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1 (1923)
Entstehung
Seite
131
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Schulden u. Kredite. Verkauf im großen. Keine Geldgeschäfte. Zinsverbot 131

keinen Dingen, denn allein nach dem Nutzen und laßt andere Leuteunter dem Werte verkaufen pratzla = span. baratar, wie hochsie wollen." 1Sehet darein, daß wir nicht Knechte umsonstsind." 2Wenn andere Leute gewinnen, so sollten wir auch ge-winnen." 3

Die Gesellschaft verkaufte in der Regel nur im großen, d. h. einganzes Stück Tuch, eine Anzahl von Pfunden Safran usw. Aus derRechnung Ludwig Geßlers ergibt sich das auch für die FrankfurterMessen. Einen Detailverkauf hatte man nur in Valencia und viel-leicht in Genua, und dafür hatte man eine besondere Bodega. Überihre Tätigkeit ist an anderem Orte zu berichten. Nur das sei hierbemerkt, daß man es sehr erwägte, ob man sie aufrechterhalten sollte.

§ 20. Keine Geld- oder Kreditgeschäfte. Gründe dafür. Geldvermittlung für Ge-schäftsfreunde. Andere Mittel Geldtransporte zu ersparen. Ausfuhr von Edelmetallvielfach verboten. Wechsel in verschiedenartiger Verwendung. Wechselpraxis. Ge-fahren. Kommissionsgeschäfte.

Die Papiere der Gesellschaft beweisen es deutlich, daß sie grund-sätzlich keine Geld- und Kreditgeschäfte betrieb. Da keiner derGesellen Geld der Gesellschaft ausleihen durfte, war einem Kredit-geschäfte in den Geliegern jeder Boden entzogen. Drei Gründehaben da zusammengewirkt. Eine Gesellschaft von so vielen Ge-sellen, von denen doch mindestens 20 Prokura hatten, wäre not-wendig, durch den Betrieb des Geldhandels in riskante, ja waghalsigeSpekulationen geraten. Das größte deutsche Bankhaus, die Fugger,besaß eine stramme einheitliche Leitung und verwendete aufseinen Geliegern Angestellte, Faktoren. Wenn auch Jakob Fuggerden Apparat völlig zu beherrschen in der Lage war, so haben seineminder genialen Nachfolger doch mehr wie einmal unter dem selb-ständigen Wagemute ihrer Faktoren gelitten und schwere Nacken-schläge bekommen. Die Fugger und andere Augsburger, wie auchdie Vöhlin-Welser usw., fanden kein Bedenken gegen das rigorosekirchliche Zinsverbot offen oder verschleiert Zinsen, und zwar oftsehr hohe zu nehmen. Ihr Anteil an dem Edelmetallhandel, derdoch noch mit einem Fuße im Warenhandel steht, drängte siegeradezu in den Geldhandel hinein. An dem Edelmetallhandelhaben zwar auch die Eavensburger teügenommen, aber doch ineinem sehr bescheidenen Umfange und nur gelegentlich. Sie kauftennur selten und stets aus zweiter Hand Silber, um es an anderemOrte mit Nutzen zu verkaufen.

Von dem eigentlichen Geldhandel hielt sie auch die Eücksicht aufdas kirchliche Zinsverbot ab. Sie standen auf dem Boden des kirch-lichen Zins Verbotes, das im Gelde nur ein Täuschmittel sah. Einenstarken Einfluß des kirchlichen Hilfsmittels vom damnum emer-gens kann man nicht beobachten. Sie nahmen, wie wir sahen,

1 3, 148. 2 3, 160. 3 3, 75.

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