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1 (1923)
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Das Gelieger in Venedig

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und so die Kette ihrer Schiffsfrachten von Brügge bis Venedig aus-zudehnen, wo dann auch vom Lande her sein Landsmann sicheingefunden hätte. Er hätte damit einen der eisernen Grundsätzedes venezianischen Handels umgangen, der darin bestand, daß einDeutscher wohl vom Lande aus in den Fondaco, diese Zwangs-herberge, Zwangslager und -verkaufsstätte der Deutschen kommendurfte, aber nicht seine Waren als sein Eigentum von Venedig ausverschiffen. Der Venezianer machte seine Stadt zum Endpunktefür die Eeisen des kontinentalen Europäers wie des Levantinersnichtvenezianischer Staatsangehörigkeit.

Die Hansischen aber erschienen bei ihnen gelegentlich auch vonder Seeseite her. Freilich ist der Wortlaut in den Briefen derLübecker Gesellschaft Veckinghausen nicht zwingend. 1 Doch denKavensburgern war es sicher immer verboten, die Galeeren zumWarentransport von und nach Genua, Barcelona, Valencia undBrügge zu benutzen. Nur ein einziges Mal finde ich erwähnt, daßdie Bavensburger in Venedig Waren zu Schiff nach Brügge schickten. 2Bezeichnend ist der Zusatz,sie sollen keine Rechnung gen Flandernschicken, um das Gut, so sie auf die Schiffe laden, ist nicht gut,hernach besser". Das sieht denn doch so aus, als ob die Warenunter dem Namen eines Venezianers gingen und nicht durch einebegleitende Bechnung verraten werden sollten.

Wir haben schon oben die Beziehungen der Muntprats im An-fange des 15. Jahrhunderts zu Venedig erwähnt. 3 Hier ist nurkurz noch einmal der Konstanzer Spekulant Ulrich Imholz zunennen. Er schob sich zwischen die Muntpratsche Gesellschaft,von der er ungemein hohe Quanten von Leinwand einkaufte, unddem Verkaufe in Venedig ein. Im Mai 1426 kaufte er für 6117 flLeinwand und Indigo, im ganzen von 1424 bis 1429 und 1432 fürrund 18 000 fl Leinwand, von der Kaufsumme mußte er in Venedigauf Wechsel in drei Malen 5250 venezianische Dukaten zahlen. 4Muntprat verzichtete also auf den Gewinn beim Verkaufe in Venedig,doch wohl aus Mißtrauen und nahm dort dafür Geld ein, so daß erwenigstens für den Einkauf gerüstet war. Und man geht wohl nichtirre, wenn man annimmt, daß er dort neben Gewürzen Indigo undSafran einkaufte. Der Bankrott des Imholz ist schon oben be-sprochen worden. ,

Im Jahre 1448 war das Bavensburger Gelieger offenbar in Blüte;denn der Faktor Hans Griesinger streckte für den deutschen Hoch-meister 2500 Dukaten vor, die in Nürnberg der Gesellschaft zu er-setzen waren. 5 Es muß also damals das Gelieger entweder übereinen erheblichen Warenerlös oder über Wechselschuldeingänge ver-fügt haben.

1 Am ehesten in Nr. 38 bei Stieda, Hansisch-venezianische Handelsbezie-hungen im 15. Jahrhundert (1894), S. 158. 3, 18. 3 Oben S. 26 f. 4 Unten3, 474. 5 Siehe unter Nürnberg, § 70.