212 Fünftes Buch. Soziale Bedeutung der Gesellschaft, zur Kultur. § 29
Glieder der Gesellschaft, vor allem sind es die Muntprats, die fastimmer die Spitze behaupten. 1
Aus Oberschwaben folgt dann Lindau. Hier gehörten der Ge-schlechtertrinkstube Zum Sünfzen die Burgauer, Bürgi, Bützel,Kröll, Neukomm und Sieber an, wie die zugezogenen Frei undNidegg; es fehlt aber der größere Teil der Geschlechter. DenZünften gehörten an die Hünlin, öler und wohl auch die Bingler.
Durchaus von der Gesellschaft abhängig waren die oberschwä-bischen Beichsstädte Isny und Wangen, wo es keine geschlossenenVerbände der Geschlechter gab, wiewohl Wangen eine Geschlechter-trinkstube Zum Narren hatte. Wenn das kleine Isny die Koler,Cristan, Budolf, Spideli, Sporer, Stüdlin und Wißland stellte,wie die zugezogenen Mesnang, das noch kleinere Wangen aberdie Kolb, Hinderofen und Waldmann sowie die zugezogenen Klein,vielleicht auch Arnold, so war der Anteil an der Gesellschaftnoch intensiver wie in Bavensburg, und billig darf man über denWagemut dieser Kleinstädter staunen, die vor allem nach Spanienzogen. Die heimischen Leinengebilde nahmen ja ebenfalls dorthinihren Weg. In Isny überwogen die Weber, Wangen hatte eine statt-liche Anzahl von Schmieden, und Montaigne erzählt in seinem geist-vollen Beiseberichte von Sicheln, die bis nach Lothringen ver-trieben wurden.
Aus dem Zwergstädtchen Leutkirch stammte vielleicht einStüdün, die beiden anderen vornehmeren Geschlechter sind nichtnachzuweisen. Noch winziger waren Buchhorn (das heutigeFriedrichshafen) und Buchau. Von jenem stammten die Mötteli,die auch später wieder einmal das Bürgerrecht erwarben, und vonBuchau kamen die Biberacher und Bavensburger Brandenburg,ein aus dem Bitterstand hervorgegangene Familie, allerdings warendiese, als sie Teilhaber waren, nicht mehr in dem Städtlein amFedersee.
Nach Kempten waren Konstanzer Frei gewandert, einen regel-mäßigen Anteil an der Gesellschaft seitens Kemptens vermag ichnur für einen Grimel und Jos Schedler zu erweisen.
Nördlich und östlich von diesem Gebiete, in dem damals dieLeineweberei das den Handel am stärksten bestimmende Gewerbewar, liegen die Beichsstädte, die hauptsächlich aus der Baumwoll-weberei ihre Nahrung zogen: Biberach, Ulm, Memmingen, Kauf-beuren und in weiterem Abstände Augsburg und Nördlingen. Nurin einzelnen der Städte saßen Gesellen der Gesellschaft.
1 1477: Hans Muntprat, Konrad Muntprat, Ludwig Keller. 1479: Konrad M.,Ludwig M.s Kinder, Ludwig Keller. 1484: Hans, Ludwigs Kinder Gallus Munt-prat. 1490: Jakob, Ludwigs Kinder, Hans von Ulm. 1494: Jakob, Ruland u. JosMuntprat, Hans von Ulm. 1504: Ruland Muntprat, Hans und Jakob von Ulm.Bei der Bildung aller dieser Vermögen ist der Einfluß der Gesellschaft erwiesenoder wie bei den Ulm wahrscheinlich.