Porträts von Kaufleuten
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Von ihnen erscheinen in unseren Papieren als Kunden die beidenletzten, 1 Hans Tucher 1480 als vertrauter Geschäftsfreund undJörg Ketzel als solcher. Nicht genannt wird der Konkurrent inSafran, Konrad Imhoff. So kommen wir zu dem überraschendenErgebnis, daß wohl alle Kaufleute, deren Bilder wir noch besitzen,diesem oder jenem Teilhaber der Gesellschaft persönlich bekanntwaren. Auch Tommaso Portinari, den der Niederländer van derGoess malte, war ja ein Geschäftsfreund der Eavensburger.
Diese Selbstschätzung hatte eben Norddeutschland noch nichtergriffen, auch weder Augsburg noch Ulm, noch Memmingen, nochBasel. Nürnberg war fast noch die einzige Stadt, die Künstlernderartige weltliche Aufträge gab.
Die Liste beweist schlagend, in wie hohem Maße die junge deutschePorträtkunst bei ihrem Emporkommen auf die Kreise der Kauf-mannschaft angewiesen war. Zuerst ging es ihr wie dem jugend-lichen Porträtisten von heute, er malt Vater und Mutter, andereKünstler, weü sie die Zeit dem sonst noch fragwürdig geltendenjungen Maler zu sitzen und Leinwand und Bahmen daran wenden.Die Kaufleute hatten Vertrauen, Ehrgeiz und Geld. Die Porträt-kunst mußte sich die Kreise des Adels, der gelehrten Welt, der Geist-lichkeit erst langsam erobern, wie es dem genialen Hans Holbein demJüngeren in Deutschland und England spielend gelang. Erst sowird es uns auch völlig verständlich, daß Albrecht Dürer, auch durchandere Gründe getrieben, nach Venedig und Antwerpen zog. DieKaufmannschaft stellte auch in der weiteren Entwicklung noch eineBeine von Bestellern und Gönnern der Künstler.
In der Darstellung der Kaufleute herrscht unbedingt vor die vor-nehme, gelassene Würde, die bei Heinrich Blarer fast in das Lächer-liche umschlug. Kein Zeichen der Kaufmannschaft, kein Wappenfindet sich, bis der jüngere Holbein in dem Büdnis des Georg Gisze(1532) den Londoner Handelsherrn aus Danzig in seinem Skriptorimalt, in gewählter Kleidung, aber beschäftigt einen Brief zu öffnen,umgeben von allen Bureauutensilien, von der Goldwage bis zurBindfadenkugel ist nichts vergessen. Das Geschäftsbuch biegt ihmzur Hand, hinter Leisten stecken Bechnungen und Briefe, auf demGesimse setzt sich die malerische Unordnung fort, die man aber alssolche nicht empfindet, und das helle Licht Holbeinscher Kunst läßtauch kein Körnchen Staub vermuten.
1 Meister Hans der Apotheker, 3, 348.