220 Fünftes Buch. Soziale Bedeutung der Gesellschaft, zur Kultur. § 30. 31
den Sohn zum Kleriker zu machen, sondern ihn als Lernknaben beider Gesellschaft unterzubringen. Und der junge Bursche hattespäter kaum eine Gelegenheit, noch den Klerikat zu erstreben, wieetwa jener Neffe Diepold Bucklins, der bei den Mönchen von ValJesu in Valencia eingetreten war. 1 Bei der hohen Frömmigkeitjener Zeit haben sicherlich Väter und Mütter öfter auch einen derSöhne zum geistlichen Stande bestimmt, nicht immer mit Erfolg.Wenn wir das ja auch bei unserer Gesellschaft nicht erweisenkönnen, so haben wir doch aus Schwaben zwei berühmte Beispiele —Jakob Fugger und HeinrichEhinger! So sind die Namen der Klerikerselten, ein Sattler wurde Domherr und Generalvikar in Konstanz,im Domkapitel saß auch ein Mesnang, Johannes Zwick war Dom-kustos. Ein Humpis und ein Geßler waren Pfarrer an St. Jos inEavensburg und dieser dann Abt in Weissenau, Walter BurgauerPfarrer an der Frauenkirche, Benedikt Burgauer Pfarrer in St.Gallen,Bartholomäus Brisacher Domherr in Brixen, Anton Geisbergs Sohnwurde ein sehr tüchtiger Abt von St. Gallen.
Manche Glieder widmeten sich weltlichem Studium und brachtenes weit. In den Beichsbehörden Kaiser Maximilians und seinesEnkels saßen recht viele Sprossen oberdeutscher Kaufmanns-gesehlechter. Aus dem Kreise der Gesellschaft kenne ich MarquardBreisacher (-{-1466) und seinen gleichnamigen Sohn, Georg Besserer,der als kaiserl. Bat früh in Wien verstarb, Regimentsbeisitzer KaiserMaximilians.
Wirkliche Gelehrte waren Elias Flick von Isny, Professor derTheologie, Rektor in Tübingen 1481 und Hieronymus von Croaria1492 u. 96 Rektor in Tübingen, dann Professor des kanonischenRechtes in Ingolstadt, seit 1507 Fiskal beim Reichskammergericht.
In den Universitätsmatrikeln von Freiburg, Heidelberg undTübingen begegnen manche Kaufmannssöhne, die später instädtischen Ämtern tätig waren, wie Wolfgang Mangold, Dr jur.Stadtschreiber in Zürich, Johannes Muntprat u. a. Ein Mitgliedwar selbst ein Gelehrter, Dr. med. Uelin, der Stadtarzt.
Ob die rechtsberatenden Juristen, Dr. Heinrich Sattler in Kon-stanz und Dr. Jakob Kröll, zu den Familien der Gesellschaft ge-hörten, vermag ich nicht zu sagen. Sicher war das bei Dr. Wilhalmvon Nidegg der Fall. 2
So wenige Kleriker aus den Reihen der Geschlechter, und dochsterben sie aus. Der Dilettant greift da leicht zu der Erklärung,daß die Patrizier besonders bei den zahlreichen Kämpfen der Vater-stadt gewesen seien, wirklich fiel Karlin Brisacher im Schwaben-kriege, aber ein anderer Grund war wohl noch wirksamer. Wenndie Gesellen erst nach 10 Jahren „wiben" durften, so kamen sie vor
1 Bericht des Hieronymus Münzer. 2 In den Ravensburger Stadtschreiber-büchern stehen noch weiter an Rechtskonsulenten zum Teil mit fester BesoldungDr. Zäsi (Zasius), Dr. Conrat Peutinger, Dr. Rehlinger, Dr. Lupfdich.