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1 (1923)
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238
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238 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. Litauen. 1.2. Kap. §33.34

1475 aber hatte die Gesellschaft zwar im Fondaco noch eineKammer, aber man hatte keinen dauernden Vertreter dort. 1 DieWährung von 1497 führt zwar Venedig noch auf, aber nur miteinem Werte von 50 fl, vielleicht stand so hoch das Inventar zuBuche. 2 Von wirklichen Geschäften erfahren wir nur sehr wenig.

Eine in Venedig zahlbare Wechselschuld eines Baslers ist 1474nachzuweisen. 3 Es reitet nur dann und wann ein Geselle nachVenedig, auch hatte man 1474 noch einen Empfänger für Briefeund Waren dort. 4 1474 sollte Hans Burgauer den Absatz von 6 bis8 Kisten Zucker von Valencia dort versuchen. 5 Indigo war eineZeitlang so wohlfeü, daß man wieder damit einen Versuch machenwollte. 6 Mit dem Erlös von solchen Verkäufen suchte man denAnkauf von Safran in Aquila zu ermöglichen (1700 Dukaten), einanderer Betrag von 500 Dukaten mußte aufgebracht werden, umeinen Wechsel zu decken, den Kraft Stalburg von Frankfurt dortzu Jakobi einzuziehen hatte. 7 Wir erfahren noch von einem säu-migen Schuldner, einem Bankier aus dem Hause der Soranzo, undvon Briefen, die auch 1477 und 1478 noch von Brügge nach Venediggeschickt wurden. 8 Jörg Koller machte 1478 von Mailand dorthineinen Bitt. 9 Man sieht deutlich, daß man sich in der Lagunenstadtnoch eben die Möglichkeit offen erhielt, den Handel wieder aufzu-nehmen.

Die Gründe, welche die Bavensburger veranlaßten, Venedig zumeiden, sind zum Teil schon oben behandelt, aber bei der Be-trachtung der Waren, die die Gesellschaft um 1480 vertrieb, fehlenIndigo und fast alle Gewürze, zunächst auch noch die Seidenstoffeund die Baumwolle. Es fehlt auch von anderen Oberschwaben ausdieser Zeit jede Nachricht über Ausfuhr von Leinen nach Venedig.Und im Safranhandel hatte sich die Gesellschaft von dem Markteam Bialto freigemacht und besorgte ihre Einkäufe von Maüandaus, ihre Gesellen gingen bis Aquila in den Abruzzen. Das war eineallgemeine Erscheinung. Um die Deutschen wieder mehr nachVenedig zu bringen, wurde 1479 ihnen die Durchfuhr von Safranentgegen dem Grundprinzipe des Venezianer Handels, das forderte,daß jede Ware in Venedig den Eigentümer wechsle gestattet;nur ein Zoll von 12 Dukaten für 500 U (das Pfund von Venedig undAquila waren gleich) wurde gefordert und 1492 dieser Transitzollnoch erheblich herabgesetzt: 3Dukaten auf die Saumlast (500 &). 10Dauernd hatte Venedig seine Stellung im Safranhandel eingebüßt. 11

In den leidenschaftlichen Kämpfen zwischen dem auf dem Fest-lande erstarkenden Venedig und den Visconti und Sforza hatten

1 Unten 3,16. 2 Unten 3, 47. 3 Siehe unter Basel. 4 3, 11. 16, 5 3, 7. 15.254. «3,8. '3,10.20. * Unten 3, 7. 407. 9 3, 23. 10 Vgl. Simonsfeld,2,35, Schulte 1, 599, Bardenheuer, Safranhandel, 29. u Mailinger,Der Warenhandel der Augsb. Handelsgesellschaft Haug (Leipz. Dissert. 1911),

8, 86 f.