1 f;2 Drittes Buch. Organisation und Technik des Handels. 3. Kapitel. § 20
nie Verzugszinsen. Sie nahmen also nicht an den Gewinnen Anteil,an denen sich andere erlaben konnten. Sie genossen nur insofern eineVerzinsung ihrer Ausstände, als sie die Waren gegen bar billigerhingaben als gegen Ziel und die Preise auch nach dem näheren oderentfernteren Ziele staffelten. Das war der damals schon allgemein-übliche Einwand des lucum cessans.
Als dritter Grund gegen eine bankartige Tätigkeit gesellte sichdie Lage der Stadt Eavensburg hinzu. Um eine Bank zu betreiben,mußte man an einem Orte wohnen, wo sich Geldbedürftige und Geld-kräftige in größerer Zahl befanden oder doch wenigstens zeitweiseaufhielten. Das viel größere Augsburg, die wirtschaftliche Vor-macht auf der bayerisch-schwäbischen Hochebene, die Stadt amFuße der Alpen, mit Venedig, Mailand durch vorzügliche Handels-wege verbunden, stark, ja entscheidend beteiligt an der Ausbeuteder Tiroler und anderer Edelmetallbergwerke war weit günstigergestellt. Man könnte auf Siena hinweisen, aber diese Stadt wareinmal doch nur kurze Zeit die Heimat der leitenden Bankhäuserund das war in den Tagen, als sie in Born am Sitze der Kurie, diedurch ihr Abgabensystem den Geldhandel zur Notwendigkeitmachte, fast ohne Konkurrenz war und die damals als internatio-nalen Abwicklungsplatz dienenden Champagnermessen von ihnenregelmäßig besucht wurden. Und Siena selbst war weit größer alsEavensburg. Die Bavensburger hätten nicht in Eavensburg, son-dern in ihren Geliegern die Bankgeschäfte betreiben müssen, siehätten in Brügge, Genf, Lyon, Genua und Mailand diese Geschäfteabschließen müssen. Daß sie nicht den Gesellen so viel anver-trauten, wird man begreiflich finden.
Und auch eine Anlehnung an eine politische Macht besaßen sienicht. Die Pugger verbanden sich mit dem Hause Habsburg,stiegen mit seinem Glücke und sanken mit seiner steigenden Finanz-not. An einer solchen Verbindung mit irgendeiner politischen Machtfehlte es den Eavensburgern völlig.
Auch die großen Nürnberger, Frankfurter und Kölner Häuserhaben sich damals in der Hauptsache vom Geldhandel ferngehalten,und die Lage ihrer Orte hätte den Geldhandel doch weit eher er-mögbicht, als das bei Eavensburg der Fall war.
So ist der Geldhandel der Eavensburger eingeschränkt auf ge-legentliche Geschäfte. Ich beginne mit den Aufträgen, die man an-nahm, um auf diese Weise Geldmittel von einem Orte an den Ortzu übertragen. Fast regelmäßig zahlten Eavensburger und Kon-stanzer Bürger in ihrer Heimat Gelder an die Gesellschaft ein underhielten sie unmittelbar darauf in der Frankfurter Messe wiederausgezahlt. 1 Der Gesellschaft war das recht; denn sie, die, wie wirsehen werden, regelmäßig nach der Messe von Frankfurt Geld nachHause zu verbringen hatte, sparte die Kosten und die Gefahren des
1 1474 verboten, 3, 16.