer zu Pfand dahingegeben. Die Sorge vor diesem Schicksale trieb aber die oberschwäbischen Beichsstädte zusammen, soweit das nicht schon die Sorge um den Landfrieden getan hatte. Die Bündnisse schwankten, Bavensburg hielt zu den oberschwäbischen Städten, zu den Bodenseestädten oder zu beiden zugleich, nahm auch an noch größeren Bündnissen teü. Von 1376 bis 1389 gehörte es zum großen schwäbischen Städtebunde. Das Ende war scheinbar nicht glücklich, die Bodenseestädte blieben aber trotz der Niederlage zusammen. Bald gab es wieder größere Städtebündnisse, und von 1487 an vereinte der Schwäbische Bund die Beichsstädte mit den Herren und Fürsten, und so trat auch Bavensburg in den unglücklich geführten Schwabenkrieg gegen die Eidgenossen ein. Dieses Zusammenhalten der Beichsstädte hat gelegentlich auch zu gemeinsamer Handelspolitik geführt, 3 aber auch, wenn das gerade 1 Schulte l, 638 f. 2 Das älteste mir bekannte Zeugnis ist das Auftauchen der Papiererfamilie Wolfartzhofer mit Haintz W. 1410 (Bürgerbuch), 1421 Cuntz W., dann 1427 Heinrich Geldrich; vgl. Müller, Königszinse in der Reichsstadt Ravensburg 1366 (Schriften d. Ver. f. Gesch. des Bodensees, Heft 40, S. 71). Vgl. auch Ammanngerichtsbuch Konstanz zu 1427, fol. 305. Dann aber hat auch ein Zweig der Humpis Papiermühlen gehabt: vom Zweige Michaels Wilhelm, der der Stadt Papier lieferte, und Felix. 3 Bündnisse zum Schutz der Kaufleute, Landfahrer und Kaufmannschaft von 1437, 4U, 41, bei Eben 1, 329, erwähnt. .■ ...... . .. mg ■ ^itii^&^'^?'^ bv i B ■*■■■ w 1 I SbSmEkbh Kl 1 ■ i ü n i'vj ' 1 ■. m 16 Erstes Buch. [Entstehung der Gesellschaft. 1. 2. Kapitel. § 1. 2 nicht der Fall war, so führte die Interessengemeinschaft die Bürger verschiedener Städte so sehr zusammen, daß die Gesellschaft auch Mitglieder anderer Städte des Eeiches aufnehmen konnte und aufnahm. Diese hatten ja das Bedürfnis, im Auslande wie im Inlande den Handel möglichst zu beschützen und behüten. In Bündnisse mit Fürsten und Herren trat Ravensburg selten, auch nahm, wie wir sehen werden, die Gesellschaft keine untertänigen Bürger auf, alle ihre Mitglieder mit sehr seltenen Ausnahmen waren Reichsstädter, Bürger von Städten, welche dem Könige selbst unterstanden, des Königs Macht äußerst eingeschränkt hatten, sich Fürsten und anderen Herren ebenbürtig an die Seite stellten und doch dabei dachten, so am besten dem Kaiser und Reiche die Treue zu wahren. Von unten herauf bildeten die Reichsstädte ihre politische Gewalt, die sie für das Reich verwenden wollten und verwandten. Glücklicher stände Deutschland heute da, wenn die königliche Gewalt die Städte unter einheitlicher Leitung gehalten, die Fürsten und Herren abhängig erhalten oder wieder gemacht hätte; doch da der König gewählt wurde, war eine stetige innere Politik ausgeschlossen, ja die Könige waren dazu gezwungen, durch Privilegien, also durch Hingabe eigener Rechte, Fürsten und Städte sich gefügig zu machen. In Erfüllung der so verbliebenen Pflichten war man in Ravensburg seltener säumig als in anderen Städten. Ein wohl geleitetes Gemeinwesen spätmittelalterlichen deutschen Gepräges! In den Tagen seiner Hochblüte entstand die Gesellschaft, der diese Bücher gewidmet sind. Zweites Kapitel Die Begründung der Gesellschaft ■ § 2. Der Zusammenschluß der Gesellschaß durch die Möttelin, Humpis und Munt- prat. Zeugnisse des Mittelalters, der Gesellschaft, Suntheims. Sitz in Ravensburg. Die Mölteli. Die Humpis. Henggi Humpis. Die Muntprat von Konstanz. Wie und wann erfolgte die Vereinigung? Unsicheres Ergebnis. Irrige Meinung Jägers. Der Ursprung der großen Ravensburger Gesellschaft geht bis in das letzte Viertel des 14. Jahrhunderts zurück. Das bezeugt die Gesellschaft selbst. Als sie im Oktober 1477 in eine schwere Krisis kam und abermals ein Teil der Gesellen austrat, um eine Konkurrenzgesellschaft zu begründen, da schrieb einer der Leiter, Hans Sattler, seinen Gesellen, um ihnen Mut zuzusprechen, die Worte: „Wir haben Kunden an uns mit Kaufen und Verkaufen, darum mancher viel gäbe, auch solche Stege und Wege zur Hand, es sei in Deutschland oder in Welschland, daß es nicht ein geringes Kleinod ist, dazu ein löblich Wesen, der gleichen von keiner Ge- Die Begründung der Gesellschaft 17 Seilschaft in der Welt je gehört worden ist, die so lange und so redlich her sei gekommen und schier bei 100 Jahr gewährt hat, auch den großen Almosen und die Gottes Zierden, so davon besehenen sind und alle Tage beschehen und noch hinfür beschehen soll, auch das große Gut von Eeichtum, so durch die Gesellschaft in unsere Lande gekommen ist. Wenn das abgehen sollte, so wäre es, meine ich, wider Gott Schand und Schade und würde mancher dadurch erfreut, allenthalb." 1 Somit wird man den Anfang der Gesellschaft auf die Zeit um 1380 setzen dürfen. An ihrer Gründung und Ausweitung sind vorwiegend drei Familien")-? beteiligt: die Eavensburger Humpis, 2 die Konstanzer Muntprat'rV und die aus dem kleinen Eeichsstädtchen Buchhorn (heute Friedrichshafen) am Bodensee stammenden Mötteli. In solcher Reihenfolge nennt eine von der Gesellschaft selbst ausgehende Urkunde von 1461 die Teühaber der Gesellschaft, 3 doch mögen auch schon von vornherein andere Gesellen beteiligt gewesen sein. Ein inj Ravensburg um 1445 geborener Geschichtschreiber hat die Gesellschaft als die Vorläuferin der Fugger und Welser gepriesen, sie sei in Ravensburg durch die Bürger, genannt die Mötteli, „erfunden und gemacht". „Und in dieselben Gesellschaft sind nachmalen khomen die Humpis, Peßerer, Täschler, Geldrich, Montpraten, Neydeckhenn, Anckereyte und ander, unnd ist die gros Gesellschafft worden und haben gehannttirt in das Kunigreich von Appels, in Lamparttn, in die Kunigreich von Arragon, Valens, in Kastilia und in Katalonia etc." 4 In Ravensburg hat die Gesellschaft immer ihren Sitz gehabt und sicherlich ist sie dort auch begründet worden, an ihr hing ihr Name und haftet der Ruhm. Für die Begründer kommen wohl nur zwei Familien in Frage. Nach Suntheim waren es die Mötteli, von ihnen war Ulrich 1337 in Ravensburg Bürger geworden, und daß er von Buchhorn kam, zeigt sich darin, daß für ihn der dortige Stadtammann Bürgschaft übernahm. 5 Andere Gründe bietet die äußerst lückenhafte Überlieferung nicht. Die Mötteli kamen aus der Zwergstadt am Bodensee, wo später kein bedeutender Kaufmann gesessen hat, aber am Gestade des Schwäbischen Meeres im Angesichte des Gredhauses, wo die Waren in die Schiffe geladen wurden, hatte sich der kaufmännische Geist entwickelt. Wenn man 1 Unten 3, 53. 2 Im folgenden ist stets Humpis geschrieben, wenn auch die ältere Zeit Hundpis oder Huntpis, Hundbis oder Huntbis, Humpis oder Hompis schrieb, die älteste Form ist Huntpiz. 3 Schulte, a. a. 0., und unten Bd. 3, 480. * Ladislaus Suntheim, gedruckt Württ. Vierteljahrshefte 1884, S. 129. Seit 1378 findet sich die Familie Suntheim in Ravensburg, einer wurde auch Stadtpfarrer (1448—1490). Frau Walpurg Suntheim hatte 1497 eine Einlage bei der Gesellschaft. So steht genaue Kenntnis bei Ladislaus fest, der Kaiser Maximilian als Hofhistoriograph diente. 5 Dort erscheint zuerst 1325 der lange Mötteli. Schriften d. Ver. f. Gesch. des Bodensees 24, 92. Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 2 > *Ä V4:. IraOTr j^H^B •:■',' ' 18 Erstes Buch. Entstehung der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 2 mm den Begründer sucht, muß man zunächst an Frick Möttelin oder allenfalls an dessen Sohn Rudolf [Ruff] denken, der als einziges Glied dieser Familie in der Liste der Gesellschaft zum Esel vom Jahre 1397 genannt wird. 1 Der Vorname Frick aber führt vielleicht zu dem alteingesessenen Eavensburger Geschlechte der Humpis hinüber, das seit 1252 nachweisbar ist und bei denen der Name Frick oder Friedrich schon vor 1346 als der des oberschwäbischen Landvogtes Frick Huntpisz vorkommt. 2 r Das Haus der Humpis 3 hat eine ähnliche Stellung eingenommen ! wie die Grämlich in Pfullendorf. Es ging hervor aus der Eeihe weifischer, dann staufischer Dienstmannen, wurde von ihren Herren seit dem Anfange des 14. Jahrhunderts mit dem stadtherrlichen Amte des Ammanns von Ravensburg betraut, lebte sich in städtische Dinge ein, ward ein Kaufmannsgeschlecht und gewann so viel, daß die alte adlige Gesinnung bei den reich gewordenen Gliedern wieder so stark wurde, daß sie auf ihre längst erworbenen Burgen zogen und das Bürgerrecht aufgaben, dabei ihre Einlagen aus der Gesellschaft wohl gar zurückzogen, während andere Glieder noch bis zum Ende der Gesellschaft in Ravensburg ausharrten. Auf die Ammänner Konrad (1303—1327 nachzuweisen) folgte Wilhalm (1328—1334) und auf ihn Frick (Friedrich 1334—1343). 4 Als Kaiser Ludwig der Bayer in der Absicht, das Herzogtum Schwaben wieder aufleben zu lassen, seinem Sohne Herzog Stephan Ravensburg als Wohnsitz anwies, gab er das Amt des Landvogtes von Oberschwaben an Frick Humpis, der aber bereits 1346 starb. Er führte ein scharfes Regiment. Der Geschichtschreiber Johann von Winterthur wirft ihm seine niedere Herkunft vor. In der Tat waren alle Landvögte damals Hochadlige, im Grunde genommen diente aber Frick ja nur dem Herzog Stephan als landeskundige Hilfskraft. Zugleich ersieht man aus Vitoduran, daß er das Aufkommen von Bürgermeistern und Zunftmeistern begünstigte. 5 Das Amt der Stadtammanns war inzwischen an Frick Holbain gefallen (1343—1362), ihm folgte Wilhelm Maienberg (1362—1365), 1366—1372 wieder ein Frick Holbein, dann kehrte das Amt aber zu den Humpis zurück. Ital folgte, von 1375—1383 habe ich ihn gefunden, dann wechselte es unter anderen Gliedern, 1394 begegnet zuerst ein anderer: Heinrich Gündel. Eine Handelstätigkeit von Frick ist nicht belegt, ich denke aber doch, daß er für das Gewerbe und den Handel einen offenen Sinn hatte. Für die Geldkraft der Humpis spricht es aber, daß unter König 1 Hafner, 147, mit falschem Vornamen. 2 Erste Erwähnung dieses ursprünglich ministerial. Geschlechtes, Württ. Urkundenbuch 4, 293. 3 Stammtafel und Einzelheiten in Buch 4, § 24. 4 Vg. Müller, Eeichsstädte, S. 77 f. 6 Archiv f. Schweiz. Gesch. 11, 226. m. Die Begründung der Gesellschaft 19 Wenzel an Ital Hum- pis die fällige Reichssteuer der Stadt Lindau (350 U ) angewiesen wurde, das hatte doch meist den Grund, daß ein Vorschuß so gedeckt wurde. 1 FrickHumpis hatte seiner Witwe, der altem Landadel entstammenden Klara vonEngertweiler, unmündige Kinder hinterlassen. Sie erzog ihren Sohn Henggi zur Kaufmannschaft, die wohl schon von anderen Gliedern der Familie betrieben wurde. Er erscheint 1385 aber auch als Bürgermeister, 1388 als Stadtammann. Im Jahre vorher war er als Bote des Städtebundes vor dem Bischöfe von Konstanz erschienen, um die Bürger von Konstanz gegen ihn zu sichern, und er hatte Erfolg. 2 Auch bei den Streitigkeiten zwischen Abt und Reichsstadt Kempten war er Obmann. 3 Henggi Humpis war ein ganzer Mann. Wenn man nur die politischen Urkunden hätte, so würde man in ihm vielleicht einen führenden Politiker im Kreise des schwäbischen Städtebundes, dann des Bundes der Bodenseestädte suchen, in jenen 1 München, Reichsarchiv, Repert. Lindau, 1378 März 21. (mitgeteilt von Ammann). 2 Rieder, Regesten der Bischöfe von Konstanz 3, Nr. 6762. 3 1409. Hauptstaatsarchiv München, Rep. Kempten, Nr. 142, 149, 150. Aufnahme Phot Scherer, Ravensburg Abb. 1. Grabstein Henggi Humpis, gest. 1429 Kapelle der Gesellschaft in der ehemaligen K irmeliter- (jetzt evangelischen) Kirche in Ravensburg ; ^a'i*5 I 20 Erstes Buch. Entstehung der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 2 wirren und schweren Zeiten des Kampfes mit Fürsten und Bittern, aber auf seinem Grabsteine ist er als reisender Kaufmann abgebildet. Eine Persönlichkeit von hohem Ansehen und von kaufmännischer Erfahrung mußte vom Eeiche und den Eeichsstädten auf dem königlichen Städtetage zu Ulm 1385 dafür gefunden werden, bei der Beschlagnahme des Gutes der Juden die Bezahlung der den Juden geschuldeten Geldsummen zu überwachen und für den Bezirk „unter der Alb an den See und im Allgäu" — also in Oberschwaben ohne Ulm — wurde Henggi bestellt. 1 Auf die Humpis den Ursprung der Gesellschaft zurückzuführen, weil später die Gesellschaft oft die Humpisgesellschaft genannt wird, geht nicht an; denn dieser Name leitet sich von ihren Begierern ab und diese Häupter der Gesellschaft entstammten zwar seit mindestens 1426 dem Geschlcchte, aber die Namen der ältesten Begierer sind uns eben unbekannt. Es ist etwas viel gewagt, wenn man aus dem Ausdrucke Hans Aulbrecht Möttelis Diener schließen wollte, Mötteli wäre damals Begierer der Gesellschaft gewesen, aber so ganz leicht ist das nicht von der Hand zu weisen; denn später war wirklich ein Albrecht Mitglied der Gesellschaft. 2 Schwerlich kann als eigentlicher erster Begründer das dritte Geschlecht in Frage kommen, denn erst im Jahre 1411 wurde der Konstanzer Lütfried Muntprat unter Bürgschaft von Budolf Mötteli in Bavensburg Bürger. Diese Familie war, wie ihr Name verrät, nicht deutschen Blutes; der erste von ihnen wird noch als Kawersche bezeichnet, 3 er gehörte also jenen italienischen Kaufleuten an, die sich nicht um das kirchliche Zinsverbot kümmerten, sondern gewerbsmäßig auf Pfänder ihr Geld an Geldbedürftige ausliehen, nicht selten dabei aber auch Warenhandel betrieben. Die Urheimat der Familie ist nicht nachzuweisen, auch unter den Astigianen, die in Deutschland die meisten dieser Lombarden stellten, begegnet der Name nicht. Sie scheinen nicht mehr Italienerinnen geheiratet zu haben, aber sie vererbten doch wohl die Kenntnis romanischer Lande. Schon die Gattin des 1422 gestorbenen Hans Muntprat war eine Humpis, so daß wir erkennen, daß schon in der Frühzeit der Gesellschaft diese beiden die Gesellschaft tragenden Famüien durch Famüienbande miteinander verbunden waren. Die sorgfältige Bearbeitung der Stammbäume der Humpis, Mötteli und Muntprat führt zu wertvollen Ergebnissen. 4 Es wäre 1 Deutsche Reichstagsakten 1, 497, 18. Vgl. sonst über seine politische Tätigkeit Urkundenbuch St. Gallen 4, 629, 661, 1125; Joachim v. Watt, Deutsche Schriften 1, 489. 2 1408 Bürgerbuch: für Aulbrecht bürgen Rudolff Mötteli und Frik Hoblain. 3 Ungedruckte Urkunde von 1354, eine andere vom gleichen Jahre bei Konrad B e y e r 1 e. Grundeigentumsverhältnisse und Bürgerrecht im mittelalterlichen Konstanz 2, 333. Vgl. Schulte 1, 611. 4 Vgl. die Stammbäume in § 24 und 26. ■MnnMHnngn .■..'■■ —:v^, gra&ji f-^Mf'WX^ '■■'"* •%] Die Begründung der Gesellschaft 21 doch anzunehmen, daß die Familien nach ihrem geschäftlichen Zusammenschlüsse Ehen unter einander abgeschlossen haben. Aber niemals heiratete ein Nachkomme von Henggi Humpis eine Mötteli und ebenso niemals ein Nachkomme von Eudolf Mötteli eine Humpis, so drängt sich die Vermutung auf, daß entweder dieser Eudolf eine Humpis zur Gattin hatte oder die Verwandtschaft noch weiter hinaufreicht. Bei den Muntprat liegt die eben erwähnte Ehe von Hans II und Agathe Humpis vor, und zwei Söhne seines Bruders Lütfrid haben Humpisische Töchter geehelicht. In diesem Stamme der Muntprats haben wohl vorher keine Ehen stattgefunden, die von Hans II liegt aber sicher schon vor 1400. War Agathe eine Schwester von Henggi Humpis? Eudolf Mötteli II hatte Walpurg Muntprat zur Gattin. Es liegt also wahrscheinlich so, daß schon vor 1400 die drei Familien miteinander verschwägert waren. 1421 kam Jos Humpis vor den Eat von Konstanz seines Bürgerrechtes wegen, Lütfrid Muntprat ward 1411 Bürger in Eavens- burg. 1 Auch das spricht für Verbindimg. Im allgemeinen sind die deutschen wie die romanischen Handelsgesellschaften aus dem Familienverbande hervorgegangen 2 und in Konstanz wie Eavensburg sind auch solche Familienhandelsgesellschaften nachzuweisen. 3 So wird man es für möglich, ja für wahrscheinlich erachten, daß die Eavensburger Gesellschaft aus dem Zusammenschluß der beiden Eavensburger Familiengesellschaften Humpis und Mötteli hervorging, denen sich die Muntpratsche anschloß. Einen zwingenden Beweis kann man da allerdings nicht vorlegen, und ungewiß bleibt vor allem, ob nicht auch jene Gesellschaften schon auch andere nicht blutsverwandte Gesellen aufgenommen hatten. Ein bescheidenes Argument für den frühen Zusammenschluß mindestens der Humpis und Mötteli bietet auch das Bürgerbuch von Eavensburg, insofern von 1412 an aus diesen Famüien für neuzuziehende Bürger je ein Glied als Bürge auftritt. Wären die beiden Famüiengesellschaften getrennt gewesen und hätten sich Konkurrenz gemacht, so würden sie sich mindestens nicht so oft geeinigt haben. 4 Von 1412 bis 1435 sind es fünf Fälle. 5 Schwerer fällt ins Gewicht, daß Frick Holbain, der laut Inschrift am 29. Juni 1410 starb, all sein Gut „Eudolf Möttelin dem alten und andern sinen gesellen in die geselschaft empfolen, das mit 1 Ratsbuch von Konstanz 1419—1425, S. 137, und Bürgerbuch Ravensburg. 2 Rehme, Paul, Geschichte des Handelsrechtes, S. 168. 3 Ravensburg (Konrad und Johann Wirt) Zeitschr. Geschichte Oberrhein 4, 25; Konstanz (im Steinhus), ebenda 4, 43. 1 Das war auch später nicht der Fall, als die Humpis und Ankenreute miteinander verfeindet waren. 5 1412: Rudolf Mötteli und Jos H.: Hans Mesner und Hans Mychsner; Henggi H. und R. M.: Böklin; 1419: R. M. und Jos H.: Thoma Sälzli (ein Verwandter von Frick H.); 1435: Ital H. d. Ä.: Lütfrid Mötteli. WiSPM m B ' H| I 9 - WM ' m WMM '/'-'■ IHR i , ' HS ■-, "; I ■ i I H ';■'■■■".•■. ■■..■'■.'■■'■ : ■■ : -Em : . WO : P mm &§$!|tW : B 26 Erstes Buch. Entstehung der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 3 I ü Ü Da es immerhin unsicher ist, wann die drei Gesellschaften sich zusammenschlössen, möge zunächst ein Bild von jeder einzelnen entworfen werden. Es ist ein seltenes Glück, daß für die Muntpratgesellschaft zwei Quellen reichliches Material spenden, für die älteren Zeiten ein Formelbuch, dann für die Jahre 1423—1429 das Buch des Am- mannsgerichtes von Konstanz. Wir erkennen, daß die Muntprat in Venedig regelmäßig handelten, ja dort dauernd einen Faktor hatten (1404. 7). 1 Nach der Ostküste Spaniens führt 1408 die erste Nachricht. In den Kämpfen zwischen Barcelona und Genua hatten Genuesen auf dem Schiffe des Franz Schudier 2 große Ballen Bohleinwand und 2 Ballen Barchent beschlagnahmt in der Meinung, es sei Eigentum von Bürgern von Barcelona. Für den Eigentümer Lütfried Muntprat trat die Stadt Konstanz in einem Schreiben an die Stadt Genua ein. 2 Auf einer anderen Seefahrt (1418) waren Lütfried und sein Bruder Johann sowie Paul Fetzbrey aus Frankfurt (übrigens aus Nürnberger Geschlecht) von korsischen Schiffern gefangen, ihrer Güter beraubt und erst nach längerer Zeit freigelassen worden. Sie wandten sich an Kaiser Sigmund, der ihnen gestattete, sich an den Gütern der Genuesen, Herren von Korsika, schadlos zu halten. 3 In beiden Fällen ist es wenig wahrscheinlich, daß die Muntprat gerade damals auch in Genua ein Ge- lieger hatten. So ist es wahrscheinlich, daß ihre Waren rhoneab- wärts gingen, und vielleicht saßen in Avignon schon ihre Vertreter. Aber auch in Brügge hatten die Muntprat ein Gelieger. 4 Da Zahlungen von ihnen auf die Messen von Frankfurt und Nördlingen abgestellt wurden, 5 so ergibt sich, daß schon die Muntprats um 1410 im wesentlichen das räumliche System hatten, das wir bei der großen Gesellschaft wieder finden. Sie führten aus Leinwand und Barchent, sonst erkennen wir nichts. An Leinwand verkauften sie aber schon in Konstanz nach dem Ammannbuche an einen kühnen Spekulanten, der ja auch zusammenbrach, an Ulrich Imholz, in den drei Jahren 1425—1427 auf Kredit für die immense Summe von 15036 rh. fl, wobei nur etwas Farbe war. Dieselbe Quelle führt noch einen Verkauf von Leinwand an den Bleicher um 17 U an. 6 Im übrigen begegnen in der Quelle an Verkäufen auf Kredit: 5 über Gewand über zusammen 701 fl, 7 drei über Pfeffer über 1 Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins 4, 29 ff. 2 Ebenda 4, 42. 3 Altmann, Eegesten Nr. 3299. Vgl. Nr. 2125. 4 Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins 4, 29. 6 Unten 3, 474f. 6 Ebenda. ' 1423. Claus Kömer 60 fl.— 1424. Burkart v.Lophain und Caspar sein Sohn 142 fl. — Jäk Pfaff alias Jäk Jos von Lindau 86 fl. —■ 1425. Caspar v. L. und B. s. Vater um welsch Gewand 127 fl. — 1426. Kaspar v. L. 132 fl. — Kaspar v. L. 154 fl. 'i Der Handel der drei Familien. Ihr Keichtum 27 210 U hl., 1 einer über Indigo über 134 U 2 und zwei über Safran über 51. fi. 3 Daß die Muntprats in Konstanz bleichen ließen, folgt auch aus dem Ammannbuche. 4 In den Jahren 1425/26 belaufen sich die fünf Schuldbriefe (meist Wechsel) Ulrich Imholz gegenüber den Muntprats auf 4692 fl und 5250 Dukaten, diese waren in Venedig fällig. Auch andere Barschulden finden sich, und zwar aus Famüien, die später an der Gesellschaft beteiligt waren. 5 Aus den zahlreichen Immobilien und Eentenkäufen, die sich im Ammanngerichtsbuche finden, hebe ich eine Eente Burkard von Ellerbachs von 100 fl (bei 2200 fl Hauptgut) hervor. Schon 1388 kam Lütfrid mit Henni Engelli und Frick Barlass aus welschen Landen heim. 6 Die Muntprats hatten bevollmächtigte Diener: Johann Slatter und Lütfrid Bettminger in Brügge, Werlin Aenslinger in Venedig 7 und Philipp Nater an unbekanntem Orte. 8 Die Bettminger und Nater gehörten alten Konstanzer Geschlechtern an. Es ist doch wohl wahrscheinlich, daß sie nicht gegen Lohn dienende Faktoren, sondern Teilhaber der Gesellschaft waren. Bei den Mötteli ist fast die einzige Nachricht dem Lindauer Pfandbuche entnommen, daß 1420 ein dortiger Bürger sein Haus an der Vischergasse dem Budolf Mötteli und seiner Gesellschaft „hypothe- kierte". 9 Basel nahm 1407 Budolf Mötteli 36 Fardel weg als Bepressaüe gegen die Beraubung durch Marquard von Ems, der Bürger zu Lindau war. Mötteli muß also wohl Gesellschafter zu Lindau gehabt haben. 10 Für die Humpis liegen bis 1420 überhaupt keine Nachrichten vor, so manche Kunde über das Bavensburger Handelsleben uns auch das oben erwähnte Formularbuch des Konstanzer Stadtschreibers für die Zeit um 1400 darbietet. Es sei gestattet, den Vergleich der Vermögen der drei Familien, die wir zwar für die älteste Zeit nicht kennen, schon hier zu er- 1 1428. Albrecht Koffer und Zilias. Gem. 84ä? 8/3 6 hl. —Peter Baderunds. Weib 83 U 15 ß 6 hl. — Hermann Stoß der Krämer und Anna s. Frau 41 U 18 ß 6 hl. 2 1428. Jacob Eautgeb, Marg. s. eh. Frau und Jo. sein Bruder 134 U 16 ß hl. zahlbar zu Frankfurt in der Herbstmesse. 3 1428. Koffer (s. Anm. 1) und Bader, beide je 25 fl 10 ß 6 hl. * Mit Rudi Eiser dem Bleicher ergab sich bei der Abrechnung eine kleine Forderung an den Bleicher. 6 Paule und Engelhart Fry 64 fl. Für Polai im Steinhaus wurden 1424 Lüt- fried Muntprat, Conr. Besserer von Ravensburg und Ulrich im Steinhus Mitgelten für einen von ihm auf sein Haus aufgenommenen Zins von 27 fl. 8 Schulte 2, Nr. 344. 7 Zeitschrift f. Gesch. des Oberrhein 4, 29 und 31. 8 Schulte 2, Nr. 352. 8 Durrer, Die Familie von Rappenstein, genannt Mötteli in Geschichtsfreund 48, 90, nach den Lindauer anonymen Geschlechtsregistern. 10 Baseler Urkundenbuch 5, Nr. 336 und 339. iü M&M ■ r W^Ä! ' ? &£«K , "■■"■'■ ■ ^sali 1 ü ■ •;. Sag ■ 1 ■ i I ; : 1 ■ '. ;. , H ■ 8 W&ß ^^s Pil ! I lilpsll 1 1 ' I MBB ü S >V m 28 Erstes Buch. Entstehung der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 3 örtern, um zu zeigen, daß es sehr kapitalkräftige Geschlechter waren, die sich zusammenschlössen. Über den Besitzstand der Muntprat sind wir seit 1418 durch die Konstanzer Steuerlisten unterrichtet, danach betrug im Jahre 1418 das Vermögen der steuerzahlenden Muntprats 69 200 & hl., davon 54 500 Fahrhabe; diese wuchs bis zum Jahre 1454 auf 132 934 U heran, um von da an zu sinken, während das gesamte Steuerkapital der Muntprat noch bis 1457 (auf 169 549 U ) anstieg. Wir sehen beim Mobiliarbesitz ein rapides Wachstum von 1427 bis 1431 um 36 %, von 1431 bis 1435 um 26,8%, also einfach auf die Jahre verteilt 9 bzw. 6,7%; der Immobiliarbesitz wächst in diesen 8 Jahren um 42 %, also um 5,25 % jährlich, es ist einleuchtend, daß auch in dieser Vermehrung eine Anhäufung von Handelsgewinn vorliegt. Eine Gesamtvermehrung von 65%, auf das Jahr verteilt 8V 8 %! Die Ziffer würde wahrer und geringer erscheinen, wenn man sie nach der Zinseszinsrechnung ausrechnen würde. Schon früher habe ich den Vergleich mit den Humpis zu ziehen versucht, aber ich bin damals davon ausgegangen, daß in den Kavensburger Steuerbüchern wie der Steuerbetrag nach Pfund Pfennigen, so auch die Steuersummen nach derselben Berechnung angegeben seien. Diesen Irrtum hat Nuglisch inzwischen aufgedeckt, 1 tatsächlich wurden in Ravensburg die Steuerkapitalien in Mark Silber notiert, die Steuerbeträge aber in Pfund Pfennigen. Nun wurde 1473 1 M Silber gleich 3 U ^ und gleich 6 U hl. gerechnet. Man muß also, um die Ravensburger Angaben mit den Konstanzer vergleichen zu können, die Angaben über Steuerkapitalien mit 6 multiplizieren. Nun haben wir für Ravensburg vor 1473 aber keine Steuerliste. Aus diesem Jahre kennen wir die Steuerkapitalien von 11 Trägern des Namen Humpis, es fehlen allerdings bei zwei weiteren wichtigeren Namen die Einträge. Die Gesamtsteuerkapitalien betragen 40 450 M, also 242 700 U hl., die fahrende Habe beläuft sich auf 154 218 U hl., das sind rund 21 000 U hl. mehr als bei den Muntprats von 1454. Bei Jos Humpis dem Alten sind 3000 M liegendes und 7500 M fahrendes Gut angeführt, das sind 18 000 + 45 000 U hl., zusammen 63 000. Das ist kein großer Abstand hinter Lütfried Muntprat, der 71 400 U hl. (darunter 61 740 Fahrhabe) hinterließ. 2 Zwar bleibt Lütfried der nachweisbar reichste Bürger in Schwaben, aber wenn man die Kapitalien der zahlreicheren Humpis von 1473 auf die Tage des alten Henggi Humpis zurückleitet, so mag doch dieser an Wohlhaben heit Lütfried Muntprat völlig ebenbürtig gewesen sein. Ich habe 1 Nuglisch, Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit deutscher Städte im Mittelalter. Zeitschrift f. Sozialwissensch. 9 (1906), S. 484. 2 In rheinisch Gulden umgerechnet betragen die Ziffern für 1473: Gesamtvermögen der elf Humpis 144 895 fl, fahrende Habe 92 076 fl. Das Gesamtvermögen von Hans Humpis dem Alten ist 1473 = 37 612 fl rh., die fahrende Habe = 26 866 fl. Das Endvermögen von Lütfried Muntprat (1447) berechnet sich Gesamtvermögen 59 500 fl, die fahrende Habe auf 51 450 fl. Der Handel der drei Familien. Ihr Keiohtum 29 früher geglaubt, Lütfried als den reichsten Bürger in Schwaben bezeichnen zu dürfen; * er hatte außerhalb Schwabens aber einen, der ihn übertraf. Im Jahre 1448 besaß der Berner Ludwig von Diesbach 59 500 U ^; 2 das wohl mehr ausmacht, wenn ich auch die Berner Pfennige nicht genau mit den Konstanzer Hellern vergleichen kann. Dieser aber war auch das Haupt einer Kaufmannsgesellschaft, ja der eigentlichsten Konkurrentin der Bavensburger, von der später zu reden ist. Nuglisch hat in einer vortrefflichen Studie auch den Gesamtwohlstand von Konstanz und Bavensburg erörtert. 3 1418 finden sich in Konstanz 1539 Steuerzahler, die zusammen ein Vermögen von 1105 700 U hl. versteuern, davon entfallen auf das liegende Gut 450 600 'ä, auf das fahrende 655 100 U. 1454 war die Zahl der Steuerzahler auf 2032 Personen und 1117 450 U Gesamtvermögen gestiegen. 1498 sind es nur noch 1503 Personen und 769 300 U Gesamtvermögen. Nuglisch hat die reichsten, die für unsere Zwecke besonders in Betracht kommen, besonders behandelt, 4 es besaßen in Konstanz 2000 & hl. und mehr: 1418 1454 1468 1498 1525 Personen 137 123 106 106 91 °/o der Gesamtzahl 8,9 6,05 7,05 7,5 Vermögen 741 900 784 400 613 530 536 000 553 000 67,1 70,2 69,7 68,3 liegend 272 700 260 600 211 300 36,8 33,2 fahrend 469,200 523,800 402,230 63,2 66,8 durchschnittlich 5413 6377 5788 5050 6077 Für Bavensburg ergaben sich Nuglisch 5 folgende Ziffern, besaßen 2000 & und mehr: Es 1473 1521 Personen 66 83 °/o der Gesamtzahl 4,6 6,7 Vermögen 607 000 728 800 °/o 72,7 75,8 liegend 239 700 314 300 o/o 39,5 43,1 fahrend 367 300 414 500 durch- °/o schnitt- lieh 60,5 9197 56,9 8781 Dabei ist noch zu bemerken, daß in den jüngeren Bechnungen gerade manche der Beichsten deshalb in der Statistik fehlen, weil sie mit der Stadt über einen festen Steuersatz übereingekommen waren und ihr Vermögen also nicht festgestellt wurde. Es ergaben sich Nuglisch aber auch einige weitere wertvolle Vergleiche. 6 1 Schulte, Wer war um 1430 der reichste Bürger in Schwaben und in der Schweiz? Deutsche Geschichtsblätter 1 (1900), 205—210. 2 Schindler, Karl, Das Finanzwesen der Stadt Bern (Bern, Dissert. 1900), S. 30. 3 Die Entwicklung des Reichtums in Konstanz von 1388 bis 1550 in Jahrbüchern f. Nationalökonomie und Statistik, 3. Folge, 32 (1906), S. 363—371. 4 Leistungsfähigkeit, S. 370 ff. 5 Leistungsfähigkeit, S. 481 ff. 6 Leistungsfähigkeit, S. 486 ff. ■ $****■. pwiiBsiäfs ^^^3 ^M , ,. .... wmvsBk I ' H Erstes Buch. Entstehung der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 3 Eine am Fernhandel wenig beteiligte, im übrigen aber nicht unbedeutende Eeichsstadt Eßüngen hatte an Bürgern mit mehr als 2000 U hl. Besitz im Jahre 1425 26 Personen mit zusammen 85 400 U Besitz, im Durchschnitt also 3054 U ; 1460 ebenso viele mit 90 900 %, im Durchschnitt also 3320 U. Das ist ein weiter Abstand von Konstanz und Bavensburg. Aber selbst Augsburg steht überraschend tief. Dort sind die Steuersummen in Gulden angegeben, und die Tabellen von Strieder beruhen auf dem ungarischen Gulden. 1 Nach ihm zahlten 1396 74 Personen von mindestens 1200 fl ung. Vermögen Steuer, und sie hatten zusammen 211 482 fl Vermögen, also durchschnittlich 2857 fl Vermögen. Diese Steuerstufe vergleicht Nuglisch mit der Konstanz- Bavensburger, da der Betrag von 1200 fl ung. ungefähr mit 2000 U hl. gleichzusetzen sei. Der reichste Steuerzahler von 1396 hatte 21 630 fl Vermögen, 1461 nur 16 452. Dafür gab es jetzt 160 Steuerzahler dieser Klasse mit 472 026 fl Vermögen, also durchschnittfleh 2950 fl Vermögen. Es ist also ersichtlich, daß noch 1461 Augsburgs reichste Bürger erheblich hinter den Konstanzer und Bavensburgern zurückstanden. 2 Bei Augsburg beginnt dann ein schnelles Ansteigen, während Konstanz um 1460 seine Höhe erreicht hatte und sank, während Bavensburg noch weiter wuchs. Ob in den Tagen vor 1454, vor dem Abwandern des größten Teiles des Vermögens der Mötteli, der Wohlstand der Bavensburger Beichen nicht noch größer war, steht dahin. Der nächstreiche, den wir in einer Stadt Südwestdeutschlands finden, war der Berner Ludwig von Diesbach (mit 59 500 U ), einen Sprossen der von Watt-Diesbach-Gesellschaft. Und so sehen wir, daß der Kapitalismus dieser Lande von denjenigen Städten getragen wurde, deren Haüdel auf der Leinwandproduktion beruhte. Der Bedeutung dieser großen Vermögen wird man sich am besten bewußt, wenn man sich der von Nuglisch beigebrachten einigermaßen glaubhaften Angaben bewußt wird, daß ein kleiner Bürger mit 25—£0 fl rh. Jahreseinnahme sich durchschlagen konnte, daß aber eine Aussteuer von 4000 fl als außerordentlich hoch galt, versprach sie doch der reiche Mötteli seinem Schwiegersohne, dem Freiherrn Albrecht von Sax. Auf weiten Umwegen haben wir Beweise gefunden, die die wirtschaftliche Hochblüte der Gesellschaften der Muntprat und Humpis mit anderen Worten unserer Gesellschaft in den ersten 60 Jahren ihres Bestehens uns erweisen. Nach allem darf man wohl ohne Bedenken die Meinung aussprechen, daß erprobte und hervorragende Kaufleute, die Leiter an sich schon bedeutender Gesellschaften sich zusammenschlössen, um die sehr erheblichen Kosten, die mit den gesonderten Beisen, Trans- 1 Strieder, Zur Genesis des modernen Kapitalismus (1904), S. 9—16. 2 Für Basel, Schw. Hall, Zürich gilt dasselbe. m Der Handel der drei Familien. Ihr Reichtum 31 porten und Geliegern verbunden waren, und zugleich die Konkurrenz im Ein- und Verkauf zu verringern, endlich auch an Personal zu sparen. Wenn ein Geschäft es auf vier oder fünf Gelieger gebracht hat, so können sie nicht mehr durch nahe Verwandte besetzt werden; dann muß die Familiengesellschaft fremdes Blut heranziehen. Verbünden sich aber mehrere Familiengesellschaften, so können sie alle Stellungen leichter besetzen. Es ist sicher richtig, daß im Mittelalter die Zahl der Kaufleute sehr groß, ihr Umsatz dagegen recht klein war; die Generalunkosten einer jeden Handelsfahrt mußten also außerordentlich hoch sein. Dieses Mißverhältnis vermied eine Gesellschaft um so mehr, je größer sie war, auch ohne daß die Einzeleinlagen gegen früher gesteigert wurden. Die Verminderung der Konkurrenz wird dazu eine erhebliche Steigerung des Nutzens gebracht haben. Es wird angängig sein, die Bildung der großen Bavensburger Gesellschaft als den Anfang einer Trust- bildung anzusehen, die, wenn nicht von vornherein, so doch bald den Bahmen der eigenen Stadt überschreitend, auch fremder Städte Bürger unter ihre Mitglieder aufnahm. Die Gesellschaft trat zunächst nicht über den weitgespannten Bahmen des Handels hinaus, wie ihn Bavensburger Bürger schon längst betrieben. Dieser erstreckte sich um 1400 nach Venedig und Mailand, 1 und wenn 1394 ein Diener eines Bavensburger Kaufmannes im Gebiete des Herzogs von Geldern gefangen wurde, 2 so war er wohl auf dem Wege nach Flandern oder noch nördlicher gelegenen Handelsplätzen. Andere Zeugnisse führen nach Burgund und Wien und Prag. 3 Noch reichhaltiger sind die Nachrichten über die Ausdehnung des Handels von Konstanz, die die obigen Angaben zum Teil erweitern können. Außer Venedig 4 wurde zweifellos stark Mailand 5 besucht, und wenn uns Konstanzer im Gebiete von Montferrat begegnen, 6 dürfen wir sie auch nach Genua handelnd annehmen, und von dort ging der Handel übers Meer nach Katalonien. 7 In Barcelona ist ein Konstanzer schon 1383 nachzuweisen. 8 1 Venedig, Zeitschrift f. Gesch. des Oherrheins 4, 24 (1390 oder 1394); 26 (1399) im ganzen 4 Briefe, dann 4, 33 ff. bis 38. Mailand ebenda 4, 33 (1402). Italien schon 1382. Schriften d. Ver. f. Gesch. des Bodensees 40, 77. 2 Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins 4, 61 (1394). 3 Schulte 1, 624. 4 Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins 4, 28—31. 4 Briefe von 1404—1407. Weitere Zeugnisse seit 1314 bei Schulte 1, 617. 5 Die Stadt Konstanz vertrat gerade zu die deutschen Interessen in Mailand, ebenda 4, 32—38. Anderes Material Schulte 1, 570, 575. 6 Ebenda 4, 38 ff. 7 Ebenda 4, 43. 8 Früher deutete man die Urkunde von 1383 (Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins, N.F. 1, 113 ff.), die sich auf einen Jacobus de Ubreling und einen Ermannus de Norn- berg bezieht, auf die Reichsstadt Überlingen. 1368 saßen aber Jacobus dictus de Überlingen und sein Bruder Johannes im Konstanzer Rate, 1371 Johans v. Üb. genannt der Äff. (Beyerle, Die Konstanzer Ratslisten des Mittelalters, S. 89 und 92.) Der in Barcelona Korallen ankaufende Jakob war also ein Konstanzer. 1 - I I ', ' ' BS ■ :• ■ - I m ■■ § ■; i ■■^■^^^^H a % : mm ü* II 32 Erstes Buch. Entstehung der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 3. 4 Auch auf dem anderen Wege nach Spanien finden wir Konstanzer: im Gebiete der Grafen von Savoyen, in Genf und Avignon. 1 Am Koblenzer Zoll schon 1104, dann auf den Champagner Messen heimisch, 2 begegnen sie uns um 1400 in Lothringen und in Brügge, 3 an diesem großen Handelsplatze sind auch Leute aus der kleinen oberschwäbischen Reichsstadt Wangen. Die Konstanzer hielten seit Jahren bei einem Wirte Einkehr, der sie vertrat. 4 Eine allerdings vereinzelte Nachricht belegt selbst Handel nach Krakau. 6 Und Hans Minner, ein Kaufmann ,,mit spezi", der sich 1438 erhängte, war nach den Chroniken ,,vil stund ennet meres" gewesen. 6 § 4. Die Leineweberei der heimische Boden der Gesellschaft. Lage und Bedeutung von Konstanz. Leineweberei in Schwaben. Ältere Zeiten. Barchent- und Wollweberei. Weberei in Ravensburg, in Konstanz. Handelsvormundschaft. Kampf zwischen Leinewebern und Geschlechtern. Verbot der Gesellschaften 1425. Lütfrid Muntprat. Die Revolution von 1429. Eingreifen des Königs. Aufhebung der Leineweberzunft. Die anderen oberschwäbischen Städte. Bund. Grundlage der Gesellschaft. Das ohne Ausfuhr unhaltbare Gewerbe der Leineweberei teilte Ravensburg mit anderen oberschwäbischen Reichsstädten, von denen Lindau und Konstanz ganz besonders durch die Natur begünstigt waren. Die heutigen Grenzzüge verdecken das zum Teil. Heute hat Konstanz den Schlagbaum der schweizerischen Grenzwächter zwischen seinem Stadttore und seinem eigentlichen Hinterlande, den gesegneten Fluren des Thurgaus, stehen. Damals aber war Konstanz der Sitz des weitaus größten schwäbischen Bistums, war eine Stadt von einziger Lage unter allen deutschen Städten: eine Stadt am See und eine Brückenstadt zugleich. Lindau hatte den Verkehr über den östlichen Teil des Bodensees in seiner Gewalt und blieb Jahrhunderte hindurch die Stadt, von der die Erachtfahrten über die Graubündener Pässe ihren Ausgang nahmen. Noch glücklicher war die Lage von Konstanz, es beherrschte den Schiffsverkehr auf dem großen Obersee wie den auf dem kleineren Untersee und dem schiffbaren Teile des Rheins bis zum „Laufen" von Schaff hausen und hatte doch zugleich die Hauptbrücke auf dieser weiten Strecke in seiner Gewalt. Oberhalb trug der vereinte Alpenstrom keine und unterhalb war eine solche erst bei Stein vorhanden. Die stärkste Verkehrsrichtung führte von Nordost nach Konstanz und weiter über die schweizerische Hochebene zum St. Gotthard oder nach dem anderen großen See, der den zweiten Alpenstrom am Nordhange der Alpen läutert, zum Genfer See. Es ist kein Wunder, daß Konstanzer Münzen so weit nach 42, 51 ff., 55. Genf 4, 53 ff. Avignon 4, 44—48. des Oberrheins 4, 48—50. des Oberrheins 4, 29 (1404) 4, 50 f. (1402). 4, 62 ff. 1 Savoyen, ebenda 4, 2 Zeitschrift f. Gesch. 3 Zeitschrift f. Gesch. * Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins 4, 65. 5 Schulte 1, 619. 0 Euppert, Chroniken S. 201. Ob nur in Spanien! i BJ Et M $£».4: wmm Leineweberei. Konstanz. Wirtschaftliche Kämpfe 33 dem Nordosten verschlagen wurden 1 und so oft die Beisenden fremder Völker von Konstanz erzählen. Eine Großstadt war es darum auch in der Blütezeit nicht, von der diese Blätter reden werden. Dafür war die Zahl blühender Beichsstädte und Landstädte ringsum viel zu groß, und der Bauern, die am Morgen nach Konstanz fuhren, um am Abend wieder daheim zu sein, konnten nicht so viele sein, als wenn ringsum alles eine fruchtbare Ackergegend gewesen wäre. In der Nähe die Insel Beichenau mit ihrem alten reichen, aber damals verfallenen Kloster und ringsum Städte und Burgen sonder Zahl, Stifter und Klöster. So stark für Konstanz auch sonst schon der Anreiz zum Fernhandel sein mochte, der kräftigste Antrieb lag in demselben Exportgewerbe, das Bavens- burg und die anderen Städte rings um den Bodensee beflügelte, in der Herstellung einer guten zur Ausfuhr reifen Leinwand. Leinenzinse vermag man am Bodensee schon ziemlich früh zu erweisen, eine systematische Abstreifung der Quellen hat sich dem noch nicht zugewendet, 2 aber auch so darf man sagen, daß ein aufmerksamer Geograph schon um 1350 die Beobachtung, die Sebastian Münster in der Mitte des 16. Jahrhunderts machte, hätte vorausahnen können, daß in Schwaben, namentlich im Allgäu, die Männer ebensogut wie die Frauen spannen. 3 Vorwiegend im gebirgigen Teile Oberschwabens, doch auch in den weitgedehnten Korngebieten, hatten die Männer in den langen Wintertagen eine lohnende Arbeit. Aber auch die Weberei ward auf dem Lande geübt, Zeuge dessen sind die Abgaben von Hubtuch. Das Gewerbe der Leineweber saß aber auch in den Städten. Die Weber betrieben dabei auch Ackerbau, wenn auch langsam einzelne nur vom Ertrage des Webstuhls leben mochten. Eine Tätigkeit war es, die an sich eine Ausfuhr voraussetzte. Um so mehr galt das von der städtischen Leinwandweberei. Sie war sehr erheblich. Fast alle Städte, die um den Bodensee herum entstanden, waren förmlich darauf angewiesen, dem, was der Städter jahraus, jahrein 1 Vgl. Cahn, Münz- und Geldgeschichte der im Großherzogtum Baden vereinigten Gebiete, Bd. 1, S. 48. Denare der Ottonischen Zeit bis Minsk in Kußland, Bornholm und Dänemark. 2 Das älteste Zeugnis stammt aus dem württembergischen Oberamt Ehingen vom Jahre 838 (Wartmann, Urkundenbuch von St. Gallen, Nr. 681). Im 13. Jahrhundert bezog St. Gallen aus Zell-Kißlegg (bei Wangen) 797 Ellen Leinwand, in Kirchdorf (Amt Villingen) gab es einen Leinwandzehnten und Leinwandzins, Vilsingen (Hohenzollern) 252 Ellen Tuch, Mundelflngen (Amt Donauesohingen) 156 Ellen, Waldkirch (Kanton St. Gallen) 3 Tücher, Herisau (Appenzell) Tuch, Münohaltorf (Kanton Zürich) Tuch, Wangen (Württemberg) 14 Hubtücher (im ganzen 16 Hüben). Vgl. Bikel, Die Wirtschaftsverhältnisse des Klosters St. Gallen, 1914, S. 153 und weiter. Auch die im 12. Jahrhundert auf den Namen Walahfrid Strabos gefälschte Urkunde erwähnt Flachs und Hanfanbau, und zwar auch am Bodensee selbst. Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins, N. F., 3, 352 f. 3 Kosmographie (1588), S. 847. Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 3 mmMBBMm WB ' WSB& ':■:;.■ * ..i-v. ' ' Tim \ I mmmm mä m mm ! ■ p ■ ■ H! iflSiili ■ ■ ..'.'■ • .■;' ;■;■;:■'■'■; 34 Erstes Buch. Entstehung der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 4 und der Bauer über seinen Bedarf und über seinen Zins hinaus an Leinwand webte, den Ausgang in die weite Welt zu schaffen. Wir werden sehen, daß nicht nur Bavensburg, St. Gallen und Konstanz ■sich dem unterzogen, auch viel kleinere Städte wie Wangen und Isny beteiligten sich daran. Fur_ 0berdeutscb1arirl war die X iein- wand der erste große Exportartikel, das einzig£LJJertig-fabr-ikat, das "von Deutschland auch in größeren Mengen in den internationalen Güteraustausch gebracht werden konnte. 1 Es waren nicht die feinsten Sorten; unter dem Einflüsse des Seeklimas ward die Leinwand der Niederlande, Flanderns und Frankreichs feiner und weißer, zumal schon die Garne und dann wieder das Stück gebleicht wurden. Der Bauer, der an Tagen ohne andere Arbeit, seinen Webstuhl aufsuchte, arbeitete auch nicht so säuberlich und kunstvoll. Aber er arbeitete billig und machte aus dem selbstgezogenen Flachse ein Leinwandstück. Neben der Leineweberei war von vornherein mehr städtisch die Barchentweberei, d. h. die Herstellung von Stoffen aus linnener Kette und baumwollenem Schusse. Dieses Gewerbe war von vornherein noch weit mehr an den Händler gebunden, denn der Weber konnte nicht bis nach Venedig ziehen, um sein Quantum an Baumwolle dort zu erstehen. Einfuhr der Baumwolle und Ausfuhr der fertigen Stoffe fiel hier dem Händler zu. Die Wolltuchweberei lieferte im Spätmittelalter um den Bodensee dem Handel in die Ferne nichts, sie deckte nicht einmal den eigenen Bedarf. Doch sehen wir uns die städtische Leinen- und Barchentweberei an und zunächst in Bavensburg. Der Zolltarif von 1369 kennt bereits An- und Verkauf von Leinwand durch einen Gast, jeder Teil zahlte von jedem Tuche 2 $. Er nennt weiter die Einfuhr von Garn, von Baumwolle ist noch nicht die Bede. 2 Aber dafür treten die Statuten der Stadt ein, die bisher noch sehr mangelhaft veröffentlicht sind, aber K. Otto Müller verstattete in die vorbereitete Ausgabe einen Einblick. Schon um 1335 gab es einen besonderen Markt für Garn und Werch, da unter Werch in Schwaben gebrochener, aber noch nicht gesponnener Hanf zu verstehen ist, so war also schon damals die später als welsche Leinwand bezeichnete Hanfleinwand (Canemasserie) bekannt. Der Zolltarif von 1369 ist unklar. Schon 1335 mußte alle Leinwand von Webergästen auf dem Markte öffentlich verkauft werden. Ein solcher Verkauf seitens der Weber setzt notwendig eine Ausfuhr voraus. 1 Vgl. Aubin, Gustav, Aus der Frühzeit des Kapitalismus in Zeitschrift f. d. gesamte Handels- und Konkursreoht 84, 426. 2 Die Bestimmung des ältesten Kavensburger Zolltarifes: „Waere daz ain burger mit ainem usman staechi mit koufmanssohaft, da hett ain zoller gewalt den zol ze nement, von welem er wil", handelt von einem Stichgeschäft zwischen zwei Kaufleuten; von einer Handelsgesellschaft zwischen einem Bürger und einem Nichtbürger, wie K. 0. Müller, Württ. Viertel jahrshefte, N. F., 21, 192, will, ist hier nicht die Eede. Leineweberei. Konstanz. Wirtschaftliche Kämpfe [35 Die weiteren Bestimmungen über Leinwand und Barchentproduktion behandle ich unter Leinwand. Diese Zeugnisse machen es klar, daß in Bavensburg damals in der Hauptsache Leinwand, welsche Leinwand und Barchent für den Fernhandel hergestellt wurden. 1 Dem entsprechen auch die wenigen Angaben über die Waren des Bavensburger Fernhandels. 1391 wurden Heinrich Mancz drei Ballen Leinwand in Venedig beschlagnahmt. 2 Noch viel deutlicher als bei Bavensburg tritt die Leineweberei als das Exportgewerbe von Konstanz hervor. 3 Eine der ganz seltenen mittelalterlichen Wandgemäldereihen, die ein Handwerk mit all seinen Vorgängen darstellen, hat Konstanz schon im Anfang des 14. Jahrhundert geschaffen, die Herstellung von Linnen und Seide, die kuze Zeit dort heimisch war. Es muß doch wohl von einem Leinenhändler oder einem Sohne eines solchen in Auftrag gegeben worden sein. Der Konstanzer Leinwandhandel war im 13. Jahrhundert so bedeutend, daß in den Ordnungen für die Champagnermessen, wo sie in allen vier Städten eigene Häuser hatten, nur Bestimmungen für den Verkauf von Leinwand sich finden, wiewohl sie auch mit Gold und Silber handelten und Tuche erwarben. 4 Gerade an diesem Gewerbe in Konstanz läßt sich fast zuerst in deutschen Landen die Handelsvormundschaft erweisen. Dem Kaufmann wurde hier schon im 14. Jahrhundert die ausschließliche Beherrschung der Bezugs- und Absatzwege vorbehalten und der Handwerker durchaus auf die Arbeit eingeschränkt, bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts war den Leinewebern nicht einmal eine zünftische Organisation gestattet. Nach den Bestimmungen von 1283 und 1289, die durchaus einen Großhandel in den Händen von Konstanzern begünstigen, war an jedem Donnerstag und Freitag Leinwandmarkt, alle Käufe mußten dort vor sich gehen, und nur der Kaufmann war als Käufer zugelassen, für den anwesenden Fremden war damals ein Weber berechtigt zu kaufen. 5 Leinwandschauer begegnen 1376, bald auch Leinwandmesser. Eine städtische Bleiche erscheint 1386. Die städtischen Unterkäufer für Garn (Garnfeilträger) sind zuerst 1533 nachgewiesen. 6 So stark war der Drang nach dem Leinwandhandel, daß um 1370 auch Geistliche sich daran beteiligten. 7 1 In dem Stadtrechte werden auch Grautucher, Wollenweber, Ledergerber, Kantengießer und Kupferschmiede aufgeführt, die möglicherweise auch für die Ausfuhr arbeiteten. 2 Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins 4, 27. 3 Eingehend hat darüber Eberhard Gotheinin seiner Wirtschaftsgeschichte des Schwarzwaldes, Bd.l, gehandelt, vor allem S.520—524. Vgl. Schulte 1, 605f., 608. 4 Vgl. die Ordnungen, Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins 4, 48 ff. 6 Statut von 1283, Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins 4,20f. Vgl.Gothein 1,458. 6 Gothein 1, 520 f. 7 Cartellieri, Eegesten der Bischöfe von Konstanz 2, 369. mm * fflm 36 Erstes Buch. Entstehung der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 4 was*, MS«*,? I I ' ■ |§| i ■ ■■ I mm. jßSswtö ■ ü j | 1 ' Zwischen den Leinewebern und den' Geschlechtern kam es zu vielen Streitigkeiten, jene treten in den zahlreichen Zunftunruhen scharf hervor. Die schwerste aller Zunftrevolutionen, die von 1429, war nicht nur von politischen Gründen bestimmt, sondern auch von wirtschaftlichen. Die Zünfte hatten 1425 das Verbot der Handelsgesellschaften erzwungen und elf Konstanzer Kaufleute schwuren, innerhalb anderthalb Jahren von ihren Gemeinden zu lassen. 1 Lütfried Muntprat, Antoni Geisberg, Hans Blarer und Berthold Vogt gaben schon 1427 ihr Bürgerrecht auf, doch bat Lütfried ihn bei der Gemeinde, d. h. bei seiner Gesellschaft bleiben zu lassen, das sollte an die Gemeinde gebracht werden. 2 Er wollte offenbar von dem geleisteten Eide entbunden werden. Der Erfolg blieb aus. Ein solches Vorgehen gegen die Gesellschaften konnte nur dann zum Ziele führen, wenn die anderen Städte, in denen solche Leineweberzünfte vorhanden waren, dem Beispiele folgten, und das tat keine. Konstanz aber konnte am wenigsten allein vorgehen; denn die Leinwand vom Lande war nicht unbedingt von dieser Stadt abhängig. Im März 1429 faßte der Eat einen Entscheid, der die Lage deutlich ergibt. „Als bei Zeiten," heißt er, „große Klagen gewesen ist von der Gemeinden und Gesellschaften wegen und die nun durch Rat und Gemeinde verboten wurden um des Nutzens der Lande, Reicher und Armer willen und da man meinte, daß andere Städte das auch vornehmen würden, was nicht geschah, und als dadurch die Gewerbe von hinnen gezogen wurden und das Kaufhaus großen Abgang erlitt, hat der Rat das alles vorgenommen und hat ein großer Rat den Kauf leuten erlaubt, ihre Gemeinden und Gesellschaften wieder zu haben mit Bürgern, Gästen und andern, so es ihnen gefällt, doch so, daß sie das ehrbarlich und der Stadt unschädlich betreiben und daß an das Kaufhaus das gelange, was ihm billig werden soll, es sei von Bürgern oder den Gästen." 3 Lütfried verblieb nun Bürger und in der Stadt. Aber die Gärung ging weiter. Die Geschichte jener Tage zeigt in Konstanz einen leidenschaftlichen Gegensatz der Zünfte gegen diejenigen aus ihrer Mitte, die entweder ganz aus einer Zunft ausgeschieden und zu der Gesellschaft der Geschlechter, zur Trinkstube auf der Katze über- 1 Kuppert, Chroniken der Stadt Konstanz 393. Doch ist an dieser Stelle „von den gemainden" zu lesen, was einen ganz anderen Sinn gibt. Vgl. Maurer, Ulrich Imholz in Schriften d. Ver. f. Gesch. des Bodensees 44, 99. In dem Ammanngeriehtsbuche kann man fünf als Häupter oder Glieder von Gesellschaften nachweisen. Drei hier genannte fehlen (Barth. Vogt, Hainz Pfanner und Joh. Bickenmoos). Von den übrigen der elf könnte, was von Philipp Näter zutrifft, gelten, daß sie den Muntprats zugehörten: Ulrich Ehinger, Jacob Apenteger, Diethalm Schiltar, Antoni Gaißberg und Hainrieh Kraft. Alle diese Geschleshter mit Ausnahme der Schiltar und Kraft sind später in der großen Gesellschaft nachzuweisen. 2 Konstanz, Ratsbuch 1427, S. 129. 3 Schulte 2, Nr. 356. Leineweberei. Konstanz. Wirtschaftliche Kämpfe 37 gegangen waren oder doch, weil sie dort mit ihren Verwandten verkehrend, zu Festlichkeiten erschienen. 1 Es ist eigentümlich genug, daß die Patrizier weniger engherzig waren als die Zünftischen. Im April 1429 hatte die Gesellschaft fünf Baumeister erkoren, darunter steht an zweiter Stelle Lütfried Muntprat, sie sammelten die Umlage für den Neubau der Katze ein. 2 Lütfried war also noch in der Stadt geblieben und betrachtete sich als Bürger. Am 15. August wurden die, ,,so von den Zünften gewichen und zu den geschlächten gefründt waren", vor den Bat entboten, ob sie eine versprochene Gesellschaft hätten, sie leugneten das. Der Stein war im Bollen. Immer schärfere Handlungen und Forderungen des Bates veran- laßten die Geschlechter und ihre Freunde, 47 an der Zahl, am 12. September vor den Bat zu gehen und gemeinsam das Bürgerrecht aufzukündigen. Das erweckte den Sturm der Zünftigen, der Oberbürgermeister, der den Geschlechtern angehörte, verlor bald die Zügel aus der Hand. Die Stadt war voll der Bewaffneten, die Ehrbaren jedoch ohne solche. Sie begaben sich auf die Pfalz zum Bischöfe Otto von Hachberg, wo sie dreißig angstvolle Stunden erlebten. Die Drohung, daß sie „ihres Leibes und Lebens" entsetzt würden, zwang sie endlich, den geforderten Eid zu schwören, daß sie sich mit dem Urteüe des Bates von Überlingen, der sich gleich den Boten von Badolfzell und Markdorf für sie eingesetzt hatte, zufrieden geben würden. Dann aber gingen die Geschlechter auf die Katze, und unter der Leitung zweier Obleute, Heinrich von Tetikoffens und Lütfried Muntprats, schworen sie, daß bei einer Bichtung mit denen von Konstanz eine Dreiviertelmehrheit, sonst eine absolute Mehrheit sie alle binden sollte. Die Obleute sollten das Becht haben, bei Zerwürfnissen unter ihnen Friede zu gebieten. Den zwölf Personen, die sofort auszogen und von denen Budolf Buh sich nach Bavensburg wandte, folgten am St. Martinsabend 47 Personen und wanderten nach Schaffhausen, wo sie am 29. November für ein Jahr als Bürger aufgenommen wurden. 3 Die einzige Frau war die Schwägerin'Lütfrieds, Agathe Muntprat geb. Humpis mit ihren Kindern. Auch der Bischof hatte mit seinen Behörden seinen Sitz nach Schaffhausen verlegt. Der Triumph der Zünfte dauerte nicht lange. König Sigmund kam selbst nach Überlingen, verhörte beide Teile und traf eine Entscheidung, die dauernd die Verfassung von Konstanz regelte und Patriziern und Zünftlern gleiche Bechte gab, und somit den Geschlechtern im wesentlichen recht gab. Vor allem ist es aber 1 Eine befriedigende Darstellung der Zunftrevolution fehlt, die beste quellenkritische Anleitung gibt Eieder in dem Eegeste Nr. 9274. 2 Über den Neubau vgl. Beyerle und Maurer, Konstanzer Häuserbuch 2, 456. 3 Die Aufnahmeurkunde bei Euppert, S. 353 f. I H • ■■ ■B ;i 38 Erstes Buch. Entstehung der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 4 33» m»: Wm$m wichtig, daß der Kaiser, da „die uffleuf . . . zumeyst uß den zünften der liniweber und gerwer komen und dargangen sind", diese Zünfte aufhob. 1 Die Stadt mußte 28000 fl Strafe an den König zahlen.' 2 In der Eevolution von 1429 und in den vorausgegangenen Spannungen stecken wirtschaftliche Momente. Die Konstanzer Leineweber sahen die enormen Gewinne, die die Muntpratgesellschaft einstrich, und glaubten auch ohne die Gesellschaften auskommen zu können. Solange eine große Zahl von Kaufleuten den Webern nachlief, war deren Eechnung gesichert; der Zusammenschluß zu Gesellschaften hatte dann die Konkurrenz vermindert, und vollends mußte das eine auf viele Städte sich verteilende Gesellschaft tun. Wir wissen nicht, in welcher Weise die Muntprats einkauften, aber das leuchtet aus der Tatsache hervor, daß da wohl der älteste nachweisbare Kampf einer deutschen Zunft gegen die sich ausbildende Monopolstellung einer Handelsgesellschaft vorliegt. Lütfried Muntprat war Sieger gebneben, er nahm im kleinen Eate von 1431 wieder einen Sitz ein, den er fast imunterbrochen bis zu seinem 1447 erfolgenden Tode beibehielt, wo sein Schwiegersohn, des Kaisers Beamte und Vertraute, Eitter Marquard Brisacher, dann in den Stuhl sich setzte, er, der den Überlinger Spruch des Kaisers als sein Protonotar untersiegelt hatte. Aber so ganz zufrieden ist Lütfried wohl schwerlich gewesen; denn die städtische Leineweberei hatte ihre Höhe überschritten, wie wir das später sehen werden. Und sollte die Muntpratgesellschaft bis dahin unabhängig geblieben sein, was ich nicht glaube, so hat Lütfried sicher damals oder doch bald darauf sie in die Eavensburger Gesellschaft aufgehen lassen. Auch trafen ihn schwere Verluste. 1432 war Lütfried auf fünf Jahre in Überlingen, saß aber schon 1434 wieder im Eate von Konstanz. 3 Jener Spekulant Ulrich Im- holz brach 1435 zusammen; das äußert sich in den Steuerbüchern. Das Vermögen Konrad Muntprats sank um 13090 U hl., das Lüt- frieds um 11500. Ulrich Imholzens Anwesen zum „Leithund" ging sofort an Konrad Muntprat über. Wenn der Bankrott auch nicht eine Schuld von 80000 fl und mehr ergab, so war es doch ein Niederbruch, der weithin die Geister aufregte. >•'- Im Frühling 1447 4 starb Lütfried und wurde wohl in der St. Paulskirche beigesetzt, zu welcher Pfarrei sein Wohnhaus Zum weißen Pfau 5 1 Der Spruch bei Kuppert, S. 361—368. Es ist auch nicht zu übersehen, daß der König in diesen Tagen bei einer Bodenseefahrt ein Gast Hansen Möttelis in Arbon war. Buppert, S. 292 (Mörlin verlesen für Mötelin). Die Mötteli erhielten eine Besserung ihres Wappens. Alt mann, Regesten Sigmunds, Nr. 8030. 2 Die Bezahlung erfolgte zum Teil sehr schnell. Über 22 725 fl liegen Quittungen vor bei Altmann, Nr. 8024 usw. 3 Bürgerbuch Stadtarchiv Überlingen. 4 6. Juni 1447 tot, 18. Febr. noch lebend. St. Galler Urkundenbuch 5, Nr. 4918 und 4861. 6 Heute Husenstraße Nr. 19. Leineweberei. Eonstanz. Wirtschaftliche Kämpfe. Oberschwaben 39 gehörte und wo er 1417 eine Pfründe am Katharinen- und Dreikönigsaltare gestiftet hatte. 1 Mit ihm war einer der genialsten und tatkräftigsten Kaufleute dahingegangen, Konstanz erlebte keinen zweiten von seiner Bedeutung. Aus einer mangelhaften Überlieferung tritt er uns als der erste deutsche Großkaufmann deutlieh entgegen, als erster, der den Kampf des Großunternehmertums gegen die kleinen Produzenten durchzufechten hatte. Im Archive der Humpis lag einst ,,ain register, waz Lüpfrid Munt- prat hinder im verlassen hat". Was für einen Einblick in das Leben dieses bedeutenden Mannes würde es gewähren, wenn es erhalten wäre. 2 Von anderen oberschwäbischen Städten kennen wir am besten das Wirtschaftsleben von Leutkirch, Isny und Lindau. Die Isnyer Stadtrechtsquellen, die tief in das 14. Jahrhundert zurückgehen, nennen kein anderes Gewerbe entfernt so oft als die Leineweberei. Es arbeiten nicht nur die zünftigen Leineweber, sondern ein jeder darf für drei Tuche Garn aufkaufen und sie selbst dann weben. Das stempelte man mit dem Stadtzeichen (der Lilie), und auf die sorgfältig gepflegte Färberei kam auch Leinwand von Kempten und St. Gallen. In dem kleinen Leutkirch scheint die Leineweberei eine geringere Bolle gespielt zu haben, aber in Wangen war neben den Sensen der Sensenschmiede wieder die Leineweberei der Stadt Ausfuhrgewerbe. In Kempten machte man im 16. Jahrhundert gute Messer und viel Leinwand, weiß und blau, in dem gewerbereichen Memmingen fehlt die Leineweberei nicht. In Ulm, Memmingen und Biberach überwog wohl schon um 1400 die Barchentweberei, aber für die Ulmer Golschen ward schon 1346 eine Leineweberordnung aufgestellt, und auch in Biberach fehlen nicht alle Beweise für Leineweberei. Der Beichsstadt Pfullendorf Leineweberzunftordnung stammt von 1383. :! Überlingen kennt keine Leineweberzunft. Ich führe das aus, um zu zeigen, daß das gemeinsame Exportgewerbe die Leineweberei nicht nur Bavensburg und Konstanz verband, sondern auch fast sämtliche Beichsstädte Oberschwabens. Und jenseits des Bodensees bestand in St. Gallen ein Leinwandzoll schon 1303. 4 Mit 1349 setzen die Bechnungen der städtischen Bleiche ein, vor allem aber die älteste vor 1364 entstandene Leinwandordnung kennt neben Leinwandmessern auch schon eine Schau, und diese streng gehandhabt zu haben, war für die Stadt 1 Eieder, Nr. 8531. Dann 1441 Urkunde, Konstanz Stadtarchiv, Nr. 1597. 2 Im Eatzenrieder Archiv fand ich nur diese Notiz von 1502, nicht das Stück selbst. Unten 3, 486. 3 Walchner, Gesch. d. Stadt Pfullendorf, S. 172. 4 Schilling, Urkundenbuch zu 2 St. gallischen Handels- und Industriegeschichte, Nr. 19. £SH mm 40 Erstes Buch. Entstehung der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 4 &EBm$Sm& §11 '■">,:. m® W$ »11 ,:'".;,*Kr>H HB ■ ■ ■'"■',■ l wohl das Mittel, um über Konstanz zn siegen. Und ein rühriger Geist herrschte unter den Händlern, die klein anfingen, um hoch emporzusteigen, wir finden sie 1362 in Venedig, 1371 in Frankfurt, 1375 in Mailand, vor 1387 in Nürnberg, 1401 in Passau. Wird die Eavensburger Gesellschaft auch dort Mitglieder gewinnen, um auch von diesen trefflichen Linnen etwas auf den Markt bringen zu können? * Nach alle dem dürfen wir sagen, daß die Leineweberei für die ganze Gegend von Konstanz bis Kempten und von Biberach bis St. Gallen das Hauptgewerbe der städtischen Weber und der Bauern, die sich vorwiegend mit dem Spinnen beschäftigten, war, als die Gesellschaft um 1380 sich zusammenschloß. Es lag daher nahe, daß auch die Kaufleute der anderen Städte in die Gesellschaft der Eavensburger und Konstanzer eintraten. Das wurde dadurch begünstigt, daß sich damals (1376) die ober- schwäbischen Städte mit einigen niederschwäbischen zu einem Bunde zusammengetan hatten: Ulm, Konstanz, Überlingen, Ra- vensburg, Lindau, St. Gallen, Wangen, Buchhorn, Beutlingen, Rottweil, Memmingen, Biberach, Isny und Leutkirch waren vereinigt. Der Bund hat sich ausgeweitet und wieder auf den der zehn Städte am See verengt, nach kurzen Zwischenräumen haben sie sich lange Zeit leicht wieder zusammengefunden. So blieb der Zusammenhang unter diesen Beichsstädten gewahrt. Aber es bestand doch auch eine Hemmung, welche den Gesellschaften sich entgegenstellte. Wir haben in Konstanz die Wünsche, die Kämpfe und Niederlage der Leineweberzunft kennen gelernt. Wir kennen die Zunftgeschichte der übrigen Städte zu wenig, um sicher solche Tendenzen auch an anderen Orten feststellen zu können. Aber die wohl in Basel entstandene „Beformation des Kaisers Siegmund" — diese radikale Beformschrift zeigt eine lebhafte Abneigung gegen die Gesellschaften, sie sollen verboten werden. 2 Die Eavensburger Gesellschaft, die den Kaufleuten Oberschwabens so reiche Gewinne bringen sollte, dürfte in den Kreisen der Weber von vornherein Widersacher gehabt haben. Aber sie behauptete sich, weil sie den größten Teil der aktiven Handelskraft des Gebietes nördlich des Bodensees zusammenfaßte und dem Hauptexportprodukte Absatz verbürgte. Die Gesellschaft unterscheidet sich von allen anderen bekannten deutschen dadurch, daß sie sich nicht auf einer oder auf zwei Städten aufbaute, sondern, weit darüber hinausgreifend, Bürger einer Zehnzahl von Städten verband. Die Hansa war ein politischer Bund der Städte isolierter Bürger oder kleiner, auf einen Ort sich begründenden Gesellschaften, 1 Die Belege im angegebenen Urkundenbuche. 2 Böhm, Friedrich Reisers Reformation des K. Sigmund (1876), S. 220. Leineweberei. Konstanz. Wirtschaftliche Kämpfe. Oberechwaben 41 hier vereinte ein kaufmännischer Betrieb die Gesellen vieler Städte und half sich politisch durch. Die Gesellschaft von Eavensburg ist kein Paradigma für die von Karl Bücher so geistvoll begründete Lehre von der Stadtwirtschaft, im Gegenteil, sie war die Führerin von Ein- und Ausfuhr einer Menge von Städten, die rechtlich selbständig waren, wenn auch meistens durch Bündnis verbunden. Es war keine einzelne Stadt mit ihrem Versorgungsgebiete, sondern eine weite Landschaft von den Alpentälern angefangen bis nahe an den Oberlauf der Donau reichend, die diese Gesellschaft trug. In dem politisch überaus zersplitterten Lande Oberschwaben war die Gesellschaft auch eine einigende Macht. M m.' _| j ^m fc-*ÄffiS>M »WM Zweites Buch Rechtliche und wirtschaftliche Organisation der Gesellschaft Erstes Kapitel Die Einrichtungen der Zentrale, § 5. Buch der Ordnungen. Kein Gesellschaftsvertrag erhalten. Firma. Zeichen. Wohnsitz. Haus der Gesellschaft. Dauer. Erneuerungen. Zweck. Die Ordnung der Gesellschaft, die in ein pergamentes Buch eingetragen war, das an grünseidenen Schnüren die Besiegelung trug, 1 ist nicht mehr erhalten. Man ist also darauf angewiesen, aus den Akten und aus den tatsächlichen Ereignissen die Ordnung der Gesellschaft abzuleiten. Dabei kommt ein Gesellschaftsvertrag einer Nürnberger Handelsgesellschaft zu Hilfe. Da der Leiter derselben lange Jahre Mitglied der Bavensburger Gesellschaft gewesen war, hat er — wie anzunehmen ist — deren Vorbild auf seine eigene Gesellschaft einwirken lassen. 2 Doch war diese viel kleiner, und demnach mußte die Organisation auch viel einfacher sein. Von zwei anderen aus der Bavensburger Gesellschaft hervorgegangenen, der Familiengesellschaft der Mötteli und der gemischten der Anken- reute, stehen die Verträge und Ordnungen ebenfalls nicht mehr zu unserer Verfügung, immerhin aber einige Aktenstücke. Auch werden uns die Verhältnisse anderer Gesellschaften mitunter eine Aufklärung geben können. 3 1 Unten 3, 462. 2 Gedruckt Schulte 2, Nr. 399 von 1506. Gesellschaft Koler, Kreß und Saronno. 3 Vor allem kommen da folgende Gesellschaftsverträge in Betracht: 1. Bi- herach. 1491. Weißhaupt-Schreiber-Dittmar. Letzterer Bürger von Ulm. Abgedruckt bei Strieder, Jos. Zwei Handelsgesellschaftsverträge. Leipz. jur. Dissertation, 1908, S. 27—39. 2. Ulm. 1490. Jacob Ehinger und Wolfgang Verber. Ulm, Stadtarchiv, vgl. unten 3, 470. 3. Augsburg. Die Fuggerschen Verträge von 1494, 1502 und 1512, abgedruckt bei Jansen, Max. Jakob Fugger der Eeiche, 1910. — 1547. Vertrag von Anton Haug und Ulrich Link, abgedruckt bei Strieder, Jos., a. a. O., 19—27. 4. Nürnberg 1506. Jörg Koler, Jörg Kress und Ambrosius de Saronno. Abdruck Schulte 2, 269—272. — 1541. Michael Behaim-Georg und Christoph Scheurl und Bernhart Geisler, Eegest bei Äußere Merkmale der Gesellschaft 43 Bei der Notwendigkeit, die Rechtsverhältnisse au» den Tatsachen selbst abzuleiten, muß man auf eine gesonderte Darstellung des Eechtes der Gesellschaft einerseits und seiner Anwendung im Wirtschaftsleben andererseits verzichten; die Anwendung ist eine der Hauptquellen für jenes. Der Eeichtum an Berichten und Rechnungen gestattet weit tiefere Einblicke als bei anderen mittelalterlichen Firmen. Unter den Papieren der Gesellschaft erregten mir anfangs Aufzeichnungen, die bei den Abrechnungen gedient haben und die Zeit von 1497 bis 1525 umspannen, die größten Hoffnungen. Doch bei der Bearbeitung wurden sie herabgestimmt. Sie reichen nicht dazu aus, um die genaue Gesamtsumme des Gesellschaftshauptgutes, die Anteile der einzelnen Gesellen, den Gewinn, die Höhe des Umsatzes und andere Dinge zu erkennen. Aber soviel lehren sie uns doch, daß eine genauere Behandlung sich wohl rechtfertigt. Es sind in Einzelposten belegt die guten Schuldner, die zweifelhaften Schuldner, „was wir sond", also die Gläubiger des Schuldbuches, ganze und halbe Gewinnung, die Ehrung für die Gesellen, was man „durch Gott" gab. Es finden sich weiter, wenn auch nicht für alle Jahrgänge, Aufzeichnungen über die räumliche Verteilung des Personals, über die Abrechnungen der Gelieger, über die Mängel der Rechnungen, über das, was als Schuld den Rechnungsführern ausgelegt wurde, auch über einige andere Gegenstände, die bei der Abrechnung verhandelt wurden. Im ganzen ist es ein so reiches Material, daß man wohl sagen darf, daß für keine mittelalterliche Gesellschaft ähnlich genaue Auskunft möglich ist. 1 Eine genaue unabänderliche Firma hat die Gesellschaft nicht geführt. In den romanischen Landen nannten die Gesellen in offiziellen Auf Schriften entsprechend dem Landesgebrauch die Gesellschaft nach dem Namen des ersten Regierers. So trägt ein Brief nach Bourg en Bresse die Adresse: „Domino Koffre Hompis e compani a Burgen," 2 und Waren, die in Valencia auf ein Schiff geladen wurden, wurden befördert: „i nom de Jos Hompys e compania," sie waren in Genua an den Kommissionär konsigniert „ha vollontat de Jos Hompys e compania de Myllan." 3 So schrieb Hans Hinderofen in Lyon auf seinen Brief: „Dem ersamen wisen Josen Hompis und Falke, Joli., Gesell, d. deutschen Handels 2, 334 ff. 5. Frankfurt. 1457. Claus und Craft Stalburg-Joh. Bromm, Auszug bei Kriegk, G. L., Deutsches Bürgertum im Mittelalter, N. F., 435/36. — 1487. Clas von Rückingen, Jakob Heller und H. H. von Oppenheim, Auszug ebenda 446. — 1502. Hans Bromm d. ä. und d. j. und Friedrich Heyde, Abdruck ebenda 446—451. — 1558. Kraft Stalburg und Jacob v. Botzheim, ebenda 3, 451. 6. Köln. Um 1470, Eheleute Heinrich und Lisbeth v. Emmerichshaen — Amt v. Westerburg. Kuske, Quellen z. Gesch. d. Kölner Handels und Verkehrs im Mittelalter 3, 31 f. 1 Eine Übersicht und einzelne Stellen im "" r ortlaut unten 3, 44—51. 2 Unten 3, 226. 3 Unten 3, 233. — ■ji^\ ■■■'■■■ ■ 44 Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 1. Kapitel. §5 ■ H .-;^^^£ ■ : iSPi ■ ■ M ■■ Wß^ Ä wi ■ ■ ■ in i Wf^fS 3H ; J ^S%f ■ \ few» | , 1 I j lÄVI |1 | ' w ! siner gesellschaft, ist miner herren zu Baffenspurg." x Ein Genueser Faktor der Gesellschaft nennt sich: „gestor societatis Alamanno- rum que dicitur de Josumpis." 2 In den allermeisten der im Original erhaltenen Briefe an die Zöllner wird das Eigentum bezeichnet als das „des Noffre Humpiß und seiner Gesellschaft". In einem Gerichtsurteil von 1454, das allerdings mir nur aus einem Eegest bekannt ist, heißt es: „im Namen Ttel Huntpiss und der Kaufleute Gesellschaft." 3 Das war so gebräuchlich, daß auch die außerhalb der Gesellschaft Stehenden sie zumeist so titulierten. 4 Mitunter heißt die Gesellschaft die Gesellschaft von Eavensburg, 5 noch häufiger aber die große Gesellschaft. 6 Dabei war oft an eine daneben bestehende kleinere Eavensburger Handelsgesellschaft gedacht, die sich abgelöst hatte. So wird der Gegensatz zu der 1477 abgezweigten Ankenreute-Gesellschaft deutlich, wenn das Eegister desPeage von Valencia diese spanisch als Company a chica (klein) benennt. 7 Ähnlich 1458 der Mötteli-Gesellschaft gegenüber. Ob aber immer dieser Gegensatz bestand, ist zweifelhaft, denn dann müßte noch 1518 auch eine kleine Gesellschaft vorhanden gewesen sein. Jedenfalls klingt das Wort „große Gesellschaft" ganz anders, wenn nicht von einer Eavensburger, sondern von der „societas magna Alamanie" oder „Germaniae superioris" die Eede ist. 8 Am vollsten tönt der Titel in einem Briefe der Stadt Konstanz: „de societate dictorum Humpis ex opido Eavenspurg, que comuniter dicitur magna societas mercatorum altioris Alamanie". 9 Es ist, da in welschen Landen sicher die formale Korrektheit größer war als in Deutschland, wohl kein Zweifel, daß die auch von der Gesellschaft selbst zumeist angewendete Form mit dem Namen des ersten Begierers: „Jos Humpis und seine Gesellschaft", die offizielle Firma war, die auch deutlich den Charakter des Geschäftes als eines Sondervermögens hervortreten läßt. Die Eavensburger Gesellschaft hatte, wie wohl alle mittelalterlichen Handelsgesellschaften und darüber hinaus viele Kaufleute^ 1 Unten Zollbriefe 3, 202 ff. Vgl. Schulte 2, 245, 267. 2 Heyd 62. 3 Eieber in Württ. Viertel]ahrshefte, N. F., 12, 190. 4 Ältestes Beispiel 1426 compania de Joushompis in den Zollregistern au& Barcelona. Veröffentlicht von Häbler, Das Zollbuch der Deutschen in Barcelona (1425—1440) und der deutsche Handel mit Katalonien bis zum Ausgang des 16. Jahrhunderts, in den Württ. Viertel]ahrsheften für Landesgeschichte, N. F., 10,11. Diese Stelle 11, 358. 1435 Stadt Barcelona: dela companyia de Joushompis, Heyd 49. 1449 Genueser Notar societas que dicitur de Josumpis, Schulte 2, 163. Vgl. weiter Schulte 2, 87. Heyd 51 und 75. 5 Heyd 63 und öfter. 8 Heyd 69, 70. Schulte 2, 61, 79, 164 und 195. Dann auch in den Briefen an die Zöllner, die von der Gesellschaft selbst ausgingen. 7 Unten 3, 531. 8 Schulte 2, 60, 62, 77/ Heyd 72. 9 Heyd 76. Äußere Merkmale der Gesellschaft. Zentrale 45 N Gewerbetreibende und Bauern ein besonderes Zeichen (Gemerk). Es findet sich nicht nur in Briefen, es dient vor allem als ein Vermögenszeichen auf Ballen, Waren, Briefen und findet sich in vielen Briefen. Manche der Faktoren hatten auch einen Signetstempel, der wohl als Bing getragen wurde — in Genf, St. Gallen und Bavensburg verwendete man es, der Kommissar in Bern führte es nicht. 1 In einem Prozesse wurde das „Bitschitt" des Jos Humpiß als die Gesellschaft bindend anerkannt. 2 Das Zeichen bestand in einer welligen Bodenlinie, auf deren Mitte sich in längeren oder kürzeren s Strichen eine Linienfigur erhob, von einem mittleren Strich (oder Balken im Signet) gehen links Abb. 2. ein zweiter und rechts zwei weitere aus. In der Abb. 3. ^eich'n 8 P itze des ersten Striches ist durch einen Quer- Handels- derG-etell- str i cn em Kreuzzeichen hergestellt, wodurch das Z6 ^ er en schaft religiöse Element zum Ausdruck kommt. Der Humpis Sinn dieses Zeichens wird dadurch klar, daß Claus im Steinhause es als „Baum" bezeichnet. 3 Ein Baum ohne Blätter aus drei Ästen bestehend. Zum ersten Male kommt es in dem Schultheißschen Pormelbuch in einem Schreiben der Stadt Konstanz an Genua von 1408 vor, und zwar für Muntpratsche Waren. 4 Vielleicht ist also dieses Zeichen auf die Muntprat zurückzuführen. Daneben wurde bei der Gesellschaft auch noch eine andere Marke gebraucht, die wohl sicher auf die Humpis zurückgeht; denn ihr Grundzeichen ist ein lateinisches großes H. Auf dem Querbalken steht ein Kreuz mit einem, zwei oder drei Querbalken. In den Briefen an die Zöllner verwendet es regelmäßig Moritz Hürus, der aber auch ein besonderes Zeichen hatte, aber auch Konrad Bader, Hans Wigermann und der Agent in Bern. Auch Lutz Geßler hat auf seiner Nürnberger Bech- nung von 1479/80 dieses Zeichen. Zum ersten Male kann ich es 1436 nachweisen. 5 Die Gesellschaft hatte also beim Zeichen fast , völlig die ursprünglich rein persönliche Natur der Marke überwunden, bei der Firmenbezeichnung war die ständige Fortdauer noch nicht erreicht, auch gar nicht erstrebt, vielmehr blieb 1 Briefe an die Zöllner, unten 3, 202 ff. 2 Bieber in Württ. Vierteljahrsh., N. F., 12, 190. 3 Unten 3, 326. 4 Zeitschrift Gesch. des Oberrheins 4, 42. Man hat das Zeichen falsch gedeutet, es ist deutlich das später allgemein gebrauchte. 5 Schulte 2, 159. Über die Zeichen der Mötteli-und Ankenreute-Gesellschaften vgl. Buch 7. § 84. 85. AA Abb. 4. Handelszeichen der Hüruss von Konstanz Abb. ö. Siegelstempel der Gesellschaft (geführt von einem Gelieger) ■ HP -■Sri .-save mßm ^H HHV ■'.'■■■'■■■'■: ■' SM Hä 46 Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 1. Kapitel. §5 sie nach dem ersten Eegierer genannt, aber es begegnet doch nicht mehr häufiger, daß neben dem ersten Eegierer noch andere Teilhaber genannt werden, geschweige denn alle. In den letzten Jahrzehnten wird die Firmabezeichnung durchaus beständig. Jedenfalls mBm nHSK •■■'■■ I '-. '■' ■■ . ■'."■'■.' ■.:"■■:. '■■ . ')'■' '. ' '■': ■' :■ ' !Öh' Hm Abb. 6. Haus der Gesellschaft in Ravensburg, erbaut 1446. Vorderansicht des Hauptgebäudes (jetzt Marktstraße Nr. 59) war der Begriff des selbständigen Geschäftes schon in den ältesten Zeugnissen klar entwickelt. Der Sitz der Gesellschaft war Eavensburg. Ein über die Dauer der Gesellschaft entscheidender Vertrag war allerdings in Konstanz abgeschlossen worden. 5 Ob früher die Gesellschaft ihren Sitz in 5 Unten 3, 53. I Äußere Merkmale der Gesellschaft. Zentrale 47 Hirt^m-Vu-vu« . ^«•dert\j 1A < > I i T " » A « £ fc 7 1_L Abb. 7. Haus der Gesellschaft in Eavensburg, erbaut 1446. Grundriß vom Erdgeschoß Konstanz (Muntprat) hatte, blieb zweifelhaft. Sie hatte in Eavensburg ihr „Skriptori" wie ihre Lager in dem von der Gesellschaft gebauten Hause, das die Jahreszahl 1446 noch heute trägt. Es liegt in dem ältesten Teile der Stadt an der Marktstraße in ihrem obersten Teile, unfern des zur Burg hinaufführenden Obertores, wo ein breiter Platz das Marktleben ermöglichte. 1 Es ist an diesem Platze das größte Gebäude, das fünfte Haus der Nordseite, laut der an der Vorderseite angebrachten Inschrift im Jahre 1446 erbaut, einst, wie viele Eavensbur- ger Häuser, mit zwei Wappen geschmückt, deren Bilder aber abgeschlagen sind. Ein bequemer Torweg a a i E ■ a i es m m\ »OB BD ■am SFB BD IlMI 2 ■ ■ all tlam w ■■ d WD mm mg sa______. iiiiiüiTMiiiii/iirnT läßt einen Wagen bis '^»ininiiiiiiTrnimi/iiiim/liiiiliiiiiiii'Miiimiil in den inneren Hof Abb. 8. Haus der Gesellschaft. Gartenseite des Rück- gelangen, von ihm gebäudes, erbaut 1446 1 Müller, Oberschw. Reichsstädte, S. 57. m ■■ ■■■'-.■ ■ ■ IM .,-■,'•': ,:■ . ■. ■■'■ .^ ■ H fB 8fB|_ ! Wm 48 Zweites Buoh. Organisation der Gesellschaft. 1. Kapitel. § 5. 6 senkt sich der geradeaus geführte Gang, zu dessen beiden Seiten gewölbte Eäume Liegen, jenseits dieses Hintergebäudes liegt noch ein kleiner Garten, der in die tiefer gelegenen Stadtteile hinabsieht. Im wesentlichen ist das Gebäude, das später einer Brauerei diente, noch heute erhalten. Es hat nicht den Reichtum der „goldenen Schreibstube" der Fugger, bietet aber gegenüber den meisten übrigen Häusern der Ravensburger Marktstraße, die durchweg im Innern noch die mittelalterlichen Innenteüe ganz oder doch zum Teüe darbieten, einen weiträumigen und künstlerisch gedachten Bau dar. In dem hinteren Baue ist noch eine der ältesten Zeit angehörende gotische, im Bogen gespannte Holzdecke erhalten, im Vorderhause stecken sie vielleicht unter den heutigen tiefer gelegten Decken. Im Gegensatz zu vielen der Häuser, in denen nachweislich Glieder der Gesellschaft wohnten, ist es völlig massiv aufgeführt. Schräg gegenüber lag das zum Berge hinaufführende Frauenkloster und das Wahrzeichen Ravensburgs, der hochgelegene und hochragende Turm der Stadtmauer, der ,,Mehlsack", der mit seinem Dache die Höhe der Burg erreicht, schaut wie die Burg zu den Fenstern des Gesellschaftshauses hinab. Das Haus lag neben dem der Humpis aus dem Hause Ratzenried. Und wie diesen noch 1545 dieses Haus gehörte, so wohnte auch 1473 dort der alte Jos Humpis und wahrscheinlich war es auch das Heim seiner Ahnen. Nach den Steuerlisten wohnten in dem Gesellschaftshause 1473 auch drei der ersten Gesellschafter, 1482 einer, 1497 erscheint als Bewohner der zweite Regierer Hans Hinderofen, der auch 1506, 1512 und 1521 dort seine Heimstätte hatte. Daneben wohnte noch ein oder anderer, den wir wohl als Knecht der Gesellschaft ansehen dürfen. Für eine üppige Wohnung war da kein Raum vorhanden, aber Hans Hinderofen bewohnte darum doch eines der schönsten Häuser der Stadt, hatte sein Skriptori und sein Lager im Hause und übersah von seinem Fenster aus das Leben auf dem Markte. 1 Wie das Haus der Welserschen Gesellschaft in Augsburg, das, wenn auch umgebaut, noch seinen alten Charakter bewahrt hat, überraschend klein ist, so hat auch die „große Gesellschaft von Oberdeutschland" nur sehr wenig Platz in Anspruch genommen und von den Lagern am „Stapelplatze" Ravensburg darf man sich keine großen Vorstellungen machen. Wir können schon aus der Enge der Räumlichkeiten ersehen, daß die wenigsten Warenballen der Gesellschaft jemals durch Ravensburg selbst kamen. Die Dauer der Ravensburger Gesellschaft war nicht eine unbeschränkte, sie erstreckte sich auch nicht auf einen größeren Zeitraum; sie war vielmehr mindestens im Jahre 1477 sogar nur auf 1 Auf Grund der lokal angeordneten Steuerlisten habe ich mit Karl Otto Müller das Gebäude wohl zweifelsfrei festgestellt, dicht dabei wohnten die Besserer, die Ankenreute und Geldlich. Die Einrichtungen der Zentrale 49 6 Jahre abgeschlossen. 1 Die Verpflichtung eines Lehrlings und Dieners vom Jahre 1485 war allerdings auf zehn Jahre bemessen, doch konnte ihn die Gesellschaft jederzeit entlassen. 2 Die Frist ist größer als bei anderen süddeutschen Gesellschaften, so waren die Nürnberger Gesellschaft Koler, wie die des Jakob Ehinger und Wolfgang Verber und der Kölner Emmerichshaen- Westerburg nur auf 4 Jahre begründet, und die Biberacher Weißhaupt lief über 4% Jahre, die des Hans Bromm in Frankfurt a. M. und die des Klaus Stalburg auf 5 Jahre (1457), die Gesellschaften des Frankfurters Claus von Eückingen (1487), Jakob Welsers, Michael Behaims (1541) sahen einen Zeitraum von 6 Jahren vor. Da die Gesellschaft von 1380 bis 1530 nachzuweisen ist, so hat sie, die gleiche Frist von 6 Jahren vorausgesetzt, sich rund 25 mal verlängern müssen, und das spricht nicht nur für die Güte ihrer inneren Organisation, sondern auch dafür, daß sie von den oberschwäbischen Städten als ein Bedürfnis angesehen wurde. Der Zweck der Gesellschaft war der Betrieb des Handels und des Transportes. Tatsächlich hat, wie sich ergeben wird, die Gesellschaft das Bankgeschäft nur gelegentlich betrieben, sehr im Gegensatz zu den Augsburger Firmen jener Zeit. Dahingegen werden wir auch Gewerbebetriebe kennen lernen. Der Handel war auf den Großhandel nicht eingeschränkt, wir werden sehen, daß die Gesellschaft mindestens an einem Platze auch den Kleinhandel betrieb. § 6. Beamte der Zentralleitung. Regierer. Erster. Zweiter. Buch- und Rechnungsführer. Ausschuß der neun Männer. Bin Aufsichtsrat oder Direktorium? Gesellen, so husa sind. Bei dem großen Umfange der Gesellschaft, von der man z. B. zum Jahre 1497 allein 38 im Handel tätige Gesellen nachweisen kann, war ei ne Gleichstellung al ler, wie sie sich bei kleineren Gesellschaften findet, undenkbar, - Ohne einen verwickelten Aufbau, bei dem sehr großeTJnterschiede der Befugnisse sich ergaben und erstrebt wurden, war es unmöglich, den Zweck der Gesellschaft zu erreichen. An der Spitze standen drei . T Begierer". Ihre Befugnisse ergebe n sich nur aus den Taten, rechtliche Besti mmungen sind nicht tib er- liefert. Bei~deF~Kölerschen Gesellscnaft heißt es: „Item zum andern, so soll Jörg Koller diser gesellschaft ein regirer und darfür von uns den andern gehalten sein, auch den namen, will und gewalt haben in allen dingen disen unsern handel betreffend, so man handelt mit kaufen und verkofen, einnehmen und ausgeben nach seinem gutbedunken zu handeln das beste uns allen zu nutz, des wir die andern im sollen gefeilig und dortzu beholfen sein und sollen alle gueter unter seim zaychen gefürt werden, so man die hin 1 Unten 3, 54. - Vgl. unten 3, 462. Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 4 IMMH . ä I W I 50 Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 1. Kapitel. § 6 3Ü& g BS . ■ ■ • HP '. *?&$?«|m 11 älM j |l?i|||| weg schickt allenthalben, wo sich das dann gepuren wirt, und er soll auch die rechnung halten und geben uns obgemelten seinen mitgesellschaftern zu dem mynsten ein mal im jar un alls geferdt." 1 Bei einer Augsburger Gesellschaft werden in den Akten die drei Hauptpartner Anton Haug, Hans Langenauer und Ulrich Link auch Eegierer genannt, 2 obwohl der Gesellschaftsvertrag selbst diese Bezeichnung nicht kennt. 3 Die Bezeichnung Begierer findet sich auch in den Fuggerschen Gesellschaftsverträgen. Zwar nicht in dem von 1494, der von 1502 sieht aber für den Fall des Vorwegsterbens von Teilhabern vor, daß zwei der Gesellschafter Verwalter, Verweser und Eegierer „ob dem handel" stehen sollen, ein dritter mit beschränkten Befugnissen soll im Handel aufgezogen werden und ihn lernen; ja im Falle der Not solle einer Begierer sein. Dieser Fall trat ein, und Jakob wurde im Vertrage von 1512 als solcher anerkannt. Hier trat die Konzentration der Geschäftsführung ein, die bei einer engen Famüiengesellschaft denkbar, bei einer vielköpfigen Gesellschaft aber ausgeschlossen war.* In einem anderen Sinne wurde das Wort Begierer in einem Frankfurter Gesellschaftsvertrage von 1502 verwendet, den die beiden allein das Hauptgut gebenden Bromm mit dem nur die Arbeit leistenden Friedrich Heyde abschlössen: „Dartzu andere unsere dienere, so wir alhie inne der stat zu unserer hußhaltunge über iare haben und gewynnen, als oberster uffseher und regierer inne und ußerhalb huses, eß sye inne wyngarten, gerten und allen Sachen wyne und fruchte mit nothdorfftiger wartunge versehen anwysen regieren, die demselben Friederiche an alle weigerunge gehorsam sin sollen." Wer mag zunächst der Begierer der Gesellschaft gewesen sein? Man denkt, wenn man in der einst von der Gesellschaft errichteten Kapelle vor den Grabstein des 1427 verstorbenen alten Henggin Humpis tritt, an ihn. Ein schriftliches Zeugnis ist nicht vorhanden. Noch mehr Gründe sprechen aber, wie wir sehen, für Budolf Mötteli den Alten, einige auch für Lütfried Muntprat. Es ist somit sehr wohl möglich, daß Henggi Humpis wie Budolf, der ältere Mötteli, erste Begierer waren, nur können sie es dann nicht ununterbrochen bis zu ihrem Tode gewesen sein, denn am 1 Sohulte 2, 270. 2 Jakob Strieder, Fürlegung, S. 523. Die sogenannte Fürlegung, eine Institution des deutschen Gesellschaftsrechtes im Zeitalter des Frühkapitalismus in Viertel] ahrsschr. f. Sozial- u. Wirtschaftsgesch. 9, 521—527. 3 Bei der Behaimschen Gesellschaft war Michel Behaim Haupt, Bechner, oberster Buchhalter und Kassierer. Falke 2, 335. 1478 nennt sich der Frankfurter Crafto Stalberg in lateinischer Urkunde principalis primus et rector ejusdem societatis. Kriegk, N. F., 443. 4 Vgl. Peterka, Zum handelsrechtlichen Inhalte der Gesellschaftsverträge Jakob Fuggers des Eeichen. Zeitschrift f. d. gesamte Handelsrecht 73, 387 bis 428. I Die Einrichtungen der Zentrale. Eegierer 51 sichersten ist von allem, daß Budolf Mötteli vor 1410 Begierer war, er lebte aber bis nach 1426, Henggi Humpis starb 1429. Im Jahre 1426 erscheint in den Zollregistern von Barcelona die Gesellschaft schon zum ersten Male unter dem Namen Josumpis, das ist Jos Humpis. Der Name Jos bleibt bis 1462 an der Spitze der Gesellschaft. Aber es sind zwei Personen. 1434 und 1437 heißt er Jos der Ältere, das ist Jos, der Sohn Henggis, der Begründer der weißen (Batzen- rieder) Linie, der 1455 tot war. Mindestens von da an kam ein anderer Jos an die Spitze, und das ist wohl des älteren gleichnamiger Sohn Jos II. In dieser Periode von 1426 bis 1462 liegen nur zwei Gegenzeugnisse vor, aber sie sind nicht beweisend. 1 1474 war Jos wieder an der Spitze. 2 Jos II. wurde 1477 zum zweiten Male beseitigt und an seine Stelle trat Onofrius (Noffre, wohl ein Sohn Fricks IL), er gab bis etwa 1496, wo er starb, seinen Namen. An seine Stelle wurde Hans erwählt, der sicher noch 1511 an der Spitze stand, 1514 war er tot. Dann übernahm Konrad seine Stelle, in der er bis 1530 zu erweisen ist. Von 1454/55 bis 1462 war wohl Jos IL der erste Begierer. 1466 ist der jüngere Bruder von Jos II, (Friedrich) mehrfach belegt. Im Dezember wird eine Urkunde von der Stadt Konstanz im Interesse von Mitbürgern, die in Friedrich Humpis Gesellschaft sind, ausgestellt, 3 im November ergeht in Brügge ein Urteilspruch für ,,la compaignie de Frederic et Josse Hompiz et compaignons". 4 Dazu stimmt es, daß auf Frick die Seeversicherungsordnung zurückgeführt wird. 5 Ebenso wird in den Barce- loneser Zollrechnungen 1467 68 und 1471 noch Friedrich benannt, er war also sicher von 1466 bis zu seinem Tode erster Begierer. Einige sichere Daten ergeben sich aus Batzenrieder Aufzeichnungen über heute verlorene Urkunden. Am 4. Februar 1458 verschrieben sich die Muntprat und etliche mit ihnen gegen Jos und Ytal die Humpis als ihre Oberen und Begierer in der Gesellschaft. Entweder handelt es sich da um den ersten Zusammenschluß der Gesellschaften oder um eine Verschreibung gegenüber neu- oder wiedergewählten Begierern. Vielleicht war nach dem Tode Jos I 1 1451. Die Urkunde im St. Galler Urkundenbuch 6, Nr. 5271, betrifft zwar der Gesellschaft Angelegenheiten und ist ausgestellt von Ital H. dem älteren und Jos dem jüngeren Vettern, aber keiner von ihnen tritt ausdrücklich als Eegierer auf. 1454 in der von Eieber, Württ. Viertel]ahrsh. f. Landesgesch., N. F., 12, 190, im Eegest veröffentlichten Urkunde heißt es zwar, daß im Namen Ital H. des Älteren und der Kaufleutegesellschaft appelliert wurde, auch daß Ital und Jos die H. die Obern der Gesellschaft seien, aber es steht doch der Prozeß u. a. auf dem Siegel von Jos. Es mag sein, daß damals der ältere Jos krank war und Ital deswegen mehr hervortrat. 2 Heyd, S. 51. 3 Heyd, S. 51. i Schulte, Zur Gesch. d. Eavensburger Gesellschaft, Württ. Viertel]ahrsh. f. Landesgesch., N.T., 11, 40. Auch das Eavensburger Bürgerbuch erwähnt ihn 1468. 5 Unten 3, vgl. auch 3, 155. ^m ■BW i i : ■ ■■!■ ' -' • -■ ^m . ....... 52 Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 1. Kapitel. § 6 1 ': i .- (1454 oder 1455) der Posten des ersten Eegierers noch offen. Eine weitere gleichartige Verschreibung der ganzen Gesellschaft wurde am 3. August desselben Jahres ausgestellt. Hatte es so lange gedauert, bis von allen Geliegern die Aufträge eingegangen waren? Die dritte Urkunde fällt vier Jahre später, auf den 3. August 1462, darin erklärt die Gesellschaft, daß Jos ihr Eechnung gelegt hat und sie ihn seiner Handlung vollkommen quitt und ledig sage. Hans und Konrad entstammten einer anderen Linie als die bisherigen Eegierer, deren Nachkommen mit ihrer Vaterstadt und mit dem Handel nichts mehr zu tun haben wollten. Der erste Begi erer der Gesellschaft hatte die oberste Leitung. Die ganze Gesellschaft gab dem ersten Eegierer seine Gewalt, und über dieses Eechtsgeschäft wurde eine Notariatsurkunde aufgesetzt. 1 Er gab den auswärts tätigen Gesellen die Prokura, 2 in seinem Namen handelten sie und nach ihm wurde die Gesellschaft vielfach benannt. 3 Diese rechtliche Stellung als erster Leiter bot eine Entwicklungsmöglichkeit, die sieh bei vielen namengebenden (epo- nymen) Gewalten findet. Hatte einmal ein Familienname mehrere Jahrzehnte hindurch in der Geschäftswelt sich durchgesetzt, so mußten die Gesellschafter es wünschen, wenigstens den Familiennamen beizubehalten, sie wählten dann nicht den Fähigsten aus sich zum ersten Eegierer, sondern den Träger eines alten und nützlichen Namens. Vielleicht war schon Jos Humpis, dem 1462 und 1477 die Gewalt genommen wurde, ein Mann, den mehr seine Geburt emporgehoben hatte als seine Tüchtigkeit. Er stand 1477 den sich von der Gesellschaft ablösenden Gesellen nahe und erschwerte den neuen Leitern außerordentlich die Geschäfte. Darüber schrieb in tiefster Seele erbost Andreas Sattler: '„Es tut uns schier am übelsten, daß uns Jos Humpiß also schändlich hindern will und die fördern, so ihm weder Gut noch Ehren nie gegönnt haben. Aber er ist ein seltsamer Mann. Das nimmt ihn niemand als die Schaufel des Totengräbers; denn sicher große Bitten sind an ihn gelegt worden. Aber es hat alles nichts geholfen; denn er will, was er will." 4 Von Noffre Humpis wissen wir zu wenig, um ihn einschätzen zu können. Sein Nachfolger Hans und Konrad waren offenbar nichts als Strohmänner, die den Namen Humpis hergaben. Sie erhielten bei den Abrechnungen nicht die höchsten Ehrungen, sondern eine runde Summe von meist 150 fl als Entgelt für die Ausnützung ihres Namens und ihren sicher nicht großen Anteil an der Arbeit. 1 Unten 3, 92. 2 Als 1477 Jos Humpis die Gewalt genommen und an Onofrius Humpis überging, wurden offenbar alle Prokura erneut, unten 3, 68. 78 und 92. 3 Vgl. oben unter Firma. 4 Unten 3, 93. Die Einrichtungen der Zentrale. Regierer 53 Bei den Fuggern sehen wir also Konzentration in die Hand eines genialen Geschäftsmannes, bei den Bavensburgern aber wird der erste Begierer zu einer Dekoration. Als zweiten Begjjr er kennen wir von 1434 bis 1458 den Namen Ital Humpis, das kann nur der Stifter der Waltramser Linie sein, dessen Todestag wir nicht kennen. An Ital den Jüngeren zu denken, verbietet sich dadurch, daß er 1743 der Gesellschaft des Ulrich Brock beitrat. 1 Dann erscheint als zweiter 1474 der spätere erste Begierer Onofrius Humpis, den dann Palle Schindelin ersetzte. 2 Von 1497 an war bis zu seinem Tode (1527) Hans Hinderofen in diesem nunmehr leitenden Amte. Dem zweiten Begier er, der wohl von vornherein einen großen Teil der tatsächlichen Arbeit trug, fiel bei einer solchen Entwicklung dann auch die wirkliche Leitung* zu. Wir werden die Zeiten Hans Hinderofens als solche bezeichnen lernen. Von seiner Hand sind uns viele Schriftstücke erhalten, namentlich zog er oft für »'die „Eechnung" — die Generalversammlungen der Gesellschaft — die Bücher aus, und namentlich sind die allerdings spärlich erhaltenen Anmerkungen für die Vorschläge bei der Eechnung meist von seiner Hand. So ist es auch begreiflich, daß ihm regelmäßig die höchste Ehrung bewilligt wurde, sie steigt von 200 auf 400 fl. Der aus Wangen stammende Junker war die Seele des Geschäftes. Der dritte Beqierer hatte die Hauptrechnung zu halten. Er war der Buchhalterr^tr-w^dftti uns nicht wundern, da einen Emporkömmling zu finden. Es war Alexius Hilleson. Wie Junker Hans Hinderofen aus vornehmem Hause in Wangen stammte, war Alexius der Sprosse einer kleinen nach Bavensburg eingewanderten Weber- Aufnahme Phot. Scherer, Ravensburg Abb. 9. Epitaph, des Hans Ilinderofen, gest. 1627, am Torbogen der ehemaligen Karmeliter (jetzt evangelischen) Kirche in Ravensburg Unten Siebentes Buch. 2 Unten 3, 9 und Ratzenried. Hag I ■ ' I ...'■■ i ■ ■ ■m WmmkS ':, ' gjffii mmm «ssa HföSB 54 Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 1. Kapitel. § 6 familie, die der Gesellschaft viele Diener stellte. In dem Notizbuche der Zentrale von 1474/75 machte Hans Hillenson, der Vater von Alexius, eine Eeihe von Eintragungen, die ihn als Eechnungsführer wahrscheinlich machen könnten, aber andererseits erfolgten auch Zahlungen von 1472 bis 1481 aus der Gesellschaftskasse durch Clemens Ankenreute, 1 Palle Schindelin, 2 Jos Mayer. 3 Am stärksten tritt Schindelin hervor, der also wohl die Kasse führte. Ich zähle auch diesen dritten Beamten zu den Begierern, weil er in ^mehreren nach der Beschäftigung geordneten Listen von Gesellen allein hinter Hans Hinderofen folgt. Ob es immer drei Eegierer gab, mag dahingestellt bleiben. Für diese Eegierer war es offenbar Pflicht, am Sitze der Gesellschaft zu wohnen und nur für kurze Zeiten — zu Messen oder um sich an kritische Orte zu begeben — verließen sie Eavensburg. Wenn man die vielen Hände festgestellt hat, die in den am Hauptsitze der Gesellschaft geführten Notizbüchern und sonstigen Papieren erscheinen, kommt man zu dem Ergebnisse, daß neben diesen drei Eegierern noch weitere Kräfte in Eavensburg tätig waren, wenn auch wohl manchmal eben heimkehrende Gesellen auch ihre Notizen machten. Mit diesen Beobachtungen stimmt eine Liste von 1497 überein. „Von den 9 manen, so der geselschaft sachen befolchen sind", waren noch bei Leben: Hans Humpis Bürgermeister, Jakob Muntprat, Lüt- fried von Ulm, Prick Brandenburg, Lütfried Besserer und der damalige zweite Eegierer Hans Hinderofen. Dann heißt es: „Item zu ina erweit die 9 man ze erfiullint: Oarolus Brisacher, Curat Humpis, Hans Wigerma." 4 Von ihnen waren nicht Bürger von Eavensburg: die Konstanzer Jakob Muntprat und Lütfried von Ulm, der Bibe- racher Prick Brandenburg und der Wangener Hans Hinderofen. Einen Vertrag über einen Altar in der Gesellschaft Kapelle unterzeichneten 1475 Jos Humpis der Alte, Clement Ankarütin, Paul (Palle) Schindelin, Diepolt Bucklin, Hans Lamparter, Jos Mayer und Klaus Steinhusler. 5 Das waren alles auch sonst nachweisbare Geschäftsleute, und alle wohnten sie in Eavensburg, und so hat es den Anschein, als ob diese sieben mit zwei nicht anwesenden (vielleicht anderwärts wohnenden) den damaligen Neunerausschuß bildeten. Er wurde gelegentlich der Eeehnung oder von einer sonst stattfindenden Versammlung von den Gesellen erwählt: „Item wissend, lieben frund, das wyer big ain andra sind gesin kürtzlich und hond nun die nüw erfeit mit an andren zwayge an derra stat, so ünß ab sind gangen." 6 Auf eine noch ältere Zeit (1454) geht ein Prozeßzeugnis. Damals wurde die Präge gestellt, ob Ttal und Jos Humpis als die Oberen der Gesellschaft und zu ihnen Prick Humpis, Hans Fry und Conrat Täschler, ihre Mitgesellen, einen Eid schwören wollten, „daß sie 3 Unten 3, 331. 1 Unten 3, 327. 4 Unten 3, 47. 2 Unten 3, 329. 333 f. 342. 361. 365. 6 Unten 3, 19. 6 Unten 3, 154. hbbwf Die Einrichtungen der Zentrale. Regierer. Direktorium 55 dem Peter Mörlin keinen gemeinen Gewalt zu kaufen und zu verkaufen, zu hantieren und aufzunehmen anders als laut ihres Antwortvertrages gegeben." x Die drei können doch kaum etwas anderes gewesen sein als Mitglieder einer beauftragten Kommission. Wenn also auch 1497 die Eavensburger in dem Ausschusse die Mehrheit hatten, so war doch nicht erforderlich, daß sie alle neun Eavensburger Bürger waren. Hält man damit die Tatsache zusammen, daß der zweite Eegierer Hans Hinderofen 1497 zu ihnen zählte und dann auch Hans Humpis aus ihnen zum ersten Eegierer erkoren wurde: „das er das hopt wil sin und sin namen buchen und gewalt geben füir ala end und in sim namen brachen", so ergibt sich, daß_die_afLnpun_fi in Direktorium b ildeten, dem die beiden ersten Eegierer 'angehörten, nicht aber der dritte, der die Bücher führte. Dabei weiß man freilich nicht, ob das zu allen Zeiten so war. Es ist leider nicht zu sagen, ob diese neun von 1497 nun die erprobtesten der Diener waren, dafür sind die Papiere der voraufgehenden 15 Jahre nicht ausreichend überliefert. Wohl aber kann man sagen, daß die altberühmten Geschlechter der Gesellschaft, die auch die größten Einlagen hatten, fast alle unter ihnen vertreten waren. Die ältere Liste hat durchweg Namen von Leuten, die auswärts gearbeitet hatten. Ob sie eine Entschädigung erhielten und welche, ist unsicher, die bei den Eechnungen von 1497 und 1500 ausgeteilten Ehrungen berühren sie nicht. Da ihnen der Gesellschaft Sachen „befohlen" waren, hatten sie doch auch wohl zu beschließen. Wenn in den Briefen von den „Herreh" die Eede ist, so sind wohl auch sie neben den Eegierern darunter zu verstehen. Waren sie mehr ein Verwaltungsrat oder ein Auf sichtsrat? Der Auf- sichtsrat der modernen deutschen Aktiengesellschaften hat vor allem den Zweck, die Geschäftsführung der Gesellschaft zu überwachen, er hat die Jahresrechnungen und die Bilanzen zu prüfen. Das Gesetz läßt aber auch zu, daß dem Aufsichtsrate oder einzelnen Mitgliedern bestimmte geschäftsführende Funktionen durch Gesellschaftsvertrag oder Statut zugewiesen werden. Wenn man das erwägt, so wäre es mögbch, in den „neun" einen mit reicheren geschäftsführenden Funktionen ausgestatteten Aufsichtsrat zu sehen. Man würde klarer sehen, wenn man die Handschriften der sieben von 1475 kennte und sie dann in dem in der Eavensburger Zentrale geführten Uotatenbuche nachweisen könnte. Ich habe dort aber leider nur wenige Hände feststellen können. Wenn man in den „Neun" den Keim eines Aufsichtsrates sehen will, so muß man sich vor Augen halten, daß ein solcher meines Wissens hier zum ersten Male erscheint, selbst die 1582 begründete Leobener allgemeine Eisenhandelsgesellschaft hatte nur ähnbche An- 1 Rieb er in Württ. Viertel]ahrsh., N. F., 12, 190. ■ ■: : ■ ■ firai PS ■ /■■■ .....:: | D t ■ ja .■ CjgHPff -■'.■:',' 56 Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 1. Kapitel. § 6. 7 m ■ ' ■; , ; CK | WM mm fange. Am Jahresende traten da die vier Leiter, unterstützt von noch vier anderen Gesellschaftern, die aus der Zahl der kapitalstärksten Teilhaber zu wählen waren, mit den Faktoren und dem Buchhalter zur Aufstellung und Kontrollierung der Jahresbilanz zusammen. 1 Am sonderbarsten sind zwei Dinge. Der tatsächliche Begierer der Gesellschaft gehörte zum Aufsichtsrate, und eine Ehrung ward dem Aufsichtsrate nicht gegeben, wie eine andere Entschädigung als der kostenfreie Lebensunterhalt bei der Bechnung nicht zu erweisen ist. Das deutsche Handelsgesetzbuch schließt die „Begierer", die geschäftsführenden Direktoren vom Aufsichtsrate aus, der Bavensburger Ausschuß gleicht mehr einem erweiterten Direktorium. Eine ähnliche Erscheinung findet sich auch heute noch bei den Aktiengesellschaft des französischen und englischen Bechtes. Das würde noch stärker hervortreten, wenn der Neunerausschuß, wie bald zu erörtern sein wird, alleiniges Stimmrecht auf den großen Bechnungstagen gehabt haben sollte. Das alles sticht von den modernen deutschen Zuständen erheblich ab. Jedenfalls ist dies Auftreten einer Delegation der Gesellen für die Geschichte des Bechtes der Handelsgesellschaften von erheblicher Bedeutung. Eine besondere Organisation darf man dahingegen wohl in den Gesellen, „so husa sind", nicht sehen. Sie werden in dem Verzeichnisse von 1497 den bei den einzelnen Geliegern aufgezählten und denen „auf der Straße" entgegengestellt. 2 „Husa" steht im Schwäbischen im Gegensatz zu draußen, es sind die nicht gerade im Augenblick der Abrechnung in den Geliegern oder auf der Straße befindlichen Gesellen, die aber doch auch für die Gesellschaft gearbeitet haben, denn sie sind ja in die Liste der Gesellen aufgenommen: „so man eren sol". § 7. Rechnungsperioden. Rechnungstage. Gemeinsame Mahlzeiten. Zahl der Anwesenden. Stimmberechtigung. Hauptgut. Höhe. Bilanz. Vergleich mit anderen Firmen. Höhe des Gewinns. Vergleiche. Die Hauptversammlung der Gesellschaft war „die Bechnung", wo der Abschluß der Bücher stattfand, die Bilanz gezogen und die Dividende festgesetzt wurde. Die Gesellschaft hatte für eine mittelalterliche eine sehr lange Bilanzperiode, die längste, die bisher erwiesen ist. Wir wissen, daß Bechnungen in folgenden Jahren stattfanden : 1458,1477,1494,1497,1500 (Abschluß des Wertbuches 15.0k- tober), 3 1503 (Bücherabschluß 4. Januar 1504), 1507 (Bücherabschluß 20. April), 1510 (Bücherabschluß 20. August), 1514 (Bücherabschluß 1 Strieder, Studien z. Gesch. kapitalistischer Organisationsformen, S. 138. a Unten 3, 48. 1497 waren es 12, gegen 3 Eegierer und 6 „uff der straus" und 17 in den Geliegern, 1500 13 gegen 3 Regierer und 16 in den Geliegern, 1507 5 gegen 4 Eegierer (als solchen wird man wohl Hans Lamparter, der auf Alexius Hilleson folgt, ansehen müssen) und 21 in den Geliegern. 3 Die Abschlüsse aus dem Wertbuche, die am Ende der Rechnung stattfanden, aus dem Ratzenrieder Rechnungsbuch. Die Einrichtungen der Zentrale. Rechnungslage 57 1. August), 1517 (nicht vor Juli), 1520 und.1525. 1 Der dreijährige Zeitraum wurde also im Durchschnitt um sechs Monate überschritten. Brom-Hey de rechneten nach jeder Frankfurter Messe ab. Stal- burg-Brom (1457) und Koler-Kreß-Saronno hatten eine einjährige Bilanzperiode, bei Weißhaupt, Haug und Behaim eine zweijährige. Bei einem Hause von so erheblichem Umfange wie die Fugger war eine Inventur eine sehr schwierige Arbeit. Zwischen dem 14. Februar 1511 und dem 31. Dezember 1527 scheint keine auf eine Inventur begründete Bilanz aufgestellt worden zu sein;" Wer war bei dieser Bechnungsablegung anwesend und stimmberechtigt? Wir haben über die Kosten, die bei einer solchen Bech- nung für die Verpflegung der Gesellen der Gesellschaft erwuchsen, eine genaue Bechnung von 1477. 3 Die gemeinschaftlichen Mahlzeiten dauerten vom 22. August bis zum 24. September, also 34 Tage. Das Frühstück wurde offenbar nicht gegeben, und auch nach dem Abendessen gingen die Gesellen wohl auf die „Stuben". Der Aufwand belief sich auf 111 fl 5 ß und 4 JS\. Nun führt leider der sonst sehr sorgfältige „Hofmeister" nie die Zahl der Personen an und es gibt auch keine Art der Nahrungsmittel, die ganz glatt zu berechnen ist. Am ehesten kommt man mit dem Weine durch. Durchschnittlich wurden täglich 66%Maß getrunken. Die Fleischrechnung ergibt 424 U Bindfleisch, neben dem täglich noch ein zweiter Fleischgang üblich war. Bechnet man %£f Suppenfleisch auf die Person, so kommt man auf zusammen 1700 Personen, diese verteilen sich, da 6 Fastentage in die Zeit fielen, auf 23 Tage. Das wären täglich 78Per- sonen. Noch weniger ist die Kost dieser Fastentage zu berechnen, da die Zahl der Eier nicht feststeht und die Fischsorten zu ungleiches Maß haben. Im ganzen wird man auch—eine große Eß- und Trinklust vorausgesetzt — bei diesen regelmäßigen Unterbrechungen der Arbeit doch wohl auf eine Durchschnittszahl von 50 bis 70 Personen rechnen dürfen. Ein einzelnes Essen hebt sich nicht als ein „Dividendenessen" ab, alle hatten den gleichen Charakter einer recht guten bürgerlichen Mahlzeit mit zwei Fleischgängen. Auf die zum Teil recht amüsanten Einzelheiten der Bechnung gehe ich nicht weiter ein. Die Zahl der Tischgenossen ist recht groß. Es waren sicher anwesend die zu Hause weüenden Gesellen, vor allem diejenigen, 1 Die sonstigen Zeitangaben zumeist nach dem spätesten Datum des Abschlusses der letzten Eechnungen der Gelieger gemacht. In den Kechnungsbüchern der Stadt werden mehrfach Eechnungen der Stadt mit der Gesellschaft über die Steuer ihrer Mitglieder angeführt. Möglicherweise fanden diese bald nach der Abhaltung der Gesellschaftsrechnung statt. Entscheiden läßt sich das nicht, da die Rechnungen nicht vollständig vorliegen und es auf beiden Seiten an sicherem Vergleichsmateriale fehlt. Städtische Abrechnungen fanden 1468, 1472, 1478, 1488, 1489 und 1491 statt. 2 Strieder, Die Inventur der Firma Fugger 1527 (Zeitschrift f. d. gesamte Staatswissenschaft, Erg.-Heft 17), S. 2. 3 Unten 3, 26—33. i m HP ■BHH 1 I ■ i ■ : -1. m 58 Zweites Buch. Organisation der] Gesellschaft. 1. Kapitel. § 7 welche während der Bilanzperiode eine Eeehnung geführt hatten, dann die, welche von den Geliegern eben die Eechnnng hergebracht hatten, aber sicher waren auch anwesend einzelne Gesellen, die nicht mehr im Dienste tätig waren, aber auf ihre Einlagen und deren Ertrag Obacht geben wollten. Ohne sie ist eine solche Ziffer nicht zu erklären. Vielleicht waren auch Frauen anwesend. Wer stimmberechtigt war, erfährt man natürlich aus einer Küchenrechnung nicht. Aber es liegt doch wohl in der Natur der Gesellschaft, daß alle Männer, die im Handel der Gesellschaf t tätig gewesen oder es noch waren, zur Abstimmung befugt waren. Doch mag es auch sein, daß nur die neun eine Stimme abzugeben befugt waren. Leider ist das nicht festzustellen. Für die Größe des Hauptgutes haben wir zwei zuverlässige Angaben. 1510 betrug es rund 117 000 fl, auf der Eeehnung wurde beschlossen, es um 15 000—16 000 fl, also auf 132 000—133 000 fl zu steigern. 1514 wurde beschlossen, es auf ungefähr 130 000 fl zu halten. 1 Die Kapitalien der nicht mitarbeitenden Gesellen wurden nicht einfach anwachsen gelassen, vielmehr wurden erhebliche Beträge „ausgesetzt", so daß solche Kapitalien nur langsam anwuchsen. 2 Das deutet nicht auf eine gefühlte Kapitalnot. Für die Zeit nach 1514 halte ich ein Sinken des Hauptgutes für wahrscheinlich. Weit unsicherer sind die Angaben der um 1650 entstandenen Genealogia Lindaviensis (Lindauer Anonyme Geschlechtsregister), die behaupten, dieHumpis-Gesellschaft habe Anno 145. bei 300000 fl Kapital 100000 fl Gewinnung gehabt. 3 Eine volle Bilanz der Gesellschaft ist nicht erhalten, aber die eine Seite: die Activa von 1497 hat Hans Hinderofen auf einem Blatte zusammengeschrieben. 4 Er gibt den Wert der Gelieger erst in der betreffenden Ortswährung, dann die Valuta und endlich den Be- trag{in rheinischen Gulden. Ich ordne nun die Gelieger nach der Höhe!des Wertes. Nürnberg.......42642 fl Genua........67400 & Maüand.......82570 & Valencia.......17380 & Flandern....... 3484 2* 7/?g Saragossa . •...... 9886 & Eavensburg...... 8621 & Lyon, Avignon ..... 9 915 fl (ä 12 ge) Isny, Kempten, Wangen, Staufen....... 949 U Konstanz.................. Barcelona, Sensale und sonst......... Venedig .................... 1_ TTnten _ 3r497 2 ~Vgl7§24^ Humpis, Jakob v. Wetzelried dau. * Unten 3, 47. 44 ß 66/ff 15 ß 4/J6 16 ß 35 ß 29 ge = lfl = lfl = lfl = lfl = lfl = lfl = lfl 35 ß = 1 fl 42 642 fl 30636 fl 25021 fl 23173 fl 15486 fl 12357 fl 4926 fl 4102 fl 542 fl 343 fl 80 fl 50 fl 3 Stadtarchiv Lin- Die Einrichtungen der Zentrale. Finanzwesen 59 Zu diesen Posten, die sich auf einzelne Plätze beziehen, kommen noch: Gute Schulden, die zu Ravensburg im Buch stehen. . 1548 fi Halbe Gewinnung................. 4567 fl Ergibt an Werten.................165473 fl Ficht berechnet sind die zweifelhaften Schuldner. Sowohl in Eavensburg wie in den Geblegern war es üblich, diese bösen und zweifelhaften Schulden nicht in die Berechnung der Werte aufzunehmen. Von den Passiven kennen wir ziffernmäßig nur die eine: was wir in Ravensburg sollen: 1497 waren es 8135 fl. Die gleichen Posten der Gelieger waren offenbar schon von deren Aktiva abgezogen. Ist das richtig, so fehlen uns auf der Seite der Passiva noch das Kapital der Gesellschaft und der Gewinn und vielleicht auch Rücklagen, von denen wir freilich auch sonst nichts hören. Während ich es sonst vermeide, die mittelalterlichen Zahlen mit heutigen zu vergleichen, so reizt es mich doch, hier eine Ausnahme zu machen. Nach der von Oahn, Münz- und Geldgeschichte der im Großherzogtum Baden vereinigten Gebiete 1, 384, gegebenen Tabelle war 1480 und 1499 bis 1512 der Goldgehalt des Goldguldens gleichmäßig gleich 2,527 Gramm Peingold — 7,05 Goldmark. Da wir Kapital, Gewinn und Rücklagen auf 165473 — 8135 fl = 157338 fl setzen müssen, so sind das 397 Küo 593,126 Gramm = 1109232,90 Goldmark. Die Verschiebung in der Kaufkraft von damals bis 1914 wäre weiter zu berechnen, wenn wir dafür einen irgendwie sicheren Schlüssel hätten. Den Vergleich mit heute zu ziehen wäre überflüssig, denn heute steht die Geldgebarung der Welt vor einer Katastrophe sondergleichen. Vergleichen wir damit andere Gesellschaften! Das Hauptgut der Gesellschaft „Jakob Fugger und Gebrüder Söhne" belief sich 1511 auf 245463 fl, doch kann man da die „liegenden Güter, Häuser, Hausrat und Silbergeschirr", das bei der Ravensburger Gesellschaft überhaupt nicht erscheint, mit rund 32 000 fl noch abziehen, so daß ein Verhältnis von 213 :132 herauskommen würde. Das Hauptgut der Nürnberger Welser betrug 1527 rund 66000 fl, das der Muttergesellschaft Welser-Vöhlin ist leider nicht genau bekannt. Die 1541 begründete Gesellschaft Michael Behaim in Nürnberg hatte 12 000 fl Kapital, die des Claus von Rückingen (1487) von Prankfurt a. M. 12000 fl, Claus Scheid ebenda 1490 12315 fl, 1 Hans Bromm ebenda 1503 8000 fl. Die Gesellschaft Haug hatte 1531 ein Betriebskapital von 106184 fl. Die Gesellschaft Weißhaupt nur 3000 fl. Dietz berechnet freilich sehr unsicher für die Frankfurter Gesellschaft des Johann von Mehlem und Genossen ein Hauptgut von 60000 bis 70000 fl, was ich stark bezweifle, 2 Apelbaum schon für die Baseler 1 Dietz, Alex., Frankfurter Handelsgeschichte 1, 231. 2 Dietz 1, 245. Hm^^oi mmm SM 1 . - : Uli 60 Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 1. 2. Kapitel. § 7. 8 .--..;.■■: I . m ESI Y. WbBBB& s BKS Gesellschaft Halbisen-Kilchen 40000—50000 fl. 1 Die Bavensburger Gesellschaft versicherte 1477 nach dem Austritt der Ankenreute wiederholt, daß es ihr am Hauptgut nicht fehle. 2 Über die Höhe des Gewinnes haben wir folgende zuverlässige Angaben: 1477 wurden 21 % auf die dreijährige Bechnungsperiode, 3 1504 27%, 1507 mindestens 22%, 1510 25%, 1514 21% verteilt. 4 Diese Bechnungen umfassen 14 Jahre Geschäftstätigkeit, das ergibt eine jährliche Verzinsung von 6,78 %. Für die Zeit von 1485 bis 1494 haben wir die Angaben, daß sich in dieser Zeit ein Kapital verdoppelt habe, das sind drei Eechnungsperioden. 5 Bei einer Annahme von je 26 % für jede Eechnungsperiode kommt in der Tat heraus, daß bei Berechnung von Zinseszins aus 100 fl 200,04 fl werden. Das ergibt für 1485—1494 und 1500—1514 dann auf das Jahr gerechnet eine durchschnittliche Verzinsung von 7,504 %. In früheren Zeiten muß der Ertrag viel höher gewesen sein; denn mehr wie einmal begegnet uns in den Papieren von 1474 an die Klage: die Gewinne sind klein und schmal um und um, es ist nicht mehr wie einst. Die Höhe dieser nachweisbaren Gewinne sticht weit ab von den weit höheren Gewinnen, welche andere Gesellschaften erreichten. Die Fugger haben von 1511 bis 1527 bei einem Kapital von 197 000 fl einen Eeingewinn von 1824000 fl erzielt. Wenn man dann — wie es regelmäßig geschah — diesen Schlußgewinn auf die 17 Jahre gleichmäßig verteilt und dann mit dem ursprünglichen Kapital vergleicht, so kam man auf einen Jahresgewinn von 54,5 %. Doch das ist ein irriges Bild. Bei den Fuggern darf man ein einmaliges Umsetzen des Kapitals voraussetzen und daher Zins und Zinseszins auf jedes Jahr rechnen, das ergibt einen Durchschnittssatz von 14,66 %. Freilich ist dieser Satz ja auch ein fehlerhafter, weil er die Jahresgewinne gleichmacht und weil die Auszahlungen in dieser Periode ungleich waren. Diese beliefen sich nach der Inventur von 1527 auf zusammen 420322 fl. 6 Da diese Summen nach und nach aus dem Geschäfte verschwanden und also nicht mehr mitwirkten, ist die oben gewonnene Ziffer von 14,66 % zu niedrig, man wird wohl auf 20 % schließen müssen. Bei den Welsern betrug der Gewinn von 1502 bis 1517 in 5 Eechnungen durchschnittlich 8,875 % auf das Jahr. Allerdings behauptet Lukas Eem, daß der währe Gewinn viel höher und von den Herren böswillig herabgesetzt worden sei. 7 Er begründete mit seinem Bruder die Firma Endras ■ 1 Apelbaum, Baseler Handelsgesellschaften im 16. Jahrhundert mit besonderer Berücksichtigung ihrer Formen (Baseler Dissert. 1915), S. 29. 2 Unten 3, 54, 81. 3 Unten 3, 52. 4 Diese Ziffern ergeben sich aus dem Eatzenrieder Eechnungsbuche für Jakob von Wetzelried. Siehe das Nähere in § 24. Dazu stimmt für 1510 die Berechnung für Ulrich Blarer. 6 Unten 3, 485. • Strieder, Die Inventur, S. 114. T Schulte 1, 642. Finanzwesen. Die Stellung der Gesellen 61 Eem und Gesellschaft, diese erreichte von 1518 bis 1540 in 8 Eech- nungen einen Gewinn von durchschnittlich 7,5 °/ 0 } Bei reinen Warengeschäften war der Gewinn weit schmaler, Michael Behaim konnte in den ersten 4 Jahren 7—8 % herauswirtschaften, dann hatte er gar Verluste, 2 die Gesellschaft Claus Scheid« des Alten in Frankfurt a. M. erzielte in den 10 Geschäftsjahren von 1490 bis 1501 durchschnittlich 6,37 %. 3 Eine Gesellschaft, die nur zu einer solchen Gewinnverteilung gelangen konnte, wie sie die Eavensburger in ihrem letzten Drittel erreichte, hätte nie eine solche Ausdehnung ihrer Unternehmungen erreicht. Es ist offenbar, daß 1477 bereits die glänzenden Zeiten vorüber waren, wie das ja auch die öfteren Klagen an die Hand geben. Es dürfte keinem Zweifel unterliegen, daß wir genauer nur die Tage des Niederganges der Gesellschaft kennen, nicht aber ihrer höchsten Blüte. Zweites Kapitel Die Stellung der Gesellen § 8. Privatvermögen und Gesellschaftsvermögen getrennt. Irrige Angaben über Anteile. Wertbuch. Einlage von Gütern und Schulden. Fürlegung. Stehendes und umlaufendes Kapital. Abhübe auf Geldeinlagen. Ganze und halbe Gewinnung. Einlagen von tätigen Gesellen, Witwen, Erbschaftsmassen, untätigen Gesellen. Höhe der Einlagen. Gesellen ohne Einlagen. Zahl der Gesellen. Um die Bildung des Hauptgutes aus seinen einzelnen Bestand - teüen festzustellen, ist ein Umweg notwendig. Es gilt erst Irrwege zu beseitigen und zunächst einige Tatsachen festzustellen. Die Familiengesellschaften dehnten sich im Mittelalter häufig auf alle Güter der Teilhaber, sogar auf die zukünftigen aus. So kann man es vielleicht auch für die Muntpratsche Gesellschaft annehmen, weü die Vermögen der Brüder Lütfried und Hans in Konstanz auch nach dem Tode von Hans gemeinsam versteuert wurden, jedenfalls wurden aber die Vermögen anderer Muntprats für sich versteuert. Die große Gesellschaft war aber, wie es ja auch gar nicht anders sein konnte, eine societas certae pecuniae; sie hatte Einlagen ihrer zahlreichen Gesellen von ganz verschiedener Höhe. Diese Einlagen waren offenbar Teile des Gesellschaftsvermögens, und über sie verfügte die Leitung, indem sie über das Gesamthauptgut der Gesellschaft verfügte und im einzelnen, indem sie bei verschuldetem Schaden 1 Greiff, Tagebuch des Lukas Kern, 24./2Ö. Jahresbericht d. Ver. f. Gesch. von Schwaben und Neuburg, S. 32 und weiter. 2 Falke 2, 52. 3 Dietz 1, 231, gibt für 4 Jahre 8, für 6 Jahre 5% an. Auf Grund seiner Kapital- und Gewinnziffer ergibt sich die obige Zahl. tm UHU Wz 62 Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 8 hm ■ '■■■ '■'.., SP" i diesen dem Schuldigen aufrechnete. Die Angaben Gutermanns, die ernsten Zweifeln unterliegen, wollen über die einzelnen Familieneinlagen Auskunft geben. 1 Danach hätten am Ende des 15. Jahrhunderts nach der Steuerveranlagung bei der Gesellschaft hegen gehabt: Jos, Frick und Onofrius Humpiß........ 131000 fl Hans und Budolf Besserer und Schwester .... 54000 fl Teschler................... 20000 fl Geldrich.............■...... 36000 fl Weidegg .................... 12000 fl Der reiche Möttelin mit Bruder und Schwester . . 150000 fl Croaria (Sattler)................. 20000 fl Haber von Eandegg.............. 40000 fl Roth von Schreckenstein............. 100000 fl Sürg von Sürgenstein............. 24000 fl Da die Teschler und Geldrich 1477 ausschieden und vor Ablauf des Jahrhunderts nicht wieder eintraten, mußte die Liste vor diesem Jahre liegen, wozu die Namen der Humpiß passen würden. Die einzige Steuerbste vor 1477, die heute erhalten ist, ist die von 1473, sie enthält für den alten Jos Humpis nur 7500 Mark =25 717 fl an fahrendem Besitze — und das ist der an fahrender Habe reichste Eavensburger überhaupt. Die Geldrich versteuerten 4800 fl Fahrhabe, die Mdegg 11457 und die Täschler 5520. Das könnte in anderen Jahren noch annähernd stimmen. Aber die Eoth saßen in Ulm und erscheinen in den erhaltenen Eavensburger Listen so wenig wie die Haber von Eandegg. Selbst wenn man mit Nugbsch 2 Gutermann freundbcher gegenübersteht, so bleibt doch — von den eben angegebenen Bedenken abgesehen — noch der Grund, daß die Eavensburger Steuerbücher nur die Summen des begenden Gutes und der Fahrhabe angeben, nicht aber die Einlage der einzelnen bei der Gesellschaft aufführen. Im besten Falle könnte es sich um umgerechnete und auf gut Glück abgerundete Angaben über das Gesamtvermögen oder die Gesamtfahrhabe handeln. Die Vorsicht gebietet, sämtbche Angaben Gutermanns als äußerst zweifelhaft beiseite zu lassen. Oder sollten ihm noch andere Quellen zu Gebote gestanden hüben? Etwas besser beglaubigt sind dieses Mal vielleicht die Angaben der Genealogia Lindaviensis, die mögbcherweise noch Papiere der GeseUschaft, die heute verloren sind, direkt oder indirekt benutzt hat. Danach betrug der Anteil Eudolf Möttebs am Geschäftsvermögen zwischen 1435 und 1444 zwischen 16 000 und 18 000 rh. fl, und hatte Walther Mötteli 1444 eine Einlage von 7000 fl. 3 Das sind mögbche Angaben. Bei der Behandlung der einzelnen Teühaber sind viele Angaben über Einlagen gegeben, auf die hier verwiesen sei. 1 Serapeum 6 (1845), 263 f. ^Leistungsfähigkeit, S. 485. 3 Nach Einsicht der Quelle selbst. Die Stellung der Gesellen in Geldsachen 63 Die Einlagen wurden in ein „Werdbuch" eingetragen, das sehr oft erwähnt wird. Über seine Einrichtung ist bei der Buchführung zu handeln. Auch die Kolersche Gesellschaft hatte ein Gemeinbuch, „das man hayst das wertbüch". 1 Ob außer barem Gelde andere „Güter, Schulden oder Pfennwerte" wie bei der Kolerschen Gesellschaft eingelegt werden konnten, die dann in Geld geschätzt wurden und, wenn sie bei der nächsten Eechnung nicht verkauft oder eingebracht, sondern noch „vor Augen" waren, dem Einbringer an seinem „Haupte" ohne Gewinnbeteiligung abgerechnet wurden, ist nicht zweifellos zu beweisen, aber mindestens bei dem Zusammenschluß sehr wahrscheinlich. Außer der aus dem Eigenbesitze des Teilhabers stammenden Einlage kannte die Gesellschaft auch die_ ,.Fürlegung". a lso eine von der Gesellschaft selbst einem ihrer Teilhaber bewilligte Geldsumme, deren Nutzen dem Teilhaber zufiel. In den süddeutschen Gesellschaften wurde vielfach so ein Faktor an die Gesellschaft, an ihr Wohl und Wehe gebunden, der nicht von sich aus eine Einlage besaß. In dem Dienstvertrag mit Alexius Hüleson 2 wird festgelegt, daß er die ersten fünf Jahre umsonst dienen soll, dann sollen sie ihm 100 fl rh. zu Gewinn und Verlust für seinen Dienst in den nächsten fünf Jahren zuschreiben; wenn er diese Jahre nicht voll ausdient, so sollte ihm oder seinen Erben nach Anzahl der ungedienten Jahre ein Abzug an den 100 fl gemacht werden. Die Für- legung war also in diesem Falle nicht nur als Nutznießung gedacht, sondern als ein Eigentum des angehenden Faktors. In diesem Falle handelte es sich um einen Abkömmling einer Weberfamilie, die der Gesellschaft schon mehrere tüchtige Gesellen geliefert hatte. Gerade für ärmere junge Leute war eine solche Fürlegnng zugleich ein Entgelt und der Anfang einer Kapitalsbildung, für die Gesellschaft ein Mittel, das Interesse dauernd zu unterhalten. Doch auch sonst Heß sich durch eine von der Gesellschaft gestellte Fürlegung einem älteren verdienten Teilhaber der Dank bezeugen. So wurde dem langjährigen tatsächlichen Leiter der Gesellschaft Hans Hinderofen bei den Eechnuhgen von 1497 bis 1517 eine Für- legung von je 1000 fl bewilligt, die wohl nicht in das Eigentum Hinderofens überging, sondern diesem nur auf beschränkte Zeit den darauf entfallenden Gewinn zuwies. 3 1497 erscheinen zwei kleinere Fürlegungen für andere verdiente Faktoren. 700 fl für Polai Zwick und 400 fl für Battista Sattler. 4 1 Ähnlich bei der Stalburgschen Gesellschaft in Frankfurt (1473). 2 Unten 3, 462. 3 Das Fehlen 1507, 1520 und 1525 kann natürlich ein Zufall sein. 4 Über die „Fürlegung" in süddeutschem Gebiete vgl. Jak. Strieder, Die Fürlegung. Er belegt sie für Frankfurt (Stalburg-Brom 1476, Hans Bromm 1502), Ulm (Weißhaupt-Schreiber-Dittmar 1491), Augsburg (Haug-Langenauer- Link von 1531—1557) in zum Teil von den angeführten Fällen weit abweichenden Arten. l^^flHHI - W 64 Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 8 Wenn eine Gesellschaft sehr reichlich mit Fürlegungen vorging, deren Eigentum sie sich selbst vorbehielt, so entstand mit der Zeit eine sehr erhebliche Summe dauernd mittätigen Hauptgutes der Gesellschaft, die die Einlagen vielleicht gar übertraf. Da wir aber so wenige Nachrichten über einzelne Fälle haben, ist die Eavensburger Gesellschaft wohl im wesentlichen auf die wahren Einlagen ihrer Teühaber gegründet geblieben. ^aj^tehend^^^pjtal, das in Häusern, Lagern usw. besteht, war, wie bei fast allen Handelsgesellschaften des Mittelalters, Verhältnis; mäßig_gering. In sämtlichen Geliegern wohnte man zur Miete, eine ""ZeiFhlndurch hatte man bei Valencia eine Eaffinerie. So verblieb von dem Kapital weitaus der größte Betrag für das umlaufende Kapital übrig und, wie bei jedem Handlungsgeschäfte, ließ es sich durch Inanspruchnahme von Kredit mehren, wovon jedoch die Gesellschaft, wie wir sehen werden, einen mäßigen Gebrauch machte. Bei der Gesellschaft war es den Gesellen möglich, einen Teil ihrer Einlage im Laufe der Vertragszeit zurückzuziehen. Bei der Koler- schen Gesellschaft ist uns die Bestimmung im Wortlaut erhalten: „Item zum sibenden, so mag ein yder under uns mit wissen unser andern geselschafter im jar vor einer rechnung zu seim geprauch aus der gesellschaft nemen siben gülden aufs hundert ungeferliche doch nit auff ein mal, sundern auf fler mal im jar sol solches geschehen und ausgetaylt werden einem yden nach anzall seins haupt gütz." Da diese Gesellschaft jährlich Abrechnung hielt, lagen die Verhältnisse anders als bei der Eavensburger, die dreijährige Büanz- perioden hatte. Die Weißhauptsche Gesellschaft gestattete die Herausnahme von 10 % des Hauptgutes, das Herausgezogene solle aber bei den alle zwei Jahre stattfindenden gemeinsamen Eech- nungen ,,on all gewinung" abgezogen werden. 1 Die Eavensburger Gesellschaft unterschied nun solche Eück- zahlungen, welche ganze und halbe Gewinnung verloren, 2 und da könnte der Unterschied gewesen sein, daß das in den ersten anderthalb Jahren zurückgenommene Hauptgut ganze Gewinnung verlor, das aber, was in der zweiten Hälfte der Büanzperiode entnommen wurde, auf die halbe Gewinnung verzichten mußte. Doch ist das sehr zweifelhaft. Ich machte bei der Prüfung der Einzelangaben nun zwei Beobachtungen: Die „ganze Gewinnung" ist in der Eegel in runden Gulden angegeben, die „halbe Gewinnung" bestand ebenso regelmäßig in Summen, die sich auch aus den kleinsten Münzen zusammensetzen. Das legt nahe anzunehmen: bei der ganzen Ge- 1 Jos. Strieder, S. 30. 2 Das Verzeichnis der „halben Gewinnung" 1514 beginnt mit den Worten: „hie nach staut: geseien her uss hand genomen, halb gewin verliurtt." Entsprechend bei der „ganzen Gewinnung". 1520: hie noch so staud die halben gewin verlürentt. Die Stellung der Gesellen. Finanzsachen 65 winnung handelt es sich um Entnahme von Geld, namentlich um die Verringerung des Geschäftsanteils, bei der halben um die Entnahme von Waren oder von Geldbeträgen für den Lebensunterhalt. An jener sind vorwiegend Posten beteiligt, deren Inhaber nicht mehr aktiv tätige Gesellen sind, an der halben Gewinnung umgekehrt mehr die Faktoren. Aber das ist keineswegs schroff durchgeführt. Hans Hinderofen hat unter der Eubrik „ganze Gewinnung verliert" nichts, ,,halbe" aber zusammen 2006 fl, am höchsten ist der Betrag 1517: 580 fl. Alexius Hillenson verliert in 3 Posten an ganzer Gewinnung 120 fl, an halber aber in langen Jahren 995 fl 16 ß 7 hl. Der höchste Betrag, der bei einer Bechnung abgehoben wurde, beläuft sich bei der ganzen Gewinnung auf 536 fl (Gessler Erben), bei der halben Gewinnung auf 580 fl (Hans Hinderofen). Direkte Zeugnisse sind mir nur folgende aufgestoßen: „Ulrich Gessler soll von Ulrich Blarer wegen 28 fl 12 ß in Gold mit samt halber Gewinnung, ist 3y 2 fl, ist in all 32 fl 2 ß in Gold, so er zn ISTürenberg für in hat ausgegeben gleich Blarer lauter angibt 32 fl 3 ß 6 hl." 1 Der Bechnungsführer Blarer hatte für Gessler das in Nürnberg bezahlt, der Betrag wird mit halber Gewinnung Gessler zu Lasten geschrieben. „Item zahlt Alexius Hilson hat ihm Ulrich Blarer zuviel zugeschrieben 9 fl 0 ß 2 hl. mit der halben Gewinnung 10 fl 9 hl., zahlt Alexius bar 10 fl 5 /?." Alexius korrigiert einen Fehler durch Barersatz. 2 Ich habe die sämtlichen Konten über ganze und halbe Gewinnung aus der Zeit von 1497 bis 1525 zusammengestellt. Es sind 126. Alle Einzelkonten sind auch Teile des Gesellschaftskapitals, aber es steht nicht fest, ob wir damit alle Konteninhaber auch kennen. Es wäre denkbar, daß Konten fehlen, bei denen eben niemals eine Minderung des Gewinnanteils eintrat. Aber sehr viele sind das sicher nicht, die vorhandenen Konten kehren meist Jahr für Jahr wieder. Wenn wir also im wesentlichen die sämtlichen Konteninhaber kennen, die eine Einlage bei der Gesellschaft haben, so dürfen wir das Material nun auch dazu verwenden, um festzustellen, ob die Gesellschaft nur Einlagen hatte von Gesellen, die persönlich sich an den Handelsgeschäften beteiligten. Von den Konten sind 14 Konten von Töchtern oder Witwen, und überall handelt es sich wohl um Angehörige alter Gesellen der Gesellschaft. Sehr erheblich ist die Zahl der Konten von ungeteilten Erbschaftsmassen (21). Die nach Palle Geßler blieb mindestens 22 Jahre ungeteilt. Es war offenbar das Prinzip der Gesellschaft, als gewinnbringende Einlagen die Erbschaften von alten Gesellen und Dienern und die Anteile von Witwen oder Töchtern zu behalten. Wenn man die Namen der Erblasser sich ansieht, so er- 1 Unten 3, 42. 2 Wenn die erste Angabe stimmt, so betrug der halbe Gewinn rund 10%, andernfalls aber 11,3%. Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 5 ■ i ■-■-■f:if\' | ■ I HB lilfillP *Ü$P 06 Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 8 «ggf: i 1 ■ ■ I i ■ §f ■: . - ' l :' ■ m ■ kennt man sofort meist in ihnen nachweisbare alte Gesellen. Ich habe sie mit einem Stern bezeichnet. Die Schwestern von St. Michael bewohnten das Ravensburger Klösterchen. Ganze Halbe — 31. 4. 8. 403 + 211 79 + 85. 86. 8. 267 + 498. 30. 8. 203 + 165 725 + 554 952 + 835 — + 17 450 3 196 394 510 * Bader, Conrad, Erben....... 1500 Besserer, Heinrich, Erben..... 1497—1500 * Besserer, Lutfried, Erben..... 1507—1525 * Blarer Ulrich, Erben....... 1517 * Gässler, Gabriel, Erben...... 1517 * Gässler, Palle, Erben....... 1503—1525 * Gässler, Ulrich, Erben....... 1514—1525 Grineberg, Jörg Meister. Erben . . . 1510 — 4 * Hülenson, Hans, Erben...... 1497—1520 492 -4 Hoff, Jörg von, Erben ...... 1525 102 4 Humpis, Heinrich, Erben..... 1497—1503 307 4 Humpis, Jacob alt, Erben..... 1503—1517 481 4 * Humpis, Onofrius, Erben...... 1497—1503 471 4 St. Michael, Schwestern von..... 1497—1517 45 4- 28 * Rudolf, Jacob, Erben....... 1510—1517 139 4- 376 * Sattler, Andreas Kinder...... 1503—1507 46 4- 38 * Schindelin, Palle, Erben...... 1497 ------1-28 * Steinhaus, Thomas im, Erben . . . 1497—1514 463 + 239 Stöbenhaber, Eglolf, Erben .... 1517 16 4- 5 Ulm, Hans von, Erben...... , 1514—1520 7 4- 4 * Ulm, Lutfried von, Erben ...... 1507—1514 406 4- 212 Wigermann, Hans, Erben..... 1503—1517 261 4- 297 Auf Grund des übrigen Quellenmateriales können wir auch die verbleibenden 91 Konten noch teilen in solche, für deren Inhaber wir den Beweis haben, daß sie wirklich tätig waren, und in solche, wo solche Beweise fehlen. Zu ersten rechne ich nicht weniger wie 64. Es bleiben nun noch 27 Konteninhaber übrig, von denen jedoch als früher sicher im Geschäft tätig Andras Brandenburg ausscheidet. Den Rest büden diejenigen, die man als vermutlich rein kapitalistisch beteiligte Männer bezeichnen könnte. Besserer, Heinrich, Ravensburg. Blarer, Jörg, Konstanz. * Brendle, Hans, Markdorf. Croaria, Hans von, Konstanz. *Flur, Walther, Biberach. * Gremiich, Wolf, Ravensburg. * Grünenberg, Meister, Ravensb. * Hertenstein, Jakob von, Luzern. Hoff, Jörg von, Konstanz. Humpis, Hans Sigmund, Rav. Humpis, Jakob, Ravensburg. * Hürter, Mathäus Barbier, Rav. Mooshain, Palle von, Ravensburg Mooshain, Hans von, Ravensburg Muntprat, Gallus, Konstanz. Muntprat, Jakob, Konstanz. Muntprat, Jos., Konstanz. Muntprat, Ulrich, Zürich. Nidegg, Jörg von, Lindau. Mdegg, Jörg, von, Ravensburg. Mdegg, Palle von, Ravensburg. Ratzehried, Bastian von, Rav. Ulm, Conrad von, Konstanz. Ulm, Hans von, Konstanz. * Uelin, Dr. med., Ravensburg. Wigermann, Hanns, Ravensburg. Die Stellung der Gesellen. Finanzsachen 67 Aber auch unter ihnen sind noch sicher einige, die auch persönlich am Handel teilnahmen. Nur die 7 mit Stern bezeichneten Personen gehörten Geschlechtern an, die nicht durch andere Namen als tätig am Handel beteiligt erwiesen sind, bei anderen kann es sein oder war die Einlage Erbteil der Mutter. Der Stadtarzt und der Barbier von Eavensburg waren sicherlich keine Kaufleute. Es ergibt sich mit Sicherheit, daß die Gesellschaft zwar wohl Einlagen weiterführte, die von tätigen Gesellen herrührten, nicht aber in irgend erheblichem Umfange auch Einlagen von ganz fremden Personen aufnahm. Einen gewissen Anhaltspunkt für die Höhe der einzelnen Einlagen bieten die Verzeichnisse über „halbe" und „ganze Gewinnung". Die höchsten Posten begegnen bei Hans Hinderofen: 580 fl (h. G. 1517, er hebt auch sonst nie unter 220 fl ab), dann Ulrich Geßler Erben: 536 fl (g. G. dazu 459 fl h. G. 1514, auch sonst regelmäßig große Abhebungen), Heinrich Besserer 502 fl (g. G. + 231 fl h. G. 1507, auch sonst), Ulrich Blarer Erben 498 fl (+267A h. G. 1517), Jakob Eudolf 481 fl (g. G. 1525), Oswald KreU 430 fl (+ 216 fl g. G. 1514, 1503: 200 + 300 fl), Hans Arnolt 390 fl (g. G. 1514), Hans Konrad Muntprat 357 fl (g. G. 1497), Alexius Hilleson hatte sein Maximum: 284, Gabriel Geßler 268, Konrad von Ulm 259, Moritz Hürus 234, Hans Kloter 232, Hans Hilleson jung 229, Jakob Humpis der Alte 211, Gallus Muntprat 204, Jakob von Hertenstein und Palle Geßler je 200 fl. Wenn die Gesellschaft 10 % der Einlage abheben Keß — und irgendeine Grenze des Abhubes mußte bestehen, sonst wäre die Gesellschaft ja den größten Schwankungen ausgesetzt und der Laune eines jeden Gesellen preisgegeben gewesen —, so konnten die höchsten Einlagen nicht wohl unter 10000 fl sein. Doch ist auch folgendes zu beachten. Die einzige genaue Kontrolle über ein Konto der Gesellschaft außerhalb der Papiere der Gesellschaft liefert ein Eechnungsbuch für die Erben von Jakob Humpis (t 1502). Daraus ergibt sich, daß die Gesellschaft nicht ruhig die Dividenden dieser Erben zum Hauptgute schlug, vielmehr sie ganz oder teilweise „aussetzte" zur Zahlung auf 6 oder 7 Frankfurter Messen, und dieseBeträge aus dem Wertbuche ins Schuldbuch übertrug. Folgende Tabelle gibt den Überblick: Dividendensatz Rechnungsjahr Hauptgut mit Dividende fl ß hl 27 1503 2561. 14. — 22 1507 3133. 13. 4. 25 1510 3250. — — 21 1514 3630. — — Abgesezt fl ß hl 3. --------- 1 533. 13. 4. 250. — — 630. — — Bleibt an Hauptgut fl ß hl 2558. — — 2600. — — 3000. — — 3000. — — HO 1 Herausgenommen für Fastengut. passet ; • ■ I w . m &m I '■'•I i I 68 Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 8 Die in der Bechnung von 1507 ausgesetzte Summe wurde erst 1511, die von 1510 erst 1512 von dem Vormund der Erben als Einnahme gebucht, vor 1503 wurden aber regelmäßig alle Messen 43 fl eingetragen, es waren also 1500 258 oder 301 fl ausgesetzt worden. Wenn also uns nun in den Papieren Anweisungen auf Zahlungen begegnen, so brauchen das nicht gekündigte Kapitalien zu sein, sondern sind wohl zu allermeist Dividenden oder ausgesetzte Beträge. 1 Es gibt noch einen anderen Weg, um die Höhen der Einlagen annähernd zu berechnen. Für die Pastenmesse 1503 haben wir ein Verzeichnis der zu erwartenden Auszahlungen und sonst verfallenen Summen. 2 Nun enthält das Verzeichnis nur lebende Gesellen oder Erben von Gesellen. Aber die Zahlungen enthalten auch vielleicht Ehrungen und ausgesetzte Beträge. Da wir diese aber aus den Listen von 1503 und 1507 kennen, so stelle ich nur solche Posten zusammen, welche in diesen Listen nicht erscheinen. Damit erhalten wir freilich nur die einmalige Auszahlung, doch wissen wir, daß die Gesellschaft auf einer Messe nicht die ganze Summe Ausscheidender auszahlte, das wäre eine zu schwere Belastung für sie gewesen, sondern die Zahlungen auf 6 oder 7 Messen, also auf drei oder dreieinhalb Jahre verteüte. 3 Wir müssen also die Zahlung mit mindestens 6 multiplizieren. 1016, in 6 Messen 6096 fl 840, » 6 , , 5040 „ 830, » 6 , , 4980 „ 830, ii 6 , , 4980 „ 384, »i 6 , , 2304 „ 216, ii 6 , , 1296 ,. 174, u 6 , 1044 „ Hans Diepold Humpis . . . Kornethlin (wohl Muntprat) Hans Bürgi von Lindau . . Ulrich Siber von Lindau . . Wilhelm von Mdegg Erben Jakob Muntprat...... Bernhard Beichenbach Erben Das sind Ziffern, welche sich über die Höhe erheben, welche sich bei anderen Gesellschaften öfter finden. Das Ergebnis hat gezeigt, daß das Geschäftsvermögen begrifflich und buchmäßig scharf von den einzelnen Familienvermögen getrennt war. Wir sind nunmehr in der Lage, an die Frage heranzutreten, ob alle Gesellen auch wirklich Einlagen hatten, oder ob die Gesellschaft auch Diener beschäftigte, die ausschließlich durch freie Arbeitsverträge an sie gebunden war. Das größte deutsche Handlungshaus, die Fugger, war und blieb eine Familiengesellschaft von wenigen Teilnehmern, die ihr Geschäft durch bezahlte Faktoren betrieben. Und ähnlich war es bei den Augsburger und den Nürn- 1 Halbe und ganze Gewinnung erscheint auch für Jakob Humpis Erbeu 1503 bis 1517, aber die Posten stimmen gar nicht mit dem Kechnungsbuche überein, so daß ich diese Angaben auf die Erben von Jakob aus der Siggener Linie beziehe. 2 Unten 3, 384. 3 Unten 3, 49. Die Stellung der Gesellen 69 berger Welsern, bei den Haug n. a., wenn auch die Zahl der Teilhaber größer war als bei den Fuggern. Zur Beantwortung der Frage dienen uns zwei Arten von Listen, die der Diener, die bei der Eeehnung für ihre Arbeit mit einer Ehrung bedacht werden sollten, wobei ganz junge Lehriinge ausfielen, und dann die Listen über ganze und halbe Gewinnung, die, wie wir oben sahen, ebenfalls nicht alle Konteninhaber zu enthalten brauchen. Die Zahl der Diener ist enorm groß, das Unterpersonal fehlt dabei noch völlig. Die Zahl scheint aber gesunken zu sein, wenigstens die Zahl derer, die Ehrungen empfing. 1497 genannt 38, davon mit Ehrungen bedacht 31 1500 u 31, ii ii 1504 ii 25, ii ii 1507 ii 28, ii ii 1510 ii 32, ii ii 1514 ii 47, ii ii 1517 ii 33, ii ii 1520 ii 25, ii ii 1525 ii 23, ii ii ii 26 ii 25 ii 25 ii 26 ii 29 ii 33 ii 22 ii 20 In den Listen über ganze und halbe Gewinnung für 1497 werden neben 6 Erbschaftsmassen, 7 Töchtern, den Schwestern des Klösterleins 38 Männer aufgeführt, das sind der Zahl nach genau so viele als Diener, aber die Namen decken sich nicht. Das ist bei allen Listen der Fall, 1514 erscheinen bei 47 Dienern 41 Konten, davon gehen aber 12 Erbschaftsmassen und eine Eeihe von Frauen ab. Nicht weniger wie 22 Diener erscheinen in den Personallisten (einige tauchen da nur einmal auf), die niemals in den Gewinnungslisten erscheinen. 1 Das^jtnö gen zum Teil ja Lehrlinge sein oder wie die öhler und Fechter Kommissionäre. Immerhin kann man doch nicht behaupten, daß die Gesellschaft nur Gesellen zuließ, die auch durch eine Einlage an ihrem Wohle und Wehe beteiligt waren, sicher aber stand nicht einer von ihnen an der Spitze eines Geliegers. Daß nicht alle Gesellen zu ständigem Dienste der Gesellschaft ihr ganzes Leben lang angehalten wurden, geht schon daraus hervor, daß viele von ihnen städtische Beamtungen annahmen; manche Glieder reich gewordener Geschlechter taten vielleicht einige Jahre Dienst, lebten dann aber als reiche Privatleute. 1 Es sind Hans Kolb, Caspar Fels, Philipp Fechter, Baptista Ferner, zwei Hanns Geßler, Konrad Gineg, Peter Helmer, Hans Hinderofen der Jüngere, Hieronymus Humpis, Dengel Hürus, Heinrieh Lind, Hans und Hieronymus Ohler, Bartholomäus Eingier, Konrad von Eoggwil, Martin Stüdlin, Lütfried von Ulm, Urban der Junge, Bartholomäus, Jörg und Ulrich Waldmann. -iL ■ S&fSgafi |^MB|^H 70 Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 9 was : m § 9. Alle Gesellen Reichsstädter. Aufnahme von Lehrlingen. Bezahlung. Verpflichtung der Gesellen zu Treue und Fleiß, zu Schadenersatz, zu Gehorsam. Obmänner. Prokuristen. Konkurrenzverbot. Nachschußpflicht. Pflicht zur Geheimhaltung. Schiedsrichter. Austritt. Keine Übertragung der Rechte an einen Dritten. Rechte bei der Auflösung. Als Gesellen wurden nur Bürger von Eeichsstädten zugelassen. Es gibt nur eine einzige Ausnahme: Hans Brändlin, der "Vogt zu Markdorf, Bernhard Bichenbach verzog von Konstanz nach Freiburg. Auf den ersten Blick hält man einen Bitter aus altem Mini- sterialengeschlechte wie Bruno von Hertenstein-Hornstein für eine weitere Ausnahme von der Begel, allein nach seiner Ehe mit einer Humpisin war er Bürger von Bavensburg geworden. Ein Vertreter der Gesellschaft in Saragossa, Wilhelm Sevill, war wohl Spanier, aber vielleicht nur Kommissionär. Durch wen die Aufnahme der Gesellen erfolgte, wissen wir nicht. Andere Gesellschaftsverträge haben genaue Bestimmungen, und bei kleineren war es ja auch sehr wohl möglich, die Zustimmung aller bisherigen Gesellschafter herbeizuführen. Das war bei bis zu 100 Gesellen nicht durchführbar. Man darf es wohl als wahrscheinlich ansehen, daß darüber, wenn nicht die Begierer allein, so doch die „Herren'' entschieden. Die Lehrlinge verpflichteten sich durch eine schriftliche Urkunde auf eine Beihe von Jahren, Alexius Hilleson auf 10 Jahre. 1 Doch war der Gesellschaft volle Gewalt gelassen, ihm Urlaub zu geben, wenn sie wollte. Ein bestimmter Grund war nicht ausbedungen. Innerhalb dieser Frist sollte er auch nicht ohne ihre Gunst und Willen heiraten, wenn er in ihrem Dienste auswärts war. Bei den Mötteli kam es um die Lehrzeit der Neffen zum Streite. Die alten Prinzipale forderten Lehrgeld, für fünf Jahre 300 rh. fl, die jungen aber Lohn auch für die Lehrzeit. In seiner temperamentvollen Weise äußert sich Budolf über die Lehrlinge. 2 Lernknaben verwüsten oder versäumen oft vielmal so viel als sie Gutes schaffen. Andere Lernknaben speise man fast übel und läßt sie trockenes Brot beißen, die Neffen aber hätten gelebt als die obersten und besten Diener ihrer Gesellschaft. Wer ein Stallknecht sein wolle, der gebe kein Lehrgeld, aber das Gewerbe der Kaufmannschaft ist nicht so leicht zu erlernen wie das Schneiderhandwerk. Bei den Mötteli dienten welsche Lernknaben gegen Bezahlung an die Gesellschaft. „Mein Bruder Lütfried mochte zehn Jahre dienen" — bei der Bavensburger Gesellschaft — „und zu Fuß und dennoch ist viel Geld für ihn gegeben worden. Man findet, die sechs oder acht Jahre Lernknaben auf ihre eigenen Kosten gewesen sind und dann erst viele Jahre umsonst dienen mußten." Auch die Doktores müßten erst zehn oder zwanzig Jahre Lernknaben sein. Der alte Budolf er- 1 Vgl. unten 3, 71 und 462. 2 Dürr er 49, 34—39. Die Stellung der Gesellen. Kechte und Pflichten 71 dC "£- zählt, wie er bei der Bavensburger Gesellschaft zu Avignon, da die Kost wohlfeil war, 30 fl und danach, da er in der Gesellschaft Haus und Küche kam, noch mehr geben mußte; solche junge „bane- maessar" oder Lernknaben müßten gewöhnlich sechs oder acht Jahre auf ihre eigene Kostung zehren und leben. Man gebe Lernknaben keinen Lohn. Man kann aus allem ersehen, daß die Anstellungsbedingungen für Alexius Hilleson außerordentlich günstig waren. Bei Lütfried Mötteli kam es vielleicht in Frage, daß er von unehelicher Geburt war. Jeder Geselle war durch Treu versprechen an Eides Statt (Gelübde) verpflichtet auf redliches Verbringen und treuen Dienst und / auch der Gesellschaft Ordnung zu halten. 1 Die allgemeine deutsche / handelsrechtliche Anschauung verpflichtete jeden Gesellen zu Treue und Fleiß, zu Gehorsam gegenüber den Vorgesetzten. „Herren" stand es zu, jeden Gesellen dorthin zu senden, wohin es ihnen ber I /^s liebte und ohne Urlaub durfte niemand seinen Posten verlassen, i Bei der Gesellschaft galt aber sicher auch der Satz des Kolerschen I Vertrages: Keiner konnte gezwungen werden, wenn an einem Ge- j lieger Pestilenz ausbrach, dort zu bleiben oder sich in eine solche• Gegend zu begeben. 2 Im Falle nachlässiger Geschäftsführung haftete der Schuldige, ihm konnten böse Schulden zugeschrieben werden. Vor allem aber wurde der, der bares Geld ausgeliehen hatte, für die so entstandene Schuldsumme haftbar gemacht. 3 Dementsprechend heißt es in dem Kolerschen Gesellschaftsvertrage: „So soll unser keiner für niemant bürge werden, noch nyment gelt aus unser gesellschaft leyhen on willen und wissen der andern seiner mitverwanten gesellen, so er der gehaben mag, wo es aber dar über under uns einer tette, wie ob statt, das soll dem selbigen allein zu geschriben werden und gemeine gesellschaft des gancz kein schaden haben." In jedem Gelieger unterstand das gesamte Personal einem Ob- manne; er konnte Leute, die nicht gehorchen wollten, heimsenden. Mit der Führung der Bechnung war meist ein anderer Geselle betraut. Der Obmann hatte die Prokura, jedoch nicht allein, damit auch im Falle der Abwesenheit die Geschäfte ihren Gang weiter gingen. Mindestens die Prokuristen konnten im täglichen Geschäftsverkehr Bechte erwerben und Verpflichtungen eingehen, welche die Gesellschaft banden. Ein jeder mußte über die Ausgaben und Eingaben für die Gesellschaft Bechnung führen und Bechnung legen. Gestattete die Gesellschaft einem ihrer Mitgesellen die Führung eines selbständigen kaufmännischen Geschäftes oder die Teilhaberschaft an einer anderen Handelsgesellschaft? Da ein direktes Zeugnis nicht vorliegt, so muß man aus den Akten die Tatsachen 1 Verpflichtung des Alexius Hilleson, Gelübde unten 3, 45 und 71. 2 Schulte 2, 271. 3 Unten 3, 141. ■''KrisfGs; Half ,->1:; f .M> M ,■-.§* . m ; .. m 1 1 !P5 Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 9 Wm ; i Hü zusammensuchen. In Konstanz ist ein besonderes Gelieger der Gesellschaft nicht nachzuweisen. Bei dem starken Anteil der Konstanzer am Handel nimmt das wunder. In der Zeit um 1480 ist der Gesellschafter Wilhelm Bichenbach dort seßhaft, er nimmt auch Zahlungen für die Frankfurter Messe an und am ersten bei ihm könnte man auf den Gedanken kommen, daß er ein eigenes Geschäft betrieb, zugleich aber auch Teilhaber war; ähnliche Erwägungen habe ich auch bei Ottmar Schläpfer von St. Gallen angestellt. Aber erwiesen ist das keineswegs. Dem Grundgedanken der Gesellschaft, der möglichsten Einschränkung jedes Wettbewerbes, hätte eine solche Nachgiebigkeit wenig entsprochen. Der Wisslandsche Fall in Valencia ist später zu besprechen. Die Weißhauptsche Gesellschaft bestimmte: „Es soll auch unser kainer... gar keinen gewerb oder Handtirung für sich selber nüt triben noch handeln, dadurch dann daß unser gemain und gesellschaft gemindert und gehindert werden möcht on wissen und on gunsten der andern." 1 Wahrscheinlich hatte die Gesellschaft ein ähnliches Verbot. Dafür spricht auch der betreffende Paragraph des Kolerschen Gesellschaftsvertrages: Es soll keiner sonderHch Gewerbe noch Handel treiben als mit Zustimmung der andern. Leider fehlen Angaben über die unbeschränkte oder beschränkte Haftung der Gesellen oder ihre etwaige Nachschußpflicht, wir werden später versuchen, das Becht festzustellen. Die Pflicht zur Geheimhaltung der Geschäftssachen, ohne die ja keine Handelsgesellschaft bestehen kann, ist uns auch direkt bezeugt. Als 1477 die Ankenreute-Gesellschaft sich aus ausgetretenen Gesellschaftern bildete, lag die Versuchung nahe, mit den Genossen von gestern zu reden. Das wurde mehrfach ernsthaft verboten. Von Bestimmungen über die persönlichen Beziehungen der Gesellschafter untereinander ist uns nichts überliefert. Wenn der Weißhauptsche Gesellschaftsvertrag bei den Teilhabern für den Fall eines Streites sofort zwei Obleute ernannte, bei denen auch der Gesellschaftsvertrag niedergelegt wurde, so wäre eine ähnliche Einrichtung bei der viel größeren Zahl von Teilhabern und bei dem Vorhandensein einer kräftigen Zentralleitung viel weniger notwendig gewesen. Auch wendete sich keine der Parteien, als beim Ausscheiden der Ankenreute und Genossen sehr heftige Kämpfe eintraten, an solche vorgesehene Schiedsrichter. Der Austritt aus der Gesellschaft war nicht jederzeit möglich, ihrem Wesen nach war sie eine auf die Dauer des Gesellschaftsvertrages fest geschlossene. Als die Gruppe Ankenreute ausschied und eine Teilung begehrte, ,,so meinten wir, wir wollten es ihnen nach unserer Gesellschafts Ordnung in 7 Messen geben", 1 doch durch Verhandlungen kam es zu einem Vertrage auf anderer Grund- 1 Jos. Strieder, S. 31 f. - Unten 3, 61. i@§P9§£ Die Stellung der Gesellen. Kechte und Pflichten 73 läge. Im Jahre 1451 war es der Gesellschaft Ordnung, „solches Geld zu vier messen heraß ze gäben". 1 Auf die Auszahlung von Einlagen bezieht sich auch der Beschluß auf der Eechnung von 1510: „Item me, so ist man ains worden des uss gesetzen gelt, sol man jederman in 6 Frankfurter mesen zalen und die erst zalong sol an fachen in der vasten maß näst kompt." 2 Die Zahlungen auf der Frankfurter Messe sind auch aus einer Reihe von Jahren belegt. Wir wissen nicht sicher, daß für den Todesfall eines der Gesellen vorgesehen war, daß bis zum Ablauf der Vertragszeit die gesamte Einlage (abgesehen von dem zur Eücknahme für alle, auch die lebenden Gesellschafter, vorgesehenen Anteüe) liegen bleiben mußte und dann erst in vier, sechs oder sieben Messen zurückgezahlt wurde; aber es ist sowohl nach den Angaben über die vielen stehengebliebenen Einlagen von Erben wahrscheinl ch, als auch nach den Bestimmungen der Kolerschen Gesellschaft; diese bestimmte, daß wenn die Erben nach Ablauf des Gesellschaftsvertrages nicht mehr in ihr bleiben wollen, ihnen die Verbleibenden an „Pfenbartten, Schulden und barem Geld" das reichen sollen, was sich an der Eechnung erfunden hat. Wenn die Erben die Zahlung in dieser Weise nicht annehmen wollen, so soll ihnen die Summe in barem Geld in den nächsten vier Frankfurter Messen entrichtet werden zu vier gleichen Teüen. Die aus einer geringeren Zahl bestehenden Gesellschaften wurden durch jeden Todesfall viel schwerer bedroht als die große Bavens- burger Gesellschaft, ein Austritt aus anderen Gründen wäre noch Adel gefährlicher gewesen. Jene hatten in ihren Verträgen ganz genaue Bestimmungen, die aber darauf ebenfalls abzielen, eine Kapitalherauszahlung für den Ze jtraum ^des jaufe nden Gese llschafts- vertrages überh aupt zu verhindern , und der dann verlängerten Ge- sellschäffTäuch möglichst lange Termine zur Auszahlung zu sichern. Der Weißhauptsche Vertrag verfügt die Auszahlung je eines Drittels auf den drei nächsten JSJordlinger Messen, der Haugsche Vertrag sieht zehn zur Zeit der Frankfurter Messen stattfindende Zahlungen vor. Eine Übertragung der Eechte an der Gesellschaft an einen Dritten war bei diesen Gesellschaften und wohl auch bei der Eavensburger ausgeschlossen. Welche Bestimmungen die Gesellschaft für den Fall der Auflösung, die wohl von selbst einzutreten hatte, wenn sich keine Gesellen fanden, um den Vertrag zu erneuern, ist nicht überliefert. Die Kolersche auf vier Jahre abgeschlossene Gesellschaft hatte die Bestimmung, „daß wenn drei Jahre vergangen und drei Eech- mmgen geschehen waren, jeder seinen Willen und sein Gutdünken zu erkennen zu geben habe, ob er in der Gesellschaft nach der vierten 1 St. Galler Urkundenbuch 6, Nr. 5247. 2 Unten 3, 49. Nach dem Ratzen- rieder Rechnungsbuch 1507 7 Messen, 1514. 6. : sm ^m ■■ m *&« ' ■■■W%mS& a ' ' ■ ■ ^^H ifSHi am 1 . 5 ■ : 74 Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 9. 10 Bechnung bleiben will oder nicht." Diese Bestimmung hatten die Bavensburger nicht, denn die Ankenreute und ihre Freunde traten plötzlich aus und zunächst wußte man nicht, wer alles zu ihnen halte. § 10. Versorgung der Gesellen seitens der Gesellschaft. Beispiele Lutz Gessler, Heinz Wyer. Wohnung und Verpflegung. Hadergeld. Schergeld. Kleidung. Andere Bedürfnisse. Waffen. Arzt und Apotheker. Sonstiges. Pferdegezäum. Beistellung von Rossen. Inventar der Gelieger. Loskauf von Gefangenen. Auch die Verpflichtungen der Gesellschaft gegenüber den Gesellen müssen aus den überlieferten Tatsachen festgestellt werden. Mangels des Wortlautes der bezüglichen Bavensburger Bestimmungen ist zunächst auf die Kolersche Gesellschaft zurückzugreifen. Sie sagen: „Item zum virden soll es mit der zerung also gehalten werden. So einer von unsers handeis wegen ausgeschickt oder sonst mit wissen der andern auszeucht gemayner gesellschaft zu gut und zu nutz, wohin es dan kuntlich die nottorft erayschen wirt, so soll solich zerung geschehen aus gemeynem seckel und gelt diser unser gesellschaft, es sey zu rosz oder mit farn, wie es sich dan begibt, alls lang pis es wider haym kompt, erst soll die zerung abgenommen werden. Item zum fünften, so soll sich keiner beklayden von gemayner gesellschaft gelt, so er aus zeucht oder auswendig ist in handel unser gesellschaft bedreffendt, auss genomen schug, scher und padgelt, das selb soll allen in gemeyner zerung gelegt und in rechnung an- gezaygt werden alls ungferliche und zimlich sich wol gepürt." Die Bavensburger Gesellschaft hat, wie sich gleich ergeben wird, dieselben Bestimmungen gehabt. Nur waren Koler-Kreß-Saronno, wohl durch die Erfahrungen der Bavensburger gewitzigt, dazu übergegangen, die Kleidung von den Pflichten der Gesellschaft auszuschließen. Die Kolersche Gesellschaft bestimmte, daß für die Beise einem Gesellen ein gut Pferd gekauft werde, doch soll es nicht über 25 fl kosten. Nach Beendigung der Beise oder wenn er länger an einem Orte bleibt, soll er es auf das Höchste verkaufen. Nach der Gesellschaft Ordnung stand den Gesellen, die in den Geliegern weilten oder auf der Beise waren, in sehr weitem Sinne die Versorgung mit Quartier, Speise, Trank und Kleidung zu, sowie die Versorgung mit Möbeln und Geräten in den Geliegerräumen. Da der Kaufmann nicht daran denken konnte, alles auf seinen Fahrten mitzunehmen, verblieb das meiste in den Geliegern und wurden selbst die Kleider offenbar auch wohl von dem neu eingetroffenen weiter getragen. Für einen der Gesellen Lutz Gessler haben wir für eine längere Frist (2 Jahre) zusammenhängende Nachrichten. Er wohnte und speiste bei seinem Wirte um 1 fl wöchentlich, an Wein- und Biergeld, an Holzung und Badergeld verbrauchte er 18 fl 1 ß 6 hl. Er be- Die Stellung der Gesellen, ihre Versorgung KjöSfigsS schaffte sich an Kleidung einen Eock und einen Kapfenzipfel, 4 Paar Hosen, 1 Wams, 2 Wamsel aus Barchent, 1 Mantel (3 fl 10 ß), 1 Goller, 1 Kappen, und er nahm teure Stoffe Brüggisch Tuch für die Hosen (die Elle zu 2 fl 15 ß, ein andermal 1 fl die Elle), zusammen für 21 fl 18 ß 6 ,Sj. Während eines weiteren Jahres noch 1 Wams, 2 Paar Hosen, 1 Leibröcklein mit Pelzfutter, 1 langen Beitrock und 1 Hut. Er verbrauchte in den 2 Jahren 46 Paar Schuhe zu je 2 ß und 2 Paar Stiefel zu je 3 ß, wobei das Leder von ihm gestellt wurde, außerdem ein Paar „Sagelin". Er kaufte weiter 1 Paar Beitsäcke, 1 Tasche, 1 Gürtel, 1 Paar Sporen und 2 Messer (1 /? 6 hl.). Nach der sicher vollständigen Berechnung für 1477 bis 1479 ergibt sich auf das Jahr 1477/78 gerechnet eine Ausgabe eines nicht auf Beisen gehenden, sondern im Gelieger verbleibenden Gesellen von 73 fl, etwas niedriger ist die Summe für die nächsten 54 Wochen. Ähnlich ist das Ergebnis für Heinz Wyer. 1 Er verbrauchte in 2 3 / 4 Jahren 22 Paar Schuhe (von 1 ß 10 hl. bis 2 ß), weiter 2 Paar starke (2 ß), 4 Paar Winterschuhe (von 2 ß 3 bis 4 ß 2 hl., diese hatten 2 Sohlen), 1 Paar Wanderschuhe (2 ß 4 hl.), 1 Paar Stiefel (7 ß), 1 altes Paar (7 ß 6 hl.). Daneben erscheinen noch 14 Paar „Holdschuhe" zu je 5 hl. Aber auch die Schuhe warf Heinz nicht beim ersten Schaden fort, 13mal wurden Schuhe „gebletzt". Er kaufte in Frankfurt ein Bonnett für 3 Weißpfennige, in Nürnberg 2 Füzhüte (3 ß 1hl. und 4 ß 3 hl.) und einen anderen Hut für 1 ß 2 hl. An Kleidern scheint er erworben zu haben einen langen Mantel (1 fl 7 ß), zwei Wamse aus TJlmer Barchent (das eine 10 ß lhl.), ein Wams ausZwüch, einen Kappenzipfel, einen kurzen Bock und ein kurzes Mäntelchen für Gebrauch im Hause (zusammen für 3 /? 4 hl.). Wenn Heinz einen alten Bock Daniels (wohl Wolffs) wenden, füttern und für sich herrichten ließ (11 ß 5 hl.), so beweist das uns, daß die Kleider als Eigentum der Gesellschaft angesehen wurden und zum Teile am Orte blieben. Vier Hosen beschaffte er sich (eine für 1 fl 1 ß) und das eine Paar hatte er auf dem Tantel- markt erstanden (9 ß 2 hl.), war also wohl alt. Hosen, aber auch Wämser wurden lOmal geflickt. Der offenbar sparsame Mann ließ sich auch einen Hut färben. Weiter kaufte er ein Paar Handschuhe (1 ß 6 hl.), eine Tasche (4/5 8 hl.), eine Truhe zur Aufbewahrung seiner Kleider (2 ß 6 hl.), ein paar Messer (3 ß), Schreibzeug (1 ß) einen Löffel (6 hl.), eine kleine Schreibtafel (1 ß), einen Krug (3 hl.), einen Kalender (Iß 9hl.). Es ist wohl sicher der berühmte Kalender Begiomontans. Die Gesellschaft bezahlte auch 2 Bosenkränze (3 hl. und 5 hl.) und die Versäumnisgelder für Messen, die offenbar von einer Bruderschaft gehalten wurden. Die Zehrung setzt sich zusammen aus den regelmäßig wiederkehrenden Geldern für Bad, Barbier, die Zechen im Wirtshause, 1 Vgl. Magdalena Schindelin in Memminger Geschiehts-Blätter. 8. Jahrg. Nr. 6 (Nor. 1922). . *■■£■ 76 Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 10 Wein und Bier und endlich auch das Beichtgeld, Heinz beichtete regelmäßig zu Weihnachten, einmal auch in der Fastenzeit. Bndlich rechnete er der Gesellschaft auch Almosen, Gaben ins Kindbett und Neujahrsgeschenke auf, so erhielt der Knabe seines Wirtes als „Kramatt" ein Pferd, wohl ein Schaukelpferd. Die Gesellen wohnten entweder im Gelieger selbst oder bei den Obmännern oder bei einem Vermieter. So zahlte Heinrich Weyer in Nürnberg bei Jos Mayer dem Obmanne 3 / 4 fl wöchentlich für Wohnung und Speisung, in der Zeit, da er bei dem Wirte wohnte, aber 1 fl (3,328), Daniel Wolff und Lutz Geßler ebenso 1 fl (332, 334, 354), Jörg Koler in Mailand bei Claus im Steinhause 12 ß Mail. (268). Die jungen Leute zahlten in Brügge gemeüVich für das Jahr 3 U (460). Hans Hinderofen verrechnet für Genf täglich ()% gr. Savoyer, für Lyon 5 g de rey (196). In Bourg en Bresse zahlte der junge Claus Bützel 3 gr. de rey. In Meßzeiten waren die Preise höher, und in Frankfurt wurde ein Bett mehrfach besonders in Eechnung gestellt (334, 363), nicht jeder hatte eines. Heinrich Stüdlin und Ulrich Gessler zahlten 1523 in Saragossa mit einem Knechte in der Herberge an Speise, Brot, Wein und Fleisch für jeden Tag 5 ß, für „anpastos" in der Herberge für Holz und Licht zusammen 1 U 10 ß 9 $, für die Bosse 2 U 8 ß 4 ,3, (246). Während jüngere Gesellen alle Einzelposten des sonstigen Verbrauches genau aufschreiben mußten, wodurch Heinz Wyers Büchlein eine einzigartige Quelle für die Lebenshaltung eines spätmittelalterlichen Menschen wird, kam man mit älteren Gesellen auf Diäten ab, man nannte das Hadergeld auch Haidergeld (328). Es umfaßte die Zeche und das Badergeld. Heinz Wyer erhielt später, als er sich ausreichend bewährt hatte, die Woche % fl (331), Lutz Gessler verbrauchte in zwei Jahren an Wein- und Biergeld, Holzung, Badgeld und sonst allerlei in Nürnberg 18 fl 1 ß 6 ^ (334). Das Sehergeld war auch wohl auf die Woche gestellt: in Lyon 1 Blappert (197), in Nürnberg kostete das Bad je 3 oder 4 hl. (328). Das Schuhwerk kann unmöglich so gut gewesen sein als in den Zeiten unserer Großväter. Nicht Lutz Geßler und Heinz Wyer allein verbrauchten allein eine für heutige Begriffe große Zahl. Claus Bützel erwarb in einem Jahre 18 Paar Fußbekleidung (1 Stiefel, 1 Halbstiefel, 13 Schuhe, 1 Nachtschuhe, 1 segola, 1 Schelschuhe), der weit sparsamere Hans Hinderofen versah sich in Lyon mit 5 Paar Schuhen und 1 Paar Socken (197), der rüstige Wanderer Hans Her verbrauchte in 114 Tagen Alpenfahrt 3 Paar Schuhe, 8mal wurden sie ,,gebletzt". Außer den Schuhen erscheinen Stiefel, vor allem für Reisen zu Messen und sonst, Winterstiefel kosteten in Nürnberg 1 fl (3, Nr. 67), Wanderschuhe, Nachtschuhe. Auch ein Paar Fußeisen werden erwähnt und doch ritt Jörg Koler in Winterzeit den Weg von Ravensburg nach Nürnberg, sie waren wohl für das Roß bestimmt. Die Stellung der Gesellen, ihre Versorgung 77 Holzschuhe waren in Nürnberg in Gebrauch, und Heinz Wyer verbrauchte deren viele. Das waren aber keine plumpe Fußbekleidung, sondern wegen des Straßenkotes band man solche zierlichere Gestelle unter seine eigentlichen Schuhe. Auch in Brügge trug man sie (433). Die große Zahl von Schuhen ist wohl nur erklärlich, wenn man an farbige Wollschuhe denkt, wie sie uns auf Büdern jener Zeit begegnen. Auch das Tuchersche Haushaltungsbuch zählt große Summen von Schuhen auf. 1 Seltener werden Hemden genannt. Hans Hillenson zahlte an Macherlohn für 12 neue in Nürnberg 4 ß (362), Hans Her für 2 neue mit Macherlohn 14 ß 6 ^ (253), Claus Bützel kaufte sich zwei in Valencia. Für Hosen finden sich viele Posten, sie waren von sehr verschiedenem Preise. 2 Vor der Eeise kaufte man sich wohl Eeithosen (Nürnberg 8 ß in Gold, 362). Unter einem „Mderwant" sind wohl kaum Hosen zu verstehen, es kostete nur 6 hl. (Heinz Wyer). An Eöcken gab es Wamse (mit Macherlohn in Lyon 2 fl 4 gr. Savoyer, 197) und 2 fl (222). Die Wamse waren zum Teil aus Zwillich und Barchent 2 Ellen (333). Lange Eöcke. Der von Claus Frauenfeld wurde gewaschen, umgemacht, neu gefüttert für 7 ß Savoyer und dann von Claus Bützel übernommen — ein langer Bock in Nürnberg 2 fl (331). — Eock, die Elle zu 6 U Nürnberg (333). — Eeitröcke. 2y 2 Ellen, scheren und Macherlohn in Lyon 5 fl 7y 2 gr Savoyer (197), in Maüand 7 U 11 ß (254), in Nürnberg 3 fl (364) und ein langer 2 fl 3 ß (354). — Goller (334) aus brüggischem Tuche, daraus auch Hosen und Kappen. — Ein langer Mantel kostete in Nürnberg 1 fl 5 ß 4 hl. (328), ein anderes Mal 2 fl (331), weiter der Stoff 3 fl 10 ß (332). — Ein Leibröcklein mit Pelzfutter 1 fl 8 ß 6 hl. (354), Leibrock (253). — Ein schwarzer Kappenzipfel bedang in Mailand 7 ß 8 $ (249), ein Mantel aus Brister in Nürnberg 3 fl 10 ß (333), ein anderer 8 ß 6 hl. (333), in Lyon 6 gr. Savoyer (222). — Ein Eeitmantel aus 4 Ellen grauen Hotzen kostete in Nürnberg 7 ß 7 ^ (364). Friedrich Grünenberg kaufte sich in Valencia, bevor er die Galeere bestieg, einen Pelz für 1 U Val., Hans Hillenson in Nürnberg einen Brustpelz für 5 ß (365). Ein Filzhut kostete in Nürnberg 5 ß (331), ein Hut in Valencia 3 ß 4 ,3) Valenc, in Lyon 4 gr. Savoyer (222). Es erscheinen auch Barette (246, 249). Ein Tüchlein kaufte Hans Hillenson in Nürnberg für 4 ß 6 h (364). Claus Bützel erwarb in Valencia 2 Brusttücher. Ein Taschengürtel (5 ß in Nürnberg, 331) und eine Tasche waren dem Eeiter wohl unentbehrlich. Tasche und Gürtel waren aber auch wohl getrennt (5 ß, 333). Der Fußgänger nahm auch wohl 1 Bibliothek d. liter. Vereins, Bd. 134. 2 Unten 3, 197. 222 (26 und 24 gr. de rey in Lyon), 249. 365 und öfter. äü H BBH^BI WösäP* MW a&SSa&RSt& KU M 78 Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 10 1 Mm $1111 fm. wmm gern einen „aunser", Sack für Lebensmittel mit, Hans Hillenson und Heinz Wyer kauften sich solche (362). Eine Tasche zum Tragen kostete 6 ß (362). Ein Paar Eeitsäcke kosteten in Nürnberg 15 ß (343, 354), ein Bulgen in Lyon 6 gr. Savoyer. öfter erscheinen Handschuhe. 1 Nestel und Schnüre waren sehr häufig notwendig. Die Gesellen waren also von Kopf bis zu den Füßen in Geliegern und auf Eeisen auf Kosten der Gesellschaft gekleidet, nur trugen sie noch keine Taschentücher und mit den Hemden war es auch wohl schlecht bestellt. Hoffentlich sind die auf private Kosten doch beschafft worden. Die große Gefahr, üppige Kleider zu beschaffen, wurde lebhaft bekämpft, aber der Kleiderteufel war nicht zu besiegen. Viele glaubten eben nicht an den Satz, daß ein Kaufmann viele Tausende besitzen kann, ohne daß ihm ein einfaches Gewand schadet. In der Heimat ging sicher mancher in Kleidern einher, die. in Schnitt und Stoff den Ursprung in der Ferne verrieten. Dann wurden auch — wenn auch nicht oft — die Hemden gewaschen — ich finde das nur einmal notiert —, Hüte gewaschen und gefüttert, Mäntel geschoren, die Stiefel „vorgefüsst" und die Schuhe und Kleider gebletzt. Auch die Verbrauchsmittel ließ die Gesellschaft sich aufschreiben, wie Seife (328). An Waffen war dem Kaufmann ein Schwert zugestanden, mit einem solchen durfte er auch auf der Frankfurter Messe erscheinen. 2 Heinz Wyer kaufte sich eine neue Scheide für 6 ß 7 hl., ebenso Jörg Koler (364), ein Schwert kostete in Nürnberg 10 ß (354). Hans Hillenson kaufte in Nürnberg einen Eisenhut für 6 U, einen zweiten für 60 ,9} (362). Unter den Ausgaben Heinz Wyers begegnet auch ein Wurf haken (1 ß 2 hl.), über Feld zu tragen. Zwei Messer kosteten in Nürnberg 1 ß 6 hl. (333). Arzt und Apotheker gingen zu Lasten der Gesellschaft. Friedrich Grünenberg zahlte in Valencia dem Arzt 20 ß. Er kam täglich zu ihm und verordnete ihm reichlich, darunter auch Kampher (230). Thomas im Steinhaus rechnet: verarznet an einem Fuße um Pillen 2 ß (249, vgl. auch 326). Hans Hillenson gab für allerlei Arznei in der Apotheken, „als ich nit stark waß" 14 ß aus (362). Auch für einen ganz jungen Gesellen kam die Gesellschaft auf (433). Heinz Wyer kaufte sich ein Büchlein auf Kosten der Gesellschaft und ließ es einbinden. Der brave Geselle kaufte auch eine Turteltaube für das Stüblein, eine zweite erhielt er geschenkt, und die Gesellschaft bezahlte auch die Hirsekörner, mit denen er die Genossen seiner Einsamkeit fütterte. Sonst finden wir u. a. auch ein Schreibhörnlein (für 4 %, 335). Hans Hillenson verrechnete der Gesellschaft um „klein Narrenwerk" 70 ,9», auf der Nördlinger Messe 1 fl 12 ß (362). Mancherlei 1 In Nürnberg 1 /? 6 hl., in Mailand 2 ß 1 ,3, (253). 2 Bothe, Gesch. Frankfurts 1, 193. Die Stellung der Gesellen, ihre Versorgung 79 Kramerei begegnet in Genua (265). Auch die Kosten, die die Hochzeit eines Geschäftsfreundes einem Gesellen verursachten, wurden verrechnet (24), auch begegnen einzelne Posten (einmal 1 fl) bei einer Kindtaufe (196 und in Wyers Eechnung). Kam die Stunde des Abganges und gab der Geselle seine „Letzi" an des Wirtes Volk, die Kinder und Jungfrauen, so war es wieder die Gesellschaft, die das bezahlte. 1 Für das Pferdegezäum kam die Gesellschaft auf: ein neues Gebiß, ein Paar Stegreife, ein Zaum, ein Hauptgestell und ein Schwanzriemen am Sattel kosteten in Nürnberg 14 ß (364), sonst begegnen Steigleder, Sättel (331, 429), Striegel (343), Sporen (335, 343), Geißel (364). Sehr häufig finden wir die Kosten für das Beschlagen der Pferde. Auch wurden die Kosten für die Pflege kranker Pferde getragen (326). Die Stellung von Pferden war ein Kreuz für alle Handelsgesellschaften, denn jeder wollte lieber zu Eoß durch die Lande reiten, als mühselig zu Fuß die oft ungeheuren Entfernungen durchmessen. So stellte die Gesellschaft Brom-Heyde diesem ein Eoß. Stalburg- Botzheim deckten sich gegen die schlechte Behandlung teurer Pferde, der Ersatz eines Pferdes, das also von dem betreffenden zu kaufen war, wurde auf 30 Taler beschränkt. Die Gesellschaft hat offene Augen haben müssen. Da war der hochmütige aber liederliche Patriziersohn Hans Bützel, der einen Anspruch erhob, nur zu reiten. Ihm schrieben die Herren: „Es sind ebenso gute Herren wie Du zu Fuß gegangen." 2 Häufiger half man sich mit Mietrossen aus, namentlich in Itaben (24, 326, 332), aber auf eigenen Pferden ritten doch wohl meist die älteren erprobten Herren, 3 aber unter Umständen mußten auch sie zu Fuß gehen. Ich habe den Eindruck, daß man die Fußwanderungen auch bis nach Spanien unterschätzt. Und nun die Lernbuben, die mit 13, 14 Jahren von Schwaben bis Valencia wanderten und manches harte Lager aufsuchen mußten. Für sie gab es sicher keine Eeitpferde. Am weitesten griff der Gedanke der Verpflichtung der Gesellschaft für ihre Diener, wenn sie ihnen auch das Beichtgeld, d. h. die Spende an den Beichtvater zahlte. Es beichtete Hans Wyer je vor Weihnachten, einmal auch in der Fastenzeit und spendete 2 oder 3 hl., auch Hanns Kloter in Frankfurt 2 albus (335). Aus Genua und Saragossa haben wir Inventare der Einrichtung der Gelieger (246 f., 265 f.). Daß Gott erbarm. Sie stechen weit von jenem anmutigen Bilde, das uns Holbein auf dem Porträt Gieses von einem deutschen Kontor gewährt, und den Fuggerschen Gehegern ab. 4 1 In Mailand 20 ß imp. (249), 4 # 4/8 (254), 2 U 1 ß (268), auch zu Como (254) und in Brügge 5/8 6 (433). Nürnberg (Wyer). 2 3, 224, vgl. 222. Burgauer 3, 2. 3 Zum Beispiel 3, 196. 249. 331. 333 fr. 336 f. 4 Vgl. Strieder, Inventur, S. 88 f. ^m ' Em II 1 &ra RBmF « | ".:•■ . IS HBnga H ' SO Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 10. 11 Für die Instandhaltung des Geliegers finde ich nur einen Posten. Die Stube zu weißen, Tafeln in die Stube und den Ofen zu verstreichen 4 U 16 ß Mailänder (24). Es begegnen auch Geschenke an Geschäftsfreunde, doch die Gesellschaft nahm daran Anstoß. „Wir wissen auch nicht viel, daß sie (zu Alicante) für uns tun." (153.) Spenden bei Prozessen erscheinen mehrfach, sie wurden kontrolliert. 1 Es unterliegt wohl keinem Zweifel — obwohl es nicht direkt bezeugt ist —, daß, wie in anderen Gesellschaften, die Gesellschaft wenigstens bis zu einer bestimmten Grenze für die Loskaufsumme haftete, wenn einer auf der Eeise niedergeworfen oder gefangen wurde. 2 § 11. Ehrungen der Gesellen, Abgänge und Abzüge, gute und zweifelhafte Schuldner, Gläubiger der Zentrale, Spenden für religiöse und wohltätige Anstalten. Kein Streben nach ungemessener Erhöhung des Kapitals. Für diesen Abschnitt sei auf die Tabellen hingewiesen, welche im dritten Bande, Seite 51, über die Endsummen der neun Bech- nungstage von 1497 bis 1525 für die zu besprechenden einzelnen Zahlengruppen gegeben sind. Auf die viele Tausende von Einzelposten konnte hier nicht eingegangen werden. Was sich davon auf die einzelnen Gesellen bezieht, ist im vierten Buche bei ihrer Lebensgeschichte in wesentlichen Zügen angeführt. Die wichtigeren Angaben über Schuldner und Gläubiger kommen an anderen Stellen zur Geltung. Die verdienten Gesellen wurden dadurch belohnt, daß auf den Bechnungen ihnen eine Ehrung ausgesetzt wurde, die zwischen 10 und 450 fl schwankte. An der Spitze der Ehrungen stehen nicht etwa die Männer, die der Gesellschaft den Namen liehen: Onofrius, Hans und Konrad Humpis; diese erhielten vielmehr als Entgelt für die Ausnützung ihres Namens und ihren sicher nicht großen Anteil an der Arbeit eine runde Summe von meist 150 fl für die Bechnungsperiode. Die höchste Ehrung erhielt regelmäßig der, der als der eigentliche Begierer der Gesellschaft angesehen werden muß, Junker Hans Hinderofen, sie steigt von 200 auf 400 fl. Den nächsten Posten nimmt der langjährige Faktor zu Genua ein: der Züricher Hans Kloter, er erreichte einmal die überhaupt gezahlte höchste Summe mit 450 fl. Diese Höhe spricht zugleich für die Tüchtigkeit seiner Person und für die Bedeutung des Genueser Geflegers, Der dritte der Begierer, der Bechnungsführer und Buchhalter Alexius Hfllenson, erreichte die Summe von 300 fl. Dann folgen 1 3, 451 (Unnütze Geschenke in Ungarn). 2 Vgl. den Vertrag Stalburg-Bromm von 1457. Wenn niedergeworfen oder gefangen, wird Bromm mit 1000 fl, Clans und Kraft mit 600 fl gelöst. Stalburg- Botzheim 1558 nicht über 800 fl. Die Stellung der Gesellen. Ehrungen 81 Gabriel Geßler — der für seine Tätigkeit in Wien einmal 350 fl erhielt — und der von der Ankenrente-Gesellschaft herübergekommene Konrad Täschler. Mit besonderem Eespekte wurden auch einige alte Gesellen aus Konstanz behandelt, deren Haupttätigkeit schon früher lag: Moritz Hürus, Claus und Polai im Steinhause und Polai Zwick. Von den Trägern der stolzen Namen Humpis und Muntprat sind nur wenige, und zwar mit bescheidenen Ehrungen bedacht worden; die Zeit ihrer kaufmännischen Arbeitslust war vorüber. Unter den Eavensburgern nimmt Clement Ankenrüte eine hervorragende Stellung ein, dann mehrere andere Hillensons. Bei den Wangenern wachsen sich Onofrius und Polai Hinderofen zu leitenden Kaufleuten aus. Der ältere Jakob Eudolf aus Isny gehörte zum alten Stamme erprobter Geliegerhalter. Von den Lindauern ist Oswald Kröll hervorzuheben. Der Memminger Jörg Stöbenhaber wuchs schnell an Bedeutung. Nach manchen Irrungen erhielt Peter Waldmann 1525 eine Ehrung von 250 fl. Alle anderen Gesellen erhielten weniger hohe Summen. Ganz zuletzt kommen die Ehrungen für Kommissäre und Geschäftsfreunde, die meist auf 10 fl bemessen wurden. Diesen wurde der Betrag bar ausgezahlt, den Gesellen aber ins Wertbuch geschrieben, er nahm dann, soweit er nicht abgehoben wurde, an dem Gewinne der neuen Geschäftsperiode teil. Diese Einrichtung der Ehrungen ward bisher kaum beachtet und doch war sie wohl geeignet, die Tüchtigkeit zur Geltung zu bringen, den Eifer anzuspornen und die Lässigen zu bestrafen. Ein solcher erhielt ja seine Kosten für die Reise und in den GeHegern ersetzt, darüber hinaus auch die Dividende für seine Einlage. Der Fleißige aber erhielt eine sehr reichliche Belohnung. Wenn Hans Hinderofen 400 fl Ehrung bei einer Dividende von 25 % für den gleichen Zeitraum erhielt, so entsprach eine solche Ehrung einem persönlichen Hauptgute von 1600 fl. Es ist sofort zu ersehen, daß so tüchtige Gesellen erhebliche Kapitalien zurückzulegen imstande waren. Die Verleihung hing wohl vom JSTeunerauschuß ab; eine allgemeine Abstimmung aller Gesellen hätte wohl demokratischen Instinkten nachgegeben. Verkannte, die sich schlecht belohnt glaubten, hat es wohl an jedem Rechnungstage gegeben. Im Jahre 1514 gelangten bei einem Hauptgute von 130000 fl 3212 fl als Ehrungen und 500 fl für wohltätige und religiöse Zwecke zur Verteilung. Der Gewinn betrug also diese Posten mit eingerechnet bei 21% Dividende 31012 fl. Von ihm kamen 10,36° 0 auf Ehrungen, 1,61% au f die anderen Zwecke zur Verwendung. Rein kapitalistisch dachte die Gesellschaft also nicht. Für Abgänge an Geld oder Waren, für ganz leichtsinnige Kredite, für überflüssige Zehrung und Kleidung wurden die Rechnungs- Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 6 ■ ^^^H eHv'.rf..' -BF L§N9fi§C|3 82 Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 11 ',r- !|ffil ' ^P 1 1 1 i 1 s i I . 1 " mß. ■ ■ ! Swvt i i 1 1 s&rf 1 *,^^r i I . 94 Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 3. Kapitel. § 12 stalten, daß ein westeuropäisches System entstand, so groß, daß man nicht nur auf den Messen die Meßkonjunkturen ergründen, sondern auch an der Stelle der Produktion die Produktionskonjunkturen wenigstens einiger Waren feststellen konnte. Die Assoziierung der Kaufleute, die Vergenossenschaf tung des Handels — allerdings für das Interesse der Händler, aber zugleich auc h zu m Vorteil der heimischen Produzenten — hat in Oberschwaben durch die Gesellschaft eine damals und auch später durchaus ungewöhnliche Höhe erreicht. 1 Die Eavensburger Gesellschaft war ein kapitalistisches Unternehmen im Sinne Sombarts. Er, der diesen Begriff möglichst einschränkt, fordert dafür: 1. sie muß von Dauer sein. Gelegenheitsunternehmungen können nie von Dauer sein; 2. sie muß ein von der Person losgelöstes Geschäft sein. Das aber hat zur Voraussetzung: a) eine Firma, b) ein Geschäftsvermögen, c) eine systematische Buchhaltung. Alle diese Erfordernisse besaß die Eavensburger Gesellschaft. Es ist vielfach darüber gestritten worden, ob das Mittelalter Großhändler und in welchem Umfange gekannt hat. Wenn man darunter Kaufleute versteht, die sich auf ein großes Kapital stützten und einen großen Umsatz hatten, so wird man die Eavensburger Gesellschaft als Einheit wegen ihres Kapitals von 130 000 rh. fl und ihres Umsatzes von 260 000 sicher dazu rechnen müssen, mag sich auch bei 80 an der Zahl der Geschäftsanteil des einzelnen Gesellen auf durchschnittlich 1625 fl beschränkt haben. Ein so großes Geschäft beruhte in letzter Linie auf der Intelligenz, der Entschlußfähigkeit, Ausdauer, dem Fleiße und der Autorität des tatsächlichen Leiters. In Eamiliengesellschaften ist die Furcht vor der dritten Generation auch wohl in jenen Zeiten maßgebend gewesen; wir sehen es bei den Mötteli und den Fuggern. Eine geniale Persönlichkeit voll Arbeitslust gab dem Geschäfte seine Blüte, der Sohn, in Achtung vor der Arbeit aufgewachsen, hielt sie aufrecht, der Enkel, durch die Mutter als reicher Sohn aufgezogen, an volle Arbeit nicht gewöhnt und zu ihr nicht gewillt, läßt das Geschäft sinken. Auch bei den Eavensburgern konnte sich diese Gefahr nicht völlig abwenden lassen, die Humpis und Muntprat traten in der Zeit von 1470 an durchaus nicht mehr in leitenden Stellungen hervor. Man machte zu wirklichen Leitern Leute bis dahin unbekannten Namens. An dem Blühen der Gesellschaft waren alle interessiert, sie wirkte nicht durch bezahlte, am Gewinn nicht ernsthaft beteiligte Faktoren, sondern überall durch Teilhaber am Geschäftskapital, wenn sie auch Diener und Lehrlinge ohne Einlage nicht völlig ausschloß. Die offene Handelsgesellschaft war dadurch anderen Gesellschaftsformen und Individualbetrieben überlegen, wenn auch die Größe der Gesellschaft die Arbeit des einzelnen wie seine Sünden minder stark auf das Gesamtergebnis einwirken ließ, als es bei kleineren Gesellschaften der Fall war. \ Wirtschaftlicher Charakter der Gesellschaft 95 Unterscheidet man aber Groß- und Kleinhandel, d. h. Verkauf im großen von dem im kleinen, so waren die Ravensburger aus- gesprochene^Grj)ßhändier7lff Valencia besaßen sie allerdings neben dem Gelieger eine Bodega, wo die Waren im einzelnen verschlissen wurden. Da kamen Schere und Kleinwage zur Geltung, da wurde aus dem Kaufmann ein Krämer, da vergaß er den heimatlichen stolzen Sinn und verkehrte im Laden recht mit dem Volke. Bei der Safrananlegung kamen sie wohl auch an den kleinen Bauern heran. Aber sonst war ihr Handel immer Handel mit Kaufleuten, mit Fachmännern, die mit großer Vorsicht behandelt sein wollten, ihnen gegenüber galt es immer als das Beste, Treue und Glauben zu bewahren. Die große Masse kam sonst mit ihnen nicht in Berührung. Vielleicht kann man behaupten, daß die Eavensburger gern auch außerhalb Valencias und vielleicht Genuas Kleinhandel betrieben hätten und nur durch das am Orte geltende Gästerecht daran verhindert wurden. Aber die Stellung, die sie gegenüber ihrer eigenen Bodega einnahmen, spricht nicht dafür, und als Beleg für den Satz: „Charakteristisch ist für das Mittelalter die Vereinigung von Groß- und Kleinhandel in einer Hand," wird man sicherlich diese Gesellschaft nicht anführen können. Ich kann auch nicht glauben, daß Teilhaber der Gesellschaft in Bavensburg nebenbei in einem eigenen Laden Tuche zerschnitten oder Gewürze auswogen. Wenn die Gesellschaft Gewandschneidern und Spezerei- händlern auf den Frankfurter Messen möglichst half, dann würde sie doch den eigenen Gesellen Schaden gebracht haben, die Kleinhandel nebenbei betrieben. Was aber in Bavensburg Begel war, braucht es nicht in allen deutschen Städten und immer gewesen zu sein. Die Ravensburger trieben ihr Geschäft nicht nach persönlicher Laune, der Gedanke des „Geschäftes" stand über dem Persönlichen, sie richteten — wie wir sehen werden — den Sinn auf den Gewinn, auf den Nutzen. Sie huldigten auch dem Rationalismus im Sombart- schen Sinne, „wo ein Ding mit den mindesten Kosten zuginge, wäre das Beste". Sparsamkeit und doch nicht Kargen mit Ausgaben, die an anderer Stelle' Ersparungen herbeiführten, werden wir sie beobachten sehen. Aber alles sollte mit redlichen Mitteln zugehen. Immer wird das gepredigt. „Darum, liebe Freunde, sehet an allen Enden dahin, daß uns kein Schaden zustände und geht aufrichtig und redlich mit jedermann um mit Gewicht und Maß und an Zöllen, als das unsere Vordem auch getan haben. So geht es uns auch desto glücklicher; denn wäre das nicht gewesen, so ist zu glauben, die Gesellschaft hätte nicht so lang gewährt. Habt Gott vor Augen und seid in allen Dingen vorsichtig, insonder jetzt in den schweren wilden Läufen voraus in Frankreich; denn sicher, dies Wagnis ist groß und die Gewinne schmal. Darum, so muß man große Emsigkeit brauchen, mm ■■ i mm 96 Zweites und drittes Buch. § 12. 13 WM ',' mmfäSl wollen wir, daß unsere Sache währet." 1 Erinnert sei auch an die stolzen, rechtlichen, frommen Worte aus der Krisis von 1477. 2 Die Eücksicht auf Becht und kaufmännischen Anstand, die bei einem Gelegenheitshändler sich seltener findet, war bei einer Gesellschaft, die auf dauernden Handelsverkehr ausging, auch durch diese Absicht schon geboten. Sie entsprach aber auch dem sittlichen und religiösen Empfinden. Man suchte nicht den Kunden zu übertölpeln, sondern in ihm die Überzeugung zu erwecken, daß die Ware reell und der Preis den Umständen entsprach. Es ließe sich leicht eine Fülle von Wendungen aufzählen, die zeigten, daß dieEavensburger, wie alle Kaufleute bis in das 18. Jahrhundert hinein, in der Furcht Gottes lebten und bei jedem Wagnis an seine Gnade dachten. Die Eeligion war das Fundament des Gedankenlebens dieser Kaufleute, sie gedachten auch der Armen und Kranken. Die Gesellschaft wurde zwar immer auf kurze Frist erneuert, aber sie wollte doch eine dauernde bleiben. Man wollte den Kindern und Enkeln sichern, was die Vordem genossen hatten, eine ehrbare, durch Mühe und Arbeit immer wieder gewonnene Existenz, die langsamer wie einst, aber darum doch den tüchtigen Gesellen zum Wohlstand emporführte, man wollte die Blüte der heimischen Städte und des Landes ringsum, man wollte für Kirchen, Klöster und Spitäler Gaben erübrigen, man wollte die Ehre Gottes in einem ehrlichen Betriebe voll Arbeit, Mühe und Wagnis. 1 Unten 3, 87 f. 2 S. oben S. 16f.; unten 3, 52 f. Drittes Buch Organisation und Technik des Handels Erstes Kapitel Einrichtungen der Zentrale und der Gelieger § 13. Zentrale und Gelieger. Deren Verbreitung. Obmann und Rechnungsführer. Tabelle über diese. Prokura. Buchführung. Die in der Zentrale. Wertbuch. Schuldbuch (Hauptbuch). Manuale. Frachtbüchlein. Inventur, ihre Vorbereitung in den Geliegern. Die Gesellschaft hatte ihren Sitz in Bavensburg, aber auch in St. Gallen, Memmingen und Konstanz wurden Geschäftszweige durch bevollmächtigte Gesellen betrieben. Sie hatte „Gelieger" auf italienischem Boden in Venedig, Mailand mit einem Posten in Como, und in Genua. Andere Plätze wurden zeitweise besucht. Auf dem Boden der Schweiz gab es einen Agenten in Bern, ein Gelieger in Genf. Im heutigen Frankreich Gelieger in Lyon und Avignon, dabei waren Gesellen in Bourg-en-Bresse und in Bouc bei Marseille stationiert. Die Vertretung in Perpignan und Toulouse war wohl stets Einheimischen anvertraut. Im Bereich der Krone Aragon gab es drei Gelieger: in Barcelona, Saragossa und Valencia, daneben einige Vertretungen (Tortosa, Alicante, Bilbao). In den Niederlanden hatte man ein Gelieger in Brügge, später Antwerpen, in Köln war ein Agent. In Deutschland bestand nur ein Gelieger in Nürnberg, ein zweites in Wien und an eines in Pest wurde wenigstens gedacht. Andere Agenturen bestanden wohl nur kürzer. Das sind 13 Gelieger, aber alle haben nicht gleichzeitig bestanden. Die Geschichte der einzelnen wird im sechsten Buch zu behandeln sein. An der Spitze jedes Geliegers stand ein Obmann, dem alle zum Gehorsam verpflichtet waren, ihm zur Seite führte ein Geselle die Bech- nung. Seid dem Obmann gehorsam! heißt es oft in den Briefen. „Wir würden in Valencia eines alten Dieners bedürfen, aber an dem haben wir Mangel. Und darum bist Du, Jakob, der Alte. Gib ein gut Vorbild. Wer nicht den rechten Weg will, das schreib uns füglichen, und wir wollen ihm den Sack an den Hals geben und schone darin niemand; denn Du bist sein schuldig gegen Gott und die Welt. Und Ihr Jungen sollt ihm gehorsam sein, als wäre eine ganze Gesellschaft da." 1 Ein Verzeichnis der von 1494 bis 1517 nachweisbaren Bechnungs- führer bietet die folgende Tabelle. 1 Unten 3, 82. Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 7 m 9 | I H 1 . 'mm ||Mi UsmisBäm 98 Drittes Buch. Technik des Handels. 1. Kapitel. § 13 mm I c 1 B *5 M B M S 83 10 1./5.—11 1./8. Heinrich Im Stein- hns 11 1./8.-14 29./5. Oabriel Oessler c Im (1 ■o c «J U .11 JZ et M Im V .Q C Im z 32 Monate Oswald Kröll 4 Monate Polal Oessler 97 24./7.—99 10./1. Jirg Bader 99 W.U.— 1500 6.(8. Oswald Kröll 03 14./8.—05 28. ß. Oabriel Oessler 05 28./7.-07 12./1. Jirg Ba4er Ulrich Blarer 1 Rechnung Oabriel Oessler Ulrich Blarer 10 26./7.—12 11./6. Jirg Bader 12 11./6.-14 12./5. Ulrich Blarer bx> c 3 C J= o = 1. " * s "" na & 03 20./9. Hans Kloter 04 1./7.—05 1./5. Aleiins Hillenson 05 1./5— 07 20./1. Hana Kloter e £ b« e e B § ■0 X! E u «1 w na of (N 10 5./7.-12 1./10. Konr. Hinderotcn 12 1./10.-14 26./5. Bans Kloter So M - .- C S» O ■ CS n 8 zs na n a « & 1. MS eo B e £ M s -1 a OS 35 V "C 3 ■2 na V) CA O a Im n CO n e m B jB B eo 97 3./7.—99 20./3. Oabriel Kessler u. Polal Steinnlssler 99 20./3.-1500 24./7. Kanrad Hillenson 03 18./9.-04 4./6. Polal Steinhilssler 05 4./6.—07 25./2. Hans Kolb Vor 1510 1 Rechnung Polai Steinhfissler 1 Rechnung Hans Hinderofen 10 5./6.—13 23.(11. 13 23./11.—1417./5. Heinr. StBdiin 1 Rechnung auch Jirg Waldmann 14 30./4.—16 23./10: Ulrich Ehinger 16 2./9.-17 26./6. Kaspar t. Ulm n u c «1 > II G co a . s ? 1 ~ i > 97 13./5.-99 13./5. Andr. von Nldcck 99 13./5.-15O0 25./6. Polal Zwick 03 16./8.-05 16./6. HansDIepoltHnmpIs C5 16./6.—07 1./2. Peter Waldmann Vor 1510 Peter Waldmann 1 Rechnung auch Ulrich Ehinger 10 14./5.—13 7./2. 13 7./2.—14 30./4. Peter Waldmann Einkäufer Jirg Waldmann V 5 8 5| s = > i-m, Ol ■<*> »i o o VC s 1—' o ■* r— io m ■—l H Kechnungsweßen und Buchführung 99 Die Prokura war jedoch nicht allein auf den Obmann abgestellt sondern auf mehrere Gesellen, so 1479 in Valencia auf Jakob Rudolf, Hans Hinderofen und Hans Konrad Muntprat. 1 Sie war in solcher Weise notwendig, damit sie nicht daständen als die bestyas — als das liebe Vieh. 2 Als eine Prokura lange ausgeblieben war, schrieben die vom Gelieger heim: Wir haben auf die Prokura gewartet, wie die Juden auf den Messias. 3 Die Buchführung ist genau geregelt gewesen. Die im vorigen Abschnitt behandelten Tabellen enthalten häufiger Hinweise auf die nicht erhaltenen Geschäftsbücher, so daß es möglich ist, folgendes zu sagen. Wie die Gesellschaft Koler-Kreß-Saronno in Nürnberg-Mailand das, was jeder einbrachte, „in unser gemeinbuch, das man hayst das wertbüch", eintrug, so hatte auch die Gesellschaft ihr Wertbuch. 1497 ward ein Band begonnen, es wurden dann in demselben Bande die Posten nach jeder Bechnung erneuert und die Ehrungen hinzugeschrieben, z.B. die Konten von Hans Hinderofen hatten auf fol. 17, 103, 187, 205, 342, 365, die von Alexius Hillenson aber auf 32, 95, 180, 245, 341, 359 ihren Platz. Woraus hervorgeht, daß die Reihenfolge der Konten wechselte. 1517 wurde ein neuer Band angelegt: Hans Hinderofen hatte die Blätter 16, 100, 173, Alexius Hillenson 18, 96, 155. Bei einzelnen Gesellen, die noch keine Einlage und daher kein Konto im Wertbuche hatten, wurde die Ehrung ins Schuldbuch eingetragen, so bei einem Lehrlinge, aber auch bei älteren kommt es vor. Die Abgänge wurden mitunter ins Schuldbuch eingetragen, meist jedoch ins Wertbuch. Sehr selten wurden die Ehrungen in bar bezahlt, so bei dem Geschäftsfreunde Hans öhler zu Lindau, durchaus die Regel war die Gutschrift. Bei diesem Systeme wuchs jedem tüchtigen Gesellen ein gewinnbringendes Kapital zu. Für die übrigen Tabellen (außer Ehrungen und Abgänge) bildete das Schuldbuch oder wie es auch genannt wurde, das Buch C die Grundlage, also für die Listen der ganzen und halben Gewinnung, der zweifelhaften und guten Schulden und der Posten, die „wir gelten sond". Es waren also die Schuldner wie die Gläubiger der Gesellschaft vereint; ob Soll und Haben auf die zwei gegenüberhegenden Seiten verteilt waren, was wahrscheinlich ist, läßt sich nicht erweisen. Nach jeder Rechnung wurde ein neuer Band angelegt, und da begann der Rechnungsführer zunächst mit den frommen Anstalten und Stiftungen, dann kamen die zweifelhaften, darauf die guten Schulden und dann kamen die Gesellen, untermischt mit Gläubigern. Aber das alles wurde nicht pedantisch gehandhabt. Daß es mindestens von 1507 bis 1514 von Alexius Hillen- m fflk Mm -" »V- . ■ B ■ i't^i't Ml Unten 3, 153. 2 3, 100. 3 Unten 3, 78. ■ SR I I HP HB 100 Drittes Buch. Technik des Handels. 1. Kapitel. § 13 8011 angelegt wurde, sehließe ich daraus, daß sein Konto das letzte war. Das Buch umfaßte 1497 und 1507 mindestens 166 Blätter (oder Seiten?), 1520 gar 225. Die Berechnung erfolgte in fl, ß und Hellern. Das Buch C verrät durch seinen Namen C gleich Capo, daß es aus Italien entnommen und das „Hauptbuch" war. Wir sehen auch nicht klar, ob dieses Hauptbuch nur Kreditgeschäfte enthielt, worauf allerdings die Bezeichnung Schuldbuch hinweist. Wir kennen eben nur einseitig die Beziehungen der Gesellschafter und Gläubiger und Schuldner und nicht die Warenkontos usw. Die Konten der Gesellen des Hauptbuches sind die innerhalb einer dreijährigen Geschäftsperiode vorkommenden Bin- und Auszahlungen. Nach Abschluß der Kechnung, bei der der Geselle wohl zu Worte kommen konnte, wurde das betreffende Konto saldiert und in das Wertbuch eingetragen. Neben dem Buche 0 gab es natürlich noch andere Bechnungs- bücher. Von einem die Jahre 1476—1478 umfassenden sind uns die Blätter von 241—244 und 257—260 erhalten. 1 Es sind Stücke der Bechnung, die Klaus im Steinhause 6. August 1477 bis 1. Juni 1478 in Mailand und ein Ungenannter von 3. Juni 1477 bis 9. Juni 1478 in Genf und Lyon hielt. Es sind Abschriften von Geliegerrech- nungen, doch sind in die erste Angaben über den weiteren Verbleib der Waren und andere Notizen eingefügt. Dieses Stück ist wahrscheinlich ein Best der großen Beihe der Manuale. Über sie gibt Auskunft eine Notiz auf der Außenseite mancher Originalrechnungen, etwa: „ist ingeschriben ins M 84 aö 36." Stellt man diese Notizen zusammen, so ergibt sich folgende, höchst lehrreiche Tabelle, wobei ich von den Manualen nur die ersten und letzten Zitate angebe: Manual Blatt Zeit 54 208 1474 55 282 1474 57 95 1472/74 57 298 1480/81 75 165 1496/97 77 17 1497/98 78 160 1500/02 78 231 1502/03 84 24 1506/07 84 36 1507/08 87 267 1515/17 89 80 1514/15 91 84 1516/17 91 283 1523/26 1 Unten 3, 21—26. unten 3, 10 3, 12 3, 327 3, 267 3, 456 3, 457 3, 457 3, 459 3, 460 3, 460 3, 461 3, 460 3, 460 3, 247 Geschäftsbücher. Inventur 101 Da der Band 91 die Zeit von 1517 bis 1526 umspannt, also damals vielleicht mangelhaft die Führung der Manuale erfolgte, scheide ich ihn bei der Betrachtung aus. Die Gesellschaft legte also von 1474 bis 1517 in 44 Jahren 38 Bücher an. Wenn man also einen gleichen Umfang in der früheren Zeit voraussetzen dürfte, was ja sicher nicht genau stimmt, so käme man bis 1380 zurückgreifend, auf 81 Bände. Da man von 1474 erst bei Nr. 54 stand, so würde früher entweder weniger oder knapper eingetragen, oder war der Betrieb der Gesellschaft früher kleiner oder setzt die Numerierung der Manuale erst später ein. Die Berechnung ergäbe bei völlig gleichmäßiger Eintragung als Anfangsjahr 1413. Aber das ist ja sehr unsicher. In ein besonderes „Frachtbüchlein" trug man die Transporte ein nach dem Gewichte. 1 Sombart ist für die Meinung eingetreten, daß eine wertbestimmende Inventur, welche von dem Ankaufswerte der Waren absieht und den wahren Wert der Bestände im Augenblicke des Bilanzabschlusses darstellt, erst sehr viel jüngeren Ursprunges sei. Er hält es für möglich, daß das Zeitalter des Frühkapitalismus zu Ende gegangen sei, ohne die Idee einer außerbuchmäßigen Inventur als notwendige Ergänzung der doppelten Buchhaltung erzeugt zu haben. Die Inventur, die die beiden Savary im 17. Jahrhundert forderten, habe sich nur auf die Detailhändler bezogen, die keine doppelte Buchhaltung hatten und denen die Inventarisierung sie ersetzen sollte. 2 Sombart ruft selbst die Spezialforschung herbei. Demgegenüber ergibt sich, daß die Inventur nach dem augenblicklichen Werte von der Bavensburger Gesellschaft, die sicherlich kerne Detailhändler waren, aber die doppelte Buchführung nicht hatten, im Jahre 1479/80 durchgeführt wurde. Es ist uns dafür eine völlig klare Teilinstruktion erhalten. Die Gesellschaft wollte im Sommer 1480 ihre Generalrechnung machen, „den so geht es fast lustiger zu denn im Herbst oder Winter". Sie wollten gern hereinbringen, was hereinzubringen wäre — also die Frühjahrsmessen zu Lyon, Frankfurt und Antwerpen —, „damit uns Gott die Gnade täte, daß wir eine gute Bechnung hätten". In Valencia sollten die Beauftragten im April oder Mai anfangen die Bodega zu rechnen, mit allen Kunden zu akkordieren und mit jedermann abrechnen, dem man schuldig ist. Inzwischen seien die meisten Passagien hineinkommen und das große Verkaufen Ende Mai beschehen. Sollte es sich bis in den Juni verziehen, so könne man das nicht ändern. Hans Cunrad Muntprat sollte vorher die von ihm geführte Bechnung abschreiben und für alle Dinge Baum lassen, „wenn das Größte beschehen wäre, so schließt Eure Bechnung und übergebt deren weitere Führung Jakob Budolf . . . und wie Ihr ihm das Gut und die Schulden übergebt, also nehmt Ihr das in die Währung. Unse r Wille ist, daß Du, Hans Hinderofen (der Obmann) und Hans 1 Unten 3, 18. 2 A. a. 0., 2, 1, 116 f. WM fwSESüsPÄ 102 Drittes Buch. Technik des Handels. 1. Kapitel. § 13. 14 - ' 1 1 : ' 111 ' ■:'■■■. | ig ■ ' ' ■' ; wm WM 1 1 < 3 ■ ■■ ■ ■■ Cunrad die Währung mit Euch heraus bringet. Wollten Gott und das reine Herz Maria, daß Ihr eine gute bringt. Dann ist Not, daß Ihr mit allen Schulden di accord wäret. Setzet die guten Schulden besonders, wie die zweifelhaften, schreibet alles lauter dazu . . . und verhaltet uns gar nichts, damit wir uns selbst nicht äffnen, und schreibet alles Gut jegliches für sich selbst von jeglichem Gelde und was sie ausmacht und was sie wohl wert sei und wofür man sie wohl verkaufen möchte, das schreibet alles lauter in den Währungszettel. Doch Ihr dürft es nicht auswerfen-, denn man will hier darüber sitzen und man kann es dann niedern oder mehren, und was an dem Tage an Geldeswert da ist, klein und groß, das bringt lauter." 1 Das ist also eine vollständige Inventur der Gelieger, die allerdings noch der Nachprüfung der Preisansätze seitens der Zentrale unterliegt. Spätestens Ende Juni sollten die beiden von Valencia mit Währung und Eechnung scheiden, dann sollten sie von Barcelona und Saragossa die dortigen Währungen holen und mitbringen und von da die Straße heraus sich fügen. „Und ob Ihr auf der Straße irgend ein Gut fändet, das nehmt alles lauter an und was es sei, und fügt Euch gen Avignon und Bouc. Wo von uns Gut sei, das nehmet lauter an und wenn zu Bouc ein Schiff geladen wäre, das nicht zu Lande gekommen war, ehe Ihr schiedet, das bringt alles lauter mit Euch. Und dann gen Lyon, Genf und die dann die Frankfurter Straße heraus Bern und wenn Ihr des Unsrigen findet, so nehmet es auch an." „Ihr findet eine alte Bekordanz drinnen, von Erick Humpis vor Jahren gemacht, da findet Ihr alle Dinge lauter darin. Doch schreiben wir Euch, so die Zeit näher kommt, mehr davon. Ob nun die (Lyoner) Augustmesse dahinein kommt oder nicht, da biegt nicht viel daran, die laßt Euch nicht irren, denn es würde uns zu spät, sollten wir sie erwarten. Brauchet Eleiß, daß Ihr nichts übersähet." 2 Nach Saragossa, Barcelona und Lyon ging die Weisung, sich mit ihrer Eechnung danach einzurichten, „daß Ihr bereit seid, wenn sie kommen, dann die Eechnung beschließt, die Währung muß mit den anderen uns zugehen und daß Ihr sie vorher abgeschrieben habt, nicht daß man auf Euch erst warten muß. Ob Ihr sie übergeben und selbst mit herauskommen sollt, wollen wir Euch hinfür schreiben. Da denkt nun, daß Ihr uns in dieser Zeit viel Gutes schafft. Dazu gebe Euch Gott Glück. Amen. Wäre es Gottes Wille, so wollten wir gerne eine gute Eechnung haben, schier so viel, daß wir alle der Ehrungen und des Nutzens halber lustig würden, die jedermann gern hat. Ihr versteht es wohl." 2 Das ist eine zweifellose Inventur. Zwar kann sie ein nicht sorgfältiger, nicht getreuer Vorstand noch verschönern, indem er die Warenwerte hoch ansetzt, aber davor ist nie eine von der Gesell- 1 Unten 3, 154 f. 2 Unten 3, 155. leB Inventur. Kechnung 103 schaft~selbst w gemachte Inventur sicher. Auch ist der Termin der Inventur so gelegt, daß sie einen mögliehst großen Gewinn verbürgt. Demgegenüber half nur die Festlegung der Inventur auf den gleichen Tag jeden Jahres. Auch ist die Inventur nicht genau auf einen Tag gestellt. Die Währung von Valencia war früher abgeschlossen als die von Lyon und sicher auch als die von Eavensburg selbst. Aber das wurde wohl ziemlich genau dadurch wettgemacht, daß alle noch in Bewegung befindliche Waren vom Ausgangsgelieger oder von dem, der sie auf der Straße antraf, gebucht wurden. Wir werden sehen, daß die Rechnung, die Lutz Geßler für das Gelieger von Nürnberg führte, mit einer Bestandsaufnahme von Waren und Schulden anhebt und mit einer solchen schließt. Die Waren sind aber nicht auf den Wert berechnet. Doch das wurde ja auch von der Gesellschaft nicht gefordert, diese Berechnung sollte in dem „Währungszettel" sich finden. Eine Hauptrechnung des ganzen Geschäftes ist uns nicht erhalten, wir haben nur die schon oben behandelte Aufstellung der Werte von 1497. 1 § 14. Rechnung des Nürnberger Geliegers 1479/80. Einrichtung. Andere Bücher der Gelieger. Buchführung in Valencia, Saragossa. Umsätze in den Geliegern. Berechnungen. Das Kapital wird zweimal im Jahr umgeschlagen. Schwierigkeiten der Rechnungsführung. Die Hauptrechnung eines Geliegers ist uns aus Nürnberg 1479/80. erhalten. 2 Sie übertrifft an Ordnung und Organisation sehr weit die bisher bekanntgewordenen nord- und süddeutschen Handlungsbücher, die zeitlich vorangehen. Zwischen die Übernahme- und Übergabe-Inventur ist die Rechnung gespannt. Jene Inventuren geben die ausstehenden Schulden — gute, zweifelhafte und böse Schulden getrennt — dem Nominalbetrage nach an und die Waren nach Art, Stückzahl, Maß und Gewicht, aber ohne Wertangabe. Es fehlen die eigenen Geldverpflichtungen. Die eigentliche Rechnung enthält zunächst eine genaue Übersicht über Zugang und Abgang von Waren innerhalb der Gesellschaft. Es wird ganz genau nach dem Inhalte — nicht nach dem Werte angegeben, was „her ist komen von allen enden"; da die Rechnung aber auch die Frankfurter Messen mit einschließt, so folgten zwei besondere Abschnitte über das in der Fasten- und in der Herbstmesse empfangene. Diesen Abschnitten entsprechen unter Ausgabe die Liste „was ich von allem Gut heim und in alle end gesent habe". Dieser Abschnitt unter den Ausgaben enthält die Frachtanzahlungen, so daß dieser Abschnitt auch in die Geldrechnung gehört. Wertangaben finden sich nicht, so daß nur die Warenbewegung innerhalb der Gesellschaft, diese aber in allen Einzelheiten völlig klar 1 Oben S. 58f.; unten 3, 47. 2 Unten 3, 343—359. 104 ^^^^fe^^ifti^^ä Drittes Buch. Technik des Handels. 1. Kapitel. § 14 M8«? an m wird. Aus dem Vergleiche der Eechnungen der verschiedenen Ge- lieger ergab sich das Geschick eines jeden Warenballens von der Absendung, vom Ankauf sorte bis zum Eintreffen am Verkaufsplatze. Die eigentliche Geldrechnung erfüllt, so genau sie ist, nicht alle Wünsche. Da ist zunächst in drei Teile zerlegt eine Eechnung über eingezahlte Geldsummen — es handelt sich dabei aber nicht um Schuldposten, die bezahlt wurden. Dann folgt eine genaue Übersicht über den Verkauf von Waren, geordnet nach einzelnen Waren unter Angabe der Ankäufer, der Einzelpreise; nicht aber ist angegeben, was davon sofort bar bezahlt ist und was auf Kredit verkauft worden war. Die Ausgaberechnung beginnt mit einer sehr umfangreichen Geldrechnung, welche Auszahlungen an die Zentrale in Eavensburg, an Gesellen der Gesellschaft mit anderen verbindet. Ein Teil der besonderen Abteilungen befaßt sich' mit Kreditoperationen. Dann folgen besondere Eechnungen für die Fasten-und Herbstmesse, daran schließen sich die Kosten der Zehrung und als ,,einlitzig Ausgeben" die Unkosten der Gesellschaft überhaupt. Dann folgt wie bei den Einnahmen der Abschnitt über die eingekauften Waren, ebenso nach den Waren geordnet und völlig klar geordnet. Den Abschluß machen die oben erwähnten Fuhrlöhne. Aus der Eechnung kann man also nicht erkennen, wie sich die Kasse bewegt hat. Ein Schuldner, der durch Waren seine Schuld deckt, erscheint nicht etwa unter Einnahmen mit dem Betrage seiner Schuld und unter Ausgaben mit dem vollen Preis seiner Ware, er wird nur beiläufig bei der angekauften Warengattung genannt. Es ist keine auf die Personen angelegte Eechnüngsart, sondern eine auf die Waren zielende. Sie setzt das Bargeschäft als die Eegel voraus. Die Schuldenverzeichnisse am Anfang und Ende müssen für die Geldgebarung die Hauptauskunft geben. Aber auch bei den Waren ist nicht alles Wünschenswerte festzustellen. Der Ankaufspreis zuzüglich der inzwischen angewachsenen Spesen ist bei den verkauften Waren nicht angegeben, so daß der Gewinn, der gemacht wurde, nicht abzulesen ist. Die Zentralleitung bedurfte aber einer Ergänzung dieser Lücken. Sie erhielt sie durch die Verkaufs- und Schuldzettel, sowie durch die Berichte der Transporte. Der von Zeit zu Zeit einlaufende Verkaufsund Schuldzettel brachte die Angaben über die Bezahlungen und die gewährten Kredite. Durch die Angaben der Transporte war es aber möglich, etwa so zu verfahren: Ein Ballen Ort Safran, der von Saragossa abging, wurde seinem dortigen Werte nach gemeldet, durch Hinzurechnung der in Lyon, Genf und Frankfurt bezahlten Transportkosten ergab sich, was er, „nach Frankfurt gelegt", kostete. Die Nürnberger Eechnung ergab den Verkaufspreis, die Differenz ergab Gewinn oder Verlust, wobei die Generalunkosten allerdings nicht beachtet wurden. Nürnberger Eechnung 1479/80 105 Die Rechnung enthält keinerlei Berechnung von Zinsen, auch sind die Handlungsunkosten, nicht einmal die speziellen, den Waren nicht zugerechnet. Der Eechnungsführer in Nürnberg stellte also in seiner Eechnung nicht fest, wie viel Gewinn an dem Ballen Nr. X Safran gemacht war, auch nicht am Gesamtsafran. Er mochte die Ankaufspreise wissen, und ein tüchtiger Eechnungsführer kannte wohl auch die durchschnittlichen Unkosten, die auf den Transport gingen, aber er verzeichnete das nicht. Er Überheß das den Herren in [Ravensburg, wenn er nicht in seinen Briefen von seinen Berechnungen Kenntnis gab. Die vorhegende „Eechnung" ist nicht ein Memorial oder Journal, diesem Ausgangspunkte aller Buchführung. Der chronologische Eaden ist fallen gelassen, auch fehlt der tägliche Eingang und die Ausgabe an Geld. Es muß also neben diesem Buche ein Kassenjournal gegeben haben. Aber die beiden anderen Grundbücher der einfachen (deutschen) Buchführung nahm die Eechnung ihrem Hauptinhalte nach herüber: das Einkaufsbuch und das Verkaufsbuch oder wie sie wohl bei einem Gelieger einer weit ausgedehnten Gesellschaft zu nennen wären: Wareneingangbuch und Warenabgangbuch. Das Zwischenfallen der Frankfurter Messen führte auch zu eigenen Heften, die diese Messen erledigten. Die „Eechnung" ist also nicht Tag für Tag entstanden und folgte auch nicht in weiterem Abstände den Ereignissen, sie ist vielmehr eine im Eahmen der einfachen Buchführung gehaltene systematische Anordnung der Ergebnisse der Geld- und Warenposten, die sich in dem Journal und den übrigen Büchern der Gesellschaft fanden. Sie zieht am Endpunkt der Eechnungs- führung eine Eeihe kleiner Ausgaben in einen einzigen Posten zusammen. Sie verlegt sich darauf, möglichst nach den Warengruppen die Posten zu verteilen, und diese Warenrechnung ist glatt und wohlgelungen. Anders steht es mit den Zahlungskonten — also dem Geldgeschäfte — und dem Spesenkonto, diese Posten würden noch mehr einer systematischen Anordnung sich gefügt haben. Sehen wir uns nun das Ergebnis an. Der Vergleich der Bestandrechnungen ergibt: Vor der Eechnung fl ß hl Alte gute Schulden . 4100. 18. Zweifelhafte Schulden 3351. 5 Böse Schulden . . . 1277. — Bargeldschulden . . 533. — Mehr oder weniger fl Am Ende der Eechnung fl ß hl 7. 2666. 17. — -1434 1 2. 3799. 2. 9 -f 447 17 6. 1277. — 6 — — - — 25. 17. 6 ß hl 7. 7. 507 9262. 7768. 17 9 —1493 (i aHBH I •->'„;"■/'.'.*■-' :.v:. \«m;}' 106 KJäRp kB : -■.:..' ■ ■■-. KÄii 3Hi ■.■•■■;.■ '■■■.■.:'■■ . ■■-■■.... H ^.jjgi^^ iSs i&Swi : m mm :■"" v'",v ■ ■.■■•"'.', M&W'igfj « Drittes Buch. Technik des Handels. 1. Kapitel. § 14 Die eigentliche Bechnung ergibt: Einnahmen: fl ß hl Aus Warenerlös . 23187. 2. 1. Geldeinnahmen . 1028. 7. — Ausgaben: fl 24215. 9. 1. Weniger Schulden 1493. 6. 6. ß hl Geldzahlungen bar 17107. 6.10. Geld zuzuschreiben 647. 8. 10. Einzelausgaben . 393. 19. 9. Wareneinkauf . . 7343. — 5. Auf Pracht . . . 173. 9. — 25708. 15. 7. 25665. 4. 10. Es fehlten also Geßler 43 fl 10 ß 9 hl. Diese Bechnung ermöglicht es nicht, den Gewinn festzustellen. Das aber kann die Zentrale durch Vergleich der Beehnungen und der gleich zu erwähnenden Zettel erreichen. Die Bechnung ist eine auf die anderen Bücher desGeliegers gestützte systematische Schlußrechnung, die nach Sachrubriken geordnet ist. Noch von einer zweiten Geliegerrechnung wissen wir Näheres. Es ist die von 1479 für Valencia. Daß sie eine Geldabrechnung bot, ist auch bei einer einfachen Buchführung verständlich, den Abschluß bezeichnet Hans Cunrad Muntprat als Bilanz. Er schreibt weiter: „Auch findet sich alles Gut recht, denn nur bei dem geschlagenen Kupfer gehen uns 2 rub ab und so viel U. Kann uns nicht verwundern, wie es zugeht und geht allweg daran ab und sollte doch billig Bisiko daran sein. Wissen schier es nicht, ob man es im Schiffe gestohlen hat oder nicht, es kamen ettliche Ballen gar übel ,rinckats' an". 1 Das beweist, daß allerdings beim Empfang nicht ordentlich nachgewogen worden war, daß aber doch auch eine Buchführung nach den Warengattungen bestand, daß also die Sachrubriken sehr weit durchgeführt wurden. Eine Generalrechnung ist auch von Saragossa für 10 Monate erhalten, aber im Jahre 1523 war dieses Gelieger schon am Erliegen, noch trauriger ist das Bild der anschließenden Bechnung bis 1526. 2 Auch über den Umsatz einzelner anderer Gelieger können wir aus der Zeit von 1494 bis 1500 so viel Auskunft geben, daß das Bild deutlicher wird. Wir dürfen wohl annehmen, daß die Beehnungen in ihrer Anlage mit der Nürnberger von 1479/80 übereinstimmen. In Saragossa Hefen 2 Beehnungen vom 3. Juli 1497 bis zum 24. Juli 1500, also 36% Monat, die Summen betrugen 30 139 und 20 949 U, zusammen 51088 U. Die Nürnberger Beehnungen laufend vom 24. Juli 1497 bis zum 6. Aug. 1500 erlösten 102 522 + 97 204 = 199 726 fl, die von Valencia laufend vom 13. Mai 1497 bis zum 25. Juni 1500 60 423 + 42 931 = 103 354 U Val. Von der Bechnung über Avignon, Lyon und Genf wird der Zeitraum auf 3 Jahre, der Ertrag auf 85 600 fl angegeben. Bei Mailand ergeben 1 Unten 3, 113. 2 Unten 3,244—48. | Eechnungen der Gelieger 107 zwei sich aneinander schließende Eechnungen aus der Zeit vom 1. Febr. 1498 bis 1. Sept. 1500, also für 31 Monate 118 156 und 132 334 = 250 490 U. Aus der Periode vorher haben wir dazu die Angabe des Ertrages einer Jahresrechnung mit 97 000 U. Eechnen wir die hinzu, so ergibt das 347 490 16. Bei Genua müssen wir ebenfalls zwei Eechnungen kombinieren: Die eine über 20 Monate lief in 295 000 16, Hans Kloter hatte sie geführt, die andere von Hans Hüleson geführte über 9 Monate (1. Aug. 1497 bis 1. Juni 1498) ertrug 137 852 U. Das sind zusammen 432 852 U. Verwenden wir den oben bei der Bilanz durch Hans Hinderofen angewendeten Schlüssel 1 auch auf diese Posten, so ergibt sich folgende Tabelle: aufs Jahr berechnet 29 Monate 432 852 & =196 750 fl 81414 fi 37V 2 „ 103354» =137005,, 41841,, 43 „ 347490» =105300,, 29386,, 119726» =119726,, 39362,, Genua . Valencia Maüand Nürnberg Saragossa . Avignon usw. 36V 2 367 2 36 51088» 85600fl 63860. 35421. 20986 15410 681678 fl Jahresumsatz 228399 fl Von den Geliegern fehlt Flandern, dazu Eavensburg und die schwäbischen Einkaufsstellen, deren Umsatz auch nur zu vermuten ist. Wenn wir oben ein Geschäftskapital von 130 000 fl wahrscheinlich machten, so ist wohl sicher, daß dieses zweimal im Jahre umgeschlagen wurde. Aber freilich es gibt noch ein Aber. Die Geßlersche Eechnung stellte, wie wir sahen, nicht den Bestand an Waren, Schuldnern und Bargeld mit in Eechnung, sondern nur die Differenz der Schulden und des baren Geldes. Es fehlen die Geldverpflichtungen und die sich bei ihnen ergebende Differenz. Das muß aber in der „Währung" ausgewiesen sein. In der eigentlichen Eechnung fehlen reine Geldgeschäfte. Hat Geßler im Januar Geld geliehen, wieder im Mai eingenommen und abermals ausgeliehen und im September zurückerhalten, so steht davon keine Spur in der Eechnung. Aber da die Gesellschaft solche Geschäfte nicht betrieb, so können sie keine erhebliche Bolle gespielt haben. Man wird also doch wohl sagen dürfen, die Gesellschaft setzte zweimal im Jahre ihr Kapital um. Die Eechnung zu halten, galt als eine schwere Aufgabe. Bedienfelder finden sich vielfach, wie in allen alten Handelsrechnungen. Vor allem aber, wie leicht war ein Posten vergessen. So wird uns Hans Cunrat Muntprat verständlich: „Also darin werdet Ihr selbst alle Dinge lauter sehen, also da findet sich alles recht. Gott und seine hebe Mutter Maria und der gute Herr Sant Antonius, von Padua," Oben S. 58. «Äffe ^^^■BHHMhh , Nflll rar Mil 1 I .,'iüa 108 Drittes Buch. Technik des Handels. 1. Kapitel. § 14. 15 lf«M '.';■■'■:..■ . SSM mm ■" m '■■'■ m §|£$j I ■ den ja noch heute vergeßliche Leute anrufen, „seien gut gelobt und geht uns nicht mehr ab, nach unserer Bilanz, denn 28 ß g und hoffen auch, könne nicht mehr und nicht minder sein." x Die Astrologie spielt leicht hinein, wenn einer über die Aufnahme der Eechnung schreibt: „Gott wolle, daß es eine gute Stunde sei." 2 § 15. Münzrechnung in den Geliegern. Währungszettel. Schuldzettel. Verhauf- zettel. Balancen. Meßzettel. Reiserechnungen. Persönliche, sachliche Rechnungen. Die alte einfache Buchführung. Neuerungen. Keine handwerksmäßige Buchführung, sondern eine rationalistische. Ermahnungen. Schlechte Handschriften. Römische und arabische Ziffern. Die Eechnungen der Gelieger wurden in der örtlichen Handelsmünze geführt, dann in Eavensburg in rh. Gulden im Schlußbetrag umgerechnet und so der Eavensburger Eechnung eingefügt. Sie bedienten sich derjenigen deutschen Münze, die als möglichst stabil galt. Der „Währungszettel" umfaßte alles, was den Wert eines Ge- liegers zum Schlüsse einer Eechnung ausmachte, also Wert der Waren, der Schulden auf der einen und die Forderungen an die Gesellschaft auf der anderen Seite. Die Gesellschaft erfuhr aber nicht erst durch die Schlußrechnungen und Währungen der Gelieger und die Schlußrechnungen der reisenden Gesellen die Ziffern des Verkaufes und Ankaufes, der Kosten, der Ausstände und Schulden. „Es ist gut, oft einen Verkauf- und Schuldzettel zu senden, so sähen wir auch darein. Das thut alle 3 bis 4 Monate." 3 „Also sendet uns alle Quatember einen Verkaufzettel und einen Schuldzettel." 4 Namentlich legte die Gesellschaft Wert darauf, möglichst oft Schuldzettel zu erhalten, d. h. Verzeichnisse der guten, zweifelhaften und bösen Schuldner. Sie finden sich seltener in Meßberichten, häufiger aber in den „Eekordanzen", welche die Gelieger heimschickten. 8 Das Muster eines Verkauf- und Schuldzettels schickte Polai Zwick im April 1506 von Saragossa. 6 Da ist bei dem Arras völlig genau alles angegeben, was irgend in Betracht kommt, und der Gewinn von 20 % einwandfrei mit Ausschluß der Generalunkosten berechnet. 7 Es war auch des Lobes wert, wenn das Gelieger eine „Balanca" schickte, eine Vorausberechnung der Baarmittel, die an einem bestimmten Termin vorhanden sein würden. 8 1 Unten 3, 313. 2 Unten 3, 281; vgl. 298. 3 Unten 3, 152. 4 Unten 3, 81. 87. 6 So aus Mailand 3, 279 f. 307 f. 318 ff., Genua 3, 270. 297 f. 312 ff., Saragossa 3, 243 ff. 247. Für Valencia vgl. 3, 140. 6 3, 239—244. 7 Vgl. z. B. noch Nr. 80 (398 ff.), wo bei den meisten Waren der Entstehungs- preis und alle Kosten bis zum Verkaufsort angegeben sind. Schon 1478 15V 2 Maß Korallen 3, 421. 8 Unten 3, 138. 338. 415 f. 442. äsKSK 5 Kechnungswesen. Buchführung 109 Die Akten lehren, daß ununterbrochen rechnerische Angaben nach Ravensburg gelangten. Von den Messen kamen die Meßzettel. Sehr übersichtlich ist der von der Allerheiligen-Messe zu Lyon 1480 (Nr. 21), noch besser der, den Hans Hinderofen über die Ostermesse von 1477 aufstellte (Nr. 18). Andere Eechnungen sind zum Teil sehr primitiv geführt, aber sie gaben doch auch dann von vielen Tatsachen Nachricht. Höher stehen schon die Eechnungen von älteren Gesellen, die Eechnung geführt hatten, wie etwa Lutz Geßler von der Nördlinger Messe (70). Die Eeiserechnungen sind vielfach durchaus persönlich geführt, mitunter ist das auch noch bei anderen Eechnungen, doch nicht bei den Geliegerrechnungen und den meisten der Meßzettel der Fall. In ihnen herrscht durchaus die Abwendung von der Person und die rechnerische Behandlung von Sachkonten. Der Warenballen erscheint als Konteneinheit, um ihn vom Ankauf bis zum Verkauf zu verfolgen, die Eechnungen werden sorgfältig nach Sachrubriken eingeteilt. Die Kontenbüdung begegnet uns schon in den ältesten Teilen der Sammlung. 1 Sie ist also auch in Deutschland um 1470 geläufig gewesen. „Eechnet alle Sorten lauter, so könnt Ihr schreiben, an dem hat man so viel per cento, das ist kaufmännisch." 2 Ein Teil der Eechnungen würde auch den heutigen Bedürfnissen eines kleineren Geschäftshauses genügen. Es ist geradezu bewundernswert, wie durch diese Eechnungen die Zentrale über die entferntesten Gelieger informiert wurde. Die doppelte Buchführung, die jeden Posten doppelt bucht, finde ich in den Zeiten vor 1505 nirgends angewendet, sie war in Italien seit 1340 bekannt, in Brügge erscheint sie 1498. Wohl aber ist ein starkes Streben nach einer säuberlichen Saldierung von Gewinn und Verlust vorhanden, die freilich nicht zum Anrechnen eines Satzes für die Generalunkosten gelangte. Und auch die Inventur, die, wie wir sahen, alle drei Jahre gemacht wurde, war sicher nicht genau nach dem wahren Werte, sondern oft nach dem Ankaufspreise angesetzt. Aber es war doch eine Inventur. Wir sehen auch Neuerungen sich geltend machen, so führten die Eechnung der Zentrale von 1510 (Nr. 4) und die von Mailand 1507 (Nr. 50) das Konto „cista" ein: „Cista soll", „Cista hat", d. h. sie stellt die Kasse als ein Sonderkonto neben die übrigen Ausgaben und Einnahmen, die aus den laufenden Mitteln bezahlt wurden. Es sind Tendenzen zu einer Systematik in großer Eülle vorhanden, die doppelte Buchführung erreichte-sie. Man empfand das Bedürfnis, konnte es aber nicht befriedigen. Man erstrebte und erreichte, daß wenigstens in Ravensburg aus dem Vergleiche der Eechnung mit Sicherheit Ge- 1 So Hans Hinderofen, Lyon Nr. 8 (1477). Andreas Sattler und Moritz Hürus 1478, unten 3, 420f. 2 Unten 3, 84. 110 Drittes Buch. Technik des Handels. 1. Kapitel. § 15 j , .. ■ f§|ll tyfäSoM :\ Wm&m ■ SpteäB! 'S^'FStSwSI i i Iresiwl ■ 1 wJsm winn und Verlust festgestellt werden konnte, meist auch in den Geliegern, da jede Sendung von Angaben über ihren Wert begleitet werden sollte, die meist auch auf anderem Wege noch in einem zweiten Exemplare gingen. Nur einer der wenigen Kenner der Geschichte der Buchführung, die alte und neue Buchführung gleichmäßig beherrschen, kann mit Nutzen das System der Bavensburger Buchführung 'genau in den Entwicklungsgang einstellen; aber ich fürchte, nicht zu viel zu sagen: das Bavensburger Bechnungssystem ist durchaus nicht mehr handwerksmäßig sondern kapitalistisch; es gestattete eine planmäßige Verwendung der Geldmittel und Heß ja, wie der Erfolg zeigte, die Summe der Anstände erst in drei Jahren so stark werden, daß dann eine Abrechnung und eine Inventur erforderlich war. Man darf diese Generalrechnung sich nicht vorstellen als eine Versammlung von hilflos mit ihren schlecht geführten systemlosen Aufzeichnungen dastehenden kaufmännischen Handwerkern, sondern als eine Abrechnung auf Grund zum Teü längst eingelaufener und dann von der zentralen Buchführung bereits kontrollierter Bechnungen, weiter auf Grund von eben eintreffenden Abrechnungen, die der Bechnungsführer selbst erläutern konnte. Es war eine Abrechnung durchaus auf schriftlicher Grundlage. Sich einen Gesellen zu denken, der nicht hätte lesen und schreiben können, ist völlig ausgeschlossen. Die Anwesenheit von Vertretern aller Gebieger machte aber mündnche Aufklärungen mögüch. Es ist das Ganze eine durchaus rationelle Veranstaltung, die persönliche Fühlung unter den Geliegern und der Gelieger mit der Zentrale obendrein noch gestattete. Niemand wird diesen Betrieb als einen handwerksmäßigen bezeichnen können. Im Gegenteil wird man auch diese Seite der Bavensburger Geschäftsführung bewundern müssen. Es ist denn doch keine Kleinigkeit, die Ausgaben und Einnahmen von 10 Geliegern und von mindestens 30 Gesellen bis auf Heller und Pfennig ständig zu überwachen. Die Ermahnungen, die Bücher ordentlich zu führen, sind zahlreich. An Klaus Bützel schreiben die Herren: „Halte Deine Bücher wohl, sauber und ordentlich;" 1 nach Valencia: „Ihr habt in der Bodega so viele Schulden im Bekord, warum schreibt Ihr sie nicht ins Buch, im Bekord werden sie vergessen." a — »Lug vor allen Dingen, daß Du Deine Bücher sauber und lauter hältst, daß wenn Du Bechnung geben solltest, alle Dinge recht findest." 3 Gegen die schlechte Handschrift eiferten die Begierer und in der Tat mit Becht: „Jakob und Hans Konrad^ seid daran und fleißigt Euch mit Schreiben; denn wir Euer Schreiben nicht wohl lesen können. Ihr versteht es wohl." 4 Und diese Mahnungen waren nicht umsonst, aber sie fanden nicht viel Gehör. Die Handschrift 1 Unten 3, 69. 2 3, 151. 3 3, 180. 3,80. Buchführung. Schrift 111 Hans Kloters (s. Abb. 10) gehört zu den allerschwierigsten, die mir je vorgekommen sind, und trotz der Hilfe eines Paläographen von der Erfahrung Wilhelm Levisons ist nicht alles herauszubringen möglich gewesen. Jener Hans Konrad Muntprat schreibt äußerlich gut, aber er hat eigene Buchstabenformen. Diesem Werke war die schlechte Handschrift vieler Gesellen oft eine ernste Hemmung. ßvs /'•w-fg- £vJ 9lA~ f^- a^j C*rV tv«. CvflZ. OW fr*»~~ dto *^ r «=**»**. 'Vyfr-C nt cyflL. A~T rYY ** *r^Z orw- (%~Xi_- c£v\ *»vy tlo^ ~***J fft^vw ^ fi«*J)* «-^ ^"^ <^ < f° ^ ^7* ' VVVV ' * t>N c ** v " ,! «-----' p< *»vv' &~ p*» yw" fiSZ/~ t*o~ 6^vi />\vp 9»w wv" i^v: jt^ ^"fl" fV V7kL <^~i» ny---- }wvv tf^vvvji, c * 1 fS™^[rnTTiJ i w il TW iJföSl*: : t •■ ■■ S 1 ■-, ■ ..... ^1 114 Drittes Buch. Organisation und Technik des Handels. 1. Kapitel. § 16 Zu einem sehr erheblichen Teile bediente man sich der deutschen Boten, vor allem bis Köln, Frankfurt, Nürnberg oder Ulm. Am meisten benutzt wurde der Kölner Bote Tonis (13mal), der Kölner Tilmann (9), der wohl nach Nürnberg gehörige Seidenater (6), Heinrich mit dem Barte (6, Ulm?), der Nürnberger Contz Ernst (3), Heinrich von Neuß (2), Neustätter (2), Hermann (2), dann Küchlin, Jörg, Männekin von Brügge (je 1). Nach London gingen Gillis von Gent (1), Torin (2) und Jorus Satzinger (1, der aber auch einmal einen Brief nach Venedig besorgte, ob zu Schiff?). Alle diese erhielten Bezahlung. Bezahlt wurden aber auch die fremden Boten. Es erscheint dreimal Claus, des Thomas Portinari, also eines in Brügge hochangesehenen Florentiners, Bote, x dann Venediger (zweimal), Genueser, der Müler (ob einer Transportgenossenschaft?), ein Florentiner, ein französischer Bote für Genua (je einmal). Diese Boten kamen vor allem für die Verbindung mit den südeuropäischen Plätzen in Frage. Ein erheblicher Teil der Korrespondenz ging aber unentgeltlich, ich zähle nicht weniger als 30 Fälle. Es waren zum Teil Kaufleute, deren Familien uns früher oder später bei der Gesellschaft begegnen: Jos Grünenberger (4), Steffen Grünenberger (1), Ulrich Leman (1), Ludwig Stüdlin (1). Süddeutsche waren sicher Albrecht Schad (1, Ulm), der Gienger Diener (1, Ulm), Peter Imhoff (1, Nürnberg), Heiner Groß (1, Nürnberg). Eomanen waren Frangois Gnichta oder Guichta (2, einmal mit Geld), Misser Bartolomeo Lipomanni (1, Venedig), Thomas Tisott (1, Freiburg i.Ü.?), P°Bandina (1). Dann erscheinen noch je einmal ein Bonetenmacher, Claus Böder, Bürse- kins Knecht, Hans Thiermaier, Jan Quentinck, Jan van der Werff, Conrad Tischmacher (von Köln) und Heinrich Strauß (3). Zweimal nahmen sie auch unentgeltlich Geld mit. Wir dürfen also als sichere Begel annehmen, daß befreundete Kaufleute unentgeltlich Briefe anderer mitzunehmen pflegten. Bei einigen der Sendungen sind die Träger nicht klar genannt. Ein einziges Mal ging ein Brief zu Schiff, er wurde als Begleitung von Waren nach Valencia mitgenommen, eine Abschrift ging zu Lande. Es ist auch sonst nicht selten geschehen, einen Brief doppelt zu senden. Die Briefe sind vielfach mit der Bemerkung ,,per Köln" usw. bezeichnet, das will wohl besagen, daß die Briefe an diesem Orte zu Händen des Vertreters der Gesellschaft gegeben wurden, der sie weiterbeförderte, also an das Gelieger, die auf der Messe anwesenden Gesellen oder den Kommissionär. So erklären sich leicht alle Angaben, die vorkommen: Frankfurt, Köm, Lyon, Ulm, Nürnberg, Genf. ____________________________________________________ 1 Tommaso war damals Leiter einer Filiale der Medici. Sieveking, Die Handlungsbücher der Medici (Sitz.-Ber. Ak. Wien, phü.-hist. Klasse) 151, 49, 51. ■ Briefbeförderung Die Eechnung gibt nun auch die Portokosten an. Posten Richtung Ravensburg............ 16 Valencia—Saragossa........ 3 Genf, Avignon, Lyon....... 3 Nürnberg, Frankfurt ........ 19 Venedig, Mailand, Genua, London . . 12 Köln............... 32 115 g° 104 32 22 93 1 /. 657. 84 85 391 Die Gesamtportokosten belaufen sich, da damals der Kurs des rheinischen Gulden in Brügge auf 52 g° stand, auf 7,52 fl rh. oder im Durchschnitt jede Sendung 4,6 g°. Bei der genaueren Betrachtung der Listen ergibt sich, daß derselbe Bote, wenn er etwas abliefert, ebensoviel erhält, wie wenn er etwas annimmt, daraus folgt, daß er halb vom Absender, halb vom Empfänger bezahlt wurde. Um die wahren Portokosten zu erhalten, muß man die Summe also verdoppeln. Selbst eine Summe von 15 fl ist über Erwarten niedrig. In Brügge zahlte man für einen Brief nach und von Köln im Durchschnitt 2y 2 g°, zum mindesten 2, zum höchsten 4y 2 g°. Bei Nürnberg-Frankfurt ist der Durchschnitt etwas über 5 g°, nach London kostet der Brief meist 4y 2 g°. Für die änderen Entfernungen sind Durchschnittssätze mit Sicherheit nicht zu berechnen. Für größere Briefe, die man vorher wog, gab es erhöhte Kosten. Im Briefbüchlein sind keine Sätze für eigene Boten, die ausschließlich auf Kosten der Gesellschaft ihren Weg machten, angegeben. Es ist wohl zu beachten, daß bei dem reich entwickelten Verkehr um Brügge herum das Gelieger niemals einen so teuren Transporteur benutzen mußte. Die Zahl der Gelegenheiten, die Boten und Geschäftsfreunde darboten, reichte aus. Die Briefe der Gesellschaft enthalten so viele Angaben über Abgangs- und Ankunftszeit von Briefen, daß man sogar dafür Durchschnitte berechnen kann. Es gab damals noch keine Posten, mindestens waren sie noch nicht für den freien Verkehr nutzbar. Es gab also nur eigenen und Botenverkehr. Die eigenen Gesellen hatten auf den zwischenliegenden Geliegern meist Aufträge zu erledigen, sie reisten also meist langsamer, die Boten konnten nur streckenweise benutzt werden und warteten dann auf neue Gelegenheit, so war der Briefverkehr am schnellsten, wenn die Gesellschaft ihren eigenen Boten aussandte. Und dieser Burkmann kam in 8 oder 9 Tagen nach Lyon, in 12 nach Avignon, in 31 Tagen nach Valencia, ein anderer eigener Bote gelangte von Eavensburg nach Barcelona in 29 Tagen. Ich habe nicht beide Tage der Abreise und Ankunft gerechnet, sondern nur einen, was sicher nicht immer richtig ist. _^_^__i___ ^H1 ^^^1 : 1 I? SwJ m ■ mm 116 Drittes Buch. Organisation und Technik des Handels. 1. Ka pitel. § 16 Durchschnitt und Mindest- und Höchstleistung ergibt: Fälle Durchschnitt kleinste Dauer höchste Dauer Ravensburg—Genf . . 5 fast 9 Tage 6 15 Ravensburg—Lyon 10 fast 14 Tage 8 (3mal) 45 Ravensburg—Avignon 5 18 3 / B 12 28 Ravensburg—Saragossa 3 36 32 40 Ravensburg—Barcelona 5 39 29 48 Ravensburg—Valencia 8 46 31 69 Ravensburg—Mailand. 6 fast 8 Tage 6 12 Ravensburg—Genua . 2 12Vi 10 . 15 Ravensburg—Nürnberg 1 5 — — Ravensburg—Wien . . 1 cyi*1 m ~XT 14 nViüi» Q.nf iTtpö *7,n _ sammenstellung verzichte ich, es wäre schwer, daraus allein das System abzuleiten, und durch Botenordnungen sind die Preise von vielen Orten bekannt geworden. 1 Die weiteren Angaben über Preise sind so unvollständig, daß sie kein sicheres Bild gewähren. Aber auch hier wartete man auf Gelegenheiten, verließ sich auf Freunde, benutzte lokale Boten, wohl auch venezianische. Die Gesellschaft legte großen Wert darauf, daß auf den Geliegern Briefe, die weitergehen sollten, nicht, wie es wohl in Lyon geschah, liegen blieben, 2 man war tief entrüstet ob der Irrfahrt, die die Prokura für Saragossa machte. Für die große Route bis Valencia schrieb die Gesellschaft jene großen Rekordanzen, die in dem Nachlasse mit das Wertvollste sind. Sie gelangten in etwa 50 Tagen nach Valencia. Antwortete man in 10 Tagen, so war doch wieder eine Frist von zwei Monaten vergangen, ehe die Ravensburger die Antwortrekordanz beantworten konnten. Solches Antwortspiel war also nur dreimal im Jahre möglich. Das war so selten, daß die Gesellschaft sicher nicht immer erst die Antwort abwartete. Nach den sehr lückenhaften, jedesmal nur ein paar Monate umfassenden Zeugnissen schrieb die Gesellschaft an die Gelieger auf dieser Straße: 1477 September 23. und Oktober 23., 1478:15. Februar, 4. März und 16. März (die beiden ersten vielleicht nur bis Lyon), 12. und 17. April. 1479: 15. September, 2. Oktober (bis Lyon), 9. Oktober. Das sind so kurze Fristen, daß die Gelieger wohl nahezu alle Monate von Hause Nachrichten und Weisungen erhielten. Aber auch die Gelieger schrieben öfter. Von 1478 kennen wir den Abgang von Briefen von Genf am 10., 21., 22. Februar. Von Lyon 1 Vgl. z. B. Müller in Archiv für Kulturgeschichte 5, 14—18, für Nürnberg (bis Ulm \U %ß B\, bis Konstanz 1U 10/8). Schelling, Die kaufmännische Botenanstalt St. Gallen-Nürnberg, Züricher Dissert. 1919, wo auch sonstige Literatur sich angegeben findet. 2 Unten 3, 72. Briefe und Briefbeföxderung 117 am 18. und 26. Februar, aus Avignon vom 13. Februar, aus Barcelona vom 29. Januar, Valencia 16. Januar. 1480 hatte man in Eavensburg auf elf Briefe aus diesen GeHegern zu antworten, deren Abgang vom 11. Juni bis 19. Juli lag, während des Schreibens kamen noch vier weitere. 1 Von Brügge gingen nach dem Briefbüchlein in 299 Tagen elf Briefe an die Herren, dazu zwei Abschriften, genau so viele kamen an. Von Saragossa gingen 1480 zwei Briefe an die Herren, einer im Februar, der nächste am 4. April, die Herren aber schrieben am 29. Dezember, 4. und 19. Januar. Dabei war Saragossa schwer zu erreichen und war man da auch recht schreibfaul. 2 In entrüsteten Worten spricht sich der Zorn der Herren aus. 3 Der Verkehr der Gelieger untereinander war auch recht lebhaft. So schrieben 1480 die Lyoner nach Saragossa am 6. und 25. Januar und am 1. Februar. Die Herren tadelten es sehr, daß Brügge in vier Monaten keinen Brief von Valencia erhalten hatte. Die Boten, deren sich die Gesellschaft und ihre Gelieger bedienten, waren in den seltensten Fällen eigene Boten, als Boten der Zentrale erkennt man nur Burkmann, der auf der Boute Eavensburg—Lyon, vielleicht auch weiter verwendet wurde, nicht aber der französischen Sprache mächtig war. 4 Er kam auch nach Nürnberg, Frankfurt und Flandern. 5 Auch Balthasar Bssich, der bis Saragossa und Mailand kam, vielleicht war er aber ein Geselle. 6 Seltener mieteten sie auch Boten für einen besonderen Gang, 7 zumeist waren es Boten, die, wie die Kölner Tonis und Tilmann, regelmäßig den Briefverkehr vermittelten und Briefe sammelten. Anders ist die niedrige Gebühr nicht zu erklären. Auch in den Geliegern war man oft gezwungen, einen eigenen Boten zu senden. Für Bern ergeben sich für völlig durchgehende Boten recht hohe Sätze wiederholt für einen bis Eavensburg l x / 2 fl, ein Bote bis Schaffhausen erhielt 12 ß 6 -9(, einer bis Aarburg 5 ß, einer von Lenzburg bis Konstanz 1 U 10 ß t einer von Bern bis Konstanz 2 U 10 ß. 8 In dem Sammeln von Briefen sieht Sombart bereits eine Post, 9 während nach Ohmann 10 und mir zum Begriffe der Post eine Organisation gehört, die den Brief nicht vom Absender bis zum Empfänger (resp. Zwischenempfänger) in derselben Hand beläßt, sondern einen Wechsel der Besteller vorsieht. Ob 1 Unten 3, 167 und 176. 2 Unten 3, 54. 1505 von Mailand ab an die Herren: 29. April und 12. Mai, dann wieder 9. Oktober. Die Antworten ab am 3. und 25. Oktober. Vgl. unten 3, 280 und 288. Nach Genua schrieben die Herren 1507 am 29. Juni, 2. und 6. Juli. Unten 3, 314 und 316. 3 Fast die stärkste Strafpredigt der Herren. Unten 3, 134. 4 Unten 3, 225. 5 Unten 3, 333, 335 und 420. 6 Unten 3, 13, 23. ' Vgl. in Nr. 101. Einem Boten von Memmingen nach Eavensburg bei Nacht 14/?, 1516. 8 Aus Nr. 12. 8 A. a. O. 2, 378 f. und öfter. 10 Vgl. Ohmann, Die Anfänge des Postwesens und die Taxis. ^■^M ■ jsasr ifl ;■. :: .Oii'-i.-:^ ! 118 Drittes Buch. Organisation und Technik des Handels. 2. Kapitel. § 17 jene Boten 1 von der Stadt angestellt waren oder nicht, ist nicht sicher zu erkennen. Die Quellen reden immerhin von Nürnberger, Ulmer, Venediger und anderen Boten. Das wirkliche Postwesen begegnet uns nur an einer einzigen Stelle. Die von Antwerpen schreiben Januar 1507: „Schrieben iuch unsern jüngsten d di 18 dito mit der stat post botten von hynen." 2 Der Ausdruck post, der eben erst bekannt wurde, verbietet an einen gewöhnlichen Boten zu denken, aber die Taxissche Post lag damals erst von Mecheln an zum Kaiser. 3 Würde unsere Stelle ergeben, daß die Stadt Antwerpen damals eine Anschlußpostlinie eingerichtet hatte, so würde damit die postgeschichtlich sehr bedeutsame Tatsache folgen, daß schon damals die dynastische Post auch anderen Benutzern zugänglich war und damit auch den Zweckbegriff einer Post als einer allgemein zugänglichen Brieftransportanstalt angenommen hatte. Zweites Kapitel Vom Einkauf bis zum Verkauf der Waren ' $ 17. Wareneinkauf. Grundsätze. Kauf aus erster Hand. Auswahl der Waren. Sorgfalt beim Einkauf. Rezepte. Recapta. Preisregeln. Muster. Maße. Lehre vom jastum pretium. Einkauf durch Gelieger. Zeitiger Einkauf. Entschlußfreudigkeit. ' Einkauf meist gegen bar. Die Briefe enthüllen uns außerordentlich weit die Gedankenwelt dieser Kaufleute, die wir sonst fast nur aus den Handlungen erschließen müssen; denn tiefgehende Lehrbücher der Handelswissenschaft haben wir aus jener Zeit keine, und so möge es gestattet sein, gelegentlich auf zwei hervorragende Theoretiker und Lehrer der Handelswissenschaft hinzuweisen: auf den dem 9. bis 12. Jahrhundert zuzuweisenden Araber Dimisqi, wie den ersten unter den modernen Theoretikern Jacques Savary (Le parfait negociant, 1675). Es werden sich öfters wertvolle Parallelen ergeben. 4 Beim_Ankaufe d er Waren beschrän MesüAdieJ&esellschaft nicht auf ei nzelne Warengattungen T er^ifTviemiehFläst alle G ebiete, so daß die Gesellen eine sehr weitgehende Warenkenntnis erlernen "~mußten7~S ie handelte mit fast aSem, was Gewinn versprach. Sie .stieß Waren ab, die keinen Nutzen mehr versprachen, und gliederte 1 Nürnberger Bote in Chur unten 3, 249; Ulmer 3, 339; Venediger 3, 422; Berner 3, 86. 181. 2 Unten 3, 438. 3 Ohmann, S. 183fE. 4 Bitter, Hellmut, Ein arabisches Handbuch der Handelswissenschaft. Der Islam, Bd. 7 (1916), auch Bonner Dissertation. Über Savary vgl. auch Weber, Eduard, Literaturgeschichte der Handelsbetriebslehre, Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft, Erg.-Heft 49 (1914). k «HRM Post. Ankauf der Waren 119 neue an, die Nutzen in Aussicht stellten. Dimisqi hatte schon längst auf den Eat des Propheten hingewiesen, nicht auf einem Geschäftszweige zu verharren, sondern ihn zu wechseln. 1 Das aber setzte eine außerordentlich weitgehende Warenkenntnis voraus. Die Gesellen konnten nicht die des Spezialhändlers erreichen, aber sie suchten den Gefahren aus dem Wege zu gehen, indem sie die schwierigsten Ankäufe, Korallen und Safran, nur ganz erprobten Gesellen überwiesen oder doch, wenn das Prinzip bei Mangel an solchen nicht völlig durchgeführt werden konnte, es wenigstens anerkannten. Daß der Handel auf wertvolle Waren von geringem Volumen eingeschränkt war, lag an den hohen Transportkosten. Dem büligen Tagesgebrauche konnten sie nur in einigen Waren dienen, eigentliche Massenartikel haben sie nie geführt. Vom Getreide-, Holz-, Viehhandel findet sich keine Spur. Dabei versuchte die Gesellschaft möglichst bis an die Stätten der Produktion zu gelangen. Das war freilich vielfach ausgeschlossen. Die Waren des Levantehandels konnte die Gesellschaft nicht über Venedig, das ja den deutschen Kaufleuten eine Weiterreise unmöglich machte, auch nicht über Genua« oder Barcelona oder Valencia hinaus verfolgen. Nach der Entdeckung der Umfahrt um Afrika, nach der Verlegung des Verkaufes der ostindischen Waren nach Lissabon hat die Gesellschaft allerdings nicht den Schritt getan, dort ein Gelieger zu errichten. Die Entdeckung Amerikas gab Sevilla eine gewisse Bedeutung, aber auch dahin folgte sie nicht. Sie hat auch den englischen Markt nicht aufgesucht. Aber trotzdem ist der Umfang so weit gespannt, wie bei keiner anderen oberdeutschen Handelsgesellschaft vor den Fuggern, wenn es nicht auch von den Diesbach-von Watt gilt, und dann von den/ Welsern, die jene neuen Plätze sofort aufsuchten. An die Produktionsorte gelangten sie vielfach. Zunächst organi-! sierten sie in weitgehender Weise, in der Heimat den Ankauf oberschwäbischen Leinens, in weit geringerem Maße den des dortigen Barchent, dessen Herstellung sie mindestens später auch nur zum geringen Teüe durch Zufuhr von Baumwolle förderten. In Nürnberg erwarben sie die dort hergestellten Metallwaren, an dem dortigen Metallhandel beteiligten sie sich einigermaßen, nur beiläufig waren sie auch an dem Handel mit Edelmetallen beteiligt, den die Augsburger Häuser erfolgreich pflegten. In dem italienischen Gebiete pflegten sie den Safranaufkauf, der mit dem Leinenhandel den Bückgrat ihres Handels bildete, deshalb gingen sie bis zu den Märkten von Aquila, wie sie nieder österreichische Produktion in Wien, die Südostfrankreichs in Lyon und besonders die aragonesische in Barcelona-Saragossa, die lombardische in Mailand erfaßten, so daß sie an allen Hauptproduktionsstätten am An- 1 Ritter, S.64f. ■HHB 120 Drittes Buch. Organisation und Technik des Handels. 2. Kapitel. § 17 kauf beteiligt waren. Außerdem bot ihnen in Italien Mailand Eisenwaren und Textilwaren, Genua neben diesen noch Korallen, die freilich wohl alle an der Nordküste Afrikas gewonnen waren, Florenz, wurde nur nebenbei besucht, und das Gelieger in Venedig früh aufgelassen. In Bourg-en-Bresse wurde die Kanemasserie der Lande an der Saöne erfaßt. In Spanien boten sich die Wolle von Tortosa, die Früchte von Valencia nebst den hierher gelangenden Waren der mohammedanischen Welt, vor allem auch der Zucker. Diesem wandte man sich so stark zu, daß man hier eine Baffinerie für eigene Bechnung betrieb. Das Gelieger in Brügge, später Antwerpen kaufte im weiten Umfange auf: niederländische Leinen, Mützen, Metallwaren Nordwest- dcutschlands und Tuche, englische und andere, Arras usw. Hier sind nur die hauptsächlichsten Handelsartikel aufzuführen^ denn der örtliche Handel und die einzelnen Waren sind in dem sechsten und neunten Buch näher zu behandeln, auf die hier verwiesen wird. Es galt also das Prinzip, möglichst wenig aus zweiter Hand zu kaufen. 1 Für manche Waren beschäftigte man durch Aufträge eine Anzahl von Gewerbetreibenden. Die Safrananlegung beruhte auf Einkauf im einzelnen von Bespondenten, die Vorschüsse erhielten.. Ein eigentliches Verlegertum, die Organisation der Produktion in eigener Hand, wurde nur selten erstrebt. Die Leiter heben bezeichnend die Bedeutung des Ankaufs durch die Worte hervor:; „Am Einkaufen liegt der Gewinn." 2 — „Alle Vorteile im Einkaufen suchen, denn am Einkaufen liegt die Kunst und der Gewinn." 3 Die Vorteile des Großhändlers gegenüber dem Kleinhändler beim Einkauf, die vor allem auch durch die Ständigkeit der Gelieger gefördert wurden, traten oft zutage. Der Einkauf sollte sich nach den Bestellungen, den „Bezepten" regem, und der „Kommission", die von den Herren kam. Vielfach bestellte man nach detaillierten Wünschen der Kunden. Wenn eine solche Bestellung eintraf, suchte der Geselle des Ankaufsortes ihr requapta zu geben, d. h. sie möglichst auszuführen. 4 „Doch so wird die Kunst auch an dem liegen, ob sie teuer oder wohlfeil wird; denn ist sie teuer, so kauft von ihr desto minder, wohlfeil, desto mehr." 5 — „Wenn ein Ding teuer ist, so legt sich jedermann mit dem Mindesten, so er kann." 6 — „Kommet hinter kein Gewerbe ohne Kommission, insonder hinter nichts Großes." 7 — „Wären wir Propheten, so wäre es gut. Wiewohl es sehr gut ist, nicht über die Kommission zu gehen, aber, so eine Sache ganz am Tage üegt, so sollte einer ihm billiger Weise genug sein. Betrachtet hiufür die 1 Vgl. unten 3, 102 f. 2 3, 75. 3 3, 187. 255. 386. 4 Requapta von lat. recapi- tare, catal. recaudar, altspan. reoaldar (erreichen). 3, 102 und sehr oft. 6 3, 103.. 130. • 3, 95. ' 3, 84. Grundsätze beim Einkaufe 121 Sachen besser, ist Not." 1 — „Hütet Euch vor großen Eezepten (Bestellungen), schreibt oft um Gut und lützel, das läufig sei und Profit trage." 2 — „Das wäre die Kunst, um Gut schreiben oft und lützel, so ginge es mit Lust von der Hand." 3 Man „solle sich guten Gutes fleißen und auf die Form, wie es eines Landes Sitte ist, daß man danach bestelle". Bei den Bestellungen solle man genaue Angaben machen, man solle „luter schriben". 4 Es wurden Muster (monstra) den Eezepten beigefügt. 5 Bei der Behandlung der einzelnen Waren wird sich zeigen, wie weit Kauf nach Probe vorkam. Sorgfältige Auswahl der Ware wurde immer wieder gefordert. Vor allem war der Einkauf der Korallen schwierig: „Battista, tue die Augen auf; denn es ist eine helle Kaufmannschaft zu kaufen." 6 An Lütfried Muntprat schreiben die Herren: „Wir sorgen wohl, Lütfried, Du seiest ihm zu kindisch." Lieber soll ein Älterer nach Barcelona reiten, damit man keinen Unkauf tue. 7 „Korallen kaufen ist nicht ein kindlich Spiel." 8 — „Sieh dabei zu, daß Dir nicht Haare unter Wolle geschlagen werden." 9 — „Es ist eine helle Ware, Seide kaufen." 10 — „Fleiße Dich guten Kaufes und guten Gutes, denn am Einkaufen liegt der Gewinn." 11 An diese Sätze klingen die arabischen an: Kaufe ein bei steigenden Preisen, nicht bei fallenden. Warte den Zeitpunkt ab, wo eine Ware billig ist. 12 Und Savary warnt davor, sich bei Büligkeit der Ware zu übergroßen Einkäufen verleiten zu lassen. Man gebot, sorgfältig nachzumessen und das nicht den Webern zu überlassen. 13 Der arabischen Begel, die ja aber auch nicht immer beachtet wurde, beim Einkauf für den Verkäufer, beim Verkauf für den Einkäufer günstig zu messen, 14 wurde von den Bavensburgern allerdings nicht befolgt. Sie rechneten vielmehr bei der Leinwand mit den dem Verkäufer nicht bezahlten „Vorellen". Böse und gute Ware, gleich andere Leute es tun, zu mischen, schlug man ab. 15 „Darum, was der Sorten wäre, daran man etwas hat, darauf muß man sich desto mehr legen, denn was für eine große Mühe und Arbeit haben wir und man sollte nichts daran haben? Besser wäre müßiggehen, wiewohl man vielleicht eine Sorte bei der anderen haben muß. 16 Man muß sich der Sorten befleißigen, die Lauf haben." 17 „Beim Einkaufen muß man Herabtun mit voller Gewalt." 18 Die Lehre vom justum pretium tritt uns in den Worten entgegen. „Wenn ein Ding ganz auf das Niedrigste kommt, so muß es auch auf seinen Wert kommen." 19 Es ist sehr oft davon die Bede, daß eine Ware im gleichen gehe. Damit ist zumeist der gerechte Preis- 1 3, 78. 2 3, 56. 3 3, 143. 4 3, 143. 5 3, 9 (Tuch), vgl. 87 und öfter. 6 3, 142. 7 3, 60. 8 3, 79. 9 3, 79. 10 3, 59. " 3, 187. 12 Ritter, S. 7, 56. ". 3, 224. 14 Ritter, S. 27. 30. 37. 15 3. 7. " 3, 130. » 3, 179. 18 3, 284. l » 3, 77. st ■B BBM )M?^fSf 122 Drittes Buch. Organisation und Technik des Handels. 2. Kapitel. §17.18 gemeint, jene Lehre gemeint, die an einen inneren wirklichen Wert einer Ware glaubte und die Grundlage des christlichen Warenhandels bildete oder wenigstens bilden sollte. Die Araber verwendeten nicht das ins Moralische spielende Wort: justum pretium, sondern sprachen vom mittleren Preise, der wohl auf die griechische goldene Mitte zurückgeht. Wenn der Araber dann fordert, daß der tüchtige Geschäftsmann das mittlere Preisniveau einer Ware von jedem Orte kenne, 1 so ist bei den Eavensburgern nicht ausdrücklich das gefordert worden, aber sie handelten danach. Man hatte einmal zu viel Leinwand eingekauft und daran verloren. „Was soll das Geld verstecken und Wagnis, Mühe und Arbeit ohne Nutzen?" „Es ist besser 30 Ballen geführt und mit Nutzen verkauft, denn 50 ohne Nutzen. Wir wollen nicht die Weber hofieren und die Zöllner reich machen." 2 „Woran man wohl gewinnt, dem hebet Hand an." 3 Die ständige Anwesenheit im Geheger ließ besser die Gelegenheit im Ankauf benutzen, als der es konnte, der nur schnell aus dem Stegreif seine Geschäfte abschloß. „Der Münzer kommt alle Monate einmal her (nach Genua) und bringt 2 bis 3000 Dukaten mit und legt die an; wenn auch Ihr also tätet (so viel Geld verwendetet), sollten wir 1 ß oder 18 den. auf die Elle Seidengewand besseren Kauf haben als er. Das möcht Ihr wohl glauben. Einer, der stets an einem Gelieger hegt, soll stets „zu besser Bart" kommen, denn einer, der also eilt und wegreitet." 4 Auch Savary zog den Einkauf durch einen stehenden Gesellen dem durch einen Kommissar weit vor. Man drängte auf frühen Kauf. „Nicht jedermann kann Geld so lange darauf hegen lassen als wir. Man muß sie kaufen, ehe andere darauf fallen." 5 Man war sich also dessen völlig bewußt, daß der Großhändler durch sein Kapital dem Kleinhändler überlegen sei, der immer bar zahlen und in kürzester Frist einkaufen mußte. „Es ist gut, allweg eine Ware zu sammeln zu ihrer Zeit." 6 — „Ihr müßt es zu seiner Zeit kaufen und nicht warten, bis die Schiffung kommt; denn auf diese Zeit muß man es teurer kaufen denn sonst." 7 Entschlußfreudigkeit wurde von den Einkäufern verlangt. Häufig kehrt das Bild wieder: „Ihr dürft nicht lange in der Armbrust hegen." 8 Ihre Sehne wird ja kraftloser, wem? sie lange gespannt bleibt. „Andere Leute haben solche Mären (Berichte) auch, die auch darin hauen werden." 9 Harter Tadel fehlt nicht: „Von allerlei Ware (zu Valencia) zu kaufen für Flandern, Lyon, sicher, da seid Ihr heuer ganz närrisch mit umgegangen, daß es eine Schande ist, und sicher, Jakob, Hans Konrad, Ihr müßt die Sachen mit mehr 1 Kitter, S. 14f. 2 3, 58. 8 3, 68. 85. 128. 9 3, 128. 3, 84. 4 3, 315. 6 3, 58. 6 3, 85. ' 3, 86. Einkauf. Behandlung der gekauften Ware 123 Ernst in die Hand nehmen, oder unsere Sache wäre ganz nichts und stieß man uns ganz mit allem Gewerbe in den Sack. Wenn ein Ding gute Frage hat, kann man es nicht mit Warten behüben. Kauft die Werte zu Zeiten, denn, wenn es nicht besser hinfür gehandelt wird, so wären wir mit Euch der Leute Spott zum Schaden." 1 Die arabische Lehre, daß der Kaufmann ebenso Optimist wie Pessimist sein müsse, wird nicht ausdrücklich ausgesprochen, aber doch meist innegehalten. Ein musterhafter Bestellzettel liegt von Diepold Bucklin vor. 2 Aber nicht alle Bestellungen waren so gut. „Dann ist sicher unvernünftig um die Mützen geschrieben, denn in einer Bezept steht wohl zweimal bonnets di grana und steht nicht tondy oder mit orra und ganz kein Unterschied und kann es der zu Maüand nicht verstehen noch wir. Darum, Hans, Du hast es geschrieben. Wenn du um ein Gut willst schreiben, so muß einer lauter schreiben, daß man es verstehen kann." 3 Vor allem ergibt sich aber eins, die Gesellschaft kaufte fast stets in bar ein, ja gab bei manchen Waren — und es waren nicht die billigsten — Vorschüsse. § 18. Behandlung der Waren. Lagern. Verpacken. Zeichnen der Ballen. Beigabe von Rezepten. Zeitliche Bedingungen für den Versand. Wahl der Verkaufsorte. Einfluß von Gelieger und Zentrale auf die Bestellung. Frühzeitiger Verkauf. Gute Sortierung. Schlechte, unverkäufliche Ware. Stichgeschäfte. Konjunkturen. Auf den Land- und den Seetransport kommen wir später in. besonderen Abschnitten zu sprechen. Hier sei nur darauf hingewiesen, daß die Gesellschaft den Seetransport von Genua bis Brügge eifrig betrieb, früher vielleicht sogar den von Venedig aus. Sie vereinigte den wägenden Binnenhandel mit dem wagenden Seehandel, allerdings im Gegensatz zu den hansischen von Plätzen aus, die auch auf dem Landwege zu erreichen waren und erreicht wurden. Im folgenden ist von den lokalen Dingen abgesehen. . Zunächst handelt es sich um die Behandlung der Waren zwischen / Einkauf und Verkauf. Eine gute Behandlung der Waren auf dem / Lager, die sorgfältige Verpackung für die Fahrt, die genaue Bezeich-/ nung der Warenballen, die rechtzeitige Versendung und die Verteilung/ der Ballen auf mehrere Schiffe oder Landtransporte war eine ernste! Sorge der Bavensburger Herren. „Seid früh und spät, damit Ihr die Merceria und die Mützen sauber behaltet, da streckt die Nacht an." 4 — „Haltet das Gut sauber und streckt die Nacht daran." 5 — „Siebt den Safran wohl und stibiert (preßt) ihn nicht zu stark mit den Stricken, denn solche „Stümpfe" sind gar unverkäuflich." 9 — „Stibiert (preßt) den Safran nicht zu hart, so backt er nicht so fest ineinander.'" — „So schreibt Ihr viel Geld aus um Eeis und ander Gut zu stibieren. 1 3, 84. Vgl.412. 2 3,235 ff. 3 3,140. 4 3,56. 6 3,81. 6 3, 67. 7 3, 61; vgl.137. 169. ■■riH' j \m\ Rh -. mt ]24 Drittes Buch. Organisation und Technik des Handels. 2. Kapitel. § IS | i I m n, M| 9 ■ ^n Das stibierte man einst selbst und die ligadores das Reis. Daran, was man solcher übrigen Zehrung ledig mag sein, gewinnt man auch. Dazu ist es Euch nur eine Kurzweil." 1 Der Kümmel mußte ganz sauber sein. „Es ist die Schuld des Buben, des ligador oder garbelador." 2 Große Ballen, wie sie in Flandern hergestellt wurden, waren für den Landtransport zu groß. 3 In der Landschaft Bresse aber machte man die Cannemasserieballen zu klein, man muß sie größer machen „den auf einen großen Ballen geht nicht mehr Unkosten und Schiffslohn als auf einen kleinen. So führt niemand so kleine Ballen wie wir. Und um bestimmte Sorten soll man nur so viel serpeliera machen als nötig; denn man zahlt sie nicht." 4 Ebenso wurde es für den Safran vorgeschlagen. ,,Die in Saragossa haben Lasten (carga) gemacht von 360 U , andere machen sie vielleicht von 400 U oder mehr. Daran haben sie großen Vorteil an Zöllen und Fuhrlohn. Da die Gewinne so schmal sein wollen, müssen auch wir allerlei suchen. Sollte aber einer etwas beanstanden und er wollte sagen, die carga wäre zu schwer und sollte Gefahr an etlichen Zöllen sein, so wäre des besser müßig gegangen; denn die Fuhr- leut verschweigen, wie zu besorgen ist, nichts." 5 Da der Safran 1507 so teuer war, wollten die Krämer nicht gern große Säcke kaufen. Man sollte nun 5 Säcke auf den Ballen machen lassen. 6 Die Warenballen waren sorgfältig mit der Gesellschaft Zeichen und mit fortlaufenden Nummern zu zeichnen. An den großen Sünder Claus Bützel geht die Mahnung: „Auch daß die Ballen zum Teil unrecht gezeichnet sind. Das alles ist Dir zu viel." 7 — „Item, an Geldrich schreiben, daß er die Fracht nicht gezeichnet hat. Ist ihm eine Schande." 8 Allen Warensendungen sollten „Rezepte" beigelegt werden — Aufzeichnungen über den Inhalt und den Einzelwert der Waren—, die Knaben sollten sie abschreiben. 9 Eine Reihe von Ladeberichten hat sich erhalten. Gewöhnlich ging daneben noch auf anderem Wege eine zweite Abrechnung. Sehr ernst war die Aufgabe der Gelieger, die besten Schiffsgelegenheiten auszunutzen. Bei ihrer Seltenheit war ein Versäumen eine schwere Schädigung des Kapitalumsatzes. Ahnlich lag es bei den Landtransporten. Für viele Waren kam es darauf an, möglichst früh an dem Verkaufsplatze zu sein. Kommt man mit der ersten Passage, so verkauft man statt 15 Ballen deren 50. 10 Bis in die Fasten mußten in Valencia die Früchte gesammelt sein, damit man ja die Passage nicht versäume. 11 „Es ist unvernünftig betrachtet, daß es eine Schande, Spott und Schaden ist. Darum, so tut es nie mehr, brauchet mehr Fleiß und Ernst, damit ein Gut geladen und gekauft werde zu seinen 1 3, 153. 2 3, 184. 3 3, 6. * 3, 187. 5 3, 169. • 3, 391. ' 3, 224. 8 3, 17. 9 3, 11. 10 3, 58. ll 3, 59. Verpackung. Versendung. Verkauf 125 Zeiten." 1 — „Die Dinge sind im Anfange verwahrlost worden, da man doch so gute Passage hatte und guten Kauf von Schiffslohn." 2 — „Wenn Du das Gut auf zwei Schiffe möchtest teilen, denn wir je nicht gern auf einem Boden uns so gar groß finden." 3 — Auch auf dem Landweg empfahl man öfter, nicht viel Gut zusammengehen zu lassen. „Schreibt Ihnen nach Valencia mit der Ladung, daß sie bei Zeiten darzutun, damit nicht abermals gesäumt werde, als das vergangene Jahr." 4 Eine sehr ernste Frage war es, das Eisiko beim Transporte zu verteilen. Verkauf durch Versand an Kommissionäre oder unmittelbar an Kunden ist nicht nachzuweisen. Wie man beim Ankauf möglichst an die Produktionsstätten / heranging, möglichst die Stätten billigsten Ankaufes aufsuchte, so richtete man sich beim Warenverkauf nach dem Begehren und wandte sich den Orten teuersten Verkaufes zu. Das äußert sich bei den Grundartikeln, wie Leinwand und Safran, aber auch bei fast allen anderen Artikeln. Safran wurde eine Zeitlang von Ara- gonien zum Verkaufe bis nach Posen auf dem Landwege gebracht. Man baute auf einen örtlichen und zeitlichen Unterschied der Preise zwischen Ankauf und Verkauf. Durch kühle Berechnung und sorgfältige Nachrichtensammlung suchte man dieses Bisiko zu überwinden. Während die einzelnen Gelieger ihren Bedarf unmittelbar bei den Ein - kaufsgeliegern bestellten, übrigens davon nach Bavensburg Nachrichten gaben, wo den Herren immer noch die Entscheidung zustand, wurde die Zufuhr zu den Frankfurter Messen, wo der Hauptverkauf stattfand, von Bavensburg selbst aus geleitet, wobei jedoch den Ge- liegern von Brügge und Nürnberg Spielraum gelassen wurde. Man drang darauf, daß die Waren möglichst bald zur Stelle waren, namentlich bei einzelnen Artikeln legte man großen Wert darauf, so bei den Korallen. „Vor allen Dingen sei daran, daß sie bei Zeiten herauskomme; denn, wenn sie nicht am Anfang der Messe ist, so ist es danach versäumt; denn die, so sie von uns kaufen, legen sie auch aus." 5 Auch beim Safran spielte das eine Bolle, namentlich wenn er in den Verbrauchslanden ausgegangen war. 6 „Wir zweifeln gar nicht, wer zuerst mit dem Stank haußen sein wird, wird das Seine schaffen. Lugt nur, daß er rasch von Statt gefergt werde. Wie es aber gehen würde, wenn die Bäche zusammenkommen, wissen wir nicht. Und, Lamparter, einer muß ein Proposit sich vornehmen, und nicht gleich davon fallen. Da seid nun daran, daß er flugs hinauskomme. Fändet Ihr einen, der sogleich damit bis Nürnberg (von Lyon) durchfahren würde, das wäre die Kunst. Denn, wer als erster wird Ort haben, wird das Seine schaffen." 7 Zwei Jahre hintereinander war die Gesellschaft in Frankfurt mit ihren Ballen zuerst da. 8 1 3, 84 f. 2 3, 412. 3 3, 76. * 3, 414. 6 3, 142. 155 f. ' 3, 155 f. 8 3, 169. Z. B. 3, 127. 136. HP ■HBF WSBm WM Nu 1 1 BF Sa Ipll ., ■ BS I ■■ Hl 126 Drittes Buch. Organisation und Technik des Handels. 2. u. 3. Kap. §18.19 Man wollte auch die verschiedenen Sorten einer Ware haben, wie sich das bei der Betrachtung der einzelnen Waren (Neuntes Buch) ergibt. ,,Wenn man gut gesortiert ist, so macht es, daß man die Parockians, die Kunden behält." 1 — „Wir sind sehr übel gesortiert, da es doch aus dem Wege ist, daß man ein Ding ganz bestellt, darum man geschrieben hat, und von den anderen Sorten nicht eine zur Hälfte? Wie sollen wir den Bourg vertreiben, so wir der anderen Sorten nicht auch danach haben?" 2 Zwar war man der Meinung, „nicht Jedermann kann Geld so lange auf Waren liegen lassen als wir". 3 Aber im allgemeinen war man doch dagegen, daß ,,das Geld lange auf der Ware schliefe". 4 Das klassische Bild kehrt immer wieder. „Kehret allen Fleiß vor, damit Ihr das Geld nicht schlafen laßt; denn wie wenig man gewinnt, es ist besser, als es schlafen lassen." 6 — „Es soll nicht viel Geld müßig liegen." 6 Da heißt es gelegentlich: „Seid nicht zu hart — beim Verkaufen, dann behält man die Kunden und kommt wieder zu Geld." 7 Es war vor allem bei verderblichen Waren ein schneller Verkauf vonnöten und deshalb forderten die Herren für solche Waren hohen Nutzen, um das Risiko tragen zu können. Im allgemeinen scheute man vor solchen Waren zurück. Schlechte Ware suchte man bald „quitt" zu werden. „Sammet haben wir von der Hand geschoben, denn sie waren sehr schlecht, geringe Ding und Haushüter." 8 Unverkaufte Ware schob man auch wohl in andere Gelieger oder von der Frankfurter Messe nach Flandern und Nürnberg. 9 So wanderten von Genua nach Mailand 20 Ballen, wo man 4 bestellt hatte. „Wäre es „roba da gadagno" gewesen, wäre es nicht geschehen. Sie hätten 10 Wege, die zu verkaufen, so man hier nur einen hat. Das Böseste ist, wir besorgen, daß ein Teil verdirbt." 10 Die Ware mußte mit Verlust verkauft werden. „Alte Ware schiebt von der Hand, sei es mit Gewinn, sei es um Hauptgut, denn je länger ein „verbafflat" ding liegt, je böser es wird." 11 In Nürnberg saß man hinter einer Ware, da meinte Gabriel Geßler: „Ich will nicht zu hart mit ihr sein, denn es ist besser ein Verlüstle als ein Verlust." 12 Er drückte gemütlich das aus, was Savary in die verstandesmäßigen Worte kleidete: man sollte lieber wenig an veralteter Ware verlieren als viel an Zinsen. Ankauf von gangbarer Ware und Verkauf von lästiger wurde gern in einem Stichgeschäfte verbunden, doch handelte es sich oft auch um gangbare Waren. Diese Art von Geschäften hatte eine große Verbreitung. Auf die Konjunkturen hatte man genaue Obacht, auf Münzkurse, auf Andrang von Kunden, wenn z. B. der König in eine Stadt kam und viele noch einen guten Anzug für nötig hielten. x 3, 115. 2 3, 123. 3 3, 58. * 3, 107. 172. 5 3, 89. 8 3, 10. 7 3, 57. 8 3, 367. ' 3, 369. 10 3, 282. " 5, 7 bafar span. spotten. 12 3, 369. Verkauf. Behandlung der Kunden 127 Große Furcht hatte man vor einer staca de botiga, und schon die calma machte die Gesellen mißmutig. Aber dann hatte man leicht die Formel bei der Hand: Man muß patiencia haben. Man sieht die Gesellen förmlich in der Tür ihres Gewölbes stehen und auf einen Kunden harren. Und der Tag verging und wieder war kein Zehrgeld verdient. Aber „Wenn einmal eine Ware in calma stand, verkehrte es sich über Nacht und gewann requesta." 1 Die weitverbreitete Meinung, daß die Kaufleute oft ihre Ballen auf der Eeise gezwungen oder freiwillig aufgemacht hätten, um davon zu verkaufen, findet keinerlei Bestätigung. Die meiste Ware wurde schon auf Bestellung für ein Gelieger gekauft und ging uneröffnet bis zu diesem durch. Drittes Kapitel Die übrigen Geschäftseinrichtungen und Handelsgrundsätze § 19. Kunden und ihre Behandlung. Preisbestimmung. Furcht vor bösen Schuldnern. Eintreiben der Schulden. Kredite. Verhältnis von aldiven und passiven Schulden. Schuldverträge. Keine Schuldzinsen. Wille zum Gewinn. Kleinverkauf. Der Käufer fühlte sich die Gesellschaft, ihren Papieren nach zu urteilen, ziemlich sicher, 2 und das war sie auch wohl noch im 16. Jahrhundert. Aber sie forderte auch von ihren Vertretern eiDe gute Behandlung der Kunden. „Haltet Euch graziös mit unseren Kunden und seid nicht zu hart im Verkaufen, insonder wenn man gewinnt." 3 Die feine sorgfältige individuelle Behandlung der Kunden ist in einem Einzelgeschäft mit stehendem Personale viel leichter durchzuführen, als in einer so großen Gesellschaft. Daher werden uns die Ermahnungen noch mehr begreiflich. Und die Furcht, daß die Kunden „abgestochen" würden, kam doch auch sehr lebhaft zum Ausdruck. 4 Vorsicht sollte man gegen neue Kunden haben. „Uns dünkt, daß Ihr etüche neue Leute sehr beladen habt. Da ist ISTot, daß Ihr dazu seht, daß nichts Wurmstichiges daraus werde. Und das Größte, das uns Wunder nimmt, daß Ihr das Gut zu gleichem Preise denen, die nie von uns gekauft haben, gegeben habt, als den Massipa und den besten. Ist früher nicht gewesen, denn damit macht Ihr die Massipa und andere Kunden, die besten unlustig. Denn sollte ich den Massipa nicht Lieber einen kleinen Vorteil tuen, da ich wüßte, daß mir richtig die Zahlung würde? Der Corder ist alle 1 3, 107. 2 Vgl. 3, 53. 169 f. 3 3, 54. 56. 67. 4 3, 80 f. rifl i pMgWgj Bi f Hl S ".,'■;■'. | 1 Sm «M ''■"V. ■ ■■■ v ' ■ . H, ß^*^? i ^Kj >'fäis5Öä Ä V silllP™®' ■ '■;■'■'■■' Ü I 1 E M '. - : i .: ' : ': ; '-' '•; ■ ! H H ■...'.';'. 1» «a wm I ■■ -■■■-.■ ■■ ^3§§|| iSPll R '■;* LialftS^«^ :■■,.' H ^Wgwii^Ssft SP feSw'äw" 1 .. ShäSwffiB Ml I8sr95 m ' 128 Drittes Buch. Organisation und Technik des Handels. 3. Kapitel. § 19 Tage ein Bube gewesen. Und, liebe Freunde, seht darein; seid nicht so gierig viel zu verkaufen und daß es richtig sei. Und ob Euch bedünken wollte, daß einem das Haupt wehe tue, so kommt nur hübschlich von ihm. Man hat vor Zeiten auch neue Kunden aufgezogen, aber man fing mit 30 bis 40 t6 an und nicht mit 400 bis 500. Darum sehet darein, denn nichts mag uns so wehe tun als böse Schulden." 1 Derartige Gedankengänge entsprechen einem Geschäfte von altbewährter vorsichtiger Praxis, und wir haben den Eindruck, daß der Kundenkreis der Gesellschaft recht stabil war. Bei aller Vorsicht kam es doch auch mit den besten Kunden zu Streitigkeiten. So in Valencia mit den Massipas. Da wollte man fest bleiben. „Man muß ihnen cara parieren (ein festes Gesicht aufsetzen), sonst meinen sie hintennach, wir müßten tun, was sie wollen. Sie klagen noch sehr, aber der Friede ist gut zu machen." 2 Die Preise hingen auch von der Zufuhr anderer Kaufleute ab. Da war Valencia einst mit Garn von Audenarde überladen und steckten alle Winkel davon voll. 3 1480 fürchtete man, daß flandrische Waren zuhauf nach Saragossa kämen und eine staca de botiga einträte und Geld darauf verläge. 4 Ein anderes Mal fehlte es in Saragossa sonst an Leinwand „des sollten wir billig genießen am Verkaufen, denn man muß schneiden, so es öhmd ist." 6 Die Preise, welche man zu fordern hatte, wurden von Eavens- burg aus vielfach genau nach Kenntnis der Produktionslage und der voraussichtlichen Nachfrage festgesetzt; aber meist wurde doch ein Spielraum gelassen und bei verderblicher Wäre ward auch diese Grenze wohl unhaltbar. An Verlusten kam man nicht vorüber: „Wir haben an Zucker lange Zeit verloren, macht nicht gut Blut... Wer alle Dinge wüßte, würde bald reich." 6 „Vor allem hütet Euch vor bösen Schulden" ist die am meisten vorkommende Mahnung.' Dem jungen Lütfried Muntprat schreiben sie: „Doch vor allen Dingen hüte Dich, borge niemand etwas, du wüßtest denn, daß es richtig sei, denn junge Leute werden gar oft versucht." 8 Ein ander Mal wird demselben geschrieben: „Doch sei nicht zu hitzig beim Verkaufen, daß Du uns keine böse Schulden macftst, denn die Gewinne sind sonst schmal und mit einer bösen Schuld wäre der Gewinn eines halben Jahres weg." 9 — „Denn sicher eine Zeit her hat man uns viel böse Schulden zu Saragossa gemacht; wenn dann die Gewinne schmal sind, so ist es leicht geschehen. Einer kann leicht eine böse Schuld machen, so geht der Gewinn dahin." 10 — „Borget niemanden etwas, Ihr habet denn Sicherheit (fermenza). 11 — Nichts mag uns wehe tun denn böse Schulden." 12 1 3, 152. 2 3, 107. 3 3, 107. 4 3, 159. 5 3, 86. • 3, 59. ' 3, 45. 8 3, 6o! 9 3, 79. 10 3, 64 f. » 3, 82. 12 3, 152. m Preisbestimmung. Schulden. Kauf auf Kredit 129 „Wir fürchten uns zu Saragossa mit Borgen, denn es hat uns ettwin ergrämt. Darum, Jakob, Polai, Hans, seht darein und überladet die Leute nicht. Loys Lombart und G. sind gute Kunden. Doch so dünkt uns, Ihr überladet sie zu sehr und das Beste ist, nicht zu viel auf einmal zu verkaufen. Desgleichen mit andern auch und wer Euch dünkt, daß er nicht richtig sei und ihm das Haupt wehe tue, nur mit guten Worten 1 von ihnen kommen und sich vor ihm hüten . . . Darum, liebe Freunde, seid daran, daß man uns keine bösen Schulden mache,/ laßt uns das Gut eher in der Bodega liegen." 1 — „Sehet Euch/ wohl vor mit Borgen, denn wir fürchten Saragossa und wissen wohl, daß Ihr ohne Borgen nichts schaffen könnt . . . Ob auch einer mit Lützel davon lief, so schadete es nicht viel, die großen Summen täten uns nur weh." 2 Aber selbst von IsTürnberg kommt in schweren Tagen die Nachricht: „Einer, der sich richtig dünkt, schämt sich nicht, ein Vierteljahr über Zeit zu verziehen." 3 Von Frankfurt heißt es 1500: „Das Borgen fürchten wir mehr als alle unsere Tage; denn es will sich niemand mehr schämen." 4 Alte Schulden einzutreiben ist die Mahnung jeder Rekordanz. „Wir verstehen wohl, wie Ihr die Schulden bis auf ein Kleines hereingebracht habt. Ist gut. Liegt den andern Schuldnern streng ob und wenn Ihr der alten zweifelhaften Schulden etwas einbringen möchtet, dann spürte man Eure Emsigkeit." 5 Düi_Ge^elIsch_aft^aufte wenig auf Kredit, gab aber in viel weiterem Maße selbst Kredit. Es fehlt jedoch nicht an Fällen, wo die Gesellschaft lange Kredite in Anspruch nahm. So kaufte man in Genua Schamlot (200 Stück) auf 18 Monate Ziel. 6 In" einem Falle war die Wähl gestellt zwischen Zahlung auf der nächsten Messe (dies war etwa ein Monat) oder übers Jahr. Die Fugger, um die es sich handelt, verlangten für jene Zahlung 1170 $, für diese 1260, das ist ein Diskonto für 11 Monate von 7,14 %. 7 Bei der großen Safrannot im Winter 1479/80 stellten die Herren denen in Aragon frei, zu tun. „Wenn Ihr es an Geld nicht'vermögt, so kauft auf 2 oder 3 oder 4 Monate (Ziel) Stank. Was wollte es sein? Oder einem Kunden, wenn es nur gutes Gut ist, Schulden oder anderes Gut hinzugeben? Ob Ihr dann ein wenig den Stank teurer kaufen müßtet, so käme es am Gute wieder herein. Heuer ist zu tun, was andere Jahre nicht gewesen ist." 8 Das war ein großes Risiko. Das führte zu Verlusten, selbst bei den Vorschüssen an die Respon- denten. „Uns dünkt, Ihr ließet (in Aragonien) zu viel Geld auf den Bespondenten, dadurch ettwin böse Schulden gekommen sind." 9 Zu Saragossa gab man einem Deutschen 2iy 2 U bar, dafür haftete der Geselle, der es hingegeben hatte. 10 1 3, 140. 2 3, 172. 3 3, 390. 4 3, 374. 5 3, 80. 91. 201 und öfter. • 3, 316. 7 3, 373. 8 3, 138. 9 3, 96. 10 3, 140 f. Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 9 ■ mWL ras Hin 111 ■■ I $$ B Hl i ■ ■ 130 Drittes Buch. Organisation und Technik des Handels. 3. Kapitel. § 19. 20 Über das Verhältnis von Ausständen und Passivschulden haben wir folgende Ziffern: böse ! zweifelhafte 1 Schulden M & ß A\ gute Schuldete selbst U ß ^, ) >r »» J> >» >> Summe 500 Dukaten 2500 Dukaten 2892 rh. fl 6117 rh. fl 2250 Duk.ven. zahlbar Venedig, Jakobi. „ 12T.n.Weihn. Nördlingenn. Messe. wo! Martini. Venedig, Jakobi. 1 Unten 3, 320 f. 2 3, 518. t »Usa H W| mW affin H il$«i ipgli ftää*i^ J?9*w[ ffi wisö!aKS n^PfrimB aPS?*l8i 8H äf^Y»^*iie3§K sÄffiPsffi ■ •... I ■■'■■' '» n, 1 V «ML, HB «BT Em Hb i n 138 Drittes Buch. Organisation und Technik des Handels. 3. Kapitel. § 20 kurszettel S. 139). Sie sind bisher von diesen Plätzen die ältesten. Der älteste ist vom Antwerpener Bamasmarkt 1480. „Was spetzri in disem markt gölten hat" und enthält außer 11 Sorten Spezerei 4 Sorten Barchent. 1 Der zweite Antwerpener, der sich wohl auf den Bamasmarkt 1504 bezieht, enthält neben 5 Sorten schwäbischer Stoffe 13 Sorten Spezereien. 2 Der dritte vom Januar 1507 liegt vielleicht außerhalb der Meßzeit und steht mitten in einem Briefe, er enthält 16 Spezereien. 3 Der älteste Frankfurter berichtet über die Herbstmesse 1497, zählt 7 Spezereien und 2 schwäbische Stoffe auf, 4 dazu bietet ein Gegenstück über die Herbstmesse 1500 mit 20 Sorten Spezereien ein Brief Gabriel Geßlers. 5 Der über die Herbstmesse 1503 berichtet über 8 Spezereien. 6 Davon unterscheidet sich durch Kürze der Nürnberger Bericht von 1504, er umfaßt 6 Spezereien, dazu Silber. 7 Sie fallen in die Zeit von 1480 bis 1507, in die die Umseglung Afrikas und die direkte Verbindung mit Ostindien fällt, deren Wirkung an den Ziffern abzulesen ist. Die Bavensburger haben gleich den meisten Kaufleuten ihrer Zeit den Messen ein hervorragendes Interesse gewidmet. Die älteste für Westeuropa entscheidenden Messen, die der Champagne, hatten zu den Zeiten unserer Handelspapiere ihre Bolle ausgespielt. Brügge war als ständiger Meßplatz der Haupterbe, doch gewannen eine erhebliche Bedeutung die Messen von Genf, die für die Spanier, Ober- itabener, Franzosen und Oberdeutschen gut gelegen waren. Die einzelnen Messen werden bei den einzelnen Landschaften zu besprechen sein. Hier muß jedoch eine kurze Übersicht gegeben werden. Für die Gesellschaft hatten die größte Bedeutung die Messen zu Frankfurt a. M., zu ihr wurden Gesellen von Nürnberg beordert, es gingen aber auch regelmäßig Beauftragte von Eavens- burg aus dahin. In zweiter Linie stehen die Messen von Antwerpen, ursprüngUch wurden sie vom Gelieger von Brügge aus besorgt, dieses selbst aber frühzeitig dahin verlangt. Eine erhebliche Bedeutung hatte auch der Besuch der Messen von Lyon, das dortige Gelieger wurde aufgegeben, doch blieb es üblich, jemand hinzusenden, auch wenn er nicht viel anderes zu tun hatte, als auf diesem für den Geldhandel zeitweise leitenden Platze Nachrichten einzuziehen. Ein Kaufmann kann nicht leicht eine Messe versäumen, denn meist hat er Schulden einzuziehen. Vor dem schnellen Siege der Lyoner Messen waren die Bavensburger auf den Genfer vertreten gewesen. Begelmäßig wurde auch die Messe von Nördlingen besucht, nicht die von Zurzach, gelegentlich auch die von Begensburg. Die Heil- tumsfahrt von Nürnberg fand ja am Sitze eines Geliegers statt. In den Niederlanden spielen auch die Messen von Bergen op Zoom und 1 3, 432. 2 3, 438. 3 3, 441. 4 3, 369. 5 3, 377. « 3, 387. 7 3, 390. mm hsi Wm Warenkurszettel. Besuch der Messen 139 a o pH > * s d t> li 13 :d a N 03 3 C OJ «8 3 !-H At g d -t 3 •r co c3 xt u a ^ a *? CD C3 ^ (-1 f-. Ca ® bß 3 bjo bo bo i 6>J0 S ° CS (N eo «S5.-H Oi (3 '8 «a. =a. eo bo bc OD 6N —i bo co c- _ bo bo «a. 10 =0 ca. «a. I 10 o «a. OS 00 CO «ä. ^sa.^ m O 50 b»eO CO d Ca «a. eo «a. 00 «a. **■ 3 fl im cd o d CS N cd CO ©' 1 1 "äs _c-«a.S w s8 - *i d d oT •t-i tfc CD * so E £ t< CQ.CS3 * g 2 «£«.§> r- CO S'öj ca m ja|«ä» d d "^ r- " ccj. o rt cä'g'a^- 43 C P^ d =0 Sco^ ««„ 1 &fe ^> ® !C3 w w rt cö3 «.h -ö r~cä 3 d Orh „»na CO :Cd ff d S bt d Wo S 5! . ^-S «^co^ « pH Ja a^-§* -O co co C9 SAU ca o^ . <1 P> HHMEH! 3«; AfegjtjK ^SSflß HHH 11 am Hl ■>-■. V,. .,'M I m Wm wW ■ >,■■... TO/fflffi^rnSri *'■■-', HJ «IsskSI •«SS 1 «»! ^P&ais ISP 89B ||f*8 W0W& HB 'JmMfm ««»§ "$js&%m **$a2j& iM^^ffi . iH • i mmm Ml ■ W^m SSs I 140 Drittes Buch. Organisation und Technik des Handels. 3. Kapitel. § 20. 21 die von Middelburg eine Eolle. In Spanien werden die Messen von Valencia, die aragonischen von Alcaüiz, Barbastro und Daroca erwähnt, in Italien die von Vereelli, in Österreich der Markt von Mistelbach, in Ungarn die von Watta und Pesth. Das ist eine stattliche Anzahl, aber nirgendswo darf man sich die Eavensburger mit Detailverkauf beschäftigt denken. Die Bedeutung der Messen von Antwerpen und Frankfurt war so erheblich für die Gesellschaft, daß sich danach der Ankauf A^on Waren und die Zeit des Transportes vorwiegend regelte. § 21. Unterbringung von Lehrlingen in fremden Landen. Vorschriften über ihre Behandlung. Ermahnungen. An junge Muntprats, an Hans Wigermann, Felix Humpis, Homps, den jungen Lamparter, Klaus Bützel. Mangel an alten Gesellen, Ermahnungen, Rücksicht auf Konkurrenz. Man ist gewöhnlich des Glaubens, Italien und besonders Venedig sei die Schule der jungen oberdeutschen Kaufleute gewesen, wie Brügge etwa für die niederdeutschen. Aus unseren Papieren erfahren wir, daß für die Süddeutschen, genauer die Oberschwaben, auch Spanien hinzukommt und auch die Niederlande. Wir werden mehrere Gesellen kennen lernen, die die niederdeutsche-flamische Bechtsehreibung anwenden, wie andere unter stärkstem katalanischen Einflüsse stehen. Aber auch für Mailand und für Ofen haben wir Zeugnisse, daß dort junge unter Leitung der Gesellschaft stehende Knaben bei eingeborenen Lehrherren untergebracht waren. In der lombardischen Hauptstadt zahlte man für Kaspar von Ulm bei seinem Herren aufs Jahr 12 fl rh. 1 Den jungen Peter Helmer brachte sein Vetter Herr Paul Langenberger zu einem Herrn in Ofen und für ihn übernahm ein Geselle eine Bürgschaft. Man war aber der Hoffnung, an ihm einen geschickten Jungen zu haben, der die ungarische Sprache bald erlernen werde. 2 .Die J3^esellschafLverteilte-al« o ihre Leh rjuJtgerrln viel höherem Maße auf-die-J^and£ r -^ls--ro±r_-dfl,s van t rgenrlftir i e j' anderen deutschen Gesellschaft bisher wußten. Jakob Eudolf führte 1479 im Herbst jungeKnaben nach Spanien. „Die versorge mit Herren zum Besten; denn wir wollten, daß ihrer viele drinnen wären, damit wir nicht — offenbar der Sprach- und Lokalkenntnisse wegen — an einen gebunden sein müßten. So wird noch bald ein ganzes Dutzend hineingesendet." 3 Man folgte mit dem Unterbringen bei eingeborenen Kaufleuten dem Eate des klugen Hinderofen, der geschrieben hatte: ,,So verstehen wir auch wohl, daß Ihr gern einen Jungen für Flandern hättet; den senden wir Euch, wen Ihr wollt, denn wir ihrer genug hier haben. Aber Ihr wäret für da eines guten Teilers bedürftig, deren wir wahrlich keinen haben. Ihr nehmt die Jungen gleich herein ins Haus und laßt sie keine Zeit bei Welschen im Laden stehen und wähnen ihre 1 3, 321. 3, 454. 3 3, 153. im HM ÜK Unterbringung und Erziehung der Lehrlinge 141 Väter und Verwandten draußen, sie täten den Jungens wohl damit, so tuen sie doch ihnen weh; denn nie mag einer besser ein guter Teiler werden und sonst viel lernen, denn in einer Bodega." 1 Die Vorschriften für die Behandlung der Lehrlinge sind höchst lehrreich. „Darum, so tue jedermann sein Bestes, und Ihr jungen Leute seid Euren Obern gehorsam und willig in allen redlichen Sachen. So sollt Ihr Alten ihnen auch ein rechtes Vorbild tragen in allen Dingen, es sei mit Frauen, Kleidung, Zehrung. Dann seid Ihr schuldig, die Jungen zu unterweisen mit Rechnungen, Briefe abschreiben lassen. Heißt sie an Feiertagen in das Scriptori sitzen und rechnen, Briefe lesen, nicht daß sie Spazierengehen. Ist unsere ernstliche Meinung. Wer aber nicht gehorsam sein wollte, den sendet heraus; denn wir wollen es nicht leiden. Wer sich wohl anläßt, den braucht zu Großem; wer aber nicht will, den läßt man einen Esel sein. Du, Jung Hülesun, uns dünkt, Du seiest gar laß. Hans Hinderofen, blase ihm den Staub von den Ohren. Wo denkst Du hin, was meinst Du, daß aus Dir werde, willst Du nicht emsig sein? Sei es bei Tag und Nacht, so wird ein rechter Mann aus Dir. Ihr habt viele junge Leute drinnen, die unterweiset mit Treue, so kann man Euch desto besser schonen und dann eine Weile herauslassen." 2 Ein andermal lauten diese väterlichen Ermahnungen: „Also, liebe Freunde, Jakob, Hans Hinderofen, Polai, seid daran und ziehet unsere und andere Jungens, so noch bei den Herren sind, in Treue und traget ihnen ein gutes Vorbild. Laßt ihnen nicht zu viel Laufs und daß sie nicht Kosten machen. Ihr wißt wohl, wem jeder zuhört und wie man es vor Zeiten gehalten hat, daß die Jungen, so hei den Herren sind, alle Feiertage ins Haus kommen und in eine Kammer sitzen und rechnen. Das ist unsere Meinung und wollen es gehalten haben. Es ist doch den Jungens besser; denn daß sie in der Stadt herumgehen spazieren. Wer auch dazu nicht willig sein wollte, der der Unsern ist, blast ihm den Staub von den Ohren, wollen die Worte nicht helfen, ein guter Streich. Und darum, liebe Freunde, seid daran und zieht uns gute Leute. Wenn Ihr schier gern hier außen wäret, damit andere da seien, die den Handel versehen, damit die Karre nachgehe; denn wenn die Gesellschaft in gutem Wesen bleibt, als sie denn lange Zeit gewesen ist und noch will bleiben, so ist es für niemand mehr denn für Euch." 3 „Dann denkt Ihr jungen Leute, seid Polai gehorsam und was Ihr tun sollt, das tut mit Fleiß und Ernst und spart Euch nicht bei Tag und Nacht und mit geziemlicher Zehrung. Wenn man dann sieht, daß einer einen Willen hat zu einem Dinge, so braucht man ihn zu Größerem und werden rechte Leute aus Euch. Sonst läßt man einen ewiglich einen Gaul sein. Und darum, Ihr Jungen, denkt und was 1 3, 112. 2 3, 91. ä 3, 153. Vgl. auch 3, 173. I^^^^^H "iO I ■ : ?^S?^R m i | III "■ ■ ■ 8 . ■' Hg ■v ' m ■\ Vv : ■." Ha I 142 Drittes Duch. Organisation und Technik des Handels. 3. Kapitel. § 21 einem empfohlen wird, das richtet mit Fleiß aus, das ist Euch nützlich und ehrlich." 1 Die Heranwachsenden verwendete man in vielseitiger Tätigkeit. „Wäre es Not, als es vielleicht sein mag, so möchtet Ihr von Valencia und Saragossa einen Jungen zu Baptista nach Barcelona senden, der ihm helfe, es wäre das Haus zu versehen oder im Lande (beim Safranankauf), so lernte einer auch das Land kennen, denn man muß immerdar junge Leute zu einem Dinge aufziehen." 2 Und wiederum heißt es: „Als Ihr denn schreibt, daß Ihr gern einen Jungen gen Lyon hättet, da ihn aufzuziehen und Euch der junge Hans Lamparter gut dazu dünkt, das gefällt auch uns sehr wohl — schreibt Hans Hinderofen — und je eher, daß er dahin kommt, je besser ist es, denn seiner Baptista in Barcelona nicht bedürftig ist. So zweifeln wir nicht, sein Vater wird ihn bald in Lyon in die Praxis gebracht haben ... Es soll ein rechter Mann aus ihm werden, so ist er praktisch mit der Feder, mit Schreiben und Eechnen." 3 Von herzerquickender Frische sind die Ermahnungen an einzelne der jüngeren Gesellen, denen die Gesellschaft bei dem Mangel an katalanisch redenden Gesellen früh schwere Aufgaben anvertrauen mußte. Da war Hans Konrad Muntprat, der Sprosse eines hoch bedeutenden Geschlechtes: „Hans Konrad, Dir ist auch eben viel und Großes in Deiner Jugend empfohlen, denk daran und überhebe Dich nicht, daß Du wähnen wolltest, Du wissest es gar. Jungen Leuten steht es wohl, daß sie fragen, was sie nicht wissen, insonder in solchen großen Sachen. Sei emsig Tag und Nacht in Büchern, auch mit Avisieren. So spürt man, daß Du einen Willen zur Kaufmannschaft hast, so gönnt man Dir die Ehren wohl. Überheb Dich dessen nicht und gib den Älteren bevor. Auch sei züchtig und bescheiden mit Kleidern; ehret Dich viel mehr, als wolltest Du fast hoch sein und gut, wenn einer hier außen auf seinen Kosten lebt, er sei ein Junker, wie er wolle. Desgleichen Ihr anderen ziehet Euch einfach (schlecht) an, so hält man fast mehr von Euch. Wir wollen es auch von keinem leiden, er sei wer er wolle, denn die Gewinne wollen es nicht. Jakob, Polai, Hinderofen, wo Ihr solches sehet, so laßt es uns bei Eurem Gelübde wissen, das oder anderes, es wäre mit Frauen oder anderem, das der Gesellschaft Schaden bringen möchte. Auch haltet Eure Bücher wohl leslich und lauter, damit wenn Ihr Bechnung sollt geben, man sich daraus verrichten könne. Ist kaufmännisch. Auch fleißigt Euch guter Schrift, so kann man es lesen." 4 Dieselben Sorgen kehren wieder. „Hans Konrad, da denke, Du bist ein junger Mann mit Jakob, der älter ist als Du. Sei emsig und überhebe Dich nicht, daß Dir so jung so viel empfohlen ist, 1 3, 169. 2 3, 175. 3 3, 112. * 3, 55. n8 ■'V- -*'v^-&-.,Vi Ermahnungen an Lehrlinge und. Gesellen 143 halte Dich um desto schlichter mit jedermann, denn, Jakob und Ihr alle, etliche Leute meinen, sie wollten Euch in ein Bockshorn stoßen; denn Jakob und Hans Konrad und Ihr alle seien Kinder. Laßt sehen, ob Ihr die Kinderschuhe zerbrochen habt, voran Du, Jakob." I Ein anderer Muntprat war in Barcelona, er trug den Namen Lütfried nach jenem großen Kaufmanne. „Polai, Du läßest auf die Zeit Lütfried Muntprat die Rechnung halten, wir meinen, er sei so lange dagewesen, daß er dem Dinge wohl Becht tun sollte . . . Polai, da meinen wir, Du habest den jungen Mann unterrichtet, damit er ihm hinfüro Recht tun sollte. Lütfried, da denke und lasse Dich merken und sei wohl emsig . . . Trauen wir, Du säumest Dich nicht. Doch vor allen Dingen hüte Dich, borge niemand, Du wüßtest dann, daß es richtig sei; denn junge Leute werden gar oft versucht. Und überhebe Dich der Dinge nicht, auch darum nicht, daß Du ein Muntprat bist; desgleichen, Du, Hans Konrad, auch. Haltet Euch desto stiller und schlichter; das ehrt Euch viel mehr, als wolltet Ihr über anderen Leuten sein. Man litte es von Euch keineswegs. Auch fleißigt Euch ziemlicher Kleidung, das stände Euch wohl. So, meinen wir, tätet Ihr Euren Vätern ein großes Wohlgefallen, wenn Ihr sonst ein Wohlgefallen an der Kaufmannschaft habt." 2 —,,Lütfried, nimm unsere Sachen mit Fleiß und Ernst in die Hände. Du bist ein junger Mann, so mag Dir noch gar viel in die Hände wachsen, daß ein guter Mann aus Dir mag werden und denke, daß Du etwas Gutes schaffst mit Verkaufen. Doch, so sei nicht zu hitzig, daß Du uns keine bösen Schulden machest; denn die Gewinne sind sonst schmal, und mit einer bösen Schuld wäre der Gewinn eines halben Jahres weg. Da sei davor und Ihr alle an allen Enden und, Lütfried, überhebe Dich nicht, halte Dich gegen die Leute züchtiglich mit Zehrung und Kleidern. Ehret Dich viel mehr, als wolltest Du fast hoch bocken. Wenn Du dann zu Konstanz bist, so hat man über Nacht einen Junker aus Dir gemacht. Darum tue Du an dem Ende recht, so schickt man Dich an ein ander Ende, da mehr Geschäft ist, gegen den Winter. Sei willig, denn keine Köstlichkeit wollen wir je von einem leiden, er sei wer er wolle. Und darum, liebe Freunde, haltet Euch mit allen Dingen, wie sich unsere Vordem vor alten Zeiten gehalten haben, tut jetzt mehr not denn vor Jahren, da die Gewinne besser waren. Wollt Ihr, daß unsere Sachen einen Bestand haben, dann bitten wir Euch darum und wollen es gehalten haben." 3 Sehr viel mehr Anstände hatte die Gesellschaft mit einem dritten Konstanzer, Hans Wigermann. Er saß in Saragossa, aber er schrieb nicht, so daß die Gesellschaft ohne Nachrichten war. „Hans, kehr wieder und laß Dich merken und sei emsig." 4 Es half nicht: 3, 81. 2 3, 60. 3 3, 79. 4 3, 65. ^_ . ■ ■ ■ ■Hl 3W@3äP 'MW& \ ; ,.■■■■■■■'■'. ■■■■ .■:■. \ \ ■ J335&.I ■v '■■•'%; '■• ■■'■'■ ' ■ Kau WSä. SURh BBg H i « SR m ■ mm mm mm 144 Drittes Buch. Organisation und Technik des Handels. 3. Kapitel. § 21 „Denke vor Dich und nicht hinter Dich. — Was Du bisher nicht getan hast, tue hinfüro." 1 Es half wenig. Da schrieben die Herren von Eavensburg: „Ihr habt in allen unseren Schreiben unseren Zorn wohl verstanden, daß Ihr an uns und an andere Ende nicht schreibet ... Ist es nicht eine Schande und ein Laster, daß wir bisher noch keinen Buchstaben von Euch haben, ob man Zuversicht zu dem Safran haben kann oder nicht, daran unser Herz und unser Trost ganz und gar liegt. Desgleichen von anderen Dingen, ob die Schiffe von Flandern zu Land sind gekommen oder nicht . . . Und, Hans Wigermann, seitdem Du nach Saragossa gekommen bist und die Rechnung auf Dir hast, ist uns ein Brief von Dir gekommen und Jakobs Eekordanz. Aber es verdrießt uns schier übel an Dir, Polai. Du solltest schier der Alten einer sein, da Du doch dergleichen tust . . . Was für einen Trost sollen wir haben, daß Ihr viel Gutes schafft. Es muß Gott erbarmen, daß Ihr uns alle Tage so trefflich laßt schreiben und Ihr uns nicht dafür haltet, daß Ihr uns nur eine Antwort schriebet. Nun dürft Ihr nicht zur Antwort haben, daß Ihr keine Botschaft hättet, deren man früher genug gefunden hat, und wir Euch so viel Ehre und Gut empfehlen und Ihr uns so ganz verachtet, als wäre es das Eure, damit Ihr umgeht und wollten wir nicht dafür 100 fl nehmen, daß es nur etliche Leute wüßten. Also, Jakob, Du hast unsere Meinung wohl verstanden, sei daran, daß es hinfüro nicht mehr geschehe und laß Dir das Ge- lieger zu Saragossa mit Treuen empfohlen sein, denn, Hans Wigermann, wir wollen, daß Jakob Dein Obmann sei. . . Und Jakob, will Dir Hans folgen, so laß ihn die Rechnung voll machen, ist das nicht, daß Dich und Hans Hinderofen dünkt, er wolle nicht nachgehen, was sie dann, Hans, mit Dir schaffen, das ist unsere Meinung, es sei Deine Rechnung zu machen oder herauszukommen, wie sie es mit Dir bestimmen oder Jakob allein. So macht vielleicht Dein Vater hier einen Bischof aus Dir, denn wir bedürfen keine Leute, die tun, was sie wollen, nicht was wir. Darum, Hans, kehre wieder und betrachte, was Dein Nutzen und Ehre sei. So darfst Du nicht sprechen, man habe Dich nicht versucht. Laß Dir dennoch dieses Schreiben zu Herzen gehen, verachte es nicht, mach nicht ein „schülfly" daraus, als uns dünken will. So wir viel und lang schreiben, so lachen etliche Leute gleich, als ob es für sie nichts zu schaffen gäbe. Wer uns verachten will, der komme heraus und zehre auf seinen Pfennig und verachte uns oder nicht, wie er wolle; aber einer, der auf unserer Kost ist, von dem wollen wir, daß er unserem Schreiben nachkomme. Polai, es ist gut, daß Du drinnen bist geblieben. Gott wolle nun, daß es etwas erschossen hätte, mit Schreiben hat es das nicht getan." 2 Dieser Hans Wigermann wurde weder ein Bischof noch ein reicher Mann, aber 1497 wählten ihn die Gesellen in die Art von Direktorium, die wir kennen gelernt haben. 1 3. 90. » 3, 134 f. BBM Ermahnungen an Gesellen 145 Wir sind damit schon zu älteren Gesellen gelangt. Deren Ehrgeiz suchte man zu stacheln. An Felix Humpis, der in dem offenen Laden zu Valencia zum Obmann gemacht wurde, schrieben die Herren: „Wenn Ihr denn da emsig seid, so braucht man Euch hinfüro zu einem Größeren, aber wenn einer im kleinen laß und hinlässig ist, was sollte denn einer im großen tun?" * Hans Homps saß in Avignon und hatte die Waren zu den Passa- gien, zu den Schiffen zu bringen. „Auch so siehst Du wohl, wie etliche Leute meinen, uns ganz einzutuen und meinen, Ihr seiet alle Narren, so von unsern wegen drinnen sind, da sei auch daran .. ." Man zählte ihm seine Obliegenheiten auf. „Hans, da lasse Dich merken, Du bist kein Kind mehr, ist Deine Ehre und unser aller Nutzen." 2 Großes Vertrauen brachte die Leitung dem jungen Lamparter entgegen, der von seinem Vater in Lyon völlig eingeführt werden sollte, um ihn dann zu ersetzen. „Du hast billig einen treuen Unter- weiser, dem folge, so wird wohl ein rechter Mann aus Dir, willst Du es selbst. Und Hans, sei ihm nur nicht zu zart; denn Du fügtest ihm nur Übel zu. Vor allen Dingen, sei gottesfürchtig und hüte Dich vor böser Gesellschaft; denn Du bist nicht mehr so kindisch, daß Du alle Tage wohl verstehst und verstanden hast, was man ungern hat. So weiß Dein Vater wohl dich darin zu unterrichten." a Und als ihm dann die Eechnung in Lyon übergeben wurde, schrieb man ihm: „Hans, Du bist jung, und sicher solltest Du Gott und uns danken, daß man Dir so jung und so früh so viel und so großes empfiehlt. Dessen überhebe Dich nicht . . . An dem Ende möchte Dir wohl einkommen, was Dir Dein Lebtag nützlich und ehrlich sei. .. Wolltest Du aber faul und laß sein, so ließe man Dich hier umhergehen. Dann hast Du die Zeit, die Du draußen gewesen bist, wohl gesehen, was man einem umsonst gibt, und bist der Leute Spott . . . Fleißige Dich dessen, so Du weißt, das man gern hat, und hüte Dich vor dem, so Du weißt, daß man nicht gern hat. Also verleihe Dir Gott und Maria Vernunft, daß Du ihm recht tuest an Seele und Leib. Amen." 4 Das übelste Sorgenkind der Gesellschaft war der Sohn eines trefflichen Lindauers, der junge Klaus Bützel. Man hatte ihm die Eechnung über das Lyoner Gelieger übergeben, und er besorgte auch den Ankauf von Kanemasserie in der Landschaft Bresse. Das erste Aktenstück läßt fast noch mehr Hoffnungen durchschimmern als Befürchtungen. 6 Sechs Monate später erhielt er folgende Mahnung: „Item, Claus, auf Deinen Brief, so Du her von Genf schriebst, wissen wir Dir nicht viel zu schreiben, denn uns dünkt, Du schriebest gleich in Deinen Briefen von der Kaufmannschaft, als Du einen Willen dazu 1 3, 56. 2 3, 78. 3 3, 131. 4 3, 180 f. * Unten 3, 69. Schulte, Gesch. d. Ravensburger HandeUges. I. 10 Hefe ■' ■■■■'". .'.'■■■ HHHhHH I Üb ■■■■_ H B III lif ■.. | .■■-;: B I 14g Drittes Buch. Organisation und Technik des Handels. 3. Kapitel. § 21 hast, und läßest uns in einem fort schreiben, daß wir meinen, Du habest andere Sachen, die Dir näher anliegen als unsere Sachen. Claus, Du tust ihm gleich recht, Du läßest uns schreiben, was wir wollen und Du willst uns nie kein Wort zu Antwort geben, ob Du unserem Schreiben nachkommen willst oder nicht. Verdrießt uns an Dir, daß Du uns also verachtest. Also, Claus, ist unsere ernstliche Meinung, daß Du von Stunde an Deine Eechnung machest auf das allerlauterste und die gleich nach der Ostermesse mit Dir herausbringest . . . Auch Lamparter, sei daran, daß Claus sein Ding lauter mache, damit wir uns auch daraus können verrichten. Glaus, des solltest Du Dich nicht schämen zu fragen, was Du nicht weißt. Es ist Dir noch keine Scham zu fragen. Aber Ihr jungen Leute, alsbald man Euch etwas empfiehlt, so vermeint Ihr gleich, Ihr wüßtest alles und wollt Euch schämen, die Alten zu fragen, und macht es nach Eurem Kopf, alsbald bös als gut. Liebe Freunde, seid dafür, verachtet EureÄlteren nicht, wisset Ihr auch, was Ihr wollt..." l Im Juni ging er nach Eavensburg und wurde nach Bourg-en- Bresse gesendet. Er war ein Jahr später der alte geblieben. „Deine Entschuldigung in allen Dingen haben wir wohl verstanden; die ist so, als wenn einer sich mit Hosen zudeckt, und Du meinst, Du wolltest uns mit sehenden Augen blenden und wäre ebensogut geschwiegen. Besonders mit dem Hafen (Geldtopfe) ist nicht unsere Gewohnheit. Hast Du viel eigenes Geld, so finden wir es doch nicht fast in Bächen Dir zugeschrieben, und steht nicht wohl auf die Bede, so kürzlich mir Dir draußen ist geschehen und auf Deine Zusagen. Wir könnten es nicht ungerner haben und verstehen dabei Dein stolz Gemüt und Deine Verachtung, das wir bei Gott nicht leiden wollen. Darum denk, und tue Dich seiner ab. Du bist den Winter zu Bourg gelegen, können nicht verstehen, daß es fast fruchtbar sei gewesen." Man entsandte ihn nun nach Spanien, zu Fuß, zu Boß, auf dem Meere sollte er verwendet werden. „Willst Du das tun, so komme ihm nach. Ist das nicht, so treibe Dich selbst und uns nicht um, so komm heraus, so wollen wir weiter miteinander reden, doch zu Fuß. Doch Claus, Claus, bedenk, Dich recht, brich Deinen stolzen Sinn (sinle, also die Koseform), es geht mit ihm nicht und Du sollst glauben, was man tut, tut man Deinem Vater seüg in der Erde zuliebe." 2 Ein ganzes Begister von Beschwerden üeße sich aufstellen. 3 Noch einmal schrieb man ihm: „Aber, Claus, tu so wohl und nimm den rechten Weg vor Dich. Das wollen wir Dir alles wohl gönnen von Deines frommen Vaters seüg wegen. Gedenke, gedenke an die Vernunft und laß Narrenwerk unter Wegen. Ist Dir nützlich und ehrlich." Er blieb ein nachlässiger, säumiger Mensch, der drei Tage um eine Stunde ging. Er ist wohl 1506 als Junker gestorben. Dann gab 1 3, 73. a 3, 223. 3 Vgl. 3, 224. 131 f. »jjKBSBB^--""' Ermahnungen an Gesellen 147 die Gesellschaft noch einige Almosen an Biitzel in Lindau. Hochmut kommt vor den Fall. Aus den vielen Vorhalten an ältere Gesellen seien nur einige angeführt: „Also gefällt es uns wohl, daß es nicht so greulich mit Pronenc steht als Du, Hans (Hinderofen), in Deinem ersten Briefe schriebst. Da ist auch vielleicht Schuld, daß Du nicht viel unter den Leuten wandelst; denn wenn sich einer unter die Leute tut, so hört er mancherlei, das einer im Hause nicht hört. Darum, Hans, mußt Du Dich unter die Leute tun. Nach dem, was einer hört, danach kann er sich dann halten mit einem und anderen. Darum, Hans, so denke und sei daran und fleiß Dich hinfüro, so weißt Du Dich mit allen Dingen desto besser zu halten." 1 Die Vetterschaft unter den Gesellen bildete eine ernste Gefahr. Doch über einen jungen Gesellen in Genf heißt es: „Dazu sollte nun schier der Knabe so vernünftig sein, daß er dem Herrn obläge. Sind wir denn je mit ihm nicht versorgt, so müßte man um einen anderen lugen. Darum, Lamparter, so laßt uns nichts per comparre commare (katal. compare, comare, Gevatter, Gevatterin) tun, sondern nur anfangen, was der Gesellschaft nützlich sei." 2 Der Konkurrenz sah man mannhaft ins Antlitz: „Im Namen Gottes: Die Welt ist jedermann gemein." 3 Man wußte wohl, daß der Kaufleute viele seien, mehr wie Eotten Hunde und der Hunger neben ihnen stehe, aber man hielt den Kopf aufrecht. 4 „Es ist besser, die Zeit gehe über andere denn über uns." 5 „Nun wollen die Leute, so von uns gekommen sind, auch stark mit werben. Da laßt Euch nicht erschrecken; sie werden nicht allein sein, es sind mehr Leute da, so unsere Waren führen und haben wir bisher das Unsere nicht übel geschafft. Da hoffen wir, es solle hinfüro besser werden und sind in der Hoffnung, Ihr werdet hinfüro lustiger in allen Dingen sein, denn bevor, damit unsere Sachen recht zu gehen, das soll gegen einen jeden auf der Bechnung erkannt werden, der recht tut. Der allmächtige Gott und das reine Herz Maria verleihen uns imd Euch Glück an Seele und Leib. Amen." 6 1 3, 177. 2 3, 131 3 3, 77. 4 3, 95. 6 3, 281. 6 3, 54. ^^^^■■^^H HHHflHH spsse? ■m HHI -l'sffl W3wii| i$$ß< üü kB 4M Rem jfäjsgs &&M* '■'- ■■■■-•■'■'"■ i RSwm ■, i I Viertes Buch Das Personal der Gesellschaft § 22. Einleitende Bemerkungen. Zweck. Quellen. Steuerlisten. Genealogisclie Werke. Wie weit Vollständigkeit erreicht. Anordnung. Von all den in diesem Buche behandelten mehreren Hunderten Personen ist in die „Allgemeine deutsche Biographie" nicht eine einzige aufgenommen worden, und auch eine wirtschaftsgeschichtlich mehr interessierte neue Auflage dieses Werkes würde höchstens von einem Dutzend Notiz nehmen, und doch ist es notwendig, an dem besten sich bietenden Beispiele Lebensläufe mittelalterlicher Kaufleute darzubieten; nur in diesem Quellenkreise können wir einmal wirklich tief in die Lebensbeziehungen deutscher Beichs- städter eindringen. Was uns an anderen Quellen überliefert ist, wird hier mit dem verbunden, was uns sonst meist ganz unbekannt ist, mit dem Berufsleben. So war denn von jedem Teilhaber der Gesellschaft eine knappe Biographie zu entwerfen, zunächst auf Grund der Angaben der Geschäftspapiere seine Stellung zur Gesellschaft zu behandeln, dann aber auch alles sonstige erreichbare Material aufzusuchen. Dafür habe ich in den oberschwäbischen Archiven reichen Stoff gefunden, so daß mehr als eine Person greifbar deutlich wird, wir für fast jeden aber doch einige Aufklärungen haben. Eine bunte Kette von Nachrichten ließ sich öfter verschlingen, für die meisten Gesellen fanden sich aber auch in einer Quellengruppe Nachrichten, die erst auf diese Weise recht nutzbar wird. Die Steuerlisten mittelalterlicher Städte erhalten in den langen Beihen von Namen und Ziffern durch ihre Anwendung auf die Kaufmannschaft Leben, und wir können nun noch besser das Keimen und Wachsen der Vermögen durch Handelsgewinne verfolgen, als es bisher der Fall war. Gerade für die wichtigsten Städte Eavensburg und Konstanz liegen uns in den Steuerbüchern nicht nur die Ziffern der Steuerbeträge vor, sondern auch die beiden verschiedenartig veranlagten Vermögensbestandteüe sind zu erkennen: die billiger besteuerte liegende Habe und die höher (in beiden Städten mit dem doppelten Betrage) besteuerte fahrende Habe. In Eavensburg wurde von 1 Mark üegend 1 Heller, von 1 Mark fahrend aber 1 Pfennig erhoben, Mjjsggagxi Da« Personal der Gesellschaft 149 in Konstanz aber das Doppelte: 1 $ und 2 ,Sj. Der Steuerbetrag ist in Ravensburg in U ,S), in Konstanz in U hl. angegeben. In Wangen zahlte 1 Mark hegend 2^,1 Mark fahrend 3 ^. In Ulm erscheint der Steuerbetrag in U hl., der Steuerfuß war derselbe wie in Konstanz. Man muß also im Auge behalten, daß die Steueransätze zwischen verschiedenen Städten nicht immer vergleichbar sind. Die Steuerbücher von Konstanz und Eavensburg geben auch das Vermögen an, und zwar getrennt nach dem liegenden Gute und der Fahrhabe. In Konstanz sind diese Angaben nach U hl. gemacht, in Eavensburg aber nach Mark Silber. Über manche Familien bieten auch genealogische Werke Auskunft, vor allem Kindler von Knobloch (fortgesetzt von von Stotzingen), Oberbadisches Geschlechterbuch (seit 1891, fortgeführt bis zum Namen Rutsch) und auch von Alberti, Württembergisches Adels- und Wappenbuch (1889—1916). Von erheblicher Bedeutung ist auch das Ravensburger Bürgerbuch, das in alphabetischer Reihenfolge von Merk in den Frankfurter Blättern für Familienkunde, Bd. 3 und 4, veröffentlicht ist. Nach einer Seite habe ich kaum je eine Notiz aufgenommen. Die Kaufmannsgeschlechter haben fast alle Landbesitz, manche Burgen und Herrschaften erworben. Darauf bin ich nicht eingegangen. Das nachfolgende Personalverzeichnis der Gesellschaft beruht durchweg auf sicheren Quellen. Für die Zeit von 1497 bis 1525 ist es wohl nahezu vollständig. Nicht jedoch für die älteren Zeiten. Zunächst folgen in alphabetischer Reihenfolge die Familien der Gesellen, dann die Nachweise über Diener und Kommissionäre. Mit * sind diejenigen Personen bezeichnet, die als im Handel der Gesellschaft tätig erwiesen sind. C und K wurden vereinigt. § 23. Die Familien Albrecht bis HübscMin. Albrecht (von Nürnberg). * Hanns. 1437 tot. Unten unter Nürnberg, Schulte 2, Nr. 385. Ob jener Hans Aulbrecht, Möttelis Diener, der 1408 unter Bürgschaft von Rudolf Mötteh' und Frick Holbein Bürger von Ravensburg wurde (Merk, Bürgerbuch, S. 158)? * Antoni Albrach erseheint als Vertreter der Gesellschaft 1508 in Tortosa. Vielleicht nur Kommissionär. Albrecht gab es auch in Leutkirch und Stein am Rhein (1514—1520 unter den guten Schuldnern). Ankenreute (vonRavensburg). Die Abstammung von der Stammutter der Humpis, s. Stammtafel der Humpis. Die Ankenreute erhielten erst 1471 vonK. Friedrich ein Wappen (Chmel6270). Ursprünglich wohl Ministerialen von Weingarten. Vgl. Müller, K. Otto, Königszinse, S. 63f. * Anton, Sohn von Clement dem Älteren. Hatte vor der Abspaltung der Ankenreute-Gesellschaft die Rechnung in Valencia geführt, übernahm dann für die neue die Leitung in Saragossa. Um 1495 wieder dort. In wm m^HH m%& ■ HM m « E BB » SiggiKgragjSsgftgpiwi ■ ■ WS H MB 150 Viertes Buch. Personal der Gesellschaft. § 23 KB B ;,. ■ RH : . 1 der Steuerrechnung von 1497 versteuerte er 567 -)- 2835 M. 1503 versteuern seine pueri. * Clement der Ältere. Vor 1453 in Barcelona tätig. In der alten Gesellschaft hatte er bis 1477 eine sehr starke Geltung, er steht in dem Vertrage mit dem Bildhauer an zweiter Stelle. Nach ihm benannte sieh auch die neue Gesellschaft. Er versteuerte 1473: 1473 -f~ 4283 M ; 1482: 1371 -f- 3816 (der viertreichste der Stadt); 1497 tritt seine Witwe auf. 1478 stiftete er zum Seelenheile seiner Angehörigen eine ewige Messe in der Pfarrkirche zu Eavensburg. Clement der Ältere ux. Dorothea Binglini Konrad Antoni ux. Barbara Klein- bögin von Feldkirch Klement Margarete m. Stoffel Schindelin Agnes * Clement der Jüngere. Er schreibt 1477 Juni aus Bilbao (3,401), jüngerer Geselle. In den Steuerlisten von 1482 (----- \- 151) und 1497 (800-)-845), 1503 leer. 1504 gab er sein Bürgerrecht auf, ward 1511 wieder Bürger in Eavensburg. Über seine Verbindung mit Wolff Perber von Ulm vgl. unten § 85. ♦Clement (III.). Erscheint 1514 als Geselle, vielleicht war er in Österreich, Ehrung 50, im gleichen Jahre unter den guten Schiüdnern. 1517 war er der vierte am Sitze der Gesellschaft (Ehrung 150 fl), für überflüssige Kleidung schrieb man ihm 25 fl zu, 1520 Ehrung 150, 1525: 100 fl, dabei sein Abgang und seine Köstlichkeit nachgelassen. In der Steuerliste 1512; 140 + 250; 1521: 388-f-444 M. Konrad. Er erscheint nicht in den Papieren der Gesellschaft. In den Steuerbüchern bis 1521 mit bedeutendem Vermögen. 1520 erscheint er in der Liste „was wir sond". War nach seinem Vater das Haupt der Ankenreute-Gesellschaft. Vgl. § 85. — Hans Battista 1517 und 1520 unter den guten Schuldnern. Apenteger (Konstanzer, altes Geschlecht). * Wolf, der in Spanien tätige Buchdrucker, vgl. unten § 52. 1506 schuldete man ihm zahlbar in Saragossa eine Summe. 1507 Dezember hat er in Lyon eine erhebliche Summe an die Herren zu zahlen (3, 243, 213). 1510 erhielt er für einen Bitt nach Lyon, Marseille und Aigues- mortes 20 fl Ehrung, 1514 100 fl. 1513 war er auf der Augustmesse in Lyon (3, 215), 1515 auf der Ostermesse (3, 217). 1517 erhielt er zur Ehrung 40 fl, 1520 nichts, 1525: 160 fl. Er war ein Sohn von Ludwig A. und Anna Hürus, was damit übereinstimmt, daß für seine Kinder der alte Moritz Hürus Vogt war. Der 1494 gestorbene Vater war zuletzt abwechselnd Vogt und Bürgermeister gewesen. Wolf von 1500 an in den Konstanzer Steuerregistern, 1526 seine Witwe, sein Vermögen von 300 -f 1036 U hl. auf 1150 -f- 3531 ansteigend. Er wohnte in der Katzgasse von 1512 an (Konstanzer Häuserbuch 2, 469). Im Großen Bäte von 1508 bis 1518, im Kleinen von 1517 bis 1526, gestorben 1526. * Ulrich. WarnachNr.98,2 1519/20 Geschäftsvertreter in Memmingen. Er zahlte nach dem Memminger Steuerbuche von 1521 27 # 16 ß 2 hl. Steuer. In die Konstanzer Familie kann ich ihn nicht einreihen. Meister Ulrich A. 1497, Klement A. 1497 und 1507 unter den guten Schuldnern. BBMH ^m Ankenreute bis Besserer 151 Arnold, Aernlin. * Hans. 1497 Geselle auf der Straße, 1500 in Flandern, Ehrung 15 fl. 1503 August reiste er von Flandern heim. Auf der dann folgenden Rechnung 25 fl Ehrung. Hielt in Flandern mit Hans Her die Rechnung bis 1. Mai 1505 und wieder vom 2. November bis 4. Januar 1507. Es wurden ihnen 22 fl zugeschrieben. Ehrung 75 fl. 13. Mai 1507 wieder in Antwerpen. 1510 in Flandern zweiter, Ehrung 100 fl, er hielt dann wieder Rechnung vom 1. Juli 1510 bis 1. März 1512, viele Ausstände, überflüssige Zehrung und Kleider. Nach seiner Aussage sind ihm aus der Kiste gestohlen worden 298 fl. Er hatte mit der Gesellschaft Geld auch eigenen Handel, auch viel andere Büberei getrieben mit Wechsel usw., falsche Eintragungen gemacht. Man schrieb ihm 200 fl zu. Mcht in Rechnung von ganzer und halber Gewinnung, wohl aber im Wertbuch. Ob aus der Überlinger Familie oder von St. Gallen. In Wangen 1480 bis 1503 ein Arnolt Aernlin. Bader (von Ravensburg). * Konrad. 1497 ganze und halbe Gewinnung und war Geselle auf der Straße. Seine Erben erhielten als Ehrung 10 fl. 1474 sollte er nach Frankfurt „fergen", 1475 wegen Geleites von Braunschweig erwähnt, 1477 in Mailand, 1478 brachte er von dort Geld heim. 1481 Bern (Zoll- briefe). Er war offenbar ein ärmerer Geselle, der vor allem für Transporte verwendet wurde. Er ward 1488 unter Bürgschaft von Noffre Humpis und Palle Schindelin Bürger in Ravensburg „der Gesellschaft Diener". *Jörg. Arbeitet sich in Nürnberg empor. 1497 war er zweiter, Ehrung 25 fl., führte von Juli 1497 bis Januar 1499 die Rechnung, Abgang 35 fl, man schrieb ihm zu 15 fl, Ehrung 35 fl. 1503: Ehrung 60 fl, Rechnung Juli 1505 bis Januar 1507. Kleiner Abgang, Ehrung 75 fl. 1510: Ehrung 160 fl, war in Nürnberg, Frankfurt und Wien gewesen. Wieder Rechnung Nürnberg Juli 1510 bis Juni 1512. Für Abgang 34 fl. Ehrung 160 fl. Er ward 1515 Bürger von Nürnberg und schied unter Streit aus der Gesellschaft aus (s. § 72). 1517 noch unter „was wir sond". Erscheint wohl unter den guten Schuldnern (1503 bis 1514), aber nie unter ganzer oder halber Gewinnung. Von ihm ist ein Bote gleichen Namens zu unterscheiden, der 1511 von Wien Geld nach Ravensburg oder Nürnberg brachte. Besserer (von Ulm und Ravensburg). Altes Ulmer Geschlecht. Literatur: Rieb er, Mitteil. V. f Kunst u. Altert, in Ulm-Oberschwaben, Heft 17, Tafel 2 (auch Frankf. Blätter f. Fam.-Geschichte, Bd. 5). Konrad Besserer f 1447 ux. Ursula Mötteli , -----------------------------—--------------'----------------------------------------------• Rudolf Heinrich I 1497 tot Hans Martha Amalia Walburg ux. Muntprat ux. Barb. Muntprat ux. Elis. m. Ludwig m. Jos Ungelter v. Landau Humpis Lütfried 1507 tot Jörg ux. 1. Agnes Humpis 1507 tot 2. Margar. Schindelin , ---------------"---------------- Joachim ux. Kunigunde Ankenreute Heinrich II . '^^HHHi WBmm-, HHMHHHMHHU! Mf^ .-■:'.: — .'-'.-; HU ^^1 ^^^1 iT«SE* ■ .''Vi i *W* y^SSil (& s 3g$8i HB *&'&Eifil .BM^Säää cfitr.. %>l^a9 0*5? INSASSE $*#M «$äSnS aW ¥1£P1S &a £$1111 "Xt^JfS^P v* 5 ^ oö 00 og -2 & H=P co cc ® d » * SS O °* O ■HS4 3 i 3 * . bO .rH CS oeow co " rd o -+3 CO H 9 '-§ § s '* § » Wffl «5 CD t—t- M P ( Xi ■ -P -< s CO ~ 2 es s • .2 oo g S ffcN a ® r-l es Hb » «"öS ö'-v -■•'!■■ ■'■■ ...."■' PB5i2^SHwIsBSS63B^*5fi«s5TOS -:-:'■■■''.'*■ wBEUM MW W&ßm m SS WM 1 i f$$ 184 Viertes Buch. Personal der Gesellschaft. § 25 darf ihn wohl als einen der Führer der Konstanzer -ansehen, die einen Anschluß an die Eidgenossenschaft erstrebten. Nach dem Stammbaume Kindler von Knoblochs heirateten zwei Kinder in die Familien, welche im Handel die Führung eben gewonnen. Sein Sohn Ludwig hatte eine Zollikofer aus St.Gallen, und seine Tochter Magdalena heiratete erst Johann von Croaria, dann Bernhard Eberz von Isny. * Paule (Palle). In Spanien Buchdrucker und Verleger. 1471 in Brügge. Vgl. unten in § 52. * Dengel (Daniel, Sohn von Moritz) hatte vor 1517 zwei Rechnungen geführt, für die Abgänge schrieb man dem Vater 8 fl zu, er war also nicht selbständiger, mit Hauptgut beteiligter Geselle. Ein Andreas Hürus war noch im Anfang des 17. Jahrhunderts Fugger- scher Faktor in Spanien (Ehrenberg 1, 184 f.). Das Geschlecht starb 1708 in Isny aus. Lamparter (aus Ravensburg). * Hans der Ältere. Der Sohn des Jakob Kamerer, gen. Lamparter, und der Ursula Heinczlinin, Ehemann von Walpurg Wächingin. U. L. F., Jan. 8, Juni 3. Eine sehr erfreuliche Erscheinung, ein tüchtiger, zuverlässiger Geselle ohne großen Geldanteil. Er war vor allem im französischen Sprachbereiche. 1473 rechnete er in Bern mit dem Vertreter ab, 1474 in Avignon, zumeist aber war er Vertreter in Genf und Lyon, auf den Messen wie in den Zwischenzeiten; er hatte Wohnung in Genf und Lyon. 1475 war er daheim, fünfter im Vertrage mit dem Bildhauer, Juni 1476 in Genf. 1477 Juni 3 reiste er von Lyon heim und war bei der Rechnung dann der Hofmeister über Essen und Trinken. Dann ging er wieder nach Lyon, wohin man ihm zur Ausbildung seinen Sohn nachsandte (Herbst 1479). Zwischendurch war er auch in Genf. Im Herbste 1480 sollte er nach der Lyoner Messe heim und dem Sohne die Sache übergeben. Gestorben vor Juli 1483 (unten 3, 206). In dem ältesten Ravensburger Steuerbuch wird er Hanns Kamerer genannt, im zweiten Kamrar, gen. Lamparter, er zahlte 1473: von 143 -f- 1096 M; 1482: von 142 -(-1214. Er hinterließ mehrere Kinder, davon trat Ursula in das dem elterlichen Hause nahegelegene Kloster, wo sie 1504 und 1508 als Mutter erwähnt wird. Sie hatte bei der Gesellschaft mindestens 400 fl liegen, die sie an ihren Bruder Hans vermachte. Eine andere Tochter Änneli (die 1486 Bürgerin wurde) steht in den Steuerrechnungen 1497, 1503 und 1506 mit einem kleinen Kapital, das lag bei der Gesellschaft, wie die ganze und halbe Gewinnung zeigen. 1514 ihre Erben. *Hans der Jüngere. Dieser sehr brauchbare Sohn der vorigen wurde Oktober 1477 nach Valencia geschickt, wo er sich der Gesellschaft verschreiben mußte, dann kam er nach Barcelona. Man brachte ihm viel Vertrauen entgegen, er kam dann zum Vater nach Lyon, an dessen Stelle er Herbst 1480 trat. Er schrieb dann 1481/82 vier der Briefe an die schweizerischen Zöllner. Mit ihm ist wohl der Hans identisch, der 1497 ohne Ehrung erscheint, 1500 als zweiter in Genua 50 fl Ehrung erhielt, dem 1503 30 fl Ehrung zuerkannt wurden, 1507 in Ravensburg war und 32 fl erhielt. Er steht zuletzt 1506 in den Ravensburger Steuerbüchern: 120 -f- 60 M. * Kaspar. 1480 April scheinbar in Valencia, ein junger Mann (unten 3, 160). hdbhhmh skWBs Hürus bis Meyer 185 Lind (aus Konstanz?). * Heinrich. 1497 Geselle zu Valencia, als fünfter, also sicher sehr jung. Ob ein Angehöriger eines der sehr alten Konstanzer Geschlechter? Daraus war zuletzt im Bäte Ulrich Lind von 1428 an. Er war darin bis zu seinem Tode am 23. Aug. 1480. Er hatte 1429 den Auszug der Geschlechter mitgemacht. Nach Konstanzer Häuserbuch 2, 446 macht es den Eindruck, als sei er der letzte seines Geschlechtes gewesen. Linhart, Antoni. 1474 war er aus der Gesellschaft ausgeschieden und wurde es verboten, ihm irgend etwas zu leihen. *Hans. Verkaufte 1438 an Ital Humpis für 300 fl einen Zins von 12. fl aus allem dem Gelde, das er in der Gesellschaft hegen hatte. Er zahlte also 4 °/o und rechnete dabei auf eine höhere Dividende, deren Betrag über 4 % ihm verblieb. Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins 32, 143. 1467 hatte er Waren der Gesellschaft in Mayenfeld hegen, die er über den Splügen führen sollte, er weigerte sich, sie über den Septimer zu fertigen, lieber wolle er über den Kunkelspaß. Schulte 2, Nr. 189. *Eudolf (oder heißt er Lienhart Eudolf?).. Von 1504 bis 1511 als Diener nachzuweisen, und zwar stets als Warenbegleiter auf dem Wege zwischen Bavensburg und Mailand, dem entspricht es, daß er die Gesellschaft bei dem Streite um die Fürleite in Zizers vertrat (Schulte 2, Nr. 289). Er steht nie unter den Ehrungen, wohl aber unter „was wir sond". 1514 seine Erben. Heimat unbekannt. Luckly (aus Bavensburg). ♦Hans, Bürger zu Bavensburg, 1440 Vertreter der Gesellschaft in Wien. 1467 in Lyon. 1474 tot, unten 3, 11. Ob mit Luti identisch? Oder verwandt mit Jordi Luch (1477 und 1479 in Barcelona) und Marti Luch (ebenda 1469)? Vgl. auch unten 3, 139. Lüti (aus Bavensburg). *Hans, war mit Oswald Morgen 1448/49 Vertreter der Gesellschaft in Nürnberg. Man wird aber wohl weiter Peter Lüti auch zu den Einlegern rechnen dürfen, da er erstens seiner todkranken Schwester — s. unter Cristan — Gut bei der Gesellschaft einlegt, zweitens 1421 Bürger in Bavensburg wurde unter Bürgschaft von Jos Huntpis. Er war verheiratet mit Elß Moßherin, U. L. F., Juni 8. Mangold von Sandeck (von Konstanz). Frau Agathe, geb. Muntprat. 1500 ganze und halbe Gewinnung, 1503 Zahlung Frankfurter Fastenmesse: 33 fl. Ihr Ehemann war der vor 1492 gestorbene Konrad Mangolt. Im Bäte begegnet er 1467 nur bis 1485. 1497 erwarb sie eine Einlage von 1800 fl.; vgl. oben Herten- stein, Jakob. Ihre Tochter Anna zog ihren Ehemann Jakob von Hertenstein in den Kreis der Gesellschaft. Jene zahlte 1504 Steuer von 3300 + 2900; 1517: 1500 -\- 1500 U . Sie muß ein recht hohes Lebensalter erreicht haben. Konstanzer Patriziat. Meyer (aus Bavensburg). * Jos. 1459 und 1461 in Nürnberg als Geschäftsführer, ebenso 1472, er war dort mit seiner Familie, von dort aus ging er auf die Frankfurter Messen. 1474 wieder dort. Im Steuerbuch von Bavensburg 1473 wird ' <ä>fK ; -»Jfc:. US ■'■.•'■■■.■'.:.■:..■■■■■■.•■'■,;.- T ■ äS'iSö® U ' m 1 191 Rh 186 Viertes Buch. Personal der Gesellschaft. § 25. 26 sein Name beim Hause der Gesellschaft genannt, er zahlte für vergangene Steuer und „Baißgeld" 15 fl, war also offenbar auswärts. 1475 bei dem Bildhauervertrag, dann blieb er wohl in Bavensburg. Da er bei der Bechnung 1477 den Safran, Zucker, Öl, Schmalz ausgab und man bei ihm 385 Maß Wein trank, war er offenbar im Hause Lagerverwalter. Er schied dann 1477 wohl mit den anderen aus, wenn auch nicht in Feindschaft; das beweisen die Auszahlungen: Pastenmesse 1478: 1200 fl; Herbstmesse 1479: 529; Jan. 1480: 400 fl; 1480 Fastenmesse und Herbstmesse je 529 fl. Seine Einlage also mindestens 4000 fl. 1482 lebten seine Witwe und Tochter noch in dem Hause. Mesnang (aus Isny, vielleicht Memmingen). * Budolf. Sohn des Hans M. und der Ursula Spideli, 1436 in Valencia, offenbar dort der Vertreter der Gesellschaft (Schulte 2, 159) Vor 1453 in Barcelona. 1440 Bürger zu Memmingen (Staatsarchiv Stuttgart, Bepert. Isny), 1447 zu Isny. Frau Walpurg Mosnangin (auch Bessererin). 1497—1503 ganze und halbe Gewinnung. Frankfurt 1500 Zahlung 42 fl, 1503 30 fl. Über diese Isnyer angesehene Kaufmannsfamilie s. Bieber, S. 187. Meßner (aus Konstanz.) * Konrad. Teilt dem Herzoge Francesco Sforza politische Nachrichten über Ungarn mit, die er einem Briefe seiner compagni mercandati aus Wien entnahm. Konrad war damals in Mailand (Schulte 2, Nr. 44). 1412 wurde Hans Mychsner unter Bürgschaft von Budolf Mötteli und Jos Huntpis Bürger in Bavensburg. von Mooshein (Bavensburger vornehmes Geschlecht). Paule. Erhielt 1503 auf der Frankfurter Messe 174 fl ausgezahlt. Zahlte 1510/11 300 -j- 205 fl in die Gesellschaft ein. 1514 und 1517 in der Bechnung über ganze und halbe Gewinnung, 1503 und 1514 ,,was wir sond", 1510 unter den guten Schuldnern. Dieser vornehme Bürger war 1513 Stadtammann, 1519 und 1522 Bürgermeister in Bavensburg. Steuern Bavensburg 1503, 1512 und 1521: 560-|-1219 M, 548-f-1430, 640 -f- 1350. Vorher 1490 in Konstanz: 524 -f- 4806 U, obschon er 1489 auf fünf Jahre Bürger von Bavensburg geworden war unter Bürgschaft von Noffre Huntpiß und Conrat Ankenrüte. 1480 wurde er zu Tübingen immatrikuliert. Hans von. Bechnung von 1525 ganze und halbe Gewinnung. Wenn 1410 Hans von Moshaim Bürger in Bavensburg unter Bürgschaft von Jos Huntpis und Budolf Mötteli wurde, denkt man auch an die Gesellschaft. Seine Ehefrau Anna Budolffin (Stuttgart). Morgen. * Oswald. 1447—1451 Vertreter in Nürnberg. Unter den guten Schuldnern der Lyoner Allerheiligenmesse 1477 Oschwalt Morgen von seinem Sohn selig. Oswald steuerte 1473 180 -f- 60 Jl. Nach Schöttle aus Bavensburg. Dort wurde 1443 Herr Hans Morgen Bürger. Mem. eines Petrus Morgen, U. L. F., April 25. Mörlin. * Peter. War vor 1454 Faktor der Gesellschaft. Bieber 190 f. Heimat ungewiß, es gab auch solche in Bavensburg und an vielen Orten wie Augsburg. Über seine Schwindeleien unter Ulm § 78. Meyer bis Mötteli 187 § 26. Die Familien Mötteli und Muntprat. Mötteli (ursprünglich Buchhorn). Stammbaum S. 188. Fr ick. 1397 bei der Patriziergesellschaft Zum Esel in Eavensburg (Hafner, S. 147) als einziges Glied seiner Familie. * Rudolf I, Bürger von Ravensburg, war nach der Überlieferung Leiter der Gesellschaft. Er hatte ein sehr bedeutendes Vermögen, er erwarb die ersten Lehen und Pfandschaften, im Bürgerbuche 1406 bis 1419 immer mit Humpis, nur einmal mit Frick Humpis Bürge. Er ist gestorben nach Juli 1426. Da niemals ein Nachkomme Henggi Humpis eine Mötteli und niemals ein Nachkomme von Rudolf Mötteli eine Hum- piss heiratete, war dieser Rudolf vielleicht mit einer Schwester von Henggi Humpis verheiratet. Vermutung. Vgl. oben S. 21. Er hatte drei eheliche und einen außerehelichen Sohn. *Hans I (Stammvater der Roggwiler Linie). Vgl. unten §84. * Rudolf II (Ruf). Vgl. unten § 84. * Klaus. Er ward 1428 auf fünf Jahre Bürger in Ravensburg, Bürgen Jos und Ital Huntpiss, war nicht zu Gericht und Rat verbunden, jährliche Steuer 22 fl, vorher saß er vielleicht in Memmingen. Seine Erben hatten nach der Genealogia Lindaviensis 1435—1444 8000—9000 fl in der Gesellschaft liegen. Seine Ehefrau Barbara von Stein. Mem. Karm., April 11. *Liutfrid (außerehelich). Vgl. unten § 84. Aus der nächsten Generation waren die folgenden noch bei der großen Gesellschaft gewesen. *Jörg. Vgl. unten § 84. *Hans II, der zweite Sohn von Hans I. Vgl. unten § 84. Nicht mehr bei der großen Gesellschaft, sondern nur in der Mötteli- Gesellschaft hatte seine Lehrzeit Rudolf III (der jüngste Sohn Hansen I) t1508. Ebensowenig war der einzige eheliche Sohn Rudolfs I, Jakob der „reiche Mötteli", noch Teilhaber der großen Gesellschaft. Wohl aber war das der Fall bei dem einzigen Sohne von Klaus, bei Walther. Er ward 1443 unter Bürgschaft von Ital Huntpiss dem Älteren und Jakob Schellang Bürger zu Ravensburg. Steuer 15 fl jährlich, wo er schon 1441 und wieder bis 1448 nachzuweisen ist. Nach der Geneal. Lindav. hatte er 1444 7000 fl in der Gesellschaft liegen. Als Ausbürger auch 1450 im Memminger Steuerbuch. Er begann 1445 den Kapellenbau in der Karmeliterkirche und war 1461 bei der Begründung der ewigen Messe der Gesellschaft beteiligt. Seine Ehefrau Ursula Nater — s. unter Nater — starb vor ihm, sie lebte noch 1471. Mem. für sie Karm., März 16, für ihn Aug. 30. Er hinterließ mehrere Töchter. 1473 versteuerten die pueri Walther Mötteüs zu Ravensburg 596-J-524, i(. Eine Tochter Ursula hatte 1474 als Vögte Ulrich Roggwil, Hans Besserer und Hans Mötteli, sie heiratete erst Anselm von Eyb, dann Hans von Benzenau; eine zweite Tochter Elisabeth war die Gattin Rudolf Muntprats. Über das Geschlecht vgl. die ausgezeichneten Arbeiten von Dürr er, Geschichtsfreund, 48, 49. Vgl. auch oben S. 17 f. 24. In der Steuerliste von Ravensburg 1482 steht ein Jakob Mötteli mit 240 -j- 0, eine Anna mit 27 -j- 5. 1497 Jakob: 150 -(- 0 M. • ' • > ue s- . ; : ' 'v. "■'";■■■■ Uff. 188 Viertes Buch. Personal der Gesellschaft. § 26 *>,i+ Hl «a . 3 5 3.G 3 « « ^; > a> 83 -*-» -*-> »to o ui es £ V n Ui •o 3 a> r-i- TD *~* © •a Ol 3 «+-i Jtf ra -*-» E E cd C/3 33 5 — •— W £ 5 °- <*• R E 3 5 w *l ro «d h- c s Ctf^r « u £ > i- cd o > ■h- s MS « i/3 IT 3 a 3^ gc S E +- s »S cd s « 3<^ O £ 3 c .: *- +-* ra i- * bOCO B ? |a j^ ^ ca 3^ o S n w a £ 2 . w n.— iß ^ r- . — O CJ • . ö ~ > OT * > « i £t* La» 2 ui •■* 3 5s -4 «jar! X _ ' ■'S- £ 15 3> o;h-3 g!- cn i \ J \ ■og.» 03 3 o U3 Ol m £ ■= ..-o 'S £ Sü rj . i- r-j e "• n E 3u'3 = fu . w eö oj ^ ^-»ESji.g > Mötteli. Muntprat 189 il'_j ^ 00 gw O ti *3 f i UA •*W "StU w n ! kl c 3 u, Ol •o E 3 ca Xi E E C3 -t-> CA) ■51 1 1 >. eä «i 3 gx«E'§ * _■ C e ..CO a> £ bo cd festig CS . M .■Om o— , ud g Cef > —* tf : I S3 s -s« SSapusy '»'.'■'' Y8 -lu BI1BU1V '98 BJBqjeg '98 PIoShbw • • ' '}8 '*». pBJuety sueh '68 V -isqaun 'SiÄiprn '28 O_oj bi> j3jB[g -qjJBg - 18 '<" ' " '08 buuv "6i PIo3hbw pbjuo>i -8Z 'ui biijb3v 'ZZ pjBiuiN 3i*prn "9Z " Iu ------- 91 PIoSubw B1IBUJV 'frZ ' xn qo^Bf XL —- (O CQ«3 Cfl o E 3 3 > ■-< «> .« < » ■J E* 3» E U3 « Zi ■ cs c jK w ■iRl* «32 L! ■BUIJStir "BgZ pUBinH 'ZZ pBqDiw 'IZ pJBqqar) subh 'OZ 'AT PWlöl '69 s[duinH "qBsna '89 *"• 'A 3[ÄpnT Y9 qDuuiaH subh '99 Siaquopuci -uaqoH'AJBdsBM -gg 'ui BJBqjBa -fg jiop -SUII3H - A qo^Bf -£9 '01 SjiiiJibav -;;9 SjaquapiiEi -uajiajg-A-qHOQ '19 - m buuv '09 ua3uas 'A -sig -68 Ijmuv 'A buuv "89 uiqjiq:>S pqsia 'ZS '="• a 'ii q^pin '95 ui[fi - a - 3jbw "SS 'm sof 'frS I puBina -ES ----( a| „ . oo f pBjs iub BinSsa 'ZS ' 5In sniiBQ '19 jjoh'a ••'• '09 '"• EamojoQ 'ei' «§ E: Bpjjg '8S- ■^■^H ■,,■•■■.■:•■.■■■■..■■■■■■'■■.-'-,,.'■• 190 Viertes Buch. Personal der Gesellschaft. § 26 Muntprat (von Konstanz). Über die Geschichte des Geschlechtes oben S. 20 f. Seit mindestens 1377 einzelne (nicht alle) bei den Geschlechtern, dann alle. Erhielten Ende des 14. Jahrhunderts (?) das Wappen (geteilt, oben zwei weiße Lilien im schwarzen Felde, unten eine schwarze Lilie in weißem Felde), bei Euppert, Das alte Konstanz, Tafel D, Nr. 8, ein redendes Wappen des Johannes dictus Mundp.: ein Mann, der ein Brot in den Mund schiebt. Es gibt einen Ort Monteprato bei Zoagli in der Eiviera di Levante bei Chiavari. Die Familie der Muntprat bietet in ihrem Stammbaum nicht geringe Schwierigkeiten. Entwürfe von mir (Gesch. d. Handels u. Verkehrs 1 zu S. 610) und Kindler von Knobloch (3, S. 172—174) habe ich auf Grund der meisten Quellen neu durchgearbeitet, ohne überall Sicherheit zu erreichen, diese wird erst das Konstanzer Häuserbuch bringen können. I. Generation. 1. Heinrich I noch als Kawerze bezeichnet, t vor 1354. — 2. Ursula. 1354 lebend. IL Generation. 3. Johann I im Bäte 1375—1417. Testament 1404. f wohl 1417. — 4. Lütfried I im Eate seit 1377. 1404 wohl tot. — 5. Anna Blarer, nach Nekrol. von Neidingen. — 6. Anna, 1435. — 7. Albrecht Blarer, Vater des erwählten Bischofs Albrecht von Konstanz. Bieder, Eeg. — 8. Konrad I Zur Sonne (Testament von 3). Im Eate 1380—1396, bis 1389 unter den Zünftlern, noch 1413 erwähnt. III. Generation. 9. Heinrich II (Testament von 3). Im Eate 1392/93. Ein Heinrich aber noch 1424 im Konst. Ammanngerichtsbuch. 10. Lütfried II im Weißen Pfau. Im Eate von mindestens 1416 bis 1447, nachgehender Bürgermeister 1418, BM. 1443, Vogt 1444. 1411 Bürger zu Bavensburg. 1429 Bürger von Schaffhausen, 1432 auf fünf Jahre in Überüngen (Schulte 1, 632). 1434 wieder im Konstanzer Eat. f Frühling 1447. Stiftung in St. Paul in Konstanz 1441. — 12. Brida von Eosenberg, 1423 (Kindler 3, 623), lebt noch 1456. 1450 weitaus der erste Konstanzer Steuerzahler: 9100 U hl. Hegend, 62 200 fahrend, zusammen 71 300. Der nächste Steuerzahler 32 000 U. — 13. Hans II, im Eate 1410—1423. f 26. Sept. 1422. Er wurde 1420 unter Bürgschaft von Jos Humpis und Eudolf Möttebn Bürger in Eavensburg. — 14. Agathe Humpis, 1429 nach Schaffhausen, f 1469. — 15. Ludwig I, 1436 im Kleinen Bäte. Damals gestorben, denn von 1436 an versteuern seine Kinder. — 16. Ursula von Eosenberg, Schwester von 11, wiedervermählt an Pilgrim von Heudorf. 17. Ludwig II Zer Sunnen, 1418, 1426. 1448 tot. IV. Generation. 18. Dorothea, 1424, 1454. — 19. Albrecht von Breitenlandenberg, 1424—1461. * 20. Eudolf I Zum Grünenberg. Vor 1453 in Barcelona. Er ward 1446 unter Bürgschaft von Jos Humpis dem Jüngeren und Walther Möttelin Bürger in Eavensburg. Gab es 1456 wieder auf. Wurde durch Hans von Eechberg gefangen. Vgl. unter Ulm, § 78. Im Eate von Konstanz von 1458 bis 1461 und 1471 bis 1477. Versteuert 1477: 5600 -f- 7120 'U. Seine Einlage bei der Gesellschaft betrug bei seinem Tode 2300 fl rh. (Heyd, 86). Einkäufe für ihn in Mailand. Über seinen Grabstein (bei den Barfüßern) unten 3, 349 (1479). — 21. Eüsabeth Mötteli, lebt noch 1479. — * 22. Lütfried III. Vor HB Muntprat 191 1473 in Barcelona. Nach Kindler von Kn. 1460 lebend. Nicht im Konstanzer Rat. — 23. Ludwig III Zum Leithund. Sicher 1464, vielleicht von 1462 bis 1477. Von 1479 versteuern Ludwigs im Leithund seligen Kinder (1479: 6100 + 10800 U). 1466 in der Gesellschaft. Über seinen Grabstein vgl. unten § 32. Da standen nach Analogie des erhaltenen Grabsteins von Hans (41) in der Mitte zwei große Schilde — Vater- und Mutterwappen — an den vier Ecken je zwei Schilde Muntprat und Humpis. Folglich war seine Gattin eine Humpis, wie die von Hans eine Helmsdorf. — 24. Katharina, nach Kindler von Kn. Nach 23 eine Humpis. — 25. Hans III. Er ward 1444 unter Bürgschaft von Ital dem älteren und Jos dem jüngeren Humpis Bürger in Ravensburg. Steuer 5 fl rh. Gab es 1449 wieder auf, seitdem im Rate zu Konstanz, \ 1459, begraben in Lommis. — 26. Elisabeth Humpis, lebt noch 1488. Nach Bucelin war Hans vorher mit Margareta von Heudorf verheiratet. — 27. Heinrich III, Ritter. Wie 24. Herr zu Lommis, dann Vogt zu Arbon, dann wohnend zu Erauenfeld. Mit seinem Bruder Ludwig (23) besaß er Spiegelberg, f 1501. War nicht mehr Bürger zu Konstanz. — 28. von Anwil nach Kindler von Kn. — 29. Ulrich I, im Weißen Pfau, den er vom Vater ererbt hatte. Von 1461 bis 1494 im Rat. f 1494. Erhebliche Ankäufe für ihn durch die Gesellschaft. Sein Vermögen 1477: 2600+ 10 640; 1481: 4710 + 8400 U. — 30. Katharina von Payer, 1473. 1495 Witwe, Konstanzer Ratsbuch. — 31. Anna, 1436, nicht als Tochter L.s bezeichnet, gehört aber doch wohl hierher, da Papiere Lütfrieds im Ratzenrieder Archiv waren. — 32. Jos Humpis, Ratzenried Vertrag mit der Ehefrau 1436. — 33. Ursula, 1462,1471. — 34. Marquard Brisacher, | 1466, s. oben unter Brisacher. * 35. Konrad II an St. Paulsgasse, zu Salenstein, 1442, 1470. Nach Kindler von Kn. f 1492. Ein Konrad im Rate von 1436 bis 1469, als Greis mehrfach bezeichnet. — Wohl aber der im Kornhaus wohnende, bis 1490 in den Steuerüsten vorkommende Konrad; 1477: 2460-)-14616; 1490: 1500 -j- 11000 U. Ward 1487 Bürger von Konstanz, ihm war Gut von einem Bruder Hans zugefallen. — 36. . . . von Roggwil, 1442. fl492 (Kindler 3, 605). — 37. Walburga. — 38. Rudolf Mötteli, s. unter Mötteli. — 39. Agatha, 1457,1469. f 1505- — 40. Rudolf von Breiten- landenberg, f vor 1461 April. — 41. Hans IV Zum Kemlin, 1457 bis 1487 im Rate, f 1487, bestattet im Münster. 1477 Steuerliste: 12690 + 12574, der reichste Bürger der Stadt; 1481: 13 504 -|~ 12668 U, der reichste. — 42. Osanna von Helmstorf, 1474 tot. *43. Ludwig IV, 1465—1483 im Rate, | 1483. Steuerbuch 1481: 1313 + 5812 U. Wohl in Spanien gewesen, vgl. den Streit mit den Wyss (Basel). — 44. Bride. — * 45. Konrad III Zum Steinbock, 1455 bis 1478 im Rat. 1478 tot. Vor 1453 in der Gesellschaft, Dienst in Barcelona. Steuerbuch 1477: 6700 + 9600 11. Noch 1478 Einkäufe für ihn in Genua. — 46. Anna Eglin (Engelin), lebt bis 1490. Steuerbuch 1484: 7910 + 8957 U. Brachte ihrem Manne das Haus Zum Steinbock zu. V. Generation. 47. Rochus, wohl in eine jüngere Generation gehörend. 1548 tot; ux. Veronica Hürus. — * 48. Brida, Testamente 1481, 1494 und 1499. Versteuerte 1494: 3646 U. Hatte eine Einlage bei der Gesellschaft (Schulte 2, Nr. 365). 1500 schon tot.. — 49. Dorothea, 1499. — 50. ... von Hoff, 1494. — * 51. Gallus im Grünenberg. 1481 *mm 192 Viertos Buch. Personal der Gesellschaft. § 26 bis 1495 im Bat und in den Steuerbüchern. 1484: 10010 -)- 9630 U. Gab 1496 sein Bürgerrecht auf, im Bavensburger Steuerbuch von 1506 steht er mit 6 fl Steuer. 1512. Testament 1488; verkauft Bernang. Bei der Gesellschaft 1497 ganze und halbe Gewinnung. — 52. Begula am Stad, 1480, 1488. * 53. Buland Zum Leithund, 1488 noch nicht rechtsfähig, 1493—1532 im Bäte. 1494 im Steuerbuch: 750 -f-18000 U. Maximum 1520: 2000 -f- 25 050. 1498 der zweitreichste Bürger, 1514 der erste, was er dann längere Zeit blieb. Bis 1529 im Steuerbuche verfolgt. An der Gesellschaft beteiligt. 1514 Ehrung 10 fl, 1517 20 fl. 1525 noch halbe Gewinnung. Auf Frankfurter Messen von 1500 und 1503 Auszahlungen, 100 fl Einlage Geschenk seiner Großmutter (Schulte 2, Nr. 637). Er oder Michael (71) war 1510 bei der Konstanzer Partei, die für den Anschluß von Konstanz an die Eidgenossen eintrat und daher flüchtete. Chronik des Valer. Anshelm 3, 236. — * 54. Jos. Er erscheint mit seinem Bruder Buland in den Gesellschaftspapieren (Gewinnung und „was wir sond",) auch in der Konstanzer Steuerliste (6100 -|- 17850 U), im Konstanzer Bäte 1494 und 1495, gab 1495 sein Bürgerrecht auf. Nach Kindler 1513 gestorben. — 55. Margareta von Ulm. 1517 Witwe, f 1536. * 56. Ulrich II, Bitter Zur Howen. Znckenried-Weinfelden. Er war nicht in Konstanz, gab 1475 dort sein Bürgerrecht auf, er erwarb große Landbesitzungen: zeitweise Zuckenried, 1496 dauernd Weinfelden, war 1497 Bürger von Zürich. In den Konstanzer Steuerlisten nur sein Haus Zur Howen. 1479/80 Einkäufe für ihn in Prankfurt und Mailand. Trat 1497 als Mitglied der Gesellschaft für sie ein. 1503 Frankfurter Messe Auszahlung von 840 fl, das wäre eine Gesamteinlage von 5880 fl. Er hatte nach Kindler vier Prauen (55—58), doch gehört Kath. von Peyer sicher zu Ulrich (28). — 57. Elsbeth Schirbin, 1488. — 58. Anna von Anwil. — 59. Elsbeth von Sengen, 1500. — 60. Anna, 1488. — 61. Gotthard von Breitenlandenberg zu Wetzikon, 1488. — 62. Wal- purg, 1488. — 63. Jakob von Helmsdorf zu Griessenberg, 1488. Die Nr. 64—70 nach Kindler von Kn. keiner in Konstanz. — 64. Barbara, 1494, 1512. — 65. Kaspar von Hohenlandenberg auf Wellenberg, 1488,1512. — 66. Hans Heinrich, 1501,1532. —67. Ludwig V, 1501. f 1504. 1472 verheiratet, heißt Zum Spiegelberg. — 68. Elisabeth Humpis (Archiv Batzenried, Morgengabe 1472, Heimsteuer 1477). — * 69. Lütfried IV, 1475/76. Schiffsgenosse von Priedrich Grünenberg auf der Fahrt Bouc—Valencia. 1477 Okt. und 1478 März in Barcelona, wo er die Bechnung übernehmen sollte, auch 1479 noch dort. 1499 im Konstanzer Batsbuch. Ob er zu Frauenfeld bis 1513 (f) gelebt hat? — 70. Jians Gebhard, 1501, 1506. 71. Michael Zum Grünenberg, nach den Steuerlisten zu urteilen, Sohn von 28. Im Konstanzer Bäte 1488—1519 mit Unterbrechungen. Steuerliste 1497: 4750 & fahrende Habe. Lebt noch 1517. — 72. Buland, Bruder von Michael nach Steuerliste 1510. 72a. Justina 1492 Konstanzer Batsbuch. * 73. Jakob Zum Kemlin. 1487 in diesem Hause, versteuert 1484: 10 714-f 8240; 1487: 16 700 -f- 16800; 1490: 19400-f 17 471 &. 1494 der reichste Bürger; später nur das Haus. Im Bäte 1489—1492, dann Beichsvogt und Bürgermeister, f nach 1514. Saß wohl später zu Salen- H Humpis bis Nidegg 193 stein (1495). Die Gesellschaft wählte ihn 1497 zn den neun Männern. 1503 Zahlung in Frankfurt 216 fl, also vielleicht Gesamteinlage von 1296 fl. — 74. Amalia Mangold. — 75. ... — 76. Ludwig Nithart aus Ulm, Ammann von Konstanz 1475—1488. — * 77. Agathe, 1492, 1509, s. unter Mangold. — 78. Konrad Mangold. — 79. Anna, 1493, 1495. Steuerbuch 1494: 1050 ~\- 7627 U. — 80. Ung. — 81. Bartholomäus Blarer, Schwager von 76, 1495 (Konst. St.-A. 1618). 1480—1522 im Bat, auch Bürgermeister und Vogt. 82. Ludwig, 1475 Verhandlung, ob er Bürger werden solle. War unehelich, seine Hausfrau Margareta Müllerin. — 83 *. Hans Konrad Zer Sonnen, 1487—1494 im Bat, 1494 gestorben. Steuerliste 1494: 2400 -j- 3400 U . Er war 1477 in Valencia, wo er die Eechnung führte, bis 1480 dort. — 84. ... Mangold. Nach Kindler von Kn. 3, 21. — 85. Barbara, 1506—1512 im Hause Zum Steinbock, versteuerte 1497: 1246 -f-1727 U ; 1500: 4646 | 8130, ist die viertreichste Steuerzahlerin. — 86. Amalia, 1487 Steuerbuch. 1506 tot. — 87. . .. von Eandeck, 1506 (Gemächtebuch 2, 419). Nicht unterzubringen ist Bochus, der 1517 unter den guten Schuldnern erscheint. Kleriker und Klosterfrauen habe ich nicht verfolgt. Uneinreihbar Ulrich, 1488, 1517; Anna und Agatha, 1499. Große Schwierigkeiten bei den Konrad, Ludwig und Ulrich. § 27. Die Familien Nater bis Spädeli. Nater (aus Konstanz). * Philipp. 1419 Febr. 10 verlor er als Diener von Lütfried und Johannes Muntprat ihr Siegel zwischen Konstanz und Bavensburg. Er gab nach Kindler 1420/21 sein Bürgerrecht auf. Waren die Muntprat 1419 in der Gesellschaft, so auch er. Seine Witwe Magdalena vermachte 1468 nach Bavensburg an verschiedene Anstalten Legate, „das alles beschech nach der gesellschaft Ordnung". Sie war eine Schwester des Ulrich von Boggwil von Konstanz (Schulte 2, Nr. 362). Sie versteuerte 1466: 2120 U. Ihre Tochter Ursula heiratete 1443 Walter Mötteli. Mit Philipp starb dieses Patriziergeschlecht im Mannesstamme aus. Neukomm (Lindau)? * Neukomm (der schwer lesbare Name Nainkaire? unten 3, 3) war 1474 in Barcelona, führte dort die Eechnung, wie er sie auch 1471 geführt hatte. Ein Hans Neukomm von Lindau von 1507 bis 1520 unter den guten Schuldnern. Die Familie saß damals in Lindau (nicht zur Gesellschaft Sünfzen gehörig), 1519 auch in Wangen. Titus Neukomm ging später im Dienste der Welser nach Westindien. Eine bedeutende Familie. von Nidegg (von Bavensburg und Lindau). Die in Bavensburg wie Lindau ansässigen von Nidegg wurden den Humpis verwandt durch die Heirat Konrads mit Anna Humpis (59). Von ihnen können aber nicht alle folgenden abstammen; denn 1460 hatten Hans von Nidegg und Margareta Schindelin die Söhne Hans und Wilhalm. Karm., April 9. Wilhalm von, Herr. Da 1503 auf der Frankfurter Fastenmesse seinen Erben 384 U ausgezahlt werden, betrug sein Anteil mindestens 2304 fl. Er war 1474, 1481 und 1489 Bürgermeister. 1491 ist er tot. Seine Steuer Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 13 'f.-'ti 194 Viertes Buch. Personal der Gesellschaft. § 27 I :v (1473: 1748 -f- 3340 M, 1482: 2422 -f- 4560), die seiner Witwe 1497: 2556-(-6908; 1503: 2854 + 5703. Burg von, gab 175 fl der Gesellschaft ins Wertbuch, war also Teilhaber (unten 3, 43). * Hans von, Herr. War Mitglied der Gesellschaft, er zahlte auch Gelder aus (Nr. 99) und erhielt Ankäufe vermittelt. Die Gesellschaft gab ihm bei der Eechnung 1514 und 1517 je 10 fl. 1499 war ein Hans auf fünf Jahre Bürger geworden, aber schon 1497 versteuerte er 20 U unbeweglich. Das Vermögen steigt von 1506 (835 +1566 M) bis 1521 (882 -f 3461). Er war 1505—1507, 1511, 1513, 1514 und 1523 und 1525 Bürgermeister. Jörg von (wohl ein Sohn Wilhalms), 1514 und 1517 unter den guten Schuldnern, hatte 1507 und 1510 und seine Erben 1525 halbe Gewinnungsabrechnung. Seine Steuern (1506: 701 +1517; 1521:1007 -f- 2033). Palle von. 1507 halbe Gewinnung, unter „wir sond" bis 1520, war 1489 auf fünf Jahre Bürger geworden (wohl auch ein Sohn Wilhalms). Seine Steuern (1506: 741 -f-1586 M ; auf 1521: 1071 + 3376). Seine Ehefrau Margareta Geßler, Karm., Dez. 6. *Andras von (aus Lindau, dann Eavensburg). War 1497 in Valencia zweiter Geselle, Ehrung 75 fl, führte dann Mai 1497 bis Mai 1499 dort die Eechnung, sehr erhebliche Abgänge, an Geld allein 186 fl, man schrieb ihm 132 fl auf, Ehrung 100. Dann wurde er zweiter Geselle zu Haus. 1517 noch einmal Ehrung 10 fl. Er ward 1500 Bürger in Eavensburg auf fünf Jahre, begegnet aber noch 1521 in dem Steuerbuch (Vermögen 1506: 621 + 1368 M ; 1521: 1692 + 1453). In der Gesellschaftrechnung 1525 seine Erben, 1497—1517 unter den guten Schuldnern der Gesellschaft. In seiner Eavensburger Zeit wohl mehr in städtischen Diensten, mehrfach Steuermeister. 1507 Bürgermeister. Jörg von (aus Lindau, dann Eavensburg), Bruder von Andras. Ganze und halbe Gewinnung 1520 und 1525. 1514 und 1517 unter den guten Schuldnern. War 1514 auf zehn Jahre Bürger in Eavensburg geworden. Steuerbuch 1521: 52 + 532J£. Einer der beiden Jörg war wohl der Ehemann von Eva Humpis (121). Weiter erscheinen Jungfrau Ägtli (aus Lindau, 1514 in Eavensburg), 1517 ganze und halbe Gewinnung. — Wolf und Wilhalm, Frau Margret, 1525 halbe Gewinnung. Die drei auch unter „wir sond" bis 1520, auch ein Konrad. Außerdem unter „wir sond" 1507—1520 Meister, dann Doktor Wilhalm (der 1486 in Tübingen immatrikuliert wurde und dann in Eavensburg lebte [noch Steuerliste 1521]). Unter den guten Schuldnern 1497 Cunrat (Lindau), 1507 Frau Margret, Lutz Geßlers Tochter. Olhrich, Hans. 1504 in einer Genueser Eekordanz als in Barcelona anwesend gedacht (3, 273). Ob Mitgeselle, zweifelhaft. Der Name klingt nicht schwäbisch. Vgl. oben Albrach. Ol er (von Lindau). * Hanns. Er erhielt 1497—1507 auf jeder Eechnung 10 fl als Ehrung. 1500 unter den guten Schuldern. Er wird ausdrücklich als Geselle bezeichnet. Eine Einlage nicht zu erweisen. Man schrieb „dem Öler" 1507 nach Lindau, die Ballen nach Augsburg zu senden (unten 3, 311). ■ ■ Nidegg bis Eichlin 195 Er ist wohl sicher der von 1475 bis 1502 in vielen städtischen Ämtern erwähnte Bürgermeister. *Hieronymus. Hatte 1497 ein Jahr lang die Rechnung zu Mailand geführt, war zweiter in Mailand, Ehrung 25 fl, für Abgänge 10 11 zugeschrieben. 1500 Geselle wohl auf der Straße, keine Ehrung. 1503 guter Schuldner. Unter „wir sond" noch 1507. Die Öler gehörten nicht zur Sünfzengesellschaft. Kantz (von Ravensburg und Biber ach). *,,Jörys, Lütfritz Muntbratz von Costentz werbender Diener" 142 in Bern vor Gericht. Ital Eentz, Konstanz, unter den guten Schuldnern mit 265 fl. Nach Hafner wurde 1366 Dietrich Bantz in Ravensburg als Bürger aufgenommen. 1405 ebenso Michael Rantz unter Bürgschaft von Heinrich Humpis und Heinz Isenbach. Ratz (von Memmingen). Jakob hatte in der Gesellschaft an Hauptgut und Gewinnung 1004 fl liegen, nach seinem Tode 1494 regelten seine Erben: sein Sohn Jörg und seine Tochter, Ehefrau des Frick Sigmund, die Auszahlung (Schulte 2, Nr. 371). Dazu Vollmacht Ravensburger Stadtarchiv. Erben 1497unter „was wir sond". Dieser Jörg wird als Memminger bezeichnet. Jos Humpis hatte eine Rätzin zur Ehefrau (Stammutter der Ratzenrieder Linie). Richenbach (aus Konstanz und Freiburg im Breisgau). Wilhelm I vermachte 1467 seine Einlage bei der Gesellschaft seinem Sohne Bernhard (Heyd 85, aus Konstanzer Missivenbuch). In den Steuerbüchern 1451—1472. Bernhard, Bürger zu Freiburg im Breisgau. Seine Kinder unter „wir sond" und Auszahlung auf der Frankfurter Messe mit 174, also Einlage etwa 1040 fl. Über die Auszahlung zwei Briefe der Stadt Freiburg an „gemeine koufflüt gesellschaft ze Ravensburg" (Freiburg, Stadtarchiv, mitgeteilt von Ammann). Zunächst (1501) wollte der Vormund das Hauptgut, das vom Großvater Wilhelm I in die Gesellschaft gelegt worden war, dort belassen. 1504 war aber ein Vertrag abgeschlossen über Auszahlung, alle Frankfurter Messen 131 fl. *WilhelmII war dauernd in Konstanz gesessen. Über seine dortige Tätigkeit vgl. unter Handel nach Landschaften: § 82. 1500 noch ganze und halbe Gewinnung. In den Konstanzer Steuerlisten steigt sein Vermögen mit kleinen Schwankungen von 350 -\- 2990 t6 in 1477 auf 450 -\- 5400 in 1497. 1477 hatte er sein Bürgerrecht für kurze Zeit aufgegeben, 1486 kehrte er zurück. Seine Erbin (Testament von 1496) war seine Tochter Anna, die in erster Ehe mit Friedrich Gurias, in zweiter mit Paul von Moshein verheiratet war. Er starb 1499. Richenbach gab es auch in Isny, Leutkirch, Kempten und Memmingen. Die Kemptener stammten von den Rittern gleichen Namem im oberen Illertale. Richlin, jetzt Freiherrn Reichlin von Meldegg (von Überhingen und Konstanz). Klemens. Hochangesehener und bedeutender Bürgermeister der Reichsstadt Überlingen, Sohn des Konstanzer Stadtarztes Andreas ■ ^^■H WmtttHUR ■n §11 1 «■jsiffir S* ^K**§il ^rX &$£$& 1 IÜmÜ l&föi'äi^Sr iP mmm ü I -'■■- n .. i ■ H ! - ■ m HHH 196 Viertes Buch. Personal der Gesellschaft. § 27 (f zu Überlingen 1477). Er kommt 1497—1507 unter „was wir sond" vor, 1510 halbe Gewinnung, 1503 Frankfurter Messe Auszahlung 47 fl. Klemens starb 1516. Seine Ehefrau war Agnes Brandenburg, Tochter von Johann und Agnes Humpis. Sein Epitaph zu Überlingen an der Außenseite der Pfarrkirche. *Kilian. Eeiste 1507 15. Juli von Mailand ab, als das Lager aufgelöst wurde, war dort wohl sicher Lernknabe, 1510 unter den Gesellen aufgeführt, ohne Ehrung. 1514—1520 ganze und halbe Gewinnung. 1517 und 1520 „was wir sond". Versteuerte in Konstanz 1520: 3481 -j- 3966 U. Von 1518 bis 1525, wo er wegzog, im Großen Bäte in Konstanz, auch bischöflicher Vogt zu Meersburg, f 1528. Seine Ehefrau Tochter von Klaus im Steinhause und der Elisabeth Gelter. Kaspar. 1520 unter „was wir sond". In den Stammbäumen nicht zu finden. Ob wirklich Geselle? Ein Jörg wird 1520 unter den guten Schuldnern mit 1568 fl aufgeführt. Kingler, Bigler (aus Lindau, München oder Nürnberg). * Bartholomaeus. War 1497 in Mailand der dritte Diener. 1500 hatte er eine Bechnung geführt und mußte für die Mängel, da ihm 112 fl fehlten, 80 fl zahlen. 1500—1507 unter den guten Schuldnern. Ob er zu der Lindauer Familie gehörte und wann diese dort erscheint, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht aber war er ein Nürnberger. Bei Schleese, Die Handelsbeziehungen Oberdeutschlands, insbesondere Nürnbergs zu Posen im Ausgang des Mittelalters, Dissert. Greifswald 1915, S. 40—46, finden sich Nachweise über den Handel der Ulrich, Franz, Antoni und Friedrich Bigler in Posen und Krakau (1492—1503). von Roggwil (aus Konstanz). Magdalene, Philipp Naters sel.Witwe, Schwester Ulrichs von Bogg- wil, regelte 1468 ihr Gemachte nach der „Gesellschaft Ordnung". Entweder hatte sie die Einlage von ihrem Vater geerbt oder von ihrem Ehemanne. Schulte 2, Nr. 362; s. Nater. * Cuonrad. 1514 Geselle in Genua, ohne Ehrung, zugeschrieben 11 fl 18 ß, 1517 ebenda, hat zu Genua 40 fl um Kleider gegeben, man schreibt ihm 20 fl zu; 1520: soll herkommen, man will ihm nichts verehren der Kleider halber, 1525 hat zu Valencia in kurzer Zeit um Kleider 44 fl gegeben, das läßt man stehen. Von 1510 bis 1525 unter den guten Schuldnern. Dieser unverbesserliche Kleidernarr, der elf Jahre diente, ohne einen Gulden Ehrung zu erhalten, stand 1517 noch unter der Vogtei Viktors von Schönau, zahlte Steuer von 1012 U , 1520 von 1074. Ob ein Sohn Heinrichs oder Gregors, unklar.. Nicht im Konstanzer Bat. Alte Konstanzer Patrizierfamilie. Roß (von?). * Ludwig Boß vertrat 1478 die Gesellschaft in Nürnberg, indem er dem Hauswirt die Miete zahlte. Rudolf (von Isny). Eine in Isny wohnhafte Familie, die in der St. Nikolauspfarrkirche eine Meßpfründe begründete: die Kapelle noch erhalten. * Jakob. 1474 war er in Spanien (unten 3, 2), er ritt dann „hinein" (3, 9). Hatte 1477 die Bechnung in Valencia von Anton Ankenreute Richlin bis Sattler 197 übernommen, war dann Obmann 1478 zeitweise in Saragossa. Dann zurück, am 19. Mai wieder in Valencia (3, 97), führte dort die Eechnung. 1479 Juni 25 von Valencia ab mit Eekordanz (Nr. 8) über Saragossa, Anfang August in Lyon, dann Ravensburg. Am 1. Okt. wurde er wieder hineingesendet, Eekordanz Nr. 9, war am 1. Nov. wieder in Saragossa. Er blieb dann dort als Obmann, sollte aber später nach Valencia. 1480 August war er wieder in Valencia, seit Okt. 29 Obmann. 1477 heißt es, er gehöre jetzt auch zu den älteren. In späterer Zeit wohnte er in Isny, an ihn wurden von Kempten vielfach die Leinenstücke, die dort gekauft waren, gesendet. Er vermittelte dafür öfter das Geld. 1497 Ehrung 150 und 10 der Frauen, war neunter Geselle zu Haus, 1500 als Obmann in Valencia: 60, für den Eitt jetzt 30, der Frau 10 fl. 1503 Ehrung für seine Arbeit 200. — 1507 noch lebend, ohne Ehrung; 1510, 1514 und 1517 seine Erben. * Jakob. 1514 unter den Gesellen ohne Ehrung, 1517 Geselle zu Saragossa, zugeschrieben für Überfluß mit Kleidern 10 fl. 1520 Ehrung 20 fl. 1525. Seine Verehrung durch Fehler verzehrt, ihm zugeschrieben 45 fl. In dem Steuerbuche von um 1550 ein Jacob und ein Hanns Eu- dolffer sowie mehrere unter den Ausbürgern. Sattler von Croaria (aus Konstanz). Die Familie Sattler ist mit der von Croaria genannten identisch. Dieser Name findet sich zuerst in einer (echten?) Urkunde König Wenzels für Nicolaus nobilis de Croaria, der ihm und seiner Nachkommenschaft das Palatinat verlieh. Wiederholte Bestätigungen sichern den Stammbaum, nur darf man der Bucelinschen Ahnfrau, einer Gräfin von Modena, nicht glauben. Der Vater Ulrich wohnte von 1422 bis 1452 auf dem der Schiffslände von Konstanz sehr nahe gelegenen Hause Zur Krone, das seit mindestens 1475 bis auf den heutigen Tag ein Gasthof war. Es liegt sehr nahe daran zu denken, daß auch die Vorbesitzer vor 1422, die Hürus und die Sattler, dasselbe Gewerbe betrieben. ♦Andreas, ältester Sohn von Ulrich, war in der Zeit, als Frick Humpis Leiter der Gesellschaft war, ihr Diener in Genua (Schulte 1, 628, Note 3), vorher in den Tagen von Ital Humpis auch schon in Brügge (unten 3, 419). Mitglied der Gesellschaft war er schon 1466 (Heyd, 34). Von 1475 an war er wohl regelmäßig der Leiter der Geschäfte in Brügge und kam von dahin auf alle Antwerpener und auf einige Frankfurter Messen (so Herbstmesse 1477, Ostermesse 1478) und dann zu den Bech- nungen der Gesellschaft (wie 1477, so auch Ende Okt. 1480) heim. Die große Eekordanz, die er nach dem Austritt der Ankenreute-Gesellschaft schrieb, zeigt ihn als einen der ersten Köpfe der Gesellschaft (Nr. 6), sie bringt ihn uns nahe. 1488 war er noch oder wieder in Flandern, und zwar in Antwerpen (Schöttle 53). An seiner Vaterstadt hat er nicht zu sehr gehangen. In den Konstanzer Steuerlisten findet er sich mit seiner Mutter von 1453 an, dazu 1454 sein Bruder Friedrich, die Mutter verschwindet nach 1461, 1471 zahlte Andreas Steuer von 1038 -+- 3826; 1477, 1479 und 1481: 600 -j- 2000 U, sein Bruder etwas weniger bewegliches Vermögen. 1475 war er nicht Bürger von Konstanz (Eats- buch 1476, fol. 173). 1482 steuerte er in Eavensburg 5 fl, 1494 wieder in Konstanz von 1374 -|- 2576 U. Gestorben ist er vor 1503, noch 1507 seinen Kindern ganze und halbe Gewinnung berechnet. Er hatte ein besonderes Handelszeichen. ■OHS Wim ►ijS&j# ftäfäjl ■ M 8Bt ■ JJafe* 3» »PK sm IIP 1 ü WJB ' ■s«»?! ?fS3 Ä>fei flPwKu] !ro$l mJlWi* ViSHi «$&§ H ^P äse $1$ &1 afew^ 1 sui&rc ■ Hl ■ SMs 1 *y Ep/^ ■n »3mM H jfsirM « ßjsiu I 198 Viertes Buch. Personal der Gesellschaft. § 27 * Johann Baptista (nie als Croaria bezeichnet). Ward Sommer 1477 von Valencia einem Schiffe nachgesendet, sollte dann in Saragossa verwendet werden, kam am 2. März 1478 mit Briefen aus Spanien usw., geleitete zugleich Safran nach Bern. Überbrachte März 1478 von Bavens- burg nach Spanien eine große Bekordanz, man hatte ihm auch intime Dinge anvertraut, und kam dann nach Barcelona, wo er sicher 1480 der Obmann war. 1497 erhielt er Ehrung 12 fl, 1500 20 fl. „Geselle husa", in den Gewinnungsrechnungen bis 1520, 1525 seine Erben, diese in „was wir sond" schon 1517. 1497 in der Bechnung eine Fürlegung von 400 fl erwähnt. 1497 und 1500 unter den guten Schuldnern, die Erben 1520. Er zahlte 1497 und 1503 in Eavensburg Steuern, 1499 wurde er dort Bürger, 1497: 300 -j-140; 1503: 53 + 535Ü. Er ist wohl identisch mit dem natürlichen Sohne des 1496 gestorbenen Konstanzer Domherrn Johannes de Croaria, gen. Sattler (vgl. Kindler von Knobloch 2, 380). * Jörgli, Johann Baptistas Sohn. 1514 heißt es: man will ihn weiter brauchen und versuchen, wozu man sein bedarf zu Fuß, auf die Straße und allenthalben; 1517 Ehrung 15, 1520 30, 1525 100 fl. Hans von Croaria, wie er sich regelmäßig nennt. 1514, 1520 und 1525 ganze und halbe Gewinnung, also Geselle, aber ob je tätig? Er war ein Sohn von Andreas, angeblich aus dessen dritter Ehe. 1495 wurde er in Tübingen immatrikuliert, wo 1496 sein Vetter Hieronymus Dr. utr. jur. Bektor der Universität war. Er war lange Jahre hindurch Stadtamman in Konstanz. Er heiratete 1523 Magdalena Hürus von Mammern. Er starb 1541. Sein Vater muß aber schon 1475 einen Sohn gehabt haben, der für die Gesellschaft in Betracht kam (3, 17). Erst Hans gehörte den Geschlechtern an und war von 1510 an im Bäte als Vertreter der Geschlechter. Sc he dl er (aus Kempten). *Jodocus. 1494 fand ihn der Arzt Dr. Hieronymus Münzer als langjährigen Vertreter der Gesellschaft in Alicante. Heyd, S. 37. Abhandig. d. hist. Kl. der Ak. d. Wiss. z. München 7, 297. Es ist nicht ausgeschlossen, daß er die Ankenreute-Gesellschaft vertrat. Kilian ist wohl kaum Mitglied, immerhin 1520 unter „was wir sond", ebenso Jakob 1520 und 1525 unter den guten Schuldnern. Schedler finden sich auch in Isny und Eavensburg. Schindelin (aus Eavensburg). Die Familie hieß ursprünglich Schmid, seit 1375 in Eavensburg nachweisbar. Vgl. Müller, Königszinse, S. 69. * Falle Schindelin, Junker. Er war 1474 in Valencia, vorher in Barcelona, seit Herbst 1475 wohl dauernd in Eavensburg, im Bildhauervertrage an dritter Stelle. Er machte dann viele Auszahlungen, so für das Essen und Trinken bei der Gesellschaft Bechnung 1477. Er war offenbar ein alterprobter Kaufmann. Er versteuerte in seiner Vaterstadt 1473: 300 + 930,1482: 690 -(- 1230 M, ; seinen Erben wurde noch 1497 ganze und halbe Gewinnung berechnet. Sein Erbe war wohl Stoffel Schindelin (gestorben zwischen 1497 und 1503). Er war 1482 Steuermeister der Stadt. 1430, 1432, 1434, 1438 ein Palle Schindelin Stadtammann. Sattler bis Spick 199 Schlüpfer, Schleipfer (von St. Gallen). * Ottmar. Ein Ottomar von St. Gallen war sicher der Vertreter der Gesellschaft in Genua im Jahre 1449 (Schulte 2, Nr. 265 f.), aber auch schon vorher erscheint er dort und steht 1447 an der Spitze der Deutschen, die um Ausdehnung der Zollbegünstigungen bitten (ebenda Nr. 264, vgl. 263). 1459 war er noch in Genua. 1467 Urkunde in Deutschland (Rav. St.-A.). Von 1474 bis 1484 ist Ottmar Schleipfer in seiner Vaterstadt nachzuweisen, wo er für die Gesellschaft den Einkauf der St. Galler Leinen besorgte, er kam auch zu den Rechnungen der Gesellschaft und wohl auch nach Konstanz. Nach St. Galler Quellen war er 1441 und 1442 landesabwesend (St. Galler U.-B. 5, 1007, 1028), also wohl schon damals im Dienste der Gesellschaft. 1482—1485 war er Bürgermeister seiner Vaterstadt, 1489 versteuerten seine Kinder, sie gehörten zu den vermögendsten St. Gallern (Häne, Klosterbruch, S. 38). Er steuerte in seiner Vaterstadt 1479 12 U 15 ß. Schlatter (Slatter). ♦Johann, 1404 in Muntpratschem Dienste in Brügge. Schwarz (von Konstanz). Jakob nach der Bürgeraufnahme von 1438 wohl Teilhaber der Munt- prat-Gesellschaft. Schulte 2, Nr. 357. Sehr alte Patrizierfamilie. Seider Saeldner (woher?). *Hans. Ein Geselle, der vorwiegend zu den deutschen Transporten (zwischen Frankfurt, Nürnberg, Nördlingen und Ravensburg) verwendet wurde und in den Zwischenzeiten meist in Nürnberg saß. Nachzuweisen 1479—1481. Er war Mitglied. 1483 in Nürnberg Vertreter der Gesellschaft. Sevill (aus Saragossa?). Wilhelm (Guillem) Sevill (Sebil) wird in der Rechnung des Zolls zu Saragossa 1430 ausdrücklich als Faktor des Josumpis bezeichnet, für sie tätig auch 1431, 1432. Erscheint auch 1450 in dem Wechsel von Tortosa. Johan Sevill, tätig für die Gesellschaft in Saragossa 1431 und 1440. Vielleicht aber nur Kommissar in Zeiten, wo die Gesellschaft dort kein Gelieger unterhielt. Sieber von Schomburgk (von Lindau). Ulrich. In „wir sond" 1500 und 1503, da die Summe 1163 U beträgt, Frankfurter Fastenmesse 1503 ihm 830 fl ausgezahlt wurden, so wäre das eine Einlage von 4980 fl. Seine Frau Agatha oder Agnes erscheint 1516 (Rieber, nach Münchener Urk.). Er starb 1523 in sehr hohem Alter. Die Heirat fällt um 1479. Sie war kinderlos. Es erscheinen noch unter „was wir sond" 1517 Frau Margret Siberin, 1520 Frau Agnes. Die Familie gehörte zur Sünfzengesellschaft. von Sontheim (Ravensburg). Frau Walpur g. 1497 ganze und halbe Gewinnung. Klaus von Sontheim war 1481 Stadtammann in Ravensburg. Steuerliste 1473: 400 -\- 348/ Spick. * Paulin. 1466 Faktor in Valencia oder Barcelona. Heyd, 53. MBH ■ HS 11111 - i : I i w 200 "Viertes Buch. Personal der Gesellschaft. § 27. 28 9 Spulfli (von Isny). ♦Christoffel. War 1426 und 1428 Vertreter der Gesellschaft in Barcelona. Er war der Sohn von Hans Sp. zu Isny und einer Cristanlin. Testament Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins 33, 154. 1427 wurde er Bürger zu Bavensburg unter Bürgschaft von Ital und Jos Humpis. Vgl. Müller, Königszinse 42. Dann wieder 1436 und 1437 (unter den Bürgen außer Jos und Ital Humpis auch Konrad Besserer). Seine eine Ehefrau war Elzbetha Küsleggin, eine zweite Kristine Sälzlin, durch die er mit Frick Humpis verschwägert wurde. Seine Schwester Anna war Wilhalm Bichenbachs Ehefrau, seine Schwester Ursula die Hans Mesnangs (Eieber, S. 187; Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins 32, 154). Sonst sind noch in Barcelona mehrere andere Spideli als Kaufleute nachzuweisen. S. unter Barcelona, Saragossa und London. § 28. Die Familien Sporer bis Zwick. Spor«r (aus Isny). * Heinrich, Vertreter der Gesellschaft in Valencia 1494. Heyd, 35. Nach Bieber, S. 190, aus Isny. Er erscheint auch 1495 zu Valencia in den Ulmer Papieren von Klemens Ankenreute. Im Stt'inhause (von Konstanz und Bavensburg). Über dieses Konstanzer Geschlecht vgl. Schulte 1, 617 f. ♦Thomas (Sohn von Polai, ital. Apolon). Kommt zuerst 1461 als Faktor der Josumpis in Mailand (Schulte 2, Nr. 164) vor. Von 1463, 1464 und 1465 haben wir drei Privilegien der Herzöge von Mailand für ihn, 1464 wurde er Famiüare. 1465 erhielt er einen Paß für die Beise im Königreich Sizilien, also wohl zur Safrananlegung nach Aquila (Schulte2, Nr. 94, 95, 96). War auf der Bechnung 1474. 1475/76 war er in Mailand und den Abruzzen. Bitt selbst dann heim (3, 87, 254). Über seine Fahrten zwischen Mailand und Bavensburg 1477, 1480, 1481 vgl. Nr. 39. Auch 1478 war er in Mailand. In dem Steuerbuch von Bavensburg erscheint er 1473 mit 5 fl Steuer, 1482 mit 420 -f- 665 M, er steht aber auch in den Steuerbüchern von Konstanz von 1457 bzw. 1468 bis 1482 (1479: 700+1820 U). 1480 gab der im Steinhaus sein Konstanzer Burgrecht auf und wurde unter Bürgschaft von Heinrich Huntpiß und Lüt- fried Besserer auf fünf Jahre Bürger zu Bavensburg. Er wohnte in Konstanz im vorderen Pflug (heute Wessenbergstraße), den er von seinen Eltern Polai (dort von 1425 bis 1430) und Anna geerbt hatte. 1497 erscheint in Bavensburg seine Witwe mit 624 -j- 500, die Summe steigt auf 3070 -(-1030 Ji im Jahre 1512. Die ganze und halbe Gewinnung wird für seine Erben bis 1515 fortgeführt. Weder er noch sein Vater Polai waren in Konstanz im Bäte. * Klaus (Sohn von Thomas). Er war 1474 in Mailand (unten 3, 3), er wünschte der Herren Diener zu werden und 300 fl einzulegen (3, 10). 1475 war er bei dem Vertrage mit dem Bildhauer als letzter. In Mailand hielt er dann von Aug. 1477 bis Juni 1478 seine Bechnung. Er blieb in Mailand und machte 1479 die Safrananlegung in Aquila, über die Seine Bechnung treffliche Auskunft gibt, ähnlich 1480, wo er aber auch in Deutschland war. Noch 1495 vertrat er die Gesellschaft in Mailand (Schulte 2, Nr. 127). 1497 empfahl die Stadt Konstanz ihn als Spideli bis Steinhaus 201 insignem mercatorem und Vertreter der Gesellschaft beim Herzog Lodovico il Moro von Mailand in der Silberschmuggelsache (Heyd, 76). Dem entspricht die Ehrung von 140 fl. Ehrung 1500 15 fl, 1503 15 fl, 1507 30 11. Er hatte in Mailand im Frühling 1505 wieder für kurze Zeit die Bechnung übernommen (3, 281), auch 1510 20 fl Ehrung für Bitt nach Mailand und Genua, 1514 erhielt er 10 fl für Zehrung, 10 fl für Ehrung, 1517 für seine Arbeit 10 fl, 1520 10 fl und 1525 20 fl. Er war also über 50 Jahre im Dienste der Gesellschaft. Er war in Italien so eingelebt, daß man ihn Ser Mcolao nannte. Er machte allem Anscheine nach auch außerhalb der Gesellschaft Geschäfte (3, 217, 389, 392, 397). Er war von 1489 an im Großen, von 1494 an im Kleinen Rate von Konstanz. Gestorben ist er 1527. In den Steuerlisten steht er bis 1510 nur mit einer Summe, die von 900 (1479) auf 8930» (1510) seigt, dann folgen Vermögensnachweise mit unbeweglichem Gute, zuletzt 1526: 1825 -\- 8446 U . Die Stadt benutzte seinen Eat in der Finanznot 1504, wo man Geld für die Fugger schaffen mußte, die Geld geliehen hatten. Und 1522 machte er noch eine Fahrt nach St. Gallen und in den Bre- genzer Wald für die Stadt (Leinengewerbe 1 ?). Er war 1518 krank und machte sein Testament, seine Gattin war Barbara, er hatte einen Sohn Klaus und zwei Töchter, Barbara, Ehefrau des Beichsvogtes Jörg von Hoff, und Anna, die Ehefrau Kilian Bichlins. * Polay (Sohn von Thomas). War 1497 zu Saragossa zweiter Diener, führte mit Gabriel Geßler vom 3. Juli 1497 bis 20. März 1499 die Bechnung, dann ebenso vom 18. Sept. 1503 bis 4. Juni 1505, nach 1507 war er dort erster Diener und führte auch eine Bechnung, er ist dann wohl auch weiter dort tätig, aber auch zu Hause. Nach dem Zusammenbruche in Saragossa war er wieder dort als Bechnungsführer 1523 Dez. 19 bis 1527 April 26 (seine Bechnung Nr. 35). Die Ehrungen von 1497: 20, 30, 50, 50, 200, 150, 120, 60. 1525 ließ man die Ehrung ausstehen bis zu seiner Herkunft. 1525 auch unter den guten Schuldnern, 1507 kleine Abgänge, ebenso 1510, ihm wurde nie etwas zugeschrieben. Bavens- burger Steuerbuch 1497: O-j-12; 1503: 0 + 60; 1506: 0 + 194; 1512: 0 + 320; 1521: 308 -|- 883 M. * Heinrich. 1499 begegnet er in Chur auf Transport, war zweiter Diener in Mailand. Dann war er 1507 Geselle zu Hause. Vor 1510 war er schon zwei Jahre in Wien, er führte dort die Bechnung, wie auch wieder vom 1. Mai 1510 bis 1. Aug. 1511. Beide Male hatte er erhebliche Abgänge, er machte viele unnütze Ausgaben (3, 451). 1510 wurden ihm 19,1514 aber 130 fl zugeschrieben. Seine Ehrung war schmal. 1500: —; 1502: 20 fl; 1507: 20. 1510 beschloß man, man wolle zuwarten, bis man sehe, wie er die Zobel, die 700 fl gekostet hatten, verkaufe und Schulden einbrächte. 1514 ließ man die Ehrung stehen, bis er oder einer von seinetwegen herkäme. In der Bavensburger Steuerrechnung von 1506 0 -j- 61 J&, 1512 „auf Steuer". 1514 drei Nachsteuern. Dann verschwindet er. 1520 war er tot. Bärble. Wird halbe Gewinnung gerechnet 1500 und 1503. Steuerbuch Bavensburg 1497 0 -f 21 M. * Lüpfried. 1514 Geselle ohne Ehrung. 1517 hatte er eine Bechnung geführt, man schrieb ihm für seinen Abgang zu: 600 fl „und wer er im laeben, man het es nit dar big lasen beliben". . ■ [*££§ H| • 'fei IHN ^^1 .-• ■ ' ' J Ä '"R^üi ■ ^9 ™$§ ras SS fers«» ■ , :' • mm. 202 Viertes Buch. Personal der Gesellschaft. § 28 Das Geschlecht hatte 1410 eine Handelsgesellschaft und deren Vertreter war in Barcelona Johann (Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins 4, 43). Aus allen Quellen ergibt sich folgender Stammbaum: Ulrich 1410 Klaus (im Konstanzer Eate bis 1390) Ulrich 1410 Polaius 1410 Thomas Johannes tot 1410 r Klaus ux. Barbara Polay ? ? Heinrich Dlaus Barbara Anna Lütfried m. Jörg von Hoff m. Kilian Bichlin Stephan (von Bavensburg). * Paulus, Bürger von E. Vertreter der Gesellschaft bei einem Basler Prozesse 1451. Wohl Teilhaber. Stöhenhaber (aus Memmingen). Der Name Stöbenhaber begegnet 1510, wohl als Kommissionär ohne Ehrung. Eglolf. Seine Erben beziehen 1517 ganze und halbe Gewinnung, 1514 steht er mit erheblicher Summe unter „was wir sond". Er war der Sohn Hans Stöbenhabers und Barbara Bessererin, selbst war er verheiratet mit Barbara Settelin. Er war Ammann von Memmingen 1497 und bekleidete mit kleinen Pausen die höchsten städtischen Ämter (Bürgermeister, Ammann, Zunftmeister) bis 1515. 1517 war er tot. Seine Witwe zahlte 1521 in Memmingen die recht beträchtliche Steuer von 45 U 16 ß 11 hl. Er und seine Brüder hatten vor 1493 eine Kapelle an der St. Martins-Pfarrkirche in Memmingen erbaut, die in der Eeihe der Kapellen, die die größten und reichsten der Memminger Geschlechter errichteten, noch erhalten ist. Er hatte zwei Söhne Onofrius und Jörg. * Jörg. Der Sohn des vorigen. War 1514 Geselle, 1517 erhielt er 50 fl Ehrung, 20 fl wurden ihm für überflüssige Kleider zugeschrieben. Ehrung 1520 100, 1525 250 fl. Er starb 1565. Eglolf. 1525 ganze und halbe Gewinnung. Die Familie stammt aus Schw.-Gmünd. Stoß (von Bavensburg). * Ulrich. Vielleicht 1437 Mitgeselle, s. oben Kur, Jörg von. 1443 Vertreter der Gesellschaft in Breslau. ♦Nikolaus. 1454 Faktor in Genf. Vgl. Bieder, 8367 zu 1413. Schon damals enge Beziehungen zu den Humpis. Mem. U. L. F., Mai 10. Nach Hafner, S. 177, wurde Hans Stoß 1379 in das Bavensburger Bürgerrecht aufgenommen. Mem. Karm. Okt. 30. Stammte der Bildhauer Veit Stoss aus dieser Familie? Strohsack (von Freiburg im Üchtlande). Johann. Die provisorische Nr. 1168 des Archivo general del Patri- monio Eeal in Barcelona führt unter den Posten der Gesellschaftszahlungen auch die durch Jona Strxauch entrichteten auf. In den Eech- nungen von 1467/68, 1471—73 (3, 521—526) erscheint er wieder, viel- Steinhaus bis Täschler 203 leicht war er auch damals noch ein Genosse der Gesellschaft. Vgl. Am- mann, S. 58, 61, 68. Stiidlin, Steudlin (aus Isny und Leutkirch). Dieses Geschlecht ging von Leutkirch aus, saß aber auch zeitweise in St. Gallen, Memmingen, Kempten, Wangen und Isny. * Ludwig. War seiner Orthographie nach in Flandern herangewachsen. Ging Aug. 1477 von Brügge nach Frankfurt. Übernahm im Sommer 1480 von Moritz Hürus die Eechnung zu Brügee (3, 424). ♦Martin (von Leutkirch). War 1497 zu Genua zweiter, Ehrung 10 fl, führte von 1. Febr. 1498 bis 1. Juni 1499 die Rechnung zu Mailand, für seine Abgänge wurden ihm 80 fl zugeschrieben, er kann unmöglich Ordnung gehabt haben. Als Ehrung erhielt er 40 fl. Der Leutkircher Martin 1500—1510 unter den guten Schuldnern. * Heinrich (von Isny) war 1497 zu Saragossa dritter, 1500 zweiter (Ehrung 15), 1503 Ehrung 30 fl, 1507 hatte er Rechnung zu Lyon geführt und war dort drei Jahre gewesen, Ehrung 70 fl. 1507 Juli war er in Genua gewesen und hatte sich all Wesen und Gelegenheit 14 Tage angesehen, er begab sich dann nach Mailand, wo das Gelieger aufgelöst wurde, er führte Waren heim, im Dezember auf die Lyoner Messe. Ehrung 90 fl. 1510 war er wieder zu Saragossa, wo er von Juni 1510 bis Mai 1514 die Rechnung führte, kleine Abgänge wurden ihm nicht angerechnet. Ehrung 100 fl. 1517 Ehrung 60 fl; 1520 100. Übernahm 1523 wieder die Rechnung in Saragossa (3, 247), übergab im Dezember die Rechnung. 1525 Ehrung 100 fl. 1526 als selig erwähnt. * Peter. 1504 Juni von Mailand mit Briefen der Gesellschaft abgereist (3, 275). Sürg (Ravensburg). Sürg von Sürgenstein. Ein ursprünglich St. Gallisches Ministerialen- geschlecht. 1376 wurde der erste Sürg Bürger zu Ravensburg, es beteiligte sich auch sehr früh an dem Fernhandel. Vgl. Müller, Königszinse, S. 77. Jakob. 1476 zahlte der Faktor in Mailand Unkosten für seine Kleider von Buchhorn bis Chur; ob Mitglied der Gesellschaft, bleibt zweifelhaft. Veit (von Ravensburg). Da ihm 1477—1480 allerhand Käufe gemacht wurden, so glaube ich, daß er Mitglied der Gesellschaft war. Seine Ehefrau war Ursula Humpisin (90). Zahlte 1482 in Ravensburg 10 fl Steuer. Wohnt dann im Hause seiner verstorbenen Schwägerin Brida. Vgl. über ihn Baumann, Gesch. d. Allgäus 2, 561 f., der ihm eine Barbara von Königsegg zur Ehefrau gibt. Er gehörte der Sürgensteiner Linie an. Unter den guten Schuldnern 1497, 1510 und 1514 Veit, 1520 Hans Ulrich. Täschler (aus Ravensburg) auch in St. Gallen. * Konrad. Angesehener Mitgeselle 1454 im Prozeß Mörlin (Rieber, S. 190). Vielleicht schon 1434 in der Gesellschaft, und zwar als vierter genannt (s. oben S. 23); 1437 Mitgeselle, s. oben, Kur, Jörg von. Konrad und Klaus die Täschler wurden 1421 Bürger zu Ravensburg unter Bürgschaft von Jos Huntpis und Jos Ott. * Hans. War vor 1474 in Avignon (3, 6), hatte dann in Saragossa die Rechnung geführt, er trat Herbst 1477 aus und vertrat dann die Anken- reute-Gesellschaft in Lyon, 1480 auch auf der Frankfurter Fastenmesse. iXHfll <■* BB ■ ■ % ■1* «rtf Hl *ti Mi © ^w> m 91 Hl 204 Viertes Buch. Personal der Gesellschaft. § 28 w I '3& W® mm® Er versteuerte 1473 140 M unbeweglich und 1180; 1482: 292 + 1904. 1497 seine Witwe 163 -j- 3169. Er war also erheblich vorangekommen. * Konrad. Hielt vom 1. März 1512 bis 31. Okt. 1513 die Rechnung in Flandern. Kleine Abzüge wurden ihm nachgelassen. Ehrungen 1514 200 fl, 1517 170 fl, 1524 250 fl, 1525 300 fl. Auch 1527 noch bei der Gesellschaft (3, 400). In der Steuerrechnung von 1521 zahlt er von 153 + 1120 M Vermögen. Es ist das Verwandtschaftsverhältnis zu Hans T. nicht klar. Er war jedenfalls in der Ankenreute-Gesellschaft groß geworden und trat wohl 1510 in die große Gesellschaft über. Ein Klaus T. von Wien unter den zweifelhaften Schuldnern 1500. Erben bis 1514. Töbler. Töber gab es in Schw.-Gmünd. Frau Margret Töblerin. 1503 auf Frankfurter Fastenmesse Zahlung 80 fl, unter „was wir sond" 81 fl. Also wahrscheinlich Einlage. Ueli (aus Ravensburg). Ueli, Doktor Matthias. Der von der Stadt besoldete Stadtarzt 1514 bis 1525 ganze und halbe Gewinnung, 1510 guter Schuldner. Der gelehrte Doktor war den Humanisten wohl geneigt, mit Michael Humel- berg war er befreundet und sandte seinen Sohn Oswald zu Melanchthon nach Wittenberg. Ein Brief von ihm an Abt Gerwig Blarer von Weingarten 1523. Günter, Briefwechsel, Nr. 27. Vgl. auch Schieß 1, 32, Anm. 4. Er war ein weitberühmter Arzt wegen seiner Kunst, die Franzosenkrankheit zu heilen oder doch zu bessern. Zimmernsche Chronik 2, 272. Lukas Eem nennt ihn den berühmtesten Arzt dieser Länder (Tagebuch, herausg. von Greift', S. 15). Er benutzte ihn öfter (S. 16, 23). von Ulm (aus Konstanz, jetzt Freiherrn von Ulm zu Erbach). * Kaspar. 1514 Geselle, soll verehrt sein mit der überflüssigen Zehrung und Kleidern. Hielt dann vom 2. Sept. 1516 bis 26. Juni 1517 Rechnung zu Saragossa; vgl. unter Saragossa. 1525 Ehrung 50 fl. Im Konstanzer Steuerbuch 1514: 810+ 2514; 1517: 910 + 1996; 1526: 1000 + 3585 U . Im Großen Rate von 1519, im Kleinen von 1520 an. Konrad. 1497—1520 ganze und halbe Gewinnung. Versteuerte in Konstanz 1484—1490 nur 4600 U liegend. 1497 ward er wieder Bürger in Konstanz. In Konstanz im Großen Rate seit 1479, Kleinen 1480. Scheidet 1494 aus. Hans. 1500 und 1503 halbe Gewinnung, 1503—1510 „was wir sond", von 1514 bis 1520 in beiden seine Erben. 1503 Frankfurter Messe Zahlung an ihn 32 fl. Der sehr vermögende Mann erscheint seit 1481, sein schon anfangs sehr erhebliches Vermögen steigt bis auf 10150 -J-16450 ^, damit längere Zeit der erste Steuerzahler. Er war von 1471 an im Großen Rate, von 1484 an im Kleinen und von 1494 bis 1513 (seinem Todesjahre) Stadtammann. ♦Heinrich. War 1510 in Flandern dritter. Ehrung steht an, bis er herauf kommt. Hielt Rechnung dort von 1. Nov. 1513 bis 1. Juni 1514, kleiner Abgang, man schrieb ihm 4 fl zu und wünschte von ihm eine Einlage von 200—300 fl. 1517 und 1520 Ehrung je 30 fl, 1525 55 fl, man schrieb ihm aber auch 30 fl zu. Wohl der Sohn von Heinrich Zum goldenen Schwerte. Dieser versteuerte schließlich 1523: 4963 +4855 &, der Sohn 1526: 825 + 5895; 1529: 1650+5731. Seit 1515 mehrfach im Großen Rate. 'f' BSI «.- Täschler bis Wigermann 205 * Lütfried. Wurde 1497 zu den neun Mann auf die Bechnung erwählt, bis 1503 noch Gewinnung, seine Erben bis 1514. 1503 Zahlung auf der Frankfurter Fastenmesse 11. fl. 1504 für ihn Einkäufe in Antwerpen. Seine Steuer steigt von 1484 800 -f- 1200 auf 1940 + 4136 U in 1500. Im Großen Batc von 1481 an, im Kleinen von 1493 an bis 1504. * Lütfried. 1510 dritter in Genua, ohne Ehrung, sonst unbekannt. Vagui, Vaguinel, Hans s. unten 364. Waldmann (aus Wangen). * Bartholomäus. 1497 zweiter Diener in Flandern, Ehrung ausgesetzt bis er kommt, zweifelhaft, ob er bei uns bleiben will. 1505 in der Stadtrechnung seine Witwe. *Hans. 1504 Zahlungen nach Wangen oder Isny, 1523 soll er für Jörg W. zahlen. Er lebte in Wangen als vermöglicher Bürger. 1520 unter den guten Schuldnern. * Jörg. 1514, hatte Rechnung zu Saragossa gehalten und war auch Einkäufer in Valencia gewesen. 20 fl Ehrung. Nach Angabe 1523 war •er auch einmal am spanischen Hofe gewesen. * Peter. 1497 dritter Diener zu Valencia, er blieb dort und hielt von 1505 bis 1514 dort die Bechnung, wohl mit kleinen Unterbrechungen, ■er büeb wohl dort bis 1525. 1507 und 1510 kleinere Abgänge. 1514 schwere Abzüge, hatte die Gesellschaft in großen Schaden gebracht mit dem Fores. Ihm wurden 200 fl zugeschrieben. Ehrung: 1500 20, 1503 35, 1507 100, 1510 150, 1517 50 fl, 1520 noch immer nicht alles geordnet, 1525 250 fl. Wohl kaum der Stadtammann zu Wangen von 1503, dessen Witwe 1519 in der Steuerliste. * Ulrich. 1514 als Einkäufer wo? 1517 unter den guten Schuldnern. Weyvr (aus Memmingen). Zur großen Zunft der Handeltreibenden in Memmingen, die manchen großen Kaufherrn umschloß, gehörten auch die Weyer. Davon waren bei der Gesellschaft: * Heinz. Er war sehr viel auf Eeisen. Für 1472—1474 gibt Nr. 53 genaue Auskunft. Er war in Nürnberg, er ging von dort auf die Messen von Frankfurt, Begensburg und Nördlingen, 1476 Nürnberg. 1477 wieder Nördlingen, Nürnberg, Leipzig, Begensburg, Frankfurt (Nr. 57, 58), 1479 wieder in Nürnberg und Nördlingen (3, 340). Er war ein sehr frommer Mann, der viel für heilige Dinge ausgab. Er war ein Vetter von Wilhelm Bichenbach. Schwerlich identisch mit dem Batgeb Heinrich 1446—1449, 1454. Über sein Leben und seine Lebenshaltung Dr. Marg. Schindelin in den Memminger Geschichtsblättern 1922. *Hans. Führte für die Gesellschaft in Memmingen 1515—1517 die Geschäfte (Bechnung 101). Batgeb 1495—1500, 1499—1508 Stadt- ammannsamtverweser, 1495 Pfleger des Heiltums in der St. Martins- Pfarrkirche, 1501—1518 Pfleger der Spitalbedürftigen, 1521 steuerte seine Witwe 44 W 6 ß 6 hl. Wigermann (aus Eavensburg). Das Geschlecht auch in St. Gallen. Hans. Der Vater war 1480 aus der Gesellschaft geschieden; da seine Auszahlung auf zwei nacheinanderfolgenden Messen 33 fl betrug, belief sich sein Geschäftsanteil auf 7x33 fl = 231 fl. *Hans. Dieser Sohn, auf den die Ermahnungen hageln, war 1474 in Saragossa, 1477 in der Gegend von Lyon, wohl noch ein junger Mann, "".*■: ■■■Sae- -vi-:-V- Aßgfxzsii süla &P*%£ HS ikSjw ftsSlusf n»£f^ ■ | • ■ ■' j | t&xTjft 1 'H'-.-l- # .; I ■■ __ ■H ■. i ■ •' ü 111 ■ ,■■ ■. *■* K¥jM £<Ü8 : 1 1 g ■ ■ ■■■■ 1 s ; 1 HHi Hb H 234 Fünftes Buch. Soziale Bedeutung der Gesellschaft, zur Kidtur. § 32 16. Geiler von Kaisersberg, 1491, von Hans Burgkmaier (Lehmann, S. 119). 17. Hans Leykmann, Maler, 1492, von Martin Schongauer (Lehmann, S. 107). 18. Albrecht Dürer. Selbstbildnis, 1492? Erlangen, Federzeichnung. 19. Martin Eosentaler, 1493 (Abraham, S.185). 20. Albrecht Dürer, Selbstbildnis, 1492, Federzeichnung, Samml. Felix. (Weisbach, S. 21.) 21. Alter Mann, Dürers Meister in Straßburg, 1494, von Dürer, verloren. (Weisbach, S. 21.) 22. Frau, dazu gehörig, wohl dessen Frau, 1494. Ebenso. 23. Johann von Meiern von Frankfurt, um 1495 (Firmenich- Bichartz, Monatshefte für Kunstwissenschaft 3, 275 ff. u. Taf. 61. Ich halte wegen des in den beiden oberen Ecken sich neigenden Eierstabes eine Deutung auf den älteren Hans von Meiern, also 1470, für ausgeschlossen). 24. Hans der Perckmeister, Apotheker von Nürnberg 1496, wohl von Michel Wohlgemut (v.Bezold, S. 30. Lehmann, S.175). Mitteilungen d. Germ. Museums 1913, 63 als Apotheker nachgewiesen. 25. Dürers Vater, von Albrecht Dürer, 1497 (v. Bezold 32). 26. Albrecht Dürer, Selbstbildnis (Madrid), 1498 (Weisbach, S.83). 27. Jörg Ketzler von Nürnberg, 1499, von Jakob Eisner (Lehmann S.183). 28. Hans Tu eher von Nürnberg, 1499, von Albrecht Dürer. 29. Seine Gattin Felicitas, 1499 (beide Weimar), von Albrecht Dürer. 30. Elisabeth Niclas Tucherin, 1499 (Kassel), von Albrecht Dürer. 31. Hans Kröll von Lindau, 1499 (München), von Albrecht Dürer. Von den gemalten Personen gehört nur einer dem Adel (12), zwei der Geistlichkeit (4, 16) an, sehr erheblich ist der Anteil, der auf Maler, ihre Angehörigen, Architekten und Bauhandwerker fällt, in den seltensten Fällen wird eine Bezahlung erfolgt sein (1 a, 2,3,5,8,9, 10, 14, 15, 17, 18, 20, 25, 26). Einen großen, stets wachsenden Anteil der bestellten Bilder lieferten die Angehörigen der Stände, die vom Handel lebten (1, 6, 7, 11, 13,19, 23, 24, 27—31). Die Kaufleute verteilen sich auf drei Städte, Frankfurt bietet nur das Bild des ganz hervorragenden Kaufmanns Johann von Mehlem, Konstanz den Blarer, elf gehören nach Nürnberg, der Lindauer Oswald Kröll, die Nürnberger Patrizier die beiden Hans Tucher, Konrad Imhoff, Hans Harsdorff und Jörg Ketzel, sowie Martin Eosentaler und der Apotheker Meister Hans Berckmeister, sowie drei Ehefrauen der Tucher. 1 B HB " )<■■■■ Porträts von Kaufleuten 235 Von ihnen erscheinen in unseren Papieren als Kunden die beiden letzten, 1 Hans Tucher 1480 als vertrauter Geschäftsfreund und Jörg Ketzel als solcher. Nicht genannt wird der Konkurrent in Safran, Konrad Imhoff. So kommen wir zu dem überraschenden Ergebnis, daß wohl alle Kaufleute, deren Bilder wir noch besitzen, diesem oder jenem Teilhaber der Gesellschaft persönlich bekannt waren. Auch Tommaso Portinari, den der Niederländer van der Goess malte, war ja ein Geschäftsfreund der Eavensburger. Diese Selbstschätzung hatte eben Norddeutschland noch nicht ergriffen, auch weder Augsburg noch Ulm, noch Memmingen, noch Basel. Nürnberg war fast noch die einzige Stadt, die Künstlern derartige weltliche Aufträge gab. Die Liste beweist schlagend, in wie hohem Maße die junge deutsche Porträtkunst bei ihrem Emporkommen auf die Kreise der Kaufmannschaft angewiesen war. Zuerst ging es ihr wie dem jugendlichen Porträtisten von heute, er malt Vater und Mutter, andere Künstler, weü sie die Zeit dem sonst noch fragwürdig geltenden jungen Maler zu sitzen und Leinwand und Bahmen daran wenden. Die Kaufleute hatten Vertrauen, Ehrgeiz und Geld. Die Porträtkunst mußte sich die Kreise des Adels, der gelehrten Welt, der Geistlichkeit erst langsam erobern, wie es dem genialen Hans Holbein dem Jüngeren in Deutschland und England spielend gelang. Erst so wird es uns auch völlig verständlich, daß Albrecht Dürer, auch durch andere Gründe getrieben, nach Venedig und Antwerpen zog. Die Kaufmannschaft stellte auch in der weiteren Entwicklung noch eine Beine von Bestellern und Gönnern der Künstler. In der Darstellung der Kaufleute herrscht unbedingt vor die vornehme, gelassene Würde, die bei Heinrich Blarer fast in das Lächerliche umschlug. Kein Zeichen der Kaufmannschaft, kein Wappen findet sich, bis der jüngere Holbein in dem Büdnis des Georg Gisze (1532) den Londoner Handelsherrn aus Danzig in seinem Skriptori malt, in gewählter Kleidung, aber beschäftigt einen Brief zu öffnen, umgeben von allen Bureauutensilien, von der Goldwage bis zur Bindfadenkugel ist nichts vergessen. Das Geschäftsbuch biegt ihm zur Hand, hinter Leisten stecken Bechnungen und Briefe, auf dem Gesimse setzt sich die malerische Unordnung fort, die man aber als solche nicht empfindet, und das helle Licht Holbeinscher Kunst läßt auch kein Körnchen Staub vermuten. 1 Meister Hans der Apotheker, 3, 348. Sechstes Buch Der Handel nach Landschaften I. Italien Erstes Kapitel Venedig § 33. Venedig nie stark von der Gesellschaft gepflegt. Gründe dafür. Seeverbindung. Ulrich Imholz. 1448 ein Gelieger. Von 1474 an keine dauernde Vertretung. Einzelne Zeugnisse. Weitere Gründe für die Vernachlässigung. Parenzo. Ragusa. Die Betrachtung des Handels nach Landschaften hebt mit Italien an, dann folgen Spanien, die Ehonelandschaft, Niederlande, England, Deutschland mit Polen, der Schweiz und Österreich-Ungarn. In Italien wird der Leser eine starke Vertretung der Gesellschaft in Venedig vermuten, aber die Quellen enttäuschen und legen für die spätere Zeit das Gegenteil dar. Und das wird vielleicht bald verständlich. Der Export von Leinwand dorthin und der Import von Baumwolle und Gewürzen erseheinen für die Bavensburger natürliche Interessen. Aber die ältere Leinwandausfuhr muß nicht dauernd lohnend gewesen sein, in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts führten Frankfurter Kaufleute, wie ich aus Frankfurter Archivalien ersehe, viele Ballen westfälischer Leinwand nach Venedig aus. Baumwolle hat die Gesellschaft sehr wenig interessiert und, wie wir sehen werden, wandten sie sich wegen der Gewürze nach Genua, und auch dafür schlug das Interesse der Gesellschaft nicht zu allen Zeiten gleich stark. Den Städten am Bodensee lag Genua näher als Venedig, was für Augsburg und Nürnberg nicht zutrifft. So hat denn auch Simonsfeld in seinem Werke über den Fondaco dei Tedeschi wohl Bodenseestädtler feststellen können, aber in Venedig kamen sie wohl nie entfernt den Augsburgern und Nürnbergern an Zahl gleich. 1 Für den in Spanien fest wurzelnden Bavensburger hätte es vielleicht nahe gelegen, von dort aus zu Schiff Venedig aufzusuchen 1 Simonsfeld, Der Pondaco dei Tedeschi (1887), 2, 64ff. Das Gelieger in Venedig 237 und so die Kette ihrer Schiffsfrachten von Brügge bis Venedig auszudehnen, wo dann auch vom Lande her sein Landsmann sich eingefunden hätte. Er hätte damit einen der eisernen Grundsätze des venezianischen Handels umgangen, der darin bestand, daß ein Deutscher wohl vom Lande aus in den Fondaco, diese Zwangsherberge, Zwangslager und -verkaufsstätte der Deutschen kommen durfte, aber nicht seine Waren als sein Eigentum von Venedig aus verschiffen. Der Venezianer machte seine Stadt zum Endpunkte für die Eeisen des kontinentalen Europäers wie des Levantiners nichtvenezianischer Staatsangehörigkeit. Die Hansischen aber erschienen bei ihnen gelegentlich auch von der Seeseite her. Freilich ist der Wortlaut in den Briefen der Lübecker Gesellschaft Veckinghausen nicht zwingend. 1 Doch den Kavensburgern war es sicher immer verboten, die Galeeren zum Warentransport von und nach Genua, Barcelona, Valencia und Brügge zu benutzen. Nur ein einziges Mal finde ich erwähnt, daß die Bavensburger in Venedig Waren zu Schiff nach Brügge schickten. 2 Bezeichnend ist der Zusatz, „sie sollen keine Rechnung gen Flandern schicken, um das Gut, so sie auf die Schiffe laden, ist nicht gut, hernach besser". Das sieht denn doch so aus, als ob die Waren unter dem Namen eines Venezianers gingen und nicht durch eine begleitende Bechnung verraten werden sollten. Wir haben schon oben die Beziehungen der Muntprats im Anfange des 15. Jahrhunderts zu Venedig erwähnt. 3 Hier ist nur kurz noch einmal der Konstanzer Spekulant Ulrich Imholz zu nennen. Er schob sich zwischen die Muntpratsche Gesellschaft, von der er ungemein hohe Quanten von Leinwand einkaufte, und dem Verkaufe in Venedig ein. Im Mai 1426 kaufte er für 6117 fl Leinwand und Indigo, im ganzen von 1424 bis 1429 und 1432 für rund 18 000 fl Leinwand, von der Kaufsumme mußte er in Venedig auf Wechsel in drei Malen 5250 venezianische Dukaten zahlen. 4 Muntprat verzichtete also auf den Gewinn beim Verkaufe in Venedig, doch wohl aus Mißtrauen und nahm dort dafür Geld ein, so daß er wenigstens für den Einkauf gerüstet war. Und man geht wohl nicht irre, wenn man annimmt, daß er dort neben Gewürzen Indigo und Safran einkaufte. Der Bankrott des Imholz ist schon oben besprochen worden. , Im Jahre 1448 war das Bavensburger Gelieger offenbar in Blüte; denn der Faktor Hans Griesinger streckte für den deutschen Hochmeister 2500 Dukaten vor, die in Nürnberg der Gesellschaft zu ersetzen waren. 5 Es muß also damals das Gelieger entweder über einen erheblichen Warenerlös oder über Wechselschuldeingänge verfügt haben. 1 Am ehesten in Nr. 38 bei Stieda, Hansisch-venezianische Handelsbeziehungen im 15. Jahrhundert (1894), S. 158. • 3, 18. 3 Oben S. 26 f. 4 Unten 3, 474. 5 Siehe unter Nürnberg, § 70. 238 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. Litauen. 1.2. Kap. §33.34 1475 aber hatte die Gesellschaft zwar im Fondaco noch eine Kammer, aber man hatte keinen dauernden Vertreter dort. 1 Die Währung von 1497 führt zwar Venedig noch auf, aber nur mit einem Werte von 50 fl, vielleicht stand so hoch das Inventar zu Buche. 2 Von wirklichen Geschäften erfahren wir nur sehr wenig. Eine in Venedig zahlbare Wechselschuld eines Baslers ist 1474 nachzuweisen. 3 Es reitet nur dann und wann ein Geselle nach Venedig, auch hatte man 1474 noch einen Empfänger für Briefe und Waren dort. 4 1474 sollte Hans Burgauer den Absatz von 6 bis 8 Kisten Zucker von Valencia dort versuchen. 5 Indigo war eine Zeitlang so wohlfeü, daß man wieder damit einen Versuch machen wollte. 6 Mit dem Erlös von solchen Verkäufen suchte man den Ankauf von Safran in Aquila zu ermöglichen (1700 Dukaten), ein anderer Betrag von 500 Dukaten mußte aufgebracht werden, um einen Wechsel zu decken, den Kraft Stalburg von Frankfurt dort zu Jakobi einzuziehen hatte. 7 Wir erfahren noch von einem säumigen Schuldner, einem Bankier aus dem Hause der Soranzo, und von Briefen, die auch 1477 und 1478 noch von Brügge nach Venedig geschickt wurden. 8 Jörg Koller machte 1478 von Mailand dorthin einen Bitt. 9 Man sieht deutlich, daß man sich in der Lagunenstadt noch eben die Möglichkeit offen erhielt, den Handel wieder aufzunehmen. Die Gründe, welche die Bavensburger veranlaßten, Venedig zu meiden, sind zum Teil schon oben behandelt, aber bei der Betrachtung der Waren, die die Gesellschaft um 1480 vertrieb, fehlen Indigo und fast alle Gewürze, zunächst auch noch die Seidenstoffe und die Baumwolle. Es fehlt auch von anderen Oberschwaben aus dieser Zeit jede Nachricht über Ausfuhr von Leinen nach Venedig. Und im Safranhandel hatte sich die Gesellschaft von dem Markte am Bialto freigemacht und besorgte ihre Einkäufe von Maüand aus, ihre Gesellen gingen bis Aquila in den Abruzzen. Das war eine allgemeine Erscheinung. Um die Deutschen wieder mehr nach Venedig zu bringen, wurde 1479 ihnen die Durchfuhr von Safran — entgegen dem Grundprinzipe des Venezianer Handels, das forderte, daß jede Ware in Venedig den Eigentümer wechsle — gestattet; nur ein Zoll von 12 Dukaten für 500 U (das Pfund von Venedig und Aquila waren gleich) wurde gefordert und 1492 dieser Transitzoll noch erheblich herabgesetzt: 3Dukaten auf die Saumlast (500 &). 10 Dauernd hatte Venedig seine Stellung im Safranhandel eingebüßt. 11 In den leidenschaftlichen Kämpfen zwischen dem auf dem Festlande erstarkenden Venedig und den Visconti und Sforza hatten 1 Unten 3,16. 2 Unten 3, 47. 3 Siehe unter Basel. 4 3, 11. 16, 5 3, 7. 15. 254. «3,8. '3,10.20. * Unten 3, 7. 407. 9 3, 23. 10 Vgl. Simonsfeld, 2,35, Schulte 1, 599, Bardenheuer, Safranhandel, 29. u Mailinger, Der Warenhandel der Augsb. Handelsgesellschaft Haug (Leipz. Dissert. 1911), 8, 86 f. Venedig. Parenzo. Kagusa. Mailand 239 sich die Bavensburger zu diesen gestellt, und von Mailand erreichten sie Märkte, die Venedig von der Seeseite gern völlig beherrscht hätte. So ganz leicht kann der Entschluß den Ravensburgern nicht gefallen sein, denn Venedig war und blieb noch lange Zeit der Hauptzahlungsplatz für den Mittelmeerhandel, der durch die regelmäßigen Galeerenfahrten auch mit dem zweiten Zahlungsplatz der Erde, mit Brügge, in Verbindung stand. Eine regelmäßige Botenverbindung auf dem Landwege hatten die Venezianer nicht. Nach Parenzo in Istrien und Bagusa in Dalmatien verfrachtete 1449 der Genueser Faktor spanische Wolle. 1 Zweites Kapitel Mailand § 34. Alter des Geliegers. Privilegien für Gesellen, für die Gesellschaft. Rechte der deutschen Kaufleute. Plan eines Fondaco. Das Herzogtum Mailand stand bis 1447 unter den Visconti, dann folgten die ambrosianische Bepublik, von 1450 bis 1500, 1512 bis 1515 und 1521 bis 1535 die Sforza. Wiederholt unterstand ihnen auch Genua. Erheblich größer als die Niederlassung in Venedig war die Bedeutung des Geliegers in Mailand. Zwar läßt es sich vorläufig nur bis in die Tage des letzten Visconti, also zwischen 1412 und 1447, nachweisen. Doch begegnen Bavensburger in Mailand schon 1402, für die die Stadt Konstanz eintritt, was doch vielleicht auf die Gesellschaft hinweist. 2 Wenn auch das Staatsarchiv in Mailand nicht viele weitere Nachrichten verspricht, da die ambrosianische Bepublik grundsätzlich die Begisterbücher und Archivalien der Visconti vernichtet hat, so mag doch manche Nachricht noch in dem riesigen Bestand der Imbreviatbücher des Notariatsarchives in Mailand beruhen, aber es ist unmöglich, aus diesem mare magnum, wie ich es selbst erprobt habe, ein solches Fischlein herauszufangen. Der erste der nachweisbaren Faktoren wird direkt als solcher im Jahre 1447 bezeichnet: ,,Henrichus Franchus de Constantia factor nobilis viri Josumpis mercatoris Alamani." Für ihn stellte damals Francesco Sforza einen Paßbrief aus, der ein Jahr galt und ihm und vier anderen Gesellen oder Faktoren die Erlaubnis gab, mit ihren Waren bis zu vier Saumlast nach Pavia, Cremona, Parma und Casale maggiore frei zu reisen und dort freien Handel zu betreiben. 3 Dieser selbe nobilis Henricus Franch de Constantia hatte 1 Schulte 2, 163. 2 Vgl. Kuske, Quellen z. Gesch. d. Kölner Handels u. Verkehrs im M. A. 1, Nr. 429 und 430. Danach waren Güter des Eavens- burgers Konrad Eilzac (Füllsack) bei Belluno angehalten worden. Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins 4, S. 33, Nr. 19—24. 3 Schulte 2, 51. mm H ja ■ m 240 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 2. Kapitel. § 34 aber in der nun abgelaufenen viscontischen Zeit noch viel höhere Privilegien gehabt; denn der Herzog Filippo Maria hatte ihn zu seinem Familiären gemacht und ihm deren weitgehende und besonders für den Kaufmann nützlichen Vorrechte übertragen. Er durfte mit drei Begleitern und mit seinen Waffen und Felleisen überall reisen ohne zu irgendeiner Abgabe, Zoll oder dergleichen verpflichtet zu sein. 1 1451 gab der inzwischen in den Besitz der Maüänder Herzogs- wiirde gelangte Francesco Sforza dem Ulrich Frei von Konstanz die Stellung eines Famüiaren und einen Paßbrief auf drei Begleiter. 2 Zwölf Jahre später beginnen die herzoglichen Privilegien für den Faktor der großen Gesellschaft Thomas im Steinhaus aus Konstanz. Das erste (von 1463) ist ein Familiaritäts- und Paßbrief auf vier Jahre und gültig auch für drei Begleiter, der zweite, von 1464, der Thomas mit eindringlichen Worten lobt, ward ohne Zeitdauer erlassen, erstreckte sich aber nur auf zwei Begleiter; wieder war die Freiheit von allen Abgaben zugesichert. Der Brief nennt ihn einen ausgezeichneten Mann und lobt seine Bescheidenheit, Unbescholtenheit und Mäßigung. Das dritte Privileg von 1465 gab auf sechs Monate einen Paß für Thomas und drei Genossen zu einer Fahrt in das Königreich Neapel — also, wie wir sehen werden, zum Safrankaufe in Aquila. 3 Damit enden die Famüiaritätsbriefe für Vertreter der großen Gesellschaft. Seinerzeit habe ich recht viele Bände der herzoglichen Begister durchgesehen, eine ähnliche Privilegierung habe ich aber nur für den Baseler Kaufmann Hans (1465) und seinen Sohn Bathasar Irmi von Basel (1473), erneuert bis 1522, und Lukas Welser von Augsburg (1475) aufgefunden, und dieser beanspruchte noch 28 Jahre später auf Grund dieses Privilegs die^ Befreiung vom Zolle. 4 So steht denn fest, daß die Hauptvertreter der Gesellschaft auf diese Weise lange Zeit hindurch im Mailändischen Zollfreiheit genossen. Die Gesellschaft an sich war nicht zollfrei. Der Herzog Galeazzo Maria gab 1475 unter Hinweis auf die von ihm bestätigten Privilegien, die seine Vorgänger den deutschen Kaufleuten erteilt hatten, auf besondere Bitte der großen Gesellschaft des Jos Humpis von Eavensburg einen Bürgschaftsbrief, in seinem Gebiete frei verkehren und handeln zu dürfen, aber er behielt zwei Dinge vor, die bisherigen von den deutschen Kaufleuten zu zahlenden Zölle 5 und die Pllicht, die bei mailändischen Kaufleuten gemachten Schulden zu bezahlen. Auf ihren besonderen damit begründeten Wunsch, daß sie ständig auf Kredit von Jahresfrist verkauften, gewährte »Schulte 2, 50. 2 Schulte 2, 51, 3 Schulte 2, 61 f. 4 Schulte 2, 75. "• „Reservatis tarnen solutionibus datiomm nostrorum, quas juxta solitum et secundum declarationes, que pro mereatoribus Alemanis specialiter edite sunt, facerc teneantur juxta solitum." BHHH9I Privilegien für die Gesellschaft und die Deutschen 241 er der Gesellschaft ein Jahr freier Frist für den Fall, daß er ihr diesen Salvacondotto aufkündige, von dem Tage der Mitteilung an die Gesellschaft solle dieses Jahr de contramando laufen. 1 Das war eine große Sicherung der Eavensburger. Ob sie lange bestanden hat, ist sehr zweifelhaft; denn in dem herzoglichen Geleitbriefe von 1490 fehlt diese Formel. 2 Man könnte bei diesem Privilegs annehmen, daß die darin genannten Onofrius Humpis, Peter von Watt (von St. Gallen) und Georg Fütterer (von Nürnberg) alle der Eavensburger Gesellschaft angehört hätten, allein eine solche Ausdehnung auf zwei andere große Geschäftsleute halte ich für wenig wahrscheinlich.- Auch gegen die Schuldner der Eavensburger Gesellschaft erließen die Herzöge Mandate. Zwei derselben von 1493 und 1530 sind erhalten. 3 Die Handelspolitik der Visconti und Sforza war den deutschen Kaufleuten allgemein sehr geneigt, besonders begünstigten sie den Durchgangsverkehr nach Genua. Wir kennen mehrere Eeihen von allgemeinen Privüegien. Die von den Visconti erlassenen Provi- siones Januae von 1346 4 galten abgeändert bis mindestens 1389, s sie sahen einen niedrigen, nach Warengattungen abgestuften Zolltarif vor, der später auf allen Durchgangsverkehr ausgedehnt wurde. Das Statut gab weiter den deutschen Kaufleuten die sehr wertvolle Zusicherung, daß Eepressalien gegen den einzelnen Kaufmann nur dann erfolgen sollten, wenn er selbst der Schuldner oder dessen Bürge sei. Als Kaiser Siegmund 1422 die Handelssperre gegen Venedig versuchte, haben die deutschen Kaufleute bei dem Herzoge Filippo Maria neue Privilegien erreicht, welche auch die Bitten der Deutschen enthalten. 6 Für aus Deutschland eingeführte oder dahin ausgeführte Waren erreichten sie die Gleichstellung mit den Bürgern des Kaufs- oder Verkaufsortes, für Transitgut hatten die deutschen Kaufleute Nachlaß der Hälfte erbeten, sie erreichten ein Drittel. Unter den weiteren sehr günstigen Bedingungen ist besonders hervorzuheben, daß die Einrichtung eines Fondaco seitens der Herrschaft genehmigt wurde. Man kann nur urteilen, daß der Herzog sich außerordentlich entgegenkommend zeigte. Diese Privilegien wurden von den nachfolgenden Herrschaften bestätigt, zuletzt 1466. 7 Der Plan eines Fondaco kam nicht zur Ausführung, die Bitte wurde aber 1472 durch den Maüänder Taddeo de' Busti erneut, und hinter ihm standen acht Deutsche, von ihnen sind je zwei leicht als Fütterer von Nürnberg und Fugger von Augsburg festzustellen, wer aber sind Pandolfo Henrico Franzo, Giliolo Franzo und Jacomo 1 Vgl. den Wortlaut des Salvacondotto bei Heyd 70 und den Bericht der Maestri delle entrate an den Herzog, ebenda 69. 2 Heyd, S. 73. Watt wohl statt "Rat zu lesen. 3 Schulte 2, 60. 4 Schulte 2, Nr. 191. 248. 5 Ebenda 2, Nr. 249. « Schulte 2, 99—101. ' Schulte 1, 557 f. Schulte : Gesch. d.Ravensb. Handelsges. I. 16 242 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 2. Kap. § 34. 35. ■ m • H s Franco. Bei diesem darf man an einen Jakob Frei denken, sind jene vielleicht auch zu deuten als Polai Heinrich und Gilg Frei! Wenn wir aber den Namen Frei haben, so wird man sie zunächst der Eavensburger Gesellschaft zurechnen dürfen. 1 Doch auch dieses Mal scheint der Plan fallen gelassen worden zu sein. Die Privilegien sind dann 1469 erweitert und um einen Zolltarif vermehrt worden, der an den von 1346 sich anlehnt, sicher haben die neu zur Eegierung gekommenen Herrscher sie 1477, 1495, 1499, 1514 und 1522 erneuert. 2 In die Zeiten französischer Herrschaft gehören die Privilegien von 1499 und 1522, so bleibt nur die Zeit von 1515 bis 1521 ungewiß. Von den französischen Herrschern hatte Ludwig XII. nur eine Ausnahme bezüglich der Verfolgung der Schuldner gemacht, ihnen aber neu das Eecht der Befreiung A r on Einquartierung der Kriegsleute gegeben. 3 Einmal (es ist im Jahre 1480) wird ein Konsul erwähnt, aber es ist nicht ausgeschlossen, daß es sich um die Absicht handelt, dieses Amt einzuführen. 4 Ich bin so weit auf diese allgemeinen Privilegien eingegangen, weil — wenn unsere Vermutung bezüglich der Franco und Franzo recht haben sollte — auch in diesem Falle die Eavensburger Gesellschaft Anteil an ihrem Erwerbe gehabt hätte. § 35. Krisen politischer Art. 1505 unter französischer Herrschaft. 1486/87. Wegen der Graubündner. 1479 Lodovico il Moro. 1507 Maximilianische Politik. Auflösung des Geliegers. 1518 vor der Kaiserwahl. 1520. Der Silberschmuggel von 1497. Weitere Fälle eines solchen. Welche Wirkungen die oft äußerst heftigen Stöße der Geschichte Mailands im einzelnen für die deutsche Kaufmannschaft gehabt haben, bleibt im dunkeln. Wir haben nur einige Nachrichten. Am Morgen des St. Stephanstages 1476 wurde der Herzog Gaieazzo Maria Sforza von drei Verschworenen, deren Tat viele Zeitgenossen als einen Beweis antiker Heldengröße feierten, ermordet; der erste Sekretär Cicco Simonetta rettete zwar dem jugendlichen Sohne Gian Gaieazzo die Erbschaft und seiner Mutter Bona von Savoyen die Eegentschaft, aber des Ermordeten junger Bruder Lodovico il Moro dehnte seine Macht an dem zerrütteten Hofe aus, bis er 1480 und 1481 beide beseitigte. Die Eavensburger meinten Oktober 1479: „Hat bisher nicht sein mögen, macht der Aufruhr, so zu Mailand ist gewesen, und die, so jetzt das Eegiment geführt haben, sind ganz nichts, man muß warten, bis das Wesen sich setzt und man weiß, wer gewaltig ist oder nicht." 5 1 Vgl. die Urkunden bei Schulte 2, 66 f., und die Darstellung bei Schulte 1, 559 f. 2 Vgl. Schulte 1, 560, und 2, 62—65. Für 1499 und 1514 vgl. Sauerland in Quellen und Forschungen aus ital. Archiven und Bibliotheken 5, 270 ff. s Sauerland, a. a. 0., 273f. * 3, 268. 5 Unten 3, 132. Privilegien. Politische Krisen 243 Mit Sehnsucht gedachte man später in der Zeit der französischen Herrschaft der Herzöge aus italienischem Blute, deren strammes, aber zuverlässiges Eegiment in gutem Andenken stand. 1 1505 schreibt der jüngere Hans Hillenson: „Es ist ganz eine tote Zeit, man muß mit allem die Zeit erwarten. Ich bin besorgt, daß, die- weil der Franzose regiert, keine Besserung darein kommt, die Leute halten kein Regiment. Der Franzose schafft das Seine, achtet aber auf keine Besserung der Gemeinde. Summa ist ein arm Wesen." Der schwer der Astrologie verfallene junge Kaufmann fügt hinzu: „Die Planeten haben es eine Zeit her auf ihren Teil, steht bis auf seine Zeit. Der, so alles vermag, schiebe alle Dinge zum Besten." 2 Die Graubündner haben in den Jahren 1486 und 1487 im Bunde mit dem Papste um das Recht gefochten, das den Eidgenossen schon längst gewährt war, die Zoll- und Handelsfreiheit. In diesen Kämpfen war die Gesellschaft bedroht, da sie vielleicht von den Herzoglichen als mit den Graubündner verbündet oder zusammenhängend betrachtet werden würde. Doch der Herzog gab den vier Vertretern die Zusicherung, daß die Geleitsbriefe streng beobachtet werden sollten. 3 Auffallenderweise werden alle vier als Vertreter des Societas magna Alemannie bezeichnet, obwohl nur der letzte, NofriusHumpis, in der Gesellschaft, deren erster Begierer ' er war, nachzuweisen ist. Georgias Fucor ist wohl Georg Fugger von Augsburg, Petrus Vacus (Peter von Watt) und Joannes Burlinus, der auch sonst vorkommt, 4 vielleicht ein Breunlin von Nürnberg. Ich habe den Eindruck, daß die vier Kaufleute sich zusammengetan haben, um in kritischer Zeit sich durch den am besten bekannten Namen zu sichern. 5 Das Jahr 1507 zeigte die Gefahren, die die hohe Politik der rasch ihre Fronten wechselnden Mächte den Kaufleuten darbot. In dem heimatlichen Konstanz hielt Max einen Reichstag ab und warb um die Hilfe für den Romzug, und das war wahrscheinlich der Krieg gegen den Herrn von Mailand — den König Ludwig XII. von Frankreich —, unter Umständen aber auch der gegen die Republik von San Marco. Zuerst war der Eifer des Habsburgers ganz gegen Ludwig gerichtet, der eben Genua der französischen Macht unterwarf (April 1507), doch die deutschen Stände waren kriegsunlustig, noch mehr hielten sich die Eidgenossen zurück, und das Ende der angesagten Kaiserfahrt und der Vertreibung der Franzosen aus Italien war die Annahme des Kaisertitels (in Trient 6. Febr. 1508) und der Angriff auf Venedig. Neuerdings hat Jansen die Meinung zu begründen versucht, daß der Gedanke des Kampfes gegen Venedig ihm von den Fuggern eingegeben worden sei, sicherlich glaubten andere oberdeutsche Kaufleute gerade im Venetianischen mit ihrem Gute sicher zu sein. 1 3, 286. 2 Unten 3. 291. Schulte 1, 634. 285. Heyd, S. 72. 4 Schulte 2, Nr. 114. 1 «H «täfi« mm 1 I 244 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 2. Kapitel. § 35 Im Juli 1507 beurteilten die Eavensburger iu Genua und Mailand in Gemeinschaft mit allen anderen in Mailand weilenden Deutschen die Lage gleichmäßig, man wickelte alle Geschäfte ab und rüstete sich zur Heimkehr. In den letzten Tagen des Juli war man fertig. 1 Was an Waren noch abtransportiert werden konnte, war, von den einzelnen Gesellen begleitet, in Bewegung gesetzt: Runder Wert 2331 U Genueser 5910 M „ 2550 V6 Mailänder 1579 U „ 461 U Genueser 2265 U „ 2017 U Mailänder Hans Heer: 29. Juni. 1 Kiste Nr. 18. Genueser Samt . . . 4 Kisten Nr. 19—22. Genueser Samt und Korallen ................. 1 Kiste Nr. 4. Mailänder Samt und Brokat Unzgold................. Lienhart und Kilian Keichlin: 15. Juli. 1 Ballen Nr. 23. Wurmkraut .... 5 Ballen Nr. 24—28. Schamlot....... 1 Kiste Nr. 5. Brokat und Samt..... Pale Hinderofen: 20. Juli. 2 Kisten Nr. 29,30. Genueser Samt, Taffet, Damast, Schamlot............3463 U Genueser Heinrich Stüdlin: 24. Juli. 5 Ballen Nr. 31—35. Genueser Schamlot 2479 U „ 1 Kiste Nr. 36. Genueser Samt, Damast . . . 1753 U „ 4 Ballen Tuch (7—10)............ 1517 U Mailänder Bernhard Hünlin: Nach 22. Juli. 1 Kiste Onzgold........1057 U „ 1 Kiste Nr. 7. Samt, Damast, Brokat .... 1120 U ,, (Eben noch geliefert.) Die von Genua stammenden Waren im Werte von 18 664 ä? 14/? 1 ^| ergeben, da 97 U 10 ß 6 ^ Genueser damals gleich 146 U 5 ß 9 3) Mailänder waren, einen Wert von Mailänder . . Dazu die Mailänder Waren............... Summe des Wertes aller Waren............ 24 886 U 9 842# 34 728 U Später schickte Brando da Saronno noch 4 Stück Samt durch die Besserer und Samt und Onzgold auf dem Wege durch die Schweiz, ohne daß wir den Wert kennen. Ein Teil der Waren wurde unter italienische Geschäftsfreunde verteilt, damit diese sie verkauften oder verwahrten: Battista Grassi nahm Seide von Messina, Zucker, Messingdraht und Tafeln Messing, Niecola Brasca 12 Kisten Zucker, Brando da Saronno Seide, Paolo da Seregno 11 Ballen feine Wolle, Francesco d'Arcona deren 7 und 6 Ballen Schaffelle, Battista da Piano 12402 Stück Lammfelle. Zu Vercelli lagen im Hause des Michel Byst 10 Ballen 1 Vgl. 3, 317—324~ ■MM Auflösung des Geliegers 1507 245 Lammfelle. Im eigenen Hause blieben 172 Zentner Schmirgel und ein erhebliches Quantum in Nadeln — zusammen über 856 U wert. Die Bücher und Schuldurkunden waren in einem versiegelten Bündel mit denen der Vöhlin-Welserschen Gesellschaft zu deren Mann, dem Juchtenlederfärber Bartolommeo da Busti, nach Brescia verbracht, also auf den Boden der St. Marcusrepublik, wo sie nach der Wendung der kaiserlichen Politik noch mehr als in Maüand gefährdet waren. Ein Teil des Geldes (960 U ) wurde in Sonnenschilden nach Genua verbracht, die Genuesen aber hatten dasselbe umgekehrt getan (724 & 18/?). Für die Fuhren und die Heimreise wurden ausreichende Geldmittel gegeben, auch einigen anderen Gesellen, und weiter zahlte man zwei in Maüand untergebrachten Lehrknaben (Lütfried und Heinrich von Ulm) das Lehrgeld, aber ich kann nicht finden, daß die Gesellen versuchten, bares Geld zur Ausfuhr nach Deutschland zu bringen, was verboten war. 500 rh. fl erhielt, so scheint es, Battista da Piano in Verwahr, 130 U Bernardino da Lecco, den Best (59 Sonnenschilde, 9V 2 Dukaten und 14 rh. fl und kleinere Münzen im Gesamtwerte von 393 U) vertraute man Brando da Saronno an. Nach dem der Gesellschaft einst bewilligten herzoglichen Briefe hätte sie wegen der Schulden ziemlich ruhig sein dürfen, da ja die Sicherheit noch ein ganzes Jahr lief. Allein — da auf den Brief nirgends Bezug genommen wird — so war er wohl nicht erneuert. Die Gesellschaft hatte ausstehen: u ß ^ Böse Schulden in 14 Posten........... 1 724. 10. 10. Zweifelhafte Schulden in 5 Posten........ 4 891. — 4. Gute Schulden................. 107 294. 19. 8. 1 Sie hatte nicht nur Kredite bis auf ein Jahr, sondern auch darüber hinaus. Die höchste Schuld eines Lombarden belief sich auf 3080 U, aber Battista Grasso war ein naher Geschäftsfreund, er übernahm es, eine größere Zahl von Posten einzutreiben, wie es auch meist die anderen taten, die Waren angenommen hatten. Zum Teil begegnen unter den Schuldnern Namen, die aus der Geschichte Mailands bekannt sind. Von Francesco Brivio ist uns sein Bild erhalten, bei anderen könnte nur eine sehr genaue Kenntnis der Mailänder Geschlechtergeschichte feststellen, ob es sich um Kaufleute oder andere Personen handelt, ob der Name täuscht oder nicht, mit den Arcimboldi, Orivelli, Galli, Litta, Missaglia, 1 Die Abrechnung ist in zwei Exemplaren erhalten, das eine gibt nur Seiten- Bummen, die ich nachgerechnet habe, daraus ergibt sich die obenstehende Summe, das andere hat auch Seitensummen, und diese ergeben nur 104 487 U 9/8 7 ,S). 246 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 2. Kapitel. § 35 I m ■ • El Panigarola, Pusteria, Simonetta, Tiraboschi, Trivulzio und den Visconti verbindet sich dem Freunde mailändischer Geschichte diese oder jene historische Persönlichkeit. Das Handelshaus der Borromeo rindet sich nicht, wohl aber die Gesellschaften des Battista Trivulzio, des Francesco Brivio. Unter der großen Zahl Schuldner finden sich aber auch viele Deutsche, und zwar mit erheblichen Summen. Es erscheinen: Stüdlin in Lyon mit 7425 #, Martin Scheler von Ulm 6791 U, Jakob Gienger von Ulm 5836^, Matthäus Gienger von Ulm 4584 26, Engelhard Herman 3277 U; diese zusammen 27 913 U. Die Gesellschaft schuldete in Mailand nur 3108 &. Eechnet man alle diese Werte, die der Gesellschaft vor der Auflösung in Mailand zustanden, so kommt man mindestens auf 130 000 U Mailänder, nach Abrechnung dieser Schulden blieben dann noch rund 127 000 fi Mailänder. Das wäre nach dem damaligen Kurse von 72 ß Mailänder auf den rheinischen Gulden eine Wertsumme des Mailänder Lagers von 35 277 fi rh. Die Gesellen mochten wohl voll Sorgen der drohenden Katastrophe entgegenschauen. Aber dieses Mal verzog sie sich. Die Politik Maximilians machte die eigentümliche Wendung, sie ging gegen Venedig und lehnte sich für einige Jahre an Frankreich, dessen König die Belehnung mit dem Herzogtume erhielt. Die Gesellen waren wohl bald wieder nach Mailand heimgekehrt, August 1510 liefen die Geschäfte jedenfalls wieder ihren gewohnten Gang. 1 Im Oktober 1511 erschienen die Schweizer vor Mailand, doch erst im Juni 1512 wichen die Franzosen aus Italien. Die ihrer Macht frohen Schweizer erhoben den Sohn Lodovicos Massimiliano, doch das Gebäude der eidgenössischen Großmachtpolitik brach in der Schlacht von Marignano zusammen, am 4. Oktober 1515 kapitulierte das Kastell von Mailand, und damit begann die Herrschaft des Königs Franz I. von Frankreich, dessen Beamte nach Ausbruch des Krieges mit Karl V. 1521 aus Mailand weichen mußten, wo Francesco IL Sforza die Herrschaft übernahm. Von 1521 an tobte der Kampf wieder in den Fluren der Lombardei. Aus der Zeit, in der der Friede Europas verbürgt schien, haben wir ein sehr merkwürdiges Aktenstück der Gesellschaft. Dem Altschultheiß von Luzern Jakob von Hertenstein hat die Gesellschaft alle ihre im Herzogtum Mailand und in der Nachbarschaft ausstehenden Schulden überlassen, und zu deren Beitreibung bestellt er am 25. Juni 1518 den Luzerner Gerold als seinen Bevollmächtigten. 2 Heyd, der dieses in einem Luzerner Formelbuch erhaltene Stück zuerst benutzt hat, nahm an, der reiche Luzerner Patrizier habe der Gesellschaft große Summen vorgestreckt und die im Bückgang begriffene Gesellschaft habe ihn nicht mehr durch andere Mittel zu befriedigen gewußt als durch eine solche Zession. 3 Wäre 1 Unten 3, 35 f., 41 ff. 2 Heyd, S. 82 f. 3 Ebenda, s722. Politische Krisen. Silberschmuggel 2-17 das richtig, so müßte bei der Abrechnung von 1517 Hartenstein als Gläubiger erscheinen, er fehlt aber auf der Liste „Was wir sollen". So halte ich es für viel wahrscheinlicher, daß die Gesellschaft von der Bewerbung König Franzens um die deutsche Kaiserkrone wußte und den Kampf mit dem Habsburger Karl von Spanien richtig voraussah und sich daher, um sicher zu gehen, abermals dieses Führers der französischen Partei in Luzern bediente. Aber aufgegeben wurde darum das Mailänder Gelieger doch nicht; denn im Januar 1520 weüte dort noch der Faktor Polai Hinderofen. Er hatte von den Fuggern für die Gesellschaft Kupfer gekauft, diese den Preis den Verkaufern entrichtet. Die herzoglichen (d.h. französischen) Beamten verlangten aber die Zahlung für sich und setzten Hinderofen gefangen. Wieder war es Jakob von Hertenstein, der für die Gesellschaft eintrat und von Luzern erreichte, daß die Stadt bei der französischen Statthalterschaft sich ins Mittel legte. 1 Man muß sich erinnern, daß sieben Monate zuvor das Geld der Fugger dem Habsburger Karl die deutsche Kaiserkrone verschafft und die Bewerbung des Königs von Frankreich zunichte gemacht hatte. Der Kampf zwischen den beiden Bewerbern war von da an unvermeidlich geworden. So sehen wir, wie die französische Herrschaft in Mailand stets die Gesellschaft besorgt gemacht hatte, und für sie war es ein Glück, in dem Altschultheißen von Luzern und durch ihn in der Eidgenossenschaft eine Stütze zu haben. Zu einem sehr ernsten Konflikt führte die Gesellschaft ein Fall von Silberschmuggel im Jahre 1497. Anfang Mai erschienen am Zolle von Mailand zwei Wagen mit zwei Saumlasten Zinn, die als nach Genua bestimmte roba grossa namens der Gesellschaft deklariert und zum Zolle angemeldet wurden, zur Durchfuhr nach Genua. Schon waren die Wagen abgefertigt, als die Zöllner Verdacht schöpften, daß unter dem Zinne Silber sei. Die Ballen wurden angehalten, und der Meister der Mailänder Münze machte seine Rechte geltend. Der deutsche Vertreter der Gesellschaft weigerte sich zu erscheinen. Es kam nur zur Stelle Brando da Saronno, bei dem die Kaufleute wohnten, und nun begann in Gegenwart des Münzmeisters die Eröffnung der vier Ballen und in jedem fand sich eine Silberplatte, sie wurden auf der Wage der Münze gewogen und ergaben 487 Mark, 2g6 ^. Der Wert wird später auf 12 654 U 2 ß 6 % Mailänder (Imperialen) = 3834 Vi fl A. 5 ß 6 ,3, angegeben. Der Münzmeister stellte sich auf den Standpunkt der Statuten der Münzverpachtung. Das Silber und an Strafe für jede Mark 5 fl ä 32 ß, ebenso das Zugvieh des Transportes seien verfallen. Ein Drittel der Strafe gebühre dem Entdecker, das zweite dem 1 Heyd, S. 22 und 84. 2J8 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 2. Kap. § 35. 36 m BS , Pächter der Münze, das dritte dem Herzoge. Die Gesellschaft stützte sich auf das Geleit und forderte das Silber heraus. Vergebens. Nun bot die Gesellschaft andere Mittel auf: einmal wurde der in Italien und Mailand erprobte alte Geselle Nikolaus im Steinhause dorthin gesendet, der Bischof von Chur stellte ihm Empfehlungen aus, die Städte ^Ravensburg und Konstanz gaben ihm Schreiben mit; das Konstanzer bittet, wenn ein Irrtum vorgekommen sei, um Gnade; die Ravensburger wiesen auf die Geschäftsverbin= düngen hin, die die Gesellschaft über hundert Jahre mit Mailand verbänden. Sie reichte eine große Denkschrift ein und drohte, sie werde die Sache vor den Kaiser bringen, was Lodovico scharf zurückwies. Das Fürwort des Bundes der Bodenseestädte verschlug ebensowenig, aber die Hilfe der Eidgenossenschaft hatte Erfolg. Es gab vier Teilhaber in der Eidgenossenschaft, die aufgeboten wurden, der politisch sehr einflußreiche Jakob von Hertenstein in Luzern, der Eitter Ulrich Muntprat in Zürich, Dominikus Erauenfeld inJZürich und der alte Moritz Hürus in Stein am Rhein. Die Eidgenossen schickten durch sie bestimmt einen Boten an den Herzog mit der Bitte um die Rückgabe des Geldes, das bewog den Herzog sogar seinen Kanzler Francesco Litta nach Luzern zu entsenden, der am 24. März 1498 mit den vieren einen Vertrag abschloß, der alle Wünsche der Gesellschaft befriedigte. Der Silberwert sollte bis zum 1. März 1499 in Mailand entrichtet werden, geschähe das nicht, in Luzern unter Schadenersatz. Es ist deutlich, welcher Vorteil es für die Gesellschaft war, sich in solcher Not die Hilfe der Eidgenossenschaft erwirken zu können. 1 Nun sollte man glauben, die Gesellschaft habe nach solchen Erlebnissen den Silberschmuggel eingestellt, doch kann ich nicht weniger als drei Fälle nachweisen, wo Silber in Zinn oder in Leinwand nach Mailand oder durch Mailand geschmuggelt wurde. 2 Leinwand galt als minder verdächtig. Es waren das zusammen fünf Stück Silber. Der Schmuggel wurde offenbar dadurch erleichtert, daß die Mailänder Zöllner nicht jedesmal bezahlt wurden, sondern Kredit gewährten. Baumgartner schreibt über die Durchfuhr von Silber: „Es ist Gewohnheit, als viel einer Silber in die Münze legt, so viel mag er durch senden per transito in andere Herrschaft und nicht mehr, doch mag der Herzog das auch verändern. Wer es durchsenden will, so läßt er es gewöhnlich auf einem anderen fahren, in Ballen binden, so geben ihm die Münzmeister ein bolletta, das führt der Mulatier mit ihm, zeigt es an allen Enden in Mailänder Herrschaft und läßt man es ohne Zoll für gehen. Sonst wäre es Contrabanda." 1 Vgl. Heyd, S. 19—22 und 75—80. Schulte 1, 562f. und 2, 79f. 2 1505: 3, 287 ff. 292. 296. 1507: 3, 309. 1510: 3, 34. Silberschmuggel. Wechsel. Textilwaren 249 § 36. Älteste Nachrichten über den Handel des Geliegers. Einkauf und Verkauf von Waren. Textilwaren: Leinwand, Barchent, Hosenstoffe, Wolltuche, Stamete, Seidenwaren, Brokate usw. Rohstoffe, Goldschlägerware. Perlen. Edelsteine. Metallwaren und Rohstoffe. Felle. Lebensmittel. Wachs, Papier und anderes. Bedeutung der Mailänder Waren. Schuldner und Gläubiger. Wert und Umsatz. Die Tätigkeit in der Nachbarschaft. Unterbringung des Geliegers. Die älteste Nachricht über ein einzelnes Handelsgeschäft der Gesellschaft in Mailand verdanken wir dem Hauptbuche des Mailänder Geliegers der Medizäer (Piero e Giovanni de Medici) vom Jahre 1459. Dem Konstanzer Churado Misner wurde am 17. Juli ein Kredit auf 4000 U eröffnet. Er zahlte davon in der Bank von Sebastiano da Ghuenza und Brüder am 17. Juli und 7. August je 1500 U und am 23. August 600 & an Lionardo Franco fattore de Josonpis e compagni alamanni, am 11. August aber an die Order Francos, an Giovanni da Erba in seiner Eigenschaft als Zollerheber 400 U. x Eine zweite Angabe handelt über einen Wechsel, den als Trassant Ottomar von St. Gallen und Genossen — es handelt sich um Ottmar Schläpfer, den Faktor der Humpis in Genua — über 350 U Imperialen gleich 300 U Genueser auf Lionardo Francho, den Mailänder Faktor, zog. Der Wechsel ging durch die Bank von Battista Spinola, die der Centurioni an die Medici nach Maüand und dann an die Bank des Piero del Conte, wo ihn Lionardo Francho einlöste. 2 Was verkaufte die Gesellschaft in Mailand und welche Waren erwarb sie dort? Auf den ersten Bbek sollte man meinen, sie hätte dort vorwiegend oberschwäbisches Leinen zum Markte gebracht. Aber mit Sicherheit kann man da einen Verkauf nicht feststellen; denn die 9 Ballen Leinwand und die 18 Ballen, die 1480 und 1481 dahin gehen, 3 können ebenso weitergeführt worden sein, wie die 7, die 1510 über Mailand nach Valencia verbracht wurden, 4 und die 6 (?), die 1505 bis mindestens Genua gingen. 5 Mailand führte nach Uzzano selbst Leinwand aus. Einmal bestellte man feine holländische Leinwand, 6 auch kommt solche von Chamböry dort vor. 7 Die Barchentweberei von Oberschwaben hatte ebensowenig ein Feld, umgekehrt ging von der äußerst stark entwickelten altberühmten Mailänder Barchentweberei schwarzer, aber auch sonstiger in großen Quantitäten nach Norden. 8 Die Gesellschaft führte ihn vorwiegend für ihre spanischen Gelieger: für Barcelona 1474 3 Ballen schwarz, 9 1478 auf dringende Anfrage über Lyon, wohin man 1 E per lo detto e a nome de datiero de la merchantia di Chomo li faciamo buoni a Giovanni da Erba, textore di Chomo. Vgl. Sieveking, Die Handlungsbücher der Medici, S. 40. 2 Sieveking, ebenda, S. 41. 3 Unten 3, 250f. '3,43. 5 3, 289. 8 3, 284. '3,321. 8 Die Gesellschaft kaufte nur für-Privatrechnung schwarzen Barchent 3, 18. Von der Arbeit der Fustagnari lebten 1495 mehr wie 6000 Personen. Gaddi, Per la storia della legislazione e delle istituzioni mercantili lombarde. Arch. stör, lombardo 20 (1893). 9 3, 12. 250 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 2. Kapitel. § 36 i 1 RtSs H m geschickt hatte, 1 für Saragossa 1471 ein unbestimmtes Quantum, 2 ein Stück gestreiften Barchent. 3 Auch 1506 hatte man einen Vorrat.* Für Valencia 6—8 Ballen auf jedes Passagie, 5 dann regelmäßige Aufträge; 6 neben schwarzem hatte man auch etwa ein Viertel weiß und einige Stücke grauen Barchent, mit den farbigen und gestreiften vertrieb man die schwarzen. 7 Am gestreiften machte man einen guten Gewinn 8 und namentlich in Saragossa galt er. 9 Auch in Genua verkaufte in älterer Zeit (1479) der Faktor flott die schwarzen Barchente, er wünschte die mit einem Greifen gezeichneten, beschwerte sich aber über die ungleiche Arbeit, der Erzeuger setzte nun drei Engel als Zeichen darauf, während sie nur die Güte für zwei Engel hatten. 10 Die schwarzen wurden vorwiegend in Genua von „Kuratzern" gekauft, dienten also dazu, die strahlenden Plattenharnische zu verbrämen. 11 Weiße: schrouradi bambax, die einmal für Genua gekauft werden, sind wohl baumwollene Hosenstoffe. Wolltuche, abgesehen von den billigsten, einzuführen, war seit 1454 verboten, das alte Mailänder Wollgewerbe, aus dem der einzige Handwerkerorden, die Humiliaten, hervorgegangen war, sollte keine Schädigung erfahren. Die in den Papieren der Gesellschaft erwähnten Tuche können alle Comasker gewesen sein. Dahingegen kaufte man gern Stamette (Leinenaufzug und wollene Kette) in mehreren Farben, und die Vornehmsten der Bavensburger ließen sich für ihre roten Hosen den Stoff aus Mailand kommen. 12 Einmal gingen mittelfeine Tuche (pannetti) nach Valencia. Wie die Gesellschaft Gelegenheit nahm, aus Spanien Wolle einzuführen, wird in dem Abschnitte über die Waren darzustellen sein. Unter Filippo Maria wurde 1442 die Seidenweberei in Mailand durch einen Florentiner eingeführt, der Versuch glückte vollständig, 1460 wurde die Einfuhr von Stoffen aus Seide, Gold und Silber verboten, 13 und gleichzeitig bildeten die mercatores auri argenti et sirici eine Zunft der Händler für die Bohmaterialien dieser feinsten aller Gewebestoffe, sie regelten aber auch die Fabrikation und bestimmten die Maße der Damaste und Brokate. 14 Aus der älteren Zeit haben wir keine Nachrichten über Ankauf von Mailänder Damasten, erst mit 1500 setzen sie ein, und bei dem hohen Preise und dem geringen Absatz war man immer bei dieser Ware zaghaft. 15 Das gut ebenso von den Samten, deren man trotz des höheren Preises aber doch mehr kaufte, da mußte man für die 1 3, 79. Vgl. 3, 143. 2 3, 5. 3 3, 2. 117. 124. 140. 158. 172. 193. 273. 281. * 3, 242. 5 3, 172. 188. 6 3, 58. 82. 90. 106. 150. 158. 261. 288. ' 3,109,117. 8 3, 150. 9 3, 193. 242. 244. Man führte ihn mit einem und drei Streifen. " 3,256 f. Über die persönlichen Zeichen der Barchentweber vgl. Archivio stör, lombardo 29, 1, 222. '"3,257. Barchent von 3 Engeln 3, 267. Vgl. Anzeiger f. Schweiz. Geschichte (1920), S. 230. 12 Das Nähere unter Waren. 13 Schulte 1, 568; ebenso 1499, Gaddi 2, 940. M Malaguzzi-Valeri, La Corte di Lodovico il Moro (1913), 1, 164 f. Verga, Archivio storioo lombardo 30, 1, 67. n Das Nähere unter Waren. Gewebestoffe. Deren Rohstoffe. Farbwaren usw. 251 Elle öfters 6 U Mailänder anlegen. Noch höher im Preise (11 U die Palma) standen „Kremmesi-Samt", „Kremmesi-Atlas", auch hier kaufte man, ohne daß man dauernd größere Quantitäten für erforderlich hielt. Die Goldbrokate, die auch zu Mailand hergestellt wurden, suchte die Gesellschaft nur für Köln, und dazu bot ein alter Mailänder Faktor Anlaß, der in seiner Zeit in Mailand gesehen hatte, wie man dort für alle anderen Waren im Stichgeschäfte Brokate erwerben konnte. Mit je einem Stück grün, rot und schwarz oder blau wollte er einen Versuch machen. 2 Und wirklich erwarb man ein Stück borchato d'oro mit blauem Boden. 3 Es war aber nicht durch ein Stichgeschäft erworben, sondern auf Bestellung gemacht, man hatte Felippo Beinoldi darauf 762 U vorgeschossen. 4 Die meisten Brokate wurden auf Bestellung gearbeitet, vor allem, wenn man Devisen oder besondere Figuren hineingearbeitet wissen wollte. 5 In den letzten Jahren handelte die Gesellschaft auch mit Goldborten und Sumacky, deren Herstellung eben in Mailand aufgenommen worden war. Barette wurden in Mailand vielfach gemacht. Die Gesellschaft kaufte für Private davon. 6 Dem Maüänder Textilgewerbe führte die Gesellschaft Bohstoffe zu. Die Zucht der Seidenwürmer war früher ein Monopol islamitischer Lande gewesen, damals machte sie den Anfang, eine Heimstätte zu gewinnen, wo nie der Halbmond im Winde sich gedreht hatte. Die Seidenzucht war etwas vor 1470 ins Mailändische eingeführt worden, Lodovico il Moro hat ihr dann in der Sforcesca bei Vigevano eine Musteranstalt gegeben, aber auch dann blieb sie von den Seiden anderer Gegenden abhängig. 7 So lieferte die Gesellschaft auch später noch Valencianer Seide, Seide von Almeria und endlich die bessere Seide von Messina und Kalabrien, diese als Kauf zweiter Hand. Baumwolle, die für Maüand wie für Eavensburg in Frage kam, wurde gelegentlich erworben. Um so bedeutender war die Einfuhr von spanischer Wolle, vor allem von Tortosa, auch machte man wieder einen Versuch mit englischer Wolle. An Farbwaren finde ich nur aus Valencia eingeführte Grana (Kermesschildlaus). Dem Textügewerbe (Brokaten, Goldborten) diente auch die Mailänder Goldschlägerei, der die Gesellschaft dauernd Waren abnahm. Die Gesellschaft kaufte auch in Maüand Perlen und Edelsteine, diese aber nur für Gesellen, und verkaufte dort Straußenfedern. In diesen Luxuswaren ersetzte Maüand den Gesellen den Markt von Venedig. Der Buhm Maüands beruhte auch auf seiner Metallindustrie. Sie erreichte ihr Höchstes in der Waffenindustrie. Doch waren 1 3, 440 zu 1507. 2 3,310. 321. 3 3, 320. 4 Malaguzzi- Valeri 1, 166. 5 3, 254. 268. 6 Malaguzzi-Valeri 1, 159. 667. 5a ■■ ■ : ■ . 252 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 2. Kapitel. § 36 diese für einen regelmäßigen Handel der Gesellschaft wenig geeignet* so begegnen uns auch nur im Kommissionsgeschäft einige Angaben. 1 Für den Fernhandel war die Merceria, die Kleineisenwaren, die Pfennwerte mehr geeignet, wiewohl man oft nicht viel Gewinn, aber viel Arbeit und Mühe hatte. Namentlich erschien sie für die Bodega in Valencia unentbehrlich, 2 aber aucb nach Saragossa wurden manche Quantitäten verbracht, 3 und in Genua hatte man früher auch diese Waren geführt, aber wenig Nutzen daran gehabt. 4 Unter den einzelnen Artikeln stehen Bisendraht, Nadeln und Nägel voran, dann auch Schellen, Scheren, Ketten, roseti und copadina di loton (Stecknadeln aus Messing). Eingeführt wurde Messingdraht. An Eohmetallen gingen von Mailand nur, soweit sich das erweisen läßt, Eisen und geschwärztes Messing durch die Gesellschaft nach Genua. Mailand selbst empfing aber durch sie sehr erhebliche Mengen von Zinn und Kupfer aus Deutschland, dann Messing in Tafeln, Schmirgel, der zum Polieren von Metall verwendet wurde. Aus Spanien wurden Schaf- und Lammfelle eingeführt, ob sie auch den Pergamenern von Mailand dienen sollten, die viel exportierten? An Lebensmitteln kam durch die Hände der Gesellschaft von Valencia her Zucker in nicht unerheblichem Umfange, dahingegen finde ich keinen Beleg von Einfuhr von Valencianer Beis. 5 Gerade in die Zeit (vor 1475) wird der erste Anbau in den wasserreichen Flußgebieten der Lombardei erwähnt, der den Charakter der lombardischen Landschaft und der Nahrung wesentlich veränderte, der Bisotto wurde freilich erst von den Spaniern auf den lombardischen Küchenzettel gebracht. 6 Der Baseler Balthasar Irmi begann sehr kräftig die Beisausfuhr nach Deutschland. Die Gesellschaft ist dem Beispiele mindestens nicht kräftig gefolgt. Mandeln kamen wenigstens mitunter von Genua her und wohl weiter von Valencia. Einen erheblichen Posten Geldes verwandte man zeitweise auf den Ankauf von Safran, in Mailand kaufte man Zima und Pulschen (Apulien), auf den Märkten von Casal maggiore wohl zumeist den Tuschgan, der nach dem Gewichte dieser Stadt berechnet wurde. 7 Einen Anteil an der Salzversorgung im Herzogtume halte ich nicht für sicher erwiesen. 8 Immerhin ist es möglich, daß sich die Gesellschaft einmal daran beteiligt hat. Der Gewürzhandel war in Mailand an sich schon nicht so lebhaft wie in den italienischen Hafenstädten, die Gesellschaft beteiligte sich kaum daran. An Lebensmitteln wurden weiter von dort ausgeführt — aber nur im Kommissionsgeschäft — Käse von Piacenza, Schachteln mit Konfekt, Weinbeeren, Kapern, Tunfisch, ,,Triax". 9 1 Siehe unter Waren. 2 3, 150. 3 3, 117. 158 und öfter. * 3,256. 5 Vgl. unten 3, 287, wo doch die Eeispreise angegeben werden. 8 Malaguzzi-Valeri 1, 159. Motta, Archivico storico lombardo (1905) 32, 2, 392. ' Näheres unter Safran. 8 Vgl. 3, 286. 9 Vgl. unten 3, 254. Warenhandel. Kredite. Schulden 253 Wachs kam mehrfach über Genua von Valencia her. Vereinzelt wurde Papier, für Gesellen auch Säckel, Bücher nach Deutschland, vielleicht auch Pergament nach Genua ausgeführt. Dahingegen eingeführt Paternoster und auch Zobelfelle. Unbestimmt ist die Art folgender Waren: copy zewe, fe biaqua (Einfuhr). Der Überblick über die Warenein- und -ausfuhr zeigt, daß Mailand mit seinen beiden Hauptgewerben, der Metallindustrie und der Barchentweberei, sowie mit seinem eben aufgekommenen Seidengewerbe der Konkurrenz von Nürnberg, Oberschwaben und Genua wirksam entgegentrat. Die großen Privüegien, welche die Deutschen und besonders die Gesellschaft besaßen und sich auch auf die Sicherheit der Ausstände bezogen, führte dazu, daß die Gesellschaft großen Kredit gab, ohne sich an Meßplätze festzulegen. Im Juli 1504 hatte die Gesellschaft in Mailand bei 53 Schuldnern 86 536 U ausstehen, davon entfallen (ungerechnet einige kleinere Posten) auf Deutsche 41 703 U. Man schuldete an 10 Gläubiger 4134 U, daran waren 4 Zollbeamte beteiligt, 2 Lombarden, die übrigen waren Deutsche, und ihnen gehörte mehr wie die Hälfte der Gesamtsumme. 1 Schon oben habe ich auf die Schulden, die die Gesellschaft im Juli 1507 zu beanspruchen hatte, eingehen müssen. Wir haben aber noch eine zweite Aufstellung aus dem Februar des gleichen Jahres. Man hatte an guten Schulden Verfallene Auf Ziel . im Februar U ß ,9, 13 267. 19. 9. 69 948. 3. 9. im Juni U ß % % -9» 83 216. 3. 6. 107 294. 19. 8. Obschon die politischen Zustände sehr bedrohlich waren, hatte man die Kredite um 24 000 U anwachsen lassen, man hatte eben die Waren möglichst veräußert. Zugleich hatte man die Schulden von 14 276 auf 3108. 19. 8. vermindert. So hatte man über 800 U dem Zoller an der Porta Genovese abgezahlt, der einzige größere lombardische Gläubiger war Brando de Saronno mit 707 U . Unter den Schuldnern waren auch im Februar die Deutschen stark vertreten, damals betrugen ihre Schulden 11 694 U , nun waren sie auf 27 913 2&f gestiegen, während die der Lombarden nur um 7830 U zugenommen hatten. Unter den Schulden waren 1504 wie 1507 im Februar wie im Juli nicht geringe Vorschüsse an Lieferanten von Onzgold (1504 11121 U in 3 Posten, Februar 840 + 2225, JuU 3080), Damast (Februar 577 t6), Samt (Juli 1460 + 1355) und 1 3, 279. i 254 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 2. 3. Kap. § 36. 37 • 1 ■ SsK Brokat (Juli 763 U). Die große Schuld von 12 000 U, welche erst am 1. Januar 1508 Michel del Conte e compagnia del sale zu zahlen hatte, war im Juli völlig beglichen. Manche der Schuldner machten den Herren in Eavensburg Kopfzerbrechen. 1 Nur einer sei besprochen. Die Beaqua betrieben in langer Folge die Ausfuhr von englischer Wolle, die sie großenteils durch Deutschland und die Schweiz nach Mailand brachten. Im Spätsommer 1479 brach ihre Gesellschaft zusammen, die Bavens- burger aber hatten einige Hoffnung durch einen Vertrag einen Teil ihrer Forderungen zu retten. 2 Aus den angeführten Nachrichten ergibt sich völlig deutlich, die Gesellschaft kaufte in der Begel in bar, ja machte erhebliche Vorschüsse auf Lieferungen, sie gab vor allem den großen deutschen dort arbeitenden Kaufleuten erhebliche Kredite, es stehen bei ihnen zu Buch: Jakob Gienger von Ulm . . Engelhard Herman .... Matthäus Gienger u. Komp. Martin Scheler...... Konrad Studacli..... Stüdlin (Lyon)...... 1504 1507 Febr. 1507 Juli 5 613& 3 515 U 5 836^ 3 431& 5194& 3 277&f 9 546& 2 508& 4 584^ 11 793 U 6 787^ 6 791& 1795^ — — — — 7 425& 32 178 U 18 004 U 27 913 U Als Matthäus Gienger 1505 mehr als 8000 U schuldete, erschien das in Mailand als viel. 3 Dem Kapitalwerte nach stand das Maüänder Gelieger 1497 an dritter Stelle mit 25 021 fl rh. = 82 570 &, wir berechneten oben, daß es 1507 auf 35277 fl rh. = 137 000 U sich gesteigert hatte, von 1498 bis 1500 belief sich in 31 Monaten die Bechnung auf 347490 U = 105 300 fl rh., das macht einen Jahresdurchschnitt von 40762 fl. Das Kapital von 25 000 fl wurde also etwas mehr als anderthalbmal umgeschlagen, wobei die sehr langen Zahlungsfristen zu beachten sind. Daß die Gesellen von Mailand auch auf das Land gingen in andere Städte, ist schon an sich nicht zu bezweifeln. Es wird aber ausdrücklich erwähnt, daß 10 Ballen feine Wolle nach Lodi zum Verkauf gesendet wurden. 4 Ob man die Fiera von Vercelli (Ende April) besuchte, ist zweifelhaft, 5 aber 1507 hatte man 10 Ballen Lammfelle dort Hegen. 6 Es ist doch wahrscheinlich. Den Schuldnern mußte man nachfahren, und solche sind nachzuweisen in Lodi, 7 Como, Cremona, Varese, Bergamo und wohl noch an manchen anderen Orten. 8 Ausdrücklich wird erwähnt, wie ein Geselle von Como nach Varese einem Schuldner nachritt. 9 1 3, 3, 14, 16f., 19f., 23. 2 Über die älteren Beaqua vgl. Biscaro im Archi- vio storico lombardo 40,1, 75 ff. Über den Bankrott unten 3, 132 und 264. 3 3, 292. 4 3, 281. 5 Ebenda. 6 3, 321. 7 3, 307. 311. 8 Die Schuldnerregister 3, 279. 307 f. 319f. 9 3, 249. Einem Kesselschmied in Varese gab man 4 Ballen Kupfer auf Kredit, obwohl er ein schlechter Zahler war, 3, 14. Kitt nach Busti 3, 24. Mailand. Como 255 Über das Mailänder Gelieger und seine Geschäfte orientiert am besten das Bruchstück der Eechnung, die dort Klaus im Steinhaus vom 6. August 1477 bis 1. Juni 1478 führte. 1 Das Gelieger war 1497 bei Branda da Saronno untergebracht und wohl auch 1507. Das Volk „im Hause" und die Boten erhielten zu Weihnachten zu einem guten Jahr eine erhebliche Spende. 2 Es ist wohl zu beachten, daß 1506 ein alter Teilhaber der Ravensburger Gesellschaft Jörg Koler mit dem Nürnberger Jörg Kreß und dem Mailänder Ambrogio da Saronno zu einer Gesellschaft zusammentrat, die bis 1511 bestand. 3 Er war wohl ein Verwandter des Hauswirtes. Auch Lehrbuben waren in der Stadt untergebracht. 4 Drittes Kapitel. Die übrige Lombardei und Halbinselitalien § 37. Como. Tuche und Stamete. Gelegentlicher Aufenthalt. Verkauf von Wolle u. a. Gallo. Fondaco. Lucca. Einkäufe von Damasten. Florenz. Gelegentlich besucht. Beziehungen dort und zu Pisa und Siena. Rom. Geldgeschäfte mit der Kurie. Aquila. Safrananlegung. Das Leben dort. Foligno. Safran. Von Maüand aus wurde auch der Dienst in C o m o versorgt, was wundernimmt, da in Como und Umgebung im allgemeinen der oberdeutsche Kaufmann noch mehr galt als in Mailand und von dort die Waren in das Schiff ein- und ausgeladen werden mußten. 5 Die Gesellschaft hat vielleicht dann und wann einen Gesellen oder Kommissionär dort gehabt, aber sicher meistens nicht. 6 Der An- und Verkauf war nur ein gelegentlicher. Como und seine Umgebung war der Sitz einer starken Tuchfabrikation, zu diesen gehörten vor allem die Stamete, die aus Leingarn und Wollgarn hergestellt wurden. Während Ulmer Kaufleute (die Gienger, Scheler voran) dort Wolle verkauften und Tuche einhandelten, ja ein öfters von der Regierung begünstigtes, dann wieder verbotenes Verlagssystem einrichteten, haben die Ravensburger dort nur gelegentlich Wolle verkauft, und auch aus dem Tucheinkauf wurde kein regelmäßiger Betrieb etwa für Nürnberg und Wien. Die großen Kredite, die die Ulmer bei der Gesellschaft genossen, ergeben wohl das Überragen des Verkaufs von (spanischer) Wolle an sie. In der deutschen Gewerbegeschichte nennt man jenen Martin Scheler von Ulm als den ersten Deutschen, der in sein Vaterland die Samtfabrikation eingeführt habe, diese mit Hilfe des Ulmer Rates 1515 errichtete Fabrikation, zu der Arbeiter und Geräte aus 1 3, 21—24. 2 3, 23. 3 Schulte 2, 587 f. 4 3, 277, 321. 6 Schulte 1, 579—587- 6 Vielleicht 1475, 3, 17. Hans Tonian. 25G Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 3. Kapitel. § 37 m ü Italien herangezogen wurden, war aber nichts anderes als eine Stametfabrikation. Sonst kaufte die Gesellschaft dort nur Kupfer auf, das ein Schuldner dorthin brachte, 1 und auch Zima (Safran) konnte man in Como einhandeln. 2 Der Gesellschaft stand in Como wohl am nächsten der Färbermeister Bernardin Gallo, der häufiger nach Konstanz kam, wo er sich später ganz niederließ. 3 4 Als Einrichtung für die Fremden hat in Como vielleicht ein Fondaco bestanden, vielleicht ist aber die Stelle auch nicht beweisend. 5 Lucca, diese alte Herrin der Kunst der Seidenweberei, war um 1470 längst von seiner Höhe herabgestiegen. Doch lebte sein Vorsprung in der Technik noch wohl fort, so daß auch die Gesellschaft, nachdem sie zu dem Handel mit den Luxusstoffen übergegangen war, dort auch Damaste kaufte oder wohl gar in Auftrag gab. 21 Stück wurden gegen 687 Dukaten dort am Piatze erworben. 6 Florenz erscheint lediglich als ein gelegentlich auf dem. Wege nach Aquila besuchter Platz. Es wird erörtert, wie auf diesem damals hervorragenden Safranmarkt die Geldsendungen eingerichtet werden können. Mit Wechseln will man Geld von Venedig dorthin bringen und von dort, wie es üblich war, nach Aquila. 7 Mit einem solchen Durchgangsverkehr verträgt es sich, wenn ein durchreisender Geselle dort 17 Ellen schwarzen Samt für Frick Humpis einkaufen soll. 8 Der Safran aus den Abruzzen ging zum Teil über Florenz oder ward der Tuskan dort aufgekauft? 9 Mit einem Florentiner stand man allerdings in Abrechnung. 10 Auch mit den Vertretern der Medici in Nürnberg und Mailand, und den Portinari stand die Gesellschaft in Verbindung, aber nur in den Geliegern ist das nachzuweisen. 11 Fast alle Nachrichten beziehen sich auf die siebziger Jahre des 15. Jahrhunderts. Die Erwähnung eines Pisaners kann nicht als Beweis dafür angeführt werden, daß die Gesellschaft in Pisa selbst je Handel trieb. 12 Ebenso ist es mit „etlichen von Seynis", sie waren Schuldner der Gesellschaft, aber säumige Zahler, der Faktor Ulrich Fry von Konstanz lud sie vor das päpstliche Gericht, und die Stadt Konstanz unterstützte ihn bei Papst Pius II. 13 Diese Kaufleute aus Pisa und Siena können ihre Abschlüsse mit der Gesellschaft sehr wohl in Genua, Mailand, aber auch in Spanien und Flandern gemacht haben. E o m, dessen Bedeutung für den Warenhandel damals und auch heute noch gering ist, konnte die Eavensburger Gesellschaft nicht 1 3, 298 f. 2 3, 410. 3 3, 308, 319, 322 (schuldet 1178&), Stammvater der Familie von Gall. 4 Unter den Schuldnern, 3, 307 f., sind sicher Comasken Abbondio Gallo, Battista Coquo e fratelli," Agostin Eeyner, Pedro Torgon. 8 1475, 3, 15. 6 3, 39S. 7 3, 10 (1700 Dukaten), 9. 8 3, 8. 9 3, 22 (10 Ballen). 10 3, 9. u 3, 339, vgl. unter Brügge. 12 3, 9. Vielleicht handelt es sich um eine Versicherung. 13 Konstanzer Missivenbuch von 1463. Heyd 26. Schulte 1, 598. Lucca. Florenz. Pisa. Siena. Eom. Aquila 257 anlocken, aber sie konnte sich, auch nicht dem Geldverkehre, der den größten Teil des deutschen Klerus und viele Laien mit der Kurie verband, nicht völlig entziehen. Die Humpis haben nicht in Eom wie die Fugger eine Faktorei errichtet und damit diesen Geldverkehr Deutschlands mit Eom in ihre Gewalt gebracht, sie übernahmen aber wenigstens Geldsendungen und Aufträge, um sie an italienischen Plätzen an Bankiers weiterzugeben, die in Eom vertreten waren. So versorgte von Venedig aus 1448 die Gesellschaft für den Hochmeister des Deutschen Ordens die Zahlung der Gebühren für die Ernennung des neuen Erzbischofs von Eiga. 1 Weiter wurde dem Vertreter der Eidgenossenschaft Thüring Frick- hardt von seinen Auftraggebern 1000 fl Kredit gewährt; diese sollte er aufnehmen bei denen, welche der Gesellschaft ,,daselbst mit Gewerben gewandt und kund sind". 2 Als solche Aufträge sind auch die paar Stellen wohl aufzufassen, die die Papiere selbst bieten. 8 Die älteste bisher bekannte Angabe über deutschen Handel in Aquila in den Abruzzen, das zum Königreiche Neapel gehörte, war die dem Jahre 1471 angehörende Nachricht über die Auflösung einer 30 «Tahre alten Gesellschaft zwischen Nürnberger und Aqui- lanern. 4 Der Markt vom Adler, wie die deutschen Kaufleute regelmäßig diese Stadt nennen, war aber unzweifelhaft längst den Deutschen wohlvertraut. Die Eavensburger haben, wie wir gesehen haben, ihr Gelieger in Venedig fast ganz aufgegeben, als sie selbst die weite Eeise zur Safrananlegung nach Aquila jährlich machen ließen. Den Paßbrief für Thomas im Steinhaus von 1465 dürfen wir wohl auf eine Fahrt in die Abruzzen beziehen. 5 Man hatte schon 1474 dort „unsern Mann", einen Kommissionär, 1479 hieß er Angelo, der auch die nicht benutzten großen und kleinen Ledersäcke aufbewahrte, die zur Verpackung der teuren Ware dienten. Der Mann gab auch Auskunft über die Mögüchkeit von Wechseln usw., man benutzte solche ungefährlichere Versendung von Geld schon vor 1474. 6 Wenn man erfährt, daß Thomas im Steinhause 1478 aus den Abruzzen 8 Ballen Stank heimführte, Klaus im Steinhause 1479 nur 2, so darf man aber den hohen Wert der Ware nicht vergessen. 7 Als 1478 Klaus von Mailand nach Süden aufbrach, hatte er in bar 892y 2 ungarische und larghe Dukaten und 142 Venezianer bei sich, zusammen 1034 Dukaten 82 ß 6 ,5, =» 4293 U 15 ß 6 $ Mailänder. Durch einen Wechsel auf Mailand erhielt er noch 250, durch einen auf Genua, der auf einen anderen Deutschen, Jörg Goldbach, lautete, 174 Dukaten, er hatte an seinen Münzen einen Kursgewinn von 25 Dukaten 25 ß. Im ganzen verfügte er über 1483 Dukaten 107 ß 6 $ (rund 6155 U Maüänder). 1 Vgl. unten S. 455. 2 Heyd 26. 3 3, 11. 15. und unter Arzt s. Kegister. 4 Schulte 1, 599; 2, Nr. 100. 5 S. oben S. 240. G 3, 9 f. 324. ' 3, 87. 325. Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 17 258 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 3. 4. Kap. § 37. 38 ■ raSÜ £1 Dafür kaufte er in Aquila 470 U von der Sorte zima und 226 U von der billigeren Sorte stima, das erforderte 760 Dukaten 109 ß 6 JS\. Er kaufte sowohl in der Landschaft (contado) für 99 Dukaten 157 ß als an der Bank für 172 Dukaten 68 ß, von dem „Manne" für 274 Dukaten 42 ß und von anderen Personen für 312 Dukaten 82y a ß. Das Hauptgeschäft wurde also am Markte in Aquila selbst und durch den Kommissionär gemacht. 1 Diese Safranballen kann man bis auf die Fastenmesse von Prankfurt verfolgen. 2 In Aquila mußten dem Kommissionär 3 ß für das Pfund der Ware und ein Viertelprozent des Wertes dem Konsul gezahlt werden. Es gab also einen Konsul, dem die Deutschen untergeben waren. Die weitere Forschung wird das Nähere aufzuklären haben. Baumgartner liefert aus etwas späterer Zeit ein Bild des Lebens in der Abruzzenstadt. „Aquila, die mächtigste und größte Stadt, da der Kaufmann am sichersten sein mag. Zur Safranzeit pflegen besonders die Deutschen da zu liegen. Die Welschen kaufen Zima und Tuschgan auf im Lande außerhalb der Gegend um die Stadt. Die Bauern bringen ihn gewöhnlich am Samstag (zum Wochenmarkt). Den Safran kauft man bei Karlin. Das Geld bestellt man dahin bar oder durch Wechsel gen Born oder Neapel. An bar darf einer zu Boß nur 50 Karlin ausführen, zu Fuß nur 30." Zum Adler sind die Bauern gewöhnlich im Februar um Geld besorgt, da sie dem König zahlen müssen. Die Ernte von 1493 ergab 100 Saumlasten. Die Konkurrenz hatte damals schon die Bavensburger vertrieben, und da waren wohl die hauptsächlichsten die Baumgartner. Diese hatten 1499—1502 jährlich ein Quantum von 25 Bällein ausgeführt, das 1501 auch in Gewicht angegeben ist gleich 6943 U, sie waren also wohl damals die ersten Abnehmer dieser Ware, denn, da die Saum zu 500 U gerechnet wurde, hatten sie 14 Saum gekauft. Im Jahre 1500 hatten sie sich zweier Gesellen bedient, sonst besorgte das Geschäft einer. Nach Meder begann der erste Safranmarkt zum Adler am Samstag nach Allerheiligen und dauerte bis nach Fastnacht. Ein jeder Deutsche gibt seinem Walchen Kommission, um so viel Karlin einzukaufen. Er tut nichts anderes dazu, als daß er den Safran von seinem Walchen empfängt, davon der Walche seine Provision hat. 3 Die lebhaftesten Farben gibt dem Bilde Hieronymus Imhoff im Jahre 1546 in einem Briefe an Paul Behaim: „Es ist gut leben hier, mein iebtag faulere tag nicht gehabt. Welchem wol mit feyern, oft und viel essen und trinken, langem schlafen, täglich spielen ist, der könnt nit ein besseres lager als das hiesig haben. Aber die wonung alhie gefällt mir nit, besorg mich das hiesig faul und müssigginges leben mich gar verderben uhd mein Iebtag anhangen, mer vergessen dan lernen werd, verzer 1 Vgl. 3, 325f., auch 268. 2 3, 339. 3 [Lorenz Meder] Handel Buch Darin angezeigt wird von Nürnberg 1558, Blatt 45 f. J§» Aquila. Foligno. Genua 259 dazu vil gelt und schaff kein nutz." 1 Der Besuch des Adlers und der Safranmärkte spielte sich stets in den Wintermonaten ab, jene erreichten Mitte Januar ihr Ende, und dann galt es, möglichst schnell auf die Frankfurter Fastenmesse den ,,zima" zu bringen. Wie die Eavensburger keine Faktorei in der einst von Kaiser Friedrich II. gegründeten Stadt für nötig hielten, so haben auch die Nürnberger Welser im allgemeinen die Safrananlegung von Venedig aus besorgen lassen. 2 Es gab eben keine Waren, die die Deutschen dort hätten mit Nutzen absetzen können, so blieb es bei dem Besuche der Messen und dem Abtransport der eingekauften Ware. Baumgartner erwähnt gleichwohl Verkauf von Leinwand und Kupfer, auch Ankauf von öl. Ein eigentlich deutsches Gelieger dürfte es nie in Aquila gegeben haben. Durchaus ähnlich war das Geschäft in dem schon in Umbrien belegenen Foligno. Hier kaufte Klaus, der von Aquüa herübergeritten war, am 18. Januar 250 U Zima. Er hatte dort einen Kommissionär Ser Lionardo, der 2% ß Provision für das Pfund Waren erhielt. Die Messe von Foligno, die im Mai bis Juli viele Kaufleute heranzog, hatte für die Eavensburger kein Interesse, aber hat nicht vielleicht einmal einer der Gesellen in Foligno die Offizin des Johann Neumeister aufgesucht, bei dem 1472 Dantes Göttliche Komödie zum ersten Male in beweglichen Lettern gesetzt wurde? Viertes Kapitel. Genua und Savona § 38. Lage von Genua. Erstes Auftreten von Deutschen. Ihre rechtliche Stellung. Verhandlungen von 1398. König Siegmund und die Handelssperre gegen Venedig. Privilegien von 1421. Verhandlungen 1422. 1424/25. Fondaco. Privilegien von 1424, 1431, 1447, 1466. Anteil der Ravensburger Gesellschaft. Stellung der verschiedenen Regierungen. Bruch der Privilegien 1492/93. Die rechtliche Lage nachher. Handelsblüte. Genua, durch seine günstige Lage gegen das Binnenland vor allen anderen Häfen der Eiviera begünstigt, konnte zwar diese alle — am wenigsten Savona — niederhalten, aber während Venedig in der engen Adria ein Schiffahrtsmonopol erzwingen konnte, war das Genua in dem weiten Eaume des Tyrrhenischen Meerbusens unmöglich. Venedig konnte so den fremden Kaufmann vom Adria- tischen Meere fernhalten, auch in Genua bestanden ähnliche Absichten, so verbot der Vertrag mit Marseille von 1221 Franzosen 1 Müller in Viertel]", f. Soz. u. Wirtschg. 13, 159, Anm. 1. 2 Vgl. Freiherr v. Welser 19 f. 1 260 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 4. Kapitel. § 38 t , ■-•:v. mSm m und Burgundern, Engländern und Deutschen u. a. die Fahrt auf das hohe Meer, aber 1421 haben die Deutschen und Engländer dazu die Freiheit von den Genuesen erhalten. Jenes Verbot bezeugt das Erscheinen deutscher Kaufleute in Genua, ihre Anwesenheit ist auch für 1216 durch Schaube bewiesen, und deutsche Leinwand steht in dem Tarif der Genueser Sensale von 1204. x An der Begründung der Stellung der Deutschen in Genua ist die Bavensburger Gesellschaft hervorragend beteiligt. Zwar ist das älteste Dokument, das uns ein Bavensburg-Konstanzer Formelbuch überliefert hat, nicht frei von Gründen, die es nur als Formel erscheinen lassen. 2 Aber auch wenn es nur das ist, so beweist es doch, daß in den oberschwäbischen Städten an eine Privilegierung gedacht wurde. Es ist ein Schreiben Genuas an die verbündeten Städte Schwabens, Frankens und Bayerns vom Jahre 1398, worin die von deren Vertreter Johann Breitfeld vorgebrachten Beschwerden über übermäßige und ungewohnte Zölle zwar als nicht zutreffend abgewiesen werden, aber die Herrschaft doch, um den Deutschen, welche in Zukunft nach Genua Handel treiben wollen, entgegenzukommen, die Zusicherung gibt, daß die Deutschen vor allen anderen Kationen (ultra alias naciones) gut gestellt werden sollen und bei der Ausfuhr der ihnen gehörigen Waren von der Abgabe: pro exitu ripae frei sein sollen. Unter ripa ist zweifellos die gabella ripae grossa zu verstehen, eine Steuer, die auf 7 1 / 2 °/o des Verkaufswertes von Waren anwuchs (wenige, wie öl, Perlen, Silber, Goldwaren ausgenommen) und vom Käufer zu bezahlen war, während die ripa minuta in einer Abgabe von dem Übergänge von Immobiliareigentum bestand. 3 Ich habe früher gegen die Authentizität dieses Schriftstückes schwere Bedenken vorgebracht. 4 Einmal die Adresse an die ,,con- jurate civitates tarn sacri imperii quam libere lige Swevie, Francie et Bavarie". Es gab damals keine durch Eid und ein festes Bündnis zusammengeschlossenen Reichsstädte Schwabens, Frankens und Bayerns, es waren nur die Bodenseestädte 1388 zusammengeblieben, aber wenigstens 1400 sind wieder Konferenzen der fränkischen und schwäbischen Städte nachzuweisen. 5 Unmöglich sind die Angaben über die Absender. Auch ist es nicht gelungen, einen Johannes Breitfeld irgendwo nachzuweisen, 1392 gab es aber in Ravensburg einen Conradus Braitenbach. 6 Für die Authentizität spricht allerdings die genaue Kenntnis der Verhältnisse in Genua. Wie dem sei, die Tat- 1 Schaube, Adolf, Handelsgeschichto der romanischen Völker des Mittelmeergebietes bis zum Ende der Kreuzzüge (1906), S. 452 f. - Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins 4, 39 f.; besser Schelling, U.-B. zur St. Gallischen Handels- und Industriegeschichte, S. 35. 3 Vgl. Sieveking, Studio sulle finanze Genovesi nel Medioevo e in particolare sulla casa di San Giorgio. Atti della Societä ligure di storia patria 35, 1, 171; 2, 167 f. 4 Gesch. des Handels und Verkehrs 1, 532 f. 6 Deutsche Reichstagsakten 4, 134 und 136 ff. 6 St. Galler U.-B. 4, 1147. Bürgerbuch 1386 als Bürge, ein Cunrad B. in Necr. U. L. F. in Ravensburg, Sept. 12. Privilegien. Verhandlungen 261 sache, daß der Ravensburger Stadtschreiber x ein solches Aktenstück schrieb, spricht für die Ziele, die man in Ravensburg oder Konstanz im Auge hatte. Genua war am Anfange der zwanziger Jahre des 15. Jahrhunderts zu dem tiefsten Niedergange gebracht worden, den es erlebte. Man glaubte sich dadurch retten zu können, daß man sich November 1421 dem" Herzoge von Mailand unterwarf. Die Handelssperre, die König Siegmund gegen Venedig verhängte, fand bei den Herzogen von Mailand, die damals Genua in ihrer Gewalt hatten, ein Entgegenkommen. Doch der Weg bis zur tatsächlichen Durchführung war ein weiter, aus dem ich hier nur einige charakteristische Momente hervorhebe, die vielleicht Lütfried Munt- prat als einen der Träger dieses Gedankens wahrscheinlich machen. 2 Auszagehen ist von zwei Tatsachen, von dem politischen Gegensatze des Königs Siegmund als König von Ungarn gegen Venedig und der Spaltung der Interessen der südostdeutschen Städte, deren Handel auf die Lagunenstadt angewiesen war, und der südwestdeutschen, die in Genua einen vollen Ersatz finden konnten. Zur Beruhigung jener ward versucht, den Weg nach dem Schwarzen Meere zu öffnen, und die damit betrauten Johann und Konrad Fischer waren vielleicht Nürnberger. Ein Erfolg ist nicht erwiesen. Im Sommer 1417 erschienen in Konstanz beim Könige Boten von Mailand und dem damals unabhängigen Genua und versprachen, freilich in allgemeinen Ausdrücken, die deutschen Kaufleute in Abgaben nicht zu beschweren und sie besser zu halten als in Venedig, von neuen Privilegien ist keine Bede. 3 Wie verhält sich nun dazu ein Aktenstück, das von Gesandten von Mailand und Genua an eine ungenannte Stadt gerichtet, über Verhandlungen eines Konstanzer Bürgers an beiden Orten handelt. Kerler und ich setzen es an die Spitze, andere später. 4 Die Stadt Konstanz leitete danach die Verhandlungen ein durch die Sendung eines Boten an den Dogen von Genua Tommaso de Campofregoso, und dieser Bürger, der hervorhob, daß die Deutschen gern nach Genua zum Einkaufe kommen würden, wenn sie nur ebenso gnädig wie in Venedig behandelt würden, war doch wohl Lütfrid Muntprat. Der Doge gab eine außerordentlich günstige Antwort und schickte einen Gesandten an den Herzog von Mailand, der sich ebenso wohlwollend äußerte. Man nahm die Bitte, den Zustand der Abgaben wieder so einzurichten, wie sie fünfzig Jahre zuvor gewesen, außerordentlich freundlich auf. Ja, die beiden Herrscher schickten einen Gesandten an den 1 Das war Nikolaus Schultheiß wohl damals noch. 2 Zur Sache vgl. vor allem Kerler in den Deutschen Reichstagsakten, Band 7, Heyd, Levantehandel 2, 721ff., Simonsfeld 2, 44fr., Stieda, Deutsch-venezianische Handelsbeziehungen, Schulte 1, 515—519, Schiff, König Sigmunds italienische Politik (1400—1431) 1910 und Kr et schmayr, Gesch. v. Venedig 2,259—270. 3 Reichs - tagsakten 7, Nr. 239. 4 Ebenda 7, Nr. 238. 262 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 4. Kapitel. § 38 m ms Hm WS - König Siegmund und zeigten, welche Vorteile Genua und Mailand vor Venedig böten. Die Kaufleute von Genua und Mailand hätten seit Menschengedenken keine Untreue begangen, der Markt aus erster Hand sei besser wie in Venedig — wo sich ja immer die Venezianer einschoben — die Genueser Schiffe mit ein bis drei Decken seien größer als die Galeen von Venedig. Dort seien die Deutschen im Fondaco wie das liebe Vieh eingeschlossen, in Genua gebe es keinen Verkaufszwang, längere Zeit Lagerfrist der Waren wie in Venedig. Sie könnten im Gegensatz zu Venedig den Warenerlös frei ausführen, und endlich zu Genua stehe es ihnen frei, ihre Waren selbst oder durch Kommissionäre zu Schiff nach Ost und West zu versenden, was Venedig nie gestatten werde. 1 Wie komme ich auf Lütfried Muntprat? Im März 1417 nahm der König ihn und seinen Bruder Johann als Diener und Hofgesinde mit aller Habe und Kaufmannschaft auf, am gleichen Tage auch den großen Baseler Kaufmann Henmann Offenburg. 2 Dieser kommt nicht in Frage. Aber nicht der Muntprat? Wer sonst von den Konstanzern? Aber es gibt einen Einwand. Lütfried und Johann Muntprat wurden von korsischen Schiffern gefangen, ihrer Güter beraubt und erst nach längerer Gefangenschaft befreit, und König Siegmund gestattete am 28. Juni 1418 ihnen, sich an den Gütern der Genuesen als der Herren von Korsika schadlos zu halten. 3 Doch der Einwand zergeht, wenn man bedenkt, daß Siegmund unentwegt an der Sperre gegen Venedig und der Begünstigung, von Genua festhielt 4 und den Freibrief damit zu einem Druckmittel auf eine befreundete Macht — von Untertanenschaft will ich nicht reden — herabdrückte. Auch durch diesen Zwischenfall, der den Hauptbetreiber der genuesischen Projekte betraf, wird es eher verständlich, daß zwischen der Bereitschaft von Genua und dem wirklichen Erlasse der Privilegien drei Jahre liegen. Im übrigen war auch mit Genua deshalb nicht voranzukommen, weil der Herzog von Mailand bis Mai 1419 im Kriege lag; und ohne beide war der Handelsweg nicht wirksam einzurichten. Doch in der Handelsgeschichte soll man keine Vermutungen aussprechen, aber eine bessere Erklärung wüßte ich nicht an die Hand zu geben. Vielleicht gehört in diese Anfangsstadien auch der offenbar von einem Kaufmann oder doch einer Handelsstadt ausgehende Ratschlag, der jedoch keinen Gegensatz gegen Venedig offen bekundet und auch von der Benutzung der Schiffe nicht redet. 5 Aber wie immer dem sei, am 1. Oktober erließ König Siegmund auf dem Reichstage, der zu Konstanz stattfand, das Gebot, mit Genua und nicht mit Venedig Handel zu treiben. 6 Er verkündete das an 1 Deutsche Eeichstagsakten 7, 359ff. Vor 14170kt.l. 2 Altmann, Nr.2124, 2125. 3 Altmann, Nr. 3299. 4 Im März 1418 rief Nürnberg, dem Vorgehen Augsburgs folgend, seine Kaufleute zurück, der König erneuerte im Juli und August die Handelssperre. 5 Stieda 151. Schulte 2, 259. 6 Ebenda 7, 361. Sperre gegen Venedig. Begünstigung Genuas 263 die vier nach Osten gravitierenden Reichsstädte und die rheinischen Bischofstädte von Köln bis Konstanz nnd außerdem an Frankfurt, auch berief er sie zu einem Handelstage in die Konzilstadt. Ob er stattfand, wissen wir nicht. Die oben berührten Gegensätze zwischen Mailand und Genua verhinderten wohl den Abschluß der Verhandlungen. Auf dem Breslauer Eeichstage 1420 legte der Mailänder Erzbischof Bartholomäus della Capra das oben erwähnte Memorandum vor, das, wie der Rahmen beweist, 1 vom Herzoge von Mailand und dem Dogen von Genua an die Städte Bern, Basel, Freiburg, Konstanz, Ulm, Regensburg durch andere Gesandte schon gelangt war, die Exemplare für Nürnberg, München und Augsburg waren noch nicht übergeben und wurden nunmehr dem Erzbischofe anvertraut. Es sind diejenigen, welche am wenigsten geneigt waren, von Venedig abzulassen. Zu einem Vertrage kam es in Breslau nicht, wenn auch der König die Städte zu einem neuen Tage auf den 23. April 1420, damit dort die Angelegenheiten der Genueser Straße wohl A^ersorgt und verbrieft würden, einlud. 2 Doch auch dieser Tag blieb ergebnislos, da ein bedeutender Teil der wichtigsten Städte sich fernhielt. Der schwerste Mangel dieser Auffassung liegt darin, daß das zu 1417 gesetzte Aktenstück noch 1420 nicht an alle seine Adressen gekommen war. Ist meine Meinung aber begründet, so steht Lüt- fried Muntprat als treibende Kraft in einem Unternehmen, das von dem deutschen Hinterlande aus den Versuch machte, über die Mittelmeerhäfen zu entscheiden, ein Versuch, der endgültig 1433 aufgegeben wurde. Aber soviel ist sicher, in Mailand und Genua hatten die Deutsehen Erfolg. In Genua erhielten sie erhebliche Begünstigungen. Die betreffenden Privilegien vom September 1421 und die Additiones vom 15. Februar 1431 sind leider noch nicht gedruckt. 3 Sie dürften die Bestimmungen enthalten haben, daß die ripa grossa nur 3 ^ auf das U für Verkauf und Ankauf für die Deutschen betragen dürfe. Nach Sieveking verzichteten damals die Genuesen auf die Durchführung ihres Stapelrechtes gegen Deutsche und Engländer. Seit dieser Zeit konnten die beiden Nationen sich ungehindert an der Schiffahrt des Genueser Hafens beteiligen. 4 Bei dem Übergange Genuas an den Herzog Filippo Maria von Mailand (1421) hatten die Genueser der Deutschen nicht vergessen: ,,Eure herzogliche Güte möge einige Freiheiten und Privüegien den Deutschen einräumen, damit sie leichter das begonnene Werk fortsetzen und ihren Handel über Maüand nach Genua leiten können." r> 1 Reichstagsakten 7, Nr. 238, Vorbemerkung. 2 Reichstagsakten 7, Nr. 287. 3 Nach Sieveking, Genueser Finanzwesen, Volkswirtsch. Abhandlungen d. bad. Hochschulen 1, 139, Anm. 4, beruhen sie Genova, Archivio Segreto 3135. Divers. Dort liegen aber nur Hinweise. 4 Sieveking, Aus Genueser Rechnungs- und Steuerbüchern. (Wiener Sitzungsber.phil.-hist. Klasse 162, 2, S. 53). 5 Der Wortlaut bei Sieveking, Relazione sopra i libri „Jurium" de Genova (Giornale storico e letterario della Liguria 7 [1907]), S. 7. 264 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 4. Kapitel. § 38 Hü Der Herzog antwortete, „er werde die Kapitel der Deutschen" — also entweder die Genueser Privilegien oder neue Anträge der Deutschen — „ansehen und dann so günstig wie wir können entscheiden". Diese Bitten der Genuesen erfolgten am 16. März 1422, die Genueser Privilegien waren also schon erlassen (Sept. 1421), die Mailänder Privilegien am 28. August 1422. 1 Bei der Verpachtung der alten Gabellen von 1428 findet sich die Bedingung, daß von Waren, die im Verkehr mit Mailand und Deutschland ein- oder ausgeführt würden, nur 2 1 / 2 %> bei Durchfuhr nichts zu zahlen sei (außer dem Hafenzolle), während für die Waren, die aus Frankreich, Flandern oder Brabant stammten, oder anderen Gegenden jenseits der Berge, 4% zu entrichten waren. 2 Die ripa grossa wurde später wenigstens von der Gesellschaft bezahlt. In jener Zeit war die Gesellschaft in Genua so stark, daß eines ihrer Glieder — als solchen darf man den Wortführer Conradus Her civis Constantiensis wohl ansehen, da dieses Geschlecht auch später der Gesellschaft diente — im Winter 1424/25 im Auftrag von Genua auf Kosten dieser Stadt nach Mailand und Deutschland ging, um für die Einrichtung eines Fondaco zu wirken. 3 In der Tat beschlossen die Behörden von Genua, so viele Häuser im fundicus sancti Siri zu mieten, daß sie für die Deutschen ausreichten, und die dafür erforderlichen 80 U auf alle Gabellen der Dogana gleichmäßig zu ver- teüen, deren Erträgnisse ja dadurch steigen würden. 4 Man begründete den Beschluß mit den Worten: da die Stadt großen Nutzen und Vorteil von dem Zustrom deutscher Kaufleute haben werde, erscheine es würdig und ehrenvoll, daß ihnen eine Station und Heimstätte gegeben werde, in die sie und das ihrige sich ruhig zurückziehen, und wo sie frei und dem Lärme entzogen ihre Geschäfte betreiben könnten. Ob dieser Fondaco eingerichtet wurde und die Tage der Maüänder Herrschaft, die 1436 ihr Ende nahm, überdauerte, wissen wir nicht. Der Fondaco wird niemals wieder erwähnt. Konrad Her hat aber noch mehr Erfolge. Er erreichte für die deutschen Kaufleute die Herabsetzung mehrerer Gebühren. 5 Zunächst handelt es sich um den eigentlichen Hafenzoll, den introitus caratorum quaranteni maris. Dieser betraf alle Waren, die in dem Hafen ein- und ausgingen, er wurde nach dem Warenwerte erhoben, und zwar in der Höhe von 5%, doch muß in jener Zeit der Zollsatz höher gewesen sein. Es wurde nun bestimmt, daß die Waren der deutschen Kaufleute, welche von Katalonien und der Provence 1 Da Genua erst im Sommer 1421 in den Besitz des Herzogs überging, kann eine Veränderung des Datums der Bitten nicht helfen, nach dem calculus Flo- rentinus käme der 16. März 1421 ja in Frage. Es ist also kein Zweifel, daß die Bitten nach den Privilegien vom September 1421 fallen. 2 Sieveking, Zur Handelsgeschichte Genuas in Studium Lipsiense, S. 155. 3 Belgrano im Giornale ligustico di archeologia, storia e letteratura 12, 81. 4 Schulte 2, Urkunde Nr. 253. * Schulte 2, Urkunden Nr. 254 und 255. Privilegien 1422 bis 1464 265 kommen und ohne Besitzveränderung nach Deutschland wieder ausgeführt werden sollen, nur V/A) Zoll bezahlen, Safran jedoch 1%, dasselbe solle umgekehrt für den Transit von Deutschland nach Katalonien und der Provence gelten; innerhalb 6 Monaten mußte die Wiederausfuhr stattfinden, sonst mußten die Deutschen so viel wie die Genuesen entrichten. Für die übrige Zufuhr blieb es bei den bisherigen Abgaben. In einer anderen Bestimmung wurde den Absichten der Oberschwaben eine noch größere Konzession gemacht, es wurde gestattet, daß die von den deutschen Kaufleuten hergebrachten Stoffe in Leinwand, Canevas und Barchent nach Stücken ja im Ausschnitt (frustatim sive ad retaliam) verkauft würden, es wurde allerdings davon eine hohe Steuer verlangt, 9 $ vom U , das sind 3,75%, und zwar sollten von den 9^6 dem introitus canne pannorum denariorum sexdecim zufaüen, 3 aber dem introitus dena- riorum octo canne pannorum. Nach Sieveking betrug die Abgabe der introitus cannae sonst J /i2o = 8,33%, doch fehlt eine genaue Zeitangabe. 1 Wir ersehen mit Sicherheit, daß zunächst also die Gesellschaft für ihren Hauptheimatsartikel in Genua den Kleinverkauf ausüben konnte. Im Jahre 1431 haben die Deutschen wieder Capitula und Con- ventiones erhalten, deren Wortlaut nicht bekannt ist, wir wissen nur, daß sie die Deutschen nicht zu neuen Steuerauflagen heranzuziehen zusicherten. 2 Im Jahre 1447 ist es wiederum der Paktor der Eavensburger Gesellschaft, Otmar Schläpfer aus St. Gallen, der eine Ausdehnung jener älteren Privilegien für den deutschen Transitverkehr von und nach der Provence und Katalonien auf alle anderen Länder ausgedehnt wissen wollte. 3 Es ist wohl die weitgehendste Forderung, die die Deutschen gestellt haben; denn wenn Venedig niemals deutsche Waren über seinen Hafen hinausließ, in Genua hätte den Deutschen nach Genehmigung dieses Gesuches es freigestanden, unter sehr günstigen Bedingungen den Handel nach allen von dort aus erreichbaren Ländern auszudehnen. Die Antwort ist unbekannt. Bei dem schnellen Wechsel der Dogen im Jahre 1447 ist es wenig wahrscheinlich, daß das sofort durchgeführt wurde. Doch vergleiche unten. In den nächsten wirren Zeiten haben die deutschen Kaufleute zeitweise * jeden Transithandel, ja jeden Aufenthalt in Genua eingestellt, erst als der Herzog von Mailand, Francesco Sforza, im April 1464, nachdem die tief erschütterte Stadt ihm die Herrschaft angeboten, ihr wieder ihre Buhe gegeben und ihm dann sein Sohn Galeazzo Maria 1466 gefolgt war, wollten die Deutschen zurückkehren. Wiederum ist es der Faktor der Eavensburger, Heinrich Frey von Konstanz, der als ihr Wortführer auftritt. Er bat nicht 1 Sieveking, Finanze Genovesi 1, 84. 2 Schulte 2, Nr. 263. 8 Schulte 2, Urkunde Nr. 264. 4 Wohl in den Tagen des Schreckensregimentes Paolo Pregosos (1463/64). 266 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 4. Kapitel. § 38 läfllfl allein um die Bestätigung der alten Konventionen und Privilegien, die mehrfach eingeschränkt und nicht beobachtet worden seien, sondern er wollte auch weitere Vergünstigungen, 1 und hinter ihm stand die Versammlung des Bundes der schwäbischen Städte, die in Ulm August 1466 tagte, und ihn als ihren Boten empfahl. 2 Die Wünsche gingen auf die Abgaben. Die ripa grossa wurde in dem alten Zustande bestätigt (3 den. von dem U Wert, also 1,25 %), aber es wurde abgelehnt, das sofort durchzuführen. Erst sollte des jetzigen Pächters Zeit abgelaufen sein — noch ein Jahr. Kennten wir die Pachtdauer oder vollends den Zeitpunkt, wo er gegen die Deutschen seinen Streit (a die mote controversie) begann, so wüßten wir, wann die ruhige Tätigkeit der Deutschen in Genua gestört wurde. Die zweite Beschwerde widmete sich den introitibus et maxime commerciis sive caratis, damit ist der oben besprochene introitus caratorum quaranteni maris oder wie sie jetzt öfters von den Deutschen genannt wurde, der commersy gemeint. Die Bitte ging auf eine Meistbegünstigung gegenüber allen anderen Fremden und Genuesern. Das wurde abgelehnt und lediglich die Wohltat der Konventionen bestätigt. Was die gabella cambiorum anbelangt, so waren die Wünsche der Deutschen dahin gerichtet, nicht nur für die von Deutschland nach Genua und umgekehrt gerichteten Wechselbriefe abgabefrei zu sein, sondern für alle. Da wurde mir gewährt, daß sie steuerfrei sein sollten für ihre persönlich gehörigen Wechsel, die von Lyon oder Genf kämen, falls die Valuta in Genua in Waren angelegt werde. Die gabella cambiorum erreichte im 16. Jahrhundert, wie es bei der Bedeutung des Genueser Bankgeschäftes erklärlich ist, eine sehr bedeutende Höhe. 3 Eine relativ junge Abgabe war das pedagium novum de et in Lom- bardiam, das nach der Saumlast berechnet wurde. Die Saumlast (zu 18 rubb) zahlte bei billigen Waren (unter 10 U Wert der Saumlast) 4 ß, für die Deutschen kam die sauma de aromatibus mit 6 ß allein in Frage. Davon genossen die Deutschen eine kleine Ermäßigung, da sie nur 5 ß 3 ^ zahlten. Sie wünschten nun, daß dieser Satz auch für andere Einfuhr als aus Deutschland, auch auf alle Waren ausgedehnt werde, wo immer sie herkämen. Das haben die Genuesen aber abgelehnt; ohne Konfusion zu erzeugen, könne die Zollordnung nicht abgeändert werden. Die Deutschen wünschten weiter ihre zu Lande ankommenden Waren nicht erst auf die Dogana führen zu müssen, sondern sofort in ihre Häuser bringen zu dürfen, wo sie von den Faktoren der öffentlichen Abgabe aufgebunden werden sollten. Das wurde für die Kleinwaren zugestanden — vorbehaltlich der von Beamten des Commersy zu machenden Ausnahmen — und unter weiteren Bestimmungen, die ein Aufbinden 1 Schulte 2, Urkunde Nr. 272. - Heyd in Forschungen zur deutschen Geschichte 24, 222. 3 Sieveking 2, 219. Privilegien von 1466 267 ohne Gegenwart der Faktoren der Commersyer verhindern sollten. Der Kleinhandel in der Eiviera von Genua und den drei Podestarien (von Voltri, Polcevera nnd Bisagno) wurde den Deutschen ohne Zahlung der gabella ripae genehmigt, nur sollten auf einer Fahrt nur Waren bis 100 U Genueser Wert verkauft werden dürfen. Der Kleinhandel konnte also im Umherziehen durchgeführt werden. Die Deutschen wünschten, daß ihre Waren von den Finanzbeamten in der Dogana nicht festgehalten werden dürften, daß sie vielmehr nach einer vor dem Konsul der Deutschen gegebenen geeigneten Zusicherung, daß sie sich dem Urteil unterwerfen würden, mit ihren Waren frei abziehen könnten. Das wurde, als mit der Ordnung völlig unvereinbar, abgelehnt. Ein Einzelfall gab zu einer weiteren Bitte Anlaß, die sich gegen die Leute vom Commersy richtete, Heinrich Frey hatte Alaun vom Meere her — er stammte wohl aus dem Kirchenstaate — nach Genua gebracht, von ihm verlangte man für den Zentner %U 16 ß 8 ,Sj, also mehr als Genuesen und einige andere hätten zahlen müssen. Die Bitte ging auf eine gleiche Behandlung mit den Genuesen, wie beim Commersy schon geschehen, sie wurde abgelehnt, man wolle die Konventionen nicht ausdehnen. Wenn dann gebeten wurde, daß Finanzbeamte nicht ohne Genehmigung des Konsuls der Deutschen in die Häuser eintreten und dort Nachsuchungen halten dürften, so wurde das als gegen die Gesetze und Ordnungen des Commersy und der Gabellen gehend und auch bisher niemand gewährt abgelehnt. Dahingegen wurde mit Ausnahme des Pestverdachtes genehmigt, daß die ankommenden Deutschen ohne Billette sich zu Genueser Bürgern oder Gasthäusern begeben dürften, ohne Bücksicht auf etwaige Bekanntmachungen. Eine weitere Bitte wollte Deutsche, die Genueserinnen heiraten, geradeso sichern wie die Lombarden, da wurde die Freiheit von direkten Steuern auf 10 Jahre gewährt, nicht aber von den Gabellen: Das officium monetae schränkte das aber auf zukünftige Ehen ein. Die letzte Bitte mochte den Deutschen angesichts der vielen Bevo- lutionen, die Genua erlebte, und dem ewigen Wechsel der Herrschaft eingegeben sein, allein man kann es wohl verstehen, daß die Stadt das ablehnte, denn sie, die nach den Konventionen verpflichtet war, für die Güter der Deutschen zu sorgen, so daß sie für geraubtes Gut und anderen Schaden aufzukommen hatte, sollte dafür den Deutschen in Mailand oder einer anderen Stadt eine Bürgschaft stellen. Diese neuen Konzessionen waren eine Gegengabe dafür, daß kurz vorher Kaiser Friedrich III. die Genuesen auf 12 Jahre von allen Handels- und Verkehrsabgaben im Beiche befreit hatte. 1 Spätere Verträge sind bisher nicht bekannt geworden. Alle diese Verträge fallen — wenn wir von dem ersten fraglichen absehen — ~ 1 Schulte 1, 538. Chmel, Nr. 4542. 268 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien 4. Kapitel. § 38 ■ Hf ■ in Zeiten, in denen das von inneren Kämpfen zerfressene Genua unter der Gewalt der Herzöge von Mailand stand. Nur ein Teil der Verhandlungen in der Zeit der Handelssperre gegen Venedig liegen unter dem unabhängigen Dogen Tommaso di Campofregoso. Es war den Deutschen in Genua der Bückhalt an der Mailänder Herrschaft erwünscht. Es kamen dann die Zeiten französischer Herrschaft: 1458—1461, 1499—1507, 1507—1512, 1513—1522, 27—28. Dazwischen fällt die Abhängigkeit von Maüand 1421—1435,1464—1478, 1488—1499. Aber auch in den Zeiten der dazwischen regierenden Dogen blieben wohl die Conventiones Alamannorum in Kraft. Im Jahre 1493 unter Galeazzo Maria Sforza, Herzog von Maüand, wurden die Privüegien der Deutschen gebrochen. Schon im Frühjahr 1492 sahen die Eavensburger mit Schrecken die Dinge kommen. Da bei ihnen die Kinder des Dominikus Frauenfeld und Hans Kloter aus Züricher Famüien vergesellschaftet waren, schickten sie Dominikus Frauenfeld an die Stadt Zürich und baten, ihren an die gerade dort versammelte Tagsatzung der Eidgenossen gerichteten Wunsch zu unterstützen, daß sie Empfehlungsschreiben an den Herzog von Mailand und die Stadt Genua ihnen übergäben. 1 Vor 60 Jahren seien ihnen mit Brief und Siegel Bechte verliehen worden. Man könnte da an ein besonderes Privüeg für die Gesellschaft denken, da ja nicht von den Bechtsverleihungen an die deutschen Kaufleute die Bede ist; aber wie der Bericht Baumgartners zeigt, wurden die Privüegien der Deutschen aufgehoben oder abgeändert. Immerhin bleibt es rätselhaft, daß die Gesellschaft nicht den Eidgenossen gegenüber die Interessen der gesamten deutschen Kaufmannschaft betonte. In dem Abschiede der Züricher Tagsatzung vom 11. Mai ist von der Angelegenheit gar nicht die Bede. Es sieht nicht danach aus, daß die Schweizer die Bitte erfüllten. Mehr Erfolg hatten die Kaufleute bei König Max, der erhielt aber von Genua eine zwar sehr höfliche, aber vollkommene Ablehnung, 2 aus freien Stücken habe die Stadt in glücklichen Zeiten die Deutschen besser gestellt als die eigenen Mitbürger, in diesen schlechteren Tagen müsse es ihr freistehen, die Dinge neu zu regeln, was allem Anscheine nach schon geschehen war. Gegen die Begründung hätte man anführen können, daß Blüte und Niedergang auf den Kopf gestellt waren. Der Zustand vor 1493 und nach diesem Jahre wird durch die genaue Darstellung Baumgartners klargelegt. Die Eavensburger berufen sich auf Privilegien, die vor 60 Jahren gegeben wurden, das paßt auf die nicht erhaltenen Verträge der Deutschen von 1431, die wir so doch kennen lernen. Nach Baum- gartner zahlte aus Katalonien zum Transit nach Deutschland in Genua ankommender Zucker an Hafenzoll 1 / 2 °/ 0 , Safran l°/ 0 Wertzoll. Das entspricht dem Zolle von 1425, nur war damals der 1 / 2 %-Satz auf alle Waren ausgedehnt mit Ausnahme des Safrans. Doch w urde 1 Unten 3, 501. 2 Unten 3, 483—485. Aufhebung der Privilegien 1492/93 269 ja praktisch wohl nur spanischer Safran und Zucker von Genua nach Deutschland gebracht. Die umgekehrt von Deutschland nach Spanien gehenden Waren zahlten ^/o» genau wie 1425. Die Versuche, die 1447 gemacht wurden, jeden Transit auf die gleiche Höhe wie den spanischen und provencalischen zu bringen, waren also kaum gelungen. Die Klchttransitwaren aus Katalonien und „tutta poneta" zahlten nach Baumgartner 6 U 16 ß 6 $ Wertzoll, das ist 7,354%. Unter „tutta poneta" ist wohl das ganze Abendland gemeint. Dieser Zollsatz stammt vielleicht aus den Capitula von 1447. Im Jahre 1492 1 brachen die Genueser die Freiheit: „und müssen die Deutschen zahlen, was die Genueser wollen. Doch sollen wir nicht mehr zahlen denn ein Genueser selber, das ist 11—12°/ 0 , mehr oder weniger, je nachdem, so St. Georg reich ist. Aber, fügt Baumgartner hinzu, wenn einer Güter dahin will senden und vorher mit den Zöllnern einen Pakt macht, so bekommt er guten Akkord mit ihnen. Seitdem man das Privilegium gebrochen hat, so zahlt der Deutsche für Güter, die er per mare oder terra dahin bringt, sofern es nicht in Deutschland gemacht ist, als andere Genuesen Kommerzi und die ripa mit 3 U 2/?°/ 0 Wert. Hält man den Walchen ein und der Deutsche muß es wieder ausgeben." Diese Ausgabe auf ripa war also ein Wertzoll von 3,167 °/ 0 . Die Änderung von 1493 beseitigte also die Vorzugstellung, welche die Deutschen vor den Genuesen im Verkehr nach dem Südwesten gehabt hatten. Für die Waren, die in Deutschland gewachsen oder dort gemacht waren und in Genua verkauft oder umgekehrt in Genua für die Ausfuhr nach Deutschland gekauften Waren, blieb der alte Satz bestehen. Der Satz des Zolles ist von Baumgartner hier nicht angegeben. Doch heißt es bei der Leinwand, daß deutsche Leinwand unter dem Tore „in drato" (entrada) zahlt 5 ß 3 ^ für die Saum, ebenso war der Satz für Schmirgel. Er schreibt weiter: „So giebt der da verkauft 104 U für einen Zentner, davon muß der andere, der kauft, ripa zahlen, ist l 1 /* 0 /» oder 3 ^ per U , und wenn die Deutschen kaufen, so zahlen sie es dem Welschen." An einer anderen Stelle erläutert Baumgartner diese Zahlung der ripa so: „Wenn Du einem Fremden zu kaufen gibst, so gibst Du ihm 104 U für 1 Zentner, er muß die ripa zahlen, doch Du mußt am Zoll dafür gut sein." In der Hauptstelle sagt dann Baumgartner weiter: „Was ein Deutscher Güter gen Genua bringt, so zahlt er unter dem Tor 5 ß 3 Si per Saum und die ,Kemerzo' (Commerci) in der Dogana und das riffa Geld hält er dem Welschen ein." Wenn aber einer etwas da kauft, so zahlt er gar nichts, als unter dem Tore 5 /? 3 ,Si per Saum, „und das riffa Geld iy 4 % ( = 3 ^ per Pfund), ,spaziert' 1 Baumgartner gibt das Jahr 1493 an, doch vgl. unten 3, 438—485. 270 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 4. Kap. § 38. 39 das Billett in der Dogana." Danach zu urteilen war der Verkauf des Deutschen höher belastet als sein Einkauf, nämlich um Kom- merzi abzüglich des riffa Geldes. Im Vergleiche mit den älteren Zeugnissen ersehen wir, daß der Zoll unter dem Tore das pedagium novum de et in Lombardiam zu dem für die Deutschen ermäßigten Satze war, die ripa die alte ripa grossa im alten Ausmaße, die Abgabe Oommerci ist aus den Angaben Baumgartners nicht sicher abzuleiten, es handelt sich aber wohl um den alten introitus caratorum quaranteni maris, dessen Höhe nicht festzustellen war. Bei der Leinwand erwähnt Baumgartner auch die Abgabe Canna, die 1428 auf 9 ^ vom Pfund stand, und auch zu seiner Zeit so war. „Was ich also von Leinwand dar bringe und in Jahres Frist nicht verkaufen kann, das mag ich weg senden. Was ich also unter dem Jahre weg sende, zahle ich keinen Zoll, aber ich muß ,chomerza' zahlen, wie die Genueser selbst." Im allgemeinen wird man sagen dürfen, daß dieser Bruch von 1493 nur den Handel der Deutschen mit Spanien und, wenn die Sätze auch für Flandern galten, auch mit den Niederlanden traf, den Verkehr mit Deutschland nicht berührten. Baumgartner führt bei einer Ware, dem Schmirgel, die sämtlichen Abgaben an, wie sie nach 1493 galten: Für die Saum zu Genua unter dem Tore 5^3^ Genueser, an der „Kamerza" 5 t6 (4 U per Baril), riffa Geld 3 3\ per Pfund de valuta. In unseren Quellen finden sich nun unter den Gläubigern der Gesellschaft folgende Abgaben, die den Schuldnern zum Teil gegen Zins gestundet wurden: Eipa grossa Commerci J /t de sigurtä Sanseria Canna u ß 2, U ß s, u ß s, BS ß A U fi Sy 1497 — 52. 4. 10. — --- 1503 — 3391. 3. 3. 125. 6. — — --- 1504 194. 13. — 1802. 0. 8. — 155. 1. 6. 69. 7. 6 1505 152. 15. - 4381. — « 280. 15.— — 1506 233. 12. — 1929. 2. 9. 97. 13. 5. 156. 3. 8. 103. 13.- 1507 248.— 1468. — 30. 3. 3. 220. —' 174.— Daneben erscheint noch 1507 dritto in Spagna mit 21 U 2 ß 2 $. Von diesen Abgaben sind einige noch zu erläutern: Zu den introitus gehörte seit alter Zeit der dimidius pro centenario super securitatibus, also eine Steuer von 0,5 % auf die Versicherungen. Für die sanseria, gabella censarie sensariorum — eine Abgabe auf die Sensalgebühren — kann ich die Berechnung nicht sicher nachweisen, da der genaue Tarif mir nicht bekannt ist. Handelt es sich aber um die Unterkaufsgebühren selbst, so wurde da 1 ^ auf das Pfund erhoben, also 0,4166 "/q. 1 Diese Höhe des Satzes bestätigt auch Baumgartner. Er fährt fort: „Vor Gericht gibt man dem Unterkäufer keinen Glauben. Man muß sich ein Scripto geben lassen. So 1 3, 399. Abgaben. Unterbrechungen des Handels 271 ist die Untreue so groß, daß ein Bruder dem anderen unter Tags seinen Esel nicht leiht, er gebe ihm denn ein Scripto, den Esel wieder zu antworten. Darum habe ein jeder acht, womit er umgehe." Im allgemeinen hatte das Ende des 15. Jahrhunderts dem Handel Genuas einen Aufschwung gebracht, ihm kamen die wachsenden Beziehungen zu dem nach Ende des hundertjährigen Krieges erstarkten Frankreich zugute. In Konkurrenz zu Venedig hatte Genua die Deutschen außerordentlich bevorzugt, ja in einzelnen Punkten besser gestellt als die Genuesen selbst. Die nachweisbaren Wortführer der Deutschen können alle der Bavensburger Gesellschaft angehört haben, und es ist in hohem Grade wahrscheinlich, daß alle diese Privilegien in ihren Originalen von der Gesellschaft aufbewahrt wurden. Es ist hier in Genua die Gesellschaft vielleicht noch angesehener gewesen als in Mailand. § 39. Das "politische Leben. Krankheiten. Das Gelieger in solchen Krisen: 1504, 1506/07. Wert des Geliegers in diesen Jahren. Verkehr mit den Banken. Auflösung des Geliegers 1507. Umsätze. Kommissarische Zwischenversorgung. Konsul der Deutschen. Unterkunft. Hausrat. Wie im einzelnen die Deutschen und insbesondere die Bavensburger sich mit den Stürmen, die über Genua fast unaufhörlich hinzogen, abgefunden haben, entzieht sich der Kenntnis. Wir sahen schon, daß sich auch für längere Zeit die Deutschen wohl gar von Genua zurückzogen, .dann aber wieder in diese einzige Hafenstadt Italiens, die wenigstens auf der Westfahrt die deutschen Kaufleute begünstigte, zurückkehrten. Und dann kamen heue Staatsumwälzungen, neue Kriege und dann zog wieder ein Sterben über die bald verödete Stadt. Aus dem Jahre 1504 haben wir die näheren Berichte von Hans Kloter. Er verließ am 11. Juni mit den Büchern die Stadt und begab sich zunächst nachBorgo de' Fornari an der Straße nach Mailand, ein Geselle war noch zurückgeblieben, um zu sehen, wie es mit dem Sterben gehe. Für sechs Monate hatte man die zurückgebliebene Dienerschaft versorgt; schon vorher hatte das „Weglaufen und Sterben Sorgen' 1 allen Handel gelähmt. 1 Im Oktober 1505 fing es wieder an in Genua zu hantieren, 2 man machte die Häuser wieder sauber, und Hans wollte zum 15. November von Mailand wieder in Genua eintreffen. Kaum war der Handel wieder aufgeblüht, als eines der furchtbarsten Revolutionsjähre der Genueser Geschichte begann. Die französische Herrschaft, die mehr auf Seiten des Adels stand, verhinderte nicht den Ausbruch leidenschaftlichen Hasses der Popo- lanen, bald verließen die Nobili die Stadt, deren Herrschaft unter die Gewalt der aus KaufJeuten und dem niederen Volke gemischten Partei des Volkes kam. Die Bavensburger beklagten sich bitter: Hier ist kein Govverno und kein Begiment, die Beichen und Mächtigen wagen nicht das 1 Unten 3, 270 f. 276—279. 2 3, 292 f. 272 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 4. Kapitel. § 39 Maul aufzutun noch zu reden, und Buben, die sieben Galgen verdient haben, regieren. Die mächtigen gentiluomini sind noch alle draußen und jetzt alle versammelt und drohen, wollen mit Macht herkommen. Was dann geschieht, wäre nicht gut. Der Papst — der als Savonese sich der ligurischen Dinge besonders annahm und seine starke Politik eben gegen Frankreich setzte — legt sich stark in die Sache, daß er das richte. So will der popolo minuto nicht daran, ihm wäre leid, daß die Frommen und Reichen regierten." ] Es kamen die kurzen Tage des populären Dogates Paolo da Novis, die Wiederherstellung der französischen Gewalt und die furchtbare Eache an den Führern der Popolanen. Von der Mitte 1506 bis 11. Mai 1507 dauerte die unruhige Zeit. Der Handel war schwer getroffen, die Ravensburger verkauften ihre Waren nicht; ,,lieber ist uns das Gut im Hause denn auf den Leuten", nur gegen bares Geld verkauften sie. 2 Die Genuesen selbst wagten bei der zeitweiligen Feindschaft gegen Frankreich nicht nach Lyon oder Savoyen zu handeln aus Furcht, man werfe sie nieder und ebenso wagten die, welche sonst alle Frankfurter und Nördlinger Messen mit ihren Korallen besuchten, es nicht, die Fahrt zu machen. 3 Unter solchen Umständen war die Leitung des Geliegers keine leichte und damals — nach dem Ende des Sterbens — schickten die Herren einen ihrer Besten für kurze Zeit nach Genua: Alexius Hilleson. Während in Genua selbst einigermaßen wieder Ruhe einkehrte, zog die politische Krisis herauf, die schon oben bei Mailand besprochen ist. Wird der deutsche König den Kampf gegen Frankreich tragen oder gegen Venedig? Der Faktor von Genua rüstete sich darauf, je nachdem nach Nizza oder Venedig auszuweichen und das Lager aufzulösen, und auch hier können wir das genau übersehen. Doch davon später. Über das Gelieger von Genua geben uns mehrere Bilanzen genaue Auskunft. Folgende Übersicht zeigt das. 10. 1504 Juni 18. 1507 Jan. 20. Juli 21 U ß s, U ß S\ u ß Gut im Hause . . . . 5 536. 1. 6. — — Inzwischen gekommen . 4 989.-------- — — 10 525. 1. 6. ? 2 934.17.. Böse Schuldner . . . Zweifelhafte Schuldner Gute Schuldner, verfalleu Gute Schuldner, auf Zeit Was wir sond bar. Auf Zeit..... Wert des Geliegers 647. 4 020. i 8 331. 42 376. 16. 8. 11. 12. 4. 2. 3. 9 665. 56 563. ? ? 8.10. 1. 7. 7131.13. 13 795. 3. 23 244. 2. 8. 55 376. 7. 9. 9. 3. 66 228. 15 085. 19 347. 10. 5. 12. 2. 4. 8. 44 170. 18. 8. 65 901. 47 105.16. 22 408.14. 11 911.14. 6. 7. 3. 35 276. 4. 5. 3. 34 432. 16. 10. 34 320. 8. 10. 30 625. 12 785. 7 8. 3, 305 f. 441. 449. 2 3, 298 f. 3 3, 305. 394. Unruhen. Bilanzen. Eine Auflösung des Geliegers 273 Die erste Bilanz ward aufgestellt am Beginne des Sterbens, die zweite inmitten der Unruhen des Bevolutionsjahres, die dritte unmittelbar vor der Auflösung des Geliegers. Der Vergleich zeigt, wie das vorhandene Gut immer mehr vermindert worden war. Es ist das ebenso erklärlich, wie das Ansteigen der zweifelhaften Schulden und der verfallenen Schulden überhaupt, das sind die Folgen der Nöte und Wirren. Im Jahre 1507 wurde zwischen den beiden Bilanzen dann die Schulden auf Zeit sehr wesentlich verringert, auch da äußert sich der geringere Warenverkauf. Die Genueser Bilanz zeigt auf der Seite der Passiva einen tiefgreifenden Unterschied, gegenüber der Mailänder: die Bavens- burger nahmen in der Bankierstadt Genua den Kredit viel höher in Anspruch als in Mailand. Zunächst blieb man oft viele Jahre hindurch die Introitus-Abgaben bei deren Pächtern schuldig, dann aber entlieh man sich auch bares Geld oder kaufte auf Kredit. Bankhäuser begegnen aber auch auf der anderen Seite der Bilanz. Diese Banken wurden zum größten Teile von den alten Adelsgeschlechtern gehalten, da begegnen die Namen der Adorno, Cattaneo, Oenturione, D'Oria, Gentili, Giustiniani, Grimaldi, Imperiali, Lomellini, Salvaigo, Squarciafichi und Spinola, dann aber auch mehrere die von emporkommenden Kaufleuten gehalten wurden, so die Banken von Giovanni Batt. Sauli und von Pietro Sauli, Simone de Bazelli, Navone e compagni und Andrea Zisero. In Genua blieb auch der Adel dem Handel ergeben. Es galt von Genua der Spruch: Si dixeris: Genuensis est, ergo mercator, valet consequentia. 1 Deutsche Geschäftsverbindungen treten viel weniger hervor, unter den Gläubigern ragt da weit hervor der Augsburger Wilhelm Behlinger (mehr wie 10 000 U ), unter den Schuldnern Endres Strel. Als das Gelieger aufgelöst werden sollte, vertraute man die Privilegien, Salvakondukte, Bücher, Manuale und Schuidzettel Domenigo de Marini, einem Nobile, der auch als deutscher Vizekonsul erwähnt wird, 2 an, er übernahm auch das wertvollste Gut, sieben teure Tuche von Valencia und eine große Anzahl von Forderungen. Die alten Bücher, Manuale und eine Abschrift von dem neuen Manual wanderten zu Giovan. Batt. Getzio. Andere Waren übernahm ein alter Geschäftsfreund Baffaele Eagia, so daß wohl nur ein kleiner Best übrigblieb. Eine Schachtel mit Perlen und ein Stück Arras fanden in einer Dame eine Hüterin, Battistina D'Oria. Vor allem aber wurden die ausstehenden Schulden von der Gesellschaft auf ihr Bisiko an andere Fü'men übertragen, eine solche Übertragung nannte man eine Spendierung. Im wesentlichen wurden so die Schulden aufgeteüt und späterer Abrechnung fähig gemacht, beso nders trat da für die Gesellschaft Vicencio de Wine ein, 1 Sieveking, Kechnungsbücher, S. 89. - Schulte 2, 539. Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 18 ■ 274 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 4. Kap. § 39. 40 f«i& B Wm Der wirkliche Wert des Geliegers war auch deshalb sehr gesunken, weil die Gesellen den Bestand an fremdem Gelde nicht vermindert hatten. Der Abschluß im Jahre 1497 hatte 67 400 U ergeben, Juni 1504 war er auf 30 600 U gesunken und Juli 1507 auf 12800 &. 1 Zunächst mußten die ,Bankschulden" beseitigt werden. Für kein anderes Lager haben wir so viele Verzeichnisse der Geldausstände und Geldverpflichtungen. 2 Das Gelieger vermied eine Überlast von Schulden und vor allem allzu viele „böse Schulden". 3 Den Umsatz kennen wir nur für die Zeit vom 1. Dez. 1495 bis 1. Juni 1498, also für 29 Monate 432852 U = (zu 44 ß der rheinische Gulden gerechnet) 196 751 fl rh. oder auf den Monat = 6922 fl. Wir können also erkennen, daß das Gelieger zeitweise sehr große Umsätze hatte, die aber auch sehr tief sanken. Diese Schwankungen finden wir auch bei den gestundeten Abgaben, nur kennen wir da die Schuldsumme und wissen nicht, ob und wie viele sofortige Zahlungen erfolgt sind. Immerhin entspricht die Steuersumme der ripa grossa vom Jahre 1507 einem Verkaufsumsatz von 59 520 U, die der Unterkaufsgebühren ergeben im gleichen Jahre einen Umsatz von 52 800 U und die Steuer auf die Schiffswarenversicherung 1503 auf Versicherungen in der Höhe von 25 000 U, mit anderen Worten, mindestens waren so viel die Waren wert, die die Gesellschaft in Genua an Bord hatte bringen lassen. Zeitweise war das Interesse der Gesellschaft in Genua einem Kommissionär anvertraut, dem einem alten Geschlechte der Nobilitä entstammenden Alvise oder Luigi Centurione. Er war aufgestellt von dem Gelieger in Mailand, an ihn gingen die zu Schiff kommenden Waren mit dem Zusätze: a vollontat de Jos Hompys e compania de Myllan. 4 Man war mit ihm wenig zufrieden, er habe nicht zum Besten gedient und die Bechnungsversammlung von 1477 beschloß, den eigenen Betrieb wieder aufzunehmen. Noch ist zu erwähnen, daß die Deutschen in Genua mindestens seit 1441 einen von den dort weilenden deutschen Kaufleuten gewählten und von der Stadt bestätigten Konsul hatten. 1479 kaufte die Gesellschaft in Flandern für den Konsul Dr. Paolo Basadonne zwei Bettziechen. 5 1510 war eine nicht näher angegebene Sache mit dem Konsul zu verhandeln. 6 Mindestens seit 1497 erhielt der Konsul eine Abgabe von den ausgehenden Warenballen, die in Genua gekauft worden waren. Beim Samt (vielleicht auch bei 1 In rheinischen Gulden ist das 1497: 30 636, 1504: 13 611 und 1507: 5682 fl. 2 Verzeichnis der Schulden 3, 261. 270. 297. 312. 314. Was wir sond 3, 270. 298. 308. 3 Vgl. namentlich 3, 261, 263. Doch gab es auch böse Schuldner, 275. * 3, 57. 84. 233. 1474 wurde Jörg Koler zu ihm gesendet, um eine genaue Rechnung zu fordern. 3, 9. 6 3, 261. Für die Mailänder war 1430 das Konsulat geschaffen worden. 6 3, 39. 1489 ward er auch Konsul der Katalanen in Genua. Capmany 2, 2. 62. Finanzen. Kommissionär. Konsul. Hausrat. Waren 275 anderen Waren) betrug das Konsulgeld 5 ß für den Zentner. 1 Baumgartner sagt: „Wisse auch, was ein Deutscher kauft oder verkauft zu Genua, so haben sie unter sich selber einen Zoll, heißt Konsulgeld, ist y 2 S\ per Pfund = y 480 des Wertes, damit zahlen die Deutschen einen Konsul. Was einem zu Händen steht, das richtet er ihnen aus. Die Deutschen können zu einem Konsul erwählen, wen sie wollen." Danach hatte dieser als Eichter unter den Deutschen und Vertreter ihrer Interessen nach außen eine hübsche Einnahme. 2 Wo das Gelieger der Gesellschaft in Genua untergebracht war, wissen wir nicht. Der Hausrat des Genueser Geliegers war nicht groß, er wurde aber wohl durch Eigentum der Gesellen wohnlicher gemacht. In der Schlafkammer gab es ein Federbett, ein Pfulwen, eine Decke, ein Tresponta (Buhebett) und ein großes Kissen. Ein Paar guter Leinenlaken und vier Kissen, zwei davon mit Ziechen. Von einer Wascheinrichtung ist nicht die Eede. In der Küche hatte man einen großen Ölhafen, 1 großen und 3 kleine Brotkörbe, 1 steinernen Fischkessel, 2 lange Tischlaken, 2 Hand- zwehlen und 1 Schreibleuchter; Teller, Herdgerät und Schüsseln werden nicht erwähnt. In einem Wohngemach waren eine große und eine kleine alte Kiste, eine gute neue eichene Kiste für Silber und Geld, ein kleines Schreibkistlein, eine Schreibtafel, ein „trispietz" (Euhebett mit 3 Füßen), eine Bank und ein Schubelin. Im Skriptori hatte man alle Gerätschaft zu einem „comptor", ein Markgewicht, eine Wage und eine große Wage. Das Stallgerät bestand aus einer Gabel! Im Keller endlich hatte man zwei Weinfässer. 3 § 40. Gewerbe und Handel in Textilwaren. Seidenstoffe, Schamlot. Einfuhr von Wolle und Seide. Der Spezereihandel seit 1497 in Verbindung mit den ersten Fahrten nach Ostindien. Die Stimmung der Kaufleute nach der Entdeckung des Seeweges. Auswertung. Neue Nachrichten über Gewürzschiffe. Der Anteil der Deutschen, der Ravensburger. Die Gesellschaft verpaßt die Gelegenheiten. Wer die gewerbliche Produktion Genuas im späteren Mittelalter schildern will, wird mit der Seidenweberei beginnen. Sie setzt, am stärksten von Lucca befruchtet, im 13. Jahrhundert ein, blühte aber erst im Anfang des 15. Jahrhunderts recht auf, und 1432 wurde die Seidenzunft begründet, die Organisation der Händler und Verleger; denn das Gewerbe wurde in hausindustriellem Verlagsystem betrieben. 4 Die Gesellschaft hat seit Wiedereröffnung ihres Geüegers 1477 sich stark diesem Geschäfte zugewendet. Der Ankauf von Samten war hier größer als in Mailand, auch in Damasten, umgekehrt steht es mit den Brokaten. Mit Taffet, der J 3, 265 f. 2 Über das Amt und die Persönlichkeiten Schulte 1, 539 f. Agostino Lomellino war auch noch 1504 Konsul, 3, 270. 3 3, 398 ff. 4 Sieveking, Die Genueser Seidenindustrie im 15. und 16. Jahrhundert. Schmoller, Jahrb. f. Gesetzgebung 21 (1897). i B HF 276 Sechstes Buch. Handel nach Landschafton. I. Italien 4. Kapitel. § 40 seit dem Ende des 15. Jahrhunderts in Genua hergestellt wurde, hat die Gesellschaft Versuche ohne Erfolg gemacht, ebenso mit Atlas. Baumgartner sagt, der größte Handel sei mit Seidengewand, was man macht, sei aber geringerer Sorte, denn zu Venedig oder Mailand. Einmal findet sich Ausfuhr von bombasin samat — Baumwollsamt. In sehr starker Weise suchte das Gelieger Schamlot (aus Kamelhaaren) in Betrieb zu bringen, nicht immer mit Glück. Gewöhnlich nimmt man an, daß von Genua stark levantische Gewebe nach Deutschland gelangten, außer von Schamlot erwähnen die Papiere nichts. Wenn wir uns nun die Einfuhr ansehen, so finden wir in den Textilstoffen den Luxus Genuas deutlich hervortreten. Man suchte die feinsten Leinwandsorten (vor allem aus Holland und Hennegau), die schwäbischen Linnen wurden zum Handel über Meer, vor allem nach Sardinien gesucht. 1 Aus Flandern bezog man weiter Berkan, kostbare Bankais, Satin, Bursat, Bettziechen, englische Tuche, vor allem aber Arras, auch Garn von Baletre. Von St. Gallen kam Zwillich, von Ulm Barchent, von Mailand schroura di bombax, ziemlich viel Barchent, Bonnetten, aus Saragossa Oordeline, aus Valencia Bettdecken und feine Tuche. Woher frisa, bugaschin und tapesaria kam, ist ungewiß, wohl aus den Niederlanden. Jedenfalls überwog in Textilstoffen dem Werte nach die Ausfuhr. Das wurde in etwa wettgemacht durch die Einfuhr von Textil- rohstoffen. Dabei scheidet die Baumwolle natürlich aus. Leinfaser bestellte man nur einmal für eine Kundin. Um so stärker war die Einfuhr spanischer Wolle, die meist nach den Verschiffungsplätzen Wolle von Valencia oder Tortosa genannt wird. Englische Wolle kommt nur einmal als Probe vor. Seide von Valencia konnte gegen die von Almeria und Messina nicht aufkommen, alle drei Sorten führte die Gesellschaft ein. Seitdem die Gesellschaft ihr Gelieger in Venedig aufgegeben hatte, war sie für Spezereien auf Genua angewiesen. In der Zeit, da man dort nur einen Kommissionär hatte, gab die Gesellschaft den Handel mit diesen Waren völlig auf, so daß Lutz Geßler in seiner Nürnberg-Frankfurter Eechnung mit Ausnahme von Safran, dessen Handel ja nicht von Genua abhing, überhaupt keine Spezereien aufführt. Zu dem Handel mit Spezereien ermunterte schon 1497 Hans Kloter von Frankfurt aus. Man werde bei gleichem Ankaufspreise so viel zu Nürnberg aus der Ware bringen als andere Leute. „Es wäre ein guter Handel damit." 2 Als er bald darauf nach Genua 1 In der Venditio gabellarum veterum 1428. Gabella censarie (Genua, Staats- arch. Membr. 22. IX.) stehen: „teile badinelle seu de Allamannia" (also Handtuchleinen) mit dem Satze von 4 ß für den Ballen als einzige ausdrücklich als deutsche bezeichnete Ware. " 3, 369. HBUBM Ü$S ÜSiffil Textilwaren. Kohstofie dafür. Spezereien 277 kam, hat er sieb er den Handel in Gang gebracht, wenn man das auch mangels der Quellen nicht erweisen kann. So können wir den Spezereihandel erst verfolgen unmittelbar bevor der schwerste Schlag für Genua eintrat, die Eröffnung des Seewegs nach Indien um Afrika herum, und unsere Quellen bezeugen es, wie schwer es Genua traf, als nun die ostasiatischen Spezereien nach Lissabon und dann nach Antwerpen ihren Markt verlegten. 1 Auf der Frankfurter Herbstmesse 1500 hatte, da alles mit reichlicher Zufuhr von Lyon rechnete, die nicht kam, sich eine Preissteigerung ergeben. Auf diesen Aufschlag dürfe man in Genua nicht rechnen, man dürfe nicht teurer kaufen als in Venedig. Vor allem sei es aber nötig, saubere und gute Ware zu kaufen. 2 Als das geschrieben wurde, trafen eben die Schiffe Vasco da Gamas im Tejo ein, welche freilich nur geringe Proben der Schätze Indiens heimbrachten, die für den Handel nicht ins Gewicht fielen. 1500 hatte man noch von Genua auf die Frankfurter Herbstmesse für rund 3400 fl Spezereien gebracht: für 1802 Pfeffer, für 798 Ingwer, für 540 Gewürznelken, für 200 Zittwer, für 92 Muskat und dazu kleinere Quantitäten Wurmkraut, Scamonaea und Ehabarber. 3 Für die Fastenmesse 1503 hatte man nur Gewürznelken abgesendet, das übrige in Genua zurückbehalten.* Die Wirkungen der Entdeckungsfahrt mußten früher oder später den Handel von Genua und erst recht den von Venedig schädigen und der atlantischen Küste die Weltstellung geben, die bis dahin verborgen war. Seit den Entdeckungsfahrten des Kolumbus entstieg dem Meere eine Küste, die man fälschlich für Indien hielt und was nun infolge der Fahrt Vascos aus dem wirklichen Indien nach Lissabon kam, konnte natürlich nicht auf dem Umwege über Venedig am billigsten auf die deutschen Märkte gelangen, sondern, dieWasser- fahrt bis Antwerpen ausdehnend, von diesem Hafen aus versuchen, nach Frankfurt zu gelangen. Es war fraglos ein weit billigerer Transport als der über Venedig und auch über Genua. Es ist daher nötig hier gleichmäßig den Niedergang Genuas und den Aufstieg Antwerpens zu beobachten. Die Heimkehr Vasco da Gamas von seiner ersten Fahrt im September 1500 brachte nur kleine Quantitäten, aber die regsamsten Kaufleute ersahen sofort die Tragweite der weltgeschichtlichen Entdeckung. Mit kühner Entschlossenheit hatten vier deutsche Gesellschaften schon im Frühling 1501 sich in Genua zusammengetan, um sich an dem Handel nach Indien zu beteiligen, wie es der italienische Kaufmann Bartolommeo Marchione aus Florenz schon bald tat. Sie 1 Vgl. vor allem Häbler, Die überseeischen Unternehmungen der Welser und ihrer Gesellschafter, 1903. Hümmerich, Vasco da Gama und die Entdeckung des Seewegs nach Ostindien, 1898. Derselbe, Quellen und Untersuchungen zur Fahrt der ersten Deutschen nach dem portugiesischen Indien 1505/06, 1918. 2 3, 378. 3 3, 370 ff. * 3, 383. • Esm* 278 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 4. Kapitel. § 40 •wollten mit den Schiffen nach Indien gehen. Als die Hauptbeteiligten werden die Fugger genannt, die bereits 500 Miera Kupfer nach Genua gelegt hätten. 1 Sie besaßen allerdings eine im Orient hochgeschätzte Ware, worüber Portugal gar nicht verfügte. War die Eavensburger Gesellschaft dabei? Man kennt leider keine Berichte aus Genua aus dieser Zeit. Man kann nur erkennen, daß die Fugger mit ihr damals dort in lebhaftem Handel in Kupfer standen. Das aber kann wohl auch darauf zurückzuführen sein, daß sie nach Aufgeben des Planes von ihnen Kupfer übernahmen und vertrieben. Der Gedanke, Genua zur Basis zu machen, wurde aufgegeben, die interessierten deutschen Kaufleute wendeten sich aber nach Lissabon, wo Ende Dezember 1502 Simon Seitz als Faktor der Welser-Vöhlin eintraf. Der erste Vertrag mit König Manuel bevorzugte zwar die Welser, hatte aber doch noch immer auch die anderen Kaufleute in anderen Städten in Deutschland im Auge. Es ist wohl nicht zu bezweifeln, daß die Eavensburger Gesellschaft an so kühnen Unternehmungen teilzunehmen Bedenken trug. Sie, die am längsten auf der Iberischen Halbinsel — allerdings nur in den Gebieten der Krone Aragonien wn-kte — betrat nicht das Feld in Portugal. Freilich könnte man ein Zeugnis triumphierend für die große Gesellschaft anführen, denn der Venezianer Cazano del Nigro schrieb am 29. August 1503 an seinen Bruder, den venezianischen Gesandten in Genua: „Es sind schon einige Deutsche der großen Kompagnie (Compagnia Granda) der Deutschen hier, welche sich gegen den König|verpflichtet haben, hier Wohnung zu nehmen, und er hat ihnentFreiheit und gute Verträge gegeben, so daß sie es hier gut haben^werden." 2 Man kann sagen, daß ein Venezianer unter dem Namen der großen Gesellschaft nur die Eavensburger habe meinen können. Und doch, die Briefe von ErnUn aus Antwerpen und Geßler aus Frankfurt aus denselben Monaten beweisen es, daß in Lissabon die Eavensburger nicht vertreten waren. Die zweite ausgesandte Flotte, die des Pedralvares Cabral (5 Schiffe) brachte nur wenig heim, und dasselbe gut auch von der des Joäo*da Nova (4 kleine Schiffe), immerhin waren es 1500—1600 Quintal Gewürze und für 4000 Dukaten sonstige orientalische Waren. Am 1. September 1503 kamen zwei voraufgesandte Schiffe von der großen Flotte der zweiten Fahrt Vasco da Gamas ein. Von Antwerpen schrieb Hans Ernlin am 16. August 1503. „Wir wollen den Nagel nur mit Gewinn hingeben. Es käme denn, daß die Schiffe von Kalikut viel bringen, so müssen wir es gleich anderen leiden. Ebenso mit der Mazis. Spezerei hat ganz keine Frage, denn jedermann wül Zeitung aus Portugal erwarten. Was wir vernehmen, lassen wir Euch täglich wissen." 3 Ganz dieselbe Stimmung in Frankfurt. Von dort schreibt September 1503 Gabriel Geßler: „Auf die Spezerei wagt sich niemand grob zu legen, denn man besorgt sich 1 Marino Sanuto, Diarii, 4, 28. 2 Ebenda 5, 319. 3 3, 434. ■ wm -".-r^V-i;;- 1 Einfluß der Fahrten nach Ostindien 279 vor der, so von Kalikut kommen möchte. Wenn die Schiffe nicht kämen, wer dessen zuerst ein Wissen hätte, der würde es genießen. Das sollten die Euren zu Genua so bald wissen, wie die anderen Deutschen zu Venedig." Er rät Pfeffer und Ingwer zu Genua zu kaufen. 1 Am 11. Oktober 1503 kehrte Vasco von seiner zweiten Fahrt nach Ostindien heim, es war die erste, die große Warenmengen brachte, darunter 26 000 Quintal Pfeffer. Im ganzen 32—35 000 Quintal Gewürze im Werte von IMill. Cruzados in Gold. Der Preis des Pfeffers sank sofort von 40 auf 20 für den cantar. Im Frühling kamen davon Waren nach Genua mit 1400 Sack Pfeffer, 60 Sack sehr schlechtem Ingwer, 20 Sack Gewürznelken, 40 Sack Brasilholz, 50 Zentner Zimt. Gleichzeitig kam von Sizilien ein Schiff mit 100 Sack Pfeffer und 25 Zentner Ingwer. 2 Leider ist die Stelle sehr schwer zu lesen. So viel kann man erkennen, die Eavensburger kauften den Ingwer ganz und fuhren den Fuggern vor. Sie kauften auch Macis und Nägel. Zu Genua war in Spezerei kein Preis mehr. Von anderen Schiffen hörte man kein Wort, nur erwarte man ein Schiff in Avignon mit 40 miere (?) Ingwer und anderer Spezerei. Dann kam ein Schiff von Beirut mit 1700 Sack (?) Spezerei, meist Ingwer, Nägel, Nuß und Zimmt. 3 Das erste Schiff scheint der Baruto gewesen zu sein, er brachte übermäßig viel Gewürznelken. Darüber sollten die Herren ihr Gutdünken nach Nürnberg und Flandern schreiben? 4 Die nächsten Eavensburger Nachrichten aus Genua stammen aus dem Oktober 1505. Man hatte nur Cassia flstola, Semenzina und Lack gekauft. Mit dem Lack wollte man gemach tun, denn Anton Lauinger wollte eine Nachricht aus Portugal haben, 11 Schiffe seien von Kalikut gekommen und hätten 5000 Quintal gebracht. „Mag sein oder nicht, denn er sagt sonst nicht viel Wahres." 5 Tatsächlich waren die Schiffe des Lopo Soarez im Juli 1505 reich beladen eingelaufen. Im Jahre 1507 wurde nichts von den Gesellen in Genua erworben, aber man beobachtete den Schiffsverkehr. 6 Wenn 1503 Gabriel Geßler in Frankfurt noch meinte, man könne zu rechtem Preise in Genua noch Pfeffer und Ingwer kaufen, so war um 1510 wohl schon die Verschiebung klar. Die Gesellschaft kaufte 1507 ihren Pfeffer schon in Antwerpen ein, den sie auf den Frankfurter Messen verkaufte. 7 1505 gelang es deutschen Kaufleuten, gemäß den im Sommer 1504 geschlossenen Verträgen zum Anteil an der Fahrt Francisco de Almeidas nach Indien zugelassen zu werden, sie rüsteten drei Schiffe aus. In erster Linie standen dabei die in Lissabon durch Lukas Bern vertretenen Welser-Vöhlin von Augsburg-Memmingen mit 20 000 Cruzados, die Fugger (4000), Höchstetter (4000), Gossembrot (300), die 1 3, 387. 2 Vgl. 3, 274. Die Gewichtsmaße sind unsicher. Vgl. auch das Faksimile dieser Stelle oben 8.111. 3 3, 275. * 3, 278. 5 3, 295. 6 3, 303 f. » 3, 391. feM.' ■ ' : :.■/'/:"/". 280 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 4. Kapitel. § 40 Imhof (3000), Hirschvogel (2000), diese beide aus Nürnberg, jene alle aus Augsburg. Die von den Schiffen der Expedition Francisco d'Almeidas zur Heimfahrt bestimmten wurden in zwei Geschwadern heimgesendet. Das erste erreichte am 22. Mai 1506 glücklich den Tejo. Das eine mit den von den Deutschen befrachteten Schiffe S. Jeronimo und S. Ba- fael brachte für sie 5000 Quintal Pfeffer, das andere 4000 Quintal, außerdem 700 Quintal Gewürznelken, 40 Quintal Sandelholz und 10 Quintal Kampfer. Am 15. November traf auch das zweite Geschwader ein, bei dem die S. Leonardo war, ein recht kleines Schiff, und auf ihm Balthasar Sprenger, der Welsersche Faktor, der diese merkwürdige Fahrt beschrieben hat. Dieses Geschwader von drei Schiffen brachte außer kleineren Posten anderer Gewürze vorwiegend Pfeffer, insgesamt erwartete man 20 000 Quintal Gewürze. Häbler greift daher wohl etwas reichlich, wenn er rund 12 000 Quintal Pfeffer für deutsche Eechnung annimmt. Davon gingen 30% als Abgabe an den König. Nach portugiesischer Angabe hatte der Quintal im Durchschnitt höchstens 8 Oruzados gekostet. Der Preis wurde, um einen Preissturz zu verhindern, auf 20, vielleicht auf 22 Cruzados für den Quintal festgesetzt. Dies aber genügte dem Könige nicht, er ließ den deutschen Bestand in die casa da India bringen, dort sortieren und behielt ihn dann entgegen dem Geiste der Abmachungen vom 1. August 1504 vorläufig zurück. Die Kaufleute begannen nun einen Prozeß, wie wir aus den Berichten des Welserschen Faktors Bern und den Besten der Prozeßakten wissen. Häbler ist nun der Meinung, die Kaufleute hätten nun lange nichts von den Waren herausbekommen. Das kann in vollem Umfange nicht richtig sein. Wie Hans Ernlin, der Bavensburger Faktor, am 8. Juni 1507 von Antwerpen aus berichtet, ging vielmehr ein nicht kleiner Teil auf dem Wege von Lissabon nach Antwerpen unter, ohne daß die Kaufleute die Waren versichert hatten. Er schreibt: „Lasset allezeit alles versichern, damit kein Schaden geschieht; denn jetzt kürzlich haben die Deutschen ein Schiff mit Spezerei verloren auf der Küste der Bretagne, so von Lissabon kam, darauf sie sehr viel verloren haben, die Welser 60 Sack Pfeffer, die Höchstetter 60 und die Behlinger in all 26 Sack. Sind fürwahr wüste Schlappen. Gott entschädige die ehrbaren Leute. Sie haben nun bei meinem Allah viel verloren und meinten immer, das Versichern sei Narrenwerk. Wir lassen nichts auf Euer Wagnis gehen. Die Meinung versteht Ihr." 1 Ernlin sollte Pfeffer in Antwerpen kaufen, hatte aber kein Geld. „Der Pfeffer ist sehr aufgeschlagen, gilt jetzt 21 Grot. Macht der Verlust mit den Schiffen, so jetzt an der Küste der Bretagne geschehen ist, worauf die Deutschen den meisten Teü hatten, als die Welser, Höchstetter * 3, 447 f. Einfluß der Fahrten nach Ostindien 281 und Eehlinger ... Es ist zu glauben, der Pfeffer wird auf diesem Markt nicht unter 21 Grot gehen." 1 Ob das verloren gegangene Gut aus den Beständen der Gesellschaft entnommen war oder sich diese entschlossen hatten, von dem königlichen Pfeffer zu kaufen, bleibt ungewiß. Da die Eehlinger nicht an der Fahrt beteiligt waren, haben sie sicher ihren Pfeffer erst in Europa gekauft. Geht man nun der Frage nach, was denn die Gesellschaften, die an der Fahrt beteiligt waren, verdient, so hat man die klare Angabe des Lukas Eem, daß der Gewinn bei 150% betragen habe. Man kennt weiter die Summen, die die Gesellschaften anlegten, sie beliefen sich auf 36000 Cruzados. Endlich nimmt man an, daß der König den Verkaufspreis für Lissabon auf mindestens 20 Cruzados feststellte. Vergleicht man die übrigens nicht genaue Summe von 12 000 Quin- tal Pfeffer und etwa 800 Quintal anderer Gewürze — die wir als mit dem Pfeffer gleichwertig annehmen — so ergibt sich bei Vergleichung mit dem angelegten Gelde folgendes. Von den 12800 Quintal fielen an den König 30% = 3840 Quintal. Der Wert der verbleibenden 8960 Quintal zu 20 Cruzados ergäbe 179200 Cruzados. Nach Abzug des Kapitales verbleibt ein Gewinn von 143200 Cruzados, das sind 397,7%. Nun kennen wir allerdings nicht die Unkosten; aber es liegt doch wohl entweder bei Eem eine falsche Angabe über den Gewinn oder, was wahrscheinlicher ist, ein Irrtum der jüngeren Augsburger Chronik über die Höhe des angelegten Geldes vor. Dieses müßte sich bei einem Gewinn von 150% und bei einem Gewürzpreise von 20 Dukaten für den Cantar auf 95407 Cruzados belaufen haben. Die Eemsche Angabe ist wohl sofort niedergeschrieben worden, also zu einer Zeit, wo die Welser ihren Pfeffer schwerlich schon ganz vom König erhalten und verkauft hatten. Die Eavensburger Gesellschaft, die dieses glänzende Geschäft versäumt hatte, hat es nun aber doch für notwendig gehalten, sich auf dem Markte von Lissabon zu betätigen. Sie stand ja in nahen Beziehungen zu den Gossembrot von Augsburg, von der sie auch direkte Nachrichten über den Gewürzhandel erhielt. 2 So ist es begreiflich, daß 1507 die Gossembrot ihnen ein Stichgeschäft vermittelten mit einem Genuesen. 3 Auch Hans Ernlin, der Geselle in Antwerpen, war für einen stärkeren Anteil am Gewürzhandel, wenn er auch nicht von Lissabon redet. „Wollt Ihr hier etwas handeln, das den Leuten auch gleich sähe, so müßt Ihr dazu tun, daß wir Barschaft in Händen hätten, sonst schaffen wir fürwahr hier so viel wie nichts; denn sollte man sich hier in Handel mit Pfeffer schicken und anderem, wo Finanzen zu Zeiten vorhanden sind (Gelegenheit zu riskanten Geschäften), da müßte Bargeld vorhanden sein. Darum, die lieben Herren erkennen das besser, als wir es schreiben können." 4 1 3, 447 f. 2 3, 303. 3 3, 446 f. 4 3, 448. Hl US 282 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 4. Kap. § 40. 41 So zeigt die Gesellschaft überhaupt im Gegensatz zu anderen oberdeutschen Häusern keinen rechten Drang zum Gewürzhandel. Sie verläßt Venedig, entwickelt den Handel in Genua erkennbar nur in der Zeit, da die Markusrepublik im Kampfe mit der Türkei stand und daher vom Handel mit der Levante abgeschnitten war, erweiterte ihre Gelieger in Spanien weder um ein solches in Sevilla noch in Lissabon und gab auch nach Antwerpen nicht ausreichende Mittel, um wenigstens dort im Handel zweiter und dritter Hand etwas,zu bedeuten. § 41. Metalle und Metallwaren. Korallen usw. Südfrüchte usw. Felle. Sonstige Waren. Letzte Zeiten des Geliegers. Seine Bedeutung. Der Maler Meister Jos von Ravensburg. Savona. In Metallen und Metallwaren hatte Genua, obwohl Gold- und Silberarbeit wie die Eisenindustrie erheblich war, weit mehr Einfuhr als Ausfuhr. Für diese kam nur gesponnenes Gold in Betracht, das die Gesellschaft aber auch von Köln einzuführen suchte. Umgekehrt kam an Eohmaterialien vor allem Kupfer nach Genua, worin die Gesellschaft zuweüen eine Monopolstellung erreichte, reichlich kam auch Messing, Zinn und Silber, alles meist von Nürnberg. Der deutsche Handel in Silber gab den Genuesen den Gedanken ein, ihr damaliger Herr, König Ludwig XII., solle dahin wirken, daß die Genuesen unter den gleichen Bedingungen wie die Deutschen Silber aus Deutschland durch sein Herzogtum Mailand nach Genua einführen könnten. 1 Die Antwort fehlt. Eisen kam nur in geringem Umfang von Mailand, von wo man auch roxeti, copadina di loton bezog, während Blech, glatte und gestampfte Schüsseln, Scherbecken, Kupfer- und viel Messingdraht von Nürnberg bezogen wurden, auch Ulmer Gold. Armbrustwinden kamen aus Deutschland. Die Gesellschaft hat in großem Umfange von Genua Korallen ausgeführt, auch Perlen, einzelne Edelsteine und Straußenfedern. Einmal wurden von Genua aus elfenbeinerne Kämme bestellt, ein anderes Mal Perlmutter (?). Der Handel mit Südfrüchten des Mittelmeergebietes war wenig umfangreich, am meisten tritt der von Valencia bezogene Zucker hervor, 2 Mandeln brachte man wohl zur Ausfuhr nach Genua, Pomeranzen über die Alpen, Kapern gingen selten nach dem Norden, öl aber kaufte man an der Biviera und verkaufte es wieder in Genua. VonjNorden her kam vielleicht eine Spezerei: Spiga celtica. Wachs wurde vielfach von Valencia bezogen. Lammfelle und Lammleder, auch Schafvließe bezog man von Tortosa, fand aber nicht immer Gewinn daran. Ob die zahlreichen 1 Atti della societä Ligure 24, 463 und 473, Aktenstücke vom 23. Sept. 1499, ,,ut haec sua civitas ad quotidianos saltem sumptus argentum habeat". 2 Als Jörg Geisberg 1478 das Gelieger wieder einrichtete, baute man auf Reis, Zucker, Seide und Wolle von Valencia, 3, 85. IBM Hi W-^SM^/ Waren. Letzte Zeiten des Geliegers 283 Teilsendungen von Barcelona in der älteren Zeit (insbesondere Kaninchen) nach Genua gingen, ist nicht sicher, aber wahrscheinlich. Leder kam vereinzelt von Valencia, auch hatte man wohl einmal Pergament auf Lager. In Alaun findet sich einiger Handel, wie in Schmirgel. Unklar sind mir fe biaqua (Bleiweiß), senasse oder sessasse, wasses. Die Eavensburger verfolgten auch die von Genua aus besuchten ausländischen Gebiete, so setzten sie Hoffnungen auch auf Tunis. 1 Aus dem letzten Jahrzehnte des Genueser Geliegers haben wir nur wenige Nachrichten. Genua war seit 1515 unter französischer Gewalt, aber die Adorni waren bereit, die Fregosi zu vertreiben. Als nun der erste gewaltige Kampf Karls V. und seiner Verbündeten gegen den französischen König Franz L, der in Italien mit dem Hasse gegen die Franzosen rechnen mußte, ausbrach, wußte der Fregoso freilich Genua zu retten, nach der Schlacht bei Bicocca (27. April 1522) brach die französische Gewalt in Oberitalien zusammen, und der spanische General Marquese Pescara bemächtigte sich im Sturme (30. Mai) Genuas, das in furchtbarer Weise drei Tage geplündert wurde. Aus dieser Zeit (31. Juli 1522) stammt ein Brief Hans Kloters, der sich nach Zürich zurückgezogen hatte, an Konrad Humpis „et socn alamani in Milano", angeredet wird ein Pauli, sonder Zweifel Palle Hinderofen. Kloter antwortet, er hat die Nachrichten über die Ereignisse in Genua erhalten. „Gott sei Dank," meint er, „daß wir herausgekommen sind. Der Franzose wird Euch nun wohl in Zukunft in Euhe lassen." Er hatte auch Briefe von den Herren erhalten, drei Kisten mit Seidengewand und eine mit Geld waren ihnen wohl geworden. Die Straße für Bellinzona aus sei sicher, aber die auf dem Corner See wolle es noch nicht sein. „Und ettlich an der hand dem kung (von Frankreich) vil geltz geliehen... hätten das gern wider." 2 Ob Kloter an deutsche Geschäftsleute dachte 1 ? Hans Kleeberg, „der gute Deutsche", gab 1522 Franz I. Kredit. Auch als 1525 König Franz, bei Pavia gefangen, zu dem Vertrage von Madrid sich wenigstens äußerlich bequemen mußte, hörte das Schwanken der Genuesen zwischen Spanien und Frankreich noch nicht auf. Das war erst die Folge des Übertrittes Andrea Dorias auf die kaiserliche Seite (1528). 1527 aber bestand das Gelieger der Gesellschaft noch ruhig, wie das in Maüand. 3 Das Gelieger zu Genua war immer schon für die freilich oft unterbrochene Meeresverbindung nach Spanien der Gesellschaft 1 3, 271. 2 Die Briefe sind als Abschriften von im Tessin aufgefangenen Briefen im Staatsarchiv Bern, Abschiede T 848—852, erhalten, der zweite, wesentlich gleichlautende, ist an den Mailänder Geschäftsfreund der Gesellschaft, Brando de Saronno, gerichtet. Mir mitgeteilt von Ammann. Vgl. Am«. Samml. d. Abschiede 4, 1, 233. 3 3, 398-400. t 3®sü$@&&B Ü$ü Ütea-i ■mm; ■ K sS» Km TB 284 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. Litauen 4. 5. Kap. § 41. 42 von erheblicher Bedeutung. Von 1497 an erseheint es aber als eines der allerbedeutendsten Gelieger, das verdankte es dem Übergange zum Handel mit Luxusstoffen und wohl vor allem der Persönlichkeit Hans Kloters, der freilich in dem Gewürzhandel die entscheidende Stunde verpaßt hatte. Wäre Ulrich Ehinger an seiner Stelle gewesen, so hätte die Gesellschaft auch ein Gelieger in Lissabon errichtet. Auf die zahlreichen sonst in Genua weilenden deutschen Kaufleute, Handwerker, Söldner usw. ist hier nicht einzugehen. Aber eines Mannes ist zu gedenken. 1 Die Eavensburger fanden dort in der Zeit um 1450 einen Landsmann, der als Maler tätig war und von den Italienern magister Justus de Eavensburga pictor genannt wird; da der Name Justus in jener Zeit schwerlich in Schwaben bekannt war, kann man ihn getrost als Meister Jos von Bavens- burg bezeichnen. Er war aber zugleich auch ein Händler. Daß er einem Goldschläger Leo von Brügge und einem aus der Picardie stammenden anderen Goldschläger Johann Aufträge gab, Goldblätter für seine Gemälde zu schlagen, und er darauf Vorschüsse machte, könnte nicht auffallen, aber wie wollte er diese Goldblätter für seine eigenen Gemälde verwenden, wenn die Aufträge sich auf so hohe Werte beliefen, wie sie angegeben sind. Aber es steht in den beiden Verträgen auch der Fall erwähnt, daß Justus das geschlagene Gold und Süber verkaufe und bei hohem Gewinne die Goldschläger beteiligen müsse. Dem Pikarden räumte er eine Werkstatt ein auf drei Monate und zwei Leintücher und eine Decke. Und vollends schließt er eine Oommenda mit dem Alamannus Lupus de Francaforte de Alamania, einem zu Savona lebenden Leineweber. Dieser wird mit Waren im Werte von 70 ^f Genueser und mit bar 35 U in die Welt gesandt, um sie irgendwo mit Vorteil zu verkaufen. Man hat es nicht mit einem Meister, der nur auf seine Kunst sich verstand, sondern mit einem, den der kaufmännische Geist seiner Vaterstadt umwehte, zu tun. Die Kunstgeschichte hält diesen geschäftseifrigen Maler auch für einen bedeutenden Meister und und schreibt ihm manche Werke zu. Von diesen erregt noch heute eines die Bewunderung der Beschauer, es ist das im Klosterhofe von St. Maria di Castello (Dominikanerkloster) befindliche Fresko, die Verkündigung Marias, eine sicherlich bedeutende Leistung. 2 Sie gehört genau derselben Zeit an (1451), aber deshalb anzunehmen, daß er, förmlich auf der AVanderschaft, nur einige Monate in Genua sich aufgehalten habe, verbieten meines Erachtens jene Verträge, die doch eine Kenntnis der Geschäftsbedingungen voraussetzen. Die Gesellen im Genueser Gelieger haben manche Handelsfahrt in die Eiviera unternommen, weiterhin erstreckte sich aber das 1 Vgl. die drei Urkunden von 1451 März 29, Juli 6 und Sept. 10 bei Alizeri, Notizie dei professori del Disegno in Liguria dalle origini al secolo XVI, 1, 408 bis 413. 2 Abgebildet bei Suida, Genua, S. 73. H I ■■■■■<■■■■■■• I HB 1 SM f ü&*$ sm Letzte Zeiten. Der Maler Jos von Ravensburg. Savona. Valencia 285 Gebiet ihres Einflusses nach dem italienischen Lande nicht. Wohl hatte man ein Aufmerken auf den Hafenplatz von Savona, das mit Valencia in Verbindung stand, und mit Nizza. Savona, dessen Blüte den Genuesen ein Dorn im Auge war, 1 gelangte 1464 in den Besitz der Herzöge von Mailand, 1478 wurde es an Genua abgetreten, das natürlich die Bewegungsfreiheit der Savonesen beschnitt. Genua berief sich auf den alten Vertrag von 1251, der wirtschaftlich Savona an Genua band, machte den Zoll von Savona von sich durchaus abhängig und unterband den Verkehr; bei den Königen von Frankreich kam aber immer wieder der Gedanke auf, Savona sei ein sicherer Hafenplatz, falls die wetterwendischen Genuesen einmal wieder frei sein wollten. 2 Den deutschen Kaufleuten wäre es sicherlich das liebste gewesen, wenn sie auch in Savona hätten ans Meer gelangen können. Die Konkurrenz der Savonesen in Valencia war ihnen aber sehr wenig genehm. 3 II. Spanien mit Roussillon Erstes Kapitel Valencia. Alicante. Mallorca. § 42. Die Gesellschaft im wesentlichen nur innerhalb der aragonesischen Reiche tätig. Lage von Valencia, Bedeutung. Die Lonja. Handelsgericht. Älteste Nachrichten über Deutsche dort. Privilegien von 1420. Drei real. Abgaben. Ihre Verpachtung. Höhe der Pacht. Luis de Sant Angel und die Fahrt des Kolumbus. Geleitsbriefe für die Gesellschaft. Von der Iberischen Halbinsel kamen für die Gesellschaft als Ansiediungsorte nicht Portugal, die zur Krone Kastilien gehörigen Eeiche und Länder und das maurische Königreich Granada in Frage, sondern nur die, welche zur Krone Aragonien zusammengeschlossen waren, zu ihnen gehörte auch die Landschaft Eoussillon jenseits der Pyrenäen. Als Durchgangsländer spielten auch die baskischen Provinzen, in denen die Gesellschaft Kommissäre hatte, eine Bolle, sowie das Königreich ISavarra, für Wareneinkauf und -verkauf wohl auch die angrenzenden Gebiete von Alt- und Neukastilien, vor allem aber das Königreich Murcia, wo die Gesellschaft in Alicante einen Kom- 1 Vgl. Sieveking im Studium Lipsiense, S. 151, und im Giornale Storico 8, 20. Verbot von 1429. Finot, Jules, Etüde hist. sur les relations commer- ciales entre la Flandre et la republique de Genes au moyen äge (1906), S. 94. 2 Vgl. Canale, Nuova istoria della repubblica di Genova. 4, 297 und 451. 3 3, 272 f., 302. II gggUgp ■•-.■■'■■■.■ M 286 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. II. Spanien. 1. Kapitel. § 42 missar unterhielt. Der Besuch der schon damals entwickelten Messen Kastiliens ist nicht belegt. So war nur die Mittelmeerseite das Handelsgebiet der Gesellschaft, die jedoch auch die Häfen des Biskayischen Meerbusens südlich und nördlich der Pyrenäen zur Verbindung mit Flandern benutzte. Die Handels- und Gewerbegeschichte von Valencia ist noch nicht geschrieben, auch die allgemeine Forschung hat weder dem Hafen noch dem Markte genügendes Interesse geschenkt. Valencia, am Guadalaviar oder der Turia gelegen, hat nicht den Vorteil einer Lage am Meere, aber der Grao ist so nahe, daß die Verbindung unschwer war und ist. Die Meeresbucht ist freilich den Stürmen ausgesetzt, aber die Lage der Stadt ist so günstig, daß sie alle Hemmnisse besiegte. Der Aufstieg auf das innere Tafelland Spaniens, auf die Meseta, ist sonst überall schwierig, nur ein bequemer Weg führt hinauf auf die Mancha, und wer vom Norden her auf dem Schiffe kommt, faßt des Weges Wurzel eben in Valencia. Dorthin neigen aber nicht nur diese Gegenden und die nördlich gelegenen Gefilde, vor allem liegt Valencia fast am nördlichen Bande der Landschaften, die, eigenen Begens äußerst bedürftig, nur deswegen so hohe Erträgnisse ihrem an sich nicht besonders fruchtbaren Boden entlocken können, weil seit vorarabischer Zeit die Wässer der regenreicheren Gebirgen entströmenden Flüsse voll hoher Kunst den natürlichen Wasserläufen entzogen werden, um in sorgfältig verwalteten Binnsalen über die ebenen Äcker verteüt zu werden, in denen sie eine in Europa beispiellose Vegetation erzeugen. Im mühseligen Hackbau bestellt der Bauer den Campo rigadio, er schneidet heute zehn bis zwölfmal die Luzerne, und über dem immer wechselnden Anbau der Erdfrüchte wiegen sich im Sonnenscheine die herrlichsten Fruchtbäume. Das trübe Wasser der Binn- sale schafft das alles, und sie bewirken, daß der Fluß meist kaum das Meer erreicht, zu einem Kanäle wird, der nur die Gewitterregen abführt. Aber es ist der Garten, die Huerta oder Vega von Valencia nicht allein, der ihren Markt speist, auch die benachbarten Vegas des Königreichs Murcia, die in das subtropische Klima hineinragen, und deren Kulturen Dattelpalmen tragen, waren durch bequeme Küstenfahrten der glückhchen Stadt von Nutzen, auch die Weinberge der Küste und ihrer Höhen spendeten ihre Früchte, vor allem getrocknete Trauben, und von den fast vegetationslosen Hängen des Gebirges, wo nur das Schaf noch eine kümmerliche Nahrung findet, kamen und kommen herab die Vließe der Schafe, Wolle und Leder, wie das Espartogras (Haifa), das Seile und Taue, Schuhe und Packtuch liefernd für die Bavensburger allerdings keinen hohen Beiz hatte, und die auf wasserarmen Hängen wachsenden Pflanzen Anis und Kümmel. In Valencia reichte der deutsche Kaufmann an die subtropische Welt heran, an die Oasen, die an Afrika gemahnen, und damals lebte föäl Lage und Bedeutung von Valencia. Die Lonja 287 noch arabische Zunge und der Glaube des Islam, die heute verschwunden sind, wiewohl das menschliche Antlitz und der Körper noch das Blut der Berbern in dieser Bevölkerung beweist. Auch in Saragossa verhandelte der oberschwäbische Kaufmann mit Moslimen, aber weit größer war doch die Zahl der Heiden in dem Lande, das der Cid zuerst dem Christentum zurückgewonnen hatte, bis dann 1257 König Jayme von Aragonien Valencia gewann. Die Eavensburger schlugen tiefe Wurzeln in dieser schönen Stadt, tiefere als selbst in Mailand und Genua. Mancher Bube aus Konstanz und aus Oberschwaben lernte hier die Kaufmannschaft, und ein Bürger von Isny pflanzte hier die größte deutsche Erfindung, die Buchdruckerkunst, in den Boden Spaniens. Die Weichheit der Valencianer und die Wildheit der zu rascher und übler Tat fähigen Bewohner der Stadt der Blumen traf hier mit der bedächtigen, ja schwerfälligen Art der Schwaben zusammen. Neben Venedig als der Schule süddeutscher Kaufleute, wird man in Zukunft auch die Stadt unter dem wolkenlosen Himmel nennen müssen, dessen Sonnenstrahlen, an den Azulejos, den blauen Ziegeln ihrer Dächer widerspiegelnd, all dieses Blühen und Beifen vernichten würden, wenn nicht die sorgsame Kunst der Bauern, die seit arabischer Zeit an jedem Donnerstage vor dem Domportale ihr Gericht über die Wässer abhalten, den Wasserzufluß ständig in Ordnung hielt. Venedig inmitten der Lagune, durchzogen von Kanälen, ohne Gärten und ohne den Zauber der Tierwelt, Valencia inmitten einer üppigen Flora, noch heute durchzogen von den Tieren, die dem Haushalt ihre Milch entgegentragen, beide ein Geschenk des Wassers, beide Pforten, die die islamitische Welt erschlossen. Münzer rühmt die bürgerliche und menschliche Art der Bewohner und schildert das Leben. Am Abend waren die Straßen, deren Lebensmittelläden noch offen standen, von Menschen beiderlei Geschlechtes gefüllt und der von den Bavensburgern herumgeführte Arzt glaubte sich auf eineMesse versetzt, aber er nahm Anstoß an den geschminkten Gesichtern und an den Parfümen. Der deutsche Kaufmann hatte in Valencia keinen Fondaco wie in Venedig, wohl aber besaß die Stadt mindestens seit 1314 eine den Eingeborenen und Fremden gleichmäßig dienende Verkaufshalle, die Lonja de los mercaderes. 1444 begann ein Neubau, dessen Werk erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verschwand. Das neue Werk war aber für den ansteigenden Handel baid zu klein, und 1480 begann man mit dem Bau einer neuen Halle, die „eine Ehre und ein Schmuck für diese ausgezeichnete Stadt" werden sollte und bis auf den heutigen Tag geblieben ist. Sie er-v hebt sich unweit der alten Lonja an jenem farbenreichen Markte, der jeden Fremden, zumal in den Marktstunden, bezaubert. Ein Gebäude im Geiste der edelsten spanischen Gotik, breite Flächen und daneben die ganze schwellende Üppigkeit des Ornamentes &Sf 288 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. II. Spanien. 1. Kapitel. § 42 darbietend, vortrefflich gegliedert und aus dem Bedürfnis heraus angeordnet. Wer vom Markt in den Bau eintritt, steht plötzlich in einer hohen gotischeu Halle von 21 Meter Breite, 36 Meter Länge und von 17 Meter Höhe, deren Gewölbe von acht schlanken freistehenden Säulen getragen werden, die in Spiralen über eine Art von Kapitalen weg die Bippen der kunstvollen Gewölbe zur Erde zu den Sockeln hinabführen. In der Höhe der Kapitale zieht eine Umschrift herum: Iuclita domus sum, annis edificata quindecim. Gustate et videte, concives, quoniam bona est negotiatio, quae non agit dolum in lingua, quae jurat proximo et non deficit, quae pecuniam non dedit ad usuram ejus. Mercator sie agens divitiis redundabit et tandem vita fruetur aeterna. 1 Noch heute dient die Sala de contraetatiön dem Börsengeschäfte, in älterer Zeit aber auch dem Warenhandel—nicht etwa dem Seidenhandel allein—, während der ölhandel in der alten nahegelegenen Lonja verblieb. Da erschienen die Fremden auch, wenn sie nur Neuigkeiten vom Handel und anderen Dingen hören wollten. „Daran liegt die Kunst, daß Ihr Euch mit den Leuten haltet, daß man gerne mit Euch zu schaffen hat. Es war Gewohnheit zu Valenz, sich in die Logya zu den Leuten zu fügen, so hört und sieht einer die Läufe." 2 In der Halle der Lonja standen auch der Tisch und die Geldkisten der städtischen Wechselbank: Taula de cambis de la Oiutat de Valencia, die von 1407 an unter der Leitung von zwei regidors bis 1418 bestand und 1517 erneuert wurde. Ein in der Architektur deutlich hervortretender Flügel, der von der Sala de contraetatiön durch die kunstvolle Wendeltreppe, die Kapelle und das Gefängnis der Kaufleute getrennt ist, dient dem altberühmten Handelsgerichte als Sitz, das König Peter III. zugleich mit dem Konsulate für Valencia schuf, das als die älteste spanische Nachbüdung italienischer Vorbilder gilt. Zum ersten Male erscheint Valencia in zwei für deutsche Kaufleute ausgestellten Geleitsbriefen des Königs Ferdinand von 1415, sie wurden vier Kaufleuten von Nürnberg und vieren von Freiburg im Üchtlande gewährt. Doch steht nicht fest, daß sie wirklich an der Turia erschienen, es heißt nur, die Aufkündigung des Geleites solle in Barcelona, Valencia und Mallorca an sie oder an Vertreter ihrer Nation erfolgen dürfen. 3 Die Nachrichten über deutsche Kaufleute, die dort ihren Aufenthalt hatten, gingen bisher nicht über 1447 hinaus. Im Archivo general del Beino di Valencia fand ich aber einen aus dem Jahre 1434 stammenden Erlaß in einem Prozeß des ,.Abel de Colunya mercator Alemannus Valentie commorans" gegen Valencianer Kaufleute in 1 Während des Baus sah 1494 dieses Gebäude der Nürnberger Arzt Münzer: „praeclarissima domus consumata usque ad testudinem, que cito etiam fiet". Itinerarium S. 23. 2 3, 81. 3 Häbler, Zollbuch, 4, 351 ff. ■BBBHHBi Wm ■BHi I I ■ EBB I Lonja. Erstes Auftreten der Deutschen und der Gesellschaft 289 einer Versicherungssache. Der Kölner Abel Kalthoff benutzte also die Schiff sversicherung, und wir erkennen bereits die Verbindung von Köln, Brügge und Valencia, die uns noch mehrfach beschäftigen wird. In einem Anhang zu diesem Abschnitte werde ich die Beziehungen der Kölner zu Valencia kurz besprechen. Die genauere Nachricht über den Aufenthalt deutscher Kaufleute in Valencia vom Jahre 1445, die näher unter Barcelona zu behandeln ist, ist aber zugleich ein Beweis, daß die deutschen Kaufleute, von denen besonders die Gesellschaften des Jos Humpis, Kaspars von Watt (aus St. Gallen) und des Johann von Köln genannt werden, sich als rechtschaffene Leute die Achtung der Stadt Valencia erworben hatten, sonst würde sie sich nicht für sie an den König und nicht in so warmen Worten an die Stadt Barcelona gewendet haben, wo die Gesellschaften auf Veranlassung einer lasterhaften Person und aus falschem Eifer waren belästigt worden. 1 Die Jurats von Valencia hoben die großen Vorteile, welche die Kaufleute ihrer Stadt durch den großen Umfang ihrer Geschäfte darbieten, und die Dienste, die sie dem Könige, den Nutzen, den sie seinen und des Landes Abgaben bieten, und den großen Nutzen, den sie der Öffentlichkeit gewähren, hervor. Ausdrücklich heißt es, daß sie ein Haus in der Stadt Valencia halten, also dauernd angesiedelt waren. Wie wohl sich die Bavensburger Gesellschaft fühlte, haben wir daran gesehen, daß Jos Koler dort ein Klösterlein begründete, 2 das von der Gesellschaft vielfach beschenkt wurde. Wir dürfen aber wohl ruhig noch weiter zurückgreifen. Vor allem schließt auch das große Privüeg, das König Alfons im Jahre 1420 für die Deutschen und Savoyer erließ und das uns bei Barcelona näher beschäftigen wird, auch ausdrücklich das Königreich Valencia ein, das mit der Krone von Aragonien seit 1238 vereinigt war. Jedenfalls war dieses Privüeg der sichere Boden für die Deutschen; von einer Vertreibung der Deutschen infolge von Krieg oder Unruhen, von ernsten Schwierigkeiten erfahren wir nichts. Soweit das die erhaltenen Quellen sichern können, hat man den Eindruck, daß gerade Valencia das sicherste und ruhigste Gelieger der Bavensburger Gesellschaft darbot. Die Untertanen del Emperador d'Alemanya e del Duch de Saboya mußten für den Schutz, den diese reichen Privilegien gewährten, ein dret real, eine Abgabe von 4 diners per libra des Wertes bezahlen, also eine Steuer von y^ des Wertes, gleichgültig ob die Waren in das Gebiet der Krone eingeführt (entrada) oder aus ihm ausgeführt wurden (exida). Das dret de Italyans betrug 3 diners, also y^ des Wertes, die Höhe des dret de Genoves ist mir nicht bekannt. Außerdem waren die alt üblichen allgemeinen Zölle zu bezahlen: 1. peage, peatge für den Zentner 1 ß; 2. die leuda, wohl zweifellos lo dret de 1 3, 517 f. Vgl. unten S. 334. a Vgl. oben S. 225. Sein Aufenthalt dort ist auch 3, 498 bezeugt. Vgl. dazu unten S. 511. Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 19 um HflflHBw 290 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. IL Spanien. 1. Kapitel. § 42 la leuda del cap de Tortosa nach einem nach den Warenarten schwankenden Tarife; 3. die entrada, wo der Wert geschätzt wurde und dann vom Werte 2 x / 2 —3 den. per libra erhoben wurden; 4. die cisa, sisa, die Akzise vom Verkauf, 3 den. per libra, endlich 5. die Gebühr vom Unterkauf. , ^ Wir haben von 1478 genaue Angaben für die Unkosten für einen Ballen Leinwand, die von Bouc bis zum Verkauf in Valencia erwuchsen: Leinwand Nolit von Bouc bis Valencia Entladen am Grao von Valencia Porteder, Port vom Meere her bis Valencia ...... Leuda .......... Peage (7 Zentner)..... Dret real geschätzt == . 50» entrada geschätzt = . . 45» Aczise zu.......70» Unterkauf......... St. » Galler ß A 14. — Eavensburgei ungereit » ß ,3, — 14. — Eavensburger schmal » ß $ — 14. — ■ —■ — 8. ---------8. •—■ — 8. — — 6. 1. 8. ---------6. — 1. 8. — 6. 1. 8. 1 7. — 16. 8. 11. 3. 17. 6. 4. — — 7. — 45» — 15. — 458? — 11. 3. 47» — 11. 9. — 4. — 35» 35» 38» — 7. — 11. 8. 8. 9. 9. 6. 4. — 3. 13. 3. 3. 5. 10. 1. 17. 7. Es wäre nun für die Handelsgeschichte eine Quelle ersten Banges, wenn sich in Valencia ähnliche Verzeichnisse über das Dret real erhalten hätten, wie sie über Barcelona so helles Licht verbreiten. Aber meine Hoffnungen wurden getäuscht und bald fand ich auch die Erklärung. Die Bechte wurden verpachtet, ich sah solche arren- daments von 1431 an, und zwar wurden zunächst verbunden die pesa, leuda und das dret des Italians. In der Zeit von 1431 bis 1449 fand ich Pachtsummen zwischen 79000 und 160000/? (1447), von 1438 alle über 104000 ß. Nach meinen weiteren Notizen waren von 1462 bis Ende 1464 an Peage, Leuda, dret des Italians i de Alamanys an Johan Solanes und Dyonis Bossel mercaders de Valencia für jedes Jahr gegen 113300 ß verpachtet, von da bis Ende 1467 an Luis de Sant Angel und Johann Solanes für 123037 ß, von da an hatte Luis de Sant Angel Vater und Sohn nacheinander die Pacht, 1468 und 1478, wie 1484 für 117 000 ß, seit 1472 war auch das dret de Genoveses hinzugekommen. Nach meinen später nicht mehr kontrollierten Notizen hat noch bis 1491 der Pachtvertrag des Luis de Sant AngeL gegolten, womit die nächste Angabe aber in Widerspruch steht. Über Luis de Santängel den Jüngeren wären genauere Nachrichten schon deswegen sehr erwünscht, weil er es gewesen ist, der bei dem Königspaare Ferdinand und Isabella die Bitten Kolumbus um die Gestellung von Schiffen für die erste Entdeckungsfahrt aufs wärmste,, wohl entscheidend unterstützte. Er war damals zwar nur escribano real de racion, ein Untergebener des Maestro Bacional de Cataluna. Aber als Zollpächter hatten er und sein Vater solche Mittel gewonnen;, ■■ Abgaben. GeleiteJ 291 daß er aus seinen privaten Mitteln 140000 maravedis „für die Bezahlung der Karavelen, welche Ihre Hoheiten nach Indien schicken und um Cristobal Colon, der auf dieser Armada mitging, zu bezahlen." 1 Der Entdecker der neuen Welt schrieb ihm bei seiner Heimkehr sofort einen eingehenden Bericht über seine Erfolge. Der 2. Band der Arrendements beginnt mit 1488, und enden die Verträge mit 1506, nunmehr sind verbunden verpachtet lo dret de peage, la leuda del cap de Tortosa, lo dret de Itabans, lo dret de Alemanys und lo dret Genovex. Pächter sind: Bernart Catala ciutada de Valencia . Johannes Alberts civis civit. Valentine Jaeme Bius mercader de Valencia . . Mcolau Catala mercader de Valencia Janiot Sanchez de Valencia..... Luis Monred mercader de Valencia . Beginn Jährlich . . . 1. Jan.1484 177 000 ß . . . 1. Jan.1488 .■".". 1. Jan. 1491 161500 ß . . . 1. Jan. 1495 141 000 ß . . . 1. Jan. 1499 140100 ß . . . 1. Jan. 1503 122 000 ß bis Ende 1506 Eine Gesamtsumme der Boheinnahme habe ich für 1492 mit 176645 sol. ermittelt. 2 Von den Zollpächtern stand in sehr freundschaftlichen Beziehungen zur Gesellschaft Bernhart Catala. „Er traktiert uns in solchem Maß, daß wir ihm billig dienen sollen, denn es ein Mann ist, der uns auch wohl mag dienen." 3 Die Gesellschaft hatte ein für die Länder der Krone Aragon geltendes Geleit vom König. Als Ferdinand 1479 nach dem Tode seines Vaters Don Juan den Thron bestieg, hielten die Bavensburger es für das beste, daß man das alte Geleit hervorhole und, wenn es auch etwas koste, mit Hufe von Bittern, die gute Freunde der Gesellschaft seien, und der Deputierten der Stände um ein neues beim neuen König in Saragossa zu werben. 4 An die acht Deputierten der aragonesischen Stände dachte man deshalb, weil diese zwischen den einzelnen Cortes fungierenden ständischen Vertreter die Pflicht hatten für die Sicherheit der fremden Kaufleute und deren Waren zu sorgen. 5 Es dauerte aber bis in den Oktober 1480, daß man diese Aussichten verstärkte. Damals erwartete man den König in Saragossa, und Pedro de la cavaleria war bereit, die Sache zu fördern, es stand nur um 1 Bofarull y Broca, Historia deCataluna, 6, 405. 2 Das kann zu einer gan2 rohen Berechnung des Wertes von Ein- und Ausfuhr dienen. Die Deutschen zahlten vom Ballen Leinwand im Verkaufswerte von 70 U : 25 /? 4 ^| Abgaben. Wegen des niedrigen Satzes der Italiener rechne ich als Durchschnitt 25 ß. Das ergäbe bei der angegebenen Roheinnahme einen Warenwert von 494 606 U Val. Die Summe ist aber schon deswegen zu gering, weil der Zoll nur die Einfuhr begriff. 3 3,105 f. 183 und 190. 4 Die in Valencia meinten, sie wollten es beim Eintreffen des Königs zuwege bringen. 3, 100. 152 f. Danach könnte es scheinen, als ob die Deutschen zu Saragossa auch einen Generalpaß hatten, der 1479 ablief. Schmidt, E. A., Geschichte Aragoniens im Mittelalter (1828), S. 443. SÜ 1 wmmm mt 292 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. IL Spanien. 1. Kap. § 42. 43 das Siegel, aber der, der es zu verwalten hatte, war ein guter Freund Pedros. 1 Doch erst am 28. März 1481 kam der König nach Saragossa. Sein erster feierlicher Einzug in die Hauptstadt seines Eeiches hatte am 28. Juni 1479 stattgefunden. 2 § 43. Warenbestellungen 1472. Warensummen 1479 und 1480. Offener Laden für den Kleinhandel. Niedergang der Bodega. Klagen über Valencia. Das Zeugnis Münzers. Geldhilfe nach Saragossa. Von dem Umfange des Geschäftes der Eavensburger Gesellschaft in Valencia gibt uns zwar keine Jahresrechnung Kunde, wohl aber eine Anzahl von genauen Berichten. Im Jahre 1472 bestellte Diepolt Bucklin für das Gelieger 14 Ballen schwäbischen Barchents, an Leinwand 60 Ballen von St. Gallen, 40 von Bavensburg und 28 sonstige, im ganzen 142 Ballen deutschen Gutes. Dabei hatte er noch 48 Ballen Leinwand auf Lager ohne die, so auf der Straße war. Weiter bestellte er 280 Ballen mit Cane- masserie und Burdat, 134 Ballen fanden sich noch auf Lager. 3 Vollständigeren Überblick gewähren die zwei prächtigen Berichte Hans Hinderofens vom 25. Juni bis 1. Juli 1479 und vom 29. August 1480. 4 Um möglichst die Warensumme geschlossen herauszubringen, sind die am Lager, die angekommenen, bestellten und abgegangenen zusammengerechnet. Valencianer Ausfuhr: 1479 Eeis in Ballen (nach Flandern, Genua)........... 290 Saflor in Ballen (Flandern) ... 6 Kommin (Flandern)...... 34—4 t Melasse (Flandern) Fäßlein ... 42 Mandeln in Ballen (Flandern) . 200 Batafaluga in Ballen (Flandern) 6—10 Anis (Flandern)........ — Datteln (Flandern)...... — Weinbeeren (Flandern)..... 2—300 Quint. Wolle (Genua)........ — Seide von Almeria (Genua). . . Seidengarn von Almeria (Lyon) 3 Färdlein Seide von Valencia (Gen., Fland.) 3 Fardel Grana (Genua)........ 2 Ballen Wachs, (Avign., Genua, Mailand) 42 costal Zucker (Lyon, Genua) .... 55 Zentner Leder (Genua)........ — 1480 47 s 100—150 rubb. 30 80 8—10 7« 100 Quintal 2 6 costal 54' 12 Ballen 883—997 Camps 410—462 1 3,193f. 2 Zurita, Anales de la Corona de Aragon 20, 305. 3 3, 235—237. <3,97—115.120—124.183—190. 6 3,423. 6 Ebenso. ' 47 Kisten= 23V s Zentner wurden auf die Lyoner Novembermesse gebracht, 3, 212. 4 Kisten in Brügge, 3, 423. ilSf! •§¥» äS?P Ml^BB I HH ■ l N i ■ e n n Wareneinfuhr und Ausfuhr 293 Einfuhr nach Valencia: Barchent (von Mailand) .... Barchent (St. Gallen)..... Bonnette (Mailand)...... Nadeln (Mailand)....... Eisendraht (Mailand)..... Nägel (Mailand) .......... Nadeln nnd Scheren (Mailand) . Fil, Merceria und Bonnett (Genua) Holl. Leinwand (Brügge) . . . . Hochstraß Leinwand (Brügge) . Fil d'Onardo......... Fil de Balesta ........ Spella, gluffa (Brügge) .... Eodia (Brügge)........ Arras (Brügge)........ Bonnetten (Brügge)...... Batinger Scheren (Brügge) . . . Messer von Brüssel (Brügge) . . Leuchter, Messer (Nürnberg) . . Kupferplatten (Nürnberg) . Messing (Nürnberg)...... Barchent von Cambrai .... Barchent von Ulm ...... Canemasserie (Lyon)...... Burdat (Lyon)........ Leinwand (Bavensburg) .... Zinn............. Ballen 15 „, 24 Kisten 1 Ballen 12 28 8 1 1 18 2 Kisten 8 Fäßlein 18 Kisten 6 Ballen 38 Unbestimmt Unbestimmt Lägel 4 Quintal 28 Ballen 5 9 5 157 6 5 —14 4—6 Unbestimmt 4 (anderes unterwegs) 1 2 3 (u. 534 Maß) 24 2 30 Unbestimmt 200 Stück 30—35 Quintal 10—12 400 48 nach d. Willen d.Herren, Unbestimmt 1506 8 Camps 399—401 559—568 Unter der Voraussetzung, daß meine Auszüge aus den dicken und sehr schwer leserlichen Bänden „Peatge"von 1503 und 1506 vollständig sind, ergibt sich folgende Tabelle der Einfuhr: 1503 Gewebe: Leinwand (teles), von Genua kommend 38 Sayes aus Wolle............3 Baumwollstoffe (bombasines)...... 2 Barchent...............7 Canemasserie (teles senas) .......40 Teles refetes.............— (Taula) chamelots, Kamelhaarstoffe . . . 1 Metallwaren: Messing und Messingblech ... 5 Stahl ................3 Kupfer 91 96 Eisendraht..............10 Merceria...............20 Nadeln ...............1 71 16 1 12 18 757? 7 22 — 50 816 (59) : Lebensmittel: Lombardischer Käse 1 — 142 912 (155) 1 10 Ballen (dabei 1 Ballen Arras und Nivelles), 3, 430. ' 294 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. II. Spanien. 1. Kapitel. § 43 In welchem Hause die Gesellschaft ihr Gelieger hatte, wird nicht näher angegeben. Aber neben dieser Stätte des Groß verkauf es hatte man — als einzige Ausnahme unter allen Geliegern — in Valencia noch einen offenen Laden für den Verkauf per menutt um 40 U jährlich gemietet, und da wurden vor allem mailändische, nürnbergische und flämische Metallwaren (Pfennwerte, merceria) verkauft, auch Mützen, Leinwand. Es wurde auch auf Kredit gehandelt. 1 Die Gefahren, durch eine Kleinverkaufsstätte einige Großabnehmer zu verlieren, wie die Massips, die als die besten Kunden der Gesellschaft erscheinen, trat 1477 besonders heftig hervor, als einige Gesellen verlangten, daß außer der Bodega, die man schon hatte, noch die besondere Bodega Philipp Wieslands übernommen werden sollte. 2 Darüber kam es zum Bruche. Die eigene Bodega hatte vor 1477 gute Geschäfte gemacht, dann aber kamen üble Zeiten. Sie lag in der Puerta nueva und damit ist eine Straße gemeint, die vom Markte durch den Mauerdurchbruch (trench oder puerta nueva oder puerta de Tudela) in den Kern der Stadt, wie sie in der arabischen Zeit sich ausgedehnt hatte, führte. In unmittelbarer Nähe der alten wie der neuen Lonja, in allernächster Nähe des Marktes hatten also die Bavensburger ihre Bodega in einer vortrefflichen Geschäftslage. 3 Doch diese früher ertragreiche Lage ward eine schlechte. Hinderofen schreibt 1480: „Von der Botig wegen, darinn schafft man wahrMch per menut sehr wenig. La puerta nueva ist ganz zu einer Hure geworden, es sind viele Krämer darin, und diese geben nur um Geld zu lösen billiger, als sie es gekostet hat; neben solchen kann man nichts schaffen; bei etlichen wird es allerdings nicht lange währen." 4 Schon im Jahre zuvor hatte er geschrieben: „Wahrlich, es ist so ein arm Ding um unsere Bodega geworden, daß wir in Klein öfters des Tages unter 2 U lösen als darüber, was doch ein schandbar elend ding ist." Unter den konkurrierenden Krämern waren — so sind die weiteren spitzen Worte sicher zu verstehen — auch Deutsche. 6 Schon damals hatte Hinderofen vorgeschlagen, ob es nicht rätlicher sei, die Bodega in das Haus der Gesellschaft zu ziehen, wo man statt dreier nur zweier Personen bedürfe. 6 Und im Herbst 1480 wollte man es entscheiden: „Es liegt uns groß Geld auf der Bodega und gehen große Kosten darauf; wenn sie denn nicht mehr Nutzen tragen wollte, so wäre vielleicht das Beste, sie in das Haus zu ziehen. 7 An der Spitze der Bodega stand ein Obmann, der eigene Bech- nung führte, eigene Bestellungen machte, doch dabei wohl von dem Willen des Obmanns des ganzen Geliegers abhängig war. 1 3, 151. 2 3, 53. 3 Die Ortsbestimmungen nach Marquis de Cruilles, Guia urbana de Valencia, 2, 191 f. Die vom Markte nach N. gehende dritte Gasse östlich der Lonja heißt Calle nueva, die vierte Calle Trench, beide sind noch heute sehr verkehrsreich. Das zur Stadt zur Turfa hinausführende Tor Puerta nueva kann nicht in Frage kommen. 4 3, 188. 6 3, 99. 6 3, 99. 144. 7 3, 182. ■w&ssä ■ ■■■''■'■■■ BWrrrnTTT^niiii ■ ■■■■ ^B Kleinverkaufstätte. Schwanken des Handels 295 Das Sinken des Ertrages des Kleinverkaufes in der Bodega ist auch bei dem Großverkaufe zu verfolgen. 1 „Ihr dürft nicht denken, es sei so, wie einst. Wir tun nichts als immerdar eins an das andere zu flicken und können dennoch weder waten noch schwimmen." „Wisset, ganz Valencia ist zu einer Hure geworden." Doch war das nicht von Dauer. Der Nürnberger Arzt Hieronymus Münzer, der in Barcelona wie in Valencia von den deutschen Kaufleuten unterrichtet wurde, schreibt 1494: „Der Handel und die Kaufmannschaft von ganz Spanien war vor 50 Jahren am stärksten in Barcelona, • wie jetzt der oberdeutsche Handel in Nürnberg blüht. Aber wegen der Aufstände und des inneren Krieges verzog sich der Kaufmann nach Valencia, wo jetzt der Hauptsitz des Handels ist." 2 Es war nicht Unrecht, wenn die Deutschen zum Unterschiede von Valence die spanische Stadt Großvalencia nannten. Diese Angaben dürften die Sache durchaus richtig darstellen; denn, wenn auch 1478/79/80 unsere Briefe bitter klagen: „Es hat nicht mehr die Gestalt um Valencia als einst oder auch nur vor einem oder drei Jahren," „alle Waren liegen so ganz am Bücken," „das letzte Jahr verdarb die Bechnung," so war das doch wohl nur ein kurzer Eückschlag; denn gerade entschloß man sich in Valencia zum Bau der großen Lonja, und einzelne Gründe der Stockung kennen wir auch: einmal die Münzänderung und dann erscheint die ordnende Hand der tüchtigen Königin Isabella, die in das benachbarte, tief zerrüttete Beich Kastilien Ordnung brachte. Sie war Ende 1474 zur Herrschaft gelangt, 1476 wurden die Bortugiesen entscheidend geschlagen, damit hatte die kluge wie willenstarke Königin freie Hand für Beformen,und die erste ihrer organisatorischen Großtaten richtete sich gegen die Unsicherheit der Wege, sie schuf damals die Heilige Hermandad, die starke Bolizei, die auch die wüdesten und ödesten Bf ade in dem menschenarmen Lande sicherte. Die Bavensburger schoben diese Sicherung des Landes Kastilien nicht der Königin zu, sondern ihrem Gemahl, dem König Ferdinand von Aragon. Man war in Valencia mit Garn von Audenarde überladen. „Es stecken alle Winkel davon voll und hat ganz keinen Verschleiß mehr nach Kastilien. Seit daß dieser Herr König ist, kaufen die Kastilianer kein Gut hier; denn er hält dort das Land so friedlich, daß man ihnen genug von Flandern, Lyon und Frankreich nach Kastilien bringt, was sie bedürfen. Es will nicht mehr eine Gestalt haben um Valenzia, als vor Zeiten, wenn einmal eine Ware eine Weile in calma stand, daß sich das über Nacht verkehrte und requesta gewann." 3 War bis dahin für die Kaufleute Neukastiliens Valencia der bequemste, weil nächste Blatz auch für flämische Waren gewesen, 1 3, 107. 110 f. 147 f. 152. 2 Itinerarium Hispanieum 1494—95, herausgegeben von L. Pfandl, Sonderausg. aus Eevue Hispanique, Bd. 48, S. 23. 3 3, 107. M. 296 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. II. Spanien. 1. Kap. § 43. 44 so erstarb dieser Verkehr und wendete sich den etwas weiteren Landwegen zu, die vom Atlantischen Meere her die Ware brachten. Für Valencia fiel damit ein Teil seines Handels fort, aber auch nur ein Teil. In der älteren Zeit unserer Papiere lieferte Valencia einen Barerlös, einen Überschuß des Ertrages der Einfuhr über die Ausfuhr, und dieser Geldüberschuß wanderte nach Saragossa, um dort den umgekehrten Zustand zu beseitigen. Der Verkaufsüberschuß von Valencia gab die Mittel zu ausgedehnten Safrankäufen in Aragon, und damit war der Kreislauf geschlossen. 1 § 44. Warenausfuhr und -einfuhr. Ausfuhr: Zucker. Eigene Raffinerie. Konkurrenz von Madeira. Seide. Grana. Reis. Datteln. Mandeln. Feigen. Anis. Kümmel. Weinbeeren. Saflor. Pomeranzenöl. Wachs. Felle. Tuche. Esparto, Töpferei. Anderes. Süßigkeiten. Einfuhr: Leinen. Barchent. Metalk und Metallwaren. Anderes. Keine Geldgeschäfte. Schuldner. Kundschaß. Verwendung des Überschusses. — Alicante. Kommissionär. Bericht Münzers. — Almeria, Granada. Nur die Mötteli. — Mallorca. Procurador. Bei der hohen Bedeutung einzelner Gewerbe von Valencia war die Ausfuhr von bearbeiteten Waren auch für die Gesellschaft nicht ganz gleichgültig, tatsächlich lieferte aber der Beicbtum der Natur des Königreiches wie damals allgemein und auch heute noch der Ausfuhr weit mehr rohe Naturprodukte oder solche, die doch nur einer einfacheren Bearbeitung waren unterzogen worden. Das Königreich der Gärten zog noch dazu Früchte heißerer Landschaften auf seinen Markt. Der Botaniker hat an diesen Waren seine größte Freude. Der Nürnberger Arzt Münzer aus Feldkirch, ein Mann, dessen Bedeutung erst jetzt zur Geltung kommt, 2 beginnt seinen Abschnitt über die Früchte Spaniens mit dem Zucker. „In den fruchtbaren Gefilden von Valencia wächst in großer Menge Bohrzucker, ich habe ihn in einem Hause in unermeßlicher Fülle kochen gesehen. Wieviel Formen sah ich, in die sie den Zucker gießen, um ihnen die pyramidale Gestalt zu geben! Es war eine große Arbeit, die viele Hausleute verrichteten. Wir sahen, wie der Zucker geklärt, gekocht und was schwieriger war, herausgeholt wurde, Kandiszucker zu bereiten. Es war ein für uns sehr interessantes Schauspiel. Wir sahen auch das Bohr, wie es wächst, und aßen den Zucker, den wir aus dem Bohre sogen. Der Herr der Anlage, ein vornehmer und vertrauenswürdiger Mann, sagte uns, daß in den Orten um Valencia jährlich gegen 6000 carga (das sind 10000 Nürnberger Zentner) fabriziert werden." 1 1477 war Saragossa ganz auf das Valencianer Gelieger angewiesen, das mit 10 000 sueldos= ö00# eingreifen wollte, 3, 66. 1479 Warnung auf Valencia zu rechnen, 3, 112. 1480 Aushilfe aber zögernd, dann reichlicher, 3, 138. 152. 160. 162. 164. 174 f. 191. 2 Vgl. über ihn unten § 86. Zucker. Eigene Raffinerie. Seide 297 Wäre 40 Jahre früher Münzer nach Valencia gekommen, so würden ihm die Eavensburger eine von ihnen selbst betriebene Zuckerraffinerie haben zeigen können. Die Gesellschaft hat Jahrzehnte hindurch die Herstellung des Zuckers auf eigene Kosten mit eigenem Geschirr und unter Leitung eines eingeborenen Mannes mit Erfolg betrieben, und zwar in derVega von Gandia in dem Dorfe Beal an dem linken Ufer des Alcoy, in einer der allerbesten Lagen für den Anbau des Zuckerrohres, auf einer Besitzung Don Hugo de Cardonas. Die Arbeiter waren größtenteüs Mauren. 1 Hier ging also die ravensburgische Kaufmannschaft zum gewerblichen Betriebe über. Der Vertrieb des Valencianer Zuckers der Gesellschaft ging nach Flandern, Lyon, Genf, den italienischen Plätzen, Bavensburg, Nörd- lingen, Nürnberg und Frankfurt. Die Entdeckung der Insel Madeira und die Verpflanzung des Zuckeranbaus auf diese Insel, wo die damals vorhandenen großen Waldungen, nach der die Insel ihren portugiesischen Namen erhielt, weit reichere Brennstoffe liefern konnten, als bei Valencia zur Verfügung standen, vertrieben den valencianischen Zucker vom flandrischen Markte und machten ihm ihn auch sonst streitig. Unter diesem Drucke kam die Gesellschaft 1477 zu dem Entschlüsse, die Zuckermühle und -siederei ganz aufzugeben; wogegen die Genossen in Valencia sich sträubten. Von da ab wurde die fertige Ware eingekauft. Den Bavensburgern gebührt also der Buhm, als erste zu den Betriebsformen in fremden Ländern übergegangen zu sein, die dem Kolonialleben den Charakter geben. Die erste Folge des eben angebrochenen Zeitalters der Entdeckungen traf die Eavensburger, es war die erste große kolonisatorische Verpflanzung von Fruchtgewächsen, die von den Abendländern ausging, die Eavensburger hatten zuerst unter den Deutschen die Hand an kolonialer Produktion ruhen, sie zogen sie geängstigt zurück, statt der wandernden Produktion zu folgen. Von ihnen kannte niemand den Markt von Lissabon, und nur mit königlich portugiesischen Privilegien wäre es möglich gewesen, dem Zuckerrohre zu folgen. An Melasse (Sirup), den man nach Flandern verfrachtete, hatte man keinen befriedigenden Gewinn. An zweiter Stelle nennt Münzer die Seide, die in großer Menge und guter Qualität gewonnen werde. „Wir haben unzählige Stätten in Valencia gesehen, wo Seide gewonnen wird." Die Eavensburger haben auch diesen Artikel zur Ausfuhr auf alle ihre Plätze gebracht, nur in Frankfurt und Nürnberg ist Seide von Valencia nicht nachzuweisen. Weit mehr geschätzt wurde aber die Seide, welche zu Almeria (im Eeiche Granada) gewonnen wurde, auch in Venedig stand sie in höher Achtung. 2 Die Eavensburger kauften sie von 1 Vgl. die Akten eines Prozesses der Gesellschaft 1464 unten 3, 518- 2 Meder, Blatt 23 bezeichnet die von Granada als die beste. -521. ^^^ 298 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. II. Spanien. 1. Kapitel. § 44 Valencia aus auf, während ihre alten Teilhaber, die Mötteli, einen Gesellen nach Almeria gesetzt hatten. Münzers Interesse wendet sich dann der Kermesbeere (grana) zu, über deren Natur er so wenig aufgeklärt war wie andere Zeitgenossen. Von Valencia wurde sie ausgeführt. In den Sümpfen um Valencia hatte der Anbau von Eeis eine alte, lange Zeit seine nördbchste Stätte, an dem Vertrieb beteiligte sich in älterer Zeit in erheblicher Weise die Gesellschaft, so wenig sie sonst für Massengüter sich erwärmte. Avignon, Lyon, mehr noch Flandern, seltener Nürnberg und Venedig sahen die angekaufte Ware zum Verkaufe stehen. Aus den südliehen Teilen des Eeiches Valencia und den nördlichsten des Eeiches Murcia kauften die Eavensburger Datteln, Mandeln von vorzüglicher Güte und auch etwas Feigen, Anis und Kümmel, doch beide nachlassend. Anis und Kümmel gingen nach Flandern, dieser auch wohl nach Lyon und Genf, aber auch nach Venedig. Feigen wanderten nach Eavensburg. An der großen, nach England und Mederdeutschland gehenden Ausfuhr des hochedlen Weines von Alicante aus war die Gesellschaft nicht beteiligt, wohl aber an der von Weinbeeren, von der Münzer schreibt: „Ganze Schiffsladungen mit getrockneten Trauben, die die Sarazenen aufs beste bereitet haben, verteilen sich über ganz Buropa, nach England, Frankreich, Deutschland, Italien usw." Das waren wohl die Fruchtschiffe, von denen mehrfach die Eede ist. Von den Farbpflanzen bildete der von Alicante ausgeführte Safflor einen sehr schwankenden Handelsartikel. Safran, der in Valencia verschifft wurde, stammte aus Aragonien, die Gesellschaft mied es, solchen im Königreich Valencia zu kaufen. Paradieskörner kaufte nur der Konkurrent Mötteli, er mußte sie aus Westafrika beziehen, öl von dem Olivenbaume vermied die Gesellschaft auch hier zu kaufen, Münzer lobt die Süßigkeit des Öls. Dahingegen findet sich einmal Einkauf von Pomeranzenöl. Wir sind damit bereits aus dem Bereiche der innerhalb der Steppen Valencias liegenden Vegen herausgetreten und haben die ersten Produkte, die der nichtbewässerten Landschaft, dem campo secano angehörten, erwähnt. Auch er lieferte den Eavensburgern wertvolle Waren. In erster Linie steht Wachs, das aber auch aus der Berberei kommend in Aücante aufgekauft wurde. Münzer rühmt auch die Wolle. „Es ist auch das Land wunderbar reich an Wolle, die nach Genua und Venedig verbracht wird. Auch machen sie in der Stadt und im ganzen Königreiche edle Tuche." Doch ward von Valencia der Ankauf der Wolle zeitweise auch auf die in Aragonien belegenen Produktionen von Tortosa und aus der Serrania von Daroca ausgedehnt. Auch zottige SchafvUeße und Lammfelle begegnen recht häufig, es war das zeitweise sogar ein sehr starker Ausfuhrartikel pH Eislfi Ausgeführte Waren 299 minder andauernd war der Handel mit Leder und enthaarten Schaffellen. Valencianer Tuche wurden von der Gesellschaft nach Genua verhandelt, sie standen sehr hoch im Preise. Gelegentlich erscheinen auch Bettdecken (flassada) in Ausfuhr nach Italien. Für ein der Steppe Valencias entstammendes Produkt, das sehr viel zum Handel beitrug und noch beiträgt, hatten die Eavens- burger nur einmal Verwendung. 1 Es ist das Bspartogras (Stipa oder Macrochtoa tenacissima), aus dem die Spanier neben vielem anderen Schuhe und die Schiffstaue herstellen^ Münzer schreibt: „Habet item spartum, quod est genus riminis, et junceum, ex quo cordas maximas faciunt sicut vidimus in portu maris Alakant. Et integras naves plenas ad alias regiones mittunt." Diese Grasart gibt der Es- partoformation der meisten südlichen spanischen Steppen ihren modernen Namen und ihren Charakter. Die litorale Steppe, die granadische Steppe vorab, Hefert das Beste, aber sie kommt auch auf der Hochfläche von Murcia vor. 2 Auch die hochberühmte Töpferei des Königreichs Valencia lieferte den Eavensburgern nichts. Münzer singt ihr Lob, in das jeder einstimmt, der die azulejos und andere Produkte gesehen hat: „Item scutelle, disci, fiale et multa id genus adeo subtiliter finguntur, colorantur,ut auro argentoque decorata crederes. Que omnia integris navibus plena ad Venecias, Florenciam, Sibüiam, Portugaliam, Avinionem, Lugdunum etc. empta transferuntur. Et sunt isti figuÜ bene habundantes. Quid plura? mirabüis in terris dominus." Baumwolle wurde nur ganz nebenbei gehandelt, sie ward meist als Verpackungsmaterial benutzt. Unbedeutend war das Geschäft auch in mehreren Artikeln, die ich zum Teil nicht deuten kann: Senasse oder Sessasse, Syvada de Capelans, bermutt (Perlmutter?). Gesellen, die in Valencia geweüt hatten, ließen sich gern von den herrlichen Früchten und Erzeugnissen des Landes kommen, auch wenn sie von der Gesellschaft nicht gehandelt wurden. „Der Herren Frucht", 1476 nicht weniger als 9 Sack, dann auch einzeln aufgezählte Dinge, vorab Confitura, Bosinen, Feigen, Limonen, Kapern, Zitronat, Käse, Orangenblütenwasser, aber auch Brieffaden. Der Deutung spotteten abra de terra, blatz de terra, corses, plattisge, fynettada. Einmal erscheint auch in Zucker eingemachter Ingwer, den Valencia ja selbst bezog. Der größte Teü der Ausfuhr ging wohl dem Werte und dem Quantum nach berechnet in der Zeit der Blüte des Zuckerhauses nach Brügge, wohin auch die meisten anderen Südfrüchte wanderten. Dann kamen die Messen von Genf, später Lyon, Mailand und Genua, namentlich für das entwickelte Geschäft in Wolle und Fellen in 1 S. barsely § 106. 2 Willkomm, Grundzüge der Pflanzenverbreitung auf der Iberischen Halbinsel, S. 99, und die Verbreitungsgrenze Karte II. 300 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. II. Spanien. 1. Kapitel. § 44 den Vordergrund, nach Köln kam Seide und nach Frankfurt und Nürnberg Zucker. Wenden wir uns nun der Einfuhr zu. Aus ihrer schwäbischen Heimat verkaufte die Gesellschaft in Valencia nur Leinwand. Der Anbau des Flachses war im Altertum in Spanien nicht unbedeutend, Tarragona wird wegen seiner Segeltuche gerühmt, wegen seiner Leinenindustrie auch Saetabis (Jativa) und Emporium (Ampurias). Haben die Mauren die Pflanze vernachlässigt oder handelt es sich bei den Alten um Hanfleinen? Auch heute geht der Spanier nur zaghaft an den Anbau der zierlichen Pflanze zum Bedauern mancher Spanier. „Das Land ist heute auf Einfuhr angewiesen." 1 Nach Willkomm, dem gründlichsten Kenner der Flora Spaniens, ist der Anbau von Flachs auf die nördlichen Landschaften beschränkt (Astu- rien, Galizien, Nordportugal). 2 Damit stimmt freilich nicht das „Gemälde von Valencia" von Christian August Fischer (1803) überein, der von Leinenwebereien in der Gegend von Valencia redet; aber da wird wohl eine ungenaue Beobachtung vorliegen und Hanfstoff gemeint sein und nicht Leinwand. Mehrfach wird aber andererseits hervorgehoben, daß die bäuerliche Bevölkerung sich vielfach in Leinen kleidet, wie auch schon ein oberflächlicher Blick es noch heute beobachten kann. 3 Daraus ergibt sich die Möglichkeit, Leinwand von weither in diese Lande zu verbringen, wie ja auch aus späterer Zeit eine Einfuhr von Leinen erwiesen ist. 4 Die schwäbischen Leinen boten der Gesellschaft einst einen vortrefflichen Markt, dann aber war ein starker Eückgang eingetreten, der um 1504 sich wieder hob. Konstanzer und Bavensburger litten am meisten. Ähnlich scheint es mit dem Barchent gegangen zu sein, Konstanzer, Bavensburger und Biberacher erscheinen überhaupt nicht, wohl Memminger, Augsburger, am meisten aber war Mailänder beliebt. In Silber, Zinn und Messing entwickelten sich nur kleine Geschäfte, sehr viel mehr aber in Kupfer, obwohl ja Spanien selbst und auch die unmittelbare Umgebung von Valencia an Kupfererzen reich war. Stahl kam viel von Genua, war also wohl oberitalienischen Ursprungs, Blech von Genua und Brügge. Onzgold wird selten in unseren Papieren erwähnt. Von den sonstigen Metallwaren lieferte Nürnberg Markgewichte, Messer, Spritzen, glatte und gestampfte Schüsseln, Messingdraht und wohl auch Blech. Oft wird Nürnberger merceria genannt. Aus Flandern bezog man Scheren (von Batingen), Messer (von Brüssel), Stecknadeln (diese am häufigsten), auch Schüsseln. 1 Eesena Geografica y Estadistica de Espana 1, 411 (1912). Castel in Boletin de la Comision del Mapa Geologico de Espana 9, 233(1882). Vilanovay Pierain Mem. R. Acad. Ciencias 4, 765f. * Willkomm, S. 83. 3 Z. B. Fischer 2, 83: „ihre gewöhnlichen Stoffe sind Kattun oder Leinwand." Leinene Röcke trugen die Iberer in Hannibals Heere. Reclus, Geographie 1, 784. *SchonUzzano führt unter den wenigen Waren für Valencia die Tele an. (Pagnini) Della Decima e delle altre gravezze (1766) 4, 109. Waren der Einfuhr. Geldgeschäfte. Kunden 301 Sehr erheblich, war der Anteil von Mailand: Eisendraht, Nägel, Nadeln, Schellen waren sehr beliebte Waren, Ketten, Scheren, Messer und andere Waren, die unter dem gemeinsamen Namen merceria gingen. Die feinere Technik des Nürnberger Gewerbes tritt in dieser Auswahl hervor. Der Metallreichtum Spaniens lag damals, mindestens für Valencia, brach. Aus Nürnberg kamen Leuchter, die man in Bürsten verpackte. Auch das Zobelfell ward dort wohl erworben. Von Flandern her bezog das Gelieger von Valencia den leichten Wollenstoff von Arras, Garn von Audenarde und Balletre, Mützen — die auch von Mailand bezogen wurden — und Krapp. Genua erscheint als Lieferant von orientalischem Schamelot und gelegentlich auch Baumwollsamt. Die Oanemaserie holte die Gesellschaft von dem Bhone (Bourg, Lyon). Die Einfuhr nach Brügge war sicher geringer als die Ausfuhr, sonst ist eine Gewißheit nicht zu erlangen. Auch hat sich Ausfuhr und Einfuhr nach den Warengattungen sehr erheblich verändert. Geldgeschäfte betrieb die Gesellschaft in Valencia nicht. Die nachweisbaren Ausstände rühren aber nicht alle von unbezahlten oder nicht völlig bezahlten Warenverkäufen her, manche waren Bardarlehen. Mitunter waren Pfänder gegeben worden. 1 So hinter- lagen Perlen, sollte man sie nicht (gegen Geld?) ausleihen? Das wurde untersagt, es könne nur die Verwandten verdrießen, sollte man sie verkaufen? nur vor dem Gerichte. Es hat nicht den Anschein, als wenn das Gelieger von Valencia mit bösen oder zweifelhaften Schulden sehr belastet gewesen wäre. 2 Von eigenen Schulden, die ja nicht ganz gefehlt haben werden, ist nirgends die Bede. In Valencia hatte die Gesellschaft eine treue Kundschaft, öfters werden die Massipa gerühmt. 3 Das Geld, das nicht dem Gelieger von Saragossa überwiesen wurde oder in Valencia zum Ankauf von Waren diente, wurde durch Wechsel ins Ausland gebracht. So 1477 2000 V. 4 1 Ein Vornehmer seines Standes war unter den Schuldnern Don Juan de Cardona, er hatte anscheinend Pfänder gegeben, die Schuld war in Barcelona entstanden, ohne Pfänder war kein Trost darauf (3, 97. 151). Der alte Zuckermeister der Gesellen Perat Corals war Schuldner für ein erhebliches Bardarlehen. Es galt als verloren (3, 98. 152). Eine „Heide" Mahoma Ruffo Moro hatte schon einen erheblichen Schuldnachlaß erhalten (3, 98). Sehr viel Schwierigkeiten machte der Sohn des verstorbenen Gaspar Valderyola, der selbst zu Montpellier auch noch von einem Gesellen bares Geld entliehen hatte. Gegen ihn ging das Gelieger vor, er aber kam nicht vors Gericht, da wurde ihm ein albaran (Schein) ans Tor geschlagen (3, 99. 114. 152. 189 f.). Frances Pere war ein Bube, gegen den das Todesurteil ausgesprochen war (3, 99). Alfonso Karolen hatte sich mit seinen Gläubigern verständigt (3, 99). Ein langsamer Zahler war der Maure Vernegal (3, 99) und Johann Merkader (3, 99). Martin und Rodrigo de Pagasa, Reeder, hatten große Verluste gehabt, waren aber noch reich genug (3, 106). Mit Perot de Moncada und Sals von Undarra war ein Vergleich abgeschlossen worden (3, 151). Mit Spartza wurde prozessiert (3, 189). Über die Zeckelya vgl. 3, 9. Selbst von den Massipa wollte man einen Albaran (3, 9). 2 3, 80. 3 3, 9. 152. Loys Gyly su Currades (3, 152). * 3, 207. 302 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. II. Spanien. 1. 2. Kap. § 44. 45 So tief die Bavensburger auch in Valencia wurzelten, so vergaßen sie doch nicht, daß sie dort Fremde waren und bereit sein mußten, sich und ihr Gut flüchten und retten zu müssen. 1 Das Gesamtbild der Tätigkeit des Geliegers von Valencia zeigt uns, daß der Wert der Einfuhr den der Warenausfuhr meist wesentlich überstieg. In dem zum Königreich Murcia gehörigen Alicante, das von anderen Deutschen schon um 1480 besucht wurde, hatte damals die Gesellschaft einen Kommissionär in der Person des Antonio Myngott. Er besorgte den Ankauf von Saflor, Kümmel, Anis, Grana di scarlatta, poel di grana und Wachs. 2 Er verlud die Waren, einmal auch in seinem eigenen Namen und unter dem Zeichen des Andres Sattler und nicht konsigniert zu Genua an die Gesellschaft, sondern an deren Obmann Hans Kloter, das geschah um dret real und peage zu ersparen. 3 Was eine Person Na Franca viel für die Gesellschaft tue, daß man ihr Geschenke mache, fragte man von Eavensburg an. 4 Später (1494/95) traf Münzer dort einen zuverlässigen deutschen Kaufmann Jos Schedler aus Kempten, er sagt von ihm: „qui mercantiam nomine societatis ex Eafenspurg ad multos annos exercuit." Das wäre ein weiteres Gelieger. Aber es ist auch möglich, daß der Münzer, der in Valencia bei der Humpisgesellschaft verkehrt hatte, hier die Ankenreutegesellschaft aufsuchte, vielleicht auch den Unterschied der beiden Bavensburger Gesellschaften nicht genau kannte. Der Arzt fand 26 Schiffe im Hafen. Münzer hebt die Ausfuhr von Wein und Mandeln nach Flandern und England hervor. 6 In späterer Zeit hat Alicante Valencia weit überholt. Der Hafen der südlicheren Stadt war weit sicherer als die offene Beede des Grao von Valencia. Jene Stadt lehnt sich an die Berge. Valencia dehnt sich in der Ebene aus. Die Huerta zwängt sich bei Alicante in die Berge ein und wird durch ein altes Beservoir (Pantano) gespeist. Um 1800 war der Handel nächst dem von Cadix und Barcelona der bedeutendste in Spanien, und die Waren, die Laborde und Fischer aufzählten, sind fast alle noch dieselben, die wir in Valencia für die Zeit um 1500 gefunden haben. 6 An erster Stelle nennt Laborde bei der Einfuhr: toiles de la France et de la Suisse, wir finden da die Canemasserie und die Leinwand wieder. Alicante war der südlichste Punkt in Spanien, bis wohin man die Gesellschaft verfolgen kann, die Gesellschaft der Motten" hatte 1479 1 3, 100. 176. Mit Wechseln solle man das Geld aus dem Lande bringen. 2 3, 101. 104. 173. 184 f. 189. 3 3 : 189. 4 3, 153. * Itinerarium 31 ff. Almerfa 37ff. Granada 44-—56. 6 de Laborde, Voyage en Espagne 2. Fischer 2, 78f. 1795 Ausfuhr: Safran 5306», Anis 6975 Arroben, Kümmel 408, Soda 28000 Zentner usw. Alicante. Mallorca. Saragossa 303 in Almeria, also zu einer Zeit, da die Stadt noch zum Kalifat von Granada gehörte, einen Vertreter und ein Gelieger in Granada selbst. Von Almeria, wissen wir, schickten sie die Seide zu Lande nach Norden. 1 Münzer fand dort zwei Deutsche und in Granada sah er Schilder von Deutschen. Auch auf Mallorcä hatte die Gesellscüaf11434 einen Prokurator in der Person eines unbekannten Deutschen. 2 Zweites Kapitel Saragossa. Tortosa. Bilbao. Fuenterrabia. Bayonne § 45. Natürliche Bedingungen von Saragossa und dem Lande. Safran. Rechnung des Dret real von 1430. Anteil der Gesellschaß. Die Handelsgeschichte von Saragossa ist ebensowenig geschrieben wie die von Valencia. Sie hat aber auch weit weniger Quellen, denn bei der berühmten Belagerung der Ciudad inmortal y siempre heröica im Jahre 1809 ist das Archiv der Krone untergegangen. Einiges liefert das Archivo del patrimonio Eeal in Barcelona und das Archivo de la deputatiön provincial in Saragossa. Das nördlichste Steppengebiet Spaniens erstreckt sich vom unteren Laufe des Aragon längs des Ebro bis zu seinem Durchbruche, nordöstlich ist davon abgesondert die katalanische Steppe von Lerida. Inmitten der ungemein weit (270 zu 130 Kilometer) sich erstreckenden öden, meist gar nicht kulturfähigen Fläche waren im Mittelalter wohl erheblich mehr angebaute Stellen als heute, die Vertreibung der Mauren hat sicher den Anbau eingeschränkt. Doch auch damals gab es der Oasen wenige, und war auch damals schon die fruchtbarste die herrliche, heute auch von dem Kaiserkanal bewässerte von Saragossa, der uralten, weitaus wichtigsten Brückenstadt des Ebro. Aragonien hat rings an seinen Grenzen Wälder, wenn auch meist nur Niederwald (monte bajo) und, wenn auch die Berge der zum Teil sehr hohen Gebirge felsig sind, meist doch in der Talsohle fruchtbares Gelände. In diesem Ringe grünender Natur ist die Steppe eingebettet, und darin pulsiert das Herz des Landes, der Sitz der maurischen Herrscher und der christlichen Könige, die sie 1118 einnahmen, Saragossa. Aragonien ist auch kein Land der Welthandelsstraßen. Die Pyrenäen umgeht der Kaufmann lieber, als daß er seine Waren über meist nur im Sommer benutzbare Saumpfade schickt. Im Winter waren nur sehr wenige offen, wie der Puerto de Canfranc nördlich von Jaca. Nach Kastilien führen zwei Straßen über Calatayud und 1 3, 103. 2 3, 512. wm 304 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. II. Spanien. 2. Kapitel. § 45 Tarazona. Der Weg nach Valencia, in seinen höheren Teilen im Mittelalter ein Saumpfad, führt im Gebirge weite Strecken, biegt bei Daroca nach Südosten, überschreitet nördlich von Teruel die Wasserscheide und erreicht dann den Austritt in das Land von Valencia. Weit bequemer sind die Verbindungen nach Katalonien, aber selbst der Ebro hat keine bequeme Pforte und war nicht schiffbar. So war Aragonien ein Binnenland, das für seine Erzeugnisse nicht freie Wege hatte und von Valencia, Tortosa und Barcelona am Mittelmeer, von Bübao an dem Ozeane abhing. So ist es begreiflich, daß das Land seiner Eeichtümer nicht froh wurde, sie ungenügend ausnutzte, in die Fremde nur die wertvollsten Erzeugnisse versenden konnte und von der Ferne nur die notwendigsten Waren kommen ließ. Die Einfachheit der aragonesischen Bauern kannte keinen Luxus, auch die Edeln, die stolz waren, aber bescheiden lebten, und die Bürger wetteiferten nicht mit Valencia, geschweige denn mit denen von Genua, Florenz und Venedig. Ein hartes, auf seine Bechte und seine sehr freiheitliche Verfassung streng haltendes, ernstes, dem Frohsinn wenig geneigtes starkes Geschlecht lebte in Aragonien und in Saragossa. Nicht leicht hätte dahin der oberschwäbische Kaufmann den Weg gefunden, wenn nicht eine zarte Pflanze ihn gelockt hätte, der Safran, und wenn er nicht dann die Wolle ausgezeichneter Schafherden geschätzt hätte, denen er aber nicht so sehr von Saragossa als dem katalanischen Tortosa aus nachgegangen wäre. Doch war die Kultur des Landes im Mittelalter besser gepflegt als nach der Vertreibung der Mauren, nach der Auswanderung nach Amerika und den Folgen der Kriege am Anfange des 18. und 19. Jahrhunderts. Der Nürnberger Tetzel, der 1466 die Beise Bozmitals mitmachte, sagt von Saragossa, daß hier Kaufleute aus allen Landen großen Handel trieben. 1 Die Nachrichten über den Handel der Deutschen in Aragonien setzen mit dem Jahre 1430 ein, geben aber dafür auch einen sauberen vollständigen Überblick. Die Quelle ist die einzige mir zugängliche der bisher im Archivo del Patrimonio Beal in Barcelona ge= fundenen Rechnungen des Dret real, dessen wir bei Valencia schon gedachten und bei Barcelona noch näher behandeln müssen. Das Dret wurde seit 1425 erhoben, man ist aber nicht gezwungen anzunehmen, daß damals zuerst deutsche Kaufleute sich in Saragossa einfanden. Die nebenstehende Tabelle gibt sofort den überraschenden Ein blick in die dauernd unverändert gebliebene Lage des Handels der Deutschen und Savoyarden. Sie brachten vielerlei Güter dorthin im Werte von 5836 U 14 ß, aber sie mußten noch viel mehr bares Geld mitbringen, denn sie führten an Safran für 25097 U 19 ß 3 $ 1 Bibl. d. lit. Vereins 7, 190. WM «Sas»®? 8M Saragossa und Aragonien. Tabelle von 1430 305 © J3 CS » O > C/3 c C HC8ltllOH t-«ll>NO)t"*«C(5IMrt a cqiOMNHHH i-?a i« i i«H ii ii i © cö ©" oö ci in | 06 I 1*1 i j ioejso5-*N'*©d>o •* tf cö ©00CNOO5 W® t- t-lflThNNHHH I I CN O in » «"NIMM II II « n ' * i ■ * i i i i | i i | i i Ht^oJHOJi^ciidd © © t-^ cd rü^rtOOt-^lOiaCO CO CD CM rH -*t-t-"#Trl©c©-*,_| IQ CO CO rH COeq-^WIMrtHHH CM © m © © 00 1-1 © -# CO © CO CM © 00 © © rH © I I © co © oo © CM •s • PI • c3 fn • rH . ä! O O cS 'S'S ö 3 § £ M Ö o ,S.Ski ©H p-1 Ca ; a a & 33 cä' d ® d X) CS ja WÖMrjiErj s ° O cS 1-8 Hj ■s rH O Ö 5 o •d S 5* i-s r3 fr >> cS CP -Ö X o o cS h5 Bjg 1 CS rH T^ XI d o P P P P P P Prate flcö PP P P P P Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 20 CO CS rH Ol S a - § 306 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. II. Spanien. 2. Kapitel. § 45 aus. Die Ausfuhr bestand also, wenn man von 36 U Korallen im Werte von 89 U 2 ß absieht, die von Barcelona gekommen waren, in einer einzigen Ware, in Safran. Diese kleine Pflanze zog die Käufer an, die aber nur so viel von ihren eigenen Waren abzusetzen imstande waren, daß sie ein Fünftei des Ankaufs damit decken konnten. Ohne den Safran hätte sich wohl kein Deutscher oder Savoyarde dauernd dort niedergelassen, obwohl wir bei vieren keinen Safranankauf nachweisen können. Ein Gelieger in Saragossa war aber wegen des schwierigen Safraneinkaufes erwünscht, es lohnte sich aber nur, wenn der betreffende Kaufmann in der Nähe ein anderes Gelieger besaß, das einen Überschuß an Geld ablieferte. Jedenfalls trugen die Fremden eine große Summe Geldes in das Land. Der Handel der deutschen Kaufleute war weit bedeutender als der der Savoyarden. Ein Drittel fiel — genau berechnen läßt sich das nicht — auf die Humpisgesellschaft. An zweiter Stelle steht der auch in Barcelona sehr tätige St. Galler Kaspar von Watt, es folgen Johann von Köln, Bürger von Barcelona, die verschiedenen Spidelli aus Isny, der Savoyarde Jakob Boxello, der aus Freiburg in der Schweiz stammende Johann Beiff, Leonhard Grech (schon früher zu setzen, wenn er mit Leonhard Grip identisch ist), dann Johann Blanch (Hans Wiß von Basel). Alle diese haben über 1000& Umsatz. Unter den weiteren begegnen zwei, vielleicht drei Savoyarden, die aber im Safranhandel nicht viel bedeuten. Es begegnen auch noch ein Basler und auch ein Vertreter der Stadt, die später in Saragosöa erheblich tätig waren, erscheint der Nürnberger Thomas Hallberger, der allerdings noch keinen Safran kaufte. Der Savoyarde Johan del Gorch führte 3 Ballen lestat und mercader ein und zahlte von der Einfahr (535 &) Zoll. Nicht aller Safran, der eingekauft wurde, entstammte Ara- gonien: 2963 U werden als katalanisch bezeichnet, 1653 sind katalanisch sech (trocken), 63 tragen den Namen der katalanischen Stadt Balaguer, das sind 4679 U katalanischer Safran. Dahingegen tragen 12269 die Marke d'Orta, 608 Orta contrafet und 360 Orta lestat. Die Zollzahlung fand nicht immer in Saragossa statt, in vielen Fällen erfolgte sie in Barcelona, und in der Tat lassen sich manche Posten ganz glatt in dem Zollbuch von Barcelona nachweisen, andere wurden wohl umgepackt. Johann Blanch (Wiß) bezahlte regelmäßig in Barcelona, meist auch Kaspar von Watt, Jakob Boxello, häufiger die Spidelb: und die Humpis, wie Leonhard Grech und Johann Beiff. Es würde also zu einem ganz falschen Bilde führen, wenn man die Ausfuhr von Barcelona dieses Jahres zu der von Saragossa hinzufügen wollte. Der Vergleich aber lehrt, daß schon 1430 Barcelona den Haupthandel in Safran an Saragossa abgegeben hatte. mm -'Y.WW Handel von 1430 307 Die Humpis führten ein: 44 Ballen Costances (Konstanzer Leinwand) im Werte von 1628 U 4 Ballen == 96 Stück Barchent........•. . . 172 & 4 Dutzend Füzhüte................ 5 U 42 U nous de xarch, Paradieskörner........ 15 U 16/? Ballen Konstanzer Leinwand Die Spideli . Ballen 14 = 518 U Ballen Barchent 2 == Stück..... 48 == Dutzend Füzhüte.........42 = Tücke von lli u. merceria. Stück . . 4 = fü cruu senar......... U 100 = Paternoster . .'.....Stück 4000 = (Fehler der Zollrechnung 3 U) 86 63 18 7 2 8. 10. 10. 1820 U 16 ß Die von Watt 7=259. t6 336 = 654 16. 107 = 127 — 695 8. 1040 £16. (Auch hier ein Fehler.) Von den übrigen Händlern führt noch der ungenannte Deutsche neben 27 Kisten Spiegelglas (132 U) 5 Ballen Konstanzer ein (185 U), der Savoyarde Grech vorwiegend Canemasserie, 1 Hall- berger Nürnberger Metallwaren, Johann von Köln sehr vielerlei. Von der Einfuhr dieser übrigen führe ich die Gesamtsummen mit dem Werte an: Tuch (drap de pinzell)........20 Stück Canemasserie Macon.........12 „ Canemasserie (vintens de Bellavilla) . . 58 „ Canemasserie (vintens de Benyo) .... 28 „ Filzhüte (capells de feltre)......231 Dutz. Hüte aus Biberpelz (capells de vebres). 5 1 j 2 „ Strohhüte (capells de palla).....ll 3 /4 » Hüte für Geistliche......... 4 „ Bote Strumpfbänder (tirretes vermelles) 6 Gros : Leinenstricke aus Chalon, 1 cordes d axalo de LH..............110 Stück : Hanfstricke aus Chalon, cordes d axalo de canem...............4 „ Tintenfässer aus Hörn, tintes de banya 234 Dutz. ? Schusterdraht (fil de sabater) .... 6 Quint 1 U ■■ Bettdecke (cubertor de lit) von Tournay 1 Stück: Deutsche Messer (ganivets d Alamanya) 256 Dutz. : Messer von Messing.........100 Stück : Löffel von Messing (culleres de lauto) . 1 Gros ; Schmiedehämmer (martells ferrados) . . 6 Dutz. Sporen aus Deutschland (esporons d Alm.) 141 „ Striegel (estryols de roci, de rosins) . . 53 ,, Schellen (cascavells)..........16 Sack : 1 axalo heißt prov. nach dem Orte Chalon die Bettdecke, vielleicht also auch Stricke für Bettdecken. 20 U — 56 U — 87 U — 42 U — 185 U 5/8 36 U — 68 U 11/? 3 U 5/3 2 U 10/8 110 U — 3 U ___ 61 U — 42 U 10/3 3 U — 81 U 18/8 — 10/8 1 U — 3 U 16/8 98 U 5/8 11 U 16/3 4 U — 308 Sechstes Buch. Handel naoh Landschaften. IL Spanien. 2. Kap. § 45. 46 mSm wmm Schellen für Maultiere.........13 „ = 15 U — Pingerhüte für Frauen (didals de dona) 300 Stück = 1 U 10 ß Pingerhüte für Schneider (sastre). . . 4300 „ = 27 U 5 ß Stecknadeln (agullas de cap). . . 1 048 000 ,. = 169 U 8 ß Messingnadeln..........54 000 „ == 5 U 10 ß Messingnadeln............4 Gros = 12 U 2 ß Messingnadeln kleine.......30 000 Stück = 4 U 10 ß Mantelnadeln (agullas de mantell) . 47 000 „ = 16 U 15 ß Nadeln, Mittelsorte (agulla migana) . 24 000 „ = 4 U 12 ß Deutscher Draht (fil blanch d Alam. prim) 52 t6 = 15 U — Deutscher Draht (fil gros blanch d Alam.) iy 2 Quint. 30 ^ — Schusterstifte (tatxa de sabater) . . . 1000 Stück == — 16 ß Winkelmaße (?) aus Messing (quadrants de lauto).............. . 4 Dutz. == 4 U 16 ß Stangen (?) Zinn (mages d estany) oder Einge (katal. malla).........11 ,, = 3 U — Eisenbank (banchal de fer)......1 Stück = — 13/8 Ohrlöffel (scuradors d orelles de lauto) 1000 ,, = 2 U — Besteck für Brillen (estocs de baricles) katal. estoig............6 Dutz. = — 15 ß Schusterahlen (cranxets de sabater) 1 . .500 Stück = — 10 ß Pederspitzer (talla plomes).......17 Gros = 17 U — Bohrfedern für den Schreibtisch (canoques escrivanies)............527a Dutz. = 9 U 12 ß 6 ^ Eohrfedern für Kinder (canoques de infants) 7a >» — — 10 ß Schuhriemen (correges d infants) ... 14 ,, = 3 U 12 ß Scheren mit kurzen Enden oder Gartenscheren, für kurzes Geäst (?) (tesores de remigla pocha)...... -.-... 1107 2 marchs = 98 U 18 ß Paternoster (meist de bruffol) . . 1 650 000 Stück = 82 U 10 ß Schweinsborsten (sedes de porch) . . . . 10 U = 2 U — Hornbrillen (baricles d os) ...... . 7 Gros = 11 U 2 ß Merceria .......... .-.-... 1 Ballen = 12 U — Pedres (Schleifsteine, Feuersteine), pintas (Kämme), Fingerhüte, Merceria ... 2 ,, =.. 8Jäf — § 46. Spätere Zeiten. Ausfuhr: Safran. Wolle. Sonstiges. Einfuhr: Leinwand. Andere Textilwaren. Metalle und anderes. Das Gelieger öfter eingegangen. Schuldner. Verkauf 1506. Geschäftsfreunde. Mauren, Juden und Marranen. Geldversorgung. Gesellen dort und im Lande. Unterbringung des Geliegers. Hausrat. Geleit. Auf die späteren Safrananlegungen ist unter dem Abschnitte Safran in § 111 eingegangen. Hier sei nur bemerkt, daß von 1497 an ein Niedergang der Gesellschaft gegenüber den oberdeutschen Konkurrenten eintrat. Von 1475 an haben wir Nachrichten über den Einkauf von ara- gonesischer Wolle. 2 Die Gesellschaft lehnte es anfangs ab, die Schuren ganzer Ortschaften aus der Serrania von Daroca zu übernehmen, aber später mag sie es doch getan haben. Der Handel 1 Französisoh: ecrancher. 2 Vgl. § 103. ■ ■nrnnm Spätere Ausfuhr und Einfuhr 309 wurde später von Tortosa (Katalonien) aus betrieben, aber es ist doch wohl anzunehmen, daß es sich auch um Wolle von Südara- gonien handelt; sehen wir doch, daß das Gelieger von Saragossa sich um den Ankauf eifrig bemühte. Auch Wolle aus Cuenca (Neu- kastilien) kam in Frage. Noch war die Blütezeit der Merinoschafe nicht gekommen. Auch Lammfelle wurden zeitweise in den Handel einbezogen. Alle anderen Waren kommen nur gelegentlich zur Ausfuhr, wie Schnüre (cordeline). Nicht deuten kann ich Angola und canftyr. Wenn 1478 2 Ballen Korallen und Seide über Saragossa gingen, so waren sie schwerlich dort erkauft. Über sie hatten Verhandlungen mit dem General von Saragossa (wohl dem procurador general) stattgefunden. 1 Die oberschwäbische Leinwand hatte sich in Saragossa gut eingeführt.- Zwar ist es nicht mehr Konstanzer, später verschwindet auch die St. Galler, es bleibt aber die Bavensburger und die von Isny usw. 1478 wurden mindestens 42 Ballen hingeschickt, 3 1506 gibt der Verkaufszettel 201 Stück als verkauft an. 4 Die älteren Berichte reden von sicherem Verkaufe und fordern gute Sorten. 5 An zwei Stellen wird es bezeugt, daß namentlich die Ware auf der feria de Barbastro ging; es bleibt aber zweifelhaft, ob die Gesellen selbst die Linnenstücke in die Berge der Bibagorza auf die im Februar und September stattfindenden Jahrmärkte brachten. Auch gefärbte Leinwand ging mitunter von Ravensburg nach Saragossa. 8 Neben dem oberschwäbischen Linnen hatte seit 1430 sich in Saragossa das holländische einen Markt gewonnen. Zwar war dabei auch wohl üble Ware, doch die gute fand ihre Käufer. 1478 hatte man 4 üble Ballen und 53 Stück, 7 1479 wurden 3— i Ballen bestellt, 8 1480 kamen 7 Ballen, 9 1504 wurden 102 Stück mit 4283 3 / 4 Ellen von Antwerpen gesendet. 10 1506 hatte der alte Lagerhalter 31 Stück übergeben, dazu kamen über Bilbao 5 Ballen mit 84 Stück, davon verkaufte man 112 Stück an 10 Kaufieute, machte dabei einen Gewinn von 24%. Bei den 5 Ballen betrug der Aufschlag der Kosten auf den Einkaufspreis 15,34° 0 . u Unter der Leinwand von 1506 war auch mechelnsche. Mehrfache Versuche mit hennegauischer Leinwand bürgerten die Ware nicht ein. 12 Tischlaken, die wohl von Antwerpen bezogen waren, erscheinen 1506. 13 Seit 1430 hatte die Gesellschaft den Vertrieb von Canemas- serie in die Hand genommen, der von 1474—1480 als ertragreich anzusehen ist, 1478 kamen mindestens 16 Ballen ins Lager, 1506 ward der Artikel aber nicht mehr geführt. 14 Barchent von Maüand wurde regelmäßig beschafft. 15 Minder oft begegnet Ulmer, die Ballen 1 3, 88. 2 S. Leinen. 3 3, 201. " 3, 1S7. 164. 171. 192. 5 3, 240. 6 3, 2. 8. 88. 201. ' 3, 115 (vgl. 208 und 414). 8 3, 138 f. 9 3, 158. 171 f. 178: 192. 10 3, 435. u 3, 241. 12 3, 115. 139. 159. 13 3, 241. M Vgl. 3, 13 f. 77. 118. 240 ff. und unter Canemasserie § 98. 16 S. oben S. 250. 310 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. II. Spanien. 2. Kapitel. § 46 wurden zum Teil erst auf der Lyoner Messe gekauft. 1506 findet sich nur Mailänder Barchent in der Eechnung. Flandrische Tuche fehlen 1430 und 1506, in der Zeit von 1474—1480 hatten aber feinere Sorten in Saragossa Freunde. Es erschienen dort Tuche von Kortryk, Menin, Brügge, Alost (oder Hai). 1 Vor Weihnachten wollte man gern damit versorgt sein. Länger hielt sich der Arras in der Gunst, war auch der Absatz nicht sehr umfangreich, so wünschte man doch zu Ostern einige Ballen zur Verfügung zu haben. 2 In Mützen (bonneten) versorgte man Saragossa von Flandern und Mailand her. Der Verbrauch war zeitweise ein sehr hoher. 1479 bestellte das Gelieger in Flandern 189 Dutzend, in Mailand 71, darunter waren Bestellungen für genau angegebene Kunden, Lux Lombart bestellte 63 Dutzend für sich. 2268 Mützen ist ein guter Bedarf für eine hübsche Huthandlung. 1506 findet sich kein Verkauf mehr. 3 Garn von Audenarde und Tournay, weißes und gefärbtes, wurde in Saragossa gern verkauft. 1480 bestellte man 10 Ballen, auch 1506 schließ man es noch. 4 Flandrische Tapisserie fand seit 1479 in Saragossa Eingang, und gestickte und bedruckte Stoffe bildeten nun eine ständige Einfuhr, die Angaben führen in die verschiedenen Arten der Produktion ein. 5 Die Herkunft zweier Stück Seidenstoffe, die 1506 verkauft wurden, ist nicht angegeben. 6 Ein schlechtes Stück karmoisin Samt blieb übrig. Baumwolle wurde auch geführt. 7 An Metallen erscheinen (in kleineren Quantitäten) am Anfange des 16. Jahrhunderts Stahl, Kupfer (in weit größeren), einmal vielleicht auch Zinn. Onzgold war eine beliebte Ware. An Metallwaren kamen, wenn auch nicht regelmäßig, Messer, Scheren aus Batingen, Blech und Nadeln. Mailand lieferte trotz des kleinen Gewinnes viel Eisendraht, dann Nadeln, Hundsketten und rodetz. Von Saragossa aus bestellten einige Kunden Leuchter in Nürnberg. Schließlich findet sich einmal auch Verkauf von Papier, das doch sicher spanischer Herkunft war. Vergleicht man den Handel der Gesellschaft von 1474 an mit dem von 1430, so ersieht man, daß sie nun nicht nur weit mehr Warensorten einführte, sondern erkennt, daß sie inzwischen eine Verbindung mit Flandern hergestellt hatte. Das spricht nicht unbedingt gegen ein Gelieger in Flandern, nur darf man wohl glauben, daß sie noch keinen Kommissar in Bilbao hatte. Das Gelieger in der Hauptstadt Aragoniens war ein Schmerzenskind der Gesellschaft. Wiederholt hatte man es eingehen lassen, 8 und das herannahende 1 Vgl. § 101. 2 3, 192. Vgl. sonst unter Arras § 102. 3 Vgl. 3, 5. 115. 117. 120. 159. 171 f. 199. 264. 4 Vgl. 3, 5. 115. 139. 159. 172. 192. 241. 415. * Tapisserie § 102. « Vgl. Taffet § 104. ' 3, 248. 8 „Denn vor vielen Jahren hat man mehr denn einmal das Gelieger aufgegeben." 3, 87. Waren. Kunden. Ausstände 311 Ende der Gesellschaft wird durch den Untergang des Geliegers angekündigt. Bin Gelieger, das in einem so wenig aufnahmefähigen Lande lag, das man aber wegen der Safrananlegung aufsuchen zu müssen glaubte, war der Gefahr ausgesetzt, daß man zu viel Waren ausbot, sie verschleuderte und nicht zahlungsfähigen Kunden anhängte. Dieser Gefahren war man sich in Eavensburg bewußt. Einmal erklärten die Herren, sie wollten sich dort nicht allzusehr ausbreiten, 1 sie mahnten, niemand leichten Herzens zu borgen, die Kunden nicht schwer zu beladen. Zweimal heißt es ausdrücklich, wir fürchten Saragossa. 8 Und doch handelten die Gesellen immer wieder nicht nach solchen klugen Lehren, sondern mißachteten sie, bis dann Ulrich Ehinger dem Paß den Boden ausschlug. Dabei schoben die Herren den Aragonesen einen Teil der Schuld zu, ob mit vollem Eechte, mag man bezweifeln. Immerhin hatten sie es mit sehr bunt zusammengesetzten Kunden zu tun, mit christlichen Kaufleuten, mit jüdischen, mit mohammedanischen und mit solchen, die unter dem Drucke der Verfolgungen sich hatten taufen lassen, mit Marranen. „Wir sind nicht im Willen, uns zu weit zu spreiten in Saragossa; denn es ist ein untreues, böses Volk zu Saragossa." 3 „So ist es ein untreues Wesen zu Saragossa und begibt es sich oft, daß die meisten von Euch auf dem Lande und anderswo sind, so wähnt jedermann, alles, womit wir umgehen, sei lauter Gold. Wir besorgen eines Tages sollten wir so um Leib und Gut kommen, als vor Zeiten Mötteli auch geschehen ist." 4 „Seht Euch beim Borgen vor; wir fürchten Saragossa und erkennen doch wohl, daß Ihr ohne Borgen nichts schaffen könnt." 5 Die Herren atmeten auf, als der neue König, Ferdinand (seit Januar 1479), wie die Gesellen schrieben, das Volk kürzer hielt und andere Justitia tat, denn sie vorher da gewesen. 6 Die Zahl der Schulden und der Schuldner ist uns für Saragossa genauer bekannt, als in vielen anderen Geliegern. Schon vor dem Ausscheiden der Ankenreute (1477) hatte man viel böser Schulden 7 und auch Unkosten hatte man zuviel gemacht. 8 Zu den Schuldnern aus Warenverkauf kamen in Aragon auch die Eespondenten, denen man beim Safranankauf zu große Summen in die Hand gab. So ist es erklärlich, daß schon im Juü 1479 6037 U wieder ausstanden, dabei hatte auch mitgewirkt, daß die Kunden in Erwartung des jungen Königs sich mit Waren wohl versorgt hatten, er aber noch nicht gekommen war. 9 Vom 15. Dezember 1479 bis zum 4. Aprü 1480 verkaufte man für 1908 t6, die Schulden aber stiegen auf 6749 U ; aber alles an guten, gewissen Enden, meinten die Gesellen, 10 aber sie wußten, daß sie ihre Kunden I 1 3, 65. 2 3, 140. 172. 3 3, 62. * 3, 171. 3, 96 f. • 3, 119. 10 3, 159. 3, 172. 6 3, 194. 3, 64. 312 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. II.. Spanien. 2. Kapitel. § 46 sehr beladen hatten. 1 1506 beliefen sich die guten Schulden auf 6238 U, selbst schuldete das Gelieger 4679 U. z Der Verkaufszettel von 1506 umfaßt 10 Monate und 5 Tage. Geschlagen Kupfer, 218 Quintal erlöst ........ Holländische Leinwand, 112 Stück -|- 3 unverkauften . Leinwand von Isny, Staufen, Kempten, Wangen, 164 Stück Leinwand von St. Gallen, 29 Stück......... Arras, 26 Stück.................. Tischlaken, 20 Stück................ Unzgold, 180 Unzen................ Stahl, 10 Ballen................ , . Leinwand Eavensburg, breit 37 Stück........ Seidenstoff, 2 Stück................ Tapisserie von Flandern, 37 Stück.......... Barchent von Mailand, 12 1 /» Stück.......... Weißgarn, 244 &.................. Baumwolle, 390&................. Leinwand, schmale weiße, 15 Stück.......... Papier, 15 Eies.................. Eodetz, 20 &................... Barchent vergat, 1 Stück............... Vi ß 4 1267. 11. 7. 1167. 19. 6. 532. 8. 9. 320. 18. — 270. 5. — 216. 6. 8. 197. 9. 10. 101. 1. 7. 102. 7. 1. 97. 12. — 97. 7. — 76. 5. — 60. 7. — 30. 1. 3. 28. 5. 3. 7. 10. — 7. — — 3. 4. — 4583. 19. 6. Es ist annähernd möglich, die Waren, die verhandelt wurden, auf die Ursprungsländer zu verteilen: auf Deutschland (einschließlich des vielleicht aus Ungarn stammenden Kupfers) entfallen nicht ganz 50°/ 0 (2252 #), auf Flandern 39°/ 0 (1812 &), der Best verteilt sich auf Italien (483 U ) und auf unsichere Herkunft (38 U ). Es entfallen auf Leinwand 53° 0 , auf andere Textilwaren 12° '„, auf Metalle und Metall waren 32° ' 0 . Ein ganz anderes Gesicht bietet die Eechnung von 1523, an Waren gab es nur noch ein kleines Quantum Safran, die bösen Schulden betrugen 1062 #, die zweifelhaften 1605 M, die guten nur 1199 U. Das sähe sehr günstig aus, wenn nicht das Gelieger schon im Zusammenbruche gewesen wäre und die besten Kunden schon ihre Schuld bezahlt gehabt hätten. 3 Die weitere Abwicklung ist später darzustellen. Über einzelne Geschäftsfreunde erfahren wir recht viel. Die Gesellschaft schätzte 1477 am meisten Johann Exerich, der auf die Eespondenten einen großen Einfluß hatte und durch den man sie bei der Gesellschaft zu halten hoffte. 4 Aber er erscheint nicht weiter, vielleicht war er zu den Ankenreute übergegangen. Daneben erscheinen als die ersten unter den „Parokians" Loys Lombart und Gabriel de Sant Olaria, dieser lebte noch 1506. Er kaufte damals aber viel kleinere Beträge als früher. Ihn übertraf weit der Mohr Inse Xamna, er war bei der Leinwand, dem Arras und der Tapisserie der erste unter den Kunden, er kaufte aber auch Tischlaken und 1 3, 164, vgl. 172. 2 3, 243. 3 3, 244—247. 4 3, 64. 66. Waren. Kunden. Personal. Keisen auf dem Lande 313 Onzgold. Namhafte Kunden waren auch Salvador Sonsent, Miguel de la Spenga, P. Navarro, P. Sant Angel, Vicent de la torre von Fuentes, MahomaBenamye, Salomo de Gala, Pedro Patzoll, BertolomeoDena. Den größten Posten Kupfer kaufte Masian Julian von Barcelona. Unter den guten Schuldnern steht obenan Pedro Navarro, der 1180 U in Wolle liefern sollte, es folgen Mosen Masyan Julian von Barcelona mit 863, die Mauren von Huesca mit 824, Gabriel de Sant Olaria mit 683, Inse Xamna mit 435, Salomo de Gala mit 368, Johan de Monkena mit 301, Johan Sant Olaria mit 290, Salvador Sonsent mit 287, Xemeno de Buda, drapero, mit 260, Bertolomeo Dena mit 243, Gilem Bonw. von Barcelona mit 130 U. Dann folgt die Witwe Mahoma Benamyes mit 122 U . Ein Gesamtbestand von 6238 U guten Schulden bei einem zehnmonatigen Umsatz von 4583 U war schon eine schwere Belastung des Geliegers. Wenn es auch unmöglich ist, genau alle Personen nach ihrer Konfession zu bestimmen, insbesondere die Marranen völlig unter den Christen verschwinden, so ergibt sich doch mit Sicherheit, daß das Gelieger mit Mchtchristen sehr lebhaft in Beziehungen stand. Wenn man gemeinhin den Mauren vorwiegend den Ackerbau als Lebensunterhalt zuweist, so fehlte es in Saragossa doch auch nicht an maurischen Kaufleuten, obwohl ja die Stadt seit 1118 unter christlichen Herrschern stand und der Inquisitor Pedro Arbuös schon 1485 ermordet worden war. Die Tage der offenen Anhänger des Koran wie der Juden waren gezählt. Und wenn man die Liste der zweifelhaften Schuldner von 1523 durchsieht, findet man unter ihnen ruinierte Mauren und Juden auch mit uns bekannten Namen: die Mauren Xaman, unter den guten Schuldnern fehlen die Namen von Leuten, die sich als Juden oder Mauren erkennen lassen, nur Salomon Xaman. 1 Es ist schon öfter darauf hingewiesen worden, wie Saragossa von dem Gelde von Valencia und früher sicher auch von Barcelona aus gespeist werden mußte. Das Geld wurde wohl meist in bar überbracht, so 1480, wo sich die Gesellen abseits der Straße in Villaroya trafen. 2 Wechsel für Saragossa zu finden war sehr schwer. 3 In Saragossa waren 1430 Vertreter der Gesellschaft Peter Cristan, Wüheim Sevill (der vielleicht ein Spanier war) und Hans Franch (Frei), von ihnen erscheinen Cristan (am 31. Mai und 13. Juni) und Hans Frei in demselben Jahre auch in Barcelona, dieser sogar zweimal an demselben Tage. Das sind aber nur Beweise dafür, daß sie sich als Obleute durch andere Gesellen vertreten ließen. Später war das Personal ständiger, aber zur Anlegung des Safrans wurden öfter von Valencia und Barcelona Gesellen nach Aragonien gesendet. Wohl in keiner Landschaft kamen die Gesellen soviel im Lande umher. Sie brachten auch Waren im Lande zum Verkaufe, so- brachten sie Kupfer nach Huesca, 4 Leinen nach Barbastro. 6 Die 1 3, 244 f. " 3, 160. Vgl. 164 f. » 3, 165. 174. * 3, 242 und 244. 8 3, 157. MUMP WBSSBBi . 314 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. II. Spanien. 2. Kap. § 46. 47 Briefe erwähnen die Märkte von Barbastro 1 und Alcaniz. 2 Dann kamen die Gesellen, um die Waren zu empfangen oder abzufertigen nach Tortosa 8 und seinem Hafen am Mittelländischen Meere und nach Bilbao 4 und Bayonne 6 am Atlanischen Ozean. Die Adresse für eine Sendung zu Schiff war in Bilbao Jan de Zarucha. 6 Das Gelieger war in einem Hause untergebracht, worin auch ungetreue Leute wohnten. So benutzte die Gesellschaft eine Forderung höheren Zinses, um auszuziehen, und mietete nun ein größeres ganzes Haus auf kurze Frist. Damit war man in Eavensburg nicht einverstanden, man meinte bei frommen Leuten eine oder zwei Butigen und ein oder zwei Kammern zu mieten. Man erinnerte sich daran, wie es einst den Mötteli ergangen, die Leben und Gut in einem nicht genügend bewachten Hause durch Einbruch verloren. Gerade in Saragossa, wo viele der Gesellen ja zuzeiten aufs Land reiten mußten, war eine sorgfältige Überwachung unmöglich. Man scheute auch die Kosten für den Hausrat und wünschte, daß man ein gutgelegenes Haus mit Botega und Kammer nehme, wo ehrbares Volk wohne, und den Haushalt solle eine eigene Frau übernehmen. 7 Von Saragossa haben wir ein Verzeichnis aus den Tagen der Auflösung des Geliegers. Die Hochrüttiner übernahmen den „Blunder". An Bettgerät war noch vorhanden: eine Bettstatt mit 5 Betten (Matratzen, matalaz), 2 Kissen mit 2 Leüachen, 3 alte Bettdecken (nasadas), 1 alte Bettdecke (vanova). Dann 2 alte Tischteppiche (ban- cales), 1 Kissen (Almora, almohada), 1 alt Tischlach (mesa canda) mit 3 toramboches. An Möbeln hatte man noch einen Schreibtisch und ein Schreibtischel (eschribetz), einen Sessel, außerdem 3 böse alte „trog". Was ein kleiner „peser xapellen", „papallyonen" ist, habe ich nicht feststellen können. An Wagen hatte man 2 große Wagen (romans, romana), 2 Goldwagen, 1 kleine und 1 große, 2 Wagen mit dem Markgewicht, Safran zu wägen. Endlich kommt noch eine „kurassa Safran zu stibiren" also zu pressen vor. 8 Außerdem hatte man 6 silberne Löffel. Ein trauriges Bild! Über das königliche Geleit ist schon bei Valencia gehandeltworden, für die Gesellen kam aber auch das Geleit durch die Länder der Gräfin von Foix in Frage, und diese gewährte es 1480 nur auf zwei Jahre und unter ungünstigen Bedingungen. 9 § 47. Die letzten Zeiten. Ulrich Ehinger und seiner Nachfolger Wirtschaß. Elender Zustand 1523. Die Auflösung des Geliegers. — Tortosa. Wollausfuhr. — Bilbao. — Fuenterrabia. — Bayonne. Die Gesellschaft hatte den Abfall der Mötteli, dann derAnkenreute überstanden, auch die Nachlässigkeiten Hans Hinderofens jung, der einen Abgang von 280 fl hätte, 10 die Geschäftsführung Ulrich Ehingers ■3, 118. 157. »3,191. »Vgl. 3, 117. 4 3, 12. 81. 116. 155. 158. 192. 241. 6 3, 172.194. «(1504)3,435. ' Vgl. 3, 65. 160. 171. 194. »3,247. »3,194. 10 3, 38. ss» Unterbringung. Hausrat. Die letzten Zeiten 315 aber war wohl der Anfang vom Niedergang. 1 Dieser Mann hatte vom 30. April 1514 bis 23. Oktober 1516 die Bechnung gehalten, er ließ durch Spanier die Safrananlegung machen und blieb in Saragossa, wo er glänzend lebte, Vespern und andere Gastungen feierte, für Kleider gab er 120 fl aus und ließ keine zurück, an Geld fehlten ihm in der Kasse 1135 U = 1420 fl, dazu eine Menge Waren, auch hatte er bares Geld ausgeliehen, die Herren mochten ihm für seinen Abgang und seine „Mißhandlung" 1400 fl zuschreiben, aber auch wenn dieser Schaden wirklich ersetzt worden sein sollte, so war das Vertrauen in die Gesellschaft doch sicher erschüttert. Es ist eigentümlich genug, die Gesellschaft gab ihm gleichwohl noch eine Ehrung von 40 fl! 2 Er erscheint in der Eechnung von 1523 noch mehrfach. Am bedeutsamsten ist es, daß es heißt, Jakob Hochreutiner verrechnete mit den Welsern 8 Dukaten, diese hatte der Ehinger am Hofe Jörgen Waltmann gegeben. 3 Dadurch wird er in sehr bedeutsame Zusammenhänge gebracht, er war, da er schon vor 1523 am Hofe Karls V. erscheint, also derselbe mit jenem Ulrich, der von Karl V. zum kaiserlichen Eate gemacht wurde und bei ihm die Interessen der Evangelischen vertrat. Als Eitter des Ordens von S. Jago di Compostella starb er 1537 in Spanien. Mehr noch. Er war ein Bruder der drei WelserschenEaktoren Heinrich, Hans und Jörg, von denen Jörg den Anstoß zu dem venezuelanischen Unternehmen der Welser gab und der erste deutsche Kolonisator wurde, wo auch der Älteste seine Tatkraft verwendete. So erscheint uns Ulrich in einem anderen Lichte. Dann war auch er ein bedeutender Mann, voll von Plänen und Gedanken, dem die Mühseligkeiten der Safrananlegung nicht behagten, der vielmehr Wert auf höfische Beziehungen legte und glänzend auftrat, um persönlich emporzukommen, was ihm ja auch gelang. Er stellte seine persönlichen Interessen höher als die des Gehegers. Der Konstanzer Reformator Ambrosius Blarer beurteilte Ulrich in einem Briefe an seinen Bruder als Prahler und freigebigen Mann. 4 Er schuldete 1523 noch dem Gelieger von Saragossa 43& 14/? 5 ,Sj, die man für ihn dem General procurador zu Saragossa gezahlt hatte. 1520 steht er mit 668 fl in Ravensburg unter den guten Schuldnern. Sein Nachfolger als Rechnungsführer in Saragossa war wieder ein Konstanzer: Kaspar von Ulm (2. September 1516 bis 26. Juni 1517). Auch ihm gingen 177 fl ab, auch bei ihm Überfluß an Zehrung und Kleidern, dazu fehlten Waren, was man Ehinger zuschrieb. Kaspar erhielt eine Ehrung von 60 fl, man schrieb ihm aber zugleich 160 fl zu. Dann hat ein nicht sonst erwähnter Valentin die Rechnung geführt, 5 eine Ehrung erhielt er nicht. Aber selbst, wenn das Geheger diese durch Ehinger herbeigeführte Krise noch einmal überstand, so war der Zustand am 15. Februar 1523 elendig. Die beiden dorthin entsendeten Gesellen Heinrich 1 Über ihn oben S. 159 f.. 2 3, 50. 3 3, 246, vgl. 245. * Schieß, Briefwechsel des Ambrosius und Thomas Blarer 1, 173. 176. 5 3, 246. 316 Sechstes Buch. Handel naoh Landschaften. II. Spanien. 2. 3. Kap. §47.48 Stüdlin, der früher dort lange Zeit gewesen war, und Ulrich Geßler fanden noch 28 U 17 Unzen Safran als einzige Ware vor, der Bestand des Mobiliars war schon sehr mangelhaft. Ein Teil des „Blun- ders" wurde in Jakob Hochrütiners Haus gebracht, der den Safran und 6 silberne Löffel kaufte und Briefe und Petschaften an sich nahm. Offenbar hatte man schon von Bavensburg aus mit dem St. Galler Handelsherren sich verständigt, dem sie das Feld räumten. Was blieb den beiden an deres übrig als im Lande herumzuziehen, um alte Schulden einzutreiben, auch Jakob Budolf war wieder da, auch ein leichter Fink. Wir erfahren einiges, der Prokurator von Huesca trieb fast 500 U ein, Hochrütiner versorgte den Briefwechsel, die Gesellen verzehrten schließlich fast mehr als sie einlösten. Dann kam später, da Stüdlin und Geßler gestorben waren, 1526 der alte, dort erfahrene Polai im Steinhause noch einmal nach Saragossa. Auch er hatte eine traurige Aufgabe. Die folgende Tabelle zeigt den üblen Stand. Zweifelhafte Girte Schulden Bares Geld d ff hiemfii Posten Betrag Posten Betrag Posten Betrag ß -S, U ß 3, Böse Schulden Posten Betrag U ß 2, 1523 Febr. 15: 46 1061. 12. 2. 1523 Dez. 19: 46 1061. 12. 2. 1526 April 27: 46 1061. 12. 2. 85 1605. I. 10. 99 1668. 2. 11. 1763. 6. 7. U 39 1196. 16. 4. 32 878. 17. 4. 30 795. 9. 11. U ß Sx 108. ------- 2184. 12. 9. 2295. 19. 8. 45. 42. ß %£ eBpS mm 'ff .;'»-','- 1 '■' BS' BHBHBI MBHHHHHH^R isfiff 354 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. II. Spanien 5. Kapitel. § 53 nur in den Ländern, welche der aragonischen Krone unterstanden, auch nach der Vereinigung mit der Krone von Kastilien haben sie nie versucht, in die Länder der Krone Kastilien einzudringen. Schon die enormen Zölle an der kastilianischen Grenze mahnten von jedem Versuche ab. Die weiten Gebiete der Kronen von Kastilien und Portugal betraten die Schwaben nicht, dort erschienen flämische und hansische Kaufleute, auch Schiffer. Nur eine Stadt diente ihren Zwecken. In dem durch außerordentliche Privilegien geförderten sicheren Hafen von Bilbao fanden die für Aragonien bestimmten Waren ihren Umschlag vom Meere her. In den Ländern von Aragon wie in Kastilien bestand schon längst der Satz zu Eecht, daß ein Kaufmann nicht Geld aus dem Lande ausführen dürfe, er war gezwungen, den Erlös der Waren auszuführen oder sich der Wechsel auf das Ausland zu bedienen. Aber die Eavensburger konnten den Erlös der Mehreinfuhr von Valencia oder Barcelona nach Saragossa schieben und ihn dort in Safran anlegen, wie später die Fugger Geld durch deutsche Safraneros aus dem Lande brachten. Das war aber nicht eine Besonderheit der Gesellschaft, auch andere Firmen taten dasselbe, wie aus Uzzano folgt. Nach ihm trat jährlich in Barcelona vom 1. Juni bis Ende August Geldknappheit ein wegen des Ankaufs von Wolle in Aragonien. Sie begann wieder im Oktober zu St. Lucas (18. Oktober) wegen der Safrananlegung und war heftiger, weil auch die zweite Wollschur einfiel, und dauerte bis zum Januar. Wer kein Geld hatte, mußte leihen, die Eavensburger aber halfen sich wohl meist durch die Überschüsse von Valencia aus. So hing Saragossa in der Luft ohne die anderen Gelieger, wie Valencia nach dem Erliegen Saragossas seinen Geldüberschuß nicht leicht über die Grenze hätte bringen können. Die Gesellschaft beteüigte sich nicht an dem Handel mit Getreide, worin die Länder Mangel litten, der von Sizilien aus gedeckt werden mußte, nicht mit Salz beschäftigten sie sich, so groß der Eeichtum Jvizzas war, nicht mit öl, dessen Anbau stark zunahm, von dem Ertrag der Eeben, deren Anbau immer mehr stieg, verfrachteten sie nicht etwa den Wein nach Flandern, selten genug getrocknete Trauben, an der aufblühenden Ausfuhr spanischer Seidenstoffe nahmen sie keinen Anteü. Auch im Wollhandel versuchten sie keinen Anteil an den Schuren der wandernden Schafherden (trashumantes) zu gewinnen, was sie nach Kastilien geführt hätten, sie begnügten sich mit den Erträgen der stehenden Herden. Damit wuchs nicht ihr Anteil an der steigenden Wollausfuhr, die Guicciardini am Anfang des 16. Jahrhunderts bereits auf 250000 Dukaten Wert anschlug. 1 Ihr Wollhandel versorgte nicht Flandern, wo spanische Wolle ein Lebensbedürfnis geworden war. Auch für Lederausfuhr waren sie nicht zu haben. Die spanischen Eegierungen bevorzugten längst merkantilistische Einrichtungen, Isabella brachte sie für Kastilien in ein System. 1 Opere inedite 6, 273. Übersicht über den spanischen Handel. Sprachen 355 Die kommunale Wirtschaftspolitik von Barcelona ward verstärkt eine schutzzöllnerische. Bis ins Ende des 15. Jahrhunderts hatte Spanien im wesentlichen Bohprodukte ausgeführt und Fertigwaren eingeführt, Francesco Guicciardini hebt das auch in seinem geistreichen Berichte über Spanien hervor. Immer stärker .wurde der Drang, ins Land die Fabrikation zu verpflanzen und es selbständig zu machen. Die dann begründeten Schutzmaßregeln engten die Fremden ein, die Begierung lockte fremde Handwerker als Lehrmeister an. Wenn auch in den Ländern der Krone Arragon, wo die Macht der Begierung viel geringer war als in Kastilien, der leidenschaftliche Fremdenhaß nicht zum Ausbruche kam, so war doch auch da wohl die Gegnerschaft vorhanden. In Kastilien hatten die Stände verlangt, daß den Fremden Handelsgeschäfte länger als ein Jahr hindurch zu betreiben verboten würde. Die Bavensburger strichen die Segel in Barcelona, dann in Saragossa, endlich in Valencia. Die örtliche Lage zwang sie nicht dazu, denn in dem alten von den Bavensburgern übernommenen Geiste wirkten die St. Galler weiter, verkauften ihre Linnen und kauften Safran ein, an dem sich nunmehr auch die Nürnberger erlabten, die wohl vor allem Metallwaren brachten. Der Handel von Saragossa hielt sich, weil er sich auf den Safran stützte. Die Welser und besonders die Fugger wendeten sich aber vor allem nach Kastilien, und zwar als Geldleute. Die Fugger kamen als Gläubiger des Habsburgers Karls I. nach Spanien, sie haben wohl niemals in aragonischen Landen ein Gelieger gehabt. Glück blühte ihnen dort und Unglück. Die Bavensburger Gesellschaft verschwand spurlos, als die Enkel der Muntprat und Humpis, der Mötteli und Frey, der Wißland und Ankenreute den Mut und die Einfachheit verloren hatten. Wie stark die Gesellschaft in Spanien eingewurzelt war, stärker als in einem anderen außerdeutschen Lande, ergibt sich aus der Sprache ihrer Briefe. Man darf sich natürlich nicht darüber wundern, daß Kaufleute in einem fremden Lande aus dessen Sprache, der sie sich ja täglich bedienen mußten, Worte herübernahmen. Aber das ungleiche Maß gegenüber den einzelnen Sprachen ist charakteristisch. In den Briefen und Papieren aus den Niederlanden fehlt es nicht ganz an Worten, die dem Oberdeutschen zu Hause nicht ans Ohr gedrungen waren, in Italien, das gemeinhin als das Mutterland der kaufmännischen Ausdrücke gilt, ist das erheblich stärker, aus Lyon und Avignon sind nur wenige Papiere von Kaufleuten erhalten, die dort dauernd tätig waren, wie der alte Hans Lamparter; auch kann nur ein geschulter Philologe die französischen und proven- zalischen Elemente scheiden. 1 1 Bei diesen Nachforschungen hatte ich die besten Führer in Meyer-Lübke, Enno Littmann und Leo Spitzer, denen ich auch hier den besten Dank sage, wie nicht minder den Katalanen Dr. Griera und Dom Tobella. iTv^^P^IböSk m 356 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. II. Spanien. 5. Kapitel. § 53 In Spanien aber ist die Fülle katalanischer Ausdrücke vor allem bei Hans Wigermann, bei Jakob Budolf, bei Hans Hinderofen nnd Friedrich Grünenberg ungemein groß, mitunter finden sich halbe Sätze, ja Grünenberg macht nur für sich bestimmte Auf Zeichnungen in katalanischer Sprache, und die Erzählung von einer Unterhaltung mit einem eingeborenen Kaufmann von Saragossa vergißt nicht das Basta, womit dieser jeden Satz beendet, wie es noch heute vielfach in Aragonien geschehen soll, was doch dafür spräche, daß dieses Wort daher entlehnt wurde. Nun begegnen aber Worte in spanischer Gestalt auch auswärts. In Italien finde ich: lo profit, delientia, lamadores, recordantz (nicht ricordanza); in Brügge: domestigetza, seguritat, aseguradores, regord; in Frankreich procorador. Gerade die mit re- zusammengesetzten Worte sprechen für spanische und katalanische Herkunft, wobei jedoch auch italienische Dialekte wohl in Frage kommen dürften. Aber drei technische Ausdrücke sind sicher katalanischer Herkunft. Der Kaufmann schickt eine requesta oder ein rezept an ein anderes Gelieger und dieses gibt ihm darauf recapta. Bequesta findet sich noch heute im Spanischen für Bittschrift, im Katalanischen auch für Nachfrage nach einer Ware, im Italienischen heißt es requisizione. Becepta begegnet nur im Katalanischen als Bestellzettel. Das Wort recapta, requapta begegnet als ricapito = Aushändigung im Italienischen, aber als recapte = Vorrat im Katalanischen, als recado im Spanischen gleich Bestellung, Auftrag, Anmeldung. 1 Die Leute der Gesellschaft schreiben stets Bespondenten, Bevendadors, Besposta (einmal risposta), recordanz. Der Ausdruck für Versicherung seguritat kennt nie die härtere italienische Form securtä, es heißt auch fermanza. Der Ausdruck für Fahrt zu Schiff passadie, passatge, passaige usw. steht zumeist dem katalanischen passatge am nächsten. Das Wort für Wachstum einer Ware bei genauem Nachmessen schreiben die Kaufleute: crex, cresch, grascha, das stimmt zum katalanischen creix = Mehrung. Aus Spanien und genauer aus Valencia muß wohl die Umdeutung des- alten Apothekerwortes Oon- fectum, in den Sinn „mit Zucker eingemacht" stammen; denn nur dort ward Zucker zum Einmachen von Früchten gewonnen, katalanisch heißt es heute confit; italienisch würde es confetto heißen. Ich finde mehrfach balanca neben dem italienischen bilanza und denke da eher an spanische Ableitung statt an französische. Wenn die Wortgeschichte bei solchen und anderen Worten immer an italienische Ableitung, namentlich fast aller kaufmännischen Worte dachte, so ist dem spanischen Gebiete heute doch auch wohl in etwa Beachtung zu schenken. So intim war man in Schwaben mit dem Leben der spanischen Lande verwachsen, daß man in Bavensburg einen Faulenzer, ein ^eyer-Lübke 7107. Sprache der Gesellen. Katalanische und arabische Worte 357 Rührmichnichtan mit Lasesmestar bezeichnete. Es ist läse me star, Laß mich stehen. Und wenn ein anderer schreibt, laßt uns nichts per comparre per commare tnn, aus Gevatterschaft, so liegt auch dem wohl eine katalanische Redensart zugrunde. Ganz besonders interessieren uns die Worte, die aus dem Arabischen ins Spanische, ins Italienische, ja in die allgemeine Kaufmannssprache übernommen wurden, wie Fondaco, Magazin, Tara, Tarif, Trafik. Nun geht die gemeine Auffassung dahin, daß diese Worte durch Italiener aufgenommen wurden, und Gelegenheit dazu mochte sich in den Geliegern innerhalb der mohammedanischen Welt genug ergeben. Aber sollte man nicht einmal der Frage näher treten, ob sich nicht diese Wortwanderung am leichtesten in Spanien vollzogen haben kann? In den Zeiten unserer Papiere wohnten noch in Saragossa und Valencia islamitische Kaufleute unter den christlichen, und manche von jenen wurden gezwungen oder freiwillig Christen. Wie viel näher war da der Verkehr? Aber das wäre nur positiv durch alte spanische Kaufmannsakten zu beweisen. Ein Wort spottete bisher der Erklärung und es ist wohl das interessanteste. Wer hat den Begriff des Risico geschaffen? Im Italienischen heißt es rischio, im Spanischen riesgo, im Französischen risque, im Katalanischen arrisc. Die Ravensburger Kaufleute schreiben: arisch, allriesch, areschg, lateinisch findet sich riscus, risicus, risigum, resegus oder—auf um — resegum beiSchaube382 aus le Puy in Südfrankreich. Das Rätsel, das ich Geheimrat Enno Littmann stellte, ist von ihm gelöst. In dem Buche ,,Tausendundeine Nacht" findet der Prinz Scharkän unerwartet ein schönes Mädchen, er sagt darauf „jedes rizk hat seinen Grund". Rizk ist also „ein zufälliges Geschenk", und schon Dozy sagt im Supplement aux Dictionnaires Arabes: revenant-bon, profit, bonne fortune, bonheur imprevu, und die deutschen Übersetzer gaben es mit Zufall oder Geschenk wieder. Das arabische Wort enthält nur die günstige Seite eines Zufalls, der moderne Begriff schließt aber auch die ungünstige Wendung ein. Es liegt somit ein Bedeutungswandel vor, der sich dem Anscheine nach bei der Übernahme des Wortes vollzog. Bei dem strengen Fatalismus der Araber ist das rizk eine Fügung Allahs, so können wir uns nicht wundern, wenn ihm auch ein ungünstiger Ausgang beigemessen wurde und die Christen ihrem Gotte eine ähnliche Entscheidung über Glück und Unglück zuschrieben. Aber kein Wort beweist mehr, wie tief die Oberschwaben sich in die spanische Welt eingelebt hatten, als eins, das bisher nur einmal belegt war, von unseren Kaufleuten aber häufig an Stelle von „bei Gott" als Beteuerungsformel gebraucht wird und seitdem wieder gänzLich verschwunden ist. Sie riefen Allah an, freilich wohl mit einer Unterscheidung von dem Gotte der Mohammedaner, sie 358 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. II. Spanien. 5.Kap. § 53. Beilage tagten „bei meinem Allah". Das Wörtchen findet sich in den Formen saulame, talla me, tallat me, talast me. Ich kann es noch in der Form talladme in der Feder Budolf Möttelis nachweisen, 1 und auch die bisher bekannte einzige Stelle geht auf Joachim von Watt zurück, den Sprossen einer Kaufmannsfamilie, die ebenso in Spanien heimisch war, wie die anderen, die diese Beteuerung verwendeten. Wie mich Littmann belehrte, heißt arabisch tallah (i) = bei Allah, bei Gott, und wie mir Meyer-Lübke versichert, ist der Zusatz a me, ad me katalanisch nicht ausgeschlossen. So wäre die Umdeutung der arabischen Beteuerung im christlichen Sinne wohl zu verstehen. Es ist eigentümlich genug, sich vorzustellen, daß in den kleinen schwäbischen Beichsstädten die Sprache der Kaufleute so reich mit katalanischen Ausdrücken versetzt, ja daß eine arabische Beteuerungsformel dort im Gebrauche war. So selten findet sich die Möglichkeit, sprachliche Zusammenhänge genauer festzulegen. Aber die oberschwäbischen Fremdwörter fanden nicht einmal dauernd in der Kaufmannssprache eine Heimat; Nürnberg und Augsburg, die Orte dauernden Einflusses, hatten mehr Beziehungen zu Italien als zu Spanien. Und so konnte der Eindruck entstehen, als habe dieses Land nicht mitgewirkt. 2 Beilage Handel der Kölner in Spanien Der Seehandel der Hansischen geht nur selten über die Bai von Bourgneuf (Baie) hinaus, wo sie Salz holten. Nur die Kölner hatten auch darin ihre Sonderneigung. Einer von ihnen, Johan de Colunya, Keß sich in Barcelona nieder, wo er mit einem Spanier eine Gesellschaft hatte, über die schon oben mehrfach zu handeln war. Schon im ersten Jahre des Zollbuches 1425 macht es den Eindruck, daß er zu Schiff, also von Brügge, Waren nach Katalonien gehen ließ, im nächsten Jahre ist es durch die fünf Fässer Heringe wohl erwiesen. 3 Daneben wirkte in den Ländern der aragonischen Krone auch eine der allerbedeutendsten Gesellschaften in Köln, die an den Namen Stralen, Kalthoff und Lendrinchusen hängt. Über sie wie über die anderen Kölner Händler hat bereits Kuske in der Abhandlung über die Handelsbeziehungen zwischen Köln und Italien im späteren Mittelalter gehandelt, 4 aber ich kann doch einen Nachtrag liefern. Abel Kalthoff war der Schwager Peters von Stralen, und dessen Enkel Johann von Lendrinchusen, Peters Sohn Johann und Johann, Sohn 1 Durrer, Geschichtsfreund, 49, 30. 2 Schirmer, Wörterbuch der deutschen Kaufmannssprache auf geschichtlichen Grundlagen, 1911, erwägt keinerlei spanische Einflüsse. 3 Vgl.über ihn Häbler, Zollbuch, 1, 142—148. 4 Westdeutsche Zeitschrift Bd. 27. Sprache. Kölner in Spanien 359 Goswins von Straten, zu trennen ist -unmöglich. Einer von beiden war wohl der Goldschmied gleichen Namens. Das älteste Zeugnis fand ich im Staatsarchiv zu Valencia, und daraus folgt, daß Abel Kalthoff schon vor 1434 in Valencia weilte und offenbar zur See Verluste gehabt hatte, denn er führte einen Prozeß mit den Versicherern, die auch sechs an der Zahl in Valencia weilten, deren Heimat aber nicht angegeben wird, vielleicht waren einige von ihnen Genuesen oder doch Italiener. 1 Johann von Lendrinchusen erhielt 1447 von seinem Großvater Prokura vor allem für Barcelona. Kuske, Quellen, 1, Kr. 1154. Peter von Stralen betrieb 1447 Handel nach Aragonien (2, Er. 1149), 1449 brachte er Korallen in Frankfurt in den Handel (vielleicht aus Barcelona) (2, Kr. 1259). 1451 erhielten Abel Kalthoff und sein Schwager Peter in London Waren aus Katalonien durch eine Galeere (2, Kr. 10). Abel war im wesentlichen Bankier (2, Kr. 123, 174, und Kuske, S. 415). Peter bestellte für sich und seine Gesellschaft den in Barcelona wohnenden Mathijs Pythan zu seinem Vertreter, um dort und in den Gebieten des Königs von Aragonien die Ausstände der Gesellschaft einzutreiben (2, 89, Anm. 2). 1455 wurden Waren des Peter von Stralen und seiner Gesellschaft auf dem Landwege von Antwerpen nach Katalonien in Collonge (im Charolais) festgehalten (2, Kr. 154). Peter erscheint häufiger im italienischen Handel. Johann von Stralen stand dieser Urkunde zufolge im Dienste der Gesellschaft. 1445 finde ich ihn auf dem Wege nach Genua (2, Kr. 1089). Im Jahre 1456 wurde er mit Heinrich vom Turm, die in der Absicht, in Sardinien ihr Goldschmiedgewerbe auszuführen, dorthin reisten, auf dem Schiffe von einem aus Collioure in Boussillon stammenden Seeräuber weggefangen und zum Budern gepreßt. Köln wandte sich um Hilfe an Barcelona (v. Lösch, Die Kölner Zunfturkunden, 2, Kr. 459). Goswin von Stralen, der häufig im Handel mit Venedig erscheint, ist in Spanien nicht nachzuweisen (als Vater von Johann, Quellen, 2, Kr. 428). Johann von Lendrinchusen war seit mindestens 1467 Wirt in Köln. Vgl. unten ■§ 66. Kach Saragossa erteilten 1456 die Kölner Bürger Johann vanme Dauwe (de Bore) und Alf van der Burg (de Castro) Heinrich und Gottfried vanme Dauwe zur Erledigung von Handelsgeschäften Vollmacht. Zwei Jahre später ersetzten sie Gottfried durch Dietrich vanme Hircz (de Cervo), gen. von der Lantzkrone, sie sollten besonders Forderungen in Frankreich und Kavarra eintreiben (2, Kr 175). Auch Alf von der Burg war Goldschmied, er betrieb auch Geschäfte in Venedig (Kuske, S. 431). ' 1480 starb Peter deWynt, Sohn der Kölner Bürgerin Hilgin Bruyninx, unter Hinterlassung von Gütern und Waren im Alter von 24 Jahren in La Coruna (Quellen, 2, Kr. 818). 1499 verschied in Saragossa. Johann Quettinck, er stand im Dienste der Gesellschaft des St. Galler Bürgermeisters Kaspar Buychingen (richtig Bugg) (2, Kr. 1570). So war doch auch Kiederdeutschland in Spanien ganz stattlich vertreten. 1 Diversorum, Nr. 264, fol. 102. 360 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. III. Rhonelandschaften. § 54 \ III. Rhonelandschaften § 54. Genf und Lyon. Lage beider Städte und Bedingungen ihres Handels. Messen. Die älteren zu Genf. Einrichtung der Lyoner. Kampf zwischen beiden. Karl VII. und Ludwig XI. Verhandlungen von 1467. Anteil der Gesellschaft. Die Fremden in Nöten. Verlegung von Lyon nach Bourges. Wiederherstellung. Bemühungen für die sinkenden Genfer Messen. Wir wenden uns dem Bhonegebiete zu. Dieser den Alpen entströmende Fluß durchbricht in wildem Einschnitte, der oft nicht einem Wege ihn zu begleiten gestattet, das Gebirgsland, das den Jura mit den Alpen verbindet. Zwei wichtige Städte entstanden am Fußpunkt dieser schmalen Übergangszone, östlich, nahe dem Sprachgebiete der Italiener und Deutschen, thront am Abflüsse seines herrlichen Sees Genf. In sicherer Verbindung durch die heute schweizerischen Mittellande mit Deutschland, mit Basel und Konstanz trägt die Stadt die Diagonale vom Golfe von Lyon nach Nürnberg, zugleich aber auch den Weg von dem Zentrum Oberitaliens nach England, der freilich nördlich auf burgundischem Gebiete oft umgangen wurde. Die rechtliche Lage der Stadt war eigentümlich genug, sie gehörte dem Bischöfe, besaß jedoch die hohe Gerichtsbarkeit und verwaltete sich selbst, das Vidominat und die damit verbundene niedere Gerichtsbarkeit war an die Grafen von Genevois und 1401 an deren Bechtsnachfolger, an das Haus Savoyen gefallen, und diese Familien hatten um so mehr Einfluß, da öfters Bischöfe ihnen angehörten oder ihre Kreaturen waren. Die Stadt Genf suchte Anlehnung an den Nachbarn in Freiburg und Bern, die zur Eidgenossenschaft gehörten. Die wirtschaftliche Blüte dieser Passage- und Meßstadt war gesichert, wenn die Vidome den Wert einer solchen Handelsstadt anerkannten, und das geschah zu spät. Genf selbst war völlig von savoyischen Besitzungen eingeschlossen. Das Herzogshaus beherrschte zudem ein geschlossenes Gebiet, das ununterbrochen von Nizza bis an die Saöne reichte, nur war es von 1460 bis 1497 in eine Beihe von Linien geteilt. Die Umgebung bot Genf nicht allzu vielWaren, die für den Fernhandel in Betracht kamen. Einen weit größeren Versorgungsbezirk besaß die Bivalin am westlichen Fuß des schmalen Gebirgsdurchgangslandes, Lyon. Einst der Keim der römischen Provinz GaUia, war sie eine Grenzstadt des burgundisch-deutschen Beiches gewesen und dann seit 1310 für das Königreich Frankreich geworden. 1 Doch der Vorteil einer äußerst günstigen Lage war zunächst noch unentwickelt. Auch Lyon war für den Weg von Nürnberg nach Spanien ein Durchgangspunkt, der allerdings auch südlich durch wesentlich savoyische Lande umgangen werden konnte. Die westlichen Alpenpässe trafen ja südlich von Lyon den Bhone, aber hier kam 1 Kern, Die Anfänge der franz. Ausdehnungspolitik bis zum Jahre 1308. Genf und Lyon. Die Genfer Messen 361 selbst das eng gelegene Vienne nicht zu einer starken Geltung; der Alpenfahrer, der nach Nordwesten wollte, suchte Lyon auf, dem sich dort die Wege über das französische Zentralmassiv erschlossen. Wie nach Süden die Straße nach dem Meere führte, so lockte nach Norden die zur burgundischen Pforte und der oberrheinischen Tiefebene. Man darf die Schiffahrt von Lyon nicht überschätzen. Zwar war die Saöne auch in der Bergfahrt zu überwinden, unterhalb von Lyon machte das reißende Wasser des Bhone aber die Bergfahrt sehr schwierig. Ungleich Genf hatte Lyon Waren für den Welthandel. In den nördlichen Landen, in der weiten Landschaft Bresse und dem südlich davon gelegenen Pays de Dombes hatte sich der Hanfbau und die Weberei von Hanfstoffen breit ausgedehnt. Sie waren hier uralt. Schon Hieron II. von Syrakus hatte sich von den Ufern des Bhone Hanf (Segel?) kommen lassen. 1 Der Fernhandel mit Eiern und Hühnern hatte sich noch nicht entwickelt, damals konnte der Bressan in seinen Wäldern und Seen, in seinen Heiden und in den eingeschobenen fruchtbaren Tälern wohl nicht genug Nahrung finden, er wurde Hanf Züchter und Weber. Diese Begion der Canemasserie setzte sich nördlich bis in die Landschaft Charollais, südlich bis Vienne und östlich bis Genf und Chambery fort. Beide Städte, Genf wie Lyon, kamen im 14. und 15. Jahrhundert für internationale Messen in Frage, jene eine Stadt des deutschen Beiches, dessen Macht aber sehr gering war, diese ein Vorposten französischer Königsmacht. 2 Doch nach dem gänzlichen Niedergange der einst dem abendländischen Welthandel Bichtung gebenden Messen der Champagne und Brie trat zuerst Genf den Best der Erbschaft an. Entstanden waren sie schon, als jene in ihrer Hochblüte waren. 1262 «ind Genfer Messen zuerst genannt. 1389 erwirkten sich Bern, Zürich, Soloturn und Biel von den Herren von Grandson freies Geleite zu den Messen, und 1393 gestattete der französische König Karl VI. den burgundischen Kaufleuten die zollfreie Ausfuhr ihrer Waren. Für Oberschwaben sind zwingende frühe Zeugnisse nicht vorhanden-, denn selbst der Konstanzer Bats- 1 Athenaios (ed. Kaibel 1, 458.) 2 Über die Messen von Genf und Lyon haben wir zwei neuere ausgezeichnete Werke: Borel, Frederic, Les foires de Geneve au quinzieme siecle, Geneve 1892, und Bresard, Marc, Les foires de Lyon au XVe et XVIe siecle, Paris 1914. Dazu Köpf, Willi., Beiträge zur Geschichte der Messen von Lyon mit besonderer Berücksichtigung des Anteils der oberdeutschen Städte im 16. Jahrhundert, Leipziger Dissert. 1910. Wild, Ella, Die eidgenössischen Handelsprivilegien in Prankreich, Züricher Dissert. 1909 (auch in Mitteilungen f. vaterLGeschichte von St. Gallen, 1909). Vgl. auch Ehrenberg, Das Zeitalter der "Fugger 2, 69—107 (1896), Huvelin, Essai historique sur le droit des marches et des foires, Paris 1897, S. 283 ff. Schulte, a. a. 0., 1, 485 ff. Heyd, Schwaben auf den Messen von Genf und Lyon, Württ. Viertel]ahrsh., N. F., 1, 373—385. Ammann, Freiburg und Bern und die Genfer Messen, 1921 (Züricher Dissert.). 362 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. III. Ehonelandschaften. § 54 beschluß von 1388 spricht nur vom Zoll zu Genf, 1 und die Konstanzer Briefe von 1402 und 1403 reden nicht direkt von den Genfer Messen, obwohl diese zeigen, daß der Konstanzer Johann Baiser Genfs Bedeutung sehr wohl kannte. 2 Aber wenn damals Bürger dieser Stadt in Avignon und Barcelona Handel trieben, so ist dadurch auch die Annahme festgelegt, daß sie an den Genfer Messen nicht achtlos vorübergingen. Lütfried Muntprat war wohl auf der Zwölfermesse in Genf, da er, am 25. Januar 1388 eben aus ,,welschen Landen" heimkehrend, dem Bäte schwor. 3 Die Gesellschaft selbst ist erst 1454 nachzuweisen, also zu einer Zeit, da die Krisis schon begonnen hatte. Im Jahre 1420, also in einer Zeit, da der französische König den englischen als Erben des Thrones anerkannt und mit ihm in Paris seinen Einzug gehalten hatte, verlieh der Dauphin als Begent Frankreichs auf die dringlichen Bitten der Stadt Lyon, die verarmt und entvölkert war, zwei von allen Abgaben freie, wie die der Champagne privilegierten Messen, wo fremde wie französische Münzen freien Kurs haben sollten, die eine sollte auf dem rechten Saöneufer stattfinden, die andere auf dem linken: ,,ä la partie de l'Empire". Doch der furchtbare Kampf mit England verhinderte das Aufblühen, ja wahrscheinlich oder doch möglich ist es, daß die Messen wieder völlig einschliefen. Der Dauphin, König Karl VII. geworden, erhöhte 1444 die Zahl der Messen auf drei und verlängerte ihre Dauer. Der König versuchte schon 1445 den Kaufleuten den Besuch der Genfer Märkte zu verbieten, wenn sie nicht vorher in Lyon ausgelegt hatten. Diesem französischen Bewerben gegenüber, das freilich vor allem wegen der Münzfreiheit von den Kreisen der eigenen königlichen Finanzbeamten mitunter erfolgreich gehemmt wurde, begann nun auch Herzog Ludwig I. von Savoyen als Vidom, oberster Bichter der Genfer Messen, sie zu stützen, er versprach 1454 den Kaufleuten, die auf die Messe zogen, Sicherheit. Ein Familienstreit im Hause Savoyen gab einem der ehrgeizigsten und fähigsten Könige von Frankreich, Ludwig XL, den Anlaß, den Messen der Stadt Genf an die Wurzeln zu greifen, es geschah auf die Anregung der Lyoner und ihrer Batgeber, der Fremdkaufleute, hin, die dem Könige klare Anträge stellten. Der König verbot zunächst Oktober 1462 den französischen Kaufleuten den Besuch der Genfer Messen und untersagte auch den Fremdkaufleuten den Warentransit, März 1463 aber genehmigte er nicht nur vier Messen der Stadt Lyon, sondern verlegte sie genau auf die Termine der Genfer, so daß der Kaufmann, der früher vielleicht nach beiden Städten zur Messe gezogen war, vor einem harten Entweder-Oder stand. Auf den Messen von Lyon von je 14 Tagen Dauer waren 1 Schulte 2, 224. 2 Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins 4, 51—55. 3 Schulte 2, Nr. 344. HHnKKBBSSHi Kampf der Messen von Lyon und Genf 363 fortan alle Eepressalien verboten, die Waren waren frei von allen Abgaben, und die fremden Münzen hatten freien Lauf. Für schnelle Justiz wurde gesorgt. Die fremden Kaufleute konnten sich dauernd in Lyon niederlassen und dort Wechsel- und Geldgeschäfte treiben. Die Eidgenossen, die ja seit 1453 mit Frankreich ein ewiges Freundschaftsbündnis hatten, versuchten umsonst für Genf zu vermitteln, Genf aber hemmte den deutschen, lombardischen und florentiner Kaufleuten den Zugang zu den Lyoner Messen. Sofort sandte auch der Herzog von Savoyen ein Schreiben an Ulm, die dortigen Kaufleute sollten sich von dem Besuche der Genfer Messen nicht abspenstig machen lassen. 1 Gleichwohl war der Erfolg für Lyon glänzend. Schon 1464 zogen St. Galler Kaufleute zu den Messen nach Lyon, und Bern gab den Städten Nürnberg, Ulm, Bavensburg und St. Gallen kund, daß ihre Kaufleute ungehindert durch bernisches Gebiet auf die Messen von Genf und Lyon reisen könnten. 2 Bern setzte also die Möglichkeit dieser Absicht voraus. Der Herzog Amadeus IX. von Savoyen, der inzwischen zur Begierung gekommen war, wich nicht zurück, er versperrte schließlich sogar den fremden Kaufleuten den Weg durch seine Lande nach Lyon. Die innere politische Lage seiner Lande, wo Ludwig XI. mit dem Widerstände des hohen Adels zu rechnen hatte, veranlaßte ihn in Verhandlungen mit der gegnerischen Seite einzutreten. Mit diesen Verhandlungen wurde der General des finances de Languedoc Guillaume de Varye, der als Buchhalter Jacques Coeurs emporgekommen und 1449 sein Vertreter in Genf gewesen war, beauftragt. Zu den der Zusammenkunft vorausgehenden Beratungen von Lyon (April 1467) wurden auch fremde Kaufleute hinzugezogen: sechs Florentiner, an der Spitze Giuliano Zuccaria (nach Mitteüung Ammanns Vertreter der Medici), drei Genuesen, je einer von Maüand und Venedig, zwei Lucchesen, Ance Vaquenel, luquin e . . . de la grant compaignie, alamans, einer aus der Mark Ancona und drei Franzosen. 3 Schon im März des vorigen Jahres war einmal ein Ted dieser Kaufleute in der Meßangelegenheit befragt worden. Jetzt sollten sie Antwort auf die Frage geben, welche der Messen bei einer Verteüung der vier zu gleichen Teilen auf die beiden Städte ihnen am geeignetsten für Lyon und welche am passendsten für Genf seien, auch über die Teilung selbst sollten sie sich äußern. Nach einer Beratung unter sich von einer halben Stunde eröffnete der Sprecher Zuccaria im Namen der Kaufleute, daß es für sie und ihre Waren nicht gut sei, die Messen zu teilen, die Kaufleute scheuten die bei einer Teüung entstehenden Transportkosten, die höheren Ausgaben für die Wohnung und andere Kosten. Am nützlichsten erschien es ihnen, die vier Messen entweder in Lyon oder in Genf oder an beiden Orten zu halten. Sie sprachen weiter den ~ J Köpf, S. 40. 2 Wild, S. 12 (Anm.). Vgl. Schulte 2, Nr. 373. 3 Borel, S. 163. 364 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. III. Rhonelandschaften. § 54 Wunsch aus, der König möge seinen Kaufleuten die Erlaubnis geben, auf zwei der Messen nach Genf zu ziehen. Weiter äußerten sie einen Wunsch über die Vollstreckbarkeit von Urteilen in Lyon. Der verfänglichen Frage, welche von den vier Messen zu Genf und welche zu Lyon sie wünschen würden, wichen sie aus, sie hätten beschlossen, nichts in den Meßangelegenheiten zu sagen, was das Mißfallen des Königs oder des Herzogs hervorrufen könne oder so ausgelegt werden könnte. Damit schieden die Kaufleute. Ihnen schlössen sich in dem Urteüe die Kaufleute von Burgos an. Die Kaufleute wollten feste Gelieger haben und nicht mit ihren zum Teü verderblichen Waren herumziehen. Es steht also fest, daß mindestens einer der Vertreter der Humpis- Gesellschaft an dieser Verhandlung teilnahm, aber auch für luquin ist wohl die Identität mit Hans Lüglin ohne Bedenken, der 1440 Faktor in Wien war. Ance Vaquenel kann ich allerdings in der Gesellschaft nicht nachweisen, doch begegnet 1447 in Perpignan als ihr Vertreter Johann Vagui. Auch denkt man an den im Zollregister von 1478 vorkommenden Safran durchführenden Hans Vaquer de Guiselsiaff. 1 Ist Guiselsiaff == Gesellschaft, dann wäre auch er einer der Bavensburger. Doch das ist zweifelhaft, wenn auch nicht völlig ausgeschlossen, denn 1475 wird Anse Vanguinel als Nürnberger bezeichnet. 2 Schließlich entschied der König November 1467 auf das Andrängen von Lyon, nicht in die Aufteilung der Messen oder die Erhaltung aller acht Messen einzuwilligen, ja er erneuerte die Edikte von 1462 und 1463, den französischen Kaufleuten blieben die Genfer Messen untersagt und den Fremden der Durchgang der für diese Messen bestimmten Waren verboten. Savoyen gab nun seinerseits den Befehl, die Waren der deutschen und eidgenössischen Kaufleute, die nach Lyon bestimmt waren, in Genf und auf savoyischem Boden anzuhalten. Die deutschen Kaufleute, die in dieser drangvollen Zeit nach Lyon zu den Messen und nach Spanien wollten, versuchten nördlich von Genf über den Jura zu kommen und die savoyischen Lande nördlich zu umgehen, 3 aber Bern erreichte im Oktober 1467 — also bevor Ludwig seine Entscheidung getroffen hatte — eine vorläufige Vereinbarung, die den Kaufleuten deutscher Zunge den Weg zu den Lyoner Messen für ihre Waren (jedoch nicht welschen Ursprunges) frei machte, sofern sie die üblichen Zölle zahlten. Aber Sicherheit war doch nicht vorhanden, wenn auch diese Geleitsbriefe 1468, 1477, 1479, 1480 usw. erneuert wurden. Wie 1467 ein Kaufmann aus Kempten, so wurden 1478 Memminger schwer belästigt. 1471, 1473 erlitten Ambrosius Bot von Ulm und Hans Lamparter, der ein Geselle der Bavensburger war, zu Seyssel Einbuße. 4 1 Borel, piec. just., 75. 2 Borel, S. 113. 3 1465. Schulte 2, Nr. 295. Vgl. 1, 487. 4 Heyd, a. a. 0., S. 380. Der Sieg der Lyoner Messen 365 Inzwischen war der große Kampf zwischen dem waghalsigen Karl dem Kühnen und seinem eine äußerst geschickte Politik führenden Gegner Ludwig ausgebrochen. Er bedrohte bald die Linie der Kaufleute vom Bodensee nach Genf und Lyon. Die Führung des Berners Nikolaus von Diesbach hatte 1474 auch die Eidgenossen in den Kampf gegen Burgund geführt, und bald darauf hatte die Herzogin Jolantha von Savoyen sich mit dem Burgunder verbündet, obwohl es ihr an Mitteln zum Kriegführen fehlte. Im Anfange des Jahres 1476 wurde der Krieg nach dem Waadt'lande getragen. Nach den Siegen von Granson und Murten versöhnte Ludwig XL die Berner mit der Herzogin von Savoyen (August 1476), und es wurde der freie Verkehr wiederhergestellt. Im Januar 1477 war Karl der Kühne gefallen, und nun drohte den Genfer Messen die Möglichkeit, daß der französische Sieger den Zug der deutschen Kaufleute durch die Freigrafschaft, die er behalten wollte, nach Lyon leiten werde. Dagegen wollten sich die Eidgenossen sichern. Ja, sie suchten beim französischen Könige auch für die Genfer Messen etwas zu erreichen, doch die Bitte, den französischen Untertanen ihren Besuch zu gestatten, wies der König ab. Der König hatte also geschwankt, und sein Vertreter de Varye hatte sich dem Gedanken der fremden Kaufleute zugewendet, vier Messen Lyon zu lassen, vier aber auch Genf und die Freiheit des Handels zu verkündigen; dann hatte er daneben die Verteilung der vier auf beide Städte zur Wahl gestellt. Die Lyoner sahen in Varye den Vertreter der Anschauungen der Fremdkaufleute. Über diesen hohen Finanzbeamten trugen die Lyoner den Sieg davon. Sie hatten gute Gründe. Das System der vier Messen würde fremde Kaufleute zu dauernder Ansiedlung veranlassen, und in den Zwischenzeiten würden sie so viel Abgaben bezahlen, daß die Freiheit der Meßzeiten ausgeglichen werde. Es würden sich Bankiers niederlassen, bei ihnen könne der König Geld leihen, was ihm in Genf unmöglich sei. Sie sahen die Zeiten voraus, da Frankreichs Könige in der Tat ihre Politik nur mit dem Gelde oberdeutscher Kaufleute, die in Lyon ein Gelieger hatten, führen konnten. Die Deutschen würden das Silber für die königliche Münze bringen. Die Teüung der Messen würde aber einen Teil der Waren von Lyon fern und den Preis hochhalten. Das sei den großen Kaufleuten von Nutzen, den kleinen Leuten zum Nachteil. Behalte man alle vier Messen, so würden die Werte der Häuser sich steigern, andernfalls fallen. Und auch die politische Bedeutung werde nicht gering sein. Wenn die vier Messen in Lyon die Fremdkaufleute zu dauernder Ansiedlung veranlasse, dann würde der König, ohne zum Kriege greifen zu müssen, ein politisches Druckmittel gewinnen, wenn er die Waren eines Landes ausschließe. 1 1 Leider hat Bresard die von ihm benutzten Eingaben der Fremdkaufleute nicht mitgeteilt. 366 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. III. Rhonelandschaften. § 54. 55 Der Sieg von Lyon war entschieden. Ein Einheitsstaat hatte ein System von Messen erreicht und sie an der Grenze des Staatsgebietes eingerichtet, wo die Kaufleute hoffen konnten, in politischen Krisen sich und ihre Waren zu retten. Internationale Meßsysteme im Kerne des Landes hat Frankreich nie gehabt. Doch war es nun der König selbst, nicht mehr ein Vasall, wie einst der Graf der Champagne, der bewußt Grenzmessen schuf und sorgfältigst ausbaute. Aber die Lyoner Messen hatten in Frankreich selbst Feinde, und König Karl VIII. gab den Merkantilisten, die in dem freien Geldverkehr der Lyoner Messen, der Ausfuhr von Edelmetall ein Verderben für das Eeich sahen, und den Nationalen, die die Messen in das Herz des Königreichs verlegt wissen wollten, nach, hob 1484 zwei der Messen auf und verlegte die beiden anderen nach Bourges. Vergebens hatten die Lyoner darauf hingewiesen, daß die Messen an den Grenzen, wie in Genf und Antwerpen, am leichtesten blühten. Die Lyoner erlahmten nicht, und die Eidgenossen halfen ihnen, so sehr sie anfangs den Messen Widerstand geleistet hatten. Im Mai 1489 konnten in Lyon wieder zwei Messen ausgerufen werden, 1492 waren die Deutschen wieder da, 1494 wurden alle vier Messen auf dem Fuße von 1463 wiederhergestellt. Aber die Ausfuhr von Gold und Silber war bedroht, ja verboten. Dagegen erhoben sich vor allem die Deutschen und Florentiner. Der König gab nach, doch nur für die Summen, die nach eidlicher Aussage der Kaufleute aus dem Erlöse der auf den Messen verkauften Waren stammten. Das war aber bald ganz außer Übung. So machte Lyon in der merkantilistischen Welt eine Ausnahme, es war dazu befähigt, Sitz des Geldhandels zu werden. Die Genfer erreichten 1484, daß die französischen Sperrerlasse aufgehoben wurden, im gleichen Jahre erneuerte der Herzog Karl III. von Savoyen alle Geleitbriefe seiner Vorgänger. Doch erließ er 1485 auch ein Edikt, das auf alle Ausfuhr aus Savoyen einen Zoll legte. Das mochte die Händler seiner Gebiete nach Genf zu den Messen bringen, die Fremdkaufleute haben wohl nur darüber geseufzt. Doch völlig waren die Genfer Messen noch nicht herabgesunken; denn als Herzog Philibert 1498 die deutschen Kaufleute zu ihrem Besuche einlud, gaben Konstanz, Bavensburg, Biberach, Memmingen, Augsburg, Ulm, Straßburg und Nürnberg günstige Antworten. 1 Aber zu neuem Leben konnten die Messen nicht erweckt werden. In etwa hatten die Genfer sich gegen Lyon dadurch geholfen, daß sie ihre Messen jeweüs um einen Monat verschoben. Dann konnte der Kaufmann von Lyon noch auf die Genfer Messe gehen. 2 1 Borel, S. 51. 2 Schon 1477 besuchte Hans Hinderofen nacheinander in Lyon und Genf die Augustmessen 3, 196. 199. Vgl. Ammann in Anzeiger f. Schweiz. Geschichte 1920, S. 20 f. Messen. Genf als Handelsplatz 367 § 55. Genf. Älteste Nachrichten. Spätere. Statt Gelieger der Wirt ah Kommissionär. Brüderschaft der Deutschen. Verkauf und Einkauf. Schuldtermine. Zoll. Bedeutung des Geliegers für die Gesellschaft. Nach diesen vielleicht zu eingehenden Ausführungen über die Messen von Genf und Lyon werden die Nachrichten über die Eavensburger Gesellschaft leichter verständlich sein. Für Genf sind sie wenig zahlreich, beginnen doch die Papiere der Gesellschaft erst mit der Zeit, da das Geschick des Genfer Handels bereits entschieden war. Doch unter dem nach Genf bestimmten Gute der Eeichsstädte, das 1454 im Gredhause von Buchhorn lag und ob 20 000 fl wert war, war sicher auch Eigentum der Humpis-Gesell- schaft. 1 Der älteste Nachweis für ein Gelieger der Eavensburger in Genf fällt ins Jahr 1454. 1458 beschloß der Eat von Genf, an Nikolaus Stoß von Eavensburg, Faktor von Jos und Ital Humpis, 10 Schüde auszuzahlen auf die 50 Schilde, die die Stadt der Gesellschaft seit der Steuer von 1454 schuldete. 2 Der zweite gehört dem Jahre 1474 an. 3 1478 hatte man wenigstens noch eine Stube, und zwar zahlte man den Hauszins für 2 Jahre und 2% Monat nach. 4 Noch besuchte man die Messen, so waren auf der Herbstmesse 1474 auch noch die Mötteli und ein Münchener. 6 Der letzte Beleg für einen wirklichen Besuch der Messe liegt für die Ostermesse 1478 vor. 6 Aber schon vorher wurde keine besondere Eechnung mehr geführt, und man half sich dadurch, daß die Messen von besonders Beauftragten besucht wurden, so wahrscheinlich 1477 von Hans Hinderofen, der damals auch nach Chamböry und nach Freiburg fuhr. 7 Es könnte sehr wohl sein, daß dieser sehr fähige Kaufmann deshalb an beide Orte ritt, um den Verhandlungen zwischen den Eidgenossen und dem Herzoge von Savoyen zu folgen und die Wünsche der deutschen Kaufleute zu vertreten. Eben damals erfolgte die Aussöhnung der Feinde von gestern. Das ist eine Möglichkeit. Im übrigen behalf sich die Gesellschaft, indem der Leiter des Lyoner Geliegers ein Auge auf die Dinge gerichtet hielt, man einen Knaben nach Genf schickte 8 und im übrigen Transport und kleine Ankäufe dem Wirte Glan de Eavanell als Kommissionär überließ. 9 Zu der Pünktlichkeit des Wirtes hatte man kein Vertrauen, er hätte bald durch seine Säumigkeit die Gesellschaft um viel Geld gebracht. Und doch war Genf so wichtig, weil dort die Waren entweder zum Bodensee oder nach Basel gefergt werden mußten. Beim Wirt hatte die Gesellschaft eine Geldkiste stehen. 10 1 Kuppert, Konst. Chroniken, S. 284. 2 Kegistres du Conseil de Geneve 6, 260. Die Auszahlung von 10 fl Comptes de Geneve 6 und 11'- (mitgeteilt von Ammann). In jenem Eintrag heißt der Faktor Scossy, in diesem Stossiz, es ist zweifellos Stoß gemeint. 3 3, 1. 4 3, 24 ff. 5 3, 6. 12. 17. 6 3, 25. ' 3, 196. 8 3, 128. 131. 9 3, 124 f. 128 f. 131. 201. 210. Nr. 26. 225 f. 10 3, 225. '"'" ' ! 368 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. III. Rhonelandschaften. § 55. 56 Auch in Genf gab es eine Brüderschaft der Deutschen. Neben einer Anzahl in Genf als Bürger angesiedelten Deutschen war Hans Lamparter Paktor der großen Gesellschaft der Deutschen bei der Gründung der Dreifaltigkeitskapelle an St. Gervais durch die hl. Geistbruderschaft der Deutschen, Aprü 1478 anwesend. 1 Auch später hatte man einen Kommissionär in der Person des aus Mindelheim stammenden Ulrich Emmier, der 1495 das Geschäft eines Pelzers mit dem eines Gastwirtes vertauschte, er übernahm nach dem Tode seines Vaters Stephan den Gasthof zum Engel. Als Vertrauensmann der Gesellschaft ist er von 1507 bis 1515 zu erweisen. Er besorgte Fuhren; auch mit ihm war man nicht immer zufrieden. Gelegentlich kaufte er auch für die Herren in Eavensburg Delikatessen usw. ein. 2 Das Geschäft, das früher sicher bedeutender war, war in der Zeit unserer Papiere sehr bescheiden. Die Genfer Messen waren so unbedeutend geworden, daß Baumgartner sie in der älteren Bearbeitung seines Buches übergeht, wenn er auch nur kurz über Lyon handelt. In der zweiten von 1510 bespricht er letzteres sehr eingehend und sagt von Genf, der meiste Handel laufe in Pastenspeisen, gewöhnlich sei dabei ein Mangel an Mandeln. Aber eine Erinnerung an alte bessere Zeiten war es, daß damals noch in Lyon aller Safran mit Ausnahme des französischen nach Genfer Gewicht verkauft wurde, wie in unseren Papieren auch in Lyon nicht immer nach Groschen de rey, sondern auch nach savoyischen gerechnet wurde. Nach unseren Papieren verkaufte man in Genf noch Zucker aus Valencia, spanische Kaninchenfelle, deutsches Schmalz (Schmer) und auch in späterer Zeit noch Kürnt und Brandsilber. 3 Der Einkauf ist fast noch bescheidener: etwas Barchent .von Ulm, dann Wein, Feigen, Mandeln, Weinbeeren, öl, Kapern, Bückinge, Briefsand, wohl alles nur nebensächliche Gelegenheitskäufe, meist für einzelne Gesellen. 4 Wahrscheinlich hat einst die Canemasserie in Genf eine Bolle gespielt, 5 ich halte es für denkbar, daß sie einst vor dem Aufkommen der Lyoner Messen von Genf aus aufgekauft wurde. Sicher war Genf früher auch ein Platz für Schuldtermine in Meßzeiten, das war noch 1474 der Fall. 6 Die Errichtung eines Zolles durch den Bischof wurde von den Kaufleuten 1478 befürchtet, aber die Herren meinten, wenn man das nicht wenden könne, müsse man es leiden. Aber es werde nicht der Eidgenossen Nutzen sein; denn man müsse dann mit anderen 1 Genf, Staatsarchiv. Fiefs, Eglise de St. Gervais, R. 1, mitgeteilt von Dr. A. Schelling. 2 Über Emmler~3, 213 f., 217 ff. Reiche Nachrichten über ihn aus Genfer Archivalien verdanke ich Dr. A. Schelling. Ulrich starb 1535 an der Pest. Bei ihm wohnte auch Sebald Örtel auf seiner Pilgerfahrt nach St. Jago. Mitteilungen Germ. Mus. 1896, S. 68. 3 Zucker 3,4. 11. 124. 131. 198f.; Kaninchenfelle 3,4; Schmer 3, 13; Kürnt 3,129. 209. * Barchent 3,4. In Nr. 25 u. 26: Wein zu Rolle, Feigen (auch 3, 214), Mandeln (auch 3, 214), Weinbeeren, Öl (auch 3, 214), Kapern, Bückinge, torong, Briefsand 3, 221. Fanna3, 74. s 3,13. 6 3,12. 17. 27. " flMBflHHUHMBfll^BQHi^MSI Genf. Handel. Lyon. Privilegien 369 Leuten eine andere Straße suchen. 1 Auch in der Nähe von Genf war es Brauch der Zöllner, den Ravensburgern die Zölle zu stunden. Von Juni 1476 bis Februar 1478 hatten es die Zollpächter von Nyon und Morges getan. 2 Die Genfer Messen hatten für die Ravensburger niemals dieselbe Bedeutung wie für viele Romanen, denen sie ein Endpunkt ihrer Fahrten nach dem Norden waren, und die Oberschwaben hatten, von Oanemasserie abgesehen, auch kaum Waren zu kaufen, denen sie ja viel weiter entgegengingen. Aber sicher nahmen sie doch in der Rue des Allemands eine bedeutsame Stellung ein. § 56. Lyon. Die allgemeinen Privilegien erweitert für Schweizer, für Deutsche. Geleitsbriefe für die Gesellschaß. Behandlung in der Praxis. Stimmung gegenüber den französischen Königen. Meßtermine. Fünf Meßrechnungen. 1477 — 1480. Glücklicher als Genf war Lyon, dem wir uns nun zuwenden. Alle Kaufleute aller Länder hatten durch die königlichen Meßprivilegien freies Geleite auch außerhalb der Meßzeiten, sie waren vor Repressalien sicher, und auch das südeuropäische jus marcarum galt nicht. Auch das droit d'aubaiDe war beseitigt, der Nachlaß eines gestorbenen Kaufmanns fiel also den Erben zu, der Kranke konnte sein Testament machen wie in seiner Vaterstadt. Die Kaufleute waren weiter frei von allen außerordentlichen Abgaben, Steuern usw., nur wer sich dauernd auf Lebenszeit in Lyon niederließ, hatte an dieser Vergünstigung keinen Anteü. Die Kaufleute waren nicht verpflichtet, ihre Handlungsbücher zur Einsicht vorzulegen, für den sich entwickelnden Geldhandel war es von hoher Bedeutung, daß das Privileg des Zinsennehmens bis zur Höhe von 15% von den Champagner Messen auf die Lyoner übertragen wurde. Den schweizerischen Kaufleuten war wohl schon durch König Ludwig XL zugestanden worden, daß für sie die Meßfrist verlängert wurde. Handelte es sich dort um 10 Tage,, so erreichten die deutschen Reichsstädte 1516 eine Fristverlängerung um 15 Tage. Daneben müssen aber noch vom französischen Könige besondere Geleitsbriefe für alle deutschen Kaufleute oder die Ravensburgische Gesellschaft allein ausgestellt worden sein. Bei der später zu besprechenden Wegnahme auf dem Meere bei Vivero war die Gesellschaft schon im Besitze eines Geleites. 1477 ließen sich die Humpis von des Königs Geleit drei beglaubigte Abschriften machen. 3 Nach dem Tode König Ludwigs XII. (1515) schickten die Ravensburger Wolf Apenteger nach Lyon: „Damit Du die Läufe jetzt mit dem neuen Könige (Franz I.) erkennest, wie er sich mit allen Nationen und Kaufleuten halten will, insbesondere mit uns Deutschen von Reichsstädten, ob er uns ein freies sicheres Geleit geben will, wie der vorige König getan hat, und was sein Vornehmen mit uns und anderen Nationen und Kaufleute sein will. Werden die 1 3, 75. 2 3, 25. 3 3, 24. Schulte, Oesch. d Ravensburger Handelsges. I. 24 370 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. III. Ehonelandschaften. § 56 Eidgenossen mit ihm eins, so werden sie Kind im Hause sein. Aber dazu wird noch, viel gehören, aber Geld tut viel." 1 Daneben erstrebte die Gesellschaft aber ein besonderes Geleit, wie sie es schon vorher gehabt hatte. „Ein Geleit von dem jetzigen neuen Könige," heißt es weiter, „wollten wir gern haben per mare et per terra. Wir halten dafür, daß andere Deutsche, Welser und andere, auch danach stellen werden. Da mach durch gute Freunde Kundschaft, wie wir eins für lange Zeit erhalten möchten. Je länger die Zeit wäre, desto lieber wäre es uns. Dennoch wollten wir nicht gern zu viel darum geben." 2 Das Ergebnis ist uns unbekannt. In den Jahren, da die Eidgenossenschaft glücklich eine oberitalienische Expansionspolitik gegen Frankreich trieb, war der Gedanke aufgetaucht, daß sie in Verbindung mit Kaiser Maximilian die Genfer Messen wieder aufblühen mache. Aber der Versuch führte nicht zum Ziele, und die Schlacht von Marignano (13. September 1515) entschied zuungunsten der Schweizer. Die schweizerische Friedenspartei errang dann die Übermacht, und auf dem Friedenskongreß zu Freiburg kam die ewige Eichtung zustande (29. November 1516), weiche bis zur Französischen Eevolution die Beziehungen der Nachbarstaaten regelte. Kaufleute, Boten u. a. durften beiderseits mit Leib und Gut in allen Gebieten frei verkehren, mit keinen anderen Zöllen und Beschwerden belastet, als sie von jeher gebräuchlich waren. Speziell blieben die alten Vorrechte der eidgenössischen Kaufleute in Kraft. In der Tat waren durch diesen Grundvertrag auf die Dauer die Eidgenossen lieb Kind im Hause Frankreich geworden. Der Vertrag war trotz der nicht immer einwandfreien Fassung die solide Grundlage der Beziehungen der Eidgenossenschaft zu Frankreich in Handelsfragen. Das war auch der Bavensburger Gesellschaft von Nutzen, die noch immer eidgenössische Mitglieder zählte, die im Notfalle vorgeschoben werden konnten. Die Deutschen hatten ihre Privüegien schon schneller erreicht. Wir müssen etwas zurückgreifen. Nach Wüd hatten sie schon um 1463 die Verlängerung der Meßzeit um 10 Nachtage erhalten. Aber erst 1473 hatten die Kaufleute auf Betreiben der Berner schriftlich genehmigt erhalten, daß die oberdeutschen Kaufleute die 10 Nachtage haben sollten, wenn sie ihre Waren nicht zu den Messen von Genf brächten und sie dort nicht ausstellten. Von Karl VIII. wurde diese Vergünstigung auch den Kaufleuten von St. Gallen, Appenzell und Wü gewährt. 1499 bestätigte Ludwig das Patent seines Vorgängers. Für die oberdeutschen Kaufleute wurde durch Franz I. die Zahl der Nachtage auf 15 ausgedehnt (14. März 1516). 3 1 3, 218 ff. 2 3, 221. 3 Vgl. Wild, S. 27 f., und Bresard, S. 121. Wild gibt das Jahr 1515 an, nach dem Neujahrsanfange gerechnet handelt es sich aber um das Jahr 1516. Das Privileg ist bei Vogel, Les Privileges de Suisses, Yverdon 1770, abgedruckt. Dieses Buch war mir aber nicht zugänglich. ■MHHH '■XfieEws-*, Privilegien. Krisen. Mißtrauen gegen die Könige 371 Es ergibt sich also, daß die oberdeutschen Kaufleute von 1515 an besser gestellt waren als die eidgenössischen. Ihre Lage in Lyon war eine recht günstige. Sie hatten außerhalb der Meßzeit nur die reve oder Domaine forain für die Ausfuhr zu bezahlen, die in einer Quote von 4 $ für den Warenwert von 1 U bestand = 1,67 %, während der Meßzeit fiel auch diese Abgabe fort. 1 Diese Abgabenfreiheit während der Messe war mehrmals bedroht, und wirklich gab es Kaufleute, die zur Meßzeit ihre Waren durchführten, ohne sie ernsthaft auszubieten. Auch die Eavensburger zählten zu ihnen. Während der Augustmesse 1479 wollten sie 4 Ballen Safran fortführen. Aber die Zöllner wollten keinen frei herauslassen; sie sagten, die Freiheit der Messe sei nicht, daß man Gut gleich durchführen dürfe, man müsse es erst an drei Tagen feühaben. Sie forderten 6 Franken für die Carg, wo man außerhalb der Messe nie über 3 gegeben hatte. Der Wirt riet, man solle zwei Tage warten, so wolle er helfen, daß man frei herauskomme. „Man muß wieder einen Pakt mit ihnen machen." 2 Aber schließlich griff in solchen Lagen das Meßkonsulat und die Stadt Lyon ein — selbst durch Pachtung der Abgaben •—, um die Kaufleute nicht zu verärgern und von Lyon fortzutreiben. Trotz aller Privilegien waren die Eavensburger gegen Frankreich, besonders gegen den König Ludwig XL mißtrauisch. 3 Als im April 1474 die Bürgerschaft von Breisach gegen den burgundischen Landvogt Peter von Hagenbach vorging, zitterte sofort diese Bewegung nach Lyon hinüber, obwohl ja noch gar nicht deutsch war, wie sich Ludwig XI. in dem ausbrechenden Kampfe stellen werde. Die Eavensburger meinten, ihr Kommissionär (oder Geselle) Philipp Fechter von St. Gallen hätte sich sofort mit den Büchern nach Genf flüchten sollen, anstatt in Lyon zu bleiben. Man erbat sich sofort Nachrichten über alle Läufe. 4 Und nach den Burgunderkriegen im März 1478 neue Beunruhigung. Man schrieb von Lyon: „Wir haben Euch alle unsere Sorge geschrieben, daß Ihr unser Gut flüchtet, bis man sehe, wie dem Könige die Berichtung gefaüe, so zu Zürich beschehen ist; 5 wir besorgen, er werde ein großes Mißfallen daran haben. So ist er sonst den Deutschen nicht gar hold und ein ungetreuer Herr und daß wir uns mehr denn übel besorgen, er nähme eines Tages Leib und Gut. Der allmächtige Gott behüte alle frommen Kaufleute. Darum war es ganz unsere Meinung, Ihr solltet uns nichts zu Lyon oder im Lande lassen. Als Claus (Frauenfeld) schreibt und sich 1 So nach Brösard, nach Köpf, S. 48, wurde auch die reve nicht erhoben. 2 3. 125ff.; vgl. 3, 122. 3 Dieselbe Meinung bestand schon 1466. Vgl. Tetzels Bericht in Leo von Bozmital, Beise durch die Abendlande, Bibl. des literar- Vereins 7, 164. 4 3,6. 5 Es handelt sich um den am 24. Januar 1478 abgeschlossenen Frieden zwischen Erzherzog Siegmund, dem Herzog von Lothringen, den Bischöfen von Straßburg und Basel, den Eidgenossen usw. und dem Erzherzog Max und seiner Gemahlin Marie von Burgund, der Erbin Karls des Kühnen. mmmmM 372 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. III. Rhonelandschaften. § 56 auf die Zusagen derer von Lyon vertröstet, ist nichts. Was der König ihnen gebietet, dagegen wagen sie nicht ein Wort zu sagen oder zu reden. Wir besorgen für uns in dieser Ostermesse um Leib und Gut." Man verließ sich auf die Klugheit Lamparters. 1 „Vielleicht bedenkt der König und die Landschaft den Nutzen, den sie von der Kaufmannschaft hat." Man hatte, da das spanische Königspaar die Absicht habe, durch einen Krieg Eoussillon zurückzugewinnen, schon einen Boten nach Toulouse gesendet, damit man keine Waren aus Spanien schicke. „Nimmt der König etwas vor, so ist es gut, ist das nicht, so wäre es lieber vermieden worden, damit das unsere (Safran) herauskäme." 2 „Je minder wir diese Messe zu Lyon haben, um so lieber ist es uns." 3 „Daß wir nicht in der Klebe hangen." 4 Aber schließlich meinten sie doch: „Vielleicht bleibt die Straße (durch Frankreich) gar gut." 5 August 1479 war man infolge der französischen Bemühungen, die Franche Comte zu behaupten, in Lyon wieder sehr besorgt: „Gott behüte uns um und um vor Übel; denn bei diesen wilden Läufen ist es gut, sich wohl vorzusehen. Wiewohl die Straßen offen sind und niemand eine Klage hört, so ist es dennoch sorglich." 6 Auch der nächste Brief vom Oktober 1479 ist nicht ohne Sorgen. 7 Die Briefe vom Dezember 1507 und September 1513 sind von Ängsten erfüllt. 8 Die Zeiten der Burgunderkriege und des sich infolge der burgun- dischen Herrschaft und des Kampfes in Italien herausbildenden Gegensatzes zwischen Habsburg und Valois konnten die oberdeutschen Kaufleute wohl immer mit neuen Besorgnissen beunruhigen. Die Meßtermine lagen auf das Jahr verteilt. Um mit der größten, der Ostermesse zu beginnen, so schwankte sie mit dem Osterfeste. Sie begann am Montag nach Quasimodo (= erster Sonntag nach Ostern) und endete ohne die Nachtage 14 Tage später. Der Anfang schwankte also zwischen dem 31. März und dem 3. Mai. Die Augustmesse hub am 4. August an und schloß am 19. Die Herbstoder Allerheiligenmesse umfaßte die Zeit vom 3. bis 18. November. Die Bpiphaniamesse oder, wie sie von den Deutschen, weü Bpi- phania der 12. Tag nach Weihnachten genannt ist, benamst wurde, die Zwölfermesse, begann am Montag nach Dreikönige (6. Januar), der Anfang konnte also zwischen dem 7. und 13. Januar schwanken. Häufiger heißt sie auch die Bartzioner Messe. Wir haben über fünf Messen Bechnüngen der Gesellschaft, leider ist aber keine so gut geführt, daß nicht irgendwelche Zweifel blieben, namentlich ist nicht immer gleichmäßig rechnerisch klar, was auf Kredit und was gegen bar verkauft oder erworben wurde. Siehe folgende Tabelle I über den Verkauf auf Lyoner Messen. 1 3, 72. 2 3, 72. 75. 80. 88. 3 3, 88. 4 3, 91. 95, 5 3, 96. 6 3, 126. 7 3, 132. 8 3, 214fi. ^km Lyoner Messen 373 c vi VI tu a XI t- — V — '"* < o 00 E CO 3 CO e iß CO CO c 1 1 1 B O o 1 I 1 1 1 1 l 1 1 = CO CM u c 1 i pH t*- ^ i ö tö « > lß TP TP 1 1 t Cfl J= a tu «=, oi i 1 TT 1 Lß" CC i ö -- - C TP 1 1 1 l PO eö bo tu B "*"* _ i SS C-" CM oö o3 CO Oi to C 1 CD cö T? !* TT O0 —< P 3 fc CN CN 0) .—i 4 TP X! - tu tsj N < Ol tP 33 O 33 CO 1 a 0 CN 1 S !C3 | B ° s -S 2 « 3 !■ 1 1 1 | l "tu | CO n 'O CN CO Ol 33 CO CD T CO CM st" 3 ' CO u B 1 cu | 1 1 CO CA J= c »O =». CD | 1 1 1 1 1 1 1 CO 1 1 1 I 1 1 CS W IN* r-*" TP O. = s Ol CO TP CO E - oo as s^ f^ 3 s» Ä TP Cd O* o CO CO CD iß CD 1 ■1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 l 1 1 Ü tu 1 1 1 d «3 1 TP l 1 CA tfi Ä 4l =5 1 -' 1 1 1 TT CO* c" 1 1 d ! 1 1 er" •1 Ol 5 w CO o TP TP Ol lß d cö cö W P» CO Iß o lß t*. TJ« TP 3 CN r«. r— o* u < S 3 53 & 33 £ CU 53 TP C CM Iß lß S CD 00 1 1 o CO CJ 1 1 , 1 1 1 1 1 1 O» CO U CD J cö CO CO 1 CD* I cö cd | | CN oö 0) « 15 i w o ■a, —^ CD TP _^ CO ro d CD l d CJ [ | T» 1 cd «1 1 1 E W IQ CN >ß cö (-3 CO -s n" CD r-^ IQ CN CO CO ki Ol CO t-. CO IM -^ , CN TP iO o> Ol "S V 'ß CD *"' CN iß s? es »-" m O tp 6 3 C « 3 53 cn CO ro 33 00 iß 53 CO CN 33 CO Iß C CU CQ Lß CO 1-. (U u CV} TP 1 1 1 CN iß iß 33 CD Ps. CM 33 CO CO 53 CO 1 i | « QJ 0 O -a U5 a n w CO tu 6 TZ •5 a 3 o 5 ; CU 3 C3 ■3 0 CO '■ 01 a s V U > ~3 e (0 tj r3 3 OS CJ C et 2 c c: c- * 3 £ CO -* CM o CO rH "* 00 oo T—t CM 0 (S 3 CD ■* cd' "* wo 52 « «a. 00 CT) 1 " i o 2 ^ 5 irf cd t4 »o =a CO CM CO ■r-i tH -* CM CO lO c ^ S tH o CO o oo oo 3 « c- o T-C r- o CO TT CM oo 0) -* 00 00 ö o >, J 03 •-H ja 1 1 M-H •g S 00 o3 CD CD -S S|. ^L 1 1 1 1 *** -* -* c P< -# tH • »-1 w « CD CD s Ol a 5l .& CO CG ■* o 1 1 CM c CD a Ol «a. o T-4 od Oi 1 1 -* <3J 8) CR © t> cq pH o ■pH CO -rrl C CO 00 O TM CO TH CD OO l-H Ol X! a ä> ja eo lO 1 00 ju XI CO «a. © rH cm' CD 1 cc -rj 1 CO w CD CM H CS o « CO eo CO o IO oo -p3 «4-1 a =03 J3 a o ß pB o 32 CD a p. c t. o ts ff> hD s 'S CO pH o l> co hfl "ff> * s l-H es "3 CO :0 TS a cS M ff> hfl § 1 a 3 w ja CS 03 a .& t H i m W p» ; p= ) O H i-H t> CO CO 3 hh ^h CM T-t 00 P- CO 00 CO ESI •«* 00 CD tH CM o oc 00 t> tH CO CM o a CO 3 °°' od 1 ■<* ^f c5 •SP 1 § © ca «3 | vä 1 ^ lO o T------1 in 2 JS CO P—4 t> oä T-I tH iO -t pph CO c» C5 o tH ▼H i—4 eo •* -«1 lO m a - 1 | H TH CO 3 1 1 1 r-t c hD OJ Ol '-3 CO - 03 , , oo' tH Ö c/5 «1 5 ® oo' 1 iO 1 1 CT) od •pH od CO eo a> CM t> -* k-H Cfj CM CM uO 00 eo 1- 3 CD CD 00" CM » t-i 1 CO cd j cd ►J c8 ja 1 i «+H ■* 'S od o cd CD X M-H 1 tH o 1 1 »o -#' cd P( tH iO CD -^H c- c H ea th TH CM CO 00 • —-< tH T-H T-( C (LI 43 cd CO CO ^ 1 | | CM CM 5l CM il CO CD 3 a 43 i «-, | 1 1 ci | CT) »# t> cu 1° «Q o id CM CM Ofj o • pH « S o CO CO »H ■p" CD T3 T-H tH iO o CD IO tH CO CM Im CU CO CO l-H ja | 1 1 i 1 | od od ^ CO i 13 £: a ca m co co' i 1 »o cd 1-H J3 CS H TH CD -p» 10 t> CD Oi O 00 pH 00 CO « 3 CM CM 05 CO CT) o o o CO T-t o iO ■pH c- oo oo -fp H s : ca cd" B PH B ; :o3 B • o E CD hfl B B *CO co J= T3 # Q0 CD =3 ff) J3 5 a : a . a a ! 02 CD JJ pB c 69 o 03 03 ff) <-H TS ja '5 P c t- c CD 3 |1 > cd hc a j^ o 1 B ff) ff) -H co H B B B fl o3 1---5 ff) e3 376 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. III. Ehonelandschaften. § 56.57 Brügge am 15. Januar und 1015 fl 7 ß 6, zahlbar in Nürnberg- Januar 1481. Also in dieser Messe 3141 fl 4 ß 6. Durch ein Kommissionsgeschäft nahm man in der Allerheiligen- messe 1479 ein 243 fl 3 ß 4, die in Bavensburg dem Auftraggeber zu ersetzen waren. Das ergibt die Tabelle II (S. 375). Unter den Ausgaben erscheinen zunächst die abgezahlten Schulden: Ostern 1477 in 4 Posten: 7327 fl 6 ß; August: 100 fl. An Fuhrlohn und Zehrung erscheinen Ostern 1477: 126 fl 8 ß; Augustmesse: 165 fl; 1478 Epiphanie: 150 fl 10 ß 6 ^; 1479 Allerheiligen 295 fl 9 ß; 1480 Allerheiligen: 72 fl 5 ß 8. Weiter an Zahlungen für Gesellen, Kommissionäre und Wirte, in denen zum Teil Ausgaben für Fuhrlohn, Zoll und Herberge stecken: Ostern 1477: 99 fl; Allerheiligen 1479 an 3 Gesellen 197 fl 8 ß 2, an den Mann zu Toulouse 61 fl 7 ß 3 bl., an den Wirt zu Lyon 269 fl 5 ß 9 und an den zu Genf 170 fl, zusammen 528 fl 9 ß 2 bl. Endlich streckte man Freunden Ostern 1477 80 und 1480 91 fl 8 ß vor. Es ergibt sich somit vorstehende Übersicht über die Ausgaben (Tabelle in S. 375). Von der Epiphaniamesse 1478 heißt es in einem Briefe, sie sei nicht groß gewesen. 1 Die Augustmesse 1479 versprach nicht viel wegen der Kriege und der Pestgefahr. 2 Man behielt auch Zucker übrig. 3 Die Augustmesse 1480 erweckte offenbar auch nicht viel Vertrauen. 4 Es blieben also in einzelnen Messen sehr bedeutende Beträge übrig. Mitunter berichten die Meßzettel auch über die Bestimmung der Gelder. Von der Augustmesse 1477 wurden 3235 fl nach Bourg en Bresse zum Ankauf von Canemasserie gesendet. Da die Beeh- nung auch Genf umschließt, so ist die Abweichung von dem errechneten Überschuß zum Teil verständlich. 1478 Epiphania waren für Canemasserie 564 fl 3 ß bestimmt. Die Abrechnungen sind nach ganz verschiedener Art geführt, enthalten auch Fehler und weichen daher manchmal von unseren Angaben ab. Jedenfalls erkennt man, daß in Lyon von der Gesellschaft mehr verkauft als eingekauft, mehr Kredit beansprucht als gegeben wurde, um eine stattliche Summe in die savoyische Landschaft Bresse zu Zwecken der Anlegung in Canemasserie überführen zu können. Nach Bavensburg oder nach den spanischen Geliegern führte man keine Gelder ab. Die späteren Instruktionen und Berichte von 1507, 1513 und 1515 zeigen, daß die Gesellschaft den Warenhandel in Lyon noch mehr eingeschränkt hatte. Ich behandle sie mit den übrigen reichlichen Nachrichten zusammen, um das gewonnene Bild noch deutlicher zu machen. 1 3, 72 f. 2 3, 125. 3 3, 130 f. 4 3, 178. ■■HMH WP Messen. Waren 377 § 57. Lyon. Waren: spanische, deutsche, italienische. Einkauf: Canemasserie, anderes. Schuldner. Wechsel- und andere Gläubiger. Der Zweck der späteren Meßbesuche. Beraubungen durch Franzosen. An der Bidassoamündung. Goulon. Bei St. Pe de Bigorre. Fra Bernardin. Marranen. Unterbringung des Geliegers. Leiter. Kommissare. Bedeutung Lyons für die Gesellschaft. Gründe ihrer Zurückhaltung. Über die meisten Waren ist im neunten Buche näher gehandelt. Hier genügen kurze Hinweise. Ich beginne mit den von Valencia kommenden Waren. Der Zucker war früher sehr gut gegangen. 1479 klagte die Gesellschaft, er will nicht mehr tun als vor Zeiten, und man befürchtete, daß auch in Lyon wie in Brügge der portugiesische Zucker den Valencianer vertreiben werde, was ja schließlich auch geschah. Aber die Gesellschaft konnte zunächst es noch aushalten, wenn ihm auf einer Lyoner Messe übrigblieb, solange er in Nürnberg Preis hielt und wohl auch schon in Genf einen Käufer fand. Eine so hochwertige Ware konnte die Kosten vertragen, wenn die Kisten nur gegen Feuchtigkeit ausreichend geschützt waren. Lyon ist später der Hauptmarkt für Bohseide geworden und der Mittelpunkt einer starken Industrie. Zu dieser legte 1467 der König die Anfänge, indem er italienische Arbeiter dorthin berief, die er später nach Tours verpflanzte. Die Einfuhr von Seidenstoffen nach Frankreich war trotz der Pariser Produktion sehr erheblich, und ihr trat Karl VIII. 1483 entgegen, indem er darauf einen Zoll von 5 % legte. Die Bavensburger führten keine Stoffe, wohl aber Bohseide aus Valencia und die feinere aus Almeria ein. Doch war das ein oft stockendes, schwieriges Geschäft. Absatz fand man bei Kaufleuten aus Paris und Mailand. Aber auch hier konnte man übriggebliebene Seide von Almeria nach Genua und Mailand', Valencianer nach Köln und Flandern überführen. In Wachs von Valencia war einiger Handel, Beis wurde in Betracht gezogen, und dann dachte man gleich an 200—300 Ballen, 1 Grana ward auch verhandelt, zumal wenn die in der Provence mißraten war, auf der Allerheiligenmesse 1479 blieb ein Ballen unverkauft. Blaue Baumwolle und Packbaumwolle kam nur in kleinen Quantitäten zum Verkaufe. Kaninchenfelle (wohl von Barcelona) erscheinen einmal. Safran (von Saragossa) ging durch. Aus Deutschland begegnen einmal Hüte, zweimal Schmer, von Metallen begegnen Zinn und Silber, Zinn als Probe, Silberverkauf finde ich dreimal. 2 Woher die fanna stammt, die einmal erscheint, 3 gelang mir nicht festzustellen. Eigentümlicherweise brachte die Gesellschaft nur selten Barchent von Ulm her zum Markt (zweimal, ein weiteres Mal in Kommission), in sechs Fällen kaufte man ihn von Ulmern in Lyon ein. Zur Ostermesse 1477 kamen auch 4 Ballen Mailänder. Die Canemasserie wurde in der Begel in der Landschaft aufgekauft, worüber bald zu handeln 1 3, 15. 2 3, 6, 40 f. (1510 1280 fl in Gold), 209. 3 3, 74. Bm\ 378 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. III. Rhonelandschaften. § 57 ist. So bekam man die Waren billiger als auf der Messe, wo gleichwohl doch eine Sorte ergänzt wurde. Der Landankauf stand unter Aufsicht des Lyoner Geliegers. Dieser Ware blieb die Gesellschaft treu, 1507, wo wahrscheinlich der Landeinkauf längst ein Ende gefunden hatte, kauften die Gesellen allein für Mailand 42 Ballen. 1 Auch noch 1515 erscheint diese Ware im Transport der Gesellschaft für einen Freund. 2 Über gelegentlichen Ankauf von Messern ist schon oben gesprochen. So bleiben nur noch kleine Privatbestellungen für Gesellen übrig, wie Kapern, Tischlaken, Servietten, Marderfelle, Bücher und graues Tuch. 3 Die Schuldner in Lyon machten den Herren weit weniger Sorge als in Saragossa. Man verkaufte ja meist gegen bar, so machte in unseren Quellen nur der Herr von Grenyena (Grena, vielleicht Grig- nan in der Provence) Kummer. 4 Die übrigen waren zu einem nicht geringen Teile Deutsche; 5 in der späteren Zeit, wo der Warenhandel eingeschrumpft war, sind darunter neben Gesellen vielfach Fuhrleute, Boten, Schiffer mit kleinen Beträgen. 6 Ein Verzeichnis von der Augustmesse 1477 enthält zusammen 2260 fl 9 /? 3V 2 bl. Darunter ist ein Kaufmann von Mecheln mit 1200 fl, Girolamo de Pazzi e compagni von Florenz mit 650 fl. Der Best verteüt sich auf 13 Schuldner, darunter 5 Deutsche. 7 Der Bankrott der Beaqua von Mailand war in Lyon eingetreten. 8 Aus den Verzeichnissen kann man ersehen, wie weit gespannt der Umkreis der Meßbesucher war. Umgekehrt hatte 1507 Lyon schwer Maüand belastet (12 U Gold und 500 V). 9 Angenehmer war die Lage, als im gleichen Jahre man dem Hochrütiner in Frankfurt 250 fl gab, wofür er den Wechselbrief in Lyon einzulösen hatte. 10 Es nahmen aber auch Gelieger Wechsel auf Lyon, die dann, wie auf der Ostermesse 1514, wohl oder übel eingelöst oder durch Wechsel auf Nürnberg ersetzt werden mußten. 11 Wie wir gesehen haben, hat die Gesellschaft häufiger Wechselschulden gemacht. Zu den angeführten Fällen kommen noch folgende hinzu. 1478 von Schiffmann 1000 fl, zahlbar Nürnberg, Lukas Fugger 400 fl ebenso, 1479 von Läuble in Bern 1500 fl rh., zahlbar in Bern, von Endres Tucher von Nürnberg 200 fl, zahlbar in Nürnberg, von Hans Ophofer 234 fl 14 ß 8 ,9,, 1480 von Egloff Müller 120 V, zahlbar Antwerpen, nicht gezahlt, dann zahlbar in Lyon gestellt, 1503 von Vöhlin-Welser 200 fl, 1507 von Konrad Sporer 150 fl, 1513 von Schlüsselberger 300 fl current. 1508 schuldete man in Lyon 109 fl 5 ß 8 bl. curr. nach Aigues-Mortes (Konsul), Avignon und Belleville. 12 1 3, 309. 2 3, 219. 3 3, 70. 221. 206. 209. 212. 6 3, 211 f. 213. ' 3 11 3, 220 f. 12 Vgl. 3, 129. 160. 215 ff. 337. 351. 383. 390. 397. 432 4 3, 91. 198. 211. 213. 218. 6 3, 17. 197. 198. 8 3, 264. 9 3, 309 f. 10 3, 393. Die späteren Messen, Beraubungen durch Franzosen 379 Die Instruktionen und Berichte von 1507, 1513 und 1515 zeigen deutlich, daß die Gesellschaft in Lyon den Warenhandel eingestellt hatte und sich am Geldhandel kaum beteiligte. Es gab kein rechtes stehendes Gelieger mehr, aber es blieben doch noch Aufgaben, die im wesentlichen im Fördern der Transporte, Abrechnungen, Aufmerken auf den Stand des Safrans, die Kurse von Spezereien und Geld, Führen von Prozessen bestanden. Man mußte doch ein Augenmerk auch auf politische und wirtschaftliche Dinge in Frankreich halten. Von Lyon aus wurden auch die Streitigkeiten, die sich im Anschlüsse an die Wegnahme von Waren durch französische Untertanen zu Lande oder zu Wasser anschlössen, abzuwickeln versucht. Zwar nicht immer. Doch ist hier wohl der beste Platz, alle Fälle kurz zu behandeln. Im Jahre 1474 kamen Waren der Gesellschaft (darunter holländisches Leinen), die von Brügge nach Saragossa bestimmt waren, in der Bucht der Bidassoamündung in der Gegend von Fuenterrabia und Biriatou (Dep. Basses Pyrönöes) an und wurden auf Barken umgeladen, sie landeten bei dem Schlosse Saint-P6e (Sanperae), wurden aber von dem Schloßherrn, der sich als königlicher Beamter ausgab, als feindliche Waren abgeführt und trotz des königlichen Geleites nicht herausgegeben. Die Gesellschaft wandte sich an die Stadt Bern, die an den König ein würdiges Schreiben richtete, um die vollständige Bückgabe auch mit Bücksicht auf die burgunderfeindliche Gesinnung der Kaufleute zu erreichen. 1 Der zweite Fall betrifft den berühmten königlichen Kapitän Guülaume de Casenove, beigenannt Ooulon (Colon), der früher irrigerweise mit Christoph Columbus in Verbindung gebracht wurde. Er hat in den Kriegen seines Königs mehr wie einmal feindliche Handelsschiffe aufgebracht. Die erste Nachricht über den Anfall auf ein Schiff, das Waren der Gesellschaft trug, findet sich in dem Notizbuche der Gesellschaft vom Oktober 1474. Es heißt: „Item, von der Sache von Arisflor mit dem Geisberg zu reden, ob er sich der Sache unterstehen wolle, daß Konrad Muntprat empfohlen werde mit ihm zu reden oder zu schreiben." 2 Wenig später heißt es: „Mit Jörg Geisberg von seiner Beise wegen reden." 3 Noch im November heißt es: „Von der Brief wegen gen Hanflor daß die (gemeint ist das Gelieger in Brügge) die gen Genf senden." 4 Näheres erfahren wir durch die Briefe der Stadt Bern an den König von Frankreich vom 6. Dezember 1474 und 8. März 1475. 5 Die Stadt nahm sich der Sache wegen ihres Wohlwollens gegen die Stadt Bavensburg und ihre Kaufleute, von denen einige aus ihrem Gebiete stammten, der von ihnen geübten alten, beinahe brüderlichen Liebe, und weil sie im Kampfe gegen Burgund täglich geistig 1 Brief vom 10.November 1474, bei Heyd, Ravensb. Gesellsch., S. 65. 2 3, 10. 3 3, 11. * 3, 14. 5 Bei Heyd, Ravensb. Gesellsch., 66—69. 380 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. III. Rhonelandschaften. § 57 mithalfen, an. Dann wird die Sache so dargestellt, einige der königlichen Kapitäne und vor allem Colnmb von Hanflor in der Nor- mandie habe auf die Kaufleute gelauert und ihre Waren in Gewässern, die dem Könige von Neapel nahe gelegen waren, geraubt, die Kisten, die mit Tuchen im Werte von 2600 rh. fl gefüllt waren, aufgerissen. Das sei eine Schande für den König, von dem die Kaufleute mehrfach freies Geleit erreicht hätten. Den Schaden könne der mitgeschickte Berner Stadtschreiber näher erläutern. 1 Die Stadt bittet in dieser sie beinahe selbst berührenden Sache um schnellen Schadenersatz. Doch die Stadt und ihr Schreiber hatten zunächst keinen Erfolg. So folgte ein zweiter dringlicher Brief. 2 Dieses Mal hob die Stadt hervor, daß mehrere von den Kaufleuten nicht nur aus ihrem Gebiete stammten, sondern auch in ihrem Burgrechte (burgensia) ständen. Weiter erfahren wir über die Sache nicht, doch ist den Bavens- burgern wohl ihr Becht geworden, denn unzweifelhaft gehörte die Tat unter die Seeräubereien Coulons, und zwar zu seinem Hauptstücke. Am 1. Oktober 1474 griff der Vizeadmiral mit sieben Schiffen auf der Höhe von Vivero an der Nordküste der spanischen Provinz Galicien zwei neapolitanische Galeeren, die Ferrandinen, an, die mehrfach von der Gesellschaft benutzt wurden, und nahm sie weg. 3 Er kehrte dann sofort nach Honfleur zurück. 4 Auf dem Schiffe, das unter der Begründung weggenommen wurde, die Leute des Königs Ferdinand hätten sich in den Streit um die Landschaft Boussillon 5 eingemischt und seien aus Frankreich feindlichen Ländern England und Burgund gekommen, befanden sich außer Waren der Bavensburger Gesellschaft solche der Mötteli-Gesell- schaft, des Frankfurter Bürgers Johann von Mehlem, Kölner Bürger, Florentiner, Genuesen und Untertanen König Ferdinands. Hansische Kaufleute waren anscheinend nicht betroffen, Köln stand damals außerhalb der Hansa. Die Galeassen kamen also von ihrer regelmäßigen Fahrt nach Brügge über England heim, und ihnen hatten auch die Bavensburger in Brügge Waren für Valencia, Barcelona und Genua mitgegeben, die die Schiffe anzulaufen pflegten. Auch die übrigen Betroffenen erhoben wie König Ferdinand Einspruch, und wohl über keine andere Schiffsbeschlagnahme sind so viele Akten uns überliefert, als über diesen Handstreich 6 des 1 Vgl. 3, 195. 2 Vom 8. März. Auf Simyeten Tag (wohl Simpertstag = Donnerstag vor Estomihi), also am 2. Februar, schickte Fränkli von Bern einen Boten nach Bavensburg (3, 195, ausgelassen). 3 Auch (die Kölner Kaufleute Gilse und Stertzgin (gemeinsam mit dem Frankfurter Johann von Mehlem), Vurberg und van der Burg hatten Waren darauf. Kuske, Quellen z. Gesch. d. Kölner Handels und Verkehr, 2, Nr. 652. 4 Vgl. de la Ronciere, Histoire de lamarine francaise, 2, 360. Heyd, Ravensb. Gesellsch., 27 ff. Näheres bei Harrisse, Les Colombo de France et d'Italie, 1874. 5 Oben S. 338. 6 Vgl. vor allem Hansisches Ur- kundenbuch 10, 222 f., und namentlich S. 222, Anm. 2. Beraubungen durch Franzosen. Unterbringung 381 französischen Vizeadmirals. Die Eückgabe erreichten allem Anscheine die Kölner und Johann von Mehlem nicht. Wie die Florentiner mit 29 626 V entschädigt wurden, geschah es auch mit den Bavensburgern. Klaus Frauenfeld brachte 1477 zur Lyoner Augustmesse aus Frankreich 931 fl 9 ß current, das wären allerdings nur 422 11 rh. 1 Infolge einer bei St. Pe de Bigorre auf dem Landwege von Saragossa nach Lyon Ende 1478 stattgehabten Wegnahme wurde von der Gesellschaft ihr Teilhaber Klaus Frauenfeld, Bürger von Zürich, zum Könige geschickt. 2 Auch er hatte einigen Erfolg. ,,Was man noch einbringen möchte, wäre gefundenes Geld." Aber völlig war man nicht damit zufrieden, er hatte viel darauf verzehrt, und der Gesellschaft war nicht viel geworden. Solle 'man die Sache hängen lassen oder weitere Kosten darauf legen? So fragte man Lamparter-, denn inzwischen hatte Klaus der Gesellschaft den Abschied gegeben. 3 Vielleicht bezog sich das aber auf eine spätere Wegnahme, die ebenfalls zu St. Pe" sich abgespielt hatte. 4 1513 hatte die Gesellschaft es mit einem französischen Korsaren, Fra Bernardin, zu tun. Wolf Apenteger berichtet eingehend über den Prozeß, der gegen ihn in Marseille geführt wurde. Der Ausgang schien ihm ganz sicher zu sein, in der Hauptsache war das Becht der Gesellschaft schon anerkannt, und nun handelte es sich um den Schadenersatz. Bernardin wollte die Sache von dem königlichen Leutnant an das Parlament in Aix ziehen. Ein durch Mittelsmänner erstrebter Vergleich kam nicht zustande. „Da muß man die Zeit erwarten und es durch Gericht von ihm bringen. Geschieht das, so seid Ihr wohl sicher, daß Euch kein Korsare von Franzosen mehr etwas tut." 5 Doch die Herren in Bavensburg blieben voll Sorge vor ihm. Fra Bernardin war wieder mit seiner Armada auf dem Meere, ein Schiff mit Waren der Gesellschaft war von Valencia nach Savona unterwegs und war in Monatsfrist dort noch nicht angekommen. 6 1507 erhielt der nach Lyon reisende Geselle den Auftrag, sich nach der Bechtstellung der aus Spanien ausgewiesenen Marranen (Juden) der Provence zu erkundigen. Viel werde man mit ihnen nicht schaffen können, doch könne man ohne Schaden etwas mit ihnen anziehen. 7 In der älteren Zeit hatte die Gesellschaft in Lyon ein volles Ge- lieger mit eigener Wohnung und eigener Bechnung. Es war bei Jacques Calles untergebracht, man zahlte für die Stube jährlich 3 V, für die Botega, Feuer und Licht jährlich 10 V, von jedem Ballen, der ankam, als Hausgeld 1 9 0 d rey. Jede Person zahlte für den täglichen Lebensunterhalt 3 §° d rey, auch die Boten zahlten so viel. Da der Wirt auch Gesellen Vorschüsse machte, konnte sein 1 3, wege. 198. See, Louis XIV. et les villes, 334, Anm. 5. 3 3, 181. 4 3, 159. 166. 5 3, 215 f. 6 3, 219 f. 2 Vgl. unten Handels- 7 3, 214. HBMB iyillll«lliii ™i 382 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften, III. Ehonelandschaften. § 57. 58 Guthaben sehr anschwellen (1479 269 fl). Seines Rates bediente man sich bei Verhandlungen. 1 In späterer Zeit wohnte man bei Felip Fechter. Man zahlte bei ihm jährlich 12 V de sol, es wohnte im selben Hause auch der Diener der Rehlinger. Nun schien es Wob! Apoteger und diesem das beste, in ein anderes Haus überzusiedeln, und Wolf mietete nun 1513 eine Kammer bei Johann Barbin, einem ehrlichen Manne, für 6 V de sol. Bei dem geringer werdenden Geschäfte genügte nunmehr eine Kammer. 2 Als Kommissionär war 1513 Marx Bausch, 3 ein Nürnberger, tätig, wie vorher und neben ihm Felip Fechter. Mit der neuen Herberge war man nicht zufrieden. 4 Als Leiter des Geliegers ist zunächst der ältere Lamparter anzunehmen. Dann übernahm der St. Galler Phüipp Fechter die Leitung (1474), um wieder von Lamparter abgelöst zu werden. Beiden war unterstellt der windige Klaus Bützel, der bis zur Ostermesse 1478 auch die Bechnung führte. Dann kam der junge Hans Lamparter zu seinem Vater. Juni 1479 führte Klaus Frauenfeld die Geschäfte, 1480 August wieder der alte Lamparter. Im übrigen wird Phüipp Fechter, von dem man nicht sicher weiß, ob er nur Kommissionär oder auch Geselle war, so oft genannt, daß man den Eindruck hat, daß schon damals er oft allein am Platze war und nur zu den Messen besondere Beauftragte kamen oder das Gelieger von Genf her beeinflußt wurde. Bis 1515 ist Philipp nachzuweisen, schließlich war er ein alter Mann geworden. Hinderofen aber schätzte ihn sehr. 5 Er gehört wohl zu den ältesten Deutschen, die sich in Lyon ansiedelten. In späterer Zeit war das Gelieger nicht mehr dauernd besetzt. So erklärt es sich auch, daß 1497 der Wert des Gebiegers von Lyon und Avignon zusammen nur 4102 fl rh. betrug. Überblicken wir das Ganze der Tätigkeit, so ergibt sich, daß die Gesellschaft mit dem Erblühen von Lyon als Meßplatz und dauernde Handelsstadt nicht mitging, und wenn sie anfangs noch als die erste deutsche Gesellschaft angesehen werden kann, waren bald die Augsburger und Nürnberger ihnen in Lyon über die Schultern gewachsen. Der Gründe sind hauptsächlich zwei: Einmal lag den Bavensburgern der Geldhandel ganz und gar nicht, und gerade er blühte schnell empor und zog namentlich die Augsburger an und lockte den Nürnberger Hans Kleeberger, den ,,guten Deutschen", zur Ansiedlung. Im Warenhandel aber verfolgten sie den Grundsatz, die Waren möglichst am Ursprungsorte zu erwerben und am besten daher meist am entlegensten Orte zu verkaufen. Lyon selbst und die Nachbarschaft bot aber ihnen nur zwei Dinge: französischen Safran, den man als Lückenbüßer behandelte, und Canemasserie. 1 3, 125. 2 3, 216. 220. 3 War offenbar dauernd in Lyon angesiedelt. Später wohnte bei ihm Sebald Örtel auf seiner Pilgerfahrt. * 3, 220. B 3, 220. Kommissionäre. Überblick. Hanfstoffgebiet 383 Wie wir sahen, haben die Deutschen die Produzenten aus Spanien verdrängt und haben zeitweise sehr große Quantitäten dorthin geführt. Aus unbekannten Ursachen ging das Geschäft aber zurück. So blieben die Hauptwaren, die den größten Wert der Messen darstellten, von den Ravensburgern unbeachtet. Den Woll- und Seidenstoffen, den Leinen der Landschaften um Lyon stellte man keine Konkurrenz entgegen, 1 Leder, nordische Pelzwaren und Metallwaren blieben unbeachtet, Safran und Silber wurden etwas gepflegt, Pariser Mercerie lag den Ravensburgern erst recht nicht, und Südfrüchte (mit Ausnahme von Zucker), Spezereien, Fische, Käse, Wein, alles verschmähte man in Lyon zu handeln. Für die Ravensburger mit ihrem weiten System war Lyon eben zu zentral gelegen. Sie Hebten es nicht, auf Märkten zu handeln, wo auch die Heimatländer der einzelnen Waren in großer Zahl erschienen, und zu alle dem kam das Mißtrauen gegen die französische Krone, das die Fugger sogar von jeder Ansiedlung in Lyon fernhielt. § 58. Hanfstoffgebiet zwischen Rhone und Sadne. Bourg en Bresse. Kommissionär und Geselle beim Ankaufe. Agenten in Montluel, in Belleville. Bedeutung des deutschen Handels dort. Um die Canemasserie in den weiten nördlich von Lyon gelegenen Landschaften aufzukaufen, hielt sich die Gesellschaft Kommissionäre in der Hauptstadt der savoyischen Landschaft en Bresse, dann weiter südlich in dem ebenfalls zu savoyischem Besitze gehörigen Montluel und jenseits der Saöne im französischen Beau- jolais in Belleville, vielleicht auch noch an anderen Orten. In Bourg en Bresse kann man fast von einem GeHeger reden, denn dorthin wurde zur Kontrolle und zur Beihilfe des Kommissionärs ein junger Geselle entsendet, und ein an ihn gerichteter Brief trägt die Anschrift: Noffre Hompis e compani a Burgen. Aber Kommissionär und Geselle taugten nicht viel. Der Geselle — es war wiederum der leichtfertigeBützel — wohnte beim Kommissionär im Hause, bei Pero de Francia, den er als seinen Gevatter bezeichnet. Dona Katerina stand ihm auch nahe. Nach den Messen versah die Gesellschaft Pero mit Geldern, dafür hatte er dann Canemasserie aufzukaufen, und zwar nicht nur in Bourg sondern auch auswärts, sie zu lagern, dann auf Anruf in Fahrt zu setzen. Mitunter schoß Pero Geld vor, 400—500 fl current. 2 Dieser Aufgabe unterzog sich der Kommissionär nicht immer zur Zufriedenheit, unter den Augen von Claus geschah es. „Pero ist abenteurig. Er kauft, was er in seiner Stadt zu kaufen findet, um nicht auszureiten. Ist ihm die mindeste Arbeit." 3 Aber indem er sich auf die Sorten legte, die ihm am ruhigsten ankamen, erfüllte 1 Bresard, S. 167, kennt aus Lyoner Quellen (wohl des 16. Jahrhunderts) Leinen von Konstanz und St. Gallen. Aber ich rinde keinen Versuch der Gesellschaft. * 3, 125. 3 3, 109 f. ' 384 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. III. Ehonelandschaften. § 58 er seine Aufträge nicht, und an den Verkaufsorten verlangte man energisch, daß man Sorten habe, an denen man gewinne. Der Franzose hatte aber auch seinerseits Beschwerden. Die Abrechnung der Gesellschaft schien ihm nicht zu stimmen. Auf der Lyoner Augustmesse 1477 kam er und erklärte, er habe kein Geld mehr von der Gesellschaft, während diese ihm noch 1166 U 6 ß 6 ,3, als Vorschuß zurechnete. Er hätte nur noch Waren von nicht Epinac Charolles Roanne P e Villefnnche\^-^ MonUuel Kartenskizze 2. Überblick über das Hanf Stoffgebiet 200 fl Wert und sehr wenig auf den Webern stehen. Hans Hinderofen sah zunächst das Kassenbuch nach, danach waren am 29. Januar 1476 mehrere Geldsendungen durch Klaus Bützel gen Montluel an Louis Gitzart für Pero gegangen. Klaus wußte nichts darum. Dann ging Hinderofen den verschiedenen Münzsorten nach und konnte eine der beiden Zahlungen aufklären, die andere aber nicht. Wenn sich erfände, daß die eine Summe zu viel zugeschrieben sei, so habe Pero zu gutem Maße mit dem in seinem Hause liegenden Ballen abgezahlt. 1 Die wirkliche Aufklärung erhalten wir nicht. 1 3, 199 f. Bourg en' Bresse. Montluel. Belleville. Avignon 385 Klaus Bützel machte sich offenbar in Bourg gute Tage. Er hatte die Stoffe zu messen — überließ das aber offenbar den Webern, so daß sich kein „grex", kein Überschuß ergab —, er mußte die Fäden zählen, die Ballen zeichnen, was auch nicht sorgfältig geschah, er brauchte außerordentlich viel, so daß er das Seine nicht verdiente. Alle Strafpredigten halfen nichts. Er ward dann durch Hans Lamparter den Jüngeren ersetzt, vielleicht braucht der mehr Emsigkeit. 1 1479 übergab Pero seinen Handel seinem Schwager. Da er vorzeiten nicht reich gewesen war, hatten die Herren Besorgnisse, da oft viel Gut dort liege. Man sollte erkunden, ob Pero haften wolle für den Schwager. 2 Über den Ankauf der Canemasserie, die vielen Sorten, Preise usw. wird an anderer Stelle gehandelt werden. Der Gegensatz zwischen dem Hause Savoyen und Ludwig XI. führte in der Landschaft Bresse zu ernsten Konflikten. 3 Andere deutsche Kaufleute hat es in diesen Landschaften kaum gegeben, wenigstens finde ich davon keine Spur. , In Montluel war Louis Guitzart Kommissionär der Gesellschaft. An ihn ging Seide, wohl nur zum Aufbewahren, und Geld zum Weiterbefördern. 4 In Belleville, wohl schon damals das Weinlager des Beaujolais, kauft Glado Merlo, ,,unser Mann", für übergebenes Geld Canemasserie von Bellevüle und Beaujeu ein, er sollte die guten Weber an sich behalten, Klaus Bützel hatte ihn zu beaufsichtigen. 5 Noch 1507 hatte man dort einen Mann: Johan de Boaw. 6 Es ist wohl ein eigentümliches Schauspiel zu sehen, wie deutsche Kaufleute die Organisation ihres deutschen Leinenankaufs auf die Hanfstoffe eines fremden Landes übertrugen und die eigenen Kaufleute des Landes so einengten, daß sie wenigstens in Spanien trotz der gleichen Bedingungen auf den Vertrieb der heimischen Arbeit verzichteten. § 59. Avignon. Marseille. Bouc-Lile de Martigue. Aigues Mortes. Toulouse. Avignon. Bedeutung als Brückenstadt. Lage. Handel. Älteste Nachrichten über deutsche Kaufleute. Gelieger. Warenhandel. Schulden. Hans Homps. Die Schuld König Renes. Marseille. Arles. Bouc. Kommissionär und Gesellen dort. Aigues Mortes. Kommissionär. Montpellier. Toulouse. Vertreter. Avignon scheint auf den ersten Blick nur dem so lange dauernden Sitze der Päpste seine Blüte als Handelsstadt zu verdanken. Dem ist doch nicht so, sonst würde nach der Rückverlegung des Sitzes nach Born die Stadt ihre Bedeutung für den Welthandel eingebüßt und vorher keine besessen haben. Im Spätmittelalter war Avignon vielmehr die südlichste Rhonestadt, die einen bequemen Uferwechsel 1 3, 130. 2 3, 132. 3 See, a. a. 0., S. 303 f. 4 3, 198 f., vgl. auch 24. 221. 5 3, 199. Vgl. 221. 6 3, 214. Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 25 • 386 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. III: Rhonelandschaften. § 59 gestattete. Die römische Zeit und das Frühmittelalter bot allerdings ein anderes Bild. Da war Arles von der Meeresseite her der eigentliche Ehonehafen. Diese südlichste Stadt hatte auch seit Konstantin dem Großen eine Brücke. Ich vermag nicht zu sagen, wann die Brücken über die beiden Arme des Ehone zerstört worden sind und wann die neue Bhonebrücke erbaut ist. Die alte Borna Galliens hatte einst in ihrer Lage ihr Glück gehabt, das änderte sich seit mindestens der Zeit um 1000. Die Bhonearme, die Kanäle und Binnen zwischen den verlandenden Inseln versandeten immer mehr, und ohne eine Brücke war Arles eben nicht mehr eine Brückenstadt. 1 Doch auch schon vorher lag der eigentliche Übergang der Verbindungsstraße Spanien mit Italien bei Beaucaire-Tarascon. Aber auch diese Brücke verschwand. Wann, vermag ich nicht zu sagen. In der Bömerzeit war hingegen Avignon ohne eine Verbindung mit dem rechten Bhoneufer. 2 Nachdem jene Bömerbrücken alle zerstört worden waren, erbaute der sagenberühmte hl. Benezet 1177—1184 die Brücke, deren herrliche Beste dem Besucher von Avignon unvergeßlich sind. Auf diesen Brückenjochen ruhte die Blüte Avignons als Handelsstadt. Aus der Laiengenossenschaft der Brückenbrüder entwickelte sich eine religiöse Genossenschaft, die durch päpstliche und andere Ablässe reichlich gestützt wurde. 3 Die Stadt hatte nun die Stellung der untersten Brückenstadt am Bhone. Über die Brücke hinweg führte die Straße nach Nimes und nach Spanien. Auf dem linken Ufer war aber noch der unterste der aus den Alpen entströmenden Flüsse, die Durance, zu überqueren. Auch da hatte eine Genossenschaft von Brücken brüdern um 1084 den Fluß durch die Brücke bei Bompas überwunden, 4 und damit ergab sich die Verbindung mit der Provence, mit Marseille, aber auch die durch die unwirtliche Deltalandschaft nach Martigue und dem anderen ihr vorgelagerten Hafen von Bouc. Da die Bhoneschiffahrt von den Bavensburgern wenig benutzt wurde, so ergab sich für sie, daß Avignon als Sitz eines Geliegers auch dann noch geeignet war, wenn Verkauf und Einkauf am Platze selbst gering war. Die Hauptbeschäftigung des Gesellen bestand darin, die auf dem Landwege von Genf und Lyon kommenden Waren entweder zum Hafen von Bouc zu senden, dann blieben sie auf denselben Maultieren liegen, oder sie über die Brücke entweder auf dem Landwege nach Spanien zu versenden oder sie bald jenseits der Brücke nach dem Hafen von Aigues Mortes zu leiten. Da bewegte man sich auf königüch französischem Boden, auf dem 1 Lentheric, La Grece et l'Orient en Provence, 1878. 2 Die lokale Literatur war mir nicht zugänglich, daher schreibe ich dieses nur unter allen Vorbehalten. 3 Paulus, Der Ablaß im Mittelalter als Kulturfaktor (1920), S. 46 f. 4 Vgl. Paulus, a. a. 0.,45, der aber aus den Brücken von Bompas und Noves zwei macht. ■J- f."-.-.- Avignon. Seine Bedeutung. Deutsche dort 387 linken Rhoneufer aber in der Grafschaft Provence, die 1481 mit der Krone Frankreichs vereinigt wurde. Wenn man sieh die großen Handelsbücher von Pegolotti, Uzzano und Pasi, von denen die beiden letzteren ja nach der Zeit des päpstlichen Aufenthaltes liegen, befragt, so sieht man, daß die Stadt für den Geldmarkt eine erhebliche Bedeutung hatte. Es sind die Wechseltermine für eine Reihe von Plätzen von Pegolotti angegeben, nicht aber für Deutsche; Uzzano nennt auch die Termine für Curriere. Aus der Chronik des Benedetto Dei wissen wir, daß 1470 in Avignon sechs Banken waren, wo in Lyon erst sieben sich angesiedelt hatten. 1 Sehr viel schwächer steht es mit dem Warenhandel. Von der Einfuhr interessiert uns bei Uzzano der Zucker, Pegolotti nennt allein Tücher, Uzzano tele line und eine Reihe von ihren Arten, darunter Rumilly, nicht aber Bordat, Pasi redet nur von Leinen von Reims und einigen Gattungen von Tüchern (panni) aus der Ponente. Freilich herrschen bei ihnen die Gesichtspunkte von Florenz und Venedig vor. Als Häfen nennt Uzzano Bouc und Aigues-Mortes. Von Arles oder Tarascon oder Beaucaire, wo es doch eine bedeutsame Messe gab, spricht niemand. Die glänzenden Tage von Arles waren vorüber, der Rhone versandet. Deutsche waren in der Zeit des päpstlichen Aufenthaltes zahlreich an der Kurie anwesend, aber bisher ist, soweit ich das übersehe, kein deutscher Kaufmann des Fernhandels dort nachgewiesen, die deutschen Gelder flössen der Kurie meist durch italienische Banken, oft auf dem Umwege über Brügge zu. 2 Vielleicht war aber Arnold Strölin, Bürger von Konstanz, der 1424 das Servitium des Abtes Heinrich an die Kurie zahlte, ein solcher größerer Kaufmann, denn die Strölin waren Konstanzer Patrizier. 3 Meine sonstigen Streifzüge brachten nur vier Kaufleute, die an die Kurie zu den Malereien deutschen Lasurstein lieferten. 4 Am Ende des avignonesischen Aufenthaltes waren die Studer-Perroman von Freiburg in der Schweiz dort angesiedelt. 5 Möglicherweise kann man den schon unter Karl IV. im Rhonegebiet auftauchenden Konstanzer Kosmas Speiser in Handelsbeziehungen zu Avignon setzen, 6 sicher waren um 1400 oft Konstanzer Gäste in Avignon, darunter auch Mitglieder der Familie von Ulm, die später Glieder bei den Ravensburgern hatte. Der Konstanzer Johann Seiler machte dort bedeutende Einkäufe in Rohseide und Perlen. Jakob von Ulm hatte beträchtliche Ausstände, und dieselbe Familie hatte dort auch Wechselforderungen und andere Ausstände. Jakob hatte offenbar keinen ständigen Ver- 1 Schulte 1, 342. - Pegolotti (Pagnini 3) 232f. Uzzano (Pagnini, Bd. 4) 100. 102f. 136. 171ff. 204. Pasi 189 f. 3 Vatik. Quellen z. Gesch. d. päpstl. Hof- und Pinanzverwaltung 1316—1378, Bd. I, Einnahmen Göller, S. 172. 4 Ebenda 3, Schäfer, S. 254. 278. 311. 5 Ammann, a. a. O., S. 34. 56f. 6 Schulte 1, 491. Auch diese gehörten in Konstanz zu den Geschlechtern. 388 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. HI. Ehonelandschaften. § 59 treter, sondern bediente sich des Wirtes Johanns des Deutschen als Kommissionär. 1 Der erste klare Nachweis für den Handel der Bavensburger Gesellschaft führt uns in die zwanziger Jahre des 15. Jahrhunderts. Eudolf Mötteli, den wir später als den Begründer der Mötteli- Gesellschaft kennen lernen werden, machte in Avignon damals einen Teil seiner Lehrzeit durch. Er selbst schreibt davon: „Ich mußte das erste Jahr zu Afiaun, da die Kost billig ist, 30 fl geben und danach, da ich in der Gesellschaft Haus und Küche kam, noch mehr. Und tat auch was man mich hieß, so lange ich bei ihnen war, daß also solche junge Banemässar oder Lernknaben gewöhnlich 6 oder 8 Jahre auf ihre Kosten selbst zehren und leben müssen." 2 Wie die Humpis, so hatten auch die Mötteli und von Watt in Avignon ein Gelieger. 3 Dann schweigen die Quellen, bis 1474 das Gelieger wieder auftaucht, das wir dann für einige Jahre näher verfolgen können. 4 An der Spitze stand Hans Homps (Hops), einen Gesellen oder gar einen Lernknaben hatte er nicht. Früher muß das Gelieger eine größere Bedeutung gehabt haben, denn sonst hätte man einen Sohn eines so bedeutenden Genossen, wie es Eudolf Mötteli der Alte gewesen war, nicht dorthin zur Lehre gesandt. Der Warenhandel war in der Tat auch nur gering. Beginnen wir mit denen, die von Spanien kamen. Einst hatte man viel Zucker verkauft, dahinter steht M°, das ist aufzulösen: Mötteli, und damit erhalten wir einen Fingerzeig dafür, daß diese besonders stark in Avignon mit Zucker gehandelt hatten. Die Herren in Bavensburg schwankten nun aber zwischen den Meinungen, ob es besser sei, den Zucker weiterzuführen oder in Avignon, namentlich bei guter Münze, möglichst viel zu verkaufen, um das Geld aus Valencia herauszubringen und möglichst viel Geld in Avignon für Fuhren und Schiffslohn zu erhalten. Homps tauschte auch im Stichgeschäfte Zucker für Canemasserie. Eigentümlicherweise wollte Homps auch einmal Zucker einkaufen. 5 Für Wachs war Avignon noch immer ein guter Platz, und die Gesellschaft bemühte sich, die Wünsche von Homps zu befriedigen, was ihr aber nicht leicht fiel. 6 Der Versuch, mit Beis dem Geliegerhalter eine Zehrung zu verschaffen, ward gemacht, und wenn das Korn teuer war, ließ sich etwas daran verdienen, Homps hatte das freilich nicht ausgebeutet. Aber der Handel ging doch. 7 Baumwolle und Honig wurden einmal in einer Notlage verkauft. 8 Zinn, das von Genf her kam, erscheint einmal (3 Quintal), 9 auch geschabtes Messing und geschlagen Kupfer ging vereinzelt von 1 Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins 4, 44—48. 2 DurrerimGeschichtsfreund 49, 38. 'Schulte 1,546. 630. 4 1444 sind auch Kölner Verbindungen mit Avignon nachzuweisen. Kuske 1, Nr. 1039. 5 Vgl. 3, 121. 130. 176 f. 6 3, 104. 121. 134. 146. 177. 185. ' 3, 15. 59. 134. 177. 184. 8 3, 177. 9 3, 337. ^^■|B Tätigkeit des Geliegere in Avignon. König Rene 389 Nürnberg nach Avignon. 1 Der Verkauf von St. Galler Leinwand sieht wie eine Probe aus. 2 Die einzige Ware, die man in Avignon einkaufte, war Cane- masserie, und genauer wird nur Burdat genannt, der ja auch, in Avignon hergestellt wurde. Man tauschte Hanfstoff gegen Zucker. Dabei ließ die Gesellschaft aber auch von Norden her gekommene Oanemasserie bieichen, wie es auch die Ankenreute und Mötteli taten. Diese hatten darin Erfahrung, bei ihrem Diener sollte man erkunden, ob man den Mäcon weiß oder color di serra bleichen solle. 3 Nach alledem darf man urteilen, daß die Gesellschaft damals schwerlich das Gelieger noch gehalten hätte, wenn es nicht für den Warentransport nach und von Spanien eine solche Bedeutung gehabt hätte, dafür hatte man seine Kommissionäre in Bouc und Aigues-Mortes, dorthin wurde auch zeitweise ein jüngerer Geselle abgeschickt. Über beide Plätze ist unter Warentransport gehandelt. Die allgemeinen Lehren über Schulden sind fast das einzige, was wir über Schulden erfahren. 4 Hans Hops hatte einmal bar einem Spanier 20 Dukaten geliehen. 5 Er war ein ziemlich junger Geselle, dem offenbar manche Lehre noch notwendig war, und deren wurden ihm reichlich zuteil. 6 Vor allem warf man ihm vor, daß er nicht genug unter den Leuten wandle. Man hatte in Avignon, so scheint es, bei Antonio Gallyan Wohnung, oder war er nur Kommissionär? Mit ihm nahm es kein gutes Ende. 7 Ebenso kam es zu harten Konflikten mit Dona Annella. Es ist schwer, die dürftigen Angaben, die sich im Notizbuche finden, zu verbinden. Sie hatte, wie es scheint, das Bleichgeschäft unter sich, und Hans Täschler hatte das vor Jahren mit ihr eingerichtet. Es stimmte mit der Eechnung nicht, dann kam es zu einem Vergleich, den die Eavensburger ratifizierten, 8 endlich aber zu einem Prozesse in Eom an der Kurie, wobei sich die Gesellschaft an den Kanzler wandte und sich Florentiner Hilfe bediente. 9 Eine schwere Last war ein Schuldner, ein hochgeborener, ein König, dem die Gesellschaft „vor langer Zeit", wann und wo, ist nicht festzustellen, einmal eine merklich große Summe geüehen hatte. Es muß wohl in einer Notlage der Gesellschaft geschehen sein; denn aus freien Stücken hätte wohl schwerlich ein deutscher Kaufmann dem Hause der Anjous, dem König Ben6, dem Vorläufer Don Quichotes — wie man ihn wohl bezeichnet hat — Geld vorgeschossen. Der liebenswürdige, ritterliche Mann war von vornherein arm, obwohl er die Provence, Anjou und Maine besaß und dazu Lothringen und Bar erbte, für einige Zeit auch das Königtum Neapel gewann und Katalonien seiner alten Dynastie streitig machte. Schließlich hatte er gar keinen oder nur halben Erfolg und brachte seine letzten Lebensjahre in Tarascon unweit von Avignon zu. 1 3, 337. 2 3, 134. 3 3, 76. 118. 123. 177. 179. 4 3, 61. 5 3, 114. 6 3, 68. 76ff. 133. 176 f. 7 3, 3. 132. 8 3, 5. 132. 9 3, 5 f. 9. 11. 13. 15. 17. 20f. 390 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. III. Ehonelandschaften. § 59 Ein geistig höchst regsamer Fürst, der selbst eifrig Bücher und Gedichte verfaßte und selbst den Pinsel führte, ein Mäzen für Kunst und Wissenschaften, der an seinem Hofe umgeben war von Musikern, Miniaturisten, Schauspielern, Astrologen, Goldmachern, Frauenzimmern und Schwindlern, der in seinen Gärten exotische Pflanzen und Tiere hegte, der baute, dichtete und politisierte. Mehr wie einmal wurde er gefangen, und sein Neffe König Ludwig XL führte ihn eine Zeitlang in einem eisernen Käfig mit sich. Fürwahr, ein übler Schuldner, wenn er auch gutmütig und populär war. Die Sorgen um diese Schuld durchziehen von 1474—1480 die Papiere der Gesellschaft, die dann abbrechen. Man unterredete sich mit dem alten Prior der Karmeliter zu Eavensburg, ob er Eat wisse, man sprach mit dem Konstanzer Gesellen Geisberg, ob er es unterstehen wolle. Man hatte schon längst viel Geld daraufgelegt. Dann fanden sich Wü'te von Avignon bereit, die Sache in die Hand zu nehmen. Aber das war zunächst den Herren nicht füglich, sie sorgten, das Geld wäre auch verloren. Sie wollten nicht alle Unkosten übernehmen, wohl einen Teü der Zehrung. 1 Aber die Wirte ließen nicht nach, der König sei alt. Schließlich fühlten die Herren sich als Kaufleute, die gern viel gewinnen. Man beschloß also, den Wirten Prokura zu geben und 50—60 V darauf an Unkosten zu wagen. Aber man wollte sich vorbehalten, die Verhandlungen abzubrechen. „Sollte viel darauf gehen, so wäre vielleicht alles perdut." Darüber sollten die Wirte eine lautere Verschreibung machen. Bekomme man das Geld, so sollten sie einen Anteil haben. 2 Man schickte die Prokura ab, hielt aber an den Vorbehalten fest. Nach einiger Zeit heißt es, Johan di Mornay sei wohl 14 Tage darauf außen gewesen, und man hatte nun Trost zu der Sache, aber wenn der König sterbe, dann sei dem Schiffe der Boden aus. 3 Da starb am 10. Juli 1480 der Schuldner. „Wir verstehen wohl, daß der gute König tot ist. Gott, der sei seiner Seele gnädig. Und daß dem Herren (dem Neffen Karl IV., Grafen von Maine) jetzt das ganze Land geschworen hat. Wir hören es gern, daß nicht mehr Aufruhr daraus werden will." Man hatte offenbar Mißtrauen gegen König Ludwig XL Dem neuen Herren war die Schuldsache mit allen Dingen bekannt. Homps hatte vorgeschlagen, dem Herrn ein oder zwei Armbrüste machen zu lassen und zu schenken. Sie ließen auch zwei schöne mit den Winden machen, die sicher 13 fl rh. kosteten. Wenn Homps meinte, das würde in der Sache erschießen, dann müßte man es wagen. Wenn es alles verlorene Dinge sein sollten, dann solle er sie verkaufen. 4 Damit brechen die Nachrichten ab. Der neue kinderlose Herr überlebte den König Bene nur anderthalb Jahre, und damit fiel die Provence an König Ludwig XL Ob er die Schul den Benes bezahlte?___________________ 1 3, 69. 2 3, 77. 3 3, 134. * 3, 178. SUMS König Rene. Marseille. Arles. Bouc. Aigues-Mortes 391 Das Gelieger verlor bald seine eigene Bechnung. 1497 stehen Avignon, Lyon und Genf mit einer Wertsumme zusammen. Wenn man die Stellung Avignons im Bahmen des Geschäftes charakterisieren will, so kann man kurz sagen: Es war ein Transport- gelieger. Das wird noch viel deutlicher, wenn man im achten Buche die Land- und Seeverbindungen verfolgt und die Bedeutung der von Avignon aus beobachteten See- und weiteren Verkehrsorte näher kennen lernt, auf die hier nur, was Personal und wirklichen Handel angeht, noch einzugehen ist. In Marseille hatte die Gesellschaft nie ein Gelieger. Der Ort scheint eher gefürchtet worden zu sein. Die Landfahrt nach Bouc war billiger als nach Marseille. 1 Um Nachrichten über Korsaren zu erhalten, oder einen Prozeß zu führen, mußte die Gesellschaft sich an Fremde wenden, einen Korrespondenten hatte man dort nicht. 2 Immerhin kann das früher der Ball gewesen sein; denn es konnten auch Waren dorthin konsigniert werden. 3 1474 hatten die von Marseüle Gut der Gesellschaft angehalten. 4 Arles wird nur beiläufig erwähnt. Die Häfen, die die Gesellschaft von Avignon aus benutzten, waren Bouc (bzw. Martigue) und Aigues-Mortes, über die in dem Buche über die Beisewege näher gehandelt werden wird (§ 91). Man hatte in La Martigue-Bouc zunächst einen einheimischen Kommissionär. 1479 hatten „unsere Leute'' zu B o u c ihren Handel einem Schwager übergeben, der vorzeiten nicht sehr reich war. Um sich zu sichern, wünschten die Herren, daß die alten Besitzer sich für die neuen verhafteten, da doch die Sachen der Gesellschaft in ihrem Namen verhandelt würden. 5 Vielleicht waren die Leute aber in dem nahen Martigue ansässig. Einige Klarheit könnte die Konsignierung von 1476 geben: ,,ha eil metel zu Bouc usw." Das waren die Möttelin. Es scheint fast so, denn in den betreffenden Stücken wird gelegentlich auch der Möttelinsche Faktor Ulrich Lemann erwähnt. Früher war wohl dort längere Zeit Friedrich Grünenberg stationiert, von seiner Hand rühren wenigstens die Begister über Bestand und An- und Abfuhr von Juli 1475 bis Ende April 1476 her, und so lange könnte er dort geblieben sein. 6 Auch in anderen Zwischenzeiten war er dort. Später war es ähnlich wohl mit Klaus Bützel. Warenverkauf oder -ankauf wurde in dem Hafen nicht betrieben. In späteren Papieren begegnet Bouc nicht mehr. Dafür hatte Aigues-Mortes erheblich an Bedeutung gewonnen. Auch dieser Hafen ist bei den Handelsplätzen behandelt. Schon 1479 schickte die Gesellschaft mit Bücksicht auf die Zollbehandlung über diesen Hafen Zucker, und zwar an den dortigen Korrespondenten Bomenet Johan Buckes, der von Avignon aus beaufsichtigt wurde. 7 Auch 1 3, 177. 2 3, 214ff. 3, 122. 124. 211. 3, 2. 4 3, 4. 5 3, 132. 6 Vgl. 3, 226—235. ' Vgl. 392 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. III. Ehonelandschaften. § 59 1507 und 1515 hatte man dort einen Kommissionär, der nunmehr aber von Lyon bei Gelegenheit der Messen kontrolliert wurde. 1 Andere deutsche Gesellschaften hatten dort auch ihren Vertreter. In seinem jüngeren, nach 1514 entstandenen Buche schreibt Hans Baumgartner: „Johann Duart war unser Eespondent, als Klee- berger vor etlichen iaren da war." Vielleicht hat also dieser später so bedeutende Finanzmann, der ,,gute Deutsche" von Lyon nicht nur im Dienste der Imhoff gestanden, sondern auch in dem der Baumgartner, bevor er sich selbständig machte. 2 Von den Handelsplätzen, die am Wege von Avignon nach Perpi- gnan liegen, von Mmes, Montpellier, Agde, Narbonne ist in den Papieren der Gesellschaft nie die Eede. Und doch zogen durch sie oft Gesellen und Waren der Gesellschaft. Am ersten sollte man zu Montpellier einige Handelsbeziehungen erwarten, aber die Haupt- produkte der Stadt, die mit Kermes gefärbten Wolltücher, fanden keinen deutschen Käufer, eher hätten die Burdats von Montpellier Anziehungskraft gehabt, aber den Bedarf an dieser Art von Cane- masserie deckte man in Avignon ein. Bisher sind in der von Deutschen eifrig besuchten Universitätsstadt deutsche Kaufleute nicht nachgewiesen worden, wohl haben sich einige aus rheinischen Gebieten stammende Personen niedergelassen, aber wohl als Handwerker. 3 Gewisse Beziehungen der Gesellschaft müssen aber doch zu Kaufleuten bestanden haben, denn 1476 gingen 31 Ballen Eeis und 5 Kostal Wachs und 1 Kistlein dorthin, für dieses verrechnete die Gesellschaft Transportkosten gesondert. 4 Auf einem Zettel mit den Orten, wo die Gesellschaft starke Interessen hatte, findet sich auch Montpellier. 5 Um 1480 geriet vor allem durch die Angliede- rung der Provence an Frankreich und das Emporkommen von Marseille die Stadt in einen noch tieferen Niedergang, nachdem eben Jacques Coeur sie fast zum Mittelpunkte seiner großen Pläne gemacht hatte. Die Stadt hatte ihre Meeresverbindung so gut wie verloren, die meisten Portulane übergehen sie. Toulouse gehört vollends nicht mehr zu den von Avignon aus beobachteten Posten. Es lag am Wege von Saragossa nach Lyon, und auch dort hatte man einen Kommissionär. Für Handel im eigentlichen Frankreich habe ich keine Belege gefunden. Die Gesellschaft fühlte sich auch wohl dort unsicher. Für die Sendungen an den königlichen Hof bediente man sich Konstanzer und Züricher. Diese beiden Städte mögen daher dort Handel getrieben haben. 1 3, 213 f. 219. 2 Über Kleeberger Ehrerberg in den Mitteilungen d. Vereins f. Gesch. d. Stadt Nürnberg 10, 3, und Zeitalter der Fugger, 1, 258—62. Die Schrift von Vial über Kleeberger, Eevue d'histoire de Lyon, t. 11, 12 (1902/03), lag mir nicht vor. 3 Germain, Histoire du commerce de Montpellier (1861), nennt aus einem Zolltarif des 13. Jahrhunderts deutsche Schwerter (1, 31). Die Zunft der Canabassiers 1, 35. 37, Letters d'habitanage 2, 38. 4 3, 228. 232. 5 3, 71. HBSHBHHBHH 393 IV. Die niederen Lande: Brügge. Antwerpen. England. Köln. Erstes Kapitel. Brügge. § 60. Brügge. Lage und Schiffahrt. Englische und flämische gemeinsame Interessen. Tuchgewerbe. Internationaler Brennpunkt. Ende des Mittelmeerhandels und des nordischen. Ausnahmen. Die Gesellschaft. Die Brügger und der Handel. Die Nationen. Die Osterlinge. Konstanz will Hansastadt werden. Die Oberdeutschen. Politik der Grafen und der Stadt. Ursachen des Niederganges. Mit den Namen Brügge und Antwerpen sind zwei Städte genannt, denen die Natur ein hohes Wiegengeschenk gab, jener hat sie es wieder entzogen, dieser dafür geschenkt, der es dann menschliche Gewalt für lange Zeit raubte. 1 Nicht die großen Flußdeltas selbst begründen das dauernde Glück einer Handelsstadt. Das Adriatische Meer trägt seinen Namen von einer längst durch die Anschwemmungen des Pos dem Meere entrückten Stadt. Wie Alexandrien zum Nüe, Eavenna und Venedig zum Po, Marseille zur Rhoneanschwemmung, so verhält sich Brügge zu dem Mündungsgebiete von Bhein, Maas und Scheide. Es liegt außerhalb deren Gebiete, aber so nahe als möglich, doch lag es nicht am Meere; aber die Verbindung mit ihm ließ sich herstellen und lange Zeit aufrechterhalten. Das kleine Elüßchen Beye tritt bei Brügge aus dem Sandboden in das durch Deiche geschützte Gebiet. Es galt, die wechselnden Wasserstände von Ebbe und Flut auf der Zufahrt- strecke zurückzuhalten, und das wurde durch die Schleuse von Damme erreicht. Weiter unterhalb entwickelte sich Sluis zu dem offenen Hafenplatze, wo auch größere Schiffe vor Anker gehen und ihre Waren auf Leichterschiffe umgeladen werden konnten. In kunstvoller Weise war damit die Möglichkeit, daß der Handel in Brügge dauernd sich hielt, begründet worden. Und welche Weltlage besaß nun die Stadt? Hinter ihr öffnete sich das weite Tal des Bheines, der Pfortader deutschen Lebens, der einzigen Schiffahrtsstraße, die Oberdeutschland mit dem Meere verband. Brügge war im 13. bis 15. Jahrhundert die Mündungsstadt für Bhein-, Maas- und Scheidegebiet. Es war die Hafenstadt für Süd- und Westdeutschland bis nach Westfalen hinein. Dabei gehörte es staatsrechtlich zu Frankreich. Der Vertrag von Verdun hatte die Grenze des West- und des Mittelreiches in den Meerbusen 1 Einen ausgezeichneten Überblick gab E. Häpke, Der deutsche Kaufmann in den Niederlanden (1911), doch ist auch ein großer Teil der sonstigen hansischen und flämisch-niederländischen Literatur herangezogen worden. 394 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. IV. Niedere Lande. l.Kap. §60 Sinkfala oder wie er später genannt wurde: Het Swin, gelegt. Dieser vorspringende Winkel Frankreichs gehörte aber zu der selbständigsten Grafschaft des Königreiches, und wie in ähnlicher Lage die Grafen von der Champagne in einer Eandgrafschaft für lange Zeit dem internationalen Meßverkehr eine Heimstätte geboten und den Fremden Gunst und Klugheit zugewendet hatten, so haben die Grafen von Flandern meist sorgsam auf die Wünsche der untertänigen und der fremden Kaufieute geachtet. Eückwärts den deutschen Strom und vorwärts über dem Meere England! Brügge war nicht nur dem Eheindelta am nächsten gerückt, ebenso auch der Stelle, wo einst England mit dem Kontinente zusammenhing, dem Kanäle, der die weiten Flächen des Atlantischen Ozeans mit der Nordsee verbindet. Brügge wäre somit einer der besten Landungsplätze für die Engländer gewesen. Der große Magnet, der die Flamen auf die nahe Insel zog, war die englische Wolle, die als die beste für die feinsten Tuche — und das waren lange Zeit hindurch in Nordeuropa die flämischen — unentbehrlich war. Das germanische Land von der Oanche bis zum Swin, das seit Verdun dem Westreich angehörte, war das klassische Land der Tuchweber. Verweigerte England die Wolle, so standen die flämischen Weber müßig auf der Straße. In den schweren Gegensätzen, die England und Frankreich oft und lange in Kämpfe verwickelten, gehörte das Herz der Flamen und oft die streitbare Faust den Engländern und nicht den Franzosen. Das eine der Grunddogmen englischer Politik, von dem sie niemals ungestraft ließ, war das: Flandern darf sich weder völlig an Frankreich, noch völlig an das Deutsche Eeich hängen. Als die Eavensburger nach Brügge kamen, versorgte noch der englische Wollstapel in Calais die Stadt mit Wolle, da blühte noch das flämische Tuchgewerbe ringsum, da war die Ausfuhr dieser hochfeinen Tuche das, was wohl auch die Eavensburger betrieben. Im hundertjährigen Kriege zwischen England und Frankreich stellte sich der flandrische Landesherr auf die Seite seines Lehensherrn und ließ 1336 die englischen Kaufleute festnehmen. Die englische Antwort war furchtbar, man zog nun selbst fremde Tuchweber heran und begründete ein englisches Tuchgewerbe, und neben dem englischen Wollstapel gab es jetzt auch einen englischen Tuchstapel. Die englische Konkurrenz wurde immer drückender. Flandern mußte dem Untergange seines wichtigsten Gewerbes zusehen und verlor schließlich auch seine Handelsstellung. Die englischen Tuche waren in der Welt jetzt mehr begehrt als die flämischen, und da der Tuchstapel des wagenden Kauf manns nach Antwerpen kam, war auch der große Einkauf nach diesem Orte verlegt. Flandern hatte die englischen Tuche ausgesperrt, in Brabant fanden sie jedoch Aufnahme. Aber England war ja nur einer der Strahlen, die in Brügge sich vereinten. In Venedig traf sich und grenzte sich scharf ab die ■■■■■■■■■■mim Lage und Bedeutung Brügges 395 Levante und das christliche Abendland, keines kam über Venedig hinaus, und für jede Ware schob sich der Venezianer als Käufer und Verkäufer ein. So hart war die Grenze in Brügge nicht. Aber es war darum doch der gewöhnliche Grenzplatz, wo der vom Mittelmeer und dem Atlantischen Ozean kommende Handel und die Seefahrt der Kaufleute von den Stranden der Nord- und Ostsee ihr Ende fanden. Sicherlich gab es Ausnahmen für einzelne Waren und für kühne Handelshäuser, und erst recht für tüchtige Schiffer; aber es war doch die Eegel, daß die hochbordigen Koggen, die Hulks der nordischen Seefahrer hier ihren Kurs beendeten, wie die Galeeren des Mittehneers, die Karaken und Karavelen von hier umkehrten. Nordische und Mittelmeertakelung war nirgendwo so bunt gemischt als in der See von Sluis. Wohl haben einzelne Hansische ihren Handel zu Lande bis nach Venedig ausgedehnt, wie die Veckinghusen, aber den Seeweg schlugen sie nicht ein, das hätten die Venetianer auch wohl kaum zugelassen, wohl aber trieben auch italienische Kaufleute ihren Handel über Brügge hinaus bis in die Ostsee, aber die Ausnahmen bestätigen darum die Begeh Solche Ziele haben sich die Bavens- burger nicht gesteckt; aber sie bildeten doch eine kühne Eigenart aus. Sie waren die ältesten Oberdeutschen, die in den romanischen Handel nach Brügge sich'einschoben und von Genua, Barcelona, Valencia, Alicante und Bilbao aus romanische Waren nach Brügge brachten und dafür nordische in dieselben Häfen einführten. Sie waren, also Konkurrenten der Bomanen. Sie hatten das Unternehmen der Lübecker venezianischen Gesellschaft in einem engeren Bahmen und unter Benutzung der Schiffahrt aufgenommen. In dem Jahrhunderte ihrer Tätigkeit war der Wettbewerb der Brügger selbst schon ganz zurückgetreten. Sie hatten es aufgegeben, selbst in die Ferne zu ziehen. Wo der Beichtum einer Bevölkerung zuströmt, hält sie meist die Arbeit für unnötig. Hafenplätze mit starkem Hinterlande sind oft sorglos, gute Häfen mit schlechtem oder unsicherem Hinterlande erzeugen Zähigkeit und Wagemut in Eigenschiffahrt und im Eigenhandel. Die reichen Poorters von Brügge zogen sich fast ganz auf die Maklergeschäfte und den Kommissionshandel zurück. So kam es fast dazu, daß Brügge in seiner höchsten Blüte von einem Handel lebte, den es selbst nicht betrieb. Nicht viel anders war es später in Antwerpen. Ernster war der Wettbewerb der spanischen Nation, die in Brügge die geschlossenste Genossenschaft bildete. Archiv und Grablege sind erhalten, und noch steht in der spanischen Straße die Casa negra. Auch die Biskayer hatten ihren Mittelpunkt, wie die Katalanen, die bei den Karmelitern eine Kapelle errichtet hatten. Stärker noch als die Spanier waren die Italiener vertreten, von denen noch 1470 der Chronist Benedetto Dei sagt: ,,Sie regieren diese Länder, haben die Pacht des Wollen- und Alaunhandels sowie wem 396 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. IV. Niedere Lande. 1. Kap. § 60 alle anderen Staatseinkünfte in Händen, machen von dort aus Wechselgeschäfte mit allen Plätzen der Erde, am meisten mit Eom, woran sie viel verdienen." Im Geldhandel störten die Eavens- burger sie nicht, vor allem waren es die großen Florentiner Häuser, die diesen Handel betrieben, und wir werden sehen, daß mit ihnen die Bavensburger in Fühlung standen. Das Haus der Genuesen ziert noch heute das Bild des hl. Georg, die Venezianer zogen in das Haus der Patrizierfamilie van der Burse. Auf dem nach diesem Geschlechte benannten Platze versammelten sich die Leute der drei italienischen Nationen, und von da trat der Name Börse seinen Weg durch die Welt an. Brügge ist aber auch ohne die Hansischen nicht zu denken. Die Bewohner norddeutscher und einiger mitteldeutscher Städte waren in der Genossenschaft „des deutschen Kaufmanns" vereinigt, später wurde sie das „Brügger Kontor" genannt. Sechs Älterleute und ein Achtzehnerausschuß leiteten die Geschicke der in drei Unterverbände zerlegten Hansischen. Der Vorstand suchte die Privilegien zu mehren, die Interessen der Gesamtheit wie des einzelnen zu wahren, unter seinen Gliedern Warenpolizei zu üben wie Streitigkeiten beizulegen oder zu entscheiden. Eine so starke Kaufmannschaft konnte durch Fortzug einen Boykott ausüben. Sie taten es. Einer solchen Genossenschaft, wie sie die Osterlinge besaßen, anzugehören, war ein Vorteü, und einmal wenigstens hat eine oberdeutsche Stadt um den Anschluß an die Hansa sich bemüht. Zwar wandte sich Konstanz nicht unmittelbar an die Hansischen; da es des Königs Siegmund Wohlgefallen in den Tagen des Konzils verdient hatte, beschloß der Bat am 24. Juni 1417 vom Kaiser zu begehren: „Item das wir in der Hanse in Flandern syen mit anderen österlingen; möcht das nit sin, das wir dann die rechten hetten, als Kölner und die von Nürenberg." 1 Aber die Urkunde vom 20. Oktober 1417 erfüllte diese Bitte nicht 2 und konnte sie nicht erfüllen, denn über den Grafen von Flandern hatte Siegmund keine Gewalt. Die Osterlinge brachten die Waren von der deutschen Küste wie von Skandinavien, aus den östlichen Ostseegebieten und aus dem Inneren des Nordostens zu Markte, und so erheblich war ihre Anzahl, daß bei einem Aufzuge im Jahre 1468 44 Kaufleute, Faktoren und Diener zu Florenz teilnahmen, 34 Spanier, aber 108 Osterlinge. Um 1478 erstand in einem dreigeschossigen Baue das reich geschmückte Haus der Osterlinge, das ein Turm, gekrönt von einer Statue des Kaisers, überragte. Sie hatten auf dem Osterlingeplatz ihre Zusammenkünfte, auch standen ihnen für Beratungen das Kloster der Karmeliter zur Verfügung, wo mancher Kaufmann zu Grabe getragen wurde. Zum Binnenlande bestanden auch lebhafte Handelsbeziehungen. Die Hansa der 17 Städte Nordfrankreichs und Flanderns, die im 1 Kuppe'rt, Chroniken 122, Anm. 2 Ebenda 333. IMHnMnMHMnH Das Handelsleben in Brügge. Die Deutschen 397 wesentlichen Tucherstädte umfaßte, zählte auch Brügge zu ihren Mitgliedern. Französische Kaufleute treten neben den Deutschen und Italienern weit zurück. Die binnenländischen Deutschen nördlich der mitteldeutschen Gebirge gehörten zur Hansa. An der Pforte zu Süddeutschland stand Köln, das öfter in der Politik andere Wege einschlug als die anderen Hansischen. Von da führte der Weg zu den Messen von Prankfurt, nach Nürnberg, donauabwärts nach Wien. Das waren im 15. Jahrhundert die Hauptplätze der mitteleuropäischen Vermittlungszone, die von Brügge bis nach Leipzig und Breslau, bis nach Wien und Ofen-Pest strich. Die wichtigsten waren Brügge und Frankfurt, die sich mit Genf in die Erbschaft der Champagner Messen geteüt hatten. Seitdem Phüipps des Schönen Finanzkunst mit den italienischen Bankiers heimtückisch umgesprungen war, saß den Kaufleuten die Furcht vor der Skrupellosigkeit französischer Könige in den Gliedern. Erst die Lyoner Messen gaben Frankreich einen Anteü an der europäischen Vermittlungszone zurück. Nürnberger sind zuerst in Flandern nachzuweisen. 1 Schon 1311 hatte der Herzog Johann für seine brabantischen Städte, darunter auch Antwerpen, den Nürnbergern zollfreien Eintritt gewährt, der Brief Ludwigs des Bayern von 1332 erweist auch die Zollfreiheit in den zum Beiche gehörigen Teile Flanderns und in Cambrai. 1361 kamen die Privüegien hinzu, die der flandrische Graf Ludwig von Maele und die Städte Gent, Brügge und Tpern gewährt hatten. Die Nürnberger hatten den Kampf der Hansa mit Flandern, die durch einen Boykott auch ihren Willen durchsetzte, ausgenutzt, um sich in Flandern besser einzurichten, und als der Graf nachgab und am 14. Juni 1360 den Hansischen große Privilegien einräumte, da erwies er sich auch den Nürnbergern günstig und gab auch ihnen dieselben Privilegien, wie sie gleichlautend die Hansischen enthielten. 2 Sie blieben die Grundfeste für beide. Nun enthielt die Urkunde der Hansischen die Worte, daß sie gelten sollten für „alle de coopmanne van den Boomschen rike van der Duutschen tonghen", die nach Nürnberg gerichtete Ausfertigung aber für „alle de boorgherevanNoremberghe". So erklärt sich die Verlegenheit der übrigen oberdeutschen Städte, auf die Nürnberger Privilegien konnten sie sich nicht berufen, zur Hansa gehörten sie nicht und wurden also von dieser Seite nicht gedeckt. Auch die Flamen erkannten das Wort vom römischen Beiche offenbar nicht an, sondern hielten sich an die Organisation des „deutschen Kaufmanns", das ist an die Hansa. So wird das Vorgehen der Konstanzer uns begreiflich, aber Siegmund, an den sie sich wandten, konnte weder bei der Hansa noch in Flandern (außerhalb Beichs- flanderns) ernsthaften Druck ausüben. 1 Zuerst 1305/06 bei Gilliodts van Severen, Cartulaire de l'ancien Estaple de Bruges 1,113. 2 Abdruck Hans. Ü.-B. 3, Nr. 497, mit Angabe der Nürnberger Abweichungen. Vgl. auch Nr. 498 und 502. •• 398 Sechstes Buch. Handel nachLandschaften. IV. Niedere Lande. l.Kap. §60.61 Die Oberdeutschen besaßen in Brügge keine Organisation, sie waren keine Nation. Ein schwerer Nachteil, und doch wagten sie es, den Wettbewerb aufzunehmen. Die Grafen von Flandern, dann das Haus Burgund und ihre Erben aus habsburgischem Blute hielten im wesentlichen an dem alten freihändlerischen Programme fest. Auch die städtische Verwaltung mußte die fremden Gäste zu halten suchen. Sie legte ihnen nicht wie Venedig den Zwang auf, in einer Zwangsherberge, einem Fondaco, zu wohnen. Der Fremde hauste in seinem Hostel, dort legte er in Gewölben und Kellern seine Waren nieder und zwischen ihm und seinem Wirte entwickelte sich ein Vertrauensverhältnis, in seine Truhe legte der Hostelier das Geld des Fremden, gab ihm Auskünfte und seine Angestellten begleiteten ihn. Dem Niederdeutschen war die flämische Zunge nicht schwer verständlich, doch auch der Oberdeutsche wurde fertig, mancher Geselle wurde dort aufgezogen, und zwei der Bavensburger Gesellen, Jörg Geisberg von Konstanz und Ludwig Stüdlin, wurden dort so heimisch, daß sie die von Nordfrankreich bis über den Niederrhein verbreitete Dehnung der Vokale durch ein eingeschobenes i gerade so schrieben, als wären sie in Flandern oder Aachen geboren. In Brügge kannte man nicht das harte Gebot Venedigs, das einem Gaste nur an einen Venezianer zu verkaufen und nur von ihm zu kaufen vorschrieb. In Brügge schob sich in jedes Kaufgeschäft nur der eingeborene Makler ein. Die Handelsfreiheit hatte aber auch hier zwei Schranken. Die Ware, die bereits einmal in Brügge den Eigentümer gewechselt hatte, durfte der Fremdling nicht wieder verkaufen. Derartige Geschäfte sollten dem Poorter vorbehalten sein, getreu der mittelalterlichen Begel, daß nur der begünstigt sein sollte, der Bauch und Schmauch in der Stadt unterhielt. Den Gast ließ man steuerfrei, aber er sollte auch nur seinen Import verkaufen und seinen Export einkaufen. Die andere Grenze untersagte dem Fremden den Kleinhandel, der Fremdling blieb vor allem im Verkaufe auf das Großgeschäft eingeschränkt. So durfte er denn vom Zucker nicht unter eine Kiste =20 Broten verkaufen. Der Gast hatte es nur mit dem Großgeschäfte zu tun. Aber was in England, in Spanien und in Venedig galt, wurde in Brügge nicht gefordert, er brauchte den Gelderlös des Verkaufs nicht wieder im Ankauf festlegen, er konnte sein Geld mitnehmen. Brügge lebte nicht nach merkantüistischen Theorien und Praktiken. Das Handelsleben hing in Brügge zumTeü von dem Eintreffen und der Abfahrt der Schiffsconvois ab, namentlich traf das für den Handel mit den südeuropäischen Ländern zu, und gerade der wurde von den Bavensburgern betrieben. In den Sommermonaten waren die Ufer des Swin das Stelldichein von Vertretern der gesamten abendländischen Seeschiffahrt. Am dritten Montag nach Ostern, wo die Schiffe der Adria wie die von Gotland meist zur Stelle sein konnten, fand in Brügge ■■■MBMHHHm Blüte und Niedergang von Brügge 399 eine Messe statt. Doch sie blieb nicht die hohe Zeit des Brügger Handelslebens, das wurden vielmehr die Messen zweier brabantischer Städte. Das war die Pfingstmesse und die größte der Bamasmarkt in Antwerpen, dann die darauffolgenden in Bergen op Zoom. Eine unhaltbare Lage, sie wurde verschlimmert durch andere Tatsachen, zunächst durch die fortschreitende Versandung der Beye und des Swin, trotz unermüdlicher Arbeiten, die meistens das Übel noch vergrößerten. Je mehr die Schiffe gezwungen waren, mehr seewärts vor Anker zu gehen, um so weniger hatte der Schiffer Schutz vor Sturm und Brandung, zuzeiten auch vor feindlichen Schiffen und Seeräubern, um so teurer wurden für den Kaufmann die Kosten des Leichterns. Wehe für Brügge, wenn Antwerpen eine sichere Verbindung mit dem Meere erhält! Der scharfe Niedergang der flandrischen Tuchgewerbe, die geringere Verbindung mit England, das Emporkommen der holländischen Schiffahrt seit 1450, die den Handel mit Brügge fast mied, das Anwachsen von Gewerbe und Handel in den übrigen Niederlanden kamen hinzu. Flandern war ein Glied des großen burgundischen Besitzes geworden wie Brabant. Die Bivalin Antwerpen stand mit seinen burgundischen Herren wie deren Erben, den Habsburgern, gut, Brügge aber ward mißtrauisch behandelt; mochten die alten leidenschaftlichen Kämpfe vergessen sein, aber es kamen neue hinzu. 1488 machten die Brügger den bei ihnen weilenden Gatten der Landes* herrin, denErben des Kaisers, KönigMaximilian, zu einemGefangenen. Antwerpen stellte sich auf die Seite des Fürsten. Die alten Mittel, Privüegien für die Nationen, verfingen nicht mehr. Langsam wanderten erst einzelne Kaufleute fort, wo die Genossenschaft, durch ihre Privilegienkiste festgehalten, noch ausharrte, dann eine Nation nach der anderen fort gen Antwerpen, zu aller, allerletzt folgten die Osterlinge den Oberdeutschen. Im Handelsleben gibt es keine Dankbarkeit und keine Pietät, die Hansischen aber hatten sie. Die Gassen verödeten, schon 1480 standen manche Häuser leer, der Handel verzog sich in die Scheidestadt, im Gewerbe zog die Kunst der Enterbten ein, das Spitzenklöppeln, und auf der Gasse waren die wehrhaften Weber verschwunden, dafür sah das 15. Jahrhundert die nervösen zarten Hände der Klöpplerinnen, und die Hauben der Beginen stachen in den leeren Gassen mehr hervor als in den Zeiten der Blüte dieser Stadt, von der noch der Spanier Pero Tafur im Jahre 1437 gesagt hatte, daß nach seiner Meinung und dem Urteile vieler, sehr viel mehr Geschäfte in Brügge als in Venedig gemacht würden. 1 § 61. Brügge. Älteste Zeugnisse für Oberschwaben. Alter des Geliegers. 1434 oder 1437 bezeugt. Die nächsten Jahrzehnte. Die Wegnahme des Schiffes des Uchoa Galyndis. Burgundische Geleitsbriefe. Oberschwäbische Kaufleute sind hier zuerst 1394 nachzuweisen. Es handelt sich freilich nur um die Gefangennahme eines Dieners 1 A. a. 0., 251. 400 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. IV. Niedere Lande. 1. Kap. §61 des Eavensburger Kaufmanns Konrad. Wirt im Gebiete des Herzogs von Geldern, für den im Namen der Bodenseestädte die Stadt Konstanz eintrat, aber es liegt doch kein Zweifel vor, daß dieser auf dem Wege nach Brügge oder Antwerpen gewesen war oder von daher gekommen. 1 1402 handelt es sich um die Gefangennahme eines Konstanzer Fuhrmanns im Gebiete des Burggrafen von Vells bei Bötseh, 2 und ebenso um die Gefangennahme des Konstanzer Bürgers Jakob Weczel, der in der westflandrischen Bailliage Veurne (Furnes) von einem Adligen mit Landsleuten aus Konstanz und Wangen (Heinrich und Johann Pfanner) war festgesetzt worden. Die Bodenseestädte bemühten sich mit Erfolg um die Freilassung. 3 Da die Bailliage außerhalb des gewöhnlichen Weges von Schwaben nach Brügge liegt, so ist es wahrscheinlich, daß die deutschen Kaufleute von Brügge aus auf dem Wege zu dem englischen Stapel in dem damals englischen Calais waren oder von dort kamen. Damals waren die Konstanzer regelmäßige Gäste des Bürgers Arnopolt, da sich dieser aber weigerte, die Bürgschaft für die Waren, Zahlungen und Abgaben zu übernehmen, so wendete sich die Stadt Konstanz an Brügge, damit diese Stadt ihr einen anderen tauglichen Wirt nachweise, der als Mäkler die Wünsche der Konstanzer Kaufleute zu erfüllen übernehme. 4 Das zeigt, daß mindestens die meisten Konstanzer Brügge nur zuzeiten aufsuchten und noch kein Gelieger dort dauernd unterhielten. Mit einiger Wahrscheinlichkeit kann man die Konstanzer Johann Slatter und Lütfrid Bettminger, die in Brügge auf in Venedig zahlbare Wechsel über 500 und 450 fl gaben, als Faktoren des Munt- prats ansehen; es wäre aber auch denkbar, daß Hans Muntprat die Wechselschuld zu bezahlen übernahm, ohne daß die Schuldner seine Beauftragten waren. 5 Im nächsten Jahre wohnten Konstanzer im Boten Schilde in Brügge, und eine Kaufmannswitwe ließ dort drei Ballen Leinwand färben. 6 Wir haben im vorstehenden also Belege genug, daß um 1400 Oberschwaben aus Bavensburg, Wangen und vor allem Konstanz in Brügge dem Handel oblagen. Der erste zweifelsfreie Beleg für die Anwesenheit unserer Gesellschaft muß auf einem Umwege gefunden werden. Die Zollrechnungen von Barcelona müssen darüber Auskunft geben, wann sie zuerst Waren dort verzollte, die in Flandern gekauft sein müssen. Von einem anderen in Barcelona angesiedelten Deutschen ist das schon 1427 nachweisbar, da er am 6. Oktober 362 U fil de Flandes 1 Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins 4, 61. 2 Ebenda 4, 62. Eötsch ist vielleicht Eeleele zwischen St. Nicolaus und Gent. Mone dachte an Roeulx bei Mons und einen Burggrafen von Vaels bei Aachen, beides kann nicht stimmen, aber auch ich kann keine sichere Erklärung geben. 3 Ebenda 4, 62—66, 3 Urkunden. Auch hier bleiben einige Namen unerklärt. 4 Ebenda 4, 65 f. 5 Ebenda 4, 29. 6 Ebenda 4, 66. I Deutsche in Brügge. Auftreten der Gesellschaft 401 verzollte. Für die Josumpis ist das älteste unzweifelhafte Zeugnis vom 1. Juni 1437, damals wurden in Barcelona ausgeladen 14 Ballen Eötel, 11 Fäßchen Kupfer, 2 Körbe fil d'Amida — Garn von einem nicht feststellbaren Orte, vielleicht Dixmuiden — und 6 Stück holländische Leinwand. 1 Nach dem Schiffe zu urteilen, waren aber schon 1434 2 Ballen Merceria von Flandern gekommen: „entrada per mar ab la galera de Flandes." 1434, sicher 1437, war also die Gesellschaft in Brügge vertreten. Aus den nächsten Jahrzehnten geben die Quellen, deren Kenntnis ich zumeist dem verstorbenen Professor Walter Stein in Göttingen verdanke, ein buntes Büd, aber stets ist ein dauerndes Ge- lieger in Brügge vorausgesetzt. Im Jahre 1447 erfahren wir, daß die Bavensburger Waren unmittelbar nach Antwerpen sandten. Wenigstens hatte der Kölner Bürger Johann van Becke das getan, und der war doch wohl ihr Kommissionär in Köln. In Antwerpen waren die Waren an Johann van Lair, den Wirt der Herberge Zum roten Schüde abgegeben worden. 2 Zwölf Jahre später (1459) wurde vor den Schöffen in Nymwegen Bürgschaft für Wühelm Hoyman wegen Zahlung einer Geldsumme zu Händen des Joest Hompis und seiner Gesellschaft geleistet. Die Zahlung sollte am 11. November und weiter auf allen folgenden Märkten von Bergen op Zoom und Antwerpen erfolgen. 3 1464 hatte ein Bürger zu Venlo etwa bei Vlodorp (nördlich von Heinsberg) aus Feindschaft gegen Köln Waren beschlagnahmt, von denen ein Teü nicht Kölnern gehörte. Für diese Fremden beschworen nun Kölner Bürger das Eigentumsrecht der Fremden, und das tat für Hans Wiesland und seine Gesellschaft zu Bavensberg (!) Johann von Lendringhausen, Wirt Zum Sternenberg. Es handelt sich um einen Pack, der das Zeichen der Humpis trug. 4 Auch hier hat es den Anschein, daß es sich um die Brabanter Messe handelt. 1466 hatte die Gesellschaft in Valencia in das spanische Schiff des Jehan Peris Semaines de Bertandoro neben anderen Waren 3 Ballen Mandeln und 3 Ballen Kümmel für den Hafen Sluis verladen. Als das Schiff anlangte, forderte Hans Wiesland als disponierender Genosse der Gesellschaft des Frick und Jos Humpis und ihrer Gesellen von Bavensburg von dem Schiffspatrone die Waren. Allein dieser hatte in Nantes an den dort weilenden Genuesen Ambrogio Lomellino gegen Quittung die Waren abgeliefert. Sein 1 Die nächsten sicheren Einfuhren aus Flandern sind 1438 Juni 9, und 1439 November 27. 2 Kuske, Quellen z. Gesch. des Kölner Handels und Verkehrs, 1, Nr. 1176. 3 Stadtarchiv Nymwegen, Schöffenbuch. 4 Er zeugt auch für einen anderen Gast, für Erart Roeynck von Reutlingen, der auch sein Gast war. Weiter waren betroffen je ein Bürger von Nymwegen, Antwerpen, Hans von Steiden von Augsburg und Balthasar Wolff von Nördlingen. Vgl. Kuske, a. a. 0., 2, Nr. 348, und Schulte, Zur Geschichte der Ravensburger Gesellschaft in Württ. Viertel]ahrsh. f. Landesgesch., N. F., 11, S. 36. Schulte, Gesch. d. Rivensburger Handelsges. I. 26 402 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. IV. Niedere Lande. I.Kap. § 61. 62 Kompagnon, der in Brügge weilende Genuese, Mathias Scraca, wollte mit der Angelegenheit nichts zu tun haben. Infolgedessen verurteilten Bürgermeister, Schöffen und Bat von Brügge den Schiffer zum Ersatz des dort üblichen Preises der Waren an die Gesellschaft. 1 1468 handelte es sich wiederum um eine Festnahme von Waren, wie vier Jahre vorher. Dieses Mal hatte ein Johann von Schiff weiler die Güter bekümmert, und wieder trat der Wirt Zum Sternenberg für seine Gäste ein; der Gesellschaft van Hoempesch zu Bavensburg in Swame gehörte ein Terling Tuche. Lendringhausen war von den Kaufleuten aus Antwerpen über das Eigentumsrecht verständigt worden. Dieses Mal kam das Gut von Antwerpen und passierte die Herrschaft Heinsberg. 2 Die letzte Urkunde steht schon mit den reicheren Nachrichten, die die erhaltenen Papiere der Gesellschaft bieten, gleichzeitig. Es ist ein Zwischenurteil in einer, wie es heißt, unvollständigen, dunklen und nicht spruchreifen Sache. Der Streit spielt sich ab zwischen Hans Hinderofen als Genosse und Faktor der Gesellschaft des Josse Hompis de Bavesporch en Alemaigne und folgenden Leuten, die sich durch ihre Familiennamen meist sofort als Genuesen verraten: Giovanni und Agostino D'Oria, Ottobuono und Ansaldo Lomellino, Beal de Beallis und Francesco Michiel. Die Bavensburger Gesellschaft hatte auf das Schiff Ochoa de Galindes Waren geladen, und zwar wohl wiederum in Valencia, weil die Summen, die für die Wiedererlangung der Waren und die Entschädigung für Verderbnis und Verschlechterung gefordert werden, in Valencianer Münze festgesetzt waren. Die Genuesen werden zum Ersätze verurteilt, weil die Gesellschaft bei ihnen versichert hatte. 3 Auf diesen Handel bezieht sich wohl die Angabe, da es so langsam mit der Seguritat gehe, solle man den Leuten die Hände mit Geschenken schmieren. 4 Auch über den Ausgang sind wir unterrichtet, 5 wie über den Anlaß. 6 In der Tat war der in Guernica (im Innern des Landes von Biscaya) beheimatete, aber wohl in dem Hafen von Bilbao wohnende Schiffer Ochoa Gallyndis im Frühling 1473 von Valencia mit seinem nach Flandern befrachteten Schiffe abgefahren, wurde aber von Hamburger Kriegsleuten wegen Verdachtes, daß er Feindesgut führe, angegriffen, sein Schiff nach Hamburg gebracht und dort bis zum Eintreffen eines Zertifikates von Brügge, daß Schiff und Ladung Freundesgut seien, festgehalten und dann Anfang Juli gegen Urfehde freigelassen. Die Waren kamen wohl in den Besitz der Gesellschaft, 1 Abgedruckt von Schulte, a.a.O., 40f. Vgl. Gilliodts van Severen, Cartulaire de l'ancien consulat d'Espagne, S. 92. 2 Kuske, a. a. 0., 2, Nr. 454, und Schulte, a. a. 0., 37. Auch dieses Mal Evert Roeynck von Ulm. 3 Schulte, a. a. 0., 38, vom 17. März 1475. 4 3, 9. 5 Vgl. unter Versicherung § 93. Der beteiligte Real Realli war ein höchst bedeutender Kaufmann. Vgl. Gilliodts van Severen, Etaple, 2, 208 und 280. 8 Hansisches Urkunden- buch 10, 130 f. Wegnahmen. Geleit. Bericht Andreas Sattlers 403 aber die Waren waren verdorben, und in der Brüggiscben Klage handelt es sieh nicht um den vollen Warenwert, sondern um den Schadenersatz für die Kosten der Wiedererlangung (recouvrement) und Verderbnis der Waren (gast et empirance). Es war also das Schiff wohl mit Mandeln und anderen leicht verderblichen Waren beladen worden, es gehörte zu den „Fruchtschiffen". Die Beschlagnahme des Schiffes fällt in die letzte Zeit des Kampfes der Hanse gegen England und des Konfliktes mit Frankreich, der Bretagne und Burgunds. Die Gesellschaft hatte ein freies Geleit und Freiheit am 6. Juli 1474 von dem Herzog Karl dem Kühnen erhalten, also wenn das Datum richtig überliefert ist, unmittelbar vor dem Aufbruche seines Heeres zur Belagerung von Neuß. 1 Es lief im August des Jahres 1479 ab. 2 Aber schon vorher war der Verwegene am 5. Januar 1477 gefallen. Einige Monate später richtete Andreas Sattler nach Hause die Frage, ob man dies Privilegium erneuern lassen oder die Frist des Ablaufs erwarten solle. 3 Es geschah das letztere; denn Oktober 1480, da der Termin verstrichen war, erneute Andreas daheim die Anfrage, ob man um ein neues weiter verhandeln solle oder nicht; das erstere habe noch keine der privilegierten Nationen getan, und der sorgsame Geselle hatte bei einigen nachgefragt und lautete die Antwort: ,,Der Herr habe geschworen, alle Privilegien zu halten, die seine Vorfahren gemacht und gegeben hätten; also suchten sie nicht weiter darum nach." 4 In der Tat ist für die Osterlinge erst im März 1482 von dem Herzoge Maximilian und der Herzogin Maria von Österreich das alte Privileg Herzog Philipps von 1457 erneuert worden. 5 Im übrigen genossen die Eavens- burger die allen Kaufleuten gewährten Privilegien. 6 § 62. Brügge. Der Bericht Andreas Sattlers von 1478. Verkauf. Einkauf. Bestellungen. Bild der Lage des Geliegers. Folgerungen. Wenn wir uns den späteren Zeiten zuwenden, so ist es wohl am Platze, da eine Abrechnung oder auch nur ein Meßzettel nicht vorliegt, mit dem genauesten Berichte zu beginnen und zu versuchen, das Geschäft uns klarzumachen. Der Bericht fällt zwischen die Pfingstmesse und den Bamasmarkt 1478 und wirft auf beide ein helles Licht. 7 Und dazu ist er von einem der allerbesten Gesellen geschrieben, von dem alterprobten Andreas Sattler, der auf die Pfingstmesse geschickt worden war, da man den jüngeren Leuten, unter denen der tüchtige Moritz Hürus die Bechnung geführt hatte, nicht das schwere Geschäft überlassen wollte. Und in keinem Schriftstücke erfahren wir so viele Dinge über ältere Zeiten und den eingetretenen Wandel als in diesem. Sattlers Bemerkungen über 1 3, 403. 2 3, 426. Irrig 3, 403. 3 3, 403. * 3, 426. 5 Hans.U.-B. 10, Nr.954. • Gilliodts van Severen 1454 2, 24; 1473 2, 217; 1477 2, 225 ff.; 1487 2-, 257; 1488 2, 264. 7 3, 408—422. 404 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. IV. Niedere Lande. l.Kap. §62 Schiffahrt, Versicherung, über England sind an anderem Orte zu behandeln. Wenn wir den Verkauf behandeln, so würde die Eechnung oder auch der von Antwerpen aus erstattete Bericht bessere Auskunft geben; doch wir haben nur diesen Brief und einige Notizen aus spanischen Berichten und Anweisungen. Die Pfingstmesse hatte so wenig Bargeld erbracht, daß die Ravensburger von Ankauf sehr erwünschter Waren hatten absehen, auch mehrfach auf längere Ziele verkaufen müssen. Von deutschen Waren boten sie nur St. Galler Zwülich aus, hätte man farbige Stücke gehabt, so wären 2—3 Ballen verkauft worden, aber man hatte nur einen, und von ihm blieben 18 Stück übrig; an den verkauften 12 Stück hatte man 14 % Gewinn. Um den Best zu vertreiben, bestellte man neu 60 farbige Stücke. 1 Leinwand und Barchent fehlen völlig. 2 Die Einfuhr kam fast völlig aus Spanien und vor allem aus Valencia. An Mandeln hatte man 100 Ballen eingekauft, aber nicht rechtzeitig verladen, immerhin kamen sie, zum Teil schlechte Qualität und übel verpackt, noch vor Sendungen anderer Kaufleute an, freilich mit unmäßigen Spesen beladen, man erzielte einen besseren Preis als die anderen, hatte aber noch über 3 % Verlust daran, und größerer Schaden war nur vermieden worden, da man die Mandeln mit dem gefragten Beis verbunden hatte. Und nun kauften die in Valencia noch teuer weiter. Die schönen Hoffnungen waren zerronnen, doch Sattler hoffte im nächsten Jahre den Schaden einzubringen. 3 Der Beis, von dem man 100—150 Ballen zu kaufen den Auftrag gegeben, dessen aber nur ein Teil kam, fand völlige Abnahme und gewann man daran bei 28 %, bei büligeren Spesen hätte man daran bei 38 % Gewinn erzielt. Da er in Flandern Wert hatte, hoffte Sattler auch in Zukunft das beste. 4 Die in Ravensburg waren des Glaubens, in Valencia habe man an Kümmel zu viel eingekauft, aber die Gesellen veräußerten in Antwerpen und Brügge 42 Ballen. Bei dem großen Verbrauche war Sattler trotz des noch vorhandenen Bestandes im Lande für später voll Hoffnung, wenn der Ankaufspreis niedrig bleibe. Valencianer Kümmel sei der beliebteste. 5 Mit dem Anis wagte die Gesellschaft nicht vorzugehen, aber Sattler meinte, es komme doch auch eines Tages seine Zeit. 6 Den Saflor ließ die Gesellschaft, da er in Flandern gute Frage hatte, reichlich aufkaufen. An ihm bestand man sehr wohl und wünschte sich weitere 50 Ballen zu büligem Preise. 7 Mit Valencianer Seide wollte man auf Anregung aus Flandern einen Versuch machen, besonders da Peter Lützen- 1 3, 409. 2 Barchent von Ulm und Augsburg (Osterberch) 1453 in Brügge. Gilliodts van Severen 2, 15. 3 3, 409. 412. 421. Vgl. 3, 59 und 84. 4 3, 409. 412. Vgl. 3, 2. 59. 85. 89. 5 3, 409. 412 f. Vgl. 3, 59. 6 3, 414. Vgl. 3, 59. 7 3, 409. 419 f. Vgl. 3, 19. 59. 85. 89. " H I HS H ' I 1 * ;; Der Handel 1478 405 kirchen in Köln mit der gröbsten eine Probe vorhatte. Nach langen sorgenvollen Überlegungen kamen mehr wie 3 Fardel, aber die 3 blieben als zu teuer liegen. 1 Für das nächste Jahr bestellte Sattler 150—200 Ballen Eeis, 100—150 Ballen Mandeln, 40 Ballen Saflor, 4 Kistlein Wachs, 20 bis 30 Karatel Sirup und 50 Ballen Kümmel. 2 Der Zucker von Valencia hatte durch den von Madeira in Brügge seinen Lauf völlig verloren. 3 Aus Barcelona hatte man 2 Ballen Koralien (18 Maß). An ihnen erlebten die Gesellen Freude, sie verkauften zu Antwerpen alles bis auf 2y 2 Maß und gewannen daran 21 %. Schon für den Bamas- markt wollte Sattler wieder einen Ballen haben. 4 Safran hatte Barcelona, Saragossa und das Gelieger in Mailand geliefert. 5 In Bavensburg war man mit Sattler einer Meinung, daß der katalanische Safran seit dem Frieden zwischen England und Frankreich gegenüber dem französischen Brunikel nicht mehr aufkommen könne oder nur unter sehr günstigen Umständen. Auf der Pfingstmesse hatte man einen Ballen Ort (aus Aragonien) verkauft, der Best blieb in Antwerpen liegen. Sattler war froh, ihn los geworden zu sein, da aller Safran nicht viel Gewinn abgeworfen und der Goldpreis seitdem gestiegen war. Neuen wünschte man nur dann, wenn man mit ihm überladen sei, höchstens könnte man im Bamas 2 Bällein gebrauchen. Von dem in Mailand gekauften Zima heißt es, er wolle nicht abstatt, er war auch nicht gut. Der apulische Stank hatte nur armen Gewinn gegeben, und 2 Säcke waren übrig behalten, es scheint, daß man noch 2 Ballen von Frankfurt her zu erwarten hatte. Diesen apulischen Safran hatte man vorgeschoben, den Tuschgan zurückbehalten, aber ihn schließlich doch bis auf drei Stümpfe verkauft. Für Bamas rechnete Sattler mit den 2 erwarteten pulschen Ballen insgesamt 5 Ballen und wenn dann noch Ort käme, so habe man für Bamas und Martini genug. Das schließliche Ergebnis war, daß man wenig Gewinn erzielt hatte und auf 3 Ballen dieser hochwertvollen Ware sitzen geblieben war. Einst muß Safran und vor allem der Balaguer ein in Brügge sehr gut gehender Artikel gewesen und vor allem England der Abnehmer gewesen sein. Jetzt aber war nach dem Frieden mit Frankreich der französische Brunikel hochgekommen, Ort und Tuschgan waren ganz zurückgetreten, und alles verlangte Brunikel. Den aber brachten Genfer und Franzosen nach Bouen und Honfleur und führten ihn da hinüber nach England, das sie an der Hand hielten. So war durch den Friedensschluß Brügges Safranmarkt schwer getroffen und die Gesellschaft zugleich. Das neu wieder in Betrieb gesetzte Gelieger in Genua hatte zwar noch nichts geliefert, aber Geisberg schlug rührig, wie er war, 1 3, 414. Vgl. 3, 59. 74. 86. 91. 2 3, 409. 3 Vgl. 3, 56. 73. 85. 4 3, 417. 421. Vgl. 3, 79. 6 3, 409—412. Vgl. 3, 60 f. 406 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. IV. Niedere Lande. 1. Kap. § 62 vielerlei vor, er kannte ja auch von Jugend auf den niederländischen Markt. Für die Genueser Korallen fand er bei seinem älteren Konstanzer Landsmanne warme Fürsprache. „Ich wollte es nicht lassen, ich tat es damit versuchen, mit 400 fl sähet Ihr wohl, wo es hinaus will." Der alte Sattler knüpft nicht an alte Erfahrungen an, es war wohl seit langer Zeit diese Ware von Genua nicht nach Flandern geliefert worden. 1 Sattler riet den Herren, es auch einmal mit Kupfer zu versuchen, es könne nicht viel daran verloren oder gewonnen werden, man habe den Vorteil von Aschaffenburg an es bis Antwerpen auf dem Wasser gehen zu lassen. Wolle es dann nicht Nutzen tragen, so ließe man es unter Wegen. 2 Der Einkauf diente ausschließlich für die spanischen Gelieger. Alte Ausfuhr waren Tuche aus den heute belgischen Landen, von Brügge, Herentals, Mecheln, Menin und Kortryk, auch Alunisch. Aber jetzt handelte es sich nicht mehr um große Beträge, wie das wohl früher der Fall gewesen sein mochte, sondern um eine kleine Anzahl von Stücken, und Saragossa brauchte sie allein, 20 TuchÄ fein mit einem verbürgten Gewinn von 20 %. Ohne dag hätte schwerlich Sattler die starke Konkurrenz auf sich genommen. 3 Eine schon lange geführte Ware waren Mützen. Sie wurden auf Bestellung gearbeitet. Mit den Florentiner Galeeren waren 3 Kisten nach Spanien gegangen. 300 Dutzend waren noch nicht bereit gewesen, dazu kamen Bestellungen von Saragossa (112 Dutzend) und an 40 für Barcelona. 4 Seit langem kaufte die Gesellschaft weißes Garn von Audenarde und gefärbtes, auch Garn von Tournay. Man hatte einen Mann zu Audenarde, der 4 Ballen gefärbt dort zur Lieferung auf den Bamas- markt für Saragossa übernahm. Außerdem waren mindestens 2000 U ungefärbtes für dasselbe Gelieger zu beschaffen. Und das schien noch nicht ausreichend. 5 Während alle diese Waren zur Not in Brügge gekauft werden konnten, war man bei anderen auf die Messen von Antwerpen, auch Bergen angewiesen. In Spanien hatte die holländische Leinwand sich mehr und mehr die Gunst erworben. Für Valencia hatte man 16 Ballen, von denen 2—3 nach Barcelona vielleicht weiter gingen, für Saragossa nur3. Das hielt Sattler für ein Jahr nicht ausreichend. Erwollte noch einmal so viel und besseres Gut im Bamas kaufen. Man hatte schon voraus gesehen, daß auf dem Pfingstmarkt Mangel sein werde. 6 Hennegauische Leinwand hatte man 4 Ballen für Saragossa kaufen wollen, aber keine gute gefunden und dann das Geschäft auf Bamas verschoben. Hoogstratensche Leinwand hatte kurz vorher Valencia statt der gewöhnlichen 2 Ballen deren 3 erhalten. 7 1 3, 417. 2 3, 419. 3 3, 415. Für die älteren Zeiten vgl. 3, 8 f., 13, 16. 4 3, 415. Vgl. 3, 11. 56. 83. 5 3, 415 f. Vgl. 3, 83, und vorher 3, 5 und 58. • 3, 414 und 419. Vgl. 3, 68. 82 f. 90. 7 3, 415. Vgl. 3, 58. 83. ■HMMM Der Handel 1478 407 Mit dem Arras stand er übel. Auf dem Pfingstmarkt hatte man dafür kein Geld, auf Lieferung wollten sich die Leute nicht einlassen. Am Bamas wollte man mindestens 100 Stück erwerben. Schwarzer Arras war nicht zu bekommen, was davon zu Middelburgh gemacht wurde, war im voraus an einen Frankfurter verkauft. 1 Weiter wollte man auf dem Bamas Zinn (an 4—6 Block), Lamkin (6—8) und Scheren kaufen. 2 Geisberg riet an, in Brügge Pelzwerk zu kaufen, und das wäre die einzige Ware, die sie hansischen Kaufleuten hätten abnehmen können. Aber auf die teuren Zobelfelle wollte Sattler sich nicht einlassen, wohl aber auf „waser marder" und Schönwerk (Veh). Er war bereit zum Ankauf von 500 Veh und von 200 Waser Marder, auch auf 4 oder 6 gute Zobel wollte er eingehen. 3 Aber für Geisbergs Gedanken, mit Gewand in Itaben einen Handel zu beginnen, wie die Niederländer ihn bei rieben, hatte Sattler nur eine scharfe Warnung an seine Vorgesetzten, das nicht zu unternehmen. 4 Nicht auf dem Programme von Ankauf stand Krapp (rodia). Er hatte damals einen sehr hohen Preis, und Sattler riet, ihn in Valencia hochzuhalten und zu sparen, was aber als falsch sich erwies, da in Bälde ein Preissturz eintrat. Vor dem Pfingstmarkt waren 22 Ballen brüggischer und 11 seeländischer nach Valencia gegangen und 10 Ballen wollte man damals trotz des hohen Preises noch kaufen. 5 Auch Blechankäufe erwähnt Sattler nicht, es waren 6 Fässer Blech aber vorher nach Valencia gegangen. 6 Nach guter alter Gepflogenheit machte sich Sattler schon im Juni ein genaues Bild von seiner Lage auf dem Bamasmarkte. Es war kein erfreuliches. Ausgaben für Ankauf in# Holländische Leinwand . 600—700 Ausstände....... 850 Hennegauische Leinwand . 46—50 850 Garn von Audenarde . . 90—100 Gefärbtes Garn..... 28—32 Scheren ........ 10—12 Feine Tuche...... 150 Mützen ......... 200 Brüggische Tuche (10—12) 70 Lamkin (6—8) .... [30] 7 1224—1324 Schulden jetzt u. in der Messe 450 1670—1774 Für Zinn ....... — Bei solcher Lage mußte Sattler sehen, mögüchst viel Safran gegen bar zu verkaufen. Damit meinte er, käme er nahe hin. Wolle 1 3, 416 f. Vgl. 3, 58. 2 3, 416. 3 3, 418. * 3, 418. 5 3, 418. Vgl. 3, 80. 83. " 3, 420. 7 Sattler hat bei den Lamkin den Preis nicht angesetzt, er gibt als Summe 1324 an, dann entfielen auf Lamkin 30 U. 408 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. IV. Niedere Lande l.Kap. § 62.63 man die Gelieger versehen, so müsse man ihn mit Geld unterstützen. Silber zu schicken wird eingehend erwogen, aber das war bei dem schwankenden Goldkurse sehr gefährlich. So blieb denn schließlich der Notanker, Wechsel auf Nürnberg zu nehmen (54 9 0 = 1 fl). 1 Vielleicht kam es aber nicht dazu, da die Leitung angeordnet hatte, unter Umständen von Valencia nach Flandern Geld zu übermitteln. 2 In diesem Jahre war allem Anscheine nach Brügge ein Gelieger, das einen Zuschuß von anderswoher nicht nur im Bamasmarkte erforderte. Ob das immer so war? Ebenso tritt hell und deutlich hervor, daß im wesentlichen das Geschäft ein Warenaustausch zwischen den spanischen Gehegern und dem zu Brügge war und durchaus vom Seeverkehr abhing, nur die Barceloneser Korallen und Safran waren auf dem Landwege gekommen. Und das dritte Ergebnis ist, daß zwischen den Hansischen und den Bavensburgern wohl nur sehr wenige Geschäfte im Ankauf durch die Bavensburger abgeschlossen wurden, bei ihrem Verkaufe ist das nicht zu ersehen. Sicherlich nahmen die Osterlinge wohl von Safran, Zucker, Beis usw., war es ja eines ihrer Hauptgeschäfte von Brügge Südfrüchte nach dem Nordosten weiter zu vertreiben. § 63. Brügge. Spätere Zeiten von 1478 bis Ende des Jahrhunderts. Einfuhr vorwiegend aus Spanien. Ausfuhr, nicht englische Wolle. Ergebnisse. Stellung zu den Hansischen. Politische Nachrichten. Verlegung der Brügger Messe ohne Wirkung. Für die Zeit außerhalb 1478 und endend mit dem Schlüsse des Jahrhunderts stehen uns noch andere vortreffliche Quellen zur Verfügung, einmal Berichte von Andreas Sattler (1477 und 1480 Okt.), von Sattler und Stüdlin (1480) und ein Briefbüchlein. Dazu kommen zahlreiche andere Notizen. Um Wiederholungen zu vermeiden, gebe ich in der folgenden Übersicht über die Einfuhr nur die wichtigsten Tatsachen an, verweise im übrigen auf andere Abschnitte. Von Valencia war einst der Zucker, wie schon gesagt, ein sehr bedeutender Importartikel gewesen, 1479 hatte man wieder etwas Hoffnung, allein die 1480 mit 4 Kisten gemachte Probe wird wohl die letzte gewesen sein. 3 Auch mit der Melasse war es wohl bald aus. Ihr Müßiggehen ist das Beste. 1479 wurden noch 12 Päßlein gesendet, 1480 22.* Im Beis schwankten die Preise sehr. Sommer 1479 hatten die Valencianer Kaufleute 1500 Ballen gesendet, die Gesellschaft davon 160. Die Preise gingen in Flandern herab, die Valencianer rieten, hinzugeben, da die Ware auch am Orte der Erzeugung sinke. Aber 1480 hatte die Gesellschaft 47 Ballen unverkauft liegen, andere Kaufleute aber über 700. 5 Sicherlich war das eins der Hauptgeschäfte der Gesellschaft, und, da selbst die am Meere gelegenen Niederlande 1 3, 416 f. 2 3, 89—96. 3 3, 105. 113. 144 f. 174. 423. 431. 5 3, 100 f. 120. 134. 192. 423. 432. 3, 100. 106. 185. p§|||||| Brügge. Der Handel der späteren Jahre. Verkauf 409 Getreideknappheit erlebten, war Eeis dann mehr als ein Leckerbissen. Übrigens lieferte auch Portugal davon nach Flandern. Kümmel findet sich dauernd, das jährliche Quantum dürfte gegen 30—40 Ballen betragen haben, 1 bei Anis, der 1479 und 1480 trotz aller Bedenken geführt wurde, kaufte man, wenn er billig war, 8—10 Ballen, 2 sehr viel erheblicher war der Betrag an Mandeln, wo sich 1479 eine Einfuhr von 200 Ballen findet. 3 Den Datteln stand man sehr kritisch gegenüber, immerhin dachte man an eine Einfuhr von 100 Quintal. 4 In früheren Zeiten hatte die Gesellschaft auch getrocknete Weinbeeren in Flandern eingeführt, aber schlechte Erfahrungen gemacht. Da man nun schnellere Schiffe habe, meinten die in Valencia, könnten sie die verderbliche Ware rechtzeitig in die Fastenzeit bringen, aber die Leitung befahl ihrer müßig zu gehen. 5 Saflor war 1480 in Flandern nicht gut ausgegangen, es kamen davon aber noch 3 Ballen. 6 Grana kamen 1480 von Valencia 2 Ballen, dabei auch Staub von Grana. 7 Wachs von Valencia war offenbar in Brügge nur schwer unterzubringen, immerhin wurde es geführt. 8 Für Seide hatte man einen alten Abnehmer, den man nicht einbüßen wollte, man bat 1480 um 2 in 3 Bällein. 9 Der Handel in Krapp war sehr schwankend, in guten Jahren bestellte man 30, ja mehr Ballen. Über den Safranhandel, der in Flandern große Schwierigkeiten hatte, ist an anderer Stelle eingehend zu handeln. Er war eine stetige Sorge. Das war die einzige Einfuhr aus Saragossa, von Barcelona kamen noch Korallen hinzu, die aber in Flandern nicht einen so guten Markt hatten wie in Frankfurt. Ausfuhr von spanischer Wolle nach Flandern wird in den uns erhaltenen Papieren der Gesellschaft nicht erwähnt und doch war sie, da immer weniger Wolle aus England kam und sie immer teurer wurde, eine stets mehr anwachsende Ausfuhrware, deren Stapel von den spanischen Kaufleuten in Brügge noch festgehalten wurde, als die Stadt ihren Handel fast völlig eingebüßt hatte. Die in Flandern oder Antwerpen gekaufte englische Wolle begegnet uns einmal in der Frankfurt-Nürnberger Bechnung 1479/80. Aus Italien kamen nach Brügge nach Wiedereröffnung des Ge- liegers von Genua auch Korallen, sonst aber lieferte das Land nichts dorthin. Aus Deutschland führte man nur St. Galler Zwillich ein. Die Ausfuhr von Brügge bestand dem Charakter der Landschaft entsprechend vorwiegend in Textilwaren. Brüggische und andere flämische Tuche, die einst so berühmt gewesen waren, behaupteten sich nur noch in Saragossa und Frankfurt. Draps de piuzell (pinzell), die noch nicht sicher erklärt sind, wurden früh nach Barcelona aus- ~~- 1 3, 100f. 184. 432. 2 3, 101. 184. 423. 432. 3 3, 184. 401. 424f. 432. 4 3, 102. 184 f. 5 3, 102. 147. "3,184.432. 7 3, 185. 8 3, 104. 146 f. 423. 9 3, 424. 427. 410 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. IV. Niedere Lande. I.Kap. §63 geführt, ebenso gemalte Tücher, gemalte Kleider nach Valencia, während sonst sich nur Privatankäufe von gemalten Kleidern finden für deutsche Gesellen. Die Zeiten waren längst dahin, wo England ruhig sein bestes landwirtschaftliches Erzeugnis, die Wolle, ausführen ließ und der blühenden flandrischen Tuchweberei neidlos überließ, auch die Tage waren abgelaufen, wo die englische Wolle zum Teil von englischen Handwerkern für den Verbrauch im Lande verarbeitet wurde, ausgewanderte Weber hatten längst die hohe Kunst von Brügge, Ypern und Gent über das Meer verpflanzt, und dort wurden nun bessere Tuche gewoben als in Flandern selbst. Dagegen halfen die Einfuhrverbote, die für Flandern, zeitweise auch für alle burgundischen Lande erlassen wurden, nichts; denn der Handelsfeind saß schon längst in Antwerpen, wo die Genossenschaft des wagenden Kaufmanns (Merchant adventurer), die innerlich sich immer mehr festigte, ihren Verkauf auf den Messen von Antwerpen und Bergen mit Erfolg betrieb. 1 Die Fürsten hatten zu wählen, ob sie die alten, in ihren Grundlagen rettungslos erschütterten städtischen Zünfte Flanderns decken wollten, wie es dann noch zeitweise Philipp der Schöne tat, oder ob sie dem Handel Antwerpens, den Zollerträgen dieser brabantischen Lande den Vorzug geben sollten. Schließlich entschieden sie sich für das politisch gefügigere Antwerpen. 1501 gab sich Brügge besiegt und bat um Verlegung des englischen Tuchhandels nach Brügge. Umsonst. In der hier zu behandemden Brügger Periode war die Gesellschaft nur selten dort Käuferin von englischen Tuchen. 2 Auch von jener anderen Bewegung spüren wir in unseren Papieren wenig. 3 Die städtischen Zünfte Flanderns verfielen, weil sie am alten schweren Tuche festhielten, aber draußen auf dem Lande woben die Bauern, dann Handwerker, dann fast völlig von Kaufleuten abhängige Arbeiter leichtere Stoffe: Serges und Ostaden und andere Sorten. Und in unserer Periode tauchen erstere auch auf, wenn auch nur im Ankaufe für Private, 4 daneben auch Sayes. Einmal wird auch der Name von Hondschoten genannt, und das war einer der Hauptsitze der Landweberei. 5 Die weißen Garne von Audenarde, Kortryk, Balestre und Dix- muiden hatten seit alter Zeit in den spanischen Geliegern Nutzen abgeworfen, in Genua machte man einen Versuch damit, nach Deutschland bestand keine ernste Ausfuhr. In Mützen war in allen spanischen Geliegern ein starker Verbrauch, wohin aber auch Mailänder (nach Valencia) kamen, die flandrischen Lieferungen wurden einzelnen Bonettenmachern vergeben. 1 Über die Organisation vgl. van Brakel in Vierteljahrsschr. f. Soz. u. Wirt- schaftsgesch. 5, 401—432. 2 3,404.417. 3 Vgl. Pirenne, Une Crise industrielle au XVI. siecle (in Bulletin de PAcadömie royale de Belgique. Nr. 5. 1905). * 3, 20. * 3, 430. 181 HBHHBBMK1 W£« Brügge. Der Handel der späteren Jahre. Einkauf 411 In Metallen und Metallwaren war der Handel nach Spanien lebhafter, aber er hält doch keinen Vergleich mit dem von Nürnberg und Mailand aus, noch hatte das niederrheinisch-westfälische Gebiet keine solche Bedeutung erlangt. Zinn erscheint einmal als Einfuhr in Valencia (1480). Nach Valencia und Saragossa kam mehrfach Blech, auch verzinntes, von Brügge her. Bei den Messern findet sich Ausfuhr nach den ebengenannten Geliegern. Die Ausfuhr von Stecknadeln ebendorthin war bedeutend. Bei den nach Valencia eingeführten Scheren erfahren wir, daß sie aus Batingen stammten, und tisores de retingot sind seit 1427 in Barcelona eingeführt. Becken büdeten auch ein Teil der Ausfuhr nach Valencia und Saragossa. Vereinzelt gingen nach Barcelona 1426 bleierne Waschgefäße; häufiger Schusternägel, 1437 Kupferdraht, auch Eisen; dann auch Zinn. Weiter finden sich in der Ausfuhr Lasur, Walkererde, Tintenfässer und Kyllwenkissen. Für die Kunstgeschichte ist es wohl von Bedeutung, daß Saragossa sich von Flandern eine reiche Sendung von gemalten Tafeln bestellte, mit denen man dort die Wände schmückte. Kreuzigung, Krönung mit der Dornenkrone und Kreuzabnahme sollten sie darstellen und bei guten Meistern bestellt werden. 1 Holländische Leinwand blieb ein starker Artikel auf der Antwerpener Messe und damit versorgte man außer Spanien später auch Genua, ja Maüand. Spanien nahm in bescheidenem Maße auch Brabanter Leinwand von Hoogstraten und Nivelles (auch in Genua kommt sie vor), hennegauische ging wohl nach Saragossa und Genua. Brüggische fand Interesse in Genua und in Bavensburg, ebenso die von Kamrich, flamische ging auch nach Valencia. Einer großen Beliebtheit erfreuten sich die leichten Wollenzeuge: Arras — die von Arras, Valenciennes, Lembecke, Hondschoten, Oam- brai und Brügge bezogen wurden — sie sind in allen Geiiegern nachzuweisen, wenn auch in verschiedenem Umfange. Bettziechen aus Flandern finden sich in Genua nur in einem Gelegenheitsgeschäfte. Weit erheblicher war das Geschäft in Tapisseriewaren, die in Saragossa begehrt wurden, Bankais finden sich in Flandern und Genua. Pelzwerk war auch kein Gegenstand dauernden Handels, wenn es auch nicht völlig f ehlte,Schreibf edern gingen einmal nachBavensburg. In Brügge scheint man ein eigenes Haus gehabt zu haben; denn man hatte einen Mann, der, wenn man selbst auf die Messe zog, im Hause schlief. Man hatte auch zwei Mägde. 2 Überblickt man die ganze Tätigkeit der Gesellschaft in Brügge, so macht es nicht den Eindruck, als sei sie jemals mit den Hansischen in Konflikt geraten. Die Osterlinge sahen allerdings die steigende Bedeutung der Oberdeutschen in Brügge höchst ungern, a ber das, was gerade sie am meisten bekümmerte, die Ausdehnung ~ 3, 116. 2 3, 433. 412 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. IV. Niedere Lande. 1.2.Kap. §63.64 ihres Landtransportes von Flandern bis nach Polen, Euthenien, Ungarn hat die Gesellschaft nicht nachweislich betrieben; wenn sie bis Posen und Wien ging, so waren es doch schwerlich flamische Waren, die sie dorthin brachte; was sie aus Südeuropa holte, brachte sie doch wohl auf dem Landwege dorthin. Auch den rheinischen Hansastädten machte sie kaum schwere Konkurrenz, des Weinhandels enthielt sie sich ja. Das Hauptgewicht legte sie doch auf den Austausch zwischen Spanien und Flandern und da hatte sie nicht so sehr es mit der spanischen Nation, die sehr fest in Flandern im Sattel saß, als Nebenbuhlern zu tun, eher mit den Biskayern, vor allem mit den Untertanen der Krone Aragonien, die, soweit ich sehe, keine besondere Nation bildeten. Den Oberländern war es von großem Nutzen, daß sie an dem häufigeren, oft längeren Aussetzen der Fahrten der Osterlinge nach Flandern keinen Anteil hatten und selbst in den schweren Zeiten, da Karl der Kühne vor Neuß lag, hatten sie ja ein freies Geleit. Schwerer traf sie der große politische Wandel, der mit dem Ende des hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich eintrat. Damals waren gefärbte Leinwand und Gugler, der katalanische Safran (Balaguer) und Zucker gute Waren für England gewesen, und in jenen Zeiten mochte wohl in Brügge oder in Antwerpen davon manches an englische Käufer übergegangen sein, aber der Zucker von Valencia verlor den Lauf, die Franzosen verhandelten nun direkt über Honen ihren Brunikel, und der Balaguer kam stets zu spät auf den Markt. Auch die dann folgende Zeit der Kämpfe Karls des Kühnen, der erbitterte Streit um die Erbschaft war mannigfach von Schaden, wenn auch der Krieg nicht gerade bis vor die Tore Brügges drang. Aus diesen Tagen haben wir von den Gesellen einige politische Äußerungen. Die erste redet von den wilden Läufen, da der König Ludwig XI. die Verheiratung der Erbin von Burgund mit dem Dauphin betrieb, um die Lande aber für Frankreich zu gewinnen, Truppen einrücken Heß in die Provinzen, die sich eben innerhalb der Erbschaftsmasse selbständig gemacht hatten, und die Erbin ihren Verlobten, König Maximilian, herbeirief. Die Eavensburger ließen ihre Waren nach Antwerpen gehen, ja einen Teil in Köln liegen, bis Max gekommen. 1 Als dem Paare, dessen Ehe so tiefe weltgeschichtliche Folgen hatte, ein männlicher Erbe in Philipp dem Schönen am 24. Juni 1478 geboren wurde, schrieb ein Eavensburger über König Max: „Der Herr hat viel Volk bei sich und ist große Freude in allen diesen Landen ob der Geburt, so die Frau an St. Johannes Abend gebracht hat. Der Herr ist nun viel mächtiger und stärker. Es ist ihm und den Landen ein großes Glück, daß sie einen eingeborenen Herren haben. Die Köstlichkeit, Freude und Herrlichkeit wird Euch Moritz eingehend mündlich schildern." 2 1 3, 403. 3, 420. jii|||g mtfflll Brügge. Letzte Zeiten. Antwerpen 413 1480 streiften die Gesellen in ihrem Berichte nur die Uneinigkeit in Holland, die die Zufuhr von Leinen verhindert hatte; nun sei das geschlichtet. 1 Wir haben hier nicht die wirre Zeit mit ihren Kämpfen politischer Natur, in die sich übrigens auch der wirtschaftliche Gegensatz zwischen den herabsinkenden flamischen Städten und dem aufblühenden Antwerpen einmischten, zu erzählen. In dem Höhepunkte der Kämpfe, da der deutsche König Maximilian in Brügge gefangen saß und sein Vater Kaiser Friedrich des Beiches Truppen und vor allem Schwaben heranführte, hatten die Bavensburger Gesellen Brügge den Bücken gekehrt und sich nach Antwerpen gewendet, von wo aus sie den Söldnern ihrer Heimatstädte Bavensburg, Lindau den Sold vorschössen. Haben sie dann überhaupt Brügge wieder aufgesucht? Wir wissen es nicht. Schwerlich nach der Zeit, da die Hockschen Sluis in Besitz hatten und den Seeverkehr äußerst belästigten (Ende der achtziger Jahre bis 1492). Aber längst war Antwerpen, wie wir sahen, durch die Messen ihnen vertraut geworden. Für die alte Brügger Messe verlegte der Herzog Philipp der Gute, da sie so nahe an Ostern liege, daß Venezianer, Savoyer und andere Gäste oft mit ihren Waren nach den Tagen de monstre kämen und so den Verkaufstermin verlören, den Meßanfang auf 15 Tage nach Ostern; so kam das Ende dieser Verkaufstage auf Samstag den 27. Tag nach Ostern, stieß also mit der Antwerpener Pfingstmesse, die 14 Tage vor Pfingsten begann, hart zusammen. 2 Das aber vermochte die Brügger Messe nicht zu heben, in keinem Berichte wird ihrer besonders gedacht. Der Antwerpener Bamasmarkt und die Messen von Bergen op Zoom erscheinen dafür sehr häufig. Zweites Kapitel Antwerpen. London. Köln § 64. Antwerpen. Die Messen. Handelsbedingungen. Aufschwung. Charakter des Geschäftes. Wird sich die Gesellschaft dem neuen Wesen einfügen? Die Einfuhr von Spanien erliegt, dafür wächst die von Italien. Ausfuhr beständiger. Kein großer Anteil am Gewürzhandel. Der Bamasmarkt 1504. Nicht Barmittel genug. Ernlin als Politiker. Letzte Zeiten des Geliegers. Beziehungen zu Deutschen und Fremden. Von den niederländischen Messen waren die bedeutendsten die schon so oft genannten von Antwerpen. Die Termine von beiden haben große Schwankungen durchgemacht. Die Pfingstmesse sollte ursprünglich 14 Tage vor Pfingsten beginnen, 1507, wo Pfingsten 1 3, 423. 2 Finot, Jules, Etüde historique sur les relations commereiales entre la Flandre et l'Espagne au Moyen Age, Paris 1899, S. 192. , 414 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. IV. Niedere Lande. 2. Kap. § 64 auf den 23. Mai fiel, hatte der Markt am 8. Juni noch nicht recht angefangen, die Engländer waren noch nicht da. 1503 berichteten die Eavensburger am 18. Juli über den Verlauf, Pfingsten war am 23. Mai. Der Bamasmarkt hatte von seinem ursprünglichen Sitze — Sonntag nach Maria Himmelfahrt (August 15.) — schon eine erhebliche Wanderung zurückgelegt, als er, der zuerst auf den St. Ägidientag (Sept. 1.) verlegt worden war, 1 vom S. Bavonstage (1. Okt.) den Namen Bamas- oder Bamismarkt erhielt. 1478 war er am 2. Oktober schon vorüber, 1504 stammt der Bericht von der Mitte des Oktobers. Er lag also im September und Oktober. Als Ergänzung dienten die Märkte von Bergen op Zoom. Es waren ihrer zwei, die kalte oder Martinimesse (später um Weihnachten gehalten) und die Pacsch(Oster)messe, die ursprünglich an Lichtmeß (2. Februar) begann. Die Berger Märkte wurden von den Bavensburgern ebenfalls besucht. So war ein System von 4 Messen entstanden, wie es einst der Champagne die internationale Stellung gewährt hatte. In der Champagne hatte keine Stadt das Übergewicht, hier zog Antwerpen später auch die Meßtermine der Geldzahlungen von Bergen op Zoom an sich. Brügge und Antwerpen haben eigentümlicherweise fast denselben Sinn in ihrem Namen: Brügge ist die Stadt an der Landungsbrücke, Antwerpen heißt die an der Höhe, in der Tat verläßt ja da die Scheide dort das hochwasserfreie Gebiet. Der Landeplatz lockte in beiden den Fremden. Schon mit dem Ende des 13. Jahrhunderts tauchen fremde Kaufleute in dem brabantischen Antwerpen auf, Bheinländer und Westfalen treten bald bedeutsam hervor. Schon 1315 gaben die Herzöge den Florentinern, Genuesen und den Deutschen Privilegien, die 1409 für die Hansischen erneut wurden. Die Gunst der Landesherren war der Stadt treu, hier gab es kein starkes Gewerbe und keine trotzigen Zünfte, keine Kämpfe zwischen Patriziern und Handwerkern und dieser oder jener gegen den Landesherrn. Die Geschichte fließt ruhiger dahin als an der Beye oder in Gent. Doch zur vollen Blüte fehlte noch die bequeme Zufahrt zum Kanäle von Dover. Die Westerschelde war zu seicht, aber die Sturmfluten änderten das, und nun war alle Wasserbaukunst der Brügger umsonst; doch behielten Arnemuiden und Veere auf der Insel Wal- cheren als Vorhäfen von Middelburg und Antwerpen für größere Schiffe eine erhebliche Bedeutung. Dann zogen die Messen und der tägliche Markt die niederländischen Kaufleute stärker in Antwerpen an als Brügge, und auf sie wirkte nicht der Geist der flandrischen Tuchgewerbe ein, die die englischen Tuche möglichst ausschlössen. 1 Vgl. die Urkunde Siegmunds vom 21. Januar 1416 bei Mertens en Torfs, Geschiedenis van Antwerpen 3, 614 ff. Antwerpen. Messen. Lage. Handelspolitik 415 Der Freihandel lag im Interesse des aufblühenden Antwerpens, während Brügge dem Schutze seines Gewerbes nachging. Jener war mit dem durchgeführten englischen Merkantilismus verträglich, dieser nicht. Brügge sah sein Gewerbe aufs Land ziehen und sich leichteren Wollstoffen zuwenden, Antwerpen veredelte englische Stoffe. Auch andere Gewerbe wanderten in diese Stadt, hohe Kunstfertigkeiten, die den besten Markt aufsuchten und hier einem freien Wettbewerbe nachgehen konnten: Tapisserie, Buchdruckerei, Weberei von Atlas und Brokaten, Glasbläserei und Diamantschleiferei, doch gehörte ihre Bedeutung nicht der Zeit der Bavensburger Berichte an. Privilegien, wie sie die Hansischen 1516 für ihre Übersiedlung begehrten, lehnte der junge Erzherzog Karl ab, weil auch die Fugger, Welser und Höchstetter und andere Hochdeutsche keine hätten. 1 Individuum und Kapitalismus stießen hier nicht auf die mittelalterlichen Widerstände, der Geldhandel spielte hier bald eine noch viel größere Bolle als in Brügge, wurde doch auch in Antwerpen das erste Börsengebäude errichtet. Gerade die fortschrittlichsten Kaufleute zogen zuerst hierher, 1486 erscheint der verwegene Spekulant Ambrosius Höchstätter hier, 1494 war dort Konrad Meuting der Fuggersche Vertreter, im gleichen Jahre noch der St. Galler Onofrius Varnbüler, der übrigens schon 1480 in Antwerpen nachzuweisen ist, 2 und um die gleiche Zeit kamen auch einzelne italienische Bankiers hierher. 1507 schrieb Hans Hillenson von Antwerpen: „Es ist die Stadt hier voll von Oberländern, wollen alle hier reich werden. Höchstätter, Welser, Fugger haben soeben große Häuser hier gekauft." 3 Vor dem Ablauf des Jahrhunderts hatten die Florentiner, dann die Genuesen sich nach dem neuen Emporium gewendet. Es blieb die Nation der Schotten bis um 1500 in Brügge, die Hansischen gar bis 1546 bzw. 1563, die Spanier noch länger, aber einzelne Kaufleute aus diesen Nationen zogen nach der freiheitlicheren Stadt hinüber, wo das Geschäft weit mehr blühte als an den verlassenen Kais der Beye. Von dem größten Vorteile waren für die Stadt die Entdeckungsfahrten der Portugiesen und Spanier. Hatten sich früher die Gewürze Ostindiens von Venedig und Genua aus strahlenförmig verteilt, so kamen bald nach den ersten Fahrten nvm die Schiffsladungen mit den Waren Indiens in die Scheidestadt. Eine volle Bevolution im Gewürzhandel war die Folge, die atlantische Küste hatte ihren zweiten großen Sieg über das Mittelmeer davongetragen. Das Geschäft wurde höchst spekulativ. Man wandte sich an die Astrologie und ließ sich Prognostika stellen. Und dieses Spekulieren, dieses Jagen nach Monopolen ging auf andere Waren über, wie Alaun, Safran und Kupfer, der Hauptartikel war der Pfeffer. 1 Jansen, Studien zur Fuggergeschichte, 3, 59. 2 Schriften d. Ver. f. Gesch. des Bodensees 41, 229 f. Vgl. Jansen, Studien, 3, 68. 199 f. 3 3, 440. Nach Mertens en Torfs 3, 321, kauften die Höchstätter schon 1486 ihr Haus. 416 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. IV. Niedere Lande. 2. Kap. § 64 Und dieser Handelsverkehr spielte sich in voller Freiheit ab, jeder konnte Makler sein oder Wechsler. Es gab keinen Hallenzwang. Alle Kaufleute waren gleichmäßig privilegiert, nur die englischen standen etwas abseits. Brügge hatte den einzelnen Gruppen es überlassen, sich Häuser zu bauen, Antwerpen sorgte mehr vor und zog die Kaufleute von dem Martinskirchhof erst auf einen Börsenplatz, dann in das erste Börsengebäude der Welt (1518). Vor allem aber rückte der Geldhandel mehr in den Vordergrund denn je, der hier eine Bolle spielte, wie sie vorher nie war erlebt worden, und das reizte gerade kapitalkräftige Oberdeutsche, und weil hier Kapital vorhanden war und Wagelust, kamen die Stapel der portugiesischen, dann auch der spanischen Waren an die Scheide. War es in Brügge schon ein buntes Bild gewesen, in Antwerpen war es noch farbenreicher: es war die ,,gemeene stad von alle Volkeren", in der der Einheimische hinter dem Fremdlinge ebenso zurücktrat wie vorher in Brügge. Diese Stadt war den Nordprovinzen der burgundischen Herrschaft etwas unbequem gelegen, Antwerpen lag zentraler für die schnell emporblühenden Gebiete von Holland, wo sich die Stadt Amsterdam durch Seefahrt, Getreide- und Heringshandel über Dordrecht weit emporhob, zentraler für die Rheinlande, die immer stark zu Antwerpen geneigt hatten. Antwerpen war eine Bheinmündungsstadt, weit mehr als Brügge es hatte sein können. Wird die Bavensburger Gesellschaft sich in das neue Wesen einfügen und die Wagelust anderer oberländischer Firmen annehmen oder wird sie, wie die Hansischen es zu allermeist taten, am alten Betriebe festhalten und damit rettungslos zurückgehen? Unsere Berichte geben die deutüche Antwort. An den Geldgeschäften oder auch nur an der Versicherung von fremden Waren hat sich die Gesellschaft überhaupt nicht beteiligt. Von dem eifrigen Verkehr mit Spanien ist in der nach Antwerpen gerichteten Einfuhr fast keine Spur mehr. Die Spanier — so scheint es — hatten da die Bavensburger vöüig verdrängt. Zweimal erfahren wir, daß von Valencia 2 Ballen Mandeln nach Antwerpen gesendet waren ?■ und von Flandern 1 Kiste Nadeln nach Valencia kam. 2 Dafür hat die Einfuhr aus Italien beträchtlich zugenommen. Zunächst kommen da die Textilwaren in Betracht, und da handelt es sich um die feinen Luxuswaren von Genua und Mailand, ausschließlich um Seidengewand. So wurde nun regelmäßig Samt 1 Hans Errenlin, Faktor und Diener des Hans Humpis & Co., Kaufleute in Ravensburg, wohnhaft in Antwerpen, schwört, daß die 2 Ballen Mandeln, die der Zöllner zu Arnemuiden als Pfand aus dem Schiffe des Anthonise Garssea zurückbehalten hat, der Humpis-Gesellschaft gehören. Die Stadt befiehlt Herausgabe nach Zahlung des Zolles. — Stadtarchiv Antwerpen, Certificatieboek 1505—1509, fol. la, 1505 April 13., mitgeteilt von Professor Dr. Strieder in München. 2 3, 531. ■H Das Handelsleben. Einfuhr 417 geführt, meist schwarzer, aber meist in geringer Qualität, wenn auch die Antwerpener dazu rieten, gute Ware zu kaufen, um leichter die Konkurrenz der Genuesen bestehen zu können. Für den Bamas- markt wurden einmal 100 Stück bestellt. 1 Noch schärfer waren die Klagen über den Damast, der zum Teil von Maüand, meist aber von Genua bezogen wurde. 2 In erheblichen Quantitäten wurde auch Genueser Schamlot geführt, auf eine Messe wurden bis zu 200 Stück bestellt, aber es kamen fürwahr schlechte elendige Dinge, und nur sehr feines Gut hielt man für nützlich zum Verkaufen. 3 Seltener begegnet schwarzer Taft, bei Anwesenheit des Kaisers glaubte man davon zu verkaufen, aber man hatte auch wohl viel zu teuer eingekauft. 4 Samte kamen von Mailand. Ob wirklich der Versuch mit Sumacky von Maüand gemacht wurde, wissen wir nicht, 5 auch an Einfuhr von Maüänder Brokaten wurde gedacht. 6 Die in den Brügger Tagen gemachten Versuche mit spanischer Seide waren aufgegeben, dagegen wurde ein Anschlag vorgelegt, eine Probe mit Seidevon Messina zu machen, aber sie versprach keinen Gewinn." Mit Seidengewand wünschten die Antwerpener Gesellen, besonders zu Marktzeiten gut beliefert zu sein; sie würden nicht übel damit schaffen, 8 aber man kann nicht erkennen, daß dieser Wunsch erfüllt wurde. In den feinen Qualitäten konnten die Eavensburger es kaum je mit den in Antwerpen reichlich vertretenen Genuesen gleichtun. Von deutschen Textilwaren führte die Gesellschaft nicht die Barchente von Ulm und Augsburg, so groß das Marktbedürfnis auoh sich emporhob, von der schwäbischen Leinwand ist keine Bede mehr. Man führte wohl noch welsche Leinwand, aber schwerlich war es Eavensburger. 9 Dafür war Zwillich eine gangbare Ware, die sich redlich lohnte. Es handelte sich aber nicht mehr um St. Galler, sondern um solchen, der zu Frankfurt oder Nürnberg eingekauft wurde oder aus Isny stammte. 10 Stamete erscheinen nur ein einziges Mal. 11 Auch der Korallenhandel war erlahmt, zweimal werden solche von Genua erwähnt. 12 Mit dem Kupferhandel war es gänzlich vorüber, seitdem die Fugger selbst zum Teil von der Ostsee aus Antwerpen und von da aus Portugal und einen Teü Spaniens versorgten. Es waren enorme Quantitäten, die an die Scheide gingen. 13 Unzgold und Unzsilber hatte sich als lebendige Ware eingebürgert, es ging viel nach England. Und da nur diese Ware gegen Barzahlung gehandelt wurde> wollten die Gesellen sie gepflegt wissen. 14 In der Ausfuhr ist eine größere Beständigkeit zu beobachten. Beginnen wir mit den Textilwaren. In ganz bescheidenem Umfange . 1 Vgl. 3, 434. 437—440. 444. 2 3, 374. 434. 440. 444. 3 3, 386. 434. 437. 439. 443. 446. 4 3, 440. 447. 5 3, 441. 6 3, 440. ' 3, 441. 505. 8 3, 439. 8 3, 440 f. 10 3, 434. 437. 439. 446. u 3, 446. 12 3, 370. 437. " Vgl. Jansen, Studien zur Fuggergeschichte, 3, 156 f. von 1495 an. » 3,395. 434. 437. 440.445 f. Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 27 418 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. IV. Niedere Lande 2. Kap. §64 zum Teil für besondere Abnehmer bestimmt erscheinen noch Tuche von Menin, Amsterdam, Friesland und Tuselsche. 1 Die Amsterdamer kamen in Aufnahme. Die Eavensburger kauften in dieser Periode eifrig englische Tuche in Antwerpen oder auch in dem Vorhafen Middelburgh. Die Eavensburger sahen sehnsüchtig der Ankunft der englischen Händler entgegen. Doch waren sie nicht ohne Sorgen, denn andere Deutsche hatten billigeren Kauf. Es wurde von oberländischen Kaufleuten nämlich ein anderer Weg eingeschlagen, die Fütterer, Höchstetter und Welser zogen nach dem damals englischen Calais und erwarben für alle Messen 400—500 Stück. Von ihnen zu kaufen, die selbst nach Frankfurt sie brachten, war unlohnend. Hans Hillenson meinte daher, man müsse dem Beispiele folgen, außer barem Gelde 30—40 U Unzgold mitnehmen und aus diesen Mitteln dann Tuche kaufen. Es ist nicht ersichtlich, daß je dieser Vorschlag befolgt wurde. 2 Wenn unter Bursat Worstede zu verstehen ist, so ist auch diese englische Tuchart hier einzureihen. Die Ostade wurden aber in Flandern meist auf demLande erzeugt. Englische Wolle ging nach Genua und war auch in Mailand erwünscht. 3 Auch schwarzer Satin — ein Seidenstoff von Brügge und Tournay — wurde nach Genua und Wien verbracht, roter Berkran nach Genua. Dem Handel mit niederländischer Leinwand blieb die Gesellschaft treu. Auf dem Bamasmarkte 1504 kauften die Gesellen 597 Stück holländische, 18 Stück von Cambrai und 3 von Brügge. 370 gingen nach Valencia, 125 nach Saragossa, der Best — darunter alle von Cambrai und Brügge — nach Eavensburg. 4 1507 wollte man an 300 Stück kaufen. 5 Auch Leinwand von Hoogstraten, aus dem Hennegau, von Mecheln und von Mvelles war nicht ganz vergessen, auch mit welscher Leinwand, Bankais und Tischlaken steht es so. 6 Tapisserie ging nach Saragossa,' gemalte Tücher an Private. 8 Bonetten werden nicht mehr erwähnt. Wohl aber noch Garn von Audenarde und anderes Garn, 9 vereinzelt Saietterie. 10 Sehr lebhaft blieb der Ankauf von Arras. 11 Auch Tapisserien und Kissen begegneten noch, gemalte Tücher nur für Gesellen. Copy Zewen wurde von Mailand erbeten. 12 Eine neue Ware waren Straußenfedern, wenn es sich wirklich um solche handelt. An Metallwaren begegnen noch Nadeln. 13 Eigentümlich ist der Einfall, Mailänder Nadeln kommen zu lassen, aber besser sei es, sie nach Lissabon zu schicken und durch die Gossembrot verkaufen zu lassen. 14 Daß tatsächlich vorher Mailänder Nadeln bis England gingen, steht fest. 15 Das Entscheidende wäre es gewesen, eine richtige Stellung zu dem durch die Entdeckung des Seeweges nach Indien von Grund ■} 3, 375. 436 f. 2 3, 391 f. 394. 440 f. 443. 448. 3 3, 284. 4 3, 435 f., flämische auch 447. 5 3, 447 f. • 3, 440. 447. ' 3, 435 f. 8 3, 436. 9 3, 436. 447. 10 3, 441. u 3, 435 f. 439. 441. 443. 447. 12 3, 283. 13 3, 447. 531. "3,443. 15 Biscaro in Archivio storico lombardo 40 (1913), S. 72. ■MHMOH|HH iiliiiiiiii KH§£i Einkauf. Bamasmarkt 1504. Geldmangel 419 auf geänderten Gewürzhandel zu wählen. Es kam den Gesellen wohl die Erkenntnis, man müsse nun nach Lissabon an die Quelle gehen, aber die Gesellschaft rechnete erst damit, Genua, woher man schon vorher vieles gebracht hatte, 1 nunmehr auszubauen. Von Genua brachte man mit dem übelsten Erfolge Cassia fistola und Brasilholz, dann versuchte man in Antwerpen aus zweiter Hand zu kaufen. Nur einmal erfahren wir, daß man im Stich Firmilian für Pfeffer tauschte, aber in Lissabon war der Pfeffer nicht zu erreichen. 2 Der Erfolg war begreiflich ein ungünstiger. So sind alle Berichte unerfreulich, man hatte zudem meist kein Geld. Man schickte wohl den Kurszettel der Gewürze, aber ein Geschäft, das einschlug, ist nicht nachzuweisen. 3 Vom Brasilholz schreibt einer: Gott wolle, ich hätte es nie gesehen. 4 Krapp ging noch immer weiter nach Valencia. Für ,,füln" — eine hochwertige Ware — habe ich keine Erklärung. Schließlich begegnet auch Zinnober. Für den Bamasmarkt 1504 haben wir einen Überblick. 5 Ausgabe für Ankauf U 726. Holländische Leinwand Arras....... . Garn von Audenarde . Zwillich....... Leinwand Brügge, Cambr Tapisserie...... Tuche ....... 372. 96. 88. ß 17. 10. 7. Einnahme durch Verkauf » 'ß Si 2. — 49. 13. 49. 8. 3. 2. 18. 18. — Samt . . . . Schamlot . . Zwillich . . Macis . . . Gewürznelken Füln .... Korallen . . Unzgold . . 326. 19. 20. 3. 39. 15. 40. 5. 15. 10. 325. 90. 71. 9. 14. 6. 2. 3. 7. 8. 4. 1382. 9. - 980. 7 (2). 6. Die Ausstände beliefen sich nach der Messe auf . 1830 U 16 ß 8 ^ Selbst schuldete man.............1128 U 11 ß 2 ,3, Es waren also 702 U 5 ß 6 ^ mehr ausständig, allerdings waren auch zweifelhafte Schuldner darunter. So ergibt sich denn, daß schon damals Antwerpen kein Geld ablieferte, sondern umgekehrt Geld erforderte. Das wurde in kurzer Zeit noch weit schlimmer. Aus der Hoffnung Hillensons, aus Spanien Waren heranzuschaffen, wurde anscheinend nichts. 6 Der Geldmangel wurde chronisch, Hans Ernlin hatte recht, wenn er schrieb: „Wollt Ihr hier handeln, so muß man ein ander Hauptgut hier haben." „Wollt Ihr hier etwas handeln, das den Leuten gleich sieht, so müßt Ihr dazu tun, daß wir Barschaft in 1 3, 383. 2 3. 446 f. 3 Aufträge auf Pfeffer 3, 394. 446ff. Vgl. 3, 374. 391. Cassia fistola 3, 441. Gewürznelken 3, 434. 437. 439. 446. Ingwer 3, 437. 440. Macis 3, 434. 437. Mastix vielleicht von Antwerpen 3, 374. Fisis 3, 437. Lacca 3, 369. 393. Ich habe auch Stellen angeführt, wo die Ware in Genua gekauft war und doch bis mindestens Frankfurt ging. 4 3, 437. 440 (7 Zentner). 6 3, 434—438. 6 3, 440. . . ,: i 420 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. IV. Niedere Lande. 2. Kap. § 64.65 Händen hätten, denn sonst schaffen wir hier so viel wie nichts." In Pfeffer spekulieren ohne bares Geld sei unmöglich — und war es ja auch. „Verseht dieses Gelieger nach Notdurft, daß wir hier nicht allzeit so arm sind, haben wir doch nie einen Pfennig in der Kiste." „Wir haben nicht einen Heller auf Erdreich." 1 Man half sich notdürftig aus. Januar 1507 war man fast ebensoviel schuldig, als man Ausstände hatte. 2 Januar 1507 hatte man in der Kiste 36 U und mußte in 14 Tagen ob 900 rh. fl bezahlen, zum Tuchkaufen brauchte man weiter 300 bis 400 fl. Auf Eavensburg nahm man 200 fl, Hans Her schickte von Köln 300 fl und stellte 100 fl in Aussicht, der abgehende Bech- nungsführer Hans Ernlin gab aus seinem Gute 400 fl. Auf 3 Kaufleute hat man mit Schaden Wechsel auf Frankfurter Messe 1600 fl genommen. Und nun hatten die in Genua auf Antwerpen 70 Dukaten genommen. 3 Im Juni desselben Jahres stockten infolge Geldmangels die Ankäufe, man war ganz bloß an Geld. Es mag ja sein, daß der politische Zustand auch auf die Gesellschaft in Antwerpen drückte, und Ernlin stieß schwere Stoßseufzer aus. 1506 war Philipp der Schöne, der Sohn Maximilians aus der bur- gundischen Ehe, gestorben, und für den sechsjährigen Erben, König Karl von Kastilien, übernahm in den Niederlanden der Großvater Maximilian die Eegentschaft, setzte aber als Statthalterin mit größter Vollmacht seine Tochter Margareta ein, eine politisch äußerst befähigte mutige Frau, eine der bedeutendsten Damen der Weltgeschichte! Ernlin erwies sich als ein schlechter Menschenkenner, als er sie als eine Null hinstellte. „Es ist Frauen Bat, will sich niemals und nirgendwo recht schicken." 4 Er hielt Brabant außerhalb der Städte gegenüber den Franzosen und dem Herzog Karl von Geldern für verloren. „Die Herren, die regieren, sind bessere Franzosen als die Franzosen selbst und gehen mit Verräterei um." Seine Hoffnung war allein die Ankunft Maximilians. Doch tatsächlich hat seine Tochter mehr Autorität sich verschafft, als je ihr Vater in den Niederlanden hatte erreichen können. Als Stimmungsbild der deutschen Kaufleute in Antwerpen hat das Schreiben Ernlins wohl einigen Wert, und da wird man auch die ironische Wendung nicht übersehen: „Die Franzosen wollen doch die ganze Welt liebhaben." 5 Das Gelieger ist bis 1527 nachzuweisen, von 1507 an sind aber die Nachrichten spärlich. Nicht immer war die Gesellschaft dort zufrieden. Hans Ernlin, der bis 1512 dort hervortritt und von dem auch die einzige aus Antwerpener Archivalien stammende Nachricht redet, ward schließlich als ein unzuverlässiger Mann erwiesen, der mit dem Gelde der Gesellschaft eigenen Handel getrieben und in den Büchern falsche Eintragungen gemacht hatte. Dann war 1 3, 4427445f. 448. a 3, 397. 442. 3 3, 442. Vgl. 397. 4 3, 449. _i_ 3, 449^ ■'■:•.■ Antwerpen. Spätere Zeiten. London 421 wohl lange Zeit dort Konrad Täschler. "Wiederholt war auch in späteren Lebensjahren Moritz Hürus dort verwandt worden. Von dem Gelieger abhängig war die Niederlassung in Köln, dorthin wie nach Frankfurt und Nürnberg wurden Waren abgeschoben, wie noch mehr umgekehrt. Noch möchte man gar gern einigermaßen einen Überblick haben, mit welchen Kauf leuten die Ravensburger hier und vorher in Brügge verkehrten, aber vollständige Verzeichnisse der Ausstände und der Gläubiger sind nicht erhalten, das einzige gibt wenige Ortsnamen an. Man findet da Händler von Straßburg, Köln, Münster, Emden, Deventer, Mecheln, s'Hertogenbosch, Hasselt, Delfft und Haarlem. 1 Aus dem Brügger Briefbüchlein wissen wir, daß sie mit den Por- tinari von Florenz, die mit den Osterlingen lange Zeit schwere Differenzen hatten, mit Genuesen, Franzosen, Venezianern auf gutem Fuße standen, und bei den Versicherungen wendete man sich an Genuesen und Lucchesen. Man hatte auch Freunde unter den Bis- kayern und den Kölnern. § 65. London. Piero Spidelin bei den Borromei in London. Wohl kein Geselle. Die Errichtung eines Geliegers wohl erwogen. Andreas Sattler stets dagegen. Seine Gründe. Die Meinungen Hans Baumgartners. Nach London wäre ein Vertreter der Ravensburger 1436 gekommen, wenn man nachweisen könnte, daß Piero Spideün, der dort Ende Januar 1437 starb, wirklich der Gesellschaft angehörte. Ich halte es nicht für wahrscheinlich, wiewohl dieser Peter Spideli ein Verwandter (Bruder?) eines Gesellen war. 2 Ist diese Annahme aber nicht richtig, so stand die Ravensburger Gesellschaft auch in engen Beziehungen zu dem Geschäftshause der Borromei von Mailand, die unter verwickelten Rechtsverhältnissen Gelieger zu Barcelona, Brügge 1 3,437. 2 Die Nachrichten über Piero Spidelin in London liefern die Geschäftsbücher von Filippo Borromei e compagni von Mailand 1436. Danach kam in das Londoner Haus dieser Gesellschaft im Dezember 1436 Spidelin als Wohngenosse, er hatte 2 Sack Safran bei sich, er schuldete den Genossen der Borromei in Brügge 85 U 5. 4., den Preis der Ware. Im Januar erkrankte Spideli und starb, auch über die Behandlung während der Krankheit bietet die Eechnung genaue Nachrichten. Die Mailänder verkauften den Safran, zogen kleine Ausstände ein und deckten die Schuld. Von der Gesellschaft ist nirgends die Rede Gleichwohl könnte er Geselle gewesen sein; denn 1. war das gleichzeitig Christoph Spideli (s. bei dieser Familie) und 2. erscheinen Christoph (1426 Januar bis 1428 Februar), Johann (1428 Juli),| Konrad (1428 Dezember bis 1435 Juli) und Peter (1430 Dezember 4. bis 1435 August 16.) in den Zollbüchern von Barcelona. Die kurze Dauer ihres Aufenthaltes von 1426 bis 1435 in diesem Hafen spricht eher dafür, daß sie Faktoren eines anderen Hauses waren als eine selbständige Handlung. Von Peter steht es fest, daß er Waren zu Schiff von Flandern nach Barcelona brachte, 1434 Juni. Aber ein Gegengrund scheint mir unüberwindlich. Den nach London gebrachten Safran hatte Peter von den Borromei in Brügge gekauft, und es war doch Grundsatz der Gesellschaft, Safran am Ursprungsorte zu kaufen! Auch müßte dann die Gesellschaft in den Borromeischen Nachrichten angegeben sein. ■: 422 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. IV. Niedere Lande. 2. Kap. § 65.66 und London hatten. Die Barceloneser Borromei machten sich auch die Privilegien der Deutschen und Savoyer dort zunutze (1438). 1 Die Errichtung eines Geliegers ist nach dem Zeugnis Andreas Sattlers von 1478 oft erwogen worden, Ital (gest. nach 1456) und Frick Humpis (gest. zwischen 1471 und 1473) hatten mit ihm darüber verhandelt, aber selbst in den Zeiten, wo der hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich noch nicht beendet war, wo gefärbte Leinwand und Gugler, Bellegier und Zucker sicheren Gewinn trugen, hatten sie es nicht gewagt; denn sie waren keine Nation wie die Osterlinge (Hansischen), die Florentiner und Genuesen, die ihre Privilegien hatten und einen Bücken. Aber da die Gesellschaft keinen „Bücken" hatte, widerriet Sattler auch im Jahre 1478, also in den Tagen Eduards IV., wo der Kampf der beiden Bösen beendet zu sein schien, einen solchen Versuch, obwohl der Kölner Konrad Taschenmacher 2 ihr dazu verhelfen wollte, daß sie Zollfreiheit erhielten. Sattler meinte, es würde wohl leicht eine Weüe währen, aber was man in 1, 3, 4, 6 Jahren geschafft hätte, könnte leicht in einem Viertel einer Stunde wieder verloren sein. 3 Sattler hatte die gewalttätige Zeit der englischen Geschichte wohl beobachtet und wußte, daß selbst die Osterlinge mehr denn einmal den schärfsten Maßregeln waren ausgesetzt gewesen. England im Besitze seiner Wolle, dann seiner neuen Errungenschaften einer ausgezeichneten Tuchindustrie, einer langsam anwachsenden Seegeltung und der Genossenschaft des wagenden Kaufmanns hatte die Neigung, die alte Begünstigung der Fremdkaufleute aufzugeben und, zwischen den Konkurrenten Burgund und Hansa wählend, in schnellen Handlungen seine Politik zu wechseln, um selbst emporzusteigen. Hinter der Bavensburger Gesellschaft stand aber keine Macht. Im Utrechter Vertrag (1474) hatte sich die Hansa noch einmal auf die Höhe emporgehoben, aber zu ihr gehörte die Gesellschaft nicht. Hier sei auch kurz auf die Ergebnisse einer Probefahrt, die 1508 ein anderer Oberdeutscher, Hans Baumgartner der Jüngere, nach England machte, eingegangen. Er bespricht von Einfuhrwaren die Spezereien, Seide von Messina, Kümmel, Kupfer und Barchent. 1 Von den Geschäftsbüchern des Giovanni Borromei von San Miniato, des Begründers des Hauses in Mailand, seines Enkels Vitaliano, des Grafen von Arona, und dessen Sohnes Filippo sind erhebliche Teile erhalten. Bei ihrer Bearbeitung hat Gerolamo Biscaro mit dem Londoner Zweige 1436—-1439 begonnen. Arch. stör, lombardo 4 ser. vol. 19, 37—126, 283—386 (1919). Über Pierro Spidelin S. 53. Es ist nicht ohne Wert, die wichtigsten Waren aufzuführen, die die Borromei ein- und ausführten. Englische Tuche nach Barcelona, Venedig und Palermo, Zinn nach Barcelona. Sie führten ein Augsburger Barchent, Nadeln von Mailand, holländische Leinwand, gemalte Tücher und Krepp wohl aus Flandern, Datteln und Zucker von Palermo, Grana aus Spanien und Avignon, ihr Safran kam wohl von Barcelona. Das sind die Waren, die auch die Bavensburger Gesellschaft hätte einführen können. 2 Ich finde ihn im Verzeichnisse der zur Hansa haltenden Kölner Kaufleute (1470—1480) unter den Sarwürten. Hans. Urkundenbueh 10, 498. 3 3, 418 f. England. Kein Gelieger. Baumgartner. Köln 423 Er sagt von diesem, daß nur weiß ungefärbter Barchent von Ulm, Augsburg und Biberach für England tauge, sie färbten selbst und nach ihrem Gefallen die Stoffe. Er bespricht auch die Einfuhr von Seidengewand, es einzuschmuggeln sei gefährlich, möchte einer dabei ums Leben kommen. Bei der Ausfuhr behandelt er die Stapelartikel Wolle und Zinn, dann noch Blei. Bei dem Wollverkaufe in Calais macht er die Bemerkung: man bringt wohl sechzehnerlei Sorten, allweg ein Stück nach dem anderen. Wer die Wolle nicht kennt, wird bald betrogen. Auch seine allgemeinen Bemerkungen über die strenge Zollpflicht, die Anmeldungspflicht und das Standrecht erwecken nicht den Eindruck, als ob dieser die Bavensburger seiner Zeit weit an Kühnheit übertreffende Kaufmann starke Lust empfunden habe, sich in England zu betätigen. Wie im Osten, so wagten im Westen die Bavensburger sich nicht in Abenteuer einzulassen, sie mieden Polen wie England, vielleicht nach Versuchen. 1 § 66. Köln. Maastricht. Mainz. — Lage und Bedeutung von Köln. Wege der Ravensburger. Stapel. Kommissare. Ein Geselle in Köln. Vorgehen der Stadt gegen die Gesellschaften. Einkauf. Verkauf. Seide von Messina. Anderes. Besorgungen für die Stadt und einzelne Bürger. Maastricht. Dort Vertreter. Mainz, Vertreter. Umwege des Verkehrs. In Köln hat die Gesellschaft kein eigentliches Gelieger gehabt, allein ohne ständige Vertretung dort konnte sie nicht auskommen. Begreiflich. Wenn auch hier nicht der Ort ist, dieser größten deutschen Stadt und dem mindestens im Binnenlande bedeutendsten Handelsplatze eine eingehendere Würdigung zuteil werden zu lassen. Die natürliche Lage an der Stelle, wo die westöstlichen Wege den Bhein am Bande des Gebirges kreuzten und zugleich die Stromverhältnisse dazu zwangen, im Oberwasser andere Schiffe zu verwenden als im Unterwasser, sicherten ihr einen hohen Verkehr, und die tatkräftige Bürgerschaft der gewerblichen Stadt trieb ihren Handel nach allen Bichtungen der Windrose. Die Bavensburger konnten Kölnern in Spanien, Italien, in Wien und Ofen begegnen, und vor allem in den Niederlanden. 2 1 An Literatur benutzte ich die Werke von As hie y.Brodnitz, Cunningham und das Libelle of English Polycye. 2 Die reiche neuere Kölner Literatur ist hier benutzt. Ich hebe daraus hervor: Kuske, Quellen zur Gesch. des Kölner Handels und Verkehrs im Mittelalter, Bd. 2 (1917), auch die noch nicht vollendeten Bd. 1 und 3 konnte ich, dank des Entgegenkommens des Herrn Prof. Kuske, benutzen. Kuske, Die Kölner Handelsbeziehungen im 15. Jahrhundert, Vierteljahrschr. f. Soz. u. Wirtschaftsgesch.. 7. Ders., Die Handelsbeziehungen zu Köln und Italien im Mittelalter. Westdeutsche Zeitschr., Bd. 27. Ders., Die wirtschaftl. Eigenart der Stadt Köln 1921. Ders., Die Märkte und Kaufhäuser im mittelalterlichen Köln, Jahrb. d. Kölner Geschichtsvereins 2. Ders., Handel und Handelspolitik am Niederrhein, Hans. Geschichtsbl. 36. ' -' 424 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. IV. Niedere Lande. 2. Kap. §66 Für die Bavensburger wie für die Oberschwaben, deren Waren zuerst 1404 auftauchten, 1 kamen aber nur zwei der Eichtungen der Kölner Windrose in Frage, seitdem sie in Brügge, Antwerpen und Bergen op Zoom Handel trieben. Sie mußten die Verbindung zwischen diesen Städten und Frankfurt und weiter nach Sehwaben und Nürnberg gesichert haben. Die schweren Bheinzölle trieben zwar manchen Kauf mann oder seine Waren auf die rechtsrheinische Straße Siegburg—Limburg—Frankfurt. Allein bei den Bavensburgern finde ich keine Belege, wohl aber für die Benutzung von Main und Bhein. Sie bogen auch bei der Talfahrt nicht etwa schon in Andernach oder Bemagen vom Strome ab, um die wenig bekannte, aber gleichwohl namentbich von Pilgern vielbenutzte Straße über Sinzig- Bheinbach—Düren—Aachen einzuschlagen, sondern sie fuhren bis Köln, vielleicht auch einmal bis Neuß den Strom hinab, und von Köln ging es dann über Aachen und Maastricht nach Brügge und Antwerpen oder über Neuß—Ürdingen—Kleve nach Bergen op Zoom und Antwerpen. Die Kölner büdeten im 15. Jahrhundert, namentlich aber am Anfang des 16. Jahrhunderts ihren Stapel aus, für die Bavensburger Waren kam dann vor allem der Gürzenich als Lagerhaus in Frage. Aber belegen kann ich es nicht, daß sie in Köln ihre Waren wirklich drei Tage zum Kaufe"feilhalten mußten/Die Kölner hielten strenge darauf, daß kein Handel von Gast zu Gast stattfinde, eine schwere Hemmung für die Fremden! Die Bavensburger bedienten sich für die damals sehr empfindlichen Handlungen bei der Sicherung des Weitertransportes eines der zahlreichen Mittelsmänner, die in dem mittelalterlichen Köm vorhanden und vielfach Wirte oder auch Händler waren. 1447 war ihr Kommissionär Johann van Becke, 2 1464 und 1468 Johann van Lendrichusen, Wirt Zum Sternenberg auf dem Heumarkte. 3 1447 war dieser als Vertreter seines Großvaters, des wohl bedeutendsten damaligen Kölner Kaufmanns Peter von Stralen, in Barcelona. 4 In seiner späteren Zeit vertrat er sehr häufig in ihren Bechtsgeschäf- ten seine Gäste, Kaufleute aus Nürnberg, Frankfurt, Memmingen, Ulm, Augsburg, Mainz, Mecheln und Liere. 5 Über den Umfang seines Betriebes gibt das Verzeichnis der Wage von den Drugewaren für die Jahre 1468—1476 Auskunft. Ihm wurden für sich und seine Auftraggeber gestundet die Beträge für 1714 Fardel, 3994 Stück, 162 Faß, 18 Ballen, 5 Ballen Holz, 7 Ballen Felle, 3 Ballen Beis, 4 Wagen Blei, 5627V 2 ^ Seide, 2597 & Zucker, 763 x / 2 ^ Pfeffer usw. 6 Er hatte wohl am meisten an der Wage zu tun. Weit steht Peter 1 Kuske, Quellen, 1, 143. Ein Coinrad Kreuwil verkauft 3 Pardel Ravensburger und 3 Augsburger für je 88 fl. 2 Kuske, Quellen, 1, Nr. 1176. Konstanzer in Köln schon 1414. Quellen 1, Nr. 542. 3 Kuske, Quellen, 2, Nr. 348, 454. 4 Ebenda 1, Nr. 1154. 5 Kuske, Quellen, 2, Nr. 390 (165 ff.), 413, 535. 1482 tot: Nr. 877. • Kuske, Quellen, 3, 59f. Lützenkirchen 3, 61. Köln. Stadtpolitik. Vertreter. Gegen die Gesell Schäften 425 Lützenkirchen hinter ihm zurück. An seine Stelle war schon bei Lebzeiten dieser als Agent getreten. Man möchte auch in ihm einen Mann vermuten, der in der Welt (Spanien?) gewesen war, er war sicherlich stark an dem Seidenimport beteiligt, 1 aber auch an dem von Baumwolle. 2 Eegelmäßig scheint er die Frankfurter Messen besucht zu haben, ging auch nach Flandern. 3 Für die Gesellschaft besorgte er Zahlungen, sorgte für den Weitertransport, kaufte Waren ein, gab Auskünfte, führte Prozesse. 4 Um ihn an sich zu ketten, gab sie ihm eine Einlage von 160 fl, die ins Wertbuch eingetragen wurde. So macht er fast den Eindruck eines Gesellen, war aber doch nur Kommissionär. 5 Er diente als solcher auch der Vöhlin-Gesellschaft und Augsburgern. 6 Er war in der Eavensburger Gesellschaft offenbar sehr geschätzt. Dann gewann die Gesellschaft engere Beziehungen zu Köln, indem ein Geselle, der in Antwerpen die Eechnung führte, Hans Her, sich zeitweise in Köln aufhielt und hier ein wenn auch nicht bedeutendes Warenlager hielt und es zu veräußern suchte. Diese Nachrichten beziehen sich auf die Zeit von 1503 bis 1507. 7 Sie fallen unmittelbar vor die Zeit, da die Stadt sich dazu entschloß, sich gegen die Faktoren der Gesellschaften und diese selbst zu wenden. 8 Am 22. August 1508 erließ die Stadt an die Faktoren aller großen Gesellschaften das Gebot, das Bürgerrecht zu erwerben und sich in die Gaffeln einschreiben zu lassen. Unter ihrem Eide sollten sie nur eigenes Gut verkaufen und solches, das keinen fremden Gesellschaften zugehörte. Bei Verlust des Bürgerrechtes ward den Bürgern verboten, einer Übertretung der Gebote Vorschub zu leisten. Nur dreimal zwei Wochen im Jahre sollten die fremden Faktoren sich in der Stadt aufhalten dürfen. Die auf der Frankfurter Herbstmesse gerade vertretenen Gesellschaften einigten sich und baten, sie auch sonst zum Handel zuzulassen. Ihre Voreltern hätten seit Menschengedenken dort gehandelt. Neben den Gesellschaften der Welser-Vöhlin, Christoph Herwärts, der Fugger, Wilhelm Behlingers von Augsburg unterzeichneten auch Hans Imhoff und Gebrüder von Nürnberg und Hans Huntbiß und Gesellschaft zu Bavensburg. Die Stadt Augsburg unterstützte das Gesuch. In einem zweiten fehlen die Eavensburger, dafür unterschrieben Georg und Ambrosius Höchstetter von Augsburg. Einen x 3, 59f. 74. 86. 331. 338. Kuske, Quellen, 2, Nr. 736, 1050; 3, S. 110, 138 f. v. Lösch, Kölner Zunfturkunden 2, 576. 2 Kuske, Quellen, 3, 123, auch Pottasche und Galle. 3 Kuske, Quellen, 2, Nr. 1011, 1332. 4 3, 1. 2. 18. 263. 331. 335. 403. 408. 410. 5 Unter „wir sond" erscheint er 1500 mit 250 'U, 1503 140 U. 1507 Frau Finkin von Lützenkirchen. Sie hieß mit dem Vornamen Figyn und beteiligte sich an den Geschäften ihres Mannes. 6 Kuske 2, Nr. 695 und 899. 3, 76 ff. vielfach an der Eisenwage. ' Unter den Schuldnern Nürnbergs von 1504 steht mit einem alten Eeste Hans Her von Köln. War das der Vater des Gesellen und dieser Bürger in Köln? 8 Kuske, Köln und Italien, S. 419. Auch die Vorlasen benutzt. 426 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. IV. Niedere Lande. 2. Kap. §66 Erfolg hatten sie nicht, denn am 25. September bestätigte der Eat seinen Beschluß. 1 Jedenfalls hören unsere dürftigen Quellen auf von Köln zu reden. Die Eavensburger Gesellschaft hat schwerlich dort viel eingekauft, soviel die Stadt mit ihren Textil- und Metallgewerben und die dortigen Kaufleute auch boten. Die von ihr aus Flandern nach Spanien ausgeführten Metallwaren griffen zum Teü wie die Eatinger Scheren über Köln hinaus, aber sind nicht vielleicht auch sie erst in Brügge oder Antwerpen aus anderer Hand in die der Gesellschaft übergegangen? Nur Kölner „gesponnenes Gold und Silber" gedachte ein Genueser Faktor dort mit Nutzen für die Herstellung von Brokat zu verkaufen, und wirklich läßt sich ein Kauf nachweisen. 2 Lebhafter war der Verkauf. In der älteren Zeit (1478) empfahl Andreas Sattler neuen Zima-Safran nach Köln zu leiten, wo er besseren Schliß habe als der Ortsafran. 3 Zwei Jahre später aber meinte er, Ortsafran solle man nicht nach Brügge senden, höchstens nach Köln. 4 Eine sehr viel größere Bedeutung hatte der Handel mit Seide, allerdings hatte man nur einen Kunden sicher an der Hand, eben Peter Lützenkirchen. Er sollte grobe Seide von Valencia versuchen. 5 Auch von Seide von Messina ist die Bede. Da diese zum Teil auf dem Landwege nach Köln kam, war es möglich, der Seide von Messina, die auf Galeeren nach Flandern und von da nach Köln verfrachtet wurde, einen Vorsprung abzugewinnen. 6 Es gab in Deutschland nur eine Stadt mit einer größeren Seidenverarbeitung, das war Köm. Und für sie kam vor allem Seide von Messina in Frage. Hans Baumgartner schreibt von Kalabrien: „So man syden für Köllen wolt kauffen, so findt man die in Calabria sobrana, da macht man ungeferüch ain jar desser sort seyden 10 meyller = 10000 U ." „Man macht ihr auch viel in Sizilien zu Messina: 30000 t6. Man macht in Sizilien auf große ,strama'; man spricht sonst zu Köln, es wäre nicht Seide von Messina. Wolf Kramer war einen Sommer im Lande mit einem vertrauten Maultiertreiber und hat er in der Zeit gekauft 69 Ballen Seide = 34 V 2 Saum." So wird es uns sehr verständlich, daß ein Kölner Großkaufmann in Messina ein Gelieger hatte und von dort aus auf dem Seewege die Seide nach Flandern und Köln verschickte. 7 Die Gesellschaft half im messinischen Seidenhandel vorwiegend den Gossembrot von Augsburg, machte aber doch auch 1507 einen Versuch. 8 Trotz der lebhaften Beziehungen der Kölner zu Italien, die freilich vorwiegend nach Venedig liefen und nicht so sehr nach Maüand und Genua, trotz der Möglichkeit, die feinen Bekleidungsstoffe und Gewürze auch von Antwerpen zu beziehen, haben doch die Eavensburger den Verusch gemacht, auch in Köln, wo es ja an Kunden nicht fehlte, gerade von ihren teuersten Waren abzusetzen. 1 Katsmanual 4, 1. 2 3, 260. 263. 3 3, 412. 4 3, 426. 6 3, 57 f. 74. 331. 338. 6 3, 331. 338. 7 Kuske, Quellen, 2, 588. 591. 601. 825. 8 3, 296. -■'■■■'■■ : '- ■" ' Einkauf und Verkauf. Kommissionen. Maastricht 427 Wir haben eine Übersicht über die Waren, die sie 1504, im Januar und im Juni 1507 dort hatten. An Samt: 3, 6 und 9 Stück, an Damast 1504 1 Stück, an Taft 1507 1 Stück, an Schamlot 12, 8 und 13 Stück. 1 Vor allem aber war Hans Her des Glaubens, man sollte dort mit dem Allerteuersten, mit Goldbrokat stets gut sortiert sein. 2 Das ist um so merkwürdiger, da in Köln selbst wahrscheinlich damals Brokate hergestellt wurden. 3 Selbst mit holländischer Leinwand (9 Ellen) und mit niederländischen Bankais (1 Stück) machte man Versuche. Dem Luxus dienten auch Perlen (52 Stück große) und Straußenfedern. Am Eigentümlichsten berührt es, daß auch Unzgold (2 V6) feilgehalten wurde, obwohl ja, wie oben gezeigt wurde, gerade Köln Golddraht ausführte. Von Gewürzen führte man in Köln 1504 von Ingwer und Nagel je 4 Säcklein, 1507 Januar von diesen 2 Säcklein, die aber nicht abgehen wollten. Endlich hielt man 1504 auch 3 Ballen Krapp feü.'So geringe Summen machten ein eigentliches Gelieger nicht erforderlich, und das Ganze macht den Eindruck, daß Hans Her, der in Köln persönliche Beziehungen haben mochte, dorthin von Antwerpen sandte, was er dort nicht glaubte absetzen zu können. Die Gesellschaft war bei Köln immer nur mit halbem Herzen. Aber unbekannt war die Gesellschaft in Eavensburg dort nicht. Unter den Kölner Kaufleuten handelten die Drolshagen nach Italien, zwei von ihnen starben 1472 in Italien, die Witwe des einen führte das Geschäft fort. Nach ihrem Tode 1477 gaben die Testamentsvollstrecker Jodocus Hompesch, also dem damaligen ersten Begierer, Vollmacht zur Eintreibung von Forderungen und überhaupt zur Erledigung aller Geschäfte der Verstorbenen. 4 1449 schickte die Stadt Köln an ihren in Oberdeutschland weilenden Protonotar Johann Prunt einen Wechsel, der auf der Gesellschaft Diener in Wien lautete. 5 Daß der Kömer Konrad Teschmacher der Gesellschaft riet auch in England Handel zu treiben, haben wir gesehen. 6 In Maastricht hatte die Gesellschaft mindestens gelegentlich Hilfe, dawar Vertreter Hans Surbrand, Wirt und Schultheiß. 7 Betrifft das die Straße nach Brügge, so mußte sich Hans Kloter 1478 um Waren, die wohl auf der unteren Straße weggenommen waren, bemühen, der Arrest war zu JSTeuß, vielleicht auch am Zoll zu Bhein- berg erfolgt. Er war dabei auch in Bheinberg, Düren, Jülich und zu Kassel bei Düsseldorf. Kommissare aber gab es dort anscheinend nicht. 8 1 Unten 3, 437—441. 444 ff. Vgl. 381 (Samt und Schamlot). 2 3, 440. 3 Wenigstens stehen im libro di gabelle di Firenze (bei Uzz ano, Pagnini, Della Decima 4, 7) drappi d'oro di Lucca e di Chologna mit gleichem Wertansätze und in der Gabella di Pisa (ebenda 4, 58): seta o richamati d'oro o d'ariento di Lucca o di Chologna mit gleichem Satze. 4 Kuske, Quellen, 2, Nr. 722, vgl. 823. 5 Kuske, Quellen, 1, Nr. 1232. 6 Oben, S. 422. 7 3, 18. 8 3, 334 f. 428 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V. Frankfurt. 1. Kap. § 67 Dahingegen waren sie in Mainz unentbehrlich. Es findet sich da der Wirt, der Kosten vorschoß. 1 Das war wohl Peter von Effen. 2 1503 hieß der Vertreter Clauß Pfaytt. 3 Gelegentlich schlug der Verkehr eigentümliche Pfade ein. In den Tagen, als Karl der Kühne vor Neuß lag, sandte die Gesellschaft ihre Waren von Frankfurt und Nürnberg über Braunschweig (Braunschwill), und zwar in kleinen Sendungen, von Nürnberg gar über Erfurt. 4 Es waren weite Umwege, zu denen man sich entschließen mußte. V. Frankfurt, Nürnberg und der Nordosten, Nördlingen und Wien mit Ofen Erstes Kapitel Gemeinsame Rechnung für Nürnberg, Frankfurt und Nördlingen § 67. Zur Einleitung Behandlung der Rechnung 1479/80 für Nürnberg, Frankfurt und Nördlingen. An diesen beiden Plätzen keinerlei Einkauf, in Nürnberg weniger wie Verkauf. Ablieferung von Geld an die Zentrale. Erläuterung durch andere Quellen. Wenn Deutschland an das Ende unserer Bundreise durch die von der Gesellschaft besuchten Länder gestellt ist, so geschah es deshalb, weil die Kenntnis der Einkaufsgebiete im Auslande dem Gebiete vorangehen sollte, wo die Gesellschaft mehr verkaufte als einkaufte. Das waren die Messen zu Frankfurt am Main und das Gelieger zu Nürnberg. Dem Gelieger zu Nürnberg unterstanden auch die Bechnungen für die Frankfurter und die Nördlinger Messe und da wollen wir uns aus der ältesten genauen deutschen Kaufmannsrechnung zunächst einen Überblick eines Jahres verschaffen, um dann Frankfurt, Nürnberg und Nördlingen gesondert zu behandeln. Von Nürnberg haben wir die auch die Fasten- und Herbstmesse zu Frankfurt und die Nördlinger Messe mit umfassende Bechnung Lutz Geßlers von Oktober 1479 bis Oktober 1480. 5 Sie ergibt, wenn man die Posten zusammenzählt, eine Einnahme von 33513 fl 12 ß 10 hl und eine Gesamtausgabe von 33462 fl 12/? 9 hl, also eine Mehreinnahme von 51 fl — ß 1 hl, die nicht zu erklären ist. Machen wir den Versuch, die Bechnungen für Nürnberg von denen der Frankfurter Messen abzutrennen, die Nördlinger Messe abzutrennen ist unmöglich, die muß bei der Nürnberger bleiben. 1 3, 352. 2 3, 422. 3 3, 385. 4 3, 13. 16. 5 3, 343—359. *>'' ngHnMHHMnn 1479/80. Rechnung für Nürnberg, Prankfurt und Nördlingen 429 An Erlös aus Waren und zum Ankauf von solchen bietet die Eechnung für Nürnberg und Nördlingen folgende Summen: Verkauf fl ß 3t Safran: Ort............. 8 727. — — Lyoner.............. 2 044. 19. — Tuschgan............. 1294. 3. — 12 066. 2. — Zucker, fein............. 500. 4. — Zucker kandy........... . 153. 5. 3. Weinbeeren............. 20. 11. 9. Eeis................ 9. 8. — Korallen.............. 437. 5. 6. Südeuropa.............13186. 16. 6. Flandern: Arras........... 506. 10. — Süddeutschland: Gugler....... 525. 1. — Umschläge............ 8. — — Gesamtverkauf ........... 14 226. 7. 6. Einkauf fl ß 3} fl ß $ Metalle: Silber ..... 3617. 2. 9.] , ..„ „ „ Kürnt......... 832. 5. 5. ( 4 ** w ' - Saiger Kupfer..... 577. — — j Oschenb. Kupfer .... 66. 6. — 1 1113. 1. 6. Geschlag. Kupfer .... 469. 15. 6. J Zinn......... 106. 8. — 106. 8. — 5 668. 17. 8. Legierung: Messing . . . 167. 10. 8. 167. 10. 8. Metallwaren: Blech . . . 424. 4. 1. Schüsseln....... 39. 2. 6. Kanten........ 3. 14. 6. Leuchter....... 82. 10. — Markgewichte..... 47. 3. 6. Kupferdraht...... 75. 13. — 672. 7. 7. Metalle und Metallwaren . 6 508. 14. 11. Sonstiges: Wachs .... 802. 4. 6. Bürsten........ 34. 3. — 836. 7. 6. Gesamteinkauf...... 7 345. 2. 5. fl ß A Verkauf........... 14 226. 7. 6. Einkauf.......... ■ 7 345. 2. 5. Mehrerlös........... 6 881. 5. 1, Üi 430 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V. Frankfurt. 1. Kap. § 67 Aus dieser Bechnung folgt, daß der Absatz südeuropäischer Waren die Eavensburger zur Tätigkeit in Nürnberg veranlaßte wie der Einkauf von Metallen und Metallwaren. Der Absatz heimischer Waren betrug nur 3,69 °/ 0 des Gesamterlöses. Schwieriger ist es, den Verbleib der eingekauften Waren zu bestimmen, aber auch von ihnen blieb sehr wenig in Süddeutschland, das Allermeiste ging nach Südeuropa. 1 Wir können schon jetzt sagen, daß der erzielte Überschuß nach Eavensburg wanderte, um dort abermals in schwäbischer Textilware angelegt und an der Auszahlung des Gewinnes beteiligt zu werden. Die Geldrechnung ist nicht so durchsichtig. Die Einnahme ,,ain- litzig" von 245 fl 7 ß setzt sich aus allerhand Posten zusammen und ist nicht sicher auf Nürnberg und Prankfurt zu verteüen, sie ist für Nürnberg eingesetzt. Warenerlös und einlitzige Einnahmen belaufen sich auf 14471 fl 14 ß 6 hl. Die Ausgaben muß man zum Teil mühselig zusammensuchen. Der Wareneinkauf erforderte 7345 fl 3 ß 5 hl. An barem Gelde wurden durch Gesellen oder Fuhrleute 3798 fl nach Eavensburg geschafft. 2 Dann war es gebräuchlich, daß die Gesellschaft in Eavensburg und anderen Orten Gelder sich einzahlen ließ, um sie in Nürnberg oder auf der Nördlinger Messe wieder auszuzahlen. In diesem Jahre machte das 2172 fl aus, weiter lieh man ihnen dann auch Geld 146 fl und schoß auch wohl Warenzahlungen vor: 223 fl 6 ß 6 hl. So gelangten 6339 fl 6 ß 6 hl direkt oder indirekt an die Zentrale. Den Geliegern in Lyon (434 fl 13 ß 8 hl), Flandern (300 fl) und Mailand (180 fl) kamen 914 fl 13 ß 8 hl zugute. Für Gesellen wurden in Kommission Waren gekauft für 585 fl 11 ß 4 d. Endlich wurde dem früheren Leiter des Geliegers ein Vorschuß von 400 fl ausbezahlt. Die Kosten für Fuhren beliefen sich auf 260 fl 11 ß, für Zehrung (Eeisekosten) 86 fl 7 ß und die übrigen Auslagen auf 228 fl 18 ß 1 hl. Eine Spende von 1 fl kommt hinzu. Das sind 5756 fl 16 ß 1 hl Unkosten. Die Gesamtausgaben beliefen sich somit auf 16161 fl 11 ß 11 hl, es überschritten die Ausgaben die Einnahmen um 203 ß 9 ß 4 hl. Da eine genaue Scheidung zwischen Nürnberg und Frankfurt unmöglich ist, so mag dieser Unterschied auf sich beruhen. Er wird wohl dadurch zu erklären sein, daß die Ausrichtung für Lyon, Flandern und Mailand zum Teil nach Frankfurt gehört. Das sicherste Ergebnis ist, daß Nürnberg mit zu den Geliegern gehörte, wo man über einen erheblichen Geldüberschuß verfügen konnte. 1 3 Ballen Tafelmessing waren zur Herstellung von Schellen nach Mailand bestellt, Kürnt für Genua, Schüsseln, Markgewichte und Bürsten nach Valencia, für Valencia wurden Leuchter nicht geliefert. Das läßt sich aus den lückenhaften Papieren feststellen. 2 Es sind 9 Posten. Zweimal trugen Gesellen die Summen, nach Konstanz nahm Richenbach 1500 fl mit. BHH^HBNHHBwl 1479/80. Rechnung für Nürnberg, Frankfurt und Nördlingen 431 Für Frankfurt ergibt sich zunächst für den Warenhandel folgendes Bild. Fastenmesse Herbstmesse zusammen ü ß % fl ß ,9, & ß £, Safran: Ort......3655. 16. — 2264. 13. — 5920. 9. — Tuschan ......404. 13. — — 404. 11. — Pulseh.......411. 11. — — 411. 11. — 4472. 2264. 13. 6736. 13. . 439. 5. — 230. 13. 8. 669. 8. 8. 31. 14. 5. 13. 15. — 45. 9. 5. . 4942. 19. 5. 2508. 11. 8. 7451. 11. 1. . 783. 17. 6. 516. 5. — 1300. 2. 6. 36. — — (72) 36. — — 72. — ,— 39 — — 25 — — 64. — — 51. 10. — 41. — — 92. 10. — . 910. 7. 6. 618. 5. — 1528. 12. 6. — 16. 1. — 16. 1. — . 5853. 6. 11. 3143. 7. 8. 8996. 14. 7. Korallen . . Baumwolle Südeuropa Arras .... Tuche: Mecheln Herrntaler •Brüggisch . Flandern . . Umschläge. Gesamterlös . Aus dieser Tabelle folgt, daß der Verkauf in Nürnberg um die Hälfte größer war als in Frankfurt. Zugleich aber auch, daß Flandern in Frankfurt mehr bedeutete als in Nürnberg, daß oberdeutsche Ware aber von der Gesellschaft überhaupt nicht nach Frankfurt gebracht wurde. Wie in Nürnberg die Konkurrenz thüringisch- lausitzer Leinwand jeden Gewinn unmöglich machte, so westfälischrheinische in Frankfurt. Noch bedeutsamer ist es, daß die Gesellschaft wenigstens in diesem Jahre in Frankfurt überhaupt nichts kaufte. Es blieb also der gesamte Erlös zur Verfügung der Gesellschaft. Diese Summe erhöhten die Gesellen auf der Herbstmesse durch ein Wechselgeschäft mit den Gossembrot, sie erhielten von diesen 783 fl, wofür sie ihnen zu Weihnachten 600 Dukaten zu zahlen hatten. Damit erreicht die Einnahme zum mindesten 9779 fl 14 ß 7 hl. Unter den Ausgaben der Fastenmesse, denen ich die entsprechenden Ziffern der Herbstmesse in Klammern anfüge, stelle ich die Eückzahlungen an ausgeschiedene Teühaber der Gesellschaft voran 974 fl (1206). Wie in Nürnberg waren für Frankfurt eingezahlt und dort zu erstatten 1865 fl 15 ß (1353), geliehen wurden 177 (50), bar abgesendet 1668 (1350), davon in üblen Münzen nach Flandern 168 (150). Das ergibt eine Vermehrung der Barmittel in Eavensburg von 3542 fl 15 — (2603). In Kommission kaufte man Gesellen ein für 61 fl 17 ß 6 hl. Dazu kommt die Abrechnung mit den Gewandschneidern über 373 fl 15 ß, die sich auf beide Messen verteilt. An 432 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V. Frankfurt. 1. Kap. § 67 Zehrung wurde gezahlt 43 fl 6 ß (22 fl 10 ß), an Fracht 153 fi 15 ß 2 hl (37 fl 1 ß), an Unkosten 29 fl 12 ß (49 fl 1 ß). Endlich kommt noch eine Spende von 2 fl hinzu. Das sind an Geschäftsunkosten 226 fl 13 ß 2 hl (108 fl 11 ß). Für die Fastenmesse sind also 5075 fl 5 ß 8 hl, für die Herbstmesse 4068 fl 12 ß als Ausgaben nachzuweisen, das macht für beide zuzüglich der Eechnung für die Gewandschneider 9528 fl 12 ß 6. Für die Gesellschaft war die Fastenmesse die wichtigere. Zu diesen Einzelrechnungen, die wir aufzustellen versuchten, kommen noch die Posten über die Schulden und das bare Geld, die nur für die Gesamtrechnung Auskunft geben. Bei Beginn Bei Schluß der Eechnung Unterschied von 2 zu 1 fl ß hl fl ß hl fl ß hl Gute Schulden . . . 4100. 18. 7. 2666. 17. — —1434. 1. 7. Zweifelhafte Schulden. 3351. 5. 2. 3799. 2. 9. + 447. 17. 7. Böse Schulden . . . . 1277. — — 1277. — 6. +------ 6. Bares Geld ...... 533. — — 25. 17. 6. — 507. 2. 6. Abgeschrieben . . . . — — — 4. 4. 6. -f- 4. 4. 6. 9262. 7773. 2. 3. 1489. 6. Nun ist zu bemerken, daß an den bösen und den zweifelhaften Schulden nichts bezahlt wurde, sie vielmehr nicht unbedeutend stiegen. Aber bei den guten Schulden wurde eine erhebliche Besserung erzielt. Wenn unsere Einzelberechnung der Einnahmen nur um 10 hl hinter der zu Beginn auf der Berechnung der Hauptposten beruhenden zurückblieb, so ist bei den Ausgaben eine Überschreitung von 13 ß vorhanden. Beide darf ich wohl vernachlässigen. Eine volle Beleuchtung würde die Eechnung noch durch Währungszettel bei Beginn und Ende der Eechnungszeit erhalten; sie würden den Warenbestand in Geld und auch etwaige Verpflichtungen angeben, oder sollte die Gesellschaft solche überhaupt nicht besessen haben? Aber auch so gewannen wir einen Überbbck über Gelieger und Messen, wie er bisher nicht bekannt war. Wir können ihn durch andere Quellen aber noch deutlicher machen. Die Fastenmesse von 1480 läßt sich ausgezeichnet darstellen, da wir außer der Eechnung noch die Memoria haben, die von Eavens- burg aus Hans Hülenson auf die Messe mitgegeben wurde, zu der von Nürnberg aus Seider kam, von Eavensburg auch Palle Schindelin und wohl auch der Konstanzer Eichenbach. Sie verfügten über eine große Masse von Waren. Ortsafran hatten sie 2140 U Gewicht von Aragon, sie verkauften rund 1161 U — Tuschgan 425 U, verkauft 129 V 2 ^> der Rest nach Flandern — Pulscher Zima 492 U , verkauft 130 1 / 2 U, gleichwohl wird angegeben,, daß 492 U nach Flandern abgeschoben wurden. In diesem Falle kann man auch den Gewinn berechnen. Das Pfund wird nach Frank- Hmuubm| 1479/80. Kechnung für Nürnberg. Frankfurt und Nördliugen 433 '■; fürt gelegt annähernd 2 fl 3 ß gekostet haben, verkauft wurde es zu rund 3 fl 2 ß. — Die 188 U Contrafet wurden völlig nach Flandern abgeschoben. — Von 3245 U blieben also 1924 unverkauft. Genueser Korallen wurden 522 U zum Markte gebracht, verkauft 36, von Barceloneser kamen 183 U und wurden 42 U veräußert. Der Eest ging nach Flandern. Der Absatz war noch schlechter als beim Safran. — An Arras hatte man 226 Stück Arras zur Stelle, 131 gingen ab. — Auch die wenigen flandrischen Tuche fanden nicht alle Käufer. Man erwartete 200 fl für Wechsel, 2000 fl für Zahlungen zu gebrauchen und wünschte 2000 fl als Überschuß nach Eavensburg. Tatsächlich konnte man in bar nur 1668 fl heimsenden. An Auszahlungen an Gesellen (974), an solche, die in Schwaben Geld eingezahlt hatten (1865) und an Darlehen für diese (177) gebrauchte man aber 3016 fl. Die Wechselzahlungen sind nicht sicher festzustellen. Für die Gesellen konnte man die Aufträge, die man Hillenson mitgegeben hatte, nur zum Teil ausführen, aber nicht alle Aufträge waren diesen Weg gegangen. In der Fastenmesse hatte Hans Seider seinen Fußmarsch am 14. März angetreten und kehrte am 8. April heim, sie lag also wohl vom 19. März bis zum 3. April. Ostern fiel auf den 2. April. Für die Herbstmesse ist ein ähnliches Bild nicht zu gewinnen, obwohl die Memoria Hillenson für sie vorliegt. 1 Es kamen von Flandern 137 Stück Arras, man hatte noch 95, man verkaufte 95. Im Oktober lagen noch 99 Stück in Frankfurt. Von Ortsafran kamen 1620 U von Eavensburg, 641 wurden veräußert, den erhofften Preis, von 3V 2 fl konnte man nur selten überschreiten, von Flandern erhielt man 9 Maß Korallen von Barcelona und 7 von Genua, verkaufte nur 41V4 fi ■ Noch ist zu bemerken, daß von Eavensburg ein Eies Papier mit eingepackt war, das Johann Petit zu Köln gehörte. Der Eest Ortsafran ging nach Nürnberg, Korallen nach Flandern. Seider ritt am 29. August von Nürnberg aus und blieb 30 Tage aus. Über die Nördlinger Messe haben wir eine Sonderrechnung.'- Von Ortsafran hatte man 1070 U zur Stelle, verkaufte aber nur 385 U zum Preise von 3 fl 5 ß und erlöste 1249 fl 16 ß. — 1 Kiste Zucker Kandi fand keinen Abnehmer, von den Korallen (24 U) erlöste man 115 fl 15 ß 6 d. Irgendein Einkauf fand nicht statt. An Schulden nahm man ein 640 fl. 700 fl hatte Hillenson von Nürnberg mitgebracht, endlich erhob man für die Schwester des Nürnberger Hauswirtes ein Leibgedinge von 41 fl. So erreichten die Einnahmen 2746 fl 11 ß 6 hl. Der eigentliche Meßeingang war um 700 fl niedriger. Die Zahlungen setzen sich so zusammen. An einen ausgeschiedenen Gesellen 145 fl — an Freunde, die daheim gezahlt hatten, 704 fl, 1 373641 2 3, 363 f. Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 28 434 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V. Frankfurt. 1. Kap. § 68 ihnen geliehen 39 fl. — Für Gesellen wurden bar 36 fl und für Ankäufe 6 fl 2 ß ausgegeben. — Auf Zehrung gingen 7 fl — auf Fuhr 1 fl — auf Unkosten 2 fl 16 ß 6. Das ergibt 941 fl 18 ß 6 hl. — Von dem Eeste nahm Hillenson 600 fl mit nach Eavensburg, 1200 fl 9 ß wanderten nach Nürnberg. Das ergibt um 5 fl — ß 6 hl weniger als Hillenson berechnete, nämlich 2741 fl 7 ß 6 hl. Er selber hatte einen Abgang von 3 ß 6 hl festgestellt. Die Nördlinger Messe war von kurzer Dauer. Sie fiel zwischen den 8. und 13. Juni. Anwesend waren Hillenson und Hans Seider. Das Bild des Gesamtverlaufes zeigt einen mäßigen Absatz südeuropäischer Waren und einige Zahlungen, keinerlei Einkauf. Wir können nun von den wackeren Gesellen Abschied nehmen und uns zunächst Frankfurt zuwenden. § 68. Meßprivilegien. Günstige Lage der Stadt. Anteil an Handel und Gewerbe. Ansehen der Messen. Älteste Zeugnisse für Schwaben, für die Gesellschaft. Als die Champagner Messen auf der Höhe ihrer Blüte standen, haben die Staufer es wohl versucht, auf deutschen Boden ähnliche Messen in Gang zu bringen. Aber von allen kam doch nur eine zu internationaler dauernden Bedeutung, und das waren die zu Frankfurt am Main. Sie fanden in einer Stadt statt, die dem deutschen Könige unmittelbar gehörte, das sicherte ihr dauernd den Schutz der Könige und Kaiser, die ja in der Bartholomäuskirche waren gewählt und vielfach auch gekrönt worden, um die herum in den Tagen des Festes des Kirchenpatrons, des heiligen Bartholomäus, .die Kaufleute ihre Waren ausbreiteten. Das Privileg Kaiser Friedrichs II. von 1240 betraf nur diese Herbstmesse, Ludwig der Bayer fügte 1330 die Fastenmesse hinzu. 1 Doch Privilegien sind machtlos, wenn nicht die Gunst der Natur hinzukommt, und das war bei der Mainstadt der Fall. Die geographische Lagerung der deutschen Landschaften hat es verhindert, daß das mittelalterliche Beich eine Hauptstadt erhielt. Darauf hätte Frankfurt den ersten Anspruch gehabt, denn damals war die französische Grenze noch weit, weit entfernt. Als zentrale Bheinstadt hätte das altehrwürdige Mainz Frankfurt den Bang ablaufen können, wenn es sich nur um einen Handel den deutschen Strom auf- und abwärts gehandelt hätte — und mehr wie einmal hat Mainz dieses Ziel erstrebt. Noch war ja der Bhein die Pfortader des deutschen Staates wie Volkes. Aber die mitteldeutschen Gebirge, die Nieder- von Oberdeutschland trennen, haben außer dem Bheindurchbruch durch das Schiefergebirge noch eine zweite breitere zweigeteilte Pforte in der west- 1 Die Messe ist wahrscheinlich als Jahrmarkt älter als die Zeiten Friedrichs II. Vgl. Dietz, Frankfurter Handelsgeschichte 1 (1910), 21 ff. Schon 1227 wird die Messe als nundinae regiae bezeichnet (Privil. Heinrichs VII. für Würzburg). Vgl. über die übrigen Meßprivilegien Schulte 1, 166 f. MHBHHHHHBHHI Frankfurt. Lage. Messen. Handelsleben 435 und in der osthessischen Senke. Da öffneten sich die Wege nach den Kernlanden der hansischen Städte, wie über Erfurt nach Leipzig und der nordostdeutschen Ebene. Der Lauf des weithin schiffbaren Maines führte in die reichen Landschaften des Maingebietes, und auch der Nürnberger Kaufmann benutzte vielfach wenigstens den Unterlauf des Flusses. Den Wegen nach Bayern und Schwaben bot die Natur keine Hemmungen, und das Elsaß hatte für seine Weine, das Lebenselement seines Außenhandels, den Ehein als Träger. So war auch ihnen es nur erwünscht, einen erheblichen Teil der Fässer ein paar Meilen aufwärts so weit zu schicken, als die Eheinschiffe gingen, nach Frankfurt. Eine beneidenswerte Lage! So war diese Stadt durch das Wasser ungleich mehr begünstigt als die Champagner Messen, von deren Erbe ein gutes Stück ihr zufiel, seitdem die Doppelzahl der eigenen Messen die Zahlungstermine näher rücken ließ, wenn auch nicht so nahe, als es die Champagner Messen besessen hatten. Mit dem Worte, daß in Frankfurt die wichtigste Vereinigung oberdeutscher und niederdeutscher Kaufleute stattfand, hat man aber nicht die Bedeutung der Messen erschöpft; denn hinter den niederdeutschen Kaufleuten stand ihr Handel mit Eußland, mit Skandinavien und England, und ebenso trieben die oberdeutschen Kaufleute ihren Handel weit über die Grenzen der deutschen Zunge hinaus: nach Schlesien, Polen, Ungarn, Italien, Spanien und Frankreich. Auch in den Zeiten, wo auf der Messe seltener eine fremde Sprache gehört wurde, war der Ursprung der Waren aus einem viel, viel weiteren Umkreise. Frankfurt war in der Zeit seiner mittelalterlichen Blüte der kontinentale Brennpunkt des europäischen Handels, wie die maritimen Brügge und Venedig. Freilich nur für die kurze Frist der Messen; denn Frankfurter Bürger waren nur in geringer Zahl in dem Fernhandel tätig und suchten fremde Plätze auf. Es ist alte Wahrheit, die Kaufleute der Meßplätze werden meist weniger unternehmungslustig als ihre Gäste. Sie nehmen entweder eine einzige Diagonale — so war in Frankfurt die von Venedig bis Antwerpen beliebt — oder einen Sektor des Bogens oder bleiben ganz zu Hause. Auch im Gewerbe- fleiße konnte Frankfurt den Vergleich mit Köln und Nürnberg nicht aushalten. Die Stadt trieb eine kluge Handelspolitik, versteifte sich nicht auf ein Stapelrecht und hielt die Abgaben niedrig. Dafür war das Geleite als bezahlter Schutz außerordentlich stark organisiert. Es gab nicht die oft lästigen Einrichtungen der Champagner Messen, kein eigenes Meßgericht, keinen Meßbann und keine Gardes de foire. Man hielt wie in Antwerpen auf Freiheit der Gäste, und das waren zumeist deutsche Kaufleute, die Fernhandel trieben und hier von ihren Waren möglichst viel an die deutschen örtlichen Kaufleute abgaben. Aber schon im 14. Jahrhundert sind Nichtdeutsche nachzuweisen. Äneas Sylvius bezeichnete die Frankfurter Messen als das nobile emporium, wo zweimal im Jahre die Ober- mit den Niederdeutschen 436 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V. Frankfurt. I.Kap. § 68 H zusammenkämen. 1 Der weit gereiste spanische Edelmann Pero Tafur stellt sie neben die Antwerpener, mit ihnen könnten sie nicht verglichen werden, wenn sie auch ganz gut seien. 2 König Franz I. von Frankreich nannte die Stadt den berühmtesten Handelsplatz nicht nur Deutschlands sondern fast des ganzen Erdkreises. 3 Luther war freilich über die Messen ergrimmt; das ist das Silber und Goldloch, dadurch aus Deutschland fließt, was nur quillt und wächst bei uns und geschlagen wird. Alle Welt mache man reich, um selbst Bettler zu bleiben. 4 Er zielte auf die Einfuhr der Luxuswaren, und da mochte er nicht so ganz unrecht haben, aber für die Ravensburger in ihrer Glanzzeit trifft das nicht zu; denn damals schafften sie dorthin in ihren in der Fremde gekauften Waren den Erlös von Kaufgeschäften mit deutschen Waren in fremden Landen, und der in Frankfurt erzielte Barerlös brachte den Gewinn in die Heimat, wie wir das schon sahen. Als der große französische Buchhändler Henri Estienne 1574 über die Frankfurter Messen ein Büchlein veröffentlichte, da trug er kein Bedenken, sie als das Band aller Messen der Welt zu bezeichnen. 5 Die neuere Forschung setzt in die Tage König Wenzels (1383) eine erste Handelsblüte. Unter dem Drucke der Fehden und Kriege sah es im 15. Jahrhundert öfters traurig aus, aber die Messen waren und blieben die bedeutendsten, die in einer rein deutschen Stadt abgehalten wurden. Das älteste Zeugnis für Oberschwaben in Frankfurt ist ein Heinrich von Costentze, der 1338 Hausbesitzer war. 6 Bei Konrad Ehinger, der in Frankfurt Waren hatte, ist es zweifelhaft, ob er nach Ulm oder Konstanz gehört. 7 1404 stand der Konstanzer Bartholomäus Tuggwas am Sterbebette seines Landsmannes Johann von Ulm. 8 Jsny kommt nach 1340 vor, um 1360 wurden Memminger Bürger bei Gelnhausen gefangen. 9 Es ist doch wohl kein Zweifel, daß diese ihre Leinwand und Barchent zur Messe brachten. Für Ravensburger Handel ist die älteste Quelle ein Geleitsbrief, den die Stadt Frankfurt Freitag vor Judica 1403, also für die Fastenmesse den Bürgern von Konstanz, Überlingen, Lindau, Ravensburg, St. Gallen, Memmingen, Kempten, Isny, Wangen, Leutkirch und Buchhorn ausstellte. 10 1413 bat Konstanz um Geleit für die Herbstmesse. 11 1 Bothe, Friedrich, Gesch. d. St. Fr., 1, 201. 2 Tafur, Andances e viajes in Colecciön de libros espafioles. T. 8, 1874, S. 261. 3 Bothe, a.a.O., 1, 278. 4 Bothe, a.a.O., 1, 278. Dietz 1, 62. 5 Pariser Neudruck von 1875, S. 50. Sein Lob über die unparteiische Gerichtsbarkeit S. 36. „Adeo ut nihil libertatis, nihil autoritatis adimat peregrinitas, ut in aliis plerisqxie locis." S. 38. „Raro ullae inter eos rixae, raro ulli tumultus in ipsius urbis plateis oriuntur, quum alibi hoc sit nundinarum veluti factum, ut. . . omnes propemodum viae non tumultu solum sed pugnis acerrimis perstrepant," S. 46. B Frankfurter U.-B. (Lau) 2, 488. » Inventare des Stadtarchivs 4. 86 (um 1360). 8 Schulte 2, Nr. 348. » Inventare des Stadtarchis 1, 4. 10 Frankfurter Stadtarchiv, Geleit, mitgeteilt von Ammann (A). n Ebenda (A). Frankfurt. Oberschwaben dort. Auftreten der Gesellschaft 437 Das Konstanzer Ammanngerichtsbuch bringt eine Eeihe von Beweisen, daß der große Konstanzer Spekulant Ulrich Imholz in Frankfurt Schulden auf der Frankfurter Fasten- und Herbstmesse zu bezahlen hatte. Sie beginnen mit 1423, 1425 schuldete er Lüt- frid Muntprat und seiner Gesellschaft 3220 fl auf Herbstmesse zu Frankfurt für Leinwand. Damit ist ja noch keineswegs gesagt, daß die Eavensburger und Konstanzer damals ihre Leinwand auch nach Frankfurt brachten, wo sie der von Münster und Osnabrück, der hessischen, sächsisch-thüringischen und lausitzer begegnet wäre. Die von Osnabrück und Münster hat später, als die Humpis sicher keine Leinwand mehr nach Frankfurt brachten, im Besitze von Frankfurtern den Weg nach Venedig gefunden. 1 So bin ich leider nicht in der Lage, sicher zu sagen, ob und bis wie lange, die Eavensburger in Frankfurt Leinwand feü hielten. Für Konstanzer in Frankfurt liegt weiter ein Zeugnis von 1412 vor, aber man kann mit Sicherheit keinen der Eavensburger Gesellschaft zuweisen. 2 Jedenfalls waren damals Konstanzer in Frankfurt reichlich vertreten, und es wäre doch sehr wunderbar, wenn sie nicht; Leinwand verkauft hätten. Das älteste Stück der erhaltenen Papiere beweist, daß schon 1429 die Eavensburger Gesellschaft die Messe regelmäßig besuchte, denn sie nahm zu Hause schon damals Gelder an, um sie in Frankfurt auszuzahlen. 3 Die nächsten Nachrichten kommen aus Freiburg im Breisgau und gehören dem Jahre 1443 an. Hans von Eechberg und Heinrich von Isemburg hatten den Humpis und ihrer Gesellschaft auf dem Eheine etlichen Safran und Korallen genommen. Diese spanischen Waren konnten kein anderes Ziel haben als die Frankfurter Messe. 4 1 Die Frankfurter Schöffengerichtsprotokolle enthalten ein sehr reiches Material über das Meßgut, das meines Wissens heute noch nicht ausreichend benutzt worden ist, ich habe nur wenige Jahrgänge durchsehen können und dabei häufiger diese westfälischen Linnen gefunden. Über Frankfurter Leinwandhandel vgl. Dietz 2, 249. 2 1412 hielt der Erzbischof von Mainz in Höchst Meßbesucher aus Augsburg, Konstanz, Feldkirch und Bern gefangen. Der Konstanzer hieß Konrad Stickel. Seine Eigenschaft als Bürger von Konstanz bekundeten in Frankfurt die Konstanzer Bürger Albrecht Kirchener, Eitel Winterberg, Konrad Rüwe, Ulrich Vorsta, Poley im Steinenhuse. Für den gefangenen Feldkircher Hans Elenboge traten zwei andere ein, für die vier Berner nicht weniger als acht andere (Inventare des Stadtarchivs Frankfurt 2, 190, Nr. 932; die Namen gütigst mitgeteilt von Archivdirektor Jung). 1416 weilten Frankfurter beim Konzile in Konstanz, sie wohnten bei Hanman Fry (Jung zu Inv. 3, 68, Nr. 65). 1416 Schreiben von Albrecht Kircher an die Stadt, die verlangten 900 fl könnten die Konstanzer Kaufleute nicht aufbringen (Inv. 3, 68, Nr. 57; in Nr. 56 werden die einzelnen Namen nicht aufgeführt; Jung). 3 3, 326. * Zwei Missiven von Freiburg an Ravensburg und Ulm. Ersteres 26. Juni 1443. Freiburger Stadtarchiv (von Ammann mitgeteilt). 438 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V.Frankfurt. l.Kap. §68.69 Sil Wie der Safranhandel von Barcelonesen selbst in die Hand genommen werden sollte, und wie die Deutschen in Frankfurt dagegen sich setzten, ist schon in anderem Zusammenhange gezeigt worden. Auf der Herbstmesse 1447 erhielt ein Baseler von der Gesellschaft ein Darlehen. 1 Nach Frankfurt selbst führt weiter 1452 ein klares Zeugnis, das ausdrücklich von der Huntbissen-Gesellschaft redet. Der Schöffe Eberhard Budener, der der Kaufmannsgesellschaft zum Frauenberg angehörte, hatte gemeinsam mit Hanns Bechtenhenne einen Vertrag mit der Gesellschaft geschlossen und behauptete, nachdem er offenbar in Streit geraten war, Peter Hagen, ein Frankfurter Bürger, sei in dieser Gesellschaft gewesen, was aber Hagen unter Eid bestritt. Die eidliche Aussage: „er sei auf die Zeit, als der versiegelte Brief gemacht wurde, nicht in der Gesellschaft gewesen" läßt die Deutung zu, er sei zu anderer Zeit ihr Geselle gewesen. Das wäre die weiteste Ausdehnung des Gesellenkreises nach Norden. 2 Im gleichen Jahre legt ein Muntbar der Gesellschaft Beschlag auf Haus und Erbe eines gewissen Hans Lorber und seiner Frau. 3 Beide Dinge gehören zusammen, wie andere Urkunden ergeben.* § 69. Meßzeüen. Die einzelnen Messen von 1478, 1479, 1497, 1500,1503,1507, 1527. Kein Geldhandel. Waren nach ihrer Herkunft. Änderung in der Auswahl. Kein Einkauf. Ankäufe für Gesellen und Freunde. Wichtige Teile des Meßlebens von der Gesellschaft nicht gepflegt. Beziehungen zu Frankfurtern. Unterbringung. Da die Gesellschaft nie ein Gelieger in Frankfurt besaß, ist es gegeben, die einzelnen Messen, A^on denen wir Nachrichten haben, für sich zu behandeln. Und unsere Quellen bereichern in außerordentlicher Weise die Kenntnis des Frankfurter Meßlebens im Spätmittelalter. Die beiden Frankfurter Messen hatten nicht völlig festgelegte Termine. Die Fastenmesse war von Karl IV. auf die Zeit zwischen Oculi und Judica gelegt worden, König Wenzel hatte diesen sehr frühen Termin um 14 Tage verlängert, d. h. sie schloß nun mit Charsämstag. Seit dieser Zeit standen sich gegenüber die Interessen der fremden Kaufleute, die einen möglichst späten Termin wünschten, und die religiösen Anschauungen, die eine Entweihung der Karwoche ablehnten. 1450 hat Friedrich III. die Karwoche freizulassen geboten, 1513 wurden die alten Zeiten wieder festgesetzt. Aus unseren Papieren folgt, daß auch bei einem späten Falle des Osterfestes die Kaufleute zu Ostern noch nicht abreisten. 1 Siehe unten unter Basel. 2 3, 479. 3 3, 478. 4 Schöffengerichtsprotokolle 1451, fol. 3, 8 und 13. Danach hatten Eberhard Budener und Johannes Bechtenhenne wegen Forderungen an Hans Lorber sein Haus und andere Liegenschaften auf dem Zwangswege, da ihre Forderungen nicht durch den Verkaufspreis gedeckt wurden, erworben. Der Krämer Lorber findet sich von 1426 an. Dietz 1, 198. Inv. 3, 82. Vgl. oben S. 323. Frankfurt. Messen 1447—1479 439 1473 Ostern 18. April. Abreise Freitag nach Ostern. 1474 Ostern 10. April. Abreise Samstag nach Ostern. 1503 Ostern 16. April. Abreise nach Ostern. 1507 Ostern 4. April. Bericht über den Schluß 8. April. In der Eegel fiel also das Osterfest in die Meßzeit, dafür waren an dem Anfangstermin, Oculi, die Meßlente noch nicht da. Der Aufenthalt der Eavensburger in Prankfurt wechselte zwischen 14 und 20 Tagen. Man machte sich von dem beweglichen Kirchenjahre möglichst frei und ließ die Messe in die zweite Hälfte des März und in die erste des April sich erstrecken. Mit dem Tage der Heiltums- fahrt in Nürnberg wurde aber wohl eine Kollision vermieden. So kam es, daß die Messe auch als Ostermesse bezeichnet wurde. Die Herbstmesse lag damals so, daß sie etwas vor dem Feste Maria Geburt begann und zwischen dem 18. und 22. September schloß. Wenigstens reisten die Eavensburger von Nürnberg so spät ab, daß sie frühestens am 29. August in Frankfurt eintrafen, der 19. September ist der erste Tag ihrer Abreise von Frankfurt, aber auch der 22. September. 14 Tage bis 3 Wochen dauerte der Aufenthalt in Frankfurt. Da später 1 die Messe stets nach dem Egidiustage {1. September) begann, so liegt auch hier eine starke Verschiebung vor, denn ursprünglich war es eine Messe auf Maria Himmelfahrt {15. August). Für die Fastenmesse 1478 haben wir, abgesehen von einzelnen Angaben, die Instruktion für Hans Hillenson. 2 Er sollte mindestens 1600 U Ort Safran, 25 Pulsch und 452 Zima, also zum mindesten 2077 U Safran zur Stelle finden. Einigen Safran sollten sie nach Flandern schicken. An Korallen waren mindestens 111 U zum Verkaufe bereit. Außerdem ist von Tuchen und Arras die Eede. Daheim waren mindestens 1796 fl eingezahlt, Jos Meyer waren 1200 fl fällig. Die Zahlung an die Ankenreute-Gesellschaft sollte von besonderer Weisung von Eavensburg abhängen. Für heim wollte man 5000 fl haben, doch sollten die Zahlungen an die Teilhaber davon abgehen. Einzukaufen für die Gesellschaft hatte er nur Lösche, um so mehr für Gesellen und Geschäftsfreunde. Aber man weiß nicht, ob darunter auch Aufträge für Nürnberg waren. Für die Herbstmessen 1478 und 79 dienen ebenfalls Instruktionen für Hans Hillenson. 3 Auf jener Messe machte die Gesellschaft außer mit Safran (Ort, Zima, Mark) und Korallen auch einen Versuch mit 400 U geschlagenem Kupfer. Auf dieser war man mit Ort und vor allem Korallen von Genua wie Barcelona reichlich gerüstet, hatte aber auch Gewand und Arras, dazu Lasur und „verlüffin". Aufträge zum Einkaufe finden sich nur einige für Gesellen und Geschäftsfreunde. An Jos Meyer waren 529 fl gegen Quittung zu 1 Wie Dietz 1, 40, zeigt. 2 3, 338—350. Nach der Reihenfolge im Büchlein sollte man annehmen, daß es sich um die Fastenmesse von 1479 handelt. 3 3, 336 f. und 340 f. I H ■ \ WM iSi BEI ';' ■ BSÜr 1 »£ s»j in upp s # 1 440 Sechstes Buch. Hanel nach Landschaften. V. Frankfurt. l.Kap. § 69 bezahlen, die Zahlung von 125 fl an die Ankenreute wurde gesperrt. Wie immer schob man übelfallendes Geld auf die Messe. Das Bild der Frankfurter Herbstmesse 1497, das Oswald Kroll entwirft, 1 weicht von dem der Messe, die 17 Jahre vorher stattfand, wesentlich ab. Man hatte neue Waren hinzugenommen und mehr wie Spanien tritt jetzt Genua hervor, der dortige Leiter, Hans Kloter, war auf der Messe selbst zugegen. Der Safranmarkt war schlecht, man verkaufte zu geringen Preisen (i Ballen und schickte einen nach [Nürnberg, dorthin gingen wohl auch die drei Ballen, die man von Lyon erwartete. Korallen waren leer verkauft, und bei Besserung der Qualität hoffte man die welschen Konkurrenten (Genueser) zu besiegen. Von Arras wurde man nichts los und Kroll meinte: Ihr habt nie daran gewonnen. Flandrische Tuche führte man nicht mehr. Dafür erscheinen neu eine Beihe von Luxuswaren. Das Onzgold hatte sehr gute Frage, so daß man nur 20 U nach Flandern sandte. Bei den Textilstoffen war man mit der Qualität vielfach nicht zufrieden und froh, daß Kloter die Lage mit eigenen Augen gesehen hatte. Den schlechten Samt hatte man von der Hand geschoben, gut Ding hätte mehr Nutzen getragen, gemüsierter Samt versprach guten Gewinn, Taft und Atlas wie den Mailänder Samt hatte man nach Nürnberg abschieben müssen. "Von Mailänder Standet waren alle Winkel voll und hatte man 2 Saum übrig behalten. An Perlen hatte man einen guten Gewinn erzielt. Völlig neu taucht von Genua eingeführte Spezerei im Gadem der Gesellschaft auf und war sie gut gegangen, die 6 Sack Lacca waren allerdings völlig liegen geblieben. Aus Flandern führte man jetzt statt flandrischer Tuche englische zum Markte, von 53 1 / 2 Tuchen blieben 8 1 / 2 Tuche, und machte man eine Bestellung von 70—80 Tuchen. Völlig mißglückt war eine Spekulation mit Zobelfellen, nur weniger konnte man sich entledigen. Über Kupfer verhandelte man auf der Messe mit den Gossembrot. In die Heimat konnte man 2494 fl überführen, 1480 hatte man nur 1400 fl senden können. Dieses Mal übernahm das meiste Geld (1526 fl) der Bischof von Konstanz, Hugo von Hohenlandenberg. Es ist wohl kein Zweifel, daß die Bedeutung der Messe für die Gesellschaft gestiegen war. Die Gesellschaft führte auf die Herbstmessen von 1500 2 eine stattliche Menge von Waren, von der sich zumeist Quantum und Ankaufspreis, zum Teil bis nach Frankfurt gelegt, angeben läßt. Es waren vielfach die Währungen umzurechnen, wobei ich auf die Denare verzichtet habe. 1 3, 367—370. 2 Ausgezeichnet ist das Material in Nr.71 (3,370—376) und in Nr.72 (3, 376—379), wenn auch der Meßzettel das Bild erst vollständig machen würde. Frankfurter Messen 1497 und 1500 441 fl ß % fl ß A Saragossa: Safran, Ort 800 -f- 400 U . =1198. 3. — In Spanien erworben..............= 1198. 3. — Genua: Korallen und Kreuzk. 389 U . = 973. — —z. T. bis Frankf. Penitenza, Oliveten 13».....== 72. — —bis Frankf. Perlen 12 onz..........== 92. — — 1137. — — Samt 59 Stück = 4481 palma ."■-.. — 3860. 19. — Samt v. Färb. 16 St. = 1172 palma == 820. 2. 6. Braun Karmesin 1 St. = 86 1 / 2 palma == 77. 5. — Gemüsiert Samt 1 St. = 79 palma . = 50. 2. — Damast 13 St. = 1065 palma . . . = 43. 5. — 4860. 13. 6. Pfeffer 5140 U ..........= 1444. — — bis Frankf. Ingwer 4120 U . . . ....... = 798. — — bis Frankf. Nägel (Gewürznelken) 590 U . . . = 462. 15. — z. T. bis Frankf. Muskatnuß 386 U ........— 157. — — z. T. bis Frankf. Lang Cannel Nürnb. 52 l / a U . . . . = 63. — — Mastix Nürnb. 75 U .......= 38. 3. 5. Brasilholz 50 U .........= 13. 10. — n. Kurszettel. Wurmkraut 25 U .........= 11. 8. — 2987. 16. 5. Seide 260 U . . . ........== 200. — — bis Frankf. In Genua erworben..............= 9185. 9. 11. Mailand: Onz Silber 7 U ......= 74. 12. — Onz Gold 56 U ......... = 687. 17. — 762. 9. — Samt 12 St. — 374 Ellen.....= 666. 1. — Karmesin 3 St. = 153 Ellen . . . . = 358. 9. — Damast 1 St. = 84,5 Ellen .....= 89. 12. — Taft 7 St. = 23 U 6% Unz . . . . = 88. 16. — Gemüsiert Samt 1 St. = 46 Ellen . = 85. 9. — 1288. 7. — In Mailand erworben..............= = 2050. 16. — In Italien erworben..............= 11546. 5. 11. Nürnberg oder? Rhabarber Nürnb. 19 U .....= 288. — — Scammonaea Nürnb. 18 tt . . . . = 37. 16. — Wachs Nürnb. 81 U .......= 7. 11. — Zwillich 61 Ellen ........ = 3. 2. — Sonst erworben........... ■ . • • = 336. 9. - Gesamtempfang aus Spanien, Italien und sonst = 13060. 17. 11. Zu diesen Waren kommen noch 4 Posten hinzu: ein unbekanntes Quantum an Macis, 100 englische Tuche im annähernden Preise von 17 fl = 1700 fl, 120 Tuche von Amsterdam, annähernd zu 11 fl 442 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V. Frankfurt. 1. Kap. § 69 = 1320 fl und ein Mindestquantum von 35 Stück Arras, wenn man dafür den Preis von 5 fl einsetzt, so ergäbe das 175 fl. Man muß danach zu der obigen Summe noch mindestens 3195 fl hinzufügen, und damit erreicht man eine Summe Wertes der zur Messe geführten Waren von mindestens 16255 fl 17 ß 11 hl. Der Verkauf ging aber nicht nach Wunsch der Gesellschaft. Beim Safran fielen die St.Galler vom Preise, und man konnte zu der gesetzten Grenze nur zu zwei Drittel verkaufen. Mit den Korallen (mit Ausnahme der penitenza), Perlen, den Karmesin Stücken schaffte man gar nichts. Gute Geschäfte machte man mit dem Onzgolde. Von den 77 Stück Samt verkaufte man 22, von den 14 Damasten 4. Bei der Spezerei hatte man Furcht vor großer Überlast an Ingwer gehabt, aber gerade diese Ware befriedigte. Gewürznelken und Macis gingen ohne Nutzen ab, der Kurszettel für Muskatnuß und Zimt steht unter der Grenze, die den Gesellen gegeben war, auf Rhabarber und Brasilholz blieb man sitzen. So mußte man denn den Best der Waren nach Nürnberg, Konstanz, Ravensburg, Köln, Antwerpen abschieben. Aber entmutigt war Gabriel Geßler, der mit Oswald Kröll auf der Messe war, nicht. Die Anspannung der Geldmittel ist nicht genau zu übersehen. Wir kennen nur die erwartete Auszahlung an ausgeschiedene Gesellen (783fl 2ß), an die, so daheim eingezahlt hatten (2530 fl); Siegmund Gossembrot schuldete man 265 fl 9 ß, den Fuggern 487 fl 10 ß und einem Gienger 106 fl 17 ß. Das sind 4172 fl 18 ß Verpflichtungen, dazu erwartete man Wechsel von Lyon zahlen zu müssen. Irgendeinen Einkauf machte die Gesellschaft für sich nicht. Bei den schwierigen Läufen war die Zufuhr zur Pastenmesse 1503 nicht sehr groß. 1 Wir kennen wieder eine Beihe von Posten, es sind folgende: fl ß ,5, fl ß % Safran: 2 Ballen Ort, 400 U etwa . . . 425. — — Einkauf Spanien......................425. — — Schamlot 88 Stück.......... 475. — — bis Prankfurt Schwarz Samt 40 Stück = 3584 Palm . 2554. 14. — bis Genua Samt von Farben 9 Stück = 669V 2 Palm 527. 14. — „ „ Gemüsiert Samt 9 Stück = 180V a Palm . . 106. 2. — „ „ Korallen 434 U 6 Onz........ 964. — — „ Frankfurt Penitenz 24 U 6 Onz......... 131. 11. — „ „ Gewürznelken 457 U ......... 600. — — „ „ Genua...................... 5359. 1. — Onzgold 67 Äf ............ 627. 19. — bis Como Onzsilber 10 U ...........101. 18. — „ „ Mailand...................... 729. 17. — Zusammen.....................6513. 18. — 1 Die Instruktion Hinderofens Nr. 74 (3, 380—385). Frankfurter Messen 1500. 1503. 1507 443 Es kamen weitere Korallen, Perlen, Seidengewand, (besonders Mailänder, Karmesin) von Nürnberg, dann noch englisches Gewand, Stamete, Arras und Ebabarber hinzu. Wie diese Summe nicht zu berechnen ist, so auch nicht die fälligen Schulden. Die eigenen Verpflichtungen waren erheblich. An Wechselschulden hatte man 2600, an anderen 3017 fl 5 ß zu decken und an ausgeschiedene Gesellen und sonst zu decken 6108 fl. Einer Verpflichtung von 13725 fl 5 ß gegenüber ist es begreiflich, daß man weder die altüblichen Einzahlungen in Eavensburg annahm noch auf bares Geld für heim rechnete. Dazu sah man voraus, daß man auf mancher Ware sitzenbleiben werde, und sah schon ihre Verteilung bis nach Spanien, vor allem aber nach den Niederlanden vor. In solcher schwieriger Lage begab sich Hans Hinderofen selbst nach Frankfurt, während von Nürnberg Gabriel Geßler kam. Auf der Herbstmesse 1503 waren Gabriel Geßler und Oswald Kröll. 1 Den Bericht jenes, den Oswald heimbrachte, werden die Herren nicht mit Freuden gelesen haben. Zwar kennen wir nur einzelne Tatsachen, mit dem Verkauf von 22 Stück Doppel-Samt war man leidlich zufrieden, an englischen Tuchen, deren man 61 Tuche gehabt und 34 1 / 2 verkauft hatte, bestand man ehrbarlich, der Best aber war schlecht und nicht 18 fl wert. An Onzgold hatte man 27 U verkauft und 18V 2 übrig. Aus dem Pfund Korallen waren 3 fl 10 ß erlöst worden. Der Ort stand viel höher als in der Fastenmesse zu 2 fl 8 ß, aber man kann nicht sehen, ob die Gesellen noch welchen hatten. Der Best sind Klagen, Mailänder Samt und Karmesin war mit großem Verluste veräußert worden. Gemüsiert blieb liegen. In Damast sei es unmöglich, zu konkurrieren, Onz- und Zahlperlen solle man nach Mailand zurückschicken, den einen Ballen Schamlot hatte man nicht loswerden können, das sei ein Unkauf. Penitenz schlecht und zu hoch gewertet (9 fl). Bei der Spezerei hatte der Markt Besorgnisse wegen der von Kalikut zurückerwarteten Schiffe, die Bavensburger meinten aber, in Genua werde man danach kaufen können, aber auch da forderte man nach den Erfahrungen in Gewürznelken und Bhabarber bessere Ware. Nach Eavensburg hatte man zwar einiges Geld gesendet, aber zu dem Mittel gegriffen, 1500 Dukaten (= 2070 fl) auf Venedig zu nehmen, und schwächte dadurch die Einkaufsgelieger in Genua und Mailand. Mit einem solchen Meßberichte konnte man nicht zufrieden sein. Auch die Eekordanz, die Gabriel Geßler 1507 von der Fastenmesse mit Hans Her heimsandte, sieht nicht sehr erfreulich aus. 2 Zwar hatte man 20 Maß Korallen für 1500 fl verkauft, aber der Käufer blieb 1037 fl schuldig, um ihn war man in Sorgen, und der Best war nicht gut. An den zu 24 fl verkauften 46 englischen Tuchen von guter ■ ■ 1 Der Bericht Nr. 75 3, 385—388. 22. April aus Nürnberg (3, 393—397). Nr. 77 (3, 390—393). Dazu Nr. 78 vom ■ 444 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V.Frankfurt. I.Kap. §69 Qualität gewann man 210 fl und hatte noch 8 weitere in einem Stichgeschäft untergebracht. Das ist ein Einkauf, aber die Ware (Kupfer) war in Kempten zu liefern. Wieviel Safran von den 60 verkauften Ballen der Gesellschaft gehörten, ist nicht festzustellen. Er stand in sehr hohem Preise, der Ravensburger war aber nicht gut. Von dem schlechten Samt hatte man 18 Stück verkauft, 52 nach den Niederlanden gesandt, ebenso alles Onzgold. Den zu teuer erworbenen Schamlot teilte man zwischen Antwerpen und Nürnberg. Taft solle man nicht mehr kaufen. Die Spezereizufuhr kam nunmehr von Antwerpen. Da die Verkäufer Geld haben mußten, hatten sie ihren Pfeffer (10 Sack) losgeschlagen und 33 fl daran gewonnen, beurteilten aber die Zukunft dieses Geschäftes sehr günstig. Der in der Herbstmesse 1505 verkaufte Lack erforderte einen Nachlaß. Von dem Erlöse waren 1600 fl heimgegangen, 400 nach Nürnberg und 250 durch die Hochrütiner nach Lyon. Dieser Betrag wurde durch einen Wechsel auf Venedig von 1000 Dukaten (= 1360 fl) auf 890 fl ermäßigt. Endlich haben wir noch ein Verzeichnis der in dem Bereiche des Nürnberger Geliegers angekommenen Waren, aus dem sich mit einiger Sicherheit die in der Fastenmesse 1527 angekommenen Waren ausscheiden lassen. 1 Aus Spanien, von Wien, Ravensburg, Nürnberg und Antwerpen ist eine Ankunft nicht bemerkt. Wir erfahren A-on drei Transporten: von Mailand: Onzgold, 70 U von Mailand: Onzsilber, 11 U von Genua: Samt, 16 Stück von Lucca-Genua: Damast, 21 St. = 999 fl 1 ß Ankaufspreis = 132 fl 0 ß Ankaufspreis = 800 fl 0 ß bis aufs Maultier = 1135 fl 8 ß b is Genua, = 3066 fl 9 ß. Bei der Unsicherheit meiner Grundlagen mag die Ziffer nicht genau sein, 2 jedenfalls war die Summe ein gewaltiger Abstand von den Waren, die 1500 auf die Herbstmesse gebracht wurden, und statt der 29 Warengattungen erscheinen deren vier und statt 87 Stück Samt bot man 16 feil. Die Damaste waren von 14 auf 21 gestiegen, Onzgold und Onzsilber war gemindert. Man verkaufte nur die teuersten Luxuswaren! Von dem Geldhandel, der in der späteren Geschichte Frankfurts eine so große Rolle spielen sollte, hielt sich die Gesellschaft völlig 1 3, 398—400. 2 Der erste Posten gehört vielleicht überhaupt nach Nürnberg. Die Umrechnung der Mailänder und Genueser Posten habe ich, da ich keine jüngeren Gleichungen hatte, nach denen von 1510 vorgenommen. Bei dem letzten Posten ist der Preis in Dukaten angegeben, aber welchen* Dann sind die Summen in Pfunde nach dem Satze 71 ß = 1 Dukaten umgerechnet. Ich habe angenommen, daß das Genueser Pfunde seien. Messen 1507. 1527. Übersicht über die Waren 445 fern. Aber dafür zahlte die Gesellschaft dort und nicht daheim die Anteile zurück, welche die ausscheidenden Gesellen zu beanspruchen hatten oder von ihr „ausgesetzt" waren. Überblickt man nun alle Waren, die nachweislich die Ravens- burger auf die Frankfurter Messe brachten, so liegt eine gewaltige Änderung vor. Wohl mag in der älteren Zeit von Ravensburg schwäbische Leinwand gekommen sein, von 1477 an, wo sich die Dinge überblicken lassen, ist sie völlig verschwunden. In dieser Zeit war dem Werte nach Spanien das Land, das weitaus das meiste lieferte^ Vor allem Ort Safran, er begleitet uns bis 1515, nach dem Ende des Geliegers von Saragossa war die bekannteste Ware der Gesellschaft bei ihr nicht mehr zu finden, vorher schon war der Zucker von Valencia verschwunden. Contrafet einzuführen war verboten, gleichwohl findet er sich wenigstens einmal. Auch die Korallen von Barcelona kamen schon 1497 nicht mehr. Avignoneser Waren finden sich nicht, Lyoneser Ort nur dann und wann. Aus Italien brachte man zunächst vorwiegend von Aquila die Safransorten Pulsch und Zima, von Mailand Tuschgan; dann mit der Wiederaufnahme des Gehegers von Genua Genueser Korallen, die sich bis 1507 finden und ein sicherer Artikel waren, 1527 aber auch fehlten. Von 1497 an sieht die Einfuhr von Italien ganz anders aus, Genua hat Mailand weit überflügelt. Die teuren Luxusstoffe wurden wohl alle einmal von der Gesellschaft versucht, wenn man Brokat auch vielleicht ausscheiden muß. Die führende sichere Ware, der die Gesellschaft bis 1527 treu blieb, waren Samte. Sehr viel gefahrvoller war das Geschäft in Damast, das sich aber bis 1527 erhielt. Daneben führte man auch wenigstens dann und wann gemüsierten Samt, Karmesin, Taft und Atlas und orientalischen Schamelot (1503—1507). Das Geschäft in Perlen dauerte nur kurze Zeit (1497—1503 nachweisbar), sie kamen zum Teil von Mailand. Um gleich die Seidenstoffe zu erledigen, versuchte man auch Mailänder Samte abzusetzen, sie verschwinden 1505, wo man sie nicht hatte verkaufen können. Seide selbst wurde mehrfach ausgeboten (zuletzt 1500). In den Tagen, da Vasco da Gama den Weg um Afrika herum nach Indien suchte und fand, meinte der Genueser Faktor Kloter den Gewürzhandel von Genua aus betreiben zu können, und auch dann noch, als Lissabon der Stapelplatz der indischen Gewürze geworden war. Es erscheinen Pfeffer, Ingwer, Gewürznelken, Brasilholz, Rhabarber und Macis und an nicht von den Entdeckungen betroffenen Spezereien: Mastix, Wurmkraut und Scammonium. Aber 1507 ward nur noch Pfeffer feilgeboten. Schon hatte es sich entschieden, daß in Frankfurt die Gewürze fortan von Antwerpen abhingen, nicht von Genua oder Venedig. Lacca und Cassia fistola wurden noch 1505, aber mit wenig Erfolg ausgeboten. ■ ■ : 446 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V.Frankfurt. 1. 2. Kap. § 69. 70 Eine Ware, die man von 1497—1527 hegte, war Mailänder Onzgold und Onzsilber. Von Genua kam 1479 die Anregung, gesponnenes Gold zu führen. Mailänder Stamete erscheinen 1497—1503. Die Einfuhr aus den Niederlanden war minder umfangreich, sie bestand vor allem aus Geweben, und führend waren die Arras (1479 bis 1503 nachweisbar), die aber nicht immer Gewinn brachten. Von 1497 bis 1507 läßt sich die Einfuhr von englischen Tuchen erweisen. Zeitweise ein erhebliches Geschäft. Flandrische und Amsterdamer Tuche treten weit dahinter zurück. Holländische Leinwand zu Markt zu bringen wurde anscheinend bald aufgegeben. Lasur und ,,verlüfin" tauchen nur 1479/80 auf, Lasur wieder 1505. Mit Zobelfellen, die in Nürnberg gekauft sein könnten, hatte man 1497 kein Glück und 1505 wollte man welche in Frankfurt erwerben, fand sie aber zu teuer. Wachs und Zwillich erscheint nur einmal (1500). Der Fall mit den Zobeln ist der einzige, wo die Gesellschaft für eigene Eechnung in Frankfurt vorhandene Ware einkaufen wollte. Um so mehr, wenn auch lange nicht so viel als in Nürnberg, erwarb sie für Gesellen, deren Angehörige oder auch für Freunde, wie Eitel Hans Vogt von Summerau. Sehr beliebt bei Herren, Frauen und Jungfrauen war der Ankauf von Arras, den ich zehnmal finde bis zum Preise über 9 fl. 1 Mehrmals wurden gestickte Kreuze für Meßgewänder bestellt, die verschenkt werden sollten. 2 Weiter finden sich Korallen, (öfter) Schamlot, dann „Kynluemen futer", „Seigen", ein „alterary drap", ein Amsterdamer Tuch, eins von London (Linsch), Pfulwen. An Delikatessen kommt portugiesischer Zucker, westfälischer Schinken (mehrfach) und Ingwer vor. Weiter Lasitz. An Metallwaren Kupferdraht, geschlagene Zinnschüsseln, Fischkessel; dort wurden auch die Metalldekorationen für die Grabplatte Ludwig Muntprats bestellt. 3 Endlich kaufte man für Meister Hermann, offenbar einen Maler, Zinnober. Für einen Kölner brachte man ein Eeis Papier mit von Eavensburg. An wichtigen Teilen des Meßverkehrs hatten die Humpis keinen Anteil, sie kümmerten sich nicht um den Handel mit Wein, Bossen, Fischen, Getreide, Fettwaren, Metallwaren. Mit den Frankfurter eingesessenen Bürgern kamen sie in mannigfache Berührung. Unter den Käufern von Safran erscheinen 1480 Wolf Blum, der mit zu der Blumschen Handelsgesellschaft gehörte und ihren Bankerott überlebte, und Claus Uffsteiner, gleichfalls ein Patrizier. Pulschen Zima erwarb der uns bekannte Johann Lorber. Die größte Frankfurter Gesellschaft war in jener Zeit wohl die Bromm-Stalburgische, deren Venezianer Gelieger an Hans Guldenschaf Mutens 1487 überging. Aber 1503 geriet er in ernste Schwierigkeiten, und unter den Gläubigern war auch Hans Humpis und Gesell- 1 3, 353. 361. 2 3, 353. 361. 384. 3 3, 338. MCTSfSE Waren. Bürger. Wirte. Nürnberg 447 schaft mit 871 fl. 1 Die Beziehungen zur Blum-Gesellschaft waren auch dadurch intim, daß 1480 die Gesellschaft ihr Quartier bei Jörg Blum im Lämmchen hatte, wo sie für das Gadem in jeder Messe 24 fl zu entrichten hatte. 2 Und damit wissen wir sie zu suchen. Vom Markte zweigt die Gasse Hinter dem Lämmchen ab, fast unmittelbar ebenso das Quartier der Nürnberger, der große Nürnberger Hof, und daneben „Klein-Nürnberg", der Sitz von Bromm-Stalburg, wie im ,,Lämmchen" die Blum und die Bavensburger dem Handel oblagen. 3 Die Bavensburger Gesellen schliefen und aßen wohl anderswo. Einmal werden die Wirte der einzelnen mit ihren Zahlungen angeführt und ein anderes Mal rechnet ein anderer für das Bett ab. 4 Wenn außer der Meßzeit Gadem, Stuben, ja ganze Häuser leer standen, so war in der Meßzeit es doch wohl recht eng, und geduldig zahlten die Bavensburger hohe Mietpreise. Ihrem Wirte besorgten die Gesellen in Nürnberg allerhand Ankäufe. 5 Auch ihrem Nachbar, dem Besitzer des großen Nürnberger Hofes, Johann von Glauburg, der auf einer Beise in Mailand in Not geriet, streckte das Mailänder Gelieger 10 fl vor. 6 Er hatte gerade in Pavia sich den Doktorhut erworben. Für die Frankfurter Meßgeschichte fließen die Quellen sehr reichlich, aber keine besuchende Firma kennen wir nunmehr so genau in ihrem Marktleben wie die Bavensburger. Zweites Kapitel Nürnberg und der Nordosten § 70. Lage von Nürnberg. Das Wesen der Stadt. Königliche Privilegien. Wirtschaftspolitik der Stadt. Gewerbe. Umkreis des Handels. Anteil der Geschlechter. Warenkontrolle. Ravensburg nicht zollfrei. Nürnberger in der Gesellschaft. Alteste Nachrichten. Beraubungen in Niederschlesien. Perpignan-Breslau. Besuch der Märkte in Posen. Lübecker Schuldner. Bern. Geldvorschüsse an den Hochmeister des Deutschen Ordens. Prozeß Mühlfeld. Wer den Namen des spätmittelalterlichen Nürnberg nennt, beginnt ein hohes Lied über seinen Handel, sein Gewerbe, seine Erfindungsgabe und seine Kunstpflege. 7 1 Dietz 1, 279. 2 Nach Dietz 1, 263 war er viermal Bürgermeister. Der oben erwähnte Wolf war entweder sein Bruder oder sein Sohn. 3 Vgl. B o th e 1, 195§ 1 Heinz Wyer wohnte in der Bursen und zahlte für 21 Tage ty, fl. 5 3, 340. 6 3, 336. Kaufmanngeschäfte betrieben die Glauburg damals nicht. 7 Vgl. besonders Mummenhoff, Handel, Gewerbe und Industrie in Nürnberg in v. Schuh, Die Stadt Nürnberg im Jubiläumsjahre 1906 (1906), S. 169—276, und die zahlreichen wertvollen Studien von Johannes Müller, besonders Die Handelspolitik Nürnbergs im Spätmittelalter in Jahrb. f. Nationalök. u. Statist. 3, 38 (1909), S. 597—628. Schleese, auch Tille, Die Gewinnung Nordostdeutschlands für den Nürnberger Handel, Deutsche Geschichtsblätter 14, 99—113. 448 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V. Nürnberg. 2. Kap. § 70 ' . S Auf dürrem Sande, fast inmitten großer Wälder gelegen, ohne ein schiffbares Wasser hat Nürnberg doch die Gunst einer ausgezeichneten Handelslage. Es fing den Verkehr, der von Norddeutschland durch den Thüringer Wald (Koburg) und durch die Senke zwischen Thüringer Wald und Böhmer Wald kam, auf, es trägt die Diagonale vom Eheindurchbruche durch das Schiefergebirge nach Begensburg. Ihm öffnen sich die Pfade nach Ulm und dem Bodensee, schließen fruchtbare Landschaften und gute Straßen auf, wie nach Prankreich. In altem Waldgelände erstand ein Mittelpunkt für fruchtbare Landschaften und weithin ziehende Handelswege. Es war eine königliche Stadt, und keiner ist wohl die Gunst der deutschen Herrscher so zuteil geworden wie ihr, und ausgesprochen wandte sie sich der Pflege des städtischen Pernhandels zu, wobei die königlichen Ämter nach und nach fast restlos an die Stadt übergingen, ohne daß die königliche Gunst darob verkümmert wäre. Ganz systematisch wurde von der Stadt das Ziel verfolgt, möglichst viele Zollbefreiungen zu erreichen, was nicht nur bei sehr zahlreichen Städten, sondern auch bei manchen Landesherren gelang, wenn auch andere grundsätzlich sich weigerten. Es gab keine Stadt, deren Bürger so oft wie der Nürnberger sagen konnte: Hier bin ich frei vom Zolle! Das Becht der Zollfreiheit gestand man gern der Gegenpartei zu, denn so viele kamen nicht nach Nürnberg, wie es entsandte. Auch eine Messe gewann die Stadt, schon 1318 einen vierzehntägigen Markt. Aber König Siegmund spendete der Stadt einen Vorteil, den keine andere Messe ihr eigen nennen durfte, eine religiöse wie patriotische Feier, die Tausende anziehen mußte und anzog. Die Beichskleinodien mit ihren hochverehrten Beliquien kamen 1424 in die Pegnitzstadt und wurden alljährlich vierzehn Tage nach Karfreitag in der Heiltumsweisung auf dem Markte gezeigt. Eben war die bedeutendere Frankfurter Messe geschlossen, was mancher Kaufmann dort übrig behalten hatte, bot er nun in Nürnberg im Heütume, in einer Messe der nächsten vierzehn Tage aus und setzte es wohl in dieser Nachtragsmesse ab. Der Andrang der Frommen und der Kaufleute war ungemein, 1463 kamen fast 2000 Wagen und Karren durch die Tore der Stadt. Doch es gab auch etwas einzukaufen, denn Nürnberg besaß eine Fülle von Gewerben, in den Metallgewerben war es führend, nur Augsburg machte in Edelmetallarbeiten einen wirksamen Wettbewerb. Die Stadt hatte in der Nähe wenn auch nicht allzu ergiebige Kisengruben bei Amberg und Sulzbach, Zinn wurde zu Tröstau und bei Amberg gewonnen. Und dazu kam der Bergsegen Böhmens an Silber, Kupfer, Zinn, der sich auf der Nordseite des Erzgebirges fortsetzte, um dann im Kupfergebiete von Mansfeld reiche Lager anzuschließen. Der Handel im Bohmetall ließ sich von Nürnberg aus handhaben, ja die Wirksamkeit griff bis nach Schlesien hinüber. In keiner Stadt war dem Metallgewerbe eine solche Heimstätte ge- ■■■HHHHnH Lage. Gewerbe. Handelspolitik. Ausdehnung des Handels 449 worden. Der Ruhm der Metallarbeiter, besonders derPanzerhemden- macher und Messingschmiede, ging bis nach Spanien, und das deutet auf eine entwickelte Drahtzieherei. 1 Das erreichte die Stadt durch ein straffes Kegiment, durch einsichtige Pflege der Betriebe, von denen sie die Fehler des Zunftgeistes fernhielt. Die Berufsspaltung hatte hier mindestens diesseits der Alpen gerade in diesem Gewerbe ihren höchsten Grad erreicht, gab ■es doch Schermesserer, Zirkelschmiede, Beckschmiede. Schon 1363 gab es im Metallgewerbe 29 verschiedene Gruppen. Und das blieb im Flusse; denn die Stadt war die Stätte der Erfindungen, und wer das höchste verlangte, was an genauen Instrumenten gemacht werden konnte, wandte sich an das Nürnberger Gewerbe, wie Spanien von den Nürnberger Gewichtmachern seine Münzgewichte bezog, oder ließ sich dort nieder, wie der größte Astronom jener Zeiten, Regiomontan. Nürnberger Witz regierte, und diese erfindungsfrohe, fleißige, pünktliche, nach künstlerischer Form ringende Metallhandwerkerschaft, in der ein Meister den anderen zu überbieten suchte, war, um mit Hans Sachs zu reden, ein edles Gewerbshaus. Diese Metallwaren gingen nach allen Seiten, im Süden mußten sie freilich den Wettbewerb von Mailand ertragen, aber auch in Italien erscheinen sie, und wem in Spanien der Barbier das messingene Scherbecken unter das Kinn schob, der sah oft den Seifenschaum in einer Nürnberger Einfuhrware verschwinden. Die anderen Gewerbe — Weberei, Gerberei, Färberei waren besonders vertreten — kamen für den Fernhandel weniger in Betracht, der Rat suchte auch Barchent und später Arras heimisch zu machen. Die Handels- und Gewerbepolitik der Stadt fand wohl nur in Venedig «inen gleich klugen, weitsichtigen und unverdrossenen Nebenbuhler. An dem Geistesleben nahmen die Nürnberger regen Anteil, nicht nur daheim. Martin Behaims Einfluß auf die Entdeckungsfahrten ist hervorzuheben. Der Umkreis des Nürnberger Handels war unter diesen Umständen weit. Nach der Pyrenäischen Halbinsel war schon im 14. Jahrhundert Ulmann Stromer gefahren. In Valencia und Saragossa erscheinen sie zuerst nicht, dann allerdings kamen die Imhoff und andere. In Italien sind Nürnberger bis Aquila, Neapel und in Sizilien nachzuweisen, in Frankreich setzten sie sich in Lyon fest, aber auch sonst trieben sie Handel. Sehr alt und wohlgepflegt waren die Beziehungen zu Flandern, ja die Nürnberger erscheinen auch in London. Im Gebiete der Hansa erreichten sie die Nordsee- wie Ostseehäfen, auch Kopenhagen, aber der Wettbewerb der Hansischen ließ sie nicht allzu hoch emporkommen, sie hielten argwöhnisch die Nürnberger vom Meere fern und ließen vielfach auch nur die Waren zu, die in Nürnberg selbst hergestellt worden waren. Dafür 1 Taf ur,a.a.O.,S.269, schreibt: „Biven enellamuchos arte8anos, especialmente de toda lavor de alaton, e aqui se fazon los jaceranes, que dizen de nirumberga." Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 29 450 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V. Nürnberg. 2. Kap. § 70 führten sie im Handel im Osten, die Bürgerschaft von Prag und Breslau ward die Heimat mancher Nürnberger, aber darüber hinaus gingen manche tief nach Polen, Bußland (Lemberg) und Ungarn, ja bis ans Schwarze Meer dem Handel nach. In Venedig waren sie allezeit stark vertreten. Der geistvolle Änea Silvio erfaßte wohl am tiefsten die Eigenart der Stadt. „Die volkreiche Stadt . . . liegt in einem unfruchtbaren Sandboden. Daher sind die Bewohner meist Handwerker oder Kaufleute, die in Flandern wie Venedig handeln und ganz Deutschland mit Waren anfüllen und daher das Sprichwort: ohne Nürnberger gibt es keine Messen." x Der Handel der Nürnberger erstreckte sich auf alle Warengattungen; dem reinen Geldhandel und seinen Gefährnissen versagten sie sich aber und nur wenige erlagen der Versuchung in der Blütezeit der deutschen Bankiers. Der Fernhandel lag vorwiegend in den Händen der Geschlechter. Von 1421—1440 waren im Kate 31 „ehrbare Geschlechter" vertreten. Von ihnen finde ich allein 17 in Venedig; auch von dem Reste sind sieben weitere mit meinen sehr unvollkommenen Mitteln im Handel nachzuweisen, so bleiben nur sechs (Böhmer, Derrer, Münzmeister, Volkmeier, Zingel und Zollner) übrig, und von ihnen sind einige früh ausgestorben. Aber auch nicht zu denGeschlechtern gehörige Kauf leute waren zum Teü Führer im Fernhandel. Man darf nicht übersehen, daß die Städte, deren Verwaltung in den Händen der Geschlechter lag, für den Fernhandel besonders hohes Verständnis bewiesen, sofern diese im Handel verblieben, was in Nürnberg wie in Venedig der Fall war. Der Sinn der Patrizier konnte auf die Internationalität des Handels der Fremden in Nürnberg und der Nürnberger in der Fremde gerichtet sein, ein Handwerkerregiment hätte schwerlich solche Ziele gefaßt oder festgehalten. Dieser weitgespannte Kreis, in dessen Mitte Nürnberg thronte, deckte sich nicht mit dem der Eavensburger Gesellschaft. Dieser ging in Spanien wenigstens zuzeiten über jenen hinaus, nach Nordosten war aber für ihn Nürnberg das am weitesten vorgeschobene Gelieger, über das nur zeitweise Eavensburger hinaus ihren Fuß setzten. Es ergab sich damit, daß für das Gelieger im allgemeinen die Waren des Nordostens nur in Nürnberg erreichbar waren. Allzuviel nahmen sie von ihm, wie sich zeigen wird, nicht auf, immei'hin erstanden sie Pelzwerk und Wachs. Seefische nur selten, der Schwabe liebt ja auch heute den Häring nicht, und in Ravensburg hielt man sich an die köstlichen Fische des Bodensees. Aber einzuführen hatte man um so mehr, wie wir das sehen werden. Vor allem hatte Safran, der ja noch heute im Osten viel verwendet wird, hier einen guten Markt, und das veranlaßte Nürnberger nun selbst nach Aragon zur Anlegung zu ziehen. 1 Vgl. Werminghof f, A., Conrad Celtis und sein Buch über Nürnberg (1921) S. 83, Anm. 1. Werminghoff hat die laudes Norimbergae vereinigt. m Ausdehnung. Art und Einrichtungen des Handels 451 Die Stadt hatte die Warenkontrolle konsequent ausgebildet. Für die Ravensburger kam besonders die Safranschau in Frage, die als älteste in Deutschland 1441 von der Stadt eingerichtet wurde. Die Veranlassung dazu gab, daß bei einem Ulmer Bürger Heerberger gefälschter Safran entdeckt wurde, den man verbrannte. Fortan mußte jeder Safran von den vereidigten Schauern (mindestens zweien) »eprüft und auf der Stadtwage gewogen werden. Es mußte auch jeder Safran nach seinem wirklichen Ursprung bezeichnet werden, und die älteste Ordnung führt auf: „Ort, lyonisch, zyman, tuschan, marck, pulnisch, spaniolisch, pronigeller und bellegier". Auch war eine Vermischung verboten. Gefälschter Safran wurde verbrannt, und den Verkäufer weiter zu bestrafen, stand beim Rate. Besondere Vorsicht ordnete die älteste Ordnung für Tuskan, Bellegier und Brunikell an. 1 Die spätere Zeit führte insofern eine Milderung ein, als der Sack, wenn Verkäufer und Käufer darüber einig waren, nicht getrennt oder zerschnitten werden brauchte und uur einer gewöhnlichen Schau unterzogen wurde. 2 In einem Lobgedicht auf Nürnberg heißt es: Des geleichen mit der spetzerey, Die man bringt auf grossen lesten Und verkoffet fremden gesten, Wie do der saffran komt im fei, Der dusca oder praunigkel, Kationisch ort und pelligir Muß ein yeder nach seiner zir Gantz ungevelschet sein geheur, Oder man strafft sy mit dem feur, Die straff hat manig man gesehen. 3 Die Art der Verpackung wird auf dem jüngeren Bude des Safranschauamtes in seiner Tätigkeit deutlich vor Augen geführt. 4 Die Ordnung wurde auch ausgeführt: 1444 wurde Jobst Findeker mit seinem Safran verbrannt, 1456 ebenso zwei Männer und eine Frau lebendig begraben, 1484 wurde wieder ein Mann verbrannt. 5 Zu den Sündern gehörte auch die Ravensburger Gesellschaft. Zum 30. Mai 1478 heißt es in den Ratsverlässen: „den falschen saffran der gesellschaft von Ravenspurg zuständig mit dem prand nach laut der statgesetz zu rechtvertigen." 6 Die Ravensburger genossen in Nürnberg keine Zollfreiheit. Warum gerade die oberschwäbischen Städte in dem Umkreise der Zollverträge eine Insel bilden, ist nicht festzustellen. Sollten gerade sie als Konkurrenten ausgeschlossen gewesen sein? St. Gallen stand allerdings schon vor 1387 mit Nürnberg im Vertrage. 7 1 Die Ordnung bei Baader, Nürnberger Polizeiverordnungen (Bibl. d. lit. Vereins 63), S. 136fr. 2 Der Absatz S. 139 ist wohl jünger. 3 Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte 3 (1858), 384. 4 Abgebildet" bei v. Schuh, S. 208. 5 ltoth, a. a. 0., 4, 223f. 8 Mitgeteilt von Ammann. In unseren Papieren findet sich keine Nachrieht davon. ' Außerdem Nördlingen und Donauwörth. 452 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V. Nürnberg. 2. Kap. § 70 m'i : ' I ■ War es dann ein Mittel, die Zollfreiheit doch dadurch zu erreichen, daß die Eavensburger Nürnberger Bürger in ihre Gesellschaft aufnahmen? Das Gästerecht gestaltete sich in Nürnberg immer freier. Zwar war der Eintritt in fremde Gesellschaften, ja der Kommissionshandel für Fremde noch in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts streng verboten, auch hatte noch keine fremde Firma ein eigenes Haus, und der Aufenthalt der Fremden war immer von der Gnade des Eates abhängig. Dann aber wurde der Kommissionshandel völlig freigegeben, der Anschluß an fremde Gesellschaften wurde geduldet, doch blieben die Waren dabei der Zollpflicht unterworfen. Doch da gab es ja eine allgemeine Ausnahme, was an Gut der Fremde für das Heütum einführte, unterlag nicht dem Zolle. Die Mederlegung der Waren in die städtischen Gebäude, wie Tuchhaus, wurde nur bei einigen Waren gefordert. Der Kleinhandel blieb aber dem Fremden dauernd versagt. Dieses von Müller entworfene Bild muß nun an der Hand der Quellen für die Eavensburger geprüft werden. Das Verbot des Eintritts in eine Gesellschaft wurde schon vor 1437 nicht beachtet, da hatte der Nürnberger Bürger Hanns Albrecht „seine Habe den Huntpeissen in ihre Gesellschaft getraut". 1 Später gehörte zu ihnen Jörg Koler (1474—1481 nachweisbar), vielleicht auch Bartholomäus Eigler (1497—1500). 2 In der Zeit, da Jörg Koler Teilhaber der Gesellschaft war, zahlte die Gesellschaften Zoll und Mut 86 fl, s frei waren also nur die zum Heiltum eingeführten Waren. Wenn man den Satz von 0,48 U (1484) neu auf den rheinischen Gulden anwendet, so waren diese Zollzahlungen = 179^. Der Eohertrag des Zolles betrug aber 1480 etwa 6267 t6 neu, 4 danach hätten die Eavensburger den 35. Teü der gesamten Zolleinnahmen getragen, doch ist wegen des Zusatzes Mut vielleicht noch etwas anderes eingerechnet. 5 1 Schulte 2, Nr. 385. Auf denselben Fall beziehen sich zwei weitere Einträge in die Brief bücher. Juli 1438 und Oktober 1439. Danach hatte Hans Albrecht an Anna Bewnderin und ihren Sohn Jos ein Legat von 200 fl gemacht, das die Vormünder der Erbschaft an dem in der Gesellschaft liegenden Hauptgute abzurechnen gestatten. Dann aber entstand Streit, und Nürnberg kam mit den Vormündern dahin überein, daß das strittige Geld hinter den Nürnberger Bürger Ulrich Stark gelegt und eine gütliche Einigung zustande gebracht werden solle. Kreisarch. Nürnberg, Briefbücher Nr.l3f. 195 u. 14f. 57 (mitgeteiltvon Ammann). 2 Man ist versucht, den in Genua und Venedig nachweisbaren Nürnberger Johann Breunlin zur Gesellschaft zu rechnen, und dafür böte eine solide Grundlage ein Brief des Herzogs von Mailand von 1486 (Heyd, Ravensb. Gesellsch., S. 72), wo es heißt: „Georgius Fucer, Petrus Vacus, Johannes Burlinus et Nofrius Humpis, qui ex societate magna Alamanie esse videntur." Allein dann müßte man auch zur Gesellschaft Georg Fugger und Peter von Watt rechnen, was ausgeschlossen ist, und dann steht der namengebende Leiter der Gesellschaft, Noffre Humpis an letzter Stelle. So wage ich nicht mehr, den Breunlin zur Gesellschaft zu rechnen. 3 3, 354. 4 Mittel zwischen den von Sander, S. 786, mitgeteilten Zahlen von 1478 und 1482. s Besonders berechnet ist Schaugeld für Safran und Saigerkupfer, Wägegeld, auch für Silber, Kürnt und Korallen. 1 Nürnberger als Gesellen. Ravensburger in Niederscblesien und Polen 453 Wie die Zollfreiheit von St. Gallen beweist, hatten Leinenhändler aus Schwaben schon 1387 den Weg nach Nürnberg gefunden. Das älteste Zeugnis für Ravensburger führt uns sehr weit nach Osten, weit über Nürnberg hinaus und setzt ein Gelieger in dieser Stadt voraus. Am 8. Januar 1427 schreibt Nürnberg an die Boten der schwäbischen Reichsstädte zu Ulm, sie hätten wegen der Beraubung der Bürger von Ravensburg in Schlesien geschrieben. Wegen der dort geschädigten Nürnberger hätten sie schon vor drei Wochen eine Botschaft geschickt und ihr aufgetragen, auch die Sache der übrigen zu vertreten. 1 Wenn hier nicht ausdrücklich von der Gesellschaft die Rede ist, so ist das elf Jahre später der Fall. Damals dankte die Stadt Nürnberg der Stadt Breslau für ihre Bemühungen wegen der Beraubung durch den Herzog von Sagan (Johann I. [gest. 1439], dem die Geschichte den Beinamen der Wüterich gab). So hat uns denn, schreiben die Nürnberger weiter: ,,Jörg von Kur, der Humpis von Ravensburg und irer gesellschaft diener fürbracht, wie er den so von der habe wegen, die seinr herschafft daselbs genomen sei worden, in obge- schriebener weise auch gern nachkomen wele und hat uns gebetten, eurer Weisheit das auch zu verkünden und darüber zu bitten". 2 Das Herzogtum Sagan wird nicht etwa von dem Wege nach Schlesien durchschnitten. Es weist vielmehr auf den zum Oderübergange von Glogau, dann weiter über Fraustadt nach Posen. Die Stapelrechte von Frankfurt a. d. Oder und Breslau hatten bis dahin den Paß von Glogau den Kaufleuten gesperrt, bis im Anfange des 15. Jahrhunderts diese Sperre durchbrochen wurde. Der nächste größere Markt war Posen, das sein Stapelrecht behauptete und auch drei Messen entwickelte. Weiter hinein hätten Gnesen und Lublin gewinkt. Ich könnte mir denken, daß die Gesellschaft ihren Safran bis so weit in den Osten, der viel von der Ware brauchte, selbst vertreiben wollte, um dort vielleicht auch Pelzwerk einzukaufen. Das ist keine so ganz leere Vermutung, denn das St. Galler Kaufhaus von Watt ist von 1495 an in Posen nachweisbar und verkaufte St. Galler Leinwand, Safran, Spezereien und wohl auch anderes, ja ein Zweig der von Watt siedelte sich in Posen an. 3 In der sonstigen Einfuhr aus Oberdeutschland erscheinen dort auch Barchente von Ulm und Zwillich. Die Hauptausfuhr bestand in Pelzwaren, Leder und Wachs, abgesehen von Vieh, das aber die Ravensburger sicher beiseite ließen. In diesem Zusammenhange wird nun auch die früher bei Per- pignan behandelte Urkunde von 1448 verständlicher. Damals legte 1 Nürnberg, Kreisarchiv, Briefbücher 7, 131 (Mitteilung von Dr. Ammann). - Nürnberg, Kreisarchiv, Briefbüoher 13, fol. 152, 28. April 1438 (Mitteilung von Dr. Ammann). Vgl. auch Deutsche Reichstagsakten, Bd. 13, 136 (mitgeteilt vom Herausgeber Prof. Beckmann). 3 Schleese, Die Handelsbeziehungen Oberdeutschlands, insbesondere Nürnbergs, zu Posen im Ausgang des Mittelalters. Greifswalder Dissert. 1915 (auch Zeitechr. d. hist. Ges. für die Provinz Posen). ! m I 454 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V. Nürnberg. 2. Kap. § 70 ein Bürger aus Fraustadt in Posen in der Hauptstadt von Eoussillon Geld bei der Gesellschaft an, das von den Nürnbergern Leonhard Eeuthammer und Hanns Garthener und ihren Gesellschaften zu Breslau für die Humpis in Empfang genommen wurde. Das beweist, daß diese damals in Breslau kein Gelieger hatten, aber auch wohl schwerlich in Posen, wiewohl die Gesellschaft sehr selten Waren über ihre Gelieger hinaus in fremde Staaten entsandte. An einem Besuch der Posener Märkte muß man für die Zeit der Hochblüte der Gesellschaft festhalten. Ist unsere Vermutung richtig, so muß die Gesellschaft, die ihre Linie von Posen bis in das Königreich Aragonien zu erstrecken wagte, auch Leute gehabt haben, die der polnischen Sprache nicht ganz unkundig waren, und da denkt man doch zunächst an den Nürnberger Mitgesellen Hans Albrecht. Aus den nächsten Jahrzehnten fließen die Quellen nur spärlich. In dem Jahre 1437 war ein verstorbener Bürger von Lübeck, Hans Eess, der Gesellschaft 690 fl 5 ß 2 hl schuldig, und damals war neben dem uns schon bekannten Jörg von Kur auch Burkart Geltwyler Vertreter der Gesellschaft in Nürnberg. 1 Es ist doch wohl das beste Zeugnis für die Stellung der Humpis in Nürnberg, daß bei dem äußerst ärgerlichen Streite, der 1450 in der Handelsgesellschaft Arzt- Gossembrot-Ullstatt-Paumgartner ausgebrochen war, und an dem auch finanziell die Stadt Nürnberg interessiert war, zur Prüfung der beiseite geschafften Eechnungsbücher 1453 Ludwig Meuting und Klaus Grander von Augsburg, von Nördlingen Heinrich Müllner, von Memmingen Erhard Vöhlin und der Eavensburger Jos Humpis bestellt wurden. 2 1453 hatte der Stadt Bern Hans Illesun, Josen Humpis Gesellschaft Diener, „Zeug und Salpeter" gekauft. 3 In demselben Jahre schickte die Gesellschaft an ihren Berner Kommissionär Hans Franklin fünf Quittungen von Nürnberg für die Stadt. 4 Die Gräfin Ursula von Montfort schrieb 1462 an Johannes Füchten, Schreiber zu Nürnberg, um einen Bericht „und was du uns deshalb schriben wellest, das sende uns na der gesell- schaft in Eavenspurg. Da wirdt es uns allwegen wol". 5 Dann war Ottmar Schlaipfer, der uns wohlbekannte Geselle und Altbürgermeister von St. Gallen, Vermittler in einem in Nürnberg anhängigen Prozesse. 6 Über diese Handelstätigkeit in Posen führt noch erheblich hinaus ein im Jahre 1448 abgeschlossenes Geschäft, das freilich zu Venedig zustande kam, aber doch nur verständlich ist, wenn der Venezianer 1 Schulte 2, Nr. 368. Die Urkunde ist öfter falsch als zu 1419 gehörig angeführt. 2 Krag, Wilhelm, Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg (Münchener Dissert. 1914), S. 25, Anm. 3. 3 Quittung des Hans Müller, Bürgers von Nürnberg, Staatsarchiv Bern, Varia III (Ammann). Auch 1479 übermittelte Bern durch einen Wechsel Geld an die Humpis, Deutsche Missiven D 189 (Ammann). * 3, 491. 6 Nürnberg, Kreisarchiv, Siebenfaches Alphabet 6, 101/02, 3002 (Ammann). 6 Ebenda 102/02, 3427 (Ammann). ■HMMMU Weitere Tätigkeit» Der Hochmeister in Preußen 455 Faktor der Ansicht war, die Einlösung im fernen Deutschenordenslande zu erreichen. 1 Der Hochmeister des Deutschen Ordens, Konrad von Ellrichshausen, hatte es glücklich an der Kurie erreicht, daß sein Kaplan, Sylvester Stodewäscher, zum Erzbischof von Eiga vom Papste ernannt wurde. Der in Eom weilende Oberprokurator, Jodo- kus Hohenstein, hatte nun die sehr erheblichen Sportein, von denen allein die Servitientaxe 800 fl ausmachte, sofort zu bezahlen, seine eigenen Geldmittel reichten nicht aus und die Kreditbriefe enthielten nicht die in Italien üblichen Sicherungsformeln, es war also ihm nicht möglich, in Eom die Gelder aufzubringen; aber wenigstens fand sich ein Venezianer, Jacob Bentschy, 2 bereit, die von der Kurie ausgelieferten Dokumente nach Venedig zu bringen, und dort übernahm es der Faktor der Gesellschaft, Hans Griesinger, die Summe von 2500 Dukaten vorzustrecken. Allerdings unter sehr schweren Bedingungen. Das Haus der Deutschritter in Eom (im Werte von 2000 fl) mußte der Gesellschaft verpfändet werden, der Prokurator und andere Gönner des Ordens (päpstl. Bullenschreiber) Ehre, Gut und Treue, auch ihre Ämter den Kaufleuten von Eavensburg versetzen, und die Konfirmationsbriefe bei ihnen hinterlegen und innerhalb 6 Monaten, d. h. bis zum Sonntag Eeminiscere (9. März) die Summe von 2500 Dukaten in der entsprechenden Summe von rheinischen Gulden an die Vertreter der Gesellschaf t zu Nürnberg, Oswald Morgen und Hans Hillenson, bezahlen. Diese hatten erklärt, daß wenn die Summe nicht bis zum Termine erlegt werde, sie die Briefe zurück nach Venedig und von da weiter gen Eom schicken würden, was, wie der Hochmeister meinte, dem Orden zu großer Schande und unverwindlichem Schaden gedeihen könne. Das feste Auftreten der Gläubiger hatte Erfolg. Der Hochmeister wollte die 3500 rh fl von Marienburg durch Überkauf (Wechsel) nach Nürnberg übermitteln, das bare Metall aber sollte der Ordensmeister von Livland sofort nach Marienburg übersenden, 3 aber, da dieser mit Nowgorod im Kriege lag, so war dazu wenig Hoffnung, auch drängte die Zeit. Da der Hochmeister aber nicht selbst des Geldes hatte, so entschloß er sich, von den in Pommerellen gesammelten, der Kurie zustehenden Peterspfennig- und Ablaßgeldern 3500 rh fl zu entnehmen, obwohl auch die von der päpstlichen Kurie schon hart eingefordert waren. Er stopfte das eine Loch, um ein zweites aufzumachen. Diesen Betrag nahm aber der nun eigens nach Nürnberg entsandte Pfarrer von Danzig Andreas Kunisch nicht in bar mit, der mit zwei Pferden und 100 fl Zehrung ritt, sondern er hatte drei Wechsel: einen über 1000 fl lautenden des Danziger Bürgers Jacob Hasart an Siegmund Geyer und Kunz Guldemundel und ihre Gesell- 1 Vgl. Liv-, est- und kurländisches ürkundenbuck, Bd. 10, Nr. 522. 523. 526. 530. 535. 539. 546. 552. 554 und die Einleitung, S.XLVIfl. 2 Nr. 554. 3 Nr. 530 vom 2. Jan. 456 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V.Nürnberg. 2. Kap. § 70. 71 lllii schaft, 1000 fi wurden an zwei Bruder Holthusen eingezahlt, 1500 fi an Hans Kerstan; diese beiden Summen sollte Klaus Hartmann, Hans Kirstans „Lieger" in Nürnberg, dort ausbezahlen. Sollte aber es nicht zur Auszahlung kommen, so erhielten der Pfarrer, der Komthur, Hauskomthur und Spitteler zu Nürnberg die Vollmacht, die Summe bei Christen oder Juden aufzunehmen. 1 Der Termin war noch nicht angebrochen, da zahlte Andreas Kunisch am 1. März zu Nürnberg an Oswald Morgen und Hans Leutin, Josen und Eitel Humpis zu Ravensburg und ihrer Gesellschaft Diener, den Betrag von 2500 Dukaten in rheinischen Gulden aus und erhielt die päpstlichen Briefe. 2 Wenn die ganze Sache auch nur eine einmalige Verbindung nach Preußen hin beweist, so zeigt sie doch eine überraschende Tätigkeit der Gesellschaft. Ob die Gesellschaft dabei Zinsen nahm, ist nicht festzustellen, da wir ja gar nicht den genauen Betrag der rheinischen Gulden kennen, und auch wenn wir ihn wüßten, so war es ein leichtes Spiel, den Zins zu verstecken. t Es sind nur wenige Dokumente, welche die Tätigkeit der Gesellschaft in einer Richtung zeigen, die später die Nürnberger Kauf- leute energisch weiter über Leipzig, Posen und Kowno ausbauten und damit der Hansa einen Teil ihres alten osteuropäischen Handelsverkehrs nahmen und nach dem kontinentalen Leipzig leiteten. In diese Zeit hinein ragt auch der Anfang eines langwierigen Prozesses gegen Gerhaus, Seitz Mülfelds Witwe, den Frick Humpis — also sicher vor 1474 — wegen Schuldforderungen anstrengte. Er war dann vor das Kammergericht gekommen und hatte auch die Beschlagnahme des Heiratsgutes zur Folge. Auch in Augsburg war die Sache verhandelt worden. Der Beklagten war noch 1481 das Urteil nicht bekannt gegeben, und noch 1483 stellte sie den Vertretern der Gesellschaft Lutz Geßler und Hans Sälder neue Anwälte entgegen. 3 Damit sind wir in die Zeiten gelangt, in denen uns Material der Gesellschaft selbst zur Verfügung steht. § 71. Warenbestände. Abgang. Berichte über einzelne Jahre. Anleihen bei Nürnbergern in Lyon und anderswo. Kunden. Schuldner. Schulden an fremden Orten. Der Fall Starzedel-Rußwurm. Goldbergwerk in Reichenstein. Der Bildhauer Veit Stoß. Unsere Betrachtung kehrt, da sie sich nun den späteren Zeiten zuwendet, noch einmal zu dem Jahre 1479/80 zurück, zu der Lutz- schen Rechnung, die schon oben behandelt wurde. 4 Es kamen ein- 1 Nr. 539 und Anna. 2 Nr. 554 nach Abschrift: die Quittung des Pfarrers. Auch die der beiden Ravensburger ist in Abschrift erhalten. 3 Schreiben der Stadt Nürnberg an Kaiser Friedrich vom 11. Jan. 1481. Kreisarchiv Nürnberg, Briefbücher 67, fol. 163 (Ammann), und Schulte 2, Nr. 393. 4 S. 428—434. Betrieb des Handels der Gesellschaft in Nürnberg 457 schließlich des Bestandes nach Nürnberg 3619 & Ortsafran, verkauft wurden 2574$, es blieben übrig rund 429$, der Best war wohl in Frankfurt an den Mann gebracht worden. Lyoneser Safran kamen 680$, verkauft wurden 550$, der Eest ist nicht nachzuweisen. Von den 620 $ Tuschgan wurden 377$ in Nürnberg, das übrigein Frankfurt an den Mann gebracht. Bei Zucker beläuft sich der Bestand und die Zufuhr auf 20 rubb Kandi, 60 Kisten fein und 12 mastures. Den Verkauf von 464 $ Zucker Kandi und 1497 $ sonst kann man nachweisen. Es blieben 62 Nürnb. $ Zucker Kandi übrig. Das Geschick der 12 Stück Bavensburger Leinwand (welsch weiß) bleibt unsicher. Die 522 Stück blauen Gugler gingen völlig ab, ebenso die 338 Nürnb. $ Weinbeeren, und die 3 Quintal 15 $ Beis. Von den 194 Stück Arras wurden 116 verkauft. Die Quanten der Korallen kann man nicht sicher ausrechnen, ein kleiner Bestand blieb übrig, ebenso steht es bei der Baumwolle. Bei den Metallen steht Kupfer voran: Saigerkupfer 10 q'j 41$, geschlagen Kupfer 80 q l ? 28 $, Oschenburger 10 q l j 20 $ und 1 q l j 70 $ Kupferdraht. Das sind zusammen 202 q l j 59$. Übrig blieben 75$ Saigerkupfer und 32 geschlagen Kupfer. An Tafel- und Haumessing 20 q'j 38y 2 $, an Messingschüsseln 2 q l j 96%$, an Messingdraht 6 q'j 95y 2 $, zusammen 30 q'3 30%$, dazu 6 schwere Kanten. Der Bestand weist nichts nach. Von dem Ebensdorfer Zinn(= 12 q? 73%$) blieben 4 q'j 44 $ auf Lager. An Silber hatte man ein altes Stück, das weiter liegen blieb, aber 478 Mark 12 Lot wurden abtransportiert. Ebenso 18 650 Stück Blech, 3 q l 3 Markgewicht, 575 Lichter und 198 Dutzend Bürsten. Von dem Wachs wurden 74 q'j erworben, ich finde aber nur den Transport von 22 Ballen. Aus anderen Jahren haben wir nun wenige knappe Bestandsangaben und meistens aus den stillsten Zeiten: 1478 Oktober waren 2 Stümpfe Ort, 5 Kisten Zucker, 100 Stück Arras da. 1 1479 hatte man überhaupt nur bei 120 Stück Arras, 4 Maß Korallen und 4 Kisten Zucker. 2 Im Juni desselben Jahres waren von der Nördlinger Messe auf Lager 5 Ballen Ort, 3 Säcke Zima, 4 Kisten Zucker, 1 Ballen Gugler und 10 $ Korallen. 3 1504 hatte man am 19. Mai 4 Ballen Ort, 5 Sack Galläpfel, 19 Stück Samt, 1 Stück Damast, 3 Mäßle Perlen, 163$ Unzgold, 7$ Unzsilber, 18 Tuche, 19 englische, 8 Stamete, 25 Arras und 6 Schamlot. 4 In diesem Jahre (1504) war die Lage trostlos. Der Erbfolgekrieg über Bayern-Landshut war ausgebrochen, der schließlich ja der Beichsstadt eine wesentliche Erweiterung ihres Landbesitzes einbrachte, zunächst aber sehr bedeutende Anstrengungen erheischte und bei der Ausdehnung des Krieges und seines Schauplatzes den Handel nach fast allen Seiten lahmlegte. Die Verbindung mit den schwäbischen Reichsstädten war im Mai zwar offen und blieb es wohl auch. Doch jedermann war erschrocken, die Geschäfte stockten i 3, 337. 2 3, 338. 3 3, 340. 4 3, 389. 458 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V. Nürnberg. 2. Kap. § 71 ■L 111 Hü SP«! völlig, die Eavensburger hatten zwar nicht viel Gut auf Lager, und doch erschien es ihnen als zu viel. Jedermann sagte, daß es im Schottenkriege so bös nicht gewesen sei. Kunz Schott hatte Ende 1498 eine Fehde gegen Nürnberg begonnen, bis Ostern 1500 hatte die Fehde gegen den brutalen Adligen gedauert und den Handelsverkehr stillgelegt. Jetzt hatte die Gesellschaft zwar 20 695 fl ausstehen, aber die Zahlungen waren ganz böse. Man hatte zwar eben noch 1170 fl nach Bavensburg abgeführt, damit aber müßten sie sich eine Zeitlang behelfen. „Kämen Wechsel von Lyon, von Klaus im Steinhause, von Euch oder anderswoher, wir hätten nicht 10 fl an Gold im Hause." Einer, der sich richtig dünkt, schämt sich nicht, ein Vierteljahr über die Zeit seiner Zahlung zu verziehen. Die Gesellen glaubten irrig, daß das nicht lange währen werde, und hofften wenigstens durch den Verkauf ihres schlechten Safrans wieder zu etwas Geld zu kommen. Gerade dieser Brief 1 zeugt davon, wie stark eine Fehde und gar ein solcher Krieg in die Verhältnisse einer Handelsstadt eingriff. Die Wende des Jahrhunderts hatte für Nürnberg auch noch den schweren Kampf mit den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach gebracht. Über den Zustand des Geliegers unmittelbar nach dem Beginne des Heiltumes von 1507 gibt ein Bericht Gabriel Geßlers Auskunft. 2 Er rechnete auf Zahlungsverpflichtungen in der Höhe von 4000 fl und hoffte noch einen Überschuß von 500 fl zu erzielen. Da hatte er mit Schuldzahlungen zu rechnen, hatte soeben etwas Safran, Onz- gold (für beinahe 400 fl), Zahlperlen (für 787 fl), einen Ballen Gugler und anderes verkauft und verfügte über 54 Stück Schamlot, 3 Stück Damast, 19 Samt, auch über Stamete, 2 Säcke Gewürznelken, ein wenig Korallen, Alaun und 49 U Onzgold und 19 Onzsilber und anderes. Auffallend ist das starke Interesse für schwäbische Leinwand, deren Einfuhr Geßler empfahl. Im Einkaufen wollte man sich ganz nach den Aufträgen richten. Aus dem Jahre 1527 kommt hier ein vom 19. April bis 28. Juni reichendes Ankunftsbuch in Betracht. 3 Das gibt freilich nur sechs Sendungen an. Von Genua kamen 54 Stück Samt in einem Werte von 2683 fl, von Mailand Onzgold im Werte von 1793 fl und Borten für 1086 fl. Die Anzahl und der Preis der von Wien gesendeten Zobelfelle ist nicht zu ersehen, und von Antwerpen kam nur eine unbedeutende Sendung, von Schwaben selbst nichts. Die Eavensburger nahmen von Nürnbergern vielfach Geld in Lyon auf, ein Beweis, daß diese dort mehr einführten, als von dort ausführten. Nach dem früher Gesagten ist es begreiflich, daß es vielfach Patrizier waren, die dort auftauchten, doch keineswegs ausschließlich. _______________ 1 3, 388—390. 2 3, 393—397. 3 3, 398-^400. Handelsleben. Gläubiger, Schuldner und Kunden 459 Es erscheinen Endras Tucher (1480: 200 fl), Hans Tucher (1480: 200 +600 fl), Hans Wagner (1480: 500 fl), Ergel oder Schürstab (1478: 1000 fl), Lukas Fugger (1478: 400 fl), Schlüsselberger (1513: 500 fl). Auch war Nürnberger Geld für in Flandern gegebenes zu ersetzen: Heinrich Groß (1480: 200 11).— Ebenso zu Mailand an Lienhart Humbel (1480: 100 fl). Eür 1480 liefert die Eechnung auch eine Übersicht über die Nürnberger Kunden. Aus den Geschlechtern finde ich da Nikolaus Groß, einen Topler, Hans und Erhard Zinner, Veit Schlebitzer. Von den vielen sonst genannten hebe ich hervor Fleischmann, mehrere Zinner, den Spezereihändler Eosentaler, dessen Bildnis oben erwähnt ist, Hans Amelrich, Ulrich Botmund, die bedeutenden Kunden Peter Morstorf, Endras Beich, Kieffhaber, dann Peter Necker, Christoph Scheurl, den Vater des berühmten Politikers der Eeformationszeit, den weitgereisten Wilhelm Hirschvogel, einen Surmann und Siegmund örtlin. Am genauesten sind wir über Nürnberger Schuldner unterrichtet. 1479 erscheinen z. B. Veit Schlebitzer, Heinrich Schlüsselfelder und Christoph Krebser. 1500 war Jeronimus Behaim ein Schuldner der Gesellschaft; 1 bei Cunrat Panhanter, der übrigens vielleicht kein Nürnberger war, wurde die Gesellschaft 1502 gebeten, einem Vertrage der anderen Gläubiger beizutreten. 2 Für 1504 haben nir ein genaues Verzeichnis, das in 106 Posten an guten Schulden 20695 fl 11 ß 4 hl aufführt. Es ist wohl kein Zweifel, daß es auch Frankfurter Schuldner einschließt. An Nürnberger Patriziern finde ich Gabriel Nützel und Gesellschaft, Sebald sowie Wolff und Jörg Kötzel und Sebald Krell; als Nürnberger glaube ich weiter Jakob Granetly, Hans Helcher, Ulrich Hofmann, Hans Koch, Hans Schweinfur-ter und Sebald Spalter bezeichnen zu dürfen. 1511 erkannte die Witwe des Hans Helchner (gest. 1511) die Schuid bei Hans und Conrad den Humpis Gevettern und ihrer Gesellschaft nicht an, man mußte ans Stadtgericht gehen. 3 Studenten von Leipzig (Jacob Lechre und Johann von Nidegg von Lindau) hatten einen Bückhalt in Nürnberg, wie solche von Pavia in Mailand. 4 Bei den Schuldverzeichnissen begegnen uns manchmal Schuldner aus fremden Orten. So steht in der Eechnung Gabriel Geßlers von 1479/80: David von Neumarkt (Oberpfalz), Claus von Schweinfurt, Peter Eberhard von Posen (oder Bozen), Hans Oppenhoffer (Openz- hofer) von St. Gallen, Hans Aßmus (von Würzburg), Eitel Werlin von Ulm, Kilian Schar von Würzburg, Stephan Seckler von Zell, unter den zweifelhaften Tanbele (Tanbalten) von München. 1 Libri literarum 16, fol. 168 (Ämmann). 2 Kreisarchiv, Briefbücher 49, fol. 67 und 68 (Ammann). 3 Briefbücher 67, fol. 83 (Ammann). Über die Helchner vgl. Anton Tuchers Haushaltungsbuch Bibl. d. lit. Ver. Stuttgart, Bd. 134, 139. * 3, 350. . ISÜ 460 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V. Nürnberg. 2. Kap. § 71 Ist bei diesem Verzeichnisse es schon zweifelhaft, ob die Schulden in Nürnberg oder Frankfurt gemacht wurden, so ist es bei dem versprengten Schuldbuch von 1515 noch mehr der Fall. Da stehen Heinrich Hiller von Landshut, Hans Frund von Berlin, von Straßburg: Hans und Friedrich Ingold und Lienhard von Delft, Melchior Kröpflin und Jörg Braunweiler von Köln, Andres Hornung von Leipzig, endlich Mathias Kramer von Saulgau. 1 Der ortskundige Geschichtsfreund wird noch manchen anderen Namen feststellen können. Andere Nachrichten über Schuldner an fremden Orten ergänzen das Bild. Heinrich Wyer ritt 1477 dem Schweinfurt nach Leipzig nach und von Hans Krebses Schuld wegen dreimal nach Begens- burg, 2 ebenso mußte deshalb Lutz Geßler nach Würzburg reiten. 3 Dort waren 1479 Fritz Schöpfer Erben rund 56?tf schuldig. 4 1500 hatte Antoni Prendler, Bürger zu Krakau, der Gesellschaft 330 fl für Waren zu zahlen, die er in der nächsten Fastenmesse und den drei folgenden Herbstmessen zu Frankfurt zu berichtigen hatte. 5 1502 bekannten sich die Nürnberger Hieronymus Hofmann, sein Vater und seine Frau dazu, den Gläubigern des verstorbenen Bu- dolf Wirt, Bürgers zu St. Gallen, darunter Hansen Humpis Gesellschaft 120 fl zu schulden. 6 Im gleichen Jahre bestellte die Gesellschaft (vertreten durch Jörg Bader und Oswald Kröll) Jacob Welser zu ihrem Vertreter beim Eintreiben einer Schuld des Bernhard Kotwich zu Leipzig. 7 Früher habe ich die Ansicht vertreten, daß die Bavensburger Gesellschaft doch nicht völlig sich der Entwicklung versagt habe, welche große und wagelustige Kaufleute von Augsburg und Nürnberg in -den Bergbau verlockte, wo sie große Gewinne machten. Die Bavensburger hätten, so glaubte ich schließen zu müssen, sich an dem Goldbergbau von Beichenstein in der Grafschaft Glatz aus freien Stücken beteiligt. Allein die Vorgeschichte, die damals mir unbekannt war, macht es sehr wahrscheinlich, daß die ganze Sache sich als Versuch entpuppt, eine alte Schuld doch noch einzubringen. 8 Im Jahre 1503 entwichen aus Nürnberg drei Kaufleute, Hans Starzedel und Fritz und Otto Bußwurm, die zusammen eine Gesellschaft bildeten. In der Kunstgeschichte ist dieser Streit deshalb 1 3, 397 f. 2 3, 331. 3 3, 331. 4 3, 341. 5 Stadtarchiv Nürnberg, Libri litte- rarum 16, 185 (Ammann). 6 Ebenda 18,fol. 109 (Ammann). 7 Ebenda 18,fol. 178 (Ammann) Vgl. Schulte 2, Nr. 395. 8 Die Hauptquellen sind die im Cod. diplom. Silesiae 20, Nr. 302, 328—331, gedruckten Urkunden, die für den Streit zwischen Veit Stoß und Starzedel bei Loßnitzer, Veit Stoß (1912), Auskunft geben. Eine weitere Ergänzung würde noch Nürnberg, Stadtarchiv, Briefbuch 26, fol. 31 vom 31. Juli 1510, bieten. Zur Sache vgl. auch Fink, Die Bergwerksunternehmungen der Fugger in Schlesien, Zeitschrift d. Ver. f. schles. Gesch. 28, 309. Faulhaber, Beitrag z. Gesch. d. Keichensteiner Goldproduktion 31, 200ff. Schulte 1, 637, und 2, Nr. 396. Chroniken der deutschen Städte, Nürnberg 5, 667 f. SSfi Schuldner. Das Goldbergwerk in Reichenstein 461 bekannt und näher untersucht worden, weil Veit Stoß, der 1265 Gulden die er nicht „feiern lassen wollte", in die Gesellschaft Starzedels gelegt hatte und, um sein Geld zu retten, zu einer Urkundenfälschung griff. Zur Strafe wurden ihm vom Henker die beiden Wangen mit einem glühenden Eisen durchstoßen, auch mußte er schwören, niemals die Stadt zu verlassen. Die weiteren Peripetien des „Trummer- handels" und des Lebens des Veit Stoß gehören nicht hierher, nur das ist zu betonen, daß auch der große Bildhauer 1513 zu den Eigentümern des Eeichensteiner Goldbergwerkes gehörte. Hans Starzedel und Fritz Eußwurm erscheinen 1504 als Bürger von Breslau und unter den Hüttenherren des Goldbergwerkes zu Eeichenstein in der Grafschaft Glatz. 1 Sechs Jahre später erfahren wir, daß die Gläubiger Starzedels und Otto Eußwurms von ihnen die Bergwerke auf dem Eeichenstein samt den Hütten und Häusern zur Vergnügung ihrer Schuld in brieflicher Stipulation angenommen haben. Das ist allerdings die von den Gläubigern bestrittene, von dem Berggericht aber aufrechterhaltene Meinung der Landesherren, der Herzöge Albrecht und Karl zu Münsterberg. Die Gläubiger hatten sich an das Eeichskammergericht gewendet und verlangten Einhaltung der Vorladung durch das Berggericht. Das macht doch den Eindruck, als sei Starzedel darauf aus gewesen, ältere Schulden durch die Überlassung des Anteils an dem Geldbergwerke, der bald darauf auf 6476 fl geschätzt wurde, abzustoßen; die Gläubiger aber versprachen sich von dem „ungebauten" Bergwerke keinen Nutzen. Als Gläubiger treten klar hervor die Augsburger Antoni Welser und seine Gesellschaft, Endres Grander und seine Gesellschaft, Christoph Herwart, Thomas Lang, Anton Bimmel, von Nürnberg Peter Imhoff und Brüder, Lienhart Hirschvogel und sein Bruder, Hans Baumgartner, Sebald Scheiteln, Leonhard und Paul Gerung, Konrad und Berthold Bufler wohl von Isny. Dann kommen der wohl nach Kempten gehörige Ulrich Schedler und Hans Hümpis von Eavensburg und seine Gesellschaft, für die ihr Nürnberger Faktor Jörg Bader eintrat, und Veit Stoß — der Künstler —, Wunko Eomannde und Heinrich von Zoring (Zürich 1 ?), die ich nicht sicher unterbringen kann. So lange man nicht den Starzedelschen Handel in Nürnberg heranzog, konnte man glauben, diese Gesellschaften hätten sich zu dem Bergsegen von Eeichenstein gedrängt, heute ist es mir nicht zweifelhaft, daß alle diese Gläubiger ihre zweifelhaften Schuldner wegen ihrer Ausstände, die in der Nürnberger Zeit entstanden waren, in Schlesien verfolgten und dort einen Augenblick in dem Eeichensteiner Bergwerk eine Deckung gefunden zu haben glaubten, die ihnen aber bald zweifelhaft erschien, und in dem entstandenen Streite appellierten sie an das Eeichsk ammerge richt. _____ __ 1 Cod. diplom. Silesiae 20, 145. 462 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V.Nürnberg. 2. Kap. §71.72 « Im November 1510 kam es zwischen den drei Parteien, dem Herzoge von Münsterberg, den Schuldnern und einem Teile der Gläubiger — den Gesellschaften Welser-Vöhlin, Grander, Hirschvogel, Imhoff, Gerung, Buf ler und Humpis — zu einem Abschiede, wobei der Eavensburger Gesellschaft, die offenbar keine Vollmacht gegeben hatte, vorbehalten wurde, in dem Vertrage zu sein, oder nicht. Dieser Abschied sieht für die Gläubiger schlecht genug aus; denn, wenn auch der Herzog auf seine Ansprüche verzichtet, alle Befehle gegen die Gesellschaften zurücknimmt und sie und ihre Habe auf zehn Jahre in seinen Schutz und Schirm nimmt, auch etwaigen Schaden, der schon entstanden war, übernimmt, so müssen die Gesellschaften doch dem Herzog eine namhafte Summe Geldes und seiner Gattin 14 Ellen Samt zu einem Kleide schenken. Nicht genug damit, die Gesellschaften müssen ihren Schuldnern gegenüber auf alle Ansprüche verzichten und Quittung geben. Einen so scheinbar ungünstigen Vertrag hatte zuwege gebracht der Dr. Christoph Scheurl von Nürnberg als Gesandter des Kurfürsten Friedrich von Sachsen und der aus Nürnberg stammende Breslauer Bürger Kunz Sauermann. Er wäre geradezu ein Bätsei, wenn nicht ein zur Sache gehöriger Akt, die Überschrift trüge: „Hernach volget, wie die Puggerischen ir hüetten zu sich bracht und ire annkonfft haben." 1 Schon seit 1502 hatten die Fugger Anteile an dem Beichensteiner Bergwerk, es üegt doch sehr nahe anzunehmen, daß die Fugger die Anteile Starzedels, die den Gesellschaften überwiesen waren, diesen abkauften. Die Fugger hatten in Schlesien ein starkes Interesse, auch in Breslau eine dauernde Vertretung. 1511 erwarben sie größere Bechte und genossen dann längere Zeit die reichen Erträge. • Ob die Eavensburger den Vertrag annahmen, ist nicht überliefert. Veit Stoß hat noch viel später 1524 bis zu seinem Tode mit seinem Schuldner aber auch mit den Nürnberger Gläubigern gestritten, die mit Starzedel durch zwei Verträge verglichen worden waren. 2 M § 72. Einkauf bei Produzenten. Die eingekauften Waren. Einkäufe für Gesellen. Verkauf. Anteil der Ursprungsländer. Streit mit einem Gesellen. Unterbringung bei Ulrich Stark. Seine Söhne. Beim Einkauf wandte man sich möglichst an die Produzenten, so kaufte man Blech von den Zinner, die gerade als Blechverzinner nachzuweisen sind, Bürsten bei einem Bürstenbinder. In anderen Fällen ist es schwer festzustellen, ob ein Verleger die Waren Lieferte oder ein Handwerksmeister. Für Saiger Kupfer war Siegmund Furrer Lieferant, auch für Messing (neben einem anderen) 3 , und für Kupfer- 1 Cod. diplorn. Silesiae 20, Nr. 330. 2 Loßnitzer, S. LXVII—LXXII. Vgl. auch Zycha in Vierteljahrbuch f. S. u. Wirtschaftsg., 6, 116. 127. Jansen, Jak. Fugger, 191 f. 3 Er hatte ein Beckenwerk, Nürnberger Ratsverlässe 1, Nr. 478. H Der Bergwerkstreit. Einkauf 463 draht Hans Amelrich, geschlagenes Kupfer nahm man von dem Glockengießer, Wachs von Scheurl, der 1476 von Schlesien eingewandert war und diese Ware daher wohl liebte, Lichter von Lorenz Beham. Auch ein Verwandter des Breslauer Chronisten Peter Eschen- loer erscheint bei der Lieferung von Blech, die Familie betrieb das Schmiedehandwerk. In Nürnberg kaufte man an Lebensmitteln nur Schmer und das selten. Für die Bekleidung erwarb man nur Pelzwerk und ging auch da nicht tief ins Geschäft (1510 1527 Zobel, Marderzobel, 1507 almeschgß). Zum Teil hatte man Wünsche für Kunden. In Metallen und Metallwaren kam Nürnberg zu voller Geltung, und nach Südeuropa brachten sie davon erkleckliche Bestände. Der Kupferhandel war anfangs recht bedeutend, ebenso der in Zinn. Die Ausfuhr von Messing war beträchtlich, gelegentlich erwarb man Silber und Kürnt. Messingdraht erscheint oft und in größeren Quantitäten, Kupferdraht kommt einmal vor, Eisendraht bleibt fraglich, erheblich war auch die Ausfuhr von Blech. Becken, besonders Scherbecken, Schüsseln aus Zinn, Mark- und andere Gewichte wurden geführt. Was sich unter der merceria verbirgt, wissen wir nicht. Zieht man die Zollrechnungen von Barcelona heran, so verlängert sich erheblich die Liste. Bürsten dienten zur Verpackung, Schmirgel war in Italien begehrt, selten begegnet Lasur. Unerklärt bleiben copy zewen, kenuper, camals und jenisch coperta, für Private: Flaschen und saergan, bergkrye. Gibt dieses Büd nur die von der Gesellschaft getroffene Auswahl von Waren, die sie zu Abkaufen wünschten, so waren die Wünsche der Gesellen und Geschäftsfreunde weiter gerichtet und geben ein besseres Bild der Beichhaltigkeit des Nürnberger Marktes. An Lebensmitteln stehen die Spezereien voran, die man zum Teil in recht kleinen Quantitäten bezog: Macis, Galgan, Muskatnüsse, Paradieskörner, Pfeffer, Zimt, Ingwer erscheinen. Den Herren kaufte man Stockfische ein. An Bekleidungsstoffen kommen Arras, Linsche Tuche, Holländische Leinwand, Gemalte Tüchlein und weißes Garn vor. An Pelzwerk Lasicz. Der Stadt Bavensburg beschaffte man Zaingold — wollte sie münzen?—vor allem aber Schießwaffen, Hackenbüchsen, Schlangen, Handbüchsen, Mödel zum Gießen der Geschosse, Eisen und Blei. Aber auch adlige Freunde und Gesellen bestellten sich Feuerwaffen oder Krebse. Die Armbrust- wie die Büchsenschützen hatten auch Zinngeschirre nötig. Zinnschüsseln und Teller fanden auch andere Freunde, andere tauschten Mörser für die Küche ein. Weiter begegnen Schreibmesser für die eigene Schreibstube, Löffel, Messingzapfhähne, Leuchter, Flaschen, Nägel, Gewichte, Metallschilder für Grabsteine, Tafelsteine. 464 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V. Nürnberg. 2. Kap. § 72 HP Erheblich waren die Einkäufe in Wachs zum Wiederverkaufe. Lichter (Kerzen) oder Leuchter, ist nicht leicht zu unterscheiden. Bettfedern bestellte man mehrfach in Nürnberg. Man besorgte das Schneiden und Fassenlassen von Saphiren. Beim Verkaufe eigener Waren stehen die spanischen Waren anfangs im Vordergrunde des Handels. Der Ortsafran ging nicht häufig aus, vor allem während des Heütums fand er Käufer. Contrafet begegnet nur 1479. 1 Der Zucker ging noch 1480 von Hand, Weinbeeren und Eeis erscheinen nur dieses eine Mal, Korallen von Barcelona lassen sich auch nur so weit verfolgen. Aus Frankreich kam nur Lyoner Safran. Immer stärker entwickelte sich der Handel mit Italien, der gegen Ende den Hauptbestand bildete. Das wieder aufgenommene Ge- lieger von Genua lieferte anfangs vorwiegend Korallen, die freilich 1527, vielleicht durch Zufall fehlen. Perlen finden sich 1504 und 1507. Dann aber kamen mehr und mehr in Aufschwung Genueser Seidengewand: Samt und Damast hielten sich bis 1527. Taft erprobte man umsonst. Schamlot erscheint öfter. Wegen gesponnenem Gold wies man 1479 auf einen Konkurrenten hin. Onzgold kam auch von Genua. Wie weit das von 1497 an erscheinende Geschäft in Spezereien Nürnberg diente, ist im einzelnen unsicher, man verkaufte Gewürznelken, dachte sicher an Pfeffer und Ingwer, bezog vielleicht auch Galläpfel, Bhabarber, Lasur und ,,verlüffin". Seide führte man nur selten ein. Von Lucca brachte man Damaste zu Markt. Liegen bei Genua große Schwankungen in der Auswahl der Waren vor, so ist das anders bei Mailand. Zwar der Handel mit Safran wurde verlassen. Weder Tuschgan, noch Pulsch, noch der aus den Abruzzen geholte Zima erscheint im 16. Jahrhundert noch. Aber Onzgold blieb geführt, auch Stamete, Samte, weniger Damaste und Tuche von Como. Gezogenes Gold und Goldborten finden sich 1527. Das Eigenartigste ist, daß die Futterer von Nürnberg aus Mailand Eisendraht und Nadeln einführten und dieBavensburger erörterten, ob das nachzumachen sei. Aus Flandern wurde ununterbrochen Arras gebracht, gelegentlich Tuche (Thulisch, Amsterdamer), dann auch englische Tuche (und zwar schon 1445). Aus Schwaben kamen Golschen und Gugler zu Anfang und später. Leinwand ist nur zweimal mit kleinen Quantitäten vertreten. Baumwolle kam auch hier nur als Packmaterial mit. Papier wurde für einen Würzburger Kunden bestellt. Mit einem Gesellen, der wiederholt die Bechnung geführt hatte, kam die Gesellschaft in Differenzen. Da aber Jörg Bader Bürger von Nürnberg war, weigerte er sich nach Bavensburg zu kommen. Erst mußten Alexius Hilleson und Klemens Ankenreute, sowie der 1 Vgl. oben S. 451. Einkauf. Streit mit Bader. Der Wirt Ulrich Stark 465 ■ Konstanzer Ulrich Blarer vor dem Gerichte zu Nürnberg für sich, die Gesellschaft, alle ihre Mitgesellen, Anhänger und Händler der Gesellschaft ein freies Geleit nach Bavensburg und zurück zusichern, um vor der Gesellschaft die Anstöße gütlich zu vertragen. 1 Da übrigens Jörg niemals in den Listen über ganze und halbe Gewinnung, auch nicht außerhalb Nürnbergs erscheint, ist es nicht ausgeschlossen, daß er immer Bürger von Nürnberg war und nie eine Einlage bei der Gesellschaft hatte. Die Gesellschaft hatte sehr lange Zeit ihr Gelieger in dem Hause eines sehr bekannten und angesehenen Nürnberger Kaufmanns, bei Ulrich Stark. Er stand schon 1439 mit der Gesellschaft in Verbindung, 2 1444 aber wohnten bei ihm die Bavensburger sicher und das dauerte bis zu seinem 1478 erfolgten Tode. Auch seinen Söhnen blieb mindestens zunächst die Gesellschaft treu. 3 Das Haus läßt sich auch noch annähernd nachweisen. Es muß nach dem Baumeisterbuch (1464—1475) auf der St. Sebalder Seite etwa in der Straße „bei der Waag" oder in der Parallelstraße „bei den Augustinern", vielleicht auch in einer der Quergassen, also immer in guter Geschäftslage, nahe dem Markte und der Wage, gelegen haben. 4 Von Ulrichs Hand haben wir ein von 1426—1435 reichendes Hausbuch, das uns in sein Privatleben und auch in seine vielerlei Geschäfte Einbück verstattet. 5 Er zog nicht nach auswärts auf seinen Handel und war darum als Hausvater besonders angenehm. Er stand namentlich mit Kaufleuten aus Schwaben und vom Oberrhein in Verbindung. Die Gesellschaft zahlte für zwei Gewölbe und ein Stüblein 20 fl jährlich zu Walpurgi. 6 Er quittiert jährlich die Summe, und die Zahlung erfolgte 1444 durch Jörg von Chur, 1445 durch Jos Humpis, 1446 durch Hans Humpis, 1447, 1449, 1451 durch Oswald Morgen, 1450, 1453, 1454, 1456 und 1462 durch Hans Hillenson, 1459, 1461,1474 durch Jos Meyer, 1476 durch Heinz Weyer, 1478 durch Ludwig Boß. öfter hatte Stark eine Gegenrechnung, einmal nahm er ein englisches Tuch und einmal verrechnete er einen Weinzins. 7 .Aus seinem Hausbuch wissen wir, daß er neben Wolle, Textilwaren, Pretiosen, Gewürzen, Fastenspeisen auch mit Wein handelte: Bamberger, Österreicher und Bheinwein. Es ist verständlich, daß die Gesellschaft ihm in seinen alten Tagen Wein verehrte, und dazu schlug sein Nürnberger Hausbewohner alten roten Bheintaler oder Markdorfer von einem guten Jahre drei oder vier Eimer vor. 8 Sein Sohn Hans kaufte dann auch von der Gesellschaft Markdorfer. 9 Man stand offenbar vortrefflich 1 Stadtarchiv Nürnberg, Briefbücher 29, fol. 137 zu 25. Aug. 1515 (mitgeteilt von Ammann). Vgl. auch Anz. f. Kunde d. deutschen Vorzeit, 1873, S. 127. - Siehe oben S. 452. 3 3, 341. 4 Bibl. des liter. Vereins 64, 146. 5 Vgl. „Münch.Allg. Zeitung" 1901, Beil. Nr. 101. 6 3, 354. 7 Mitteilungen von Herrn Eeinh. Schaffer aus Kreisarchiv Nürnberg. Saalbücher, Nr. 285 c. d. e. 8 3, 332. Er bestellte aber auch für 16 fl Markdorfer, 3, 337. 9 3, 341. Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 30 ■ Mass HP 466 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V. Nürnberg. 2. 3. Kap. § 72. 73 mit dem biederen Vater und seinen tüchtigen Söhnen Ulrich und Hans, auch mit der Tochter Else, der man die Zinsen eines Renten- briefes in Nördlingeu besorgte. Von einem Enkel Ulrich haben wir Bilder in einer Silberstiftzeichnung Albrecht Dürers und auf einer der ältesten deutschen Medaillen. 1 Auch der Großvater hatte Interesse für die Kunst, er stiftete in die Sebalduskirche eine Wiederholung eines Gemäldes der Geburt Christi, umgeben von symbolischen Darstellungen. 2 Es ist nicht ausdrücklich bezeugt, daß „unser Wirt" auch die Gesellen verköstigte. Doch das ist sehr wahrscheinlich; dann erhielt er dafür für die Woche einen Gulden. 3 Doch wohnte Heinz Wyer 1472 bis 1474 bei dem Ravensburger Vertreter Jos Meyer und zahlte für die Woche 3 / 4 fl.« Drittes Kapitel. Nördlinger Messen § 73. Lage. Messen. Ihre Bedeutung. Die Gesellschaft auf ihnen. Kein Einkauf. Kaufzoll. ' Als Meßplatz war noch eine schwäbische Reichsstadt neben den fränkischen Städten Frankfurt und Nürnberg von Bedeutung: Nörd- lingen im Rieß. 5 Sie lag den Kaufleuten recht gelegen; denn dort kreuzten sich die Wege Frankfurt—Würzburg—Augsburg und von Nürnberg—Ulm—Bodensee. 6 Dazu kam, daß schon die 1219 erscheinende Messe an die Heiltumfahrt von Nürnberg sich anschloß, so daß eine zweite Nachmesse sich an die Frankfurter Ostermesse anhängte. Sie dauerte nach der Bestätigung durch Kaiser Siegmund (1434) vom Samstag nach Pfingsten an 14 Tage. Karl V. gewährte 1521 eine zweite von gleicher Dauer. Die in fruchtbarer Gegend liegende ziemlich volkreiche ' Stadt bot zwar selbst nicht viel zur Ausfuhr, auch war der Anteil der 1 Nachgewiesen von Hagelstange in den Mitteilungen d. Ges. f. vervielfältigende Künste 1905, S. 26 f. 2 Thode, Die Malerschule von Nürnberg, S. 35. 3 Heinz Wyer 1477, 3, 331. Daniel Wolff ebenso, 3. 332. Lutz Geßler 1477—1480. 3, 334. Hans Seider 1478—1480. 3, 343. 4 3, 328. 5 Eine Untersuchung über diese Messen haben wir von Spies zu erwarten. Einige Angaben finden sich bei Dorn er, Friedrich, Die Steuern Nördlingens zu Ausgang des Mittelalters, München er Dissert. 1903. Beyschlag, Gesch. der Stadt Nördlingen (1851), bietet fast nichts. 6 Nach örtels Reiseroute und den Angaben Johannes Müllers lief der Weg über Schwabach, Spalt, Gunzenhausen, Nördlingen, Giengen, Langenau, Ulm (Donau), Stetten, Biberach, Essendorf, Waldsee, Weingarten, Ravensburg, Buchhorn. Meersburg. ' Nach Dorner, S. 100, erreicht die Stadt 1491 eine Einwohnerzahl von 6146. wo man für Nürnberg, Straßburg und Frankfurt, vielleicht etwas zu niedrig, 20 000 ansetzt. Xördlingen. Messe und Geschäfte auf ihr 467 Bürger am Fernhandel nicht bedeutend, wenn auch einige sich in Genf, Italien, besonders Venedig, nachweisen lassen, aber außer den Kaufleuten der nächsten Gegenden kamen doch auch solche aus weiter Ferne. 1 Aus unseren Papieren folgt z. B., daß Genueser dorthin selbst ihre Korallen zu Markt brachten, 2 auch ein Wiener erscheint. 3 Die Nordlinger Messe ist uns genauer bekannt durch die Meßbücher, von denen aus der Zeit von 1451 bis 1476 eine ganze Anzahl erhalten sind. Aber diese Meßbücher umfassen nur die fremden Händler, welche von der Stadt Läden mieteten, vor allem auch in den Meßhäusern, von denen eins noch ziemlich in seinem mittelalterlichen Zustande und für die Stadt als ein Wahrzeichen erhalten ist. Es fehlen darin die Verkaufsstände in Privathäusern. So fand ich bei der Durchsicht wohl Bavensburger und Konstanzer, wenn auch nicht viele, nur aber 1445 einen Humpis. Sie boten also offenbar ihre Waren in einem Privathause aus. Im Laufe der Jahre ging aber der Handel erheblich zurück, so daß die Hälfte der Läden leer blieb. Schon für 3 429 ist der regelmäßige Besuch der Nordlinger Messe durch die Gesellschaft bezeugt; sie hatten daheim von drei Personen 29(5 fl genommen, um sie in Nördingen auszuzahlen, also schon damals rechnete die Gesellschaft damit, mehr dort zu erlösen, als sie zum Einkauf zu verwenden hatte. 4 Den zweiten Nachweis für die Humpis-Gesellschaft bringt das älteste „Stettbüchlein" von 1445, in welchem die Standgeldeinnahmen Avährend der Messe gebucht wurden. Da erscheint Heinrich Humbiss von Eavensburg an zwei Ständen, wo er ,, welsch Gewand" verkauft, sein Handel hatte also größeren Umfang. 5 Die Nordlinger Messe von 1480 ist schon oben behandelt worden. Das Bild der Messe von 1479 ist weniger klar als das von 1480; denn wir haben dieses Mal nur die Notizen Hillesons vor der Messe. 6 Er führte von Nürnberg nur 72 U Zima und 8 U Korallen dorthin und 1090 fl in bar. Daniel Wolff waren 137 fl zu zahlen. Die Messe von 1481 ist durch die Eechnung Lutz Geßlers '• genau bekannt. Er verkaufte von 780 H Ort, die von Nürnberg und Ravensburg (400) kamen, 287 # und erlöste 758 fl 12 ß. Von zwei Schuldnern nahm er 168 fl 4 ß (darunter der Nordlinger Patrizier Wilhelm Protzer) ein und von dem Leibgedinge der Elsa Stärkin 52 fl. Er zahlte an Unkosten 5 fl 17 ß, an Zahlung 7 fl, an Fuhr 1 fl. Das sind die Ausgaben für Eechnung der Gesell- 1 Aus den Mitteilungen von Spies ergibt sieh für die Blütezeit der Messen ein Umkreis: Aachen, Köln, Braunschweig, Leipzig, Breslau, Eger, Wien, Salzburg, St. Gallen (Freibürg i. Ü.), Genf, Bern, Straßburg, Speier, Worms, Frankfurt. Darüber hinaus Mailand und Tournay, Antwerpen, Mecheln und Schottland. 2 3, 394. 3 3, 363. 4 3, 327. 5 Mitteilungen von Herrn Spies. «3,340. Nürnberg hatte die Messe verboten, Friedrieb II. aber das Verbot aufgehoben. ' 3, 365 f. m m 468 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V. Nördlingen. 3. 4. Kap. §73.74 Schaft. Daheim hatten eingezahlt und waren nun zu befriedigen 784 fl. Er lieh für Gesellen aus 95 fl 14 ß, an einen Geschäftsfreund 14 und kaufte für einen anderen für 12 fl 5 ß. Den Eest 660 fl führte er heim. So schließt die Bechnuug in Einnahme und Ausgabe mit 1578 fl 16 ß ab. Diese drei Eechnungen kennen also nur den Verkauf von Safran, Zucker und Korallen, eingekauft wurde nichts. Nicht unbedeutend waren die Einzahlungen von Schulden. Bei solcher Bilanz konnte man also sehr wohl auch wie in Nürnberg und Prankfurt von dem eingegangenen Gelde Beträge an solche, die in Bavensburg Geld eingezahlt hatten, ausrichten, auch ausgeschiedene Gesellen, wie dem aus Nördlingen stammenden Daniel Wolff, ihr Hauptgut auszahlen. Dieses Bild wird auch durch die übrigen Nachrichten bestätigt. 1 Die Eigenart des Nördlinger Geschäftes tritt vielleicht noch stärker in den Einkäufen zu Lasten von Gesellen auf. Nicht weniger als dreimal finden sich Tafelsteine, das sind doch wohl Platten aus dem nahen Solenhofen. 2 Dann werden mehrfach, ,kyllwen kyesen" bestellt — deren Deutung nicht einfach ist 3 — sie berühren vielleicht das in Nördlingen in Blüte stehende Gewerbe der Kürschner, die Stadt hatte neben dem Gewandhause auch ein Kürsenhaus. Was sonst bestellt wurde, hat keinen ausgesprochenen Charakter. 4 Die Miete des Gewölbes betrug 2 fl 10 ß. 5 Die Messe war doch nicht so bedeutend, daß die zu ihr von Nürnberg oder Bavensburg entsendeten Gesellen sie von Anfang bis zu Ende besuchten. Auch aus späterer Zeit Hegen einige Nachrichten vor. Während des Schweizerkrieges war die Mannschaft, die die Beichsstadt dem Könige Maximilian gestellt hatte, in und bei Konstanz im Felde, der städtische Bote, der die Mannschaft begleitete, erhob auf Grund von Abmachungen mit dem Nürnberger Faktor Oswald Krell in Konstanz gegen einen an Krell zahlbaren Wechsel erst 600, dann 800 fl. 6 Die Bedeutung der Nördlinger Messen läßt sich auch an dem Ertrage des Kaufzolles abmessen. Auf die gleiche Münze gebracht, stieg der Betrag von 1406 bis 1476 auf das Dreifache (von 214,4 fl rh. von 1399 auf 604,86 derselben Münze), um bis 1500 auf 299 zu fallen. Der weitaus größte Teil rührt aus der Meßzeit her. Die Stadt deckte 1480 fast 11 % ihrer ordentlichen Gesamteinnahmen aus den Zöllen, und der Hauptteil davon rührte aus den Messen her. Für keine mittelalterliche deutsche Messe ist eine solche Fülle von örtlichen Quellen vorhanden, leider sind sie für die Handelsgeschichte noch nicht benutzt. 1 Safran noch 1507, 3, 394f. 2 3, 353 f. 3 3, 354. 362f. (gefül), 366 (mehrmals). 4 Handbecken, Zucker 3, 354. 5 3, 354. 364. 366. 6 Mitteilung von Herrn Spies aus dem Nördlinger Missivbuch von 1499. HflflHHflBIHi Nördlingen. Wien. Passau 469 Viertes Kapitel Wien und der Südosten § 74. Wien. Ofen. Schwaben schon im 12. Jahrhundert in Österreich. Passauer Mautbücher. Leinwand in Böhmen. Ältestes Zeugnis für die Gesellschaft 1440. Andere Nachrichten. Das Gelieger aufgelassen. 1507 erneut. Bericht von 1511. Waren. Schuldner. Wenig Einkauf. Personal. Spätere Zeiten. Linz. Wann die Oberschwaben zum ersten Male als Kaufleute die Donau von Passau abwärts gesehen haben, ist nicht festzustellen, aber so viel ist sicher, daß schon am Ende des 12. Jahrhunderts die Schwaben so häufig am Zolle von Stein erschienen, daß der dortige Zolltarif wie für die Eegensburger, Kölner und Passauer, so auch für die Schwaben besondere Sätze hatte. 1 Auch um 1400 war die bayrisch-österreichische Donaustrecke ihnen geläufig, ja 1352 hatte der Eavensburger Hermann Seiler mit einem Bürger von Bischofzell die Wassermaut zu Wien in Pfandschaft. 2 In dem Geschäftsbuche der Euntinger von Eegensburg vom Jahre 1383 erscheint zweimal Ulrich der Lind von Konstanz in Wien, der für jene italienische Waren dorthin verbrachte. 3 Einen volleren Einblick gewähren uns zwei Passauer Mautbücher aus den Jahren 1400—1402. 4 Es ist überraschend, hier eine bedeutende Durchfuhr von Leinwand zu finden, deren größter Teil durch den Böhmer Wald nach Böhmen ging. An diesem Geschäfte waren beteiligt von Ulm Ulrich Spieß, Erhard Bauer und ein Biederer. In sehr erheblichem Maße auch St. Gallen: Lienhart Paier (624 Stück), Ulrich Gößler und Hans Schwitzer. 5 Dann Oswald von Kemppen (wohl Kempten) mit 70 Stück, 6 vor allem aber zwei, deren Verwandte wir später in der Gesellschaft nachweisen können. Das ist zunächst Hans Eeichenbach, der 12 Saum Leinwand über den Wald brachte und 400 Stück nach Passau einführte. 7 Der zweite ist Jakob Wißland, der, aus Wangen stammend, 1407 Bürger in Eavensburg wurde. Er verbrachte nicht weniger als 38y 2 Saum Leinwand von insgesamt 8iy 2 Ballen über den Wald. Auch in Wachs trieb er Handel. 8 Und mindestens machte er dieses Geschäft zeitweise mit Ulrich Spieß von Ulm zusammen. 9 Vielleicht gehört Klaus AVirt, der einmal mit Leinwand begegnet, der Eavensburger Kaufmannsfamilie an. 10 Ob diese Leute mit der Gesellschaft in Verbindung standen, muß dahingestellt bleiben. Aber soviel ist sicher, daß die Leinwand schon längst Leute aus dem 1 Rauch, Kerum austriacarum scriptores 2, 106. 2 Thommen, Urkunden z. schweiz. ; Gesch.l, 296. 3 Gütige Mitteilung von Herrn Dr. Bastian in München 4 Veröffentlicht von Theoder Mayer in den Verhandlungen d. hist. Vereins f. Niederbayern, Bd. 44 und 45 (1908 f.). * Vgl. Schelling, Urkundenbuch zur sankt-gallischen Handels- und Industriegeschichte, Nr. 58 und 67. e 45, 21. 7 45, 18. 67 f. 8 45, 11. 18. 64 f. 67 f. * 45, 30.' 10 45, 9. WM m i 470 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V. Wien. 4. Kapitel. § 74 Bezirke der Gesellschaft an die mittlere Donau und nach Böhmen geführt hatte. So ist es denn auch begreiflich, daß 1400 der Konstanzer Weihbischof in der Ravensburger Karmeliterkirche einen Tragaltar, den ein Kaufmann von Prag mitgebracht hatte, einsegnete. 1 Die Ulmer hatten schon sehr früh in Österreich ihren Wandel. Das Privileg Albrechts, Herzogs von Österreich, erstreckte sich übrigens auch auf die anderen schwäbischen Städte, und 1360 wurde der Brief bestätigt. 2 Diese Privilegien waren ja auch sehr begreiflich; denn die österreichischen Herzöge waren doch zugleich die der schwäbischen Vorlande! Das älteste Zeugnis für eine Niederlassung der Gesellschaft in Wien findet sich in einem Satzbuche der Stadt Wien für das Jahr 1440. Ein gewisser Hans Hämerl schuldete der Gesellschaft des Jobst und Ital Gevetterri den Humpis eine Summe von 285 U «Sj, er verpfändete dafür nach anderen Hypotheken zwei Häuser in Wien und drei Weingärten in Dornbach. 3 Es kann ja auch sein, daß diese Schuld gar nicht in Wien entstanden war und die Gesellschaft nur durch ihren Vertreter Hans Lukly, Bürger von Bavensburg, die Pfandstellung in Wien vornehmen ließ, aber wahrscheinlich ist das nicht. Die Schulden in Wien veranlaßten die Gesellschaft, im nächsten Jahre mit Vollmacht Hans Butzel dorthin zu senden. 4 Die Gesellschaft war auch im Jahre 1449 dort vertreten, damals hatte die Stadt Köln ihren Kanzler zum Könige nach Wien gesendet. Ihm schickte sie einen Wechselbrief an der Gesellschaft Diener von Ravensburg. Daraus folgt, daß sie in Wien ein Gelieger hatte. 5 Die Gesellschaft war es aber nicht allein, die Oberschwaben vertrat. In den Wiener Satzbüchern erscheinen 1451 Gebhart Geber von Ravensburg und seine Gesellschaft, 1440 Hans Vogt von Kempten, 1456 und 1457 Hans Vöhlin von Memmingen, 1477 Berthold Schutz von Memmingen mit ihren Gesellschaften und 1478 Peter Haintzel von Memmingen und seine Erben. 6 In den Jahren 1476 bis 1480 war jedenfalls kein Gelieger dort vorhanden. Auf der Abrechnung von 1507 Avurde die Einrichtung eines Ge- liegers beschlossen und dieses Heinrich im Steinhause anvertraut. Einen genauen Einblick gewährt uns die einzige aus Wien erhaltene Rekordanz von 1511.' Das Gelieger, dessen Leitung soeben Gabriel Geßler übernommen hatte, führte damals eine relativ große Zahl von Waren zu Markte. Die Hauptware waren Golschen. Ulmer und Memminger hatten 1 Eintrag im Nekrologium der Karmeliter. - Jäger, S. 690. 3 3, 475 f. 4 Vgl. 3, 486. 6 Mitteilungen a. d. Stadtarchiv Köln 24, 196. Kuske, Quellen 1, Nr. 1232. 6 Diese Angaben verdanke ich Herrn Archivdirektor Prof. Dr. Theodor Mayer. Satzbüclier 59, fol. 116b u. 414a. 330b. 103a; 60, fol. 27b u. o. F. ' 3, 450—456. Oberwchwaben in Wien. Die Eavensburger 471 überhaupt in Wien einen guten Markt, Eavensburger war noch nicht recht in Gebrauch gekommen. Memminger galt 2 fl ungar. minder denn die Ulmer, aber 2—3 fl mehr als die Eavensburger. Man hatte 8 Faß Ulmer, 11 Faß Eavensburger und 2 „Bogoschyn" auf Lager. Vor allem wollte man Ulmer Golschen, dessen Ankaufspreis man nicht kannte. An der Leinwand von Wangen und Kempten gewannen die Büffler von Isny, die Vöhlin-Welser von Memmingen-Augsburg und die Gesellschaft Jörg und Anton Besserer von Memmingen groß Geld. Die Eavensburger wollten darin ihnen Konkurrenz machen und bestellten auch einen Teil von Isner. Sehr starke Lust hatten die Gesellen auch zu englischen Tuchen, von denen sie von Antwerpen her 30 Tuch bestellt hatten, sie hatten noch 12%. Ebenso hoffte man mit Arras und Satin von Antwerpen Geschäfte zu machen. Aus Mailand stammten die 75 Stamete, die allerdings sehr schlecht waren. Seidengewand war nur zu Geschenken für einflußreiche Herren bestellt. Feine Tuche (woher?) sollten verkauft werden. Auch Luffler und Ber- comer wünschte man zu haben, sie hatten noch neun halbe Luffler. Auch nach Onzgold und Korallen stand ihr Verlangen. Von dem aus Portugal kommenden Pfeffer hatte man ein ziemliches Quantum. Man bestand sich gut an ihm, da von ihm viel im Lande geschlissen wurde. „Wollt Ihr das Lager hier halten, so müßt Ihr Euch darin schicken, daß Ihr hier stets Pfeffer habt." Auf die kleine Spezerei setzte man aber kein Vertrauen. Die Gesellschaft wagte auch dem in Österreich wachsenden Safran durch Ortsafran Konkurrenz zu machen. Nicht nur in Wien, Heinrich im Steinhause war mit 4 Stumpf gen Ofen gezogen, dort verkaufte er nur 2 16 und schickte Bernhard mit ihm auf den Markt gen Watta. 1 Zwar war der Schreiber des Briefes dabei nicht ganz ruhig, aber Heinrich und Bernhard meinten, es habe ganz keine Not. Das Wiener Gelieger hatte natürlich auch die Aufgabe über den Stand des österreichischen Safrans zu berichten. Hatte die Gesellschaft sich immerhin für den Verkauf in wenigen Jahren schon gut eingerichtet, so war es schwerlich die Absicht, Wien oder Ofen zu großen Einkäufen zu benutzen. Zwar hatte Heinrich in seiner Zeit für 700 fl Zobelfelle gekauft, aber zu einem sehr hohen Preise. Die Gesellschaft erwog, ob sie nicht dem Ankäufer zu seinen Lasten zurückgegeben werden sollten, da er sie ohne Auftrag erworben hatte. Im wesentlichen ging der Erlös in bar oder in Edelmetall nach Nürnberg, womit die sicherste Verbindung bestand. Gabriel Geßler schreibt, daß er innerhalb Monatsfrist in zwei Sendungen bar nach Nürnberg 1000 ungarische Dukaten und in einer dritten Sendung 3 Stück Silber im Werte von rund 557 fl ungar. gesendet habe. In 1 Lorenz Meder, Blatt 66, kennt in Ungarn die Märkte zu Waldtha, er führt sie auf zwischen Preßburg und Totis. | ' 472 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V.Wien.Budapest. 4.Kap. §74.75 rhein. Gulden umgerechnet sind die drei Sendungen 1945 rh. fl wert Heinrich im Steinhaus war auch im Kreditgeben offenbar nicht sehr sorgfältig gewesen. Er hinterließ, obwohl ja das Gelieger noch nicht viele Jahre bestanden, seinem Nachfolger eine Schuldsumme von zweifelhaften Schulden in 5 Posten im Betrage von 2761 U , zu denen nicht viel Trost war; denn mit Güte war nichts zu hoffen und mit dem Gerichte werde man nicht viel erreichen, besonders mit den Ungarn, selbst wenn man den Eechtsstreit gewinne. Da suchte man einen Vermittler, schickte auch noch Jakob Hünlin nach Ungarn. Einer der Schuldner, Jörg Trag inTäsen, ein Bube und verdorbener Mensch, hatte Heinrich gründlich hereingelegt. Er hatte ihm nicht allein die Zobel aufgehängt, nicht nur stand es zu befürchten, daß er sie rechtlich zurückfordern könne, er war auch noch mindestens 300 rh. fl schuldig und spottete der Gesellschaft und ihrer Mittelsmänner. Und obendrein hatte die Gesellschaft ihn aus der Haft in Ofen und von der Bürgschaft ledig gemacht, und Heinrich hatte zwei am Gerichte beteiligten hohen Herren vergoldete Trinkgeschirre geschenkt, ja auch deren Edelleuten, sie beköstigt und weiter geehret zu Wien wie zu Ofen. Gabriel Geßler war mit alledem sehr wenig einverstanden, er hatte das nicht verhindern können. Bei einem zweiten Schuldner, Ladislaus Adelsperger, versuchte man einen Garten als Deckung zu erhalten, aber der war nicht viel wert. An guten Schulden hinterließ Heinrich am 1. August 1511 seinem Nachfolger in 31 Posten 6337 U. In 15 Monaten hatte er für 9100 U Kredite angehäuft. Dazu war seine Buchführung so, daß ihm 117 U 6 /? 4 ,3) Wiener abgingen. In der nächsten Bechnung kam es weiter heraus, daß ihm auch Waren fehlten, die oben angeführten überflüssigen Schenkungen wurden ihm mit 91 fl angesetzt, daß die Münzgewinne am ungarischen Gelde nicht in Ordnung waren, so daß die Gesellschaft beschloß, ihm für seine Händel und Abgang 130 fl in Abzug zu bringen. Eine Entscheidung über die Ehrung wurde ausgesetzt. Die Laufbahn dieses Gesellen hatte damit ihr Ende gefunden. Gabriel Geßler erging es besser, bei seiner vom 1. August 1511 bis 29. Mai 1514 gehaltenen Bechnung hatte er 90^ 6ß zu viel, und als Ehrung wurden ihm 350 fl zugebilligt. Er hatte auch mit seinem Personale es nicht ganz leicht. Jakob Hünlin wäre willig, lernbegierig, aber vergeßlich, war er doch nach Pesth auf den Markt gegangen und hatte das Geld zu Ofen liegen lassen. Gegen einen älteren Gesellen Bernhard hatte Geßler Mißtrauen, er sei zwar gut zu zahlen, mache kleine Zehrung, sei sehr zufrieden, fromm, aber er sei arm und habe nicht wenige Schulden, Not zwinge einen zu Zeiten etwas zu tun, was er nicht gern tue. Gabriel hatte Sorgen, man solle ihn nicht wachsen lassen. All sein Sinnen und Denken stehe auf die Alchemie. Ungeteiltes Lob fand 1511 und spätere Zeiten, österreichische Handelspolitik 473 jedoch der junge Peter Helmer, der zu Ofen, bei einem Lehrherren eingestellt wurde, er sei geschickt und werde bald die ungarische Sprache erlernen. Auch darin tritt es zutage, daß das Wiener Ge- lieger vor allem auch auf Geschäfte in Ungarn und mit Ungarn aufgebaut war. Aus den späteren Zeiten wissen wir nur wenig über das Gelieger in Wien. Allem Anscheine nach folgte 1514 auf Gabriel Geßler Jakob Hünlin, der bei der Eechnung 1517 eine Ehrung von 100 fl, 1520 eine solche von 125 fl erhielt. 1517 erhielt Peter Helmer schon 10 fl Ehrung; vor 1520 könnte dann Clement Ankenreute die Geschäfte übernommen haben und bis 1525 da geblieben sein, 1520 erhielt er 150 fl Ehrung, 1525 aber 100, wobei man von seiner Köstlichkeit in Kleidung und seinen Abgang nachließ. Aber sicher ist es nicht, daß er wirklich in Wien war. Dagegen steht das 1520 für Hans Geßler fest (Ehrung 15 fl). Die Waren der Gesellschaft gingen flußabwärts; denn von größerem Einkauf ist nirgendwo die Eede. Bei Memmingen werden wir sehen, wie die Waren durch Vermittlung von Lorenz Eain in München auf Isarflöße gebracht wurden. Sie blieben wohl auf ihnen bis Linz, wenigstens beantragte 1514 Gabriel Geßler für Michael Tyrolt zu Linz eine Ehrung. Dann hätte man wohl von dort an wegen der Strudel bei Grein kein Schiff benutzt, sondern den Landweg. t § 75. Wien. Ofen. Linz. Breslau. Die allgemeine Entwicklung des österreichischen Handels. Donauhandel. Wiener Stapelrecht. Passivität der Wiener. Die Oberdeutschen. Ihre Interessen. Preßburg. Linzer Märkte. Bedrohung des Stapel- rechtes. König Matthias. Maximilian. Neue Ansiedhing der Gesellschaft. Stapelkämpfe. Motive der Ansiedlung. Baumgartner über Ofen und Ungarn. Gelieger zu Breslau? Wir können nun wohl mit einiger Sicherheit den EaA r ensburger Handel in das sehr weit geklärte Bild des österreichischen Handels einfügen. 1 Die Grundrichtung des Handels war die vom Nordwesten des Eeiches nach Ungarn, und daher ist es sofort verständbeh, daß in diesem Verkehre zeitweise die Eegensburger, Nürnberger und die Kölner Kaufleute sich in der Führung ablösten und die Augsburger nur dadurch hochbedeutend wurden, daß sie im ober- ungarischen Bergbau die Führung gewannen. In der Lage von Wien lagen die Anreize, durch ein Stapelrecht die gesamte Vermittlung 1 Vgl. Mayer, Theodor, Der auswärtige Handel des Herzogtums Österreich im Mittelalter, 1909. Luschin v. E bengreuth, Münzwesen, Handel und Verkehr im späteren Mittelalter in Geschichte der Stadt Wien, hrsg. vom Altertumsverein zu Wien II, 2, 1905. Böhm, Verhandlungen bezüglich des Geschäftsbetriebes ausländischer Kaufleute in Wien und diesfällige Verordnung Kaiser Maximilians vom 22. Jänner 1515; Archiv f. österr. Gesch., Bd. 14 (1855). Ko- väts, Westungar. Güterverkehr im 15. Jahrhundert (ungar.), Budapest 1902. konnte ich nicht benutzen. wmm "HB» il mm 474 Sechste* Buch. Handel nach Landschaften. V. Österreich. 4. Kap. § 75 des auf den Handel mit Ungarn angewiesenen Donanhandeis in eigene Hände zu nehmen. Das ist ja für lange Zeit der Stadt auch gelungen und Wien durch die Länder der böhmischen Krone zu umgehen, wie es sonst geschah, war den Oberschwaben nicht möglich. Der Stapel wurde von den Wienern nicht zur Grundlage eines eigenen starken Fernhandels gemacht, man wartete auf den oberdeutschen und den ungarischen Kaufmann, um zwischen ihnen vermittelnd den bequemen Nutzen einzustreichen. Zu den vielen Ursachen des Niederganges des Wiener Handels seit der Mitte des 15. Jahrhunderts gehörten auch die vielen Kriege, die den Donauhandel öfter völlig sperrten. Die Passivität der Wiener hatte aber schon vor 1450 eine Eeihe von oberdeutschen Kaufleuten veranlaßt, in Wien Gelieger einzurichten, und diesem Beispiele waren auch die Eavensburger gefolgt. Was aber bot ihnen Österreich? Wein, der für sie nicht in Frage kam. Was Ungarn? Auf Häute, Felle, Vieh legten sie sich auch nicht, Wachs war nur ein kleiner Artikel, so blieb erwünscht vielleicht Silber und Kupfer. Doch auch da waren die Augsburger in Vorteil. Den Fuggern gewährte Maximilian für ihr Kupfer alle möglichen Transportvorteile, auf die die Eavensburger nicht rechnen konnten. So konnten sie dieses Metall erst dort übernehmen, wo dieser Unterschied fortfiel. Wohl hatten sie auch ein starkes Interesse daran, über den Anbau von Safran in Niederösterreich Nachrichten zu erhalten. Auch in der Einfuhr waren sie beschränkt. Salz kam für sie nicht in Frage. Aachener oder Kölner Tuche einzuführen hätte auch ein Binkaufsgelieger dort vorausgesetzt, so blieben Arras und englische Tuche übrig, auch Maüänder Spezialitäten. Das waren die besten Waren für Österreich und Ungarn. So blieben Leinwand und Barchent. Dieses Gewerbe hatte Herzog Eudolf IV. aber in Wien heimisch gemacht, und da hatte man auch die Konkurrenz von Salzburg. Leinwand und Golschen hatten also in Wien und Ungarn keinen sicheren und ausgedehnten Markt. Die Passauer Mautbücher kennen nur eine bescheidene Einfuhr nach Österreich. 1 Das Preßburger Dreißigsteneinnahmebuch aus dem Jahre 1457/58, diese ausgezeichnete Quelle, zeigt, daß die im wesentlichen über Wien kommende Leinwandeinfuhr nach Ungarn 11% der gesamten Textilwareneinfuhr ausmachte und einen Wert von 14 560 ung. fl hatte. Zieht man die italienische Leinwand mit 6508 fl, die Wiener Schleier mit 1250 fl, die böhmischen mit 1759 ab, so bleiben nur 5043 fl übrig. 2 Jedenfalls finden sich in der Preßburger Liste keine Oberdeutschen aufgeführt, 3 der Wiener Stapel hielt sie also damals noch zurück. Auch auf dem Linzer Jahrmarkt fand in den Jahren 1496, 1498 un d 1499 nur ein ganz gering er Umsatz von Leinwand statt.____ 1 Mayer, S. 45. • Vgl. Mayer, S. 96f. 3 Mayer, S. 3, 102. Österreichischer Handel und Handelspolitik 475 Vom Linzer Handel wissen wir für sechs Jahrmärkte (je zwei 1496,1498 und 1499) genau Bescheid. Eavensburger sind nicht nachweisbar, Kempten brachte 70 Ballen + 98 Stück (der größte Kaufmann Metz 28 + 30, Ulrich Vogt, Asboldt, Grubler, der junge Seitz und Steffen), an zweiter Stelle steht Ingolstadt (50 + 50), Memmingen (Gabriel Schietz 20 B.), Braunau (11 + 474), Passau (3 + 159), Augsburg (3 + 79), dann Neunkirchen, Bied. Peter Puffler mit 15 Ballen gehört wohl nach Isny, 15 andere Kaufleute kann ich nicht nach der Heimat benennen. 1 Der oberschwäbische Leinwandbezirk war also nur mit den Städten seines Ostrandes vertreten. 2 Doch so ganz gering war, wie wir gesehen haben, der Leinwandhandel in Wien nicht. Das bezeugen auch die Kramer im Jahre 1513 selbst. Sie schreiben: Wo man dem Gast Leinwand, die man ballenweise pflegt zu führen, einem anderen Kaufmann stückweise zu verkaufen erhebt, so wird keine Aufsicht helfen, denn sie werden die schlechte Leinwand stückweise unter die gute Leinwand mischen, so ihnen stückweise zu verkaufen erlaubt ist, und darunter verkaufen. Es pflegen auch die Ungarn und Böhmen, so die meiste Leinwand hier kaufen, keinerlei Sorte oder Gattung, als gemein Galler, Kempter, Isner, und der gleichen Leinwand unter einem Fasse oder Ballen aufs wenigste nicht zu kaufen. Aber was „hannd- tschtwkh" oder gar gute Leinwand, die man nicht ballenweise pflegt zu verkaufen, bleibt wohl bei den 10 Stücken, doch das unter den 10 das leichteste 3 U ^ wert sei. Darum bleibt, wie jetzt bestimmt ist, alle gemeine Leinwand billig bei dem Ballen. Barchent und gefärbte Leinwand lassen wir bei einem halben Ballen bestehen. Die ,,Leinwatter" stimmten den Krämern zu. Damit sind wir zu der faktischen Sprengung des Wiener Stapel- rechtes und der Anerkennung des Großhandels der Fremden in Wien gelangt, den entscheidenden Maßnahmen Kaiser Maximilians vom Jahre 1515. Schon König Matthias von Ungarn hatte in den Jahren 1485—1490 da er Herr von Wien war, den direkten Verkehr der zureisenden Gäste genehmigt und damit die Wiener schon ausgeschaltet. Diese waren nicht beweglich genug, sich nun selbst das, was früher der Zwang ihnen gesichert hatte, durch eigene Unternehmungen zu erhalten. Sie suchten den Landesherren wieder zur alten Politik Friedrichs des Schönen zu bekehren, allein der Kaiser war von 1 Vgl. Kenner, 5. Bericht über das Museum Franzisco-Carolinum, Linz 1841. 2 Von den Linzer Jahrmärkten zu Bartholomäi und nach Ostern weiß Baum- gartner genauer zu berichten: In den Markt kommen viele Oberländer mit Gewand und Leinwand von Memmingen und anderen Städten, auch von Nürnberg, und viele Salzburger mit Venediger Gut und anderen Pfennwerten und viele Böhmen kommen, Wiener und Ungarn; Wachs, Unschlitt, Wein, Häute und Pferde bringen sie dar. Den Preis des tingarischen Gulden, nach dem einige Warea verkauft werden, muß man ausdingen, sonst gibt man für 3 ungarische Gulden 4 rheinische. 476 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. V.Österreich.Ungarn. 4.Kap. § 75 einzelnen der oberdeutschen Gesellschaften viel zu abhängig, um darein willigen zu können. Eine Ordnung von 1506 kam den Wienern halb entgegen, mehr nicht. Als sie erlassen war, haben die Eavensburger ihr Gelieger aufgetan, und den Zustand von 1511 schildert uns der Bericht. Doch neue Stürme standen bevor. Die Wiener erreichten, daß Juli 1512 das Eegiment der fünf niederösterreichischen Lande die wesentlichsten Bestimmungen von 1281 und 1321 wiederherstellte. Damit war der Handel von Gast zu Gast wieder auf die Jahrmarktzeiten eingeschränkt. Die oberdeutschen Kaufleute wandten sich an den Kaiser, der im Mai 1513 ja mitten in Schwaben unter ihnen in Kaufbeuren weilte, und da gab er seinem Vertrauensmann Lorenz Saurer den Auftrag, die Dinge in Wien zu regeln, die Kaufleute hatten damit gedroht, sie würden nach Mähren ihre Geschäfte verlegen, also in die Lande des Königs von Böhmen-Ungarn. Die sehr schwierigen Verhandlungen sind genau bekannt, wenn wir auch nicht die Namen der oberdeutschen Kaufleute kennen, die ihre Ansprüche mit Eifer verfochten. In diese Verhandlungen warf der Kaiser im September 1513 eine \ r orläufige Ordnung. Beide Teile waren unzufrieden, und die Wiener Stadtgemeinde ließ zweimal die Gewölbe- der Fremden sperren, Ellen und Gewichte wegnehmen, so daß sie sich nach Brunn wandten, wo sie gar füglich ihren Handel einrichteten. Endlich fand sich ein Ausweg in der Ordnung vom 19. Januar 1515, die für den Einzelhandel genau die Grenze der Quanta festsetzte, die der fremde Kaufmann auch an den Gast abgeben durfte. Für ihre eigenen Bedürfnisse durften die Kaufleute Maße und Gewichte haben, doch mußte nach der Stadtwage verkauft werden. Unverheiratete Kaufleute durften auch fortan keinen eigenen Bauch haben, sondern mußten in Bürgerhäusern wohnen. In der Ordnung sind die Minima der in einem Verkaufe veräußerbaren Waren genau angegeben. Golschen und Pokaschin mußten faßweise, St. Galler Zwillich und Leinwand, Barchent und gefärbte Leinwand zu 6 Stücken verkauft werden. Da die gemeine Leinwand von Kempten, Isny usw. nicht mehr erwähnt wird, galt für sie doch wohl der St. Galler Satz, und dann hatten die Eavensburger allen Grund zufrieden zu sein. Aus den Verhandlungen ersehen wir, daß der Pfeffer schon 1513 völlig von Antwerpen abhängig geworden war und die Donau herabkam, in den anderen Spezereien glaubten die Wiener noch an Venedig festhalten zu können. Ihnen fiel es schwer auf, daß die fremden Kaufleute das ganze Jahr über geschlagenes und gesponnenes Silber in ihren Gewölben verkaufen, auch Meßgewänder und Kreuze. Das Minimum der Goldspulen wurde auf QU gesetzt. Die Eücksicht auf die Münze verbot die Ausfuhr von zerbrochenem Gold und Silber. Handelsreform in Wien. Handel in Ungarn 477 Der oben erwähnte Stoff Luffler ist offenbar „Lofrer" Tuch, und da es hinter Amsterdamer und Mechlisehem und vor Aachener Tuch erwähnt wird, ist wohl an Löwen zu denken. Minimum 6 Stück. In den Verhandlungen ist nie von Mailänder Stameten die Eede, wohl aber von Bernern, d. h. Veronesern. Minimum 2 Stück. Beim Safran wurde auf die Ungleichheit der Stumpf von 20—25 ^ hingewiesen. Die Gesellschaften hatten 1507, wie wir bald sehen werden, dem Könige Gelder schließlich vorgestreckt. Ihnen ward jetzt (1515) der Lohn. Maximüian genehmigte für Nürnberg, Augsburg, Memmingen und Bavensburg, daß sie in Wien Warenlager halten durften. 1 Es ist weiter für mich nicht zweifelhaft, daß die Einrichtung von Einkaufsstellen inMemmingen,Ulm und Biberach die Errichtung eines Bavensburger Geliegers in Wien herbeigeführt hat. Der Ostrand des Gesellschaftskreises hatte längst nach Wien gehandelt. 2 Soeben hatten die Memminger Besserer sich von der Vöhlin-Gesellschaft, als diese sich mit den Augsburger Welsern verband und ihren Sitz nach Augsburg verlegte, getrennt. Wohl längst hatten die Vöhlin den Handel nach Wien stark betrieben, die Besserer leiteten ihn von Memmingen weiter, und nun kamen die Bavensburger hinzu. Auch politisch war der Augenblick passend. Gerade schloß Kaiser Maximilian mit dem Könige von Ungarn und Böhmen einen Erbvertrag ab, der dauernd die Herrscher verbinden sollte und ja auch tatsächlich den Anfall beider Beiche an die Habsburger herbeiführte. Da leuchtete zum erstenmal die Möglichkeit auf, daß Wien die Hauptstadt eines Österreich-Ungarn-Böhmen werde, eine wahre Herrscherin an der Donau. Die indolente Wiener Kaufmannschaft verlor schon, ehe das eintrat, ihr Stapelrecht und gab damit auch den Oberdeutschen freies Feld. Die Absicht, die der Bavensburger in dem Briefe von 1511 durchblicken läßt, auch in Ungarn und wohl in der deutschen Stadt Ofen Fuß zu fassen, ist nicht ausgeführt worden. Die Schwierigkeiten, die dem entgegenstanden, lehrt ein Bericht Baumgartners, der, wie es scheint, 1506 einmal das Land aufsuchte, um die Gelegenheit auszukundschaften, wobei er jedoch auf viele Fragen, wie über die Lage der Zollstätten keine Antwort erhielt. Von den vier Jahrmärkten waren die zwei zu Pesth gewöhnlich besser als die zu Ofen, auf diesen durfte der Ausländer seine Waren ausschneiden und auswägen, was ihm sonst verboten war. Baumgartner erfuhr auch — wenn ich die Stelle richtig verstehe — daß kein Oberländer, ja kein Ausländer mit Pfennwerten durch das Land fahren dürfe, „aber, so einer dessen Willen hat, findet man alleweg durch gute Freunde es durchzubringen." Den Zoll zu Ofen (Wertzoll von 30 fl 1 fl) kennt er genauer 1 v. Schuh-Mummenhoff, S. 207. 2 So erscheint Lindau und Memmingen in den Wiener Satzbüehern. Mayer, S. 48. 4 Ulmer Tuche am Preßburger Zoll, ebenda, S. 98. Erheblicher am Linzer Zoll, S. 129. 478 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. VI. Oberschwaben. l.Kap.§7ü.76 und schildert die Gefahren des Kaufmanns, der den Zoll bezahlt hat und nun mit seiner Quittung durch das Land fährt, um die Ballen aufzutun. Hat er unrichtig deklariert, so droht ihm das ganze Gut zu verlieren oder einen guten Teil und eine Strafe dazu. „Jedoch behelfen sich die Kaufleute stets auszusagen, so mindest sie können." „Die Welschen haben größere Privilegien, aber ich verstehe — schreibt Baumgartner —, man werde sich in kurzer Zeit unterstehen, die Privilegien zu brechen." Über die Fahrt von Wien nach Ofen schreibt Baumgartner: „Von Wien gen Ofen über Land ist 32 ungarische Meilen, halte ich redlich für 30 deutsche Meilen, die fährt man gewöhnlich auf Wägen in 26. 25, in 30 Stunden. Ich halte auch, wenn einer darüber wollte es gehen lassen, möchte er es zuwege bringen in 16 Stunden zu fahren." Der Augsburger hatte Vertrauen zu den ungarischen Bossen, auch bei häufigem Pferdewechsel ist eine Fahrt A^on 16,6 Kilometer in der Stunde eine achtbare Leistung. Der nächste Weg nach Breslau führte von Bavensburg über Passau durch Böhmen. Es ist oben gezeigt worden, daß die Gesellschaft 1448 in Breslau keinen Vertreter hatte. Aber der Ravensburger Chronist Schlaparitzi, der doch ziemlich zuverlässig ist, schreibt: 1443 haben Eitel und Jos Humpis eine Gesellschaft gehabt mit Ulrich Stoß in Breslau. 1 Das war ein Ravensburger, dessen Zugehörigkeit zur Gesellschaft auch sonst wahrscheinlich ist. Das Ge- lieger wird erklärlich, da auch die Watt von St. Gallen dort einen festen Fuß hatten. VI. Oberschwaben und die Eidgenossenschaft Erstes Kapitel Oberschwaben § 76. Allgemeines. Finanzieller Vergleich der Reichsstädte. Bündnis der Weber--. zänfte. Verteilung der Aufkaufgebiete. Verlagsystem. Jos von Ratzenried will Werbegelder von der Gesellschaft 1511. Der König eine Beisteuer von den Gesellschaften 1507. Schließlich freiwillige Darlehen. Anleihen bei der Stadt. Ravensburg. Wenn wir uns nun Schwaben selbst zuwenden, so haben wir es fast mit allen Reichsstädten in Oberschwaben, d. h. südlich der Rauhen Alb zu tun, und da ist es gut, sich eine Vorstellung ihrer wirtschaftlichen Bedeutung zu machen. In dem Anschlage der Städte des Schwäbischen Bundes von 1309 ist Ulm mit 750 fl, 1 Staatsarchiv Stuttgart, S. 68. ' - ■■■nnni Ofen. Breslau. Oberschwäbische Städte. Leinwand +79 Konstanz mit 600 fl, Überlingen und Lindau mit je 350 fl, Memmingen mit 300, Biberach mit 250, Ravensburg mit 180, St. Gallen mit 140, Pfullendorf, Wangen, Kaufbettren, Isny und Leutkirch mit je 100 fl, Buchhorn mit 80 fl angesetzt. 1 Unter den 14 Städten steht also Ravensburg am Ende der ersten llälfte. Die Reichs- matrikel von 1521 hat folgende Stufenfolge: Ulm 600, Überlingen und Memmingen 325, Lindau 200, Biberach, Ravensburg und St. Gallen 180, Konstanz 175, Kempten 120, Wangen 110, Isny 100, Leutkirch und Kaufbeuren 90, Pfullendorf 75 und Buchhorn 60 fl. Am auffallendsten ist der Rückgang von Konstanz, der sich aus dem folgenden einigermaßen erklären wird. Die Vereinigung der Bodenseestädte und erst recht der Schwäbische Bund deckte sich nicht genau mit dem Umkreise der Interessen der Gesellschaft, das tat viel mehr ein eigenartiges Bündnis der Weberzünfte von sieben Reichsstädten und der damals im waldburgischen Pfandbesitz befindlichen Stadt Waldsee vom Jahre 1476, 2 zu dem aber noch fünf weitere Städte gehörten. 3 Es erstrebte eine Aufteilung des oberschwäbischen Gebietes in Interessenkreise und eine Einigung über die gleichartigen Grundsätze der Leineweberei. Die bisherige freundschaftliche Nachbarschaft hatte Beschwerden im Garneinkauf und bei der Gauleinwand nicht verhindert. Die Tendenz ging, wie damals auch in anderen Landschaften, gegen die Landweber, deren Konkurrenz man fürchtete. So steht an der Spitze die Bestimmung, daß keine der verbündeten Städte die Gauleinwand mit ihrem Schauzeichen versehen dürfe. Jede Stadt sollte ihr eigenes Schauzeichen haben, das auf jedes Stück, ehe es vom Stuhle abgeschnitten wurde, gedrückt werden mußte. Anderen nicht im Verbündnisse stehenden Städten wurde der Zugang zur Schau gewährt, wie auch innerhalb des Bundes das freigestellt wurde. Nur den Webern und Weberinnen sollte es freistehen, auf dem Lande zu streifen, um Wepfen zu erwerben. Jeder anderen Zunft wurde zugestanden, in einem Umkreis von zwei Meilen, und zwar nur auf die freien Märkte, zu streifen. Für den Garnankauf war den Aufkäufern (Pfragnern) dieser Kreis völlig gesperrt, nur die Städte Kempten, Leutkirch, Isny und Wangen wurden ausgenommen, und ihnen wurden die nachher zu be- handemden Grenzen zugewiesen. Aus den anderen Städten durften die Weber an gefreiten Märkten wöchentlich bis an 25 t6 Garn einkaufen, wer das überschritt, verfiel einer schweren Strafe. Weitere Bestimmungen betrafen die Annahme und Wanderung von Lernknechten und die Zahl der Stühle, die auf drei, für einen Teil des Herbstes auf zwei festgesetzt wurde. 1 Reichstagsakten 2, 108. - 3, 482 f., 1476 19. Febr. 3 Ihre Namen sind nicht genannt, doch ist wohl an Tettnang, Markdorf, Wurzach, vielleicht auch an Pfullendorf und Buchhorn zu denken. 480 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. VI. Oberschwaben. l.Kap. § 76 !8i*3 Jene Grenzen setzen verschiedene Reviere fest. 1. Allen Webern war das Streifen in dem nördlichsten, Memmingen umschließenden Gebiete verstattet. 1 2. Bezirk von Kempten: Südgrenze unterhalb der Stadt Immenstadt und Meiselstein gegenüber, beide rittlings der Hier. 3. Bezirk von Isny: Südgrenze das ostwestliche Tal von Immenstadt, Alpsee, Oberstaufen. 4. Bezirk von Wangen: Südgrenze Sulzberg (westlich von Oberstaufen). 5. Gemeiner südlicher Bezirk: Immenstadt selbst, oberhalb Immenstadt und Oberstaufen ins Gebirge und der Sulzberg. Als nicht gemein wird das Gebiet von Stiefenhofen, Grünenbach, Weiler, Scheidegg und Möggers (nordöstlich von Bregenz) bezeichnet, es gehörte ja nach Isny und Wangen. 6. Verbotener östlicher Bezirk, zwischen den drei Städten Kempten, Füßen und Kaufbeuren, der offenbar aber Kempten vorbehalten war, obwohl die Urkunde von einem allgemeinen Verbote redet. Um politische Grenzen kümmerte sich das alles nicht. Man kann so viel erkennen, daß die Garne vor allem aus den oberen in den Vorbergen der Alpen gelegenen Gebieten begehrt waren. Der Vertrag war scharf gegen die Landweber gerichtet, das sind zünftische Bestrebungen, aber auch die Kaufherren stimmten zu. Wenigstens sind unter den Ammännern, die ihre Einwilligung gaben, Männer, die selbst mit Leinwand handelten: Erhart VöhUn zu Memmingen und Hans Wißland zu Isny. Es ist nicht wohl anzunehmen, daß ihre Firmen wirklich auf den Ankauf von Landweberleinwand verzichteten. Sieher hat die Bavensburger Gesellschaft das nicht getan. Wir hören dann während eines Menschenalters nichts mehr von weiteren Organisationen. 1532 war aber dieselbe Notwendigkeit, das Handwerk von dem Land in die Stadt zu ziehen, vorhanden, und wieder kam es zu einem Bündnisse zwischen den Webern von Bavensburg, Kempten, Isny, Leutkirch, Memmingen und dieses Mal auch Kaufbeuren. Ein Vertreter von Wangen war nicht gekommen. Bavensburg hatte zur Schau die Gewebe von Weingarten, Tettnang und Langenargen zugelassen, etliche Kaufleute brachten Landgarn in die Stadt, um es da zur Arbeit zu gebrauchen. Sie hatten sich also auf das Verlagsystem eingerichtet, das vorher nicht nachzuweisen ist. Memmingen kaufte wenig zu Wurzaeh (nördlich Bavensburg), mehr gegen Augsburg zu; Kaufbeuren im Algäu. Dieses Bavensburger Verlagssystem wurde Onofrius Hinderofen (Bürger zu Bavensburg) und seinen Mitgesellschaftern verboten. Er ließ „eine große Anzahl" des langen Garns von Immenstadt kommen, dann spulen, 1 Obergünzburg an der Güns, nördlich von Kempten, ihr folgend Eonsberg, dann an die Mindel, nordöstlich nach Mindelheim, Pfaffenhausen, Ursperg, Krumbach (nördlichster Punkt), dann südwestlich Bleichheim und Illereichen. Das nödlich anstoßende Gebiet wurde vor allem von Ulm aus genutzt. Vgl. Nübling, Ulms Handel, 214. Vgl. Kartenskizze oben S. 8. Leinwand. Die Werbungen des Jos Humpis, des Königs 4sl zeteln und zu Wepfen machen und führte dieses Halbfabrikat nach Welschland, besonders nach Venedig „zu unüberwindlichem Schaden der Städte", der Leinwandhandel wurde dadurch nach Welschland gezogen. Das Bündnis verbot die Ausfuhr des langen Garns, und die Stadt Ravensburg untersagte Hinderofen und Täschler ihre Betriebsart. 1 Von offiziellen Beziehungen der Gesellschaft zum Kaiser ist nur wenig überliefert. Kaiserliche Privilegien für die Gesellschaft habe ich nirgendswo gefunden. Aber der ewig geldbedürftige Maximilian hat sich doch auch an der Gesellschaft erlaben wollen, freilich nur einmal trat er an die Gesellschaft allein heran oder vielmehr sein Diener. Es war im Oktober 1511, in den Zeiten, da der Kaiser im Bunde mit Frankreich gegen Venedig und auch gegen den Papst stand, als Jos Humpis, kaiserlicher Vogt von Neuburg, von dem Kaiser mit der Werbung von 1000 Landsknechten im Allgäu und in Vorarlberg beauftragt wurde. Er hatte schon einmal im Schwabenkriege 1499 einen Heerhaufen geführt, zwar hatte er mit die Luziensteige eingenommen, aber er teüte wohl mit den anderen Hauptleuten die Niederlage von Erastenz. Der Gerichtsherr von Eatzenried hatte längst seiner Vaterstadt den Eücken gekehrt und war aus der Gesellschaft, die einst seine Vorfahren geleitet hatten, ausgeschieden, in diesem Augenblicke besann er sich aber, daß, da das Werbungsgeld aus der kaiserlichen Kasse nicht zu bekommen war, die Gesellschaft es hergeben könne, und er hatte auch einen Vorwand. Als Vormund von Anna Humpis, der Tochter des Onofrius, hatte er über deren Guthaben von 1000 fl die Gewalt, diese waren gekündigt, zum Teil schon verfallen. Er wandte sich an den Eat von Ravensburg, er möge die Gesellschaft veranlassen, ihm auf die 1000 fl 500 vorzustrecken, die er dann unter seiner eigenen Bürgschaft dem Kaiser für die Werbung vorstrecken wolle. 2 Das ist wohl nicht abgelehnt worden, denn in dem nächsten Schuldnerverzeichnis (1514) steht Jos von Ratzenried mit 366 fl, 1514 noch mit 205 fl. Weit dringlicher waren aber die königlichen Bestrebungen im Jahre 1507 gewesen, um von den oberdeutschen Gesellschaften Geld zu bekommen. 3 Der König hatte auf dem Reichstage zu Konstanz 1507 eine Geldhilfe von den Ständen nicht erreichen können, dafür hatte man ihn auf die Handelsgesellschaften aufmerksam gemacht. 1 Akten, Ravensburg, Stadtarchiv. 2 Schöttle, S. 55. 3 Am besten behandelte auf Grund der auch von mir benutzten Memminger Quellen und der übrigen diese DingeWestermann in denMemminger Geschichtsblättern 1920, Nr. 7. Klüpfel, Urkunden zur Geschichte des Schwab. Bundes, 2 (Bibl. des lit. Vereins 31), S. 12—17. Dazu Schreiben von Ravensburg an Augsburg, Augsb. Stadtarchiv, Literalien. Mitgeteilt von Ammann.' Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 31 l 482 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. VI. Oberschwaben. I.Kap. §76 I llfil Am 28. September des gleichen Jahres trafen in Bavensburg ein Schreiben an die Stadt und ein Mandat an die Gesellschaft ein — die selbst nicht mehr erhalten sind —, bleicher Schrecken herrschte. Die Gesellschaften — an solche zu Augsburg, Nürnberg und Memmingen waren wohl gleichlautende Briefe geschrieben — vermöchten das nicht zu ertragen, das sei auch den Städten, in denen Gesellschafter säßen, in vielen AVegen schwer, auch verderblich und würde zur Abnehmung dienen. So schrieb man sofort an Augsburg, dessen Stellung man erkunden wollte. Von den beteiligten Gesellschaften wandte sich Jörg Besserer von der Besserer-Gesellschaft in Memmingen an seinen Schwager, den Bundeshauptmann Matthäus Neidhart von Ulm. Neidhart begab sich sofort an das königliche Hoflager nach Innsbruck und machte dort geltend: Es sei nicht richtig, daß die Gesellschaften keine Angehörigen ihrer Städte seien, sondern einen eigenen Stand im Beiche bildeten, zu dessen Edelleuten sie zählten. Sie trügen, wie alle Bürger, Steuern und Umgeld, ja sie seien schwerer belastet, da die Fahrhabe doppelt so hohe Steuern trage wie die liegende. Die kaufmännisch tätigen Gesellen hätten aber nicht allein Einlagen, solche seien auch im Besitze von anderen, und diese würden zu einer Anleihe an das Beich keineswegs ihre Zustimmung geben. Der Handel der Gesellschaft spiele sich größtenteüs im Auslande ab. Der Beichstag zu Konstanz habe auch nur zu einem freiwilligeu Anlehen gegen genügende Sicherheit den Bat gegeben, nicht aber zu einem Zwangsmandat, wie es offenbar ergangen war. Der König entbot nun Boten der Kaufmannsgesellschaften mindestens von Memmingen, wo uns der Briefwechsel erhalten ist, auf den 9. November nach Mindelheim. Aber Memmingen lehnte ab, die Städte des Schwäbischen Bundes hätten die Sache in die Hand genommen und außer Neidhart auch die Bürgermeister von Augsburg und Nürnberg an den König abgefertigt, der Bund habe einen Bundestag auf den 19. November nach Ulm berufen; ohne die anderen Städte zu handeln, gezieme ihr nicht. Der König erkannte an, daß die Kaufleute als einzelne Bürger den Städten mit Beisen, Steuern usw. dienten, aber die Städte hätten nichts mit den Kaufleuten als Gesellschaften zu handeln, die Gesellschaften seien allein dem Kaiser und dem heiligen Beiche verwandt. Sie haben von des Beiches Verwandten den meisten Nutzen und tun mit ihrer Handlung den Einzelkaufleuten Abbruch. Sie, die bisher ihrem großen Gewinne nach nicht mitleiden, müssen gleich anderen Ständen (des Beiches) „mit uns Mitleiden* tragen". Diese Auffassung fand auf dem Ulmer Tage scharfe Ablehnung, reichsunmittelbare Handelsgesellschaften waren unerhörte Begriffe. Ihrer Instruktion entsprechend, traten nun die Vertreter des Herrschers auf dem Tage mit der Absicht hervor, die Angelegenheit Maximilian will von den Gesellschaften Steuern. Darlehen 483 vor das Kammergericht zu ziehen, also einen Rechtsstreit zu beginnen. Und wirklich zitierten sie wegen Ungehorsams gegen die Mandate die Kaufleute auf 45 Tage später vor das Kammergericht! Und diese Zitation war erlassen von dem Kammerprokurator und Fiskal Hieronymus von Croaria, also einem Konstanzer Kinde, einem Nachkomme von Andreas Sattler, eines der Träger der Ravensburger Gesellschaft! In der Tat hatte der Ingolstädter Professor des kanonischen Rechtes soeben dieses Amt angetreten. 1 Die Städte bestellten den Gesellschaften einen Prokurator am Kammergericht, und Rechtsgelehrte sollten Matthäus Neidhart begleiten. Weiter trat am 24. Januar 1508 ein Städtetag in Speier zusammen, doch inzwischen hatte der gewandte Unterhändler des Kaisers in den schwierigen Finanzangelegenheiten, Paul von Lichten- stein, den milderen Weg der Verhandlung über ein freiwilliges Darlehen der Gesellschaften gewählt, und Städte und Gesellschaften einigten sich darauf, vom Kaiser eine Erklärung zu verlangen, daß das Darlehen „aus keiner Schuld noch Gerechtsame beschehen sei". Lichtenstein setzte nun eine Verhandlung auf den 14. März 1508 nach Bozen, und dort gab der Kaiser die Erklärung ab, „daß das Anlehen, welches ihm zu einem Römerzuge etliche Kaufleute und derselben Gesellschaften zu Augsburg, Nürnberg, Memmingen und Ravensburg gemacht hätten, ohne einigen Nutzen und Interesse derselben und von ihnen nicht aus Pflicht und Schuldigkeit, sondern einzig und allein aus freiem Willen gemacht worden sei". Wohl eine interessante Episode in der wirren Geschichte der ewig verwirrten Reichsfinanzen: eine Reichskörperschaftssteuer und der Plan, solche Gesellschaften reichsnnmittelbar zu machen! Man möchte fast wünschen, daß der Plan wäre ausgeführt worden, dann hätte man vielleicht auch Formen und Wege gefunden, damals und später, andere Körperschaften in den Bau einzufügen: die Eidgenossenschaft und die Generalstaaten der Niederlande, der im Aufstande gegen die Spanier befindlichen Provinzen. Aber schließlich war der ganze Plan wohl entweder ein Druckmittel oder eine der Verlegenheitserfindungen, zu denen Maximilian und seine Umgebung gern griff. Nach Pauls von Lichtenstein Vorschlag sollte das Anlehen durch 20 000 Zentner Kupfer, lieferbar innerhalb Jahresfrist, gedeckt und zurückbezahlt werden. Der Vertrag ist bisher nicht bekannt geworden, und besonders würde die Aufteilung auf die Gesellschaften uns einen sehr erwünschten Einblick gewähren. In den Akten der Fugger ist das Geschäft mindestens unmittelbar nicht erwähnt, aber tatsächlich hatte am 8. Februar 1508 Jakob Fugger 24 000 fl in bar und 10 000 fl in Kleinodien entrichtet und dafür sollten ihm 8500 Zentner Kupfer in Jahresfrist 1 Smend, Keichskammergericht 1, 361. 48-1 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. VI. Oberschwaben. 1.Kap.§76.77 BSWffi IM geliefert werden. 1 Traten daneben nun Verträge mit anderen Gesellschaften oder übernahmen sie einen Teil der Ware gegen so^ fortige Bezahlung an die Gesellschaft? Aus den allerdings sehr lückenhaften Bavensburger Papieren ist nichts festzustellen. Wohl aber hat Maximilian 1509 und 1510 von der Stadt Bavens- burg 1000 fi gegen Venedig gefordert, 1513 scheint er 800 fl erhalten zu haben, 1515 500 fl. 2 § 77. Ravensburg. Regiment. Einwanderung vermindert. Ebenso die Weberei Städtischer Barclienthandel. Abrechnung der Steuer wegen. Besorgungen für die Stadt. Geschenke der Stadt. Wahrscheinlich kein Kleinverkauf, auch kein Konsumverein. Beziehungen zu den Kleinhändlern. ITumelberg. Ein Bild des Lebens in Bavensburg selbst hat dieses Werk eingeleitet. 3 Hier sind einige Züge aus der Zeit von 1450 ab und einige Nachrichten über die Beziehungen der Gesellschaft zur Stadt hinzuzufügen. Das Begiment war unverändert geblieben und ließ der Gesellschaft ihren alten starken Einfluß auf die Verwaltung, wenn sie auch, wie wir gerade bei den Weberverhandlungen von 1476 gesehen haben, die zünftischen Interessen den eigenen gegenüber nicht immer beugen konnte. Die Einwanderung, namentlich von kleinen Leuten, die am Ende des 14. Jahrhunderts so stark gewesen war, ebbte mehr und mehr ab, so daß am Anfange des 16. die Einwohnerschaft kaum noch wuchs. 4 Das führende Exportgewerbe, das der Weber, stockte. Das kann man aus der folgenden Tabelle ersehen, die freilich voraussetzt, daß wurden. in .jener Periode die Schaugebühren nicht verändert 1463 1468—1472 1484 1488—1491 1513/14 1522/25 Zahl der Rechnungen 1 6 1 5 3 Schaugebühren Welsch- Leinwand Durchschnitts- ertrag U 11. 11. 3. 6. 12. ß 13. 11. 9. 1. 3. 13. 2 6 8, 11 4 leinwand Durchschnitt s- ertrag U ß 34. 13. 26. 17. 11. 15. 13. 12. 11. 1. 15. 18. 4.5. 10. 9. 5. 10. Schwarze Leinwand, Barchent Durchschnitts- ertrag ß £i U c. 19. 19. 11,5. 5,5. Diese Ziffern sind ja nicht leicht zu verwerten, wir kennen ja nicht den Bohertrag und wissen nicht, wie die Erhebungskosten schwankten. Auch sind die Durchschnittsziffern ungleich aus Halb Jahrsrechnungen gewonnen, da unsere Überlieferung so Kicken - 1 Jansen, Max, Jakob Fugger, der Reiche, S. 101. -Ebenl, 175 f. 3 Oben 1, 0—16. l Beleg das Bürgerbuch. HKSs Ravensburg. Die Stadt und die Gesellschaft 485 haft war. Aber der Tiefstand 1484 und das dann folgende Ansteigen könnte doch wohl seinen Grand darin haben, daß zunächst das Verbot von 1476 die Landtuche fernhielt, dann aber die Land- wcberwaren doch wieder mehr und mehr geschaut wurden. Ist das richtig, so ist der Ravensburger Zunft keine allzu große Bedeutung zuzumessen. Auch der Ertrag der eigentlichen Warenzölle, die unter den Toren erhoben wurden, war nicht erheblich. Schöttle 1 gibt für je ein Jahr folgende Ziffern: 1471/72 105 U 6 ß 2 ,S»; 1488/89 136 U 14 ß 10 .9,; 1514/15 133» 3 ,9,; 1524/25 128» 9 ß 10 ,9,; 1609/10 3 44» 4 ß 4 2 X . Der Leinwandeinkauf der Gesellschaft in Ravensburg wird unter den Waren behandelt, hier ist aber noch einiges über den Barchenthandel zu sagen. Er war gegen Ende des 14. Jahrhunderts von Seiten der Stadt und der Zunft organisiert. 1492 erscheint Albrecht Thoman als Regierer des Barchenthandels. 2 1491 rechnete die Stadt mit Konrad Ankenreute und Albrecht Thoman von „der barchat wegen ab" und gab jedem 5 fl zur Ehrung. 3 Die Gesellschaft rechnete mit der Stadt, wie es scheint, regelmäßig über die Steuern der Gesellen ab; sie konnte auf Grund des Wertbuches diese Angaben genauer machen als ein sorgloser Geselle. Wir erfahren das deswegen, weil dieser rechnerischen Arbeit eine Zeche folgte, deren Kosten der Stadtschreiber buchte. So war es 1468, 1472, 1478, 1488, 1489, 1525. Die Stadt bediente sich häufig der Gesellschaft, um auswärts Besorgungen und Bezahlungen zu machen. 1468 zahlte die Stadt um Zinn und Kupfer 60» 5ß 10,9), und wieder für 1% Zentner Zinn 15 fl und für 8 Zentner Kupfer 56 fl 21 ß. 1469 für 6 Zentner Blei 16 fl 12 ß. So mag es gekommen sein, daß 1475 die Stadt der Gesellschaft 269 fl schuldete. Als 1488 ravensburgische Söldner im Dienste Friedrichs gegen Brügge standen, das den Kaisersohn König Maximilian gefangen hielt, war es der Stadt nur dadurch möglich, ihnen den Monatsold zu reichen, daß Andreas von Croaria, der Gesellschaft Diener, das Geld vorstreckte. Die Summe selbst ist nicht bekannt, der Stadtschreiber notierte nur den Rest des Ersatzes mit 8?/ 7 ß 5 ,9). Die Reichssteuern zugunsten des Reiohsregimentes, des Reichskammergerichtes und der Türkenhilfe wurden 1523/24 in Nürnberg von der Gesellschaft mit 90 + 90 + 380 fl bezahlt, die Stadt zahlte dem Goldkurse entsprechend zu dem Fuße von 63 Kreuzern und 64 den Betrag zurück. In den Tagen des Bauernkrieges endlich die Stadt 100» ,9). 1522 wurde der Anschlag des Romzuges mit 1 S. 43. 2 Spit.-Archiv., llepert., S. 1193. 3 Stadtschreiberbuch. Sie brachten es dabei zu Vermögen. Albrecht Thoman versteuerte 1482: 2 + 296 fl; 1482: Hans Thoman 34 -f 0; Bartolomäus 254 -f 98; 1497: Albrecht 520 + 1150; 1503: Erben 674 -f 1519; 1506: Hans 1214 + 767, Jakob 116+ 344. : 486 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. VI. Oberschwaben. l.Kap.§77.78 301% fl = 263 U 16 ß 3 $ vorgeschossen. 1500 hatte umgekehrt die Stadt von der Gesellschaft 204 fl zu fordern. Die Beziehungen der Stadt zu einzelnen Gesellen sind hier nicht aufzuzählen. Aber das ist wenigstens zu erwähnen, daß die Stadt auch Geschenke machte, wenn hervorragende Leute ein großes Mahl gaben. Heinrich Humpis schenkte man 1459, als man mit ihm aß, um Wein 12tf 2 /? und in die Küche 5 ß, 1470, als Jakob Humpis das Mahl gab, um Wein \U 10 ß 5 ^ und in die Küche 5 ß, aber auch Hans Täschler und Konrad Ankenreute, als sie ihre Mähler gaben, erhielten 6 & 9 /? 7 ,3 ( . Ein Muntprat hatte der Stadt eine' Summe gegen Zins geliehen; als 1469 Schellang mit vier Pferden nach Konstanz geschickt wurde, den Zins abzulösen, betrugen die Kosten an Eeitgeld 5 U 13y0 4