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222 Fünftes Buch. Soziale Bedeutung der Gesellschaft, zur Kultur. § 31
standene St. Annenkapelle begleiten das ganze südliche Seiten-schiff. 1 1483 stifteten Brida Humpis und ihre Brüder Jakob undJos von Batzenried in einer auf ihre Kosten erbauten, an der Faber-kapelle und an den Chor anstoßenden Kapelle eine tägliche Messeund 1000 U hl., auch Kelch, Meßgewand, Meßbuch und Altartuchhatten sie gestiftet. 2
Nach Norden hin lehnte sich der Kreuzgang und das Konvent-gebäude so an die Kirche an, daß der Chor über das Kloster vor-sprang. Als Gegenstück zu der Faberschen Kapelle erstand danndie 1452 3 eingeweihte, noch erhaltene Allerheiligen- oder Gesell-schaftskapelle, die mit der Chorschlußflucht gleichmäßig abschließt.Sie ist ein einschiffiger, an die Straße stoßender viereckiger Baum,der mit einem Netzgewölbe geschlossen ist. In der Urkunde von1461 4 wird gesagt, daß in dieser, ihrer Lage nach klar beschriebenenKapelle, die man unsere Gesellschaftskapelle nennt, „die wir ganzauf unsere Kosten haben bauen lassen," auf deren Altar eine ewigeMesse gestiftet wurde für das Heil der gegenwärtigen Mitglieder,„aller unserer Vordem, die in der Gesellschaft gewesen sind, auchunseren Nachkommenden, so furo darein kommen und allen derer,von denen uns je Gutes beschehen ist oder noch begegnen mag".Die Gesellschaft gab dafür dem Kloster 100 gute rh. fl. Täglichmußte ein Konventsbruder die Messe lesen und außerdem mußteder Gesellschaft Gedächtnistag nach St. Lienharts Tage (Nov. 6) amSonntage mit Vigilien und am Montage mit einer gesungenenSeelenmesse begangen werden. Der Konvent hatte in Zukunft dieKapelle in Bau zu halten, auch mit allen Gezierden und aller Not-durft zu versehen. Auch für das ewige Licht in der Kapelle wurdeim gleichen Jahre ein ewiger Zins von 2 U ty erworben. 5 Es stehtalso fest, daß diese Kapelle an sich von der Gesellschaft war erbautworden und daß sie bereits längere Zeit bestand und mit einemAltar versehen war. Geweiht war die Kapelle mit dem Altar zuEhren aller Heiligen, der hl. Maria Magdalena, des hl. Sebastian,des hl. Antonius von Padua, des Propheten Elisäus und des hl. Bern-hardin. So stark war der Glaube an den Bestand der Gesellschaft,daß sie auf ewige Zeiten eine Gesellschaftsmesse stiftete!
Der künstlerische Schmuck der Kapelle entbehrt heute seinerHauptzierde, des geschnitzten Altarschreines, den die Gesell-schaft am 16. März 1475 Meister Hansen, dem Bildhauer vonWangen, in Arbeit gab. „Er soll uns die Tafel in die Kapelle zuBavensburg in der Gesellschaft Kapelle machen und soll uns5 ,Bild' — offenbar sind die fünf Nebenpatrone damit gemeint — darinschnitzen und etliche Bild im Ziborium und soll uns die malen und
1 Kenntlich auch durch die Schlußsteine. 2 Archiv Ratzenried, Lade 6, weiß.3 Necrologium, vgl. auch Schwab. Archiv. 30, 53. * Stuttgart, Staatsarchiv,dort auch die Gegen Urkunde vom gleichen Tage. Die Aussteller sind Frick,Humpi8 ; Walter Möttelin u. Konrad Muntprat. 5 Stuttgart, Staatsarchiv.